Skip to main content

Full text of "Abhandlungen der Historischen klasse der Königlich bayerischen akademie der wissenschaften"

See other formats


Google 



This is a digital copy of a book that was prcscrvod for gcncrations on library shclvcs bcforc it was carcfully scannod by Google as pari of a projcct 

to make the world's books discoverablc online. 

It has survived long enough for the Copyright to expire and the book to enter the public domain. A public domain book is one that was never subject 

to Copyright or whose legal Copyright term has expired. Whether a book is in the public domain may vary country to country. Public domain books 

are our gateways to the past, representing a wealth of history, cultuie and knowledge that's often difficult to discover. 

Marks, notations and other maiginalia present in the original volume will appear in this flle - a reminder of this book's long journcy from the 

publisher to a library and finally to you. 

Usage guidelines 

Google is proud to partner with libraries to digitize public domain materials and make them widely accessible. Public domain books belong to the 
public and we are merely their custodians. Nevertheless, this work is expensive, so in order to keep providing this resource, we have taken Steps to 
prcvcnt abuse by commercial parties, including placing lechnical restrictions on automated querying. 
We also ask that you: 

+ Make non-commercial use ofthefiles We designed Google Book Search for use by individuals, and we request that you use these files for 
personal, non-commercial purposes. 

+ Refrain fivm automated querying Do not send automated queries of any sort to Google's System: If you are conducting research on machinc 
translation, optical character recognition or other areas where access to a laige amount of text is helpful, please contact us. We encouragc the 
use of public domain materials for these purposes and may be able to help. 

+ Maintain attributionTht GoogXt "watermark" you see on each flle is essential for informingpcoplcabout this projcct and hclping them lind 
additional materials through Google Book Search. Please do not remove it. 

+ Keep it legal Whatever your use, remember that you are lesponsible for ensuring that what you are doing is legal. Do not assume that just 
because we believe a book is in the public domain for users in the United States, that the work is also in the public domain for users in other 
countries. Whether a book is still in Copyright varies from country to country, and we can'l offer guidance on whether any speciflc use of 
any speciflc book is allowed. Please do not assume that a book's appearance in Google Book Search mcans it can bc used in any manner 
anywhere in the world. Copyright infringement liabili^ can be quite severe. 

Äbout Google Book Search 

Google's mission is to organizc the world's Information and to make it univcrsally accessible and uscful. Google Book Search hclps rcadcrs 
discover the world's books while hclping authors and publishers rcach ncw audicnccs. You can search through the füll icxi of ihis book on the web 

at |http: //books. google .com/l 



Google 



IJber dieses Buch 

Dies ist ein digitales Exemplar eines Buches, das seit Generationen in den Realen der Bibliotheken aufbewahrt wurde, bevor es von Google im 
Rahmen eines Projekts, mit dem die Bücher dieser Welt online verfugbar gemacht werden sollen, sorgfältig gescannt wurde. 
Das Buch hat das Uiheberrecht überdauert und kann nun öffentlich zugänglich gemacht werden. Ein öffentlich zugängliches Buch ist ein Buch, 
das niemals Urheberrechten unterlag oder bei dem die Schutzfrist des Urheberrechts abgelaufen ist. Ob ein Buch öffentlich zugänglich ist, kann 
von Land zu Land unterschiedlich sein. Öffentlich zugängliche Bücher sind unser Tor zur Vergangenheit und stellen ein geschichtliches, kulturelles 
und wissenschaftliches Vermögen dar, das häufig nur schwierig zu entdecken ist. 

Gebrauchsspuren, Anmerkungen und andere Randbemerkungen, die im Originalband enthalten sind, finden sich auch in dieser Datei - eine Erin- 
nerung an die lange Reise, die das Buch vom Verleger zu einer Bibliothek und weiter zu Ihnen hinter sich gebracht hat. 

Nu tzungsrichtlinien 

Google ist stolz, mit Bibliotheken in Partnerschaft lieber Zusammenarbeit öffentlich zugängliches Material zu digitalisieren und einer breiten Masse 
zugänglich zu machen. Öffentlich zugängliche Bücher gehören der Öffentlichkeit, und wir sind nur ihre Hüter. Nie htsdesto trotz ist diese 
Arbeit kostspielig. Um diese Ressource weiterhin zur Verfügung stellen zu können, haben wir Schritte unternommen, um den Missbrauch durch 
kommerzielle Parteien zu veihindem. Dazu gehören technische Einschränkungen für automatisierte Abfragen. 
Wir bitten Sie um Einhaltung folgender Richtlinien: 

+ Nutzung der Dateien zu nichtkommerziellen Zwecken Wir haben Google Buchsuche Tür Endanwender konzipiert und möchten, dass Sie diese 
Dateien nur für persönliche, nichtkommerzielle Zwecke verwenden. 

+ Keine automatisierten Abfragen Senden Sie keine automatisierten Abfragen irgendwelcher Art an das Google-System. Wenn Sie Recherchen 
über maschinelle Übersetzung, optische Zeichenerkennung oder andere Bereiche durchführen, in denen der Zugang zu Text in großen Mengen 
nützlich ist, wenden Sie sich bitte an uns. Wir fördern die Nutzung des öffentlich zugänglichen Materials fürdieseZwecke und können Ihnen 
unter Umständen helfen. 

+ Beibehaltung von Google-MarkenelementenDas "Wasserzeichen" von Google, das Sie in jeder Datei finden, ist wichtig zur Information über 
dieses Projekt und hilft den Anwendern weiteres Material über Google Buchsuche zu finden. Bitte entfernen Sie das Wasserzeichen nicht. 

+ Bewegen Sie sich innerhalb der Legalität Unabhängig von Ihrem Verwendungszweck müssen Sie sich Ihrer Verantwortung bewusst sein, 
sicherzustellen, dass Ihre Nutzung legal ist. Gehen Sie nicht davon aus, dass ein Buch, das nach unserem Dafürhalten für Nutzer in den USA 
öffentlich zugänglich ist, auch für Nutzer in anderen Ländern öffentlich zugänglich ist. Ob ein Buch noch dem Urheberrecht unterliegt, ist 
von Land zu Land verschieden. Wir können keine Beratung leisten, ob eine bestimmte Nutzung eines bestimmten Buches gesetzlich zulässig 
ist. Gehen Sie nicht davon aus, dass das Erscheinen eines Buchs in Google Buchsuche bedeutet, dass es in jeder Form und überall auf der 
Welt verwendet werden kann. Eine Urheberrechtsverletzung kann schwerwiegende Folgen haben. 

Über Google Buchsuche 

Das Ziel von Google besteht darin, die weltweiten Informationen zu organisieren und allgemein nutzbar und zugänglich zu machen. Google 
Buchsuche hilft Lesern dabei, die Bücher dieser We lt zu entdecken, und unterstützt Au toren und Verleger dabei, neue Zielgruppcn zu erreichen. 
Den gesamten Buchtext können Sie im Internet unter |http: //books . google .coiril durchsuchen. 



dPMP, 











ISliMiMfMfMlMiMiüif 






-s,I«-8^^,>^ 



mmi 




,<7 



-^ 



ABHA]!fDLUNGEN 



DER 



HISTORISCHEN CLASSE 



DER KÖNIGLICH BAYERISCHEN 



AKADEMIE der WISSENSCHAFTEN. 



VIERZEHNTER BAND. 

IN DER REIHE DER DENKSCHRIFTEN DER LI. BAND. 



MÜNCHEN, 

1879. 
VERLAG DER K AKADEMIE, 

IM COMMISSION BEI 0. FRANZ. 



ABHAlfDLUNGEN 



DER 



HISTORISCHEN CLASSE 



DER KÖNiaLICH BAYERISCHEN 



AKADEMIE der WISSENSCHAETEN. 



VIERZEHNTEN BANDES 

ERSTE IBTHEILUNe. 

IN DER K.EIHB DER DBNKSCHIUFTEN DER LI. BAND. 



MÜNCHEN, 

1878. 

VERLAG DER K AKADEMIE, 

m COMMISSION BEI 0. FBANZ. 



Inhalt. 



Seite 

Der kirclienpolitiscbe Kampf nnter Ludwig dem Baier und sein Einfinss anf 

die öffentliche Meinung in Deutschland. Von Dr. Wilhelm Preger . . 1 

Die Correspondenz EarFs VII. mit Josef Franz Graf von Seinsheim. 1738 — 

1743. Von Karl Theodor Heigel 71 

Der Elsasser Augustinermönch Johannes Hoffmeister und seine Korrespondenz 

mit dem Ordensgeneral Hieronymus Seripando. Von August von Druff el 135 



mmm 



Der kirchenpolitische Kampf unter 

Ludwig dem Baier 



und 



sein Einfluss auf die öffentliche Meinung 



m 



Deutschland. 



Von 



Dr. Wilhelm Preger. 



Abh. d. UI. Cl. d. k. Ak. d. Wisa. XIV. Bd. I. Abth. l 



Der kirchenpolitische Kampf unter Ludwig dem Baier 
nnd sein Einflnss anf die öffentliche Meinung 



in 



Deutschland. 

Von 

Dr. Wilhelm Preger. 



Als der Kampf zwischen Kaiserthum und Papstthum unter Ludwig 
dem Baier von neuem entbrannte, fand er veränderte Verhältnisse vor, 
unter deren Einfluss er eine neue und weit in die Zukunft riBichende 
Bedeutung gewann. 

In dem culturreichsten Lande Europas, in Italien, mussten die Er- 
folge in den Kämpfen um die bürgerliche Freiheit nothwendig auch neue 
Ansichten über die Natur des bürgerlichen Gemeinwesens hervorrufen, 
und diese konnten um so leichter zu Theorien sich ausgestalten, als es, wie 
das Blühen der Scholastik beweist, zugleich in der Zeit lag, das Bestehende 
an den Gesetzen der Vernunft zu messen und auf die Principien der 
Dinge zurückzugehen. Es sind Italiener, Thomas Aquin, Dante, Marsilius 
von Padua, welche, wenn auch von verschiedenen Gesichtspunkten aus, 
die Natur des menschlichen Gemeinwesens zum Gegenstande tiefgehender 
theoretischer Erörterungen machten. 

In der Kirche war, als sie die Höhe ihrer weltlichen Macht erreicht 
hatte, das Bewusstsein ihres wahren Berufes doch nicht erloschen. Im 
Gegensatze zu der verweltlichten Hierarchie sahen anfangs die Bettelorden 
sowie die Anhänger der Mystik das Ideal christiicher Vollkommenheit in der 
höchsten Weltverläugnung und Armuth und im Dienste der Liebe. Die 



Franziskaner oder Minoriten glaubten dieses Ideal zum Theil in einer 
Auffassung ihrer Regel vorgezeichnet, nach welcher die Ordensglieder auf 
jeden gemeinsamen und besonderen Besitz verzichteten. Nur den massigsten 
Niessbrauch der irdischen Dinge wollten sie haben, den Besitz der ihnen 
geschenkten Güter trugen sie dem Papste auf. Verschiedene Päpste hatten 
die Regel in diesem Sinne bestätigt, als Johann XXII. ihr eine andere 
Deutung gab. Der ganze Orden wurde darüber im tiefsten aufgeregt, 
und bei dem sittlichen Ernste, der in vielen Gliedern des Ordens waltete, 
und bei der rücksichtslosen und kühnen Entschlossenheit ihres Generals 
Michael von Caesena — er war eines Bauern Sohn aus einem Dorfe bei 
Caesena in Italien ^) — war der Orden bald in offenem Aufruhr wider 
den päpstlichen Stuhl. Es war dies um dieselbe Zeit, als Ludwig der 
Baier in seinen Streit mit dem Papste eingetreten war. 

Deutschland bot, seit es seine politische Vorherrschaft im Abendlande 
eingebüsst hatte, äusserlich das Bild grosser Verwirrung und Zerrissen- 
heit, aber es barg in sich noch eine Fülle aufstrebender Kräfte. Sein 
Bürgerthum strebte dem Vorbild der italienischen Republiken nach, und 
wurde die Hauptstätte der nationalen Cultur und des nationalen Lebens. 
In seiner Ordensgeistlichkeit war es bereits mit Erfolg in die Schule der 
in Frankreich blühenden Scholastik getreten und eben jetzt entfaltete 
sich in Deutschland auch eine theologische Wissenschaft von eigenem na- 
tionalen Gepräge, die ihre deutsche Art zugleich dadurch bekundete, dass 
sie ihre Lehren in der Sprache des Volkes vortrug. Nicht minder zeigt 
die deutsche Kunst dieser Zeit einen grossartig aufstrebenden Sinn. Da- 
neben war das nationale Gefühl, seit Deutschland nicht mehr herrschte, 
sondern eingeengt war durch das erstarkende Frankreich und die poli- 
tische Parteinahme des Papstthums für die letztere Macht, empfindlicher, 
reizbarer geworden. In dieser Zeit wurde Ludwig der Baier König des 
deutschen Reichs. Ein Fürst, thätig und zu kühnen Unternehmungen 
geneigt, ideal genug, um auch Aussergewöhnliches ins Werk zu setzen und 
von jener zähen Geschmeidigkeit, welche ein Herrscher bedurfte in Zeiten, 



1) Scipio Claramontins , Gaesenae urbis bist, libri XVI (bis 1640) Lugd. Bat. L. XII. f. 802: 
Tnlit hoc tempore bifornie monstmm Caesena Fr. MicheliDnm Ordinis Minornm ex rustico genere 
Foscoram natom in villa Ficli agri Caesenatis non procul ab Urbe etc. 



I 



wo die widerstreitendsten Bestrebmigen das Reich verwirrten, und die 
roheste Selbstsucht die Verträge der Treue jeden Augenblick wieder löste. 
Weil Ludwig für seine Wahl durch die Mehrzahl der Kurfürsten die 
Bestätigung des Papstes nicht nachsuchte, so wurde er 1324 mit dem 
Banne, alle Gemeinwesen, die zu ihm halten würden, mit dem Interdikte 
belegt. Die Entschlossenheit, mit welcher Ludwig den Kampf aufnahm, führte 
ihm die bedeutendsten unter den kirchlichen Gegnern des Papstes zu. 
Marsilius von Padua und Johann von Jandun kamen aus Paris, wo für 
sie bei der Verbindung des Hofes mit dem Papste kein Raum mehr war; 
aus Avignon flüchteten die dort in Haft gehaltenen Führer der strengen 
Minoriten: Michael von Caesena, Wilhelm Occam und Bonagratia von 
Bergamo zu ihm. Marsilius überbrachte die von ihm unter Mitwirkung 
des Johannes von Jandun verfasste Schrift Defensor pacis, die er noch in 
Paris für den deutschen König geschrieben hatte. Sie enthielt Grund- 
sätze, welche eine völlige Umwandlung der Kirche bedeuteten. Ludwig 
führte die Ideen dieser Männer ohne viel Zögern als eine willkommene 
Hilfe in den Kampf für seine Rechte mit hinein. 

GmndsStze der theologischen Gegner der Päpste. 

Wir suchen zuerst einen Ueberbhck über die Grundsätze zu gewinnen, 
welche der Vertheidigung der Unabhängigkeit der weltlichen Gewalt 
dienen sollten. 

. 1. Schon in der Zeit Heinrichs IV. wurde die Unabhängigkeit der 
welthchen Gewalt auf göttliche Anordnung zurück geführt^) und die Be- 
schlüsse des Jahres 1338 zuRense und Frankfurt sind nur die reichsrechtliche 
Festsetzung einer oft ausgesprochenen Wahrheit Die Kämpfe der auf 
Heinrich IV. folgenden Jahrhunderte brachten es mit sich, dass die an- 



1) Heinrieb IV. an Gregor VII. 1076: ideoqne et in ipsam regiam potestatem nobis a Deo con- 
cessam exnrgere non timaisti, quam te nobis anferre ansns es minari, quasi nos a te regnnm 
acceperimus, quasi in tna et non in Bei mann sit regpinm Tel imperiom : qnnm Dominas noster 
Jesus Christus nos ad regnum, te antem non vocavit ad sacerdotium. (Brano De bello Sazonico 
ap. Pertz Mon. Script. V.) 

Walranins De unitate eoclesiae etc.: Ideo jnxta qnod snpra dictum est ex verbis Oelasii 
Papae, ordinata est a Deo sicat sacrata Pontificam anctoritas ita et regalis potestas, nt 
Christiani Imperatores pro aeterna Tita indigerent pontificibns, et pontifices pro temporal inm 
cursu rernm imperialibns nterentnr dispositionibus (Freber. Germ. rer. script. ed. 1600 f. 192) 



fangs nur geschichtlich geführten Beweise durch Theorien über das Wesen 
des Staates ergänzt wurden. Keine Schrift des gesammten Mittelalters 
über diesen Gegenstand reicht hinsichtlich der Neuheit der Gedanken, 
der Folgerichtigkeit in der Durchführung und der weittragenden Ergeb- 
nisse ihrer Sätze an den Defensor pacis. In seiner Theorie spiegelt sich 
der demokratische Geist der italienischen Republiken. Die gesetzgebende 
Gewalt ruht bei der Gesammtheit der Bürger. Der Zweck, zu dem sie 
geübt wird, ist nicht bloss die zeitliche sondern auch die ewige Wohlfahrt 
aller. Das Wahlförstenthum und alle übrigen Aemter haben ihren Rechts- 
grund allein in dem Willen und der Wahl der Wählenden und bedürfen 
keiner andern Bestätigung. Alle Gewalt in irdischen Dingen überhaupt 
ruht auf diesem Rechtsgrunde. 

2) Die Kehrseite dieser Sätze ist, dass der Papst aus göttlichem 
Rechte keine weltliche Herrschaft hat. Wo er eine solche besitzt, da be- 
ruht sie aufUebertragimg durch den weltlichen Gesetzgeber. Seit Heinrich IV. 
hatten die Vertheidiger der weltlichen Macht behauptet, dass der Papst 
nur eine Gewalt in geistlichen Dingen habe. Marsilius untersucht das 
Wesen dieser Gewalt und stellt den Satz auf: die Gewalt, welche Christus 
den Priestern hinterliess, beschränkt sich auf die Verkündigung seiner 
Lehre und die Spendung der Sakramente ^J. 

Der Kraft, welche in den genannten göttlichen Gaben liegt, fügt 
das Priesterthum nichts hinzu, auch kann es davon nichts hinweg- 
nehmen ^). Gott allein ist es, welcher das Heil dem Menschen zu- 
theilt, und er theilt es jedem bussfertigen Gläubigen mit, auch wenn der 
Priester aus Irrthum oder feindlicher Absicht es versagt. Damit forderte 
Marsilius einen unmittelbaren Zusammenschluss des Einzelnen mit der 
Offenbarung und beseitigte die Furcht, dass die Priestergewalt vom ewigen 
Leben ausschliessen könne. „Denn allein Gott weiss, wem die Sünde zu 
vergeben und zu behalten sei, nicht also die Kirche oder der Priester, 

1) Defensor Pacis II, 6, bei Ooldast' Monarchia II. f. 204 ff. 

2) 1. c: Ex tone i^itur solutus est ab ira, quae non manet super illuro qui credit in Christum, 
sed super illum qui non credit. Non igitur postmodnm per sacerdotem, cui confitetur, ab ira 
aeterna liberatur, a qua liberatus est jam per dominum ex quo dixit : confitebor. Solus igitur 

Deus hominem interius mundat a macula peccati et a debito aeternae poenae solvit Ex 

dictis itaque sanctorum autoritatibus , magistri (Petr. Lomb.) atque Ricardi, apparet liquido, 
quod culpam et debitum aeternae damnationis solus Deus peccatori yere poenitenti remittit 
absque opere sacerdotis praecedente vel intenreniente simul. u. a. a. 0. 



wer 68 auch sei, imd sei es der römische Bischof. Denn jeder derselben 
vermag zeitweilig zu irren'). 

Wie die Amtsgewalt auf Wort und Sakrament beschrankt ist, so be- 
stinunt sie sich auch weiter gemäss der Natur dieser Gnadenmittel, d. h. sie 
verbreitet die Wahrheit nicht mittelst irdischer Strafen und äusseren Zwan- 
ges^). Auch gegen Ketzer sollen nach Marsilius keine äusseren Strafen 
angewendet werden, ausser wenn sie das bürgerliche Gemeinwesen durch 
verbrecherische Handlungen schädigen; aber dann straft dieses und nicht 
die Earche. 

Da nun alle Amtsgewalt in Wort und Sakrament ruht, beiderlei 
Gnadenmittel aber allen Aposteln anvertraut sind, und das Recht der 
Verwaltung derselben auf die Presbyter übergegangen ist, so haben alle 
Priester gleiche Amtsgewalt und steht nach göttlichem Rechte keiner 
höher als der andere^). Auch hat weder einer allein noch haben alle 
zusammen das Recht zu exconununiciren , sondern dieses Recht ist bei 
der ganzen gläubigen Gemeinde oder deren Vertretung, wenn gleich es 
nicht ausgeübt werden soll ohne den Beirath und durch den Mund der 
Priester. Marsilius begründet dies vornehmlich von dem Bedürfniss des 
bürgerlichen Gemeinwesens aus*). 

1) 1. c Qnoniam solusDens est, qni non potest igDorare, quibas remittendum etqnibna retinendom 
Sit peccatnm, et solns qai affectione perrersa neqne movetnr neqae jadieat qaenqam iqjnste. 
Non sie aatem ecclesia si? e sacerdos quieunqne, sit ille etiam Romanna episcopns. Potest enim 
ipsornm qnilibet errare quandoqne, Tel inclinari affectione perrersa etc. 

2) cf. I. e. II, 10 Q. a. a. 0. 

8) 1. c. II, 15: Hnnc siquidem sacerdotalem eharacterem sire nnain sive plares, quem dizimus 
potestatem conficiendi sacramentom encbaristiae^ ae potestatem solvendi atqne ligandi bomines 
a peecatis — probabiliter mibi ridetnr, qaod omnes sacerdotes babent enndem specie, nee ampliorem 

habet hnnc Romanos episcopns ant alter aliqais quam simplez dictns sacerdos quicnnque. 

Debet tos con latere qaod baec noniina presbjter et episcopns in primitiya ecclesia faernnt 
Synonyma, qaamyis a diversis proprietatibns eidem imposita faerint. 

1. c. III, Conclns. XVII : Omnes episcopos aeqaalis antoritatis esse immediate per Christnm 
neqne secandnm legem divinam convinci posse, in spiritualibos ant temporalibns praeesse in- 
Yicem Tel subesse. 

4) 1. c. II, 6 : Laederetnr tarnen sie injuste percnlsos a sacerdote pro statu yitae praesentis graTid- 
sime qnasi, nt qnia diffamatar *et ciTÜi commnnicatione priTatur. Et propterea dicendaro, 
qaod licet ad tale jndiciam promalgandum reqairatar toz et actio sacordotis , non tamen ad 
aliqaem solum aat tantammodo ad ipsoram collegium pertinet jndiciam coactiTam et praeceptam 
dare de ezcommanicandis et absolvendil; sed talem stataere jadicem, coias Tidelicet sit ream 
Tocare et ezaminare, judicare, absoWere aat condemnare, sie publice diffamandum aut a fidelium 
consortio praecidendum pertinet ad fidelium uniTersitatem in coromunitate illa, in qua debet 
aliquis tali judicio jadicari, Tel ad superiorem ipsius Tel ad concilium generale etc. 



8 

Ganz gleiche Anscliauungeii über die Priestergewalt vertheidigt Occam. 
Auch nach ihm ist dieselbe auf Wort und Sacrament beschränkt, und be- 
sitzt kein Priester eine grössere Gewalt als der andere, auch nach ihm hat, er 
beruft sich wie Marsilius auf Matth. 18, 17, gemäss dem Auftrage Christi 
allein die Gemeinde der Gläubigen die Gewalt von derEarche auszuschliessen^). 

3) Wir begreifen es, wenn der häufige und gewissenlose Missbrauch 
der Kirchengewalt zu Verbuchen führte, das Wesen dieser Gewalt schrift- 
mässig zu bestimmen. Die von Marsilius und Occam aufgestellte An- 
sicht war von grosser Tragweite. Wenn die Würde des Priesters nicht 
vor Irrthum schützt in der Verwaltung des Busssakraments, dann wohl aucn 
nicht in der Verwaltung des Lehramts. Wenn nur Gott allein mit Sicher-! 
heit weiss, wem zu vergeben ist, dann ist allein auch nur er, d. i. sein 
Wort unfehlbar, und alle Priester ohne Ausnahme, auch der Papst sind 
der Möglichkeit des Irrthmns unterworfen. Es ist der erste unter den 
Sätzen, die Marsilius als Ergebnisse seiner Untersuchung aufstellt: Allein 
die heilige oder kanonische Schrift und die aus ihr durch ein allgemeineer 
Concil mit einleuchtender Eraft erbrachte Auslegung derselben ist wahr, 
und der Glaube daran nothwendig zur Seligkeit'^). Weiter noch geht allem 
Anscheine nach Occam. Auch die allgemeinen Concilien und die Kirchen- 
lehrer sind ihm nicht unfehlbar. Es könnte sein, dass auch die Prälaten 
und Kleriker in Ketzerei verfallen : dann hält sich die Wahrheit vielleicht 
bei den Unmündigen^). Unter dem Deckmantel, dass dies nur yvfiyaanxvig 



1) Occam, Dialogpu P. I, 1. 5, c. 15 bei Goldast I.e. 484: Si aliqoa potestas vel principatas fuit 
data b. Petro a Christo super alios Apostolos, data fiiit sibi per illa verba Joh. uH.: Pasce oves 
meas, sed per illa Terba nalla fait data potestas spiritnalis vel principatas super alios Apo- 

stolos qaia spiritoaliter pascere oves non contingit nisi tripliciter sc salatari doctrina 

et Tita exemplari et discipÜDa sea correctione regulari, sed qnodlibet istomm roodornm pascendi 
oves Christi commuDis fuit omnibus Apostolis. Doch ist den Aposteln mit Petrus nur eine 
potestas corrigendi in foro conscientiae gegeben, die potestas corrigendi in foro ecclesiae da- 
gegen nur der Gemeinde mit Berufung auf Matth. 18: Si peccaverit in te frater tuus etc. 
Ex quibus verbis datur intelligi, quod Christus dedit ecclesiae potestatera corrigendi in foro 

ecclesiae et non alicui Apostolo in speciali . Quod ex commissione Christi sola commu- 

nitas fidel iuni habuit potestatem corrigendi in foro ecclesiae. 

2) Def. pac. Pars III Concl. I: Solam divinam sen canonicam scripturam et ad ipsam per neces- 
sitatero sequentem quamcunque ispius(que) interpretationem ex communi concilio fidelium factam 
Teram esse [et] ad aeternam beatitudinem consequendam necesse.credere, si alicui debite proponatur. 

dj Occ. Dialog. P. I, 15, c. 25 1. c. p. 495: Quia licet Dens assistat specialiter congregatis in 
unum in nomine Christi, ipsi tarnen in gratia et fide miniroe confirmantur, etiam dum simnl 
localiter remanserint, quin possint per liberum yoluntatis arbitrium a gratia Dei et fide recedere 



und wie zum Spiele gesprochen sei, hat er hier ohne Zweifel seine eigene 
Meinung ausgesprochen, deren Sinn kein anderer ist als der: die von 
Gott in der Schrift geoflfenbarte Wahrheit hat immer ihre Anhänger bei 
denen, die sie mit Heilsbegierde suchen. Die Bürgschaft dafür, dass sie 
rein und irrthumslos erfasst werde, bietet keine äusserliche Einrichtung. 
Das Priesterthum hat die Wahrheit nicht unter Verschluss. 

4. Wir kommen damit zu der Frage über die Verfassung der Kirche, in 
welcher nach der herrschenden Lehre eine Bürgschaft für den wirksamen 
Antheil der Gläubigen am Heile lag. Ist das Heil lediglich durch Zu- 
sammenschluss des Glaubens mit der geoffenbarten Wahrheit bedingt, dann 
ist die Verfassung unerheblich für das Wesen der Kirche, die eine Ge- 
meinschaft aller der Wahrheit sich beugenden Gläubigen ist, oder mit 
anderen Worten: die Verfassung der Kirche ist nur eine Frage der 
Zweckmässigkeit, nicht des zum Heile nothwendigen Glaubens. Darum 
bestreitet Marsilius die Nothwendigkeit eines Primats. Auch kann aus 
der Schrift nicht bewiesen werden, dass Petrus Bischof von Rom gewesen 
sei; ja es ist fraglich, ob er überhaupt dahin gekommen ist^). Und 
Occam sagt: Für das Wesen der Kirche ist es gleichgültig, ob site von 
einem oder mehreren geleitet werde. Wie die staatliche, so richtet sich 
auch die kirchliche Verfassung nach den wechselnden Bedürfnissen der 
Zeiten ^). 



et ideo quam vis Dens specialiter assistat ad generale concilium congregatnm lo nomine Christi, 
tarnen per talem assistentiam divinam in fide nullatenns confirniantnr quin possint labi in 
errorem. cf. cap. 26. 

quia saepe nrnlti sapientes catholici inveniunlnr extra concilinm generale, qui posaunt 

defendere fidein licet omnes errarent in generali condlio congregati. Tnm qnia Dens saepe 
revelat parvaüs, quae a sapientibus et prndentibus abscondantnr. Licet ergo omnes in generali 
concilio errarent et solnm parvuli et ilUterati ad coucilinm roinime convenirent> non esset adhnc 
desperandnm, qnin Dens veritatem catholicam parimlis revelaret vel eisdem Teritatem notam 
defendere inspiraret. Hoc enim esset ad gloriam Dei, qui in hoc ostenderet> fidem nostram 
non esse in sapientia hominnm ad concilinm generale yocatoram, sed in virtnte Dei, qni non- 
nnnqnam, qnae stnlta sunt mnndi, elegit, ut confundat sapientes. cf. cap. 35. 

1) Def. pac. II, 16. 

2) Dial. P. I, 1. 6, cap. 15 : cum ergo Christus optime providerit ecclesiae, in potestate posuit ec- 
clesiae sibi unum caput vel plura eligere, sicut enim saepe expedit commnintati, unum caput 

habere, ita interdum potest esse expediens communitati regi a pluribus ergo propter 

roultiplicem yarietatem personamm, locorum et temporum non potest in his certa regnla dari. 
Cum ergo Christus, ubi certa regnla dari non potest conyenienter, nequaquam ecclesiae certam 
regulam dederit, relinqnitur, quod Christus minime ordinayit semper unum caput ecclesiae prae- 
ficiendam, cum hoc saepe possit in praejudicinm ecclesiae redundare. 

Abh. d. III. Cl. d. k. Ak. d. Wiss XIV. Bd. I. Abth. 2 



10 

5. Diesen Männern schwebte das Bild einer kirchlichen Gemeinschaft 
vor, geistiger und freier, als die Zeit und ihre Lehre es ihnen bot. Die Mino- 
riten namentlich waren aus eigenster sittlicher Ueberzeugung, wenn auch 
in einer an sich unwesentlichen theologischen Frage, bis zum offenen 
Gegensatze gegen die sichtbare Kirche gefuhrt worden ; sie waren 
männlich genug, die Folgerungen zu ziehen, welche sich aus dem 
Widerstreit im einzelnen Falle für das Allgemeine ergaben. Sie zogen 
sich auf den Glauben an eine unsichtbare Kirche zurück, in der das 
Wesen der Kirche bestehe, auf einen Glauben, der nicht auf äusserliche 
Bürgschaften sich gründe, sondern unmittelbare Ueberzeugimg sei. Es 
ist nicht meine Aufgabe, die Ansichten dieser Männer des weiteren 
darzulegen. Nur die Hauptgesichtspunkte, um die es sich bei ihnen han- 
delt, waren hervorzuheben, weil sie ein Element ih dem Streite Ludwigs 
des Baiern mit den Päpsten bildeten. Doch kann ich mir nicht ver- 
sagen, hier noch ein Bruchstück aus einem Schreiben Caesenas anzufügen, 
der von dem Bannfluch des Papstes verfolgt 1328 zu dem Kaiser nach 
Italien geflohen und mit ihm im Jahre 1330 nach München gekommen 
war, •wo er vom Kloster seines Ordens aus mit Occam und Bonagratia 
den schon in Italien begonnenen Kampf für sich und für den Kaiser 
fortführte. Der Papst hatte ihn excommunicirt , das Generalcapitel 
seines Ordens, durch gewaltsamen Eingriff aus päpstlich Gesinnten zu- 
sammengesetzt, hatte an seiner Stelle Gerhard Odonis zum General er- 
wählt. Aber Caesena wich nicht: er behielt das Ordenssiegel und machte 
sich bis an sein Ende durch amtliche Verfügungen und in einer Anzahl 
von Sendbriefen als den rechtmässigen General geltend. Mehrere dieser 
Schreiben sind bereits bekannt. Das für Caesenas letzte Anschauuni?en viel- 
leicht merkwürdigste scheint noch ungedruckt. • Es findet sich in der 
Chronik des Minoritenordens von Glassberger, deren einzige bekannte 
Handschrift im hiesigen Franziskanerkloster bewahrt wird. Der Brief ist 
an den Gegner im Amte Gerhard * erlassen und vom J. 1332^). 

Caesena bestreitet in diesem Briefe, dass die jeweilige sichtbare Kirche 
mit ihrer amtlichen Gliederung und die wahre Kirche nothwendig zu- 
sammenfallen. Er sieht in der Kirche , welche den „ketzerischen" Papst 



1) 8. Beilage L 



11 

Johann XXII. anerkannte, eine neue Kirche, die von der alten und wahren 
abgewichen sei. 

„Du fragst mich, schreibt er an Gerhard, wo .die katholische Kirche 
sei,' auf welche ich mich berufe, jenseits oder diesseits des Meeres, in 
Rom oder Avignon oder in einem Theile Roms? denn überall werde ja 
Johann für den wahren und katholischen Papst gehalten ; aber du würdest 
besser fragen, wo deine Kirche vor diesem Johann gewesen sei und wo 
sie in Zukunft sein werde? Denn was du bis vor wenigen Jahren, ohne 
zu wanken, für katholisch gehalten hast., das heisst bei dir jetzt häretisch, 
und zwar ohne dass ein neuer vernünftiger Grund inzwischen ans Licht 
getreten wäre, nur weil die Planeten ihre gewohnte Bahn verlassen und 
eine rückläufige Bewegung gemacht haben. Und nachher, wenn die 
Sterne den Lauf von neuem wechseln, wirst du ebendasselbe, was dir 
jetzt häretisch heisst, wieder für katholisch halten." 

Caesena beruft sich aber nicht bloss von der sichtbaren Kirche seiner 
Tage auf die Kirche der früheren Zeit, sondern auch auf die unsichtbare 
Kirche. 

„Du sagst, so fahrt er fort, alle Gläubigen halten Johann für den 
katholischen Papst. Beachtest du nicht, was der Herr dem Elias, der da 
meinte, er sei allein unter den Knechten Gottes übrig geblieben, geant- 
wortet hat, als er sprach: Ich habe mir mehr als sieben tausend übrig 
behalten, die ihre Kniee nicht gebeugt haben vor dem Baal? Oder 
glaubst du vielleicht, dass wir die einzigen seien, welche die Constitutionen 
Johanns bekämpfen? Nicht bloss sieben tausend, sondern mehr als sieben 
mal sieben tausend sind in der Welt, welche dieselben von Grund aus 
verwerfen, und kommt die Zeit, so werden sie hervortreten. Magst du 
immerhin sagen: wir sehen sie nicht — auch Elias hat jene sieben tausend 
nicht gesehen. Wer sind also jene? der Apostel sagt: der Herr kennet 
die Seinen." 

Kaiser Ludwig. 

1. In die Sachsenhäuser Appellationsschrift vom Jahre 1324 soll die um- 
fassende Stelle, in welcher der Kaiser den Streit der Minoriten zur eigenen 
Sache macht und den Papst wegen seiner Ansicht von der Aitnuth Christi 
für einen Ketzer erklärt, durch den Kanzler Ulrich den Wilden ohne des 

2* 



12 

Kaisers Wissen eingeschoben worden sein^). Allein diese Nachricht ist 
den Procuratorien des Kaisers vom Jahre 1336, die ihm vom Papste 
vorgeschrieben waren, entnommen^), und ebenda legt der Papst dem 
Kaiser auch das unwahre Geständniss in den Mund : er habe Caesena und 
seine Genossen nur bei sich gehegt, um sie mit sich in den Schoss der 
Kirche zurückzuführen. Doch mag man jener Angabe auch Glauben 
schenken, und mag der Kaiser hier noch nicht für die strengere Partei 
der Minoriten eingetreten sein — in späteren Erlassen wenigstens hat 
er es zur Genüge gethan^). Und ebenso verwerthet der Kaiser die An- 
schauungen des Marsilius. Er folgt nicht bloss seinem Rathe bei der Annahme 
der Kaiserkrone, bei der Absetzung Johanns und der Erhebung des Gegen- 
papstes ; auch die Grundsätze des Defensor pacis spiegeln sich in den Gründen 
des Erlasses, durch welchen Kaiser Ludwig Johann XXII. für abgesetzt 
erklärte, wieder*). Nach diesem Manifest ist der Papst in Lehre und 
Leben dem Urtheil der Gläubigen unterworfen. Massstab für das Urtheil 
ist die Lehre der Schrift und der alten Kirche. Der Papst kann in der 
Lehre irren. Jeder Gläubige ist verpflichtet, sich von einem häretischen 
Papste loszusagen. Der Kaiser hat Recht und Pflicht, für das Wohl der 
Kirche, für das Wohl des christUchen Volkes zu sorgen, er hat da ein- 
zutreten, wo die Kirche nicht selbst Zucht zu üben vermag. Auf ge- 
meinsamen Ratji und mit Zustimmimg des römischen Klerus und Volkes 
sowie von Prälaten der Kirche, unter Beistand sowohl von deutschen wie 
italienischen Fürsten und einer zahlreichen Menge von Gläubigen wird 
Johann von Caturro wegen seiner Irrlehren und verderblichen Amts- 
führung seiner Würde und Macht entsetzt, und jeder mit den schwersten 
Strafen bedroht, der ihm fortan gehorchen werde. 

Die Grundsätze des Marsilius, nach welchen die freie Prüfung der 
Lehre auch dem christlichen Volke zusteht, und die Gesammtheit des- 
selben durch seinen Bevollmächtigten, den Fürsten, auch über den Papst 



1) Riezler, Die Literarischen Widersacher der Päpste zar Zeit Ludwig des Baiers. lieipzig, 1874. 
S. 25. 

2) Baynald, Ann. eccl. a. a. 1330 nr. 83. 

3) Sentenz d$r Absetzung Johanns XXIL 18. April 1828 ap. Daluzii Miscell. ed. Mansi III f. 240 
sqq. Sentbntia Imperat. corrccta et emendata, in civit. Pisana 12. Dec. 1328 1. c 310 sqq. 

4) Sententia Imper. correct. et emendata. 1. c. 



lä 

zu richten vermag, wenn es die Noth der Kirche erfordert, sind hier 
aufgenommen und zugleich zur Ausführung gebracht. 

2. „Auf den ersten Blick kann es auffallen", bemerkt Riezler in 
seinem übrigens sehr verdienstvollen Werke *die literarischen Widersacher 
der Päpste zur Zeit Ludwig des Baiers» „dass dieser kühnste aller mittel- 
alterlichen Angriffe auf die kirchliche Ordnung von einem an Geist und 
Charakter so schwachen, aller Kühnheit und Selbständigkeit baren Herr- 
scher ausgehen konnte, wie Ludwig der Baier war; bei näherer Betrach- 
tung zeigt sich aber gerade in der Schwäche und Unselbständigkeit des 
Kaisers, die ihn den Einflüssen geistig überlegener Rathgeber willenlos 
preis gab, die Erklärung für diese Vorgänge. Denn die Liitiative der- 
selben ist gewiss nicht von Ludwig ausgegangen." 

Aber es bleibt ein Widerspruch, wenn in demselben Satze dieser An- 
griff als der kühnste aller mittelalterhchen Angriffe auf die kirchliche 
Ordnung bezeichnet, und gleichwohl dem Angreifer alle Kühnheit abge- 
sprochen wird. Oder war wirklich Ludwigs Geist bis zu dem Grade 
.schwach, dass er nicht wusste, was er that? so aller Selbständigkeit bar, 
dass er, wie die Figur des Königs im Schachspiel, immer nur da stand, 
wohin Marsilius ihn gerückt hatte? 

Es ist natürlich aus den politischen Aktenstücken selbst nicht zu 
entscheiden, wie weit Ludwigs Antheil an denselben geht, wie weit er 
selbst geistig betheiligt ist an den aus seiner Kanzlei hervorgegangenen 
Schriften. Aber wir sind doch nicht ohne alle sichere Nachrichten, um 
einigermassen beurtheilen zu können, welches Mass von eigenen Kräften 
der Kaiser bei seinem Kampfe miteinsetzte. Ich rechne hieher das 
Schreiben eines Minoritenbruders Walter an seinen General Caesena, das 
durch Höfler vollständig bekannt geworden ist'). Es ist vom 30. Juni 1334, 
einer Zeit, in welcher Ludwig den Versuch machte, ein deutsches Na- 
tionalconcil gegen Papst Johann zu Stande zu bringen. Die Verhältnisse 
schienen diesem Vorhaben günstig. Johann war mit einem Theile der 
Cardinäle zerfallen und hatte zugleich durch die zwar alte, aber 1240 
von der Pariser Universität verdammte Lehre, dass die selig Verstorbenen 



1)0. Höfler, Aus Avignon. Prag 1868 (Id den AbhandluDgen der k. böbm. Gesellsch. d. Wissensch. 
T. J. 1868) S. 11. 



14 

vor der Auferstehung nicht zum unmittelbaren Schauen Gottes gelangten, 
die grösste Aufregung unter den Theologen hervorgerufen. Der Kaiser, 
sehr wahrscheinlich von Caesena berathen, trat mit dem unzufriedenen Car- 
dinal Orsini in Verbindung, wobei er sich des obengenannten Bruders 
Walter als eines Unterhändlers bediente. Von Avignon zurückgekehrt 
erstattet Walter dem Kaiser, der damals vor Ueberlingen lag, Bericht, 
und gleich darauf schreibt er den erwähnten Brief an Caesena. Was der 
Bruder seinem General über den Empfang bei dem Kaiser mittheilt, 
lässt uns Ludwigs persönlichen Antheil an den politischen Fragen in 
einem einzelnen Falle ermessen, tmd dieser einzelne Fall gestattet einen 
Schluss auf andere Fälle. Der Kaiser, so berichtet Walter, habe für die 
Vorschläge Orsinis im Betreff des Concils Worte freudiger Zustimmung 
gehabt und den Brief durch einen besonderen Boten sofort an den Erz- 
bischof von Trier gesendet. Auch dem Caesena lässt der Kaiser den 
Brief des Cardinais zukommen, damit ihn dieser nach Italien und wohin 
es ihm für die Ehre des Reiches gut dünke, schicke ; denn er wolle dass 
der Brief überall hin verbreitet und veröffentlicht werde. Der Kaiser,- 
so schreibt Walter ferner, habe Bonagratias Berufung auf ein Concil 
wegen der Irrthümer des Papstes vortrefflich gefunden und beschlossen, 
dass diese Schrift vervielfältigt werden solle. Ihm selbst habe Ludwig 
befohlen rasch nach Avignon zurückzureisen, und ihn zugleich mit allem, 
was hiefür nöthig sei, versehen. Von einer eben aus Italien eingetroffenen 
Botschaft, welche eine Thatsache mittheilt, die dem Concil förderlich 
werden konnte, sagt Walter, sie habe den Kaiser mit der höchsten Freude 
erfüllt. 

Der Eindruck, den wir aus diesem Briefe von der Persönlichkeit 
des Kaisers empfangen, stimmt nicht zu dem oben mitgetheilten Urtheil 
übei* Ludwigs geistige Schwäche und völlige Unselbständigkeit. Wir sehen 
den Kaiser auf das lebhafteste an dem grossen Plane eines Concils be- 
theiligt, rasch und selbständig trifft er verschiedene Anordnungen; als ob 
es nie anders gewesen und selbstverständlich sei, dass der Kaiser den 
lebendigen Mittelpunkt für die politischen Handlungen bilde , so berichtet 
Walter über ihn. 

3. Wie mir Riezlers Urtheil über Ludwigs Begabung einer Berich- 
tigung zu bedürfen scheint, so nicht minder auch sein Urtheil über Ludwigs 



15 

Charakter. „ Grosssprecherisch, unbesonnen und masslos nach jedem Er- 
folge, in der Noth kleinmüthig und schwach bis zur Charakterlosigkeit, 
so hat dieser Fürst das deutsche Reich in einer bedeutungsvollen Epoche 
seiner Geschichte ohne Geschick und Würde repräsentirt." Mit diesen 
Worten schliesst Riezler seine zusammenfassende Beurtheilung Ludwigs 
des Baiem. 

Wie sich denken lässt, hat Riezler, wenn er von dem Kleinmuth 
und der Schwäche Ludwigs spricht, die Unterhandlungen desselben mit 
der Curie im Auge, und hier scheinen allerdings namentlich die Procu- 
ratorien oder Vollmachten, welche er seinen Machtboten für die Ver- 
handlungen in den Jahren 1336 — 1337 und 1343 — 1344 ertheilt hat, 
dieses Urtheü zu rechtfertigen. 

Fürs erste nun möchte ich einen Umstand etwas stärker betonen, 
als es gewöhnlich geschieht, und der zwar, wenn nicht anderes dazu 
käme, das Urtheü über Ludwigs Schwäche und Kleinmuth noch nicht 
aufheben, aber doch im einzelnen genauer bestimmen würde. Nicht bloss 
dem Hauptinhalte nach waren die Procuratorien von Avignon aus vor- 
geschrieben, sondern sie stammten auch ihrer Form nach aus der päpst- 
lichen Kanzlei und Ludwig hat ihnen bloss Name und Siegel beigesetzt^). 
Es macht nun aber doch für die Beurtheilung Ludwigs einen Unterschied, 



1) Raynald ad a. 1335 nr. 7: cnjas rei arcanae seriem ex pontificiis literis illustrabimns. Ex iis 
enim constat. FraDcorum regem, cum ad ipsum affluxisset fama, oratores Ludovici Bavari leges 
ab Apostolica sede datas accepisse, qnibus in gratiam ecciesiae admittendus esset etc. Ad 
propositas Tero de Rege noD consnlto querelas responsam dedit, ea quae ab ecclesia Ludovlco 
oblata faeraDt, adeo onerosa extitisse, ut in dubium revocaretnr, an a Bavaro admitterentnr, 
neqae ob id eas leges ipsi explicandas se existimasse etc. cf. Matthias Neuenbürg, ap. Böhm. 
Fontes IV, 206: Qui a papa et fratribus edocti, qualiter et sub qua lorma redire deberent et 
cnm quibus articulis absolutionem et gratiam petituri, iterum a principe Gum illis articulis 
et mandatis sufficientissimis sunt reversi (1335 sept.). Mit diesen Gesandten traf Matthias selbst 
in Avignon zusammen. Und zu den Procuratorien des Jahres 1343 (1. c. S. 228): nunciisque, 
prout in mandatis habebant, dicentibus: quod daretur eis forma procuratorii papae placens^ se* 
cundum quam, qualiscunque esset» se redituros dicebant, conceptum est igitur procuratorium 
turpissimum et rigidissimum, quod non credebat curia sigillari per illum eciam si captus fuissot. 
Eine weitere Bestätigung, dass diese Procuratorien nicht blosS dem Inhalt, sondern auch der 
Form nach von der Curie herrühren, finden wir in den beiden Ton Gewold mitgetheilten Acten- 
stücken zu den Unterhandlungen Ton 1343 — 44. Es sind die vom Papste gestellten Forderungen, 
zwar noch nicht in der Form der Procuratorien , aber schon so formulirt , dass sie sich nur 
wenig Yon den Procuratorien von 1336, die zu Grunde gelegt sind, unterscheiden. S. Gewold 
Defensio Ludovici IV. Imp. Ingoist. 1618 p. 181—208. 



16 

ob man z. B. die darin enthaltenen unwahren Entschuldigungen aus des 
Kaisers eigenen Geiste entsprungen oder eine ihm vom Papste in den 
Mund gelegte Beichte sein lässt. 

Doch sehen wir von diesem Umstände ab — sind denn überhaupt 
diese Procuratorien ein Zeichen des Kleinmuthes und der Schwäche 
Ludwigs? hat man ihre Bedeutung und ihren Zweck nicht unrichtig auf- 
gefasst? 

Wir fragen zunächst nach der rechtlich verbindenden Kraft derselben. 
' Hat Ludwig mit ihnen seine Rechte thatsächlich aus der Hand gegeben, 
sind sie wirkliche Zugeständnisse an den Papst oder nur Ausgangspunkt 
für die erst vorzunehmenden Unterhandlungen ? Nur das letztere. Recht- 
lich bindend wären sie erst geworden in der Form, in welcher sie aus 
den Verhandlungen wieder hervor kamen; für diese Verhandlungen aber 
hatten die Gesandten Ludwigs ihre geheimen Instructionen und nur 
diese entscheiden die Frage, wie weit der Kaiser Zugeständ- 
nisse zu machen wirklich bereit war. 

Den untergeordneten Werth der Procuratorien ersieht man bereits 
aus der Instruction, welche Ludwig im Jahre 1331 seinen Gesandten 
mitgab'). Es heisst da: „mit den briefen, die ir also von unsern wegen 
hineinfürt, sult ir also gevaren. Von ersten sult ir si den Cardinal zeigen, 
heimlich, mit der besten gewarheit, so ir mugt, und darnach die taidung 
anvahen, und sei, das ir der taidung mit in übereinchomt, so 
mugt ihr sie vervesten mit eiren insigeln.*' 

So bildeten also wenigstens die Procuratorien vom Jahre 1331 nur 
den Ausgangspunkt und das Material für die Taidung oder Verhandlung 
und die Artikel derselben wurden rechtlich bindend erst in der Gestalt, 
welche sie durch die Verhandlungen empfangen hatten. Dass aber auch 
alle späteren Procuratorien Ludwigs keine andere Bedeutung hatten, und 
auch von der Curie nicht für rechtlich bindend angesehen wurden, das 
beweist die Anmerkimg eines der Gesandten Ludwigs zu einem Artikel 
der Procuratorien des jlahres 1344^). Da wird nämlich als Resultat, zu 
dem man beiderseits gelangt sei, verzeichnet, der Papst müsse den Kaiser 



1) Gewold p. IIB sqq. 

2) Gew. p. 196. 



17 

an eben dem Tage und in eben der Zeit lösen, an welchem die Procu- 
ratoren des Kaisers coram papa in consistorio gerunt, fadunt et prae- 
stant ea, quae in articulis procnratoriorum seu raandatorum sunt expressa. 
Erst dann also wird das in den Procuratorien Enthaltene für den Kaiser 
bindend, wenn es nach den Verhandlungen von den Procuratoren voll- 
zogen, gethan und geleistet wird in der öfifentlichen Sitzung vor dem Papst 
4. Unsere Aufgabe ist es nun, nachzuweisen, dass Ludwig nie im 
Sinne hatte, den Inhalt der von ihm gesiegelten Procuratorien der Curie 
zuzugestehen, dass seine Gesandtschaften von ihm durch Instructionen 
gebunden waren, nach welchen sie bei den Verhandlungen seine und des 
Reiches Ehre zu wahren hatten. Dass solche Instructionen in Betreff 
der beiden Procurationen des Jahres 1336, von denen das erste am 
5. März zu Ulm, das zweite am 28. Oktober zu Nürnberg vom Kaiser 
besiegelt wurde, vorhanden waren und geltend gemacht wurden, könnte 
mit Wahrscheinlichkeit schon aus der Rede geschlossen werden,» welche 
Papst Benedict am 11. April 1337 in einem öffentlichen Consistorium 
gehalten hat. Wenige Tage vor dieser Rede hatten endlich die Ver- 
handlungen begonnen, für welche die beiden genannten Procuratorien 
zu Grunde gelegt werden sollten^). Bis zum Beginne derselben hatte der 
Papst sich sehr wohlwollend gegen den Kaiser gezeigt und ihn den feind- 
hchen Bestrebungen der Könige von Frankreich und Neapel gegenüber, 
so viel ihm bei seiner Schwäche möglich war, in Schutz genommen^. 
Noch am äO. März hatte er dem Pfalzgrafen Ruprecht die goldne Rose 
gegeben. Und nun nach wenigen Tagen der Verhandlung antwortet er auf 
Randeggs Rede : Ludwig sei noch nicht wahrhaft reuig ; er vergleicht ihn 
mit dem grossen Drachen der Apokalypse, der den dritten Theil der 
Sterne mit sich*zur Hölle reisse^). Ein solches Auftreten ist nur erklär- 
lich, wenn die Gesandten Forderungen geltend gemacht hatten, welche 

den Artikeln der Procuratorien widersprachen. 

» 

Eine weitere Bestätigung liegt in einer Aeusserung Clemens VI. über 
die Verhandlungen Ludwigs mit seinen beiden Vorgängern, Clemens be- 
.gründet sein Vorgehen gegen den Kaiser damit, dass derselbe bei allen 



1) Vgl. d. Brief des Papstes an Philipp toh Frankreich y. 4. Apr. 1337 hei Bajnald 1837 nr. 2. 

2) Matth. Neuenhnrg. bei Böhmer Fontes lY, 207. 

3) Heinr. de Diessenhoyen b. Böhm. 1. e. 26. 

Ahh. d. IIL Ol. d. k. Ak. d. Wiss. XIV. Bd. I. Ahth. 3 



18 

früheren Verhandlungen niemals die Rechte seiner Stellung habe aufgeben 
wollen: Et si unquam dixit, quod vellet redire ad gremium S. matris 
ecclesie, semper dixit salvo statu suo*). 

Doch wir vermögen auch den urkundlichen Nachweis zu bringen, 
dass Ludwig gleichzeitig mit den Procuratorien von 1336 und 1343 den 
üeberbringem derselben für die Verhandlungen gegentheilige Instructionen 
mitgegeben hat. 

Das k. Hausarchiv bewahrt eine Zusammenstellung von fünf Schrift- 
stücken % von denen das erste die beiden Procuratorien des Jahres 1336 
gekürzt und in deutscher Uebersetzung gibt, die vier andern aber auf 
päpstliche Forderungen sich beziehen, welche abgewiesen werden sollen, 
Riezler, der diese fünf Stücke im Anhang seines genannten Werkes zu- 
erst hat drucken lassen, verkennt die Bedeutung der vier letzten, wenn 
er dieselben als Zeugnisse einer vorübergehenden männlicheren Haltung 
bezeichnet, die aber nur zu bald jener kläglichen Verzagtheit wieder ge- 
wichen sei, deren Ausdruck die Procuratorien von 1336 und 1343 seien. 
Ja er lässt es fraglich sein, ob so weitgehende Ansprüche vor der Curie 
überhaupt ausgesprochen, ob sie nicht nur für gewisse Eventualitäten 
bereit gehalten wurden. 

Wir betrachten von den vier letzten Stücken, welche bei Riezler 
mit B, 0, D und E bezeichnet sind, zuerst das mit B bezeichnete. Riezler 
stellt es von seiner imrichtigen Voraussetzung aus, dass die Procuratorien 
von 1336 die wirkliche Willensmeinung Ludwigs enthielten, früher als 
diese Procuratorien, weil in ihm das noch nicht zugestanden werde, was 
die Procuratorien einräumen. 

Aber B selbst verwehrt einen derartigen Schluss, da in ihm der Ge- 
sandte von Ludwig aufgefordert wird, vor bestimmten ^Zugeständnissen, 
welche „in den Procuratorien enthalten seien, den Kaiser zu bewahren." 

Da in B die Oettingen als Gesandte erwähnt werden, so stellen wir 
fürs erste die Gesandtschaften der Jahre 1335 — 1337 zusammen, weil nur in 
dieser Periode zwei Oettingen als gleichzeitige Gesandte vorkommen. 

Anfangs April 1335 kamen der jüngere Oettingen und Ulrich von 



1) Rede des Papstes vom 11. Juli 1343 bei Höfler, Ans Avignon S. 20. 

2) East. I, Lade 5 Nr. 259. Pergament 2®. Gleicbxeitige Hand. 



19 

Augsburg als Boten Ludwigs nach Avignon, Da ihre Vollmacht der 
Curie nicht genügend schien, so reisten sie wieder zurück, worauf am 
2. August eine neue Gesandtschaft nach Avignon abging, deren Mitglieder 
Ludwig der Jüngere und Ludwig der Aeltere von Oettingen, Eberhard 
von Thumnau, Marquard von Randegg, Ulrich von Augsburg und Hein- 
rich von Sipplingen waren. Französischer Einfluss liess auch diese Ge- 
sandten nicht zur Verhandlung über ihr Procuratorium kommen. Ein 
Formular mit neuen Forderungen wurde vorgelegt, mit welchem der 
ältere Oettingen und Thumnau zum Kaiser zurückreisten^). Dieser stellte 
hierauf das Procuratorium vom 5. März 1336 zu Ulm aus, in welches 
jene Forderungen aufgenommen waren. Aber auch jetzt noch hielt 
Frankreich, das die Aussöhnung Ludwigs mit der Kirche nicht wollte, 
die Verhandlungen auf. Der Papst wurde veranlasst, weitere Forderungen 
an Ludwig zu richten, welche seine persönliche Stellung zu dem Glauben 
der Kirche betrafen. Am 15. Mai gingen die Gesandten mit Ausnahme 
der beiden Oettingen nach Deutschland zurück, und am 28. Oktober 1336 
fertigte Ludwig zu Nürnberg das verlangte neue Procuratorium aus. Li 
demselben waren Graf Wilhelm von Jülich und Pfalzgraf Ruprecht zu Pro- 
curatoren ernannt; doch sollten diese beiden nicht gesondert von den im 
März erwählten Procuratoren mit der Curie verhandeln, sondern mit 
jenen die gemeinsame Vertretung Ludwigs für die beiden Procuratorien 
bilden. Wir ersehen dies aus einer Stelle des Nürnberger Procuratoriums, 
die bei Raynald fehlt 2). Von den beiden zuletzt ernannten Procuratoren 
befand sich aber Wilhelm von Jülich damals nicht mehr bei dem Kaiser; 
er war schon am 24. September nach Frankreich abgereist um mit 
König Philipp zu verhandeln. Nachdem er am 23. Dezember zu Lupa- 
rum bei Paris einen Vertrag mit jenem geschlossen^), ging er von da 
nach Avignon, wo er am 31. Januar 1337 mit den übrigen Gesandten 



1) Sie werden in dem vom Kaiser zu Ulm ausgestellten Procnratorinm als zn Ulm anwesend , die 
übrigen vier i3eTollmachtigten als abwesend bezeichnet. Es sind dies die znm 2. Augnst 1385 
genannten Oesandten. 

2) Das ToUstandige Procnratorinm bei Bzoyü Annal. Eccles. L. XIV. Col 1618 p. 758: Et 
snpradictos Procnratores nostros prioribns nostris Procoratoribas nntmns, adjangimos et oz certa 
scientia aggregamns ete. 

3) Böhmer Reg, Lndw. d. B. Nr. 1812. 

3* 



20 

zusammentraf 0- Selbst jetzt noch wurde der Beginn der Verhandlungen 
bis m den Anfang des April verzögert. 

Wir vergleichen mit dieser Zusammenstellung die Angaben, welche 
in B über die Gesandtschaften Ludwigs vorkommen. Das Schriftstück 
beginnt: „Ir suUent wizzen, daz wir mit den von Oetingen vnd andern 
vnsem boten retten, daz si in den Hof gen Auian fueren, daz si uns be- 
warten, als wir iuch ouch biten". Hier ist von „den von Oetingen" die 
Rede. Die einzige Gesandtschaft, bei welcher die beiden Oettingen zu- 
gleich betheiligt waren, ist die vom 2. August 1335. 

Im letzten Abschnitt von B heisst es: „Ir suelt wizzen, daz wir dem 
von Oetingen vnd iwrer geselleschaft vleizzic enpfulhen, daz si vns in disen 
artickeln bewarten vnd och in andern". Wir fanden, einer der Oettingen, 
der ältere, war nach Deutschland gegangen und dann mit dem Procura- 
torium vom 5. März 1336 wieder nach Avignon zurückgereist. 

Unser Schriftstück sagt : „ir suelt wizzen, daz wir dem von Oetingen 
vnd iwrergeselleschaft vleizzic enpfulhen". Die „Gesellschaft" des frag- 
lichen Gesandten empfing also vom Kaiser Instructionen, während er selbst 
abwesend war. Und solche Instructionen werden nun auch dem Ab- 
wesenden in unserem Schreiben gegeben. Er wird also nicht bei dem Kaiser 
erwartet, sondern geht von dem Orte aus, wo ihn der Brief trifft, nach 
Avignon. Wir sahen, dass am 28. Oktober 1336 Wilhelm von Jülich 
und Buprecht von der Pfalz zu Procuratoren ernannt wurden, dass aber 
Wilhelm von Jülich schon am 24. September nach Frankreich geschickt 
worden war und Ende Januar 1337 von Luparum aus nach Avignon 
kam. So dürfen wir als sicher annehmen, dass Wilhehn von Jülich es war, 
an den unser Schriftstück gerichtet wurde. Mit ihm ist Ruprecht von 
der Pfalz zum Procurator ernannt, der direkt vom kaiserlichen Hof lager 
aus nach Avignon reiste. Dieser also, mit denRäthen, die ihn begleiten, 
(vielleicht sind es jene vier Räthe, welche am 15. Mai von Avignon nach 
Deutschland gingen) ^), sind „die Gesellschaft", mit der Wilhelm von Jülich 
in Avignon vereint die Rechte des Kaisers wahrnehmen soll. Eine weitere 
Bestätigung, dass wir in Wilhelm von Jülich den Empfanger des Schrei- 



1) Di668enlu L e. 26. 

2) Am 11. Apr. 1337 redet Marqaard ▼. Bandegg im öffentl. GonsiBt la Arignon für Ludwig. 
Dieesenh. 1. c. 



21 

bens zu suchen haben, gibt dieses auch in so ferne, als es hier heisst, 
„als wir iuch ouch biten", und am Schlüsse „als wir iw getrawn vor 
allen lueten". Denn das Wort „bitten" deutet auf einen Gesandten von 
höherem Range hin, und ebenso erhält der Ausspruch des Kaisers, dass 
er dem Adressaten „vor allen lueten" vertraue, eine für unsere An- 
nahme günstige Erläuterung durch das nahe verwandtschaftliche Ver- 
hältniss Wilhehns von JüHch zum Kaiser. Denn er war der Schwager 
Ludwigs. 

Auch der Inhalt der Instruction weist uns in die Zeit der Gesandtschaften 
des Jahres 1336, Wir heben hervor, dass das Procuratorium für Wilhelm 
von Jülich und Pfalzgraf Rnprecht diese Gesandten ausdrücklich auch 
für das ältere Procuratorium und umgekehrt die im älteren Procurato- 
rium genannten Machtboten auch für das neuere Procuratorium beglaubigt. 
So werden wir also in unserer Instruction eine Bezugnahme auf die 
beiden Procuratorien erwarten dürfen. Artikel 3 — 9 weisen denn auch 
auf das Ulmer, Artikel 1 und 2 auf das Nürnberger Procuratorium zu- 
rück. Artikel 3, welcher den Königs- und Kaisertitel für Ludwig auf 
Grund des Herkommens gesichert wissen will, bezieht sich auf die schmäh- 
lichen Forderungen des Papstes im Procuratorium nr. 20. 22. 23 bei 
Raynald; Artikel 4 weist die vom Papste nr. 21 geforderte demüthigende 
Sicherstellung gegen Uebergriffe der kaiserlichen Beamten, Art. 5 die vom 
Papste nr. 27 geforderte alleinige Auslegung der Verträge zurück; und 
so beziehen sich auch die übrigen Artikel auf Förderungen, welche im 
Procuratorium nr. 27. 23. 27. 27. 20 und 24 ausgesprochen sind. 

Die beiden ersten Abschnitte der Instruction aber weisen unverkenn- 
bar auf das Nürnberger Procuratorium hin. Dieses letztere unterscheidet 
sich von, dem älteren dadurch, dass in ihm von Ludwig vornehmlich 
Genugthuung wegen seiner Begünstigung der für häretisch erklärten 
Theologen und wegen seines Verhaltens gegen den Glauben der Kirche 
gefordert wird. Darauf beziehet es sich, wenn es im • ersten Satze heisst, 
keiner der Gesandten solle „ding veriehen oder werben di vns an unser 
kristenheit mueg gegan vnd daz ir uns gen dem babst dar an bewart'S 
Das Nürnberger Procuratorium lässt Ludwig sich schuldig bekennen 
gegenüber allen Processen Johanns ; der zweite Artikel unserer Instruction 
will einen Unterschied gemacht wissen zwischen jenen Bannsprüchen, 



22 

welchen Ludwig als Vertheidiger der Rechte des Reichs verfiel, und 
jenen, welche er aus anderen Ursachen sich zugezogen hat. Auf eine 
Bitte um Befreiung von den ersteren will Ludwig nicht eingehen. 

Setzt somit auch der Inhalt von B die beiden Procuratorien des Jahres 
1336 voraus, so dürfen wir es wohl als ein feststehendes Ergebniss 
unserer Erörterung ansehen, dass B eine gegen das Ende des Jahres 1336 
an Wilhelm von Jülich ergangene Instruction ist, welche ihn anwies, 
die kaiserlichen Rechte bei den Verhandlungen über die beiden Procu- 
ratorien zu wahren und diese letzteren, so wie sie waren, nicht zur recht- 
lichen Geltung kommen zu lassen. 

Auch der Umstand, dass B im Manuscript unmittelbar auf die Pro- 
curatorien des Jahres 1336 folgt, dürfte jetzt, nachdem auf anderem 
Wege das Resultat gewonnen ist, diesem zur Bestätigung dienen. Man 
könnte etwa noch fragen, warum sich der Kaiser in der Instruction nur 
mit Hervorhebung einzelner Gesichtspunkte begnüge und nicht weiter in 
die zahlreichen Artikel der beiden Procuratorien eingehe? Die Instruc- 
tion selbst gibt hierauf die genügende Antwort Sie redet noch von 
„anderen Artikeln" der Procuratorien, die nicht genannt sind, und in 
denen die Procuratoren den Kaiser bewahren sollen, und sie spricht von 
weiteren Instructionen, welche den übrigen Gesandten mitgegeben worden 
seien. Auf diese ist also Wilhelm von Jülich zugleich mit verwiesen. 



Auch C, das dritte der fünf Schriftstücke wird von Riezler unrichtig 
angesetzt, wenn er es mit aller Wahrscheinlichkeit in das Jahr 1335 
reihen zu dürfen glaubt und vermuthet, dass es noch früher als B falle, 
weil es anspruchsvoller auftrete als B. 

Allein die Forderungen, welche der Papst im Jahre 1335 stellte und 
welche wir bei Burgundius') lesen, verlangten Grösseres, als die zehn an 
der Spitze unseres Schriftstücks mitgetheilten Artikel. Auch stimmt die 
vierte von Ludwigs Gegenforderimgen, welche nicht will, dass der Papst 
sich anmasse „schidunge zu setzen zwischen Römischen rieh vnd Franch- 
rich" nicht zum Jahre 1335* Inhalt wie Sprache unseres Schriftstücks 
fordern eine andere Zeit 



1) Borgniidi Historia Bavarica sive Ltidov. IV. Imperator. Ingolat l(id6. 



23 

Auf die zehn eingangs mitgetheilten päpstlichen Forderungen, welche 
sich alle auch schon in dem Procuratorium von 1336 finden, folgen zu- 
nächst zehn auf die Forderungen bezügliche Antworten, die in ihrer 
kühnen selbstbewussten Sprache zeigen, dass der Kaiser sich des Reiches 
und der Fürsten Deutschlands sicher fühlt. Dem Begehren, Meister Mar- 
süius und die Barfüsser zum Gehorsam gegen die Kirche zu zwingen, 
stellt Ludwig den Vorschlag einer öffentlichen Disputation mit Marsilius 
und den Vertretern der kaiserlichen Partei unter Gegenwart des Kaisers 
und der Cardinäle entgegen. Der Forderimg , dass der Kaiser um alles, 
was er wider den päpstlichen Stuhl gethan, sigh entschulde- und Busse 
darob empfahe, wird die Antwort gegenüber gestellt: der Kaiser thut 
nichts, was seiner Person, seinen Werken, oder seiner kaiserlichen Macht 
imehrlich ist und hebt nichts von dem auf, was er gethan hat als ein 
König oder Kaiser. Eine weitere Bedingung des Papstes lautet, dass der 
Kaiser widerrufe alle seine Thaten , Processe und Gerichte, die er wider 
den Papst und den Stuhl gethan habe. Die Antwort verlangt, dass der 
Papst widerrufe, was er gegen den Kaiser und das Reich gethan. „ Wider- 
rueffet der babst, so widerrueffet der kaiser". In ähnlichem Tone sind 
auch die andern Antworten gehalten. 

Es ist in den Jahren, in welche die Aussöhnungsversuche Ludwigs 
mit den Päpsten fallen, kein Abschnitt, in welchem die Verhältnisse eine 
solche Sprache dem Kaiser nahe gelegt hätten, als die Zeit welche zu- 
nächst auf die Tage von Rense und Frankfurt im Jahre 1338 folgte. 
Da hatte sich der Kaiser des Reichs und seiner Stände versichert imd 
das Gefühl des vollen Besitzes setner Macht, welchem die Frankfurter 
Erlasse vom 8. August 1338 entstammen, erklärt auch die Sprache 
unseres Actenstückes. 

Dasselbe weist auch in einigen Punkten deutlich auf das erste kürzere 
Frankfurter Manifest vom 8. August zurück. Dieses beginnt mit dem 
Satze, dass die kaiserliche Gewalt unmittelbar von Gott sei; es erklärt, 
daas der Kaiser auf Erden in zeitlichen Dingen niemand über sich habe 
und dass ihm alle Völker und Nationen unterthan seien: und in den 
kaiserlichen Gegenforderungen, welche C enthält, wird die zweite, dass 
der päpstliche Stuhl sich des weltlichen Gerichts nicht unterwinde, mit 
dem Satze eingeleitet „wan das keiserreich alein von got ist'', und die 



24 

Forderung, dass der Stuhl keine Königreiche verleihe, mit dem Satze: 
„wan all gewalt vnd all recht Roemischem rieh sol vndertan sein." 

Was wir aus Raynald über die Unterhandlungen Ludwigs mit dem 
Papste in den Jahren 1338 — 1339 wissen, dient nur zur weiteren Bestä- 
tigung, dass C in die Zeit dieser Verhandlungen zu setzen sei. Nikolaus 
Minorita erzählt, die Schriften der Minoriten und Rechtsgelehrten zur 
Vertheidigung der kaiserhchen Rechte vom Jahre 1338 seien nach Avignon 
geschickt worden, und die vorgenannten Magister und Rechtsgelehrten 
seien bereit gewesen im öffentlichen Consistorium ihre Grundsätze zu 
vertheidigen ; sie hätten zu diesem Zwecke freies Geleite verlangt, mit dem 
Erbieten, die schuldige Strafe zu tragen wenn sie unterliegen würden^). 

Ein Schreiben des Papstes vom 23. Januar 1339 an Arnold von 
Verdela, den päpstlichen Gesandten am kaiserlichen Hofe, lehnt dieses 
Ansuchen ab^). Noch am 3. Juni scheint der Gedanke an eine Reise 
der gebannten Theologen nach Avignon nicht aufgegeben. Der Papst 
stellt an diesem Tage Geleitsbriefe für Gesandte Ludwigs aus mit der 
Bedingung, dass die Gesandtschaft mit ihrem Gefolge die Zahl 60 nicht 
überschreite und dass kein als Häretiker Verurtheilter darunter sei^). 

Aus Raynald ersehen wir ferner, dass auch der Kaiser im Anfang des 
Jahres 1339 an eine persönliche Zusammenkunft mit dem Papste dachte. 

Beides aber, eine Disputation der gebannten Theologen vor den Car- 
dinälen und die persönliche Anwesenheit des Kaisers dabei, sowie die 
Bereitwilligkeit der Theologen sich im Falle des Unterliegens der schuldigen 
Strafe zu unterziehen, wird in unserem Actenstück gleich in der ersten 
Antwort auf die Forderungen des Papstes ausgesprochen: „Ze dem ersten 
antwrt der kaiser vnd all sein weiser rat, pfaffen vnd layen, daz maister 
MarsHius vnd die barfuozzen mit dem kaiser besamt sullen sein vnd all 
di mit rat oder mit der tat dem kaiser beholfen wern vnd sein; so daz 
beschehen ist, so lazzen di Cardinal innen vnd vzzen disputieren raeister 
MarsUius vnd der barfuozzen Sachen; werden di loeblich befunden, si besten; 
werden aber si vnloeblich befunden, sie zergen; wolten si nicht ablazzen, 



1) Bei Böhmer, Fontes IV. 608 

2) Rajnald 1839 nr. t>. 
3j 1. c. nr. 8. 



25 

wann di Sache vnloeblich gevrteilt wräe, so wil der kaiser von bot der 
kirchen wider si tuon, was er ze rechte sol". 

Und wie uns dieser Absclinitt auf das Jahr 1339 verweist, so 
auch eine schon oben erwähnte Stelle unter den zehn Gegenforderungen 
des Kaisers. Es heisst da: Ze dem vierden so nimt sich der stuol an 
vnd der babst, daz er zwischen Roemischen rieh vnd Franchrich schidunge 
setzen wil Roemischera rieh ze schaden etc. Wir ersehen aus einem 
Briefe des Papstes vom 7. November 1337, dass einer der Gründe, welche 
Ludwig bestimmten, den im December 1336 durch Wilhelm vonJülich 
abgeschlossenen Friedensvertrag mit Frankreich aufzuheben und sich mit 
England zu verbinden, die Besetzimg einiger dem Reiche gehöriger 
Plätze im Bisthmn Cambray durch die Franzosen -war. Nach Ausbruch 
des Krieges suchte nun der Papst zu Gunsten Frankreichs zu vermitteln. 
Er stellte wiederholt und noch einmal am 11. October 1339, als eben 
erst eine neue Gesandtschaft im Namen des Kaisers und der Kurfürsten 
nach Avignon abgegangen war, an Ludwig das Verlangen, sich jedes 
Angriffs auf Frankreich zu enthalten, wenn anders Ludwig Frieden mit 
der Kirche haben wolle'). 

In die Zeit der beiden Gesandtschaften des Jahres 1339 also, in die 
Monate Juni bis October, werden wir nach den hervorgehobenen Merk- 
malen das mit C bezeichnete Schriftstück zu setzen haben. 



Das vierte, "von Riezler mit D bezeichnete, Stück bietet keine 
Schwierigkeiten. Es ist zu Ingolstadt am 28. October 1343 ausgestellt. 
Ausstellungsort und Datum verbieten die Annahme, dass wir es hier mit 
einem blossen Entwurf zu thun haben. Es ist eine geheime Instruction 
für die Gesandtschaft des Kaisers, an deren Spitze Hmnbert von Vienne 
stand, und für welche Ludwig kaum sieben Wochen vorher, am 18. Sep- 
tember, ein vom Papste vorgeschriebenes die bedingungslose Unterwerfung 
enthaltendes Procuratorium imterzeichnet hatte. Wir werden unten auf 
diese Instruction zurückkommen. 

E ist ein Antrag, welchen die Procuratoren des Jahres 1343 bei 
den Verhandlungen in Avignon stellten. Für diese waren zuerst die Pro- 

1) Ba;nald 1389 nr. 8. 

Abh. d. 111. Cl. a. k. Ak. d. Wiw. XIV. Bd. I. Abtb. 4 



26 

curatorien des Jahres 1336 wieder zu Grunde gelegt worden. E bezieht 
sich auf einige Funkte derselben und verlangt eine Aenderung zu Gungten 
des Kaisers. 

Daos im Jahre 1343 zuerst wieder über die Procuratorien des Jahres 1336 
verhandelt worden sei, geht nicht nur aus einem Zeichen mit Randbemerkung 
bei A, sondern auch aus D hervor, wo einzelne Anweisungen für die Gesandten 
sich auf die Procuratorien jenes Jahres beziehen. D aber ist, wie be- 
merkt wurde, am 28, October 1343 unterschrieben. Daraus erklärt sich 
denn auch die Bestimmung unseres ganzen Manuscripts im k. Hausarchiv. 
Die Zusammenstellung diente den Gesandten des Kaisers für die Verhand- 
lungen des Jahres 1343: A, oder die beiden Procuratorien von 1336, als 
die Grundlage für diese Verhandlungen, B und C als die älteren Instructionen 
(1336. 1339), welche den Gesandten zur Richtschnur dienen sollten, D enthält 
die neue Instruction, E ist ein erst in Avignon auf Grund von D entstandener 
Antrag, der hier nur Raum gefunden hat, aber nicht eigentlich zur Zu- 
sammenstellung gehört. So haben wir denn unter den erörterten 
Actenstücken in B und D auch den urkundlichen Beweis, dass gleich- 
zeitig mit den Procuratorien von 1336 und 1343 geheime Instructionen 
ertheilt wurden, in welchen die Gesandten angewiesen waren, den Procu- 
ratorien gegenüber die Ehre sowie die Rechte des Kaisers und des Reiches 
zu schützen und das, was in den Procuratorien angeboten war, nicht 
zum vertragsmässigen Vollzug kommen zu lassen. 

Mit diesem Erweis, dass Ludwig ferne davon war, seine Procura- 
torien zu förmlichen Verträgen umgestalten zu lassen, stinmuen dann auch 
die weiteren Zeugnisse. So sagt Benedict in einem an Ludwig unter 
dem 13. September 1338 gerichteten Briefe^): Ludwigs Gesandter, der 
Abt Albrecht von Ebrach, habe ihm im Vertrauen mitgetheilt: „quod tue 
intencionis non erat servare ea que per te ac pro parte tua jam dudum 
oblata nobis fuerant. Und in einem späteren Briefe vom 7. April 1340^) 
erklärt Benedict, er werde sich nicht länger durch Versprechungen des 
Kaisers täuschen und hinziehen lassen sicut hactenus delusi fuimus et 
protracti 



1) Bei Hoflei, Aus Avignon S. 18. 

2) Baynald 1340 nr. 68. 



und in dem, wae er der Curie verweigerte, konnten zugleich die das 
Reich aufs äusserste gefährdenden Absichten Roms vor den Ständen 
bloss gelegt werden. Lediglich, um den Beginn der Verhandlungen 
zu erwirken, unterschrieb also Ludwig die Procuratorien des Jahres 
1336. Er stellte der List und Unwahrhaftigkeit seiner Gegner, welche 
keine Aussöhnung wollten, List imd Unwahrhaftigkeit entgegen, und 
nöthigte sie so, in die Verhandlungen einzutreten. Nicht ein Beweis des 
Kleinmuths oder der Schwäche sind demnach diese Procuratorien, sondern 
diplomatischer Verschlagenheit. Sie sind allerdings ein ihm hingehaltenes 
Joch, aber ein Joch, das er nur entgegennahm um es sofort als Waffe 
wider seine Feinde zu gebrauchen. 

6. Die Unterhandlungen der Jahre 1335 — 1337 scheiterten. Sie 
scheiterten, um es hier noch einmal hervorzuheben, nicht an der 
Weigerung des Papstes, die Anerbietungen Ludwigs in den Procuratorien 
anzunehmen, sondern an der Weigerung der Gesandten Ludwigs, den In- 
halt der Procuratorien, so wie er war, zum Vertrage werden zu lassen. 

Ludwig rief auf die oben erwähnte erbitterte Rede des Papstes vom 
11. April 1337 seine Boten zurück, und trug nun Sorge, dass seine Be- 
mühungen bei der Curie und deren Forderungen bekannt würden. Und 
er erreichte damit einen sehr bedeutenden Erfolg. Erzbischof Heinrich 
von Mainz, welchen der Kaiser ganz für sich gewonnen hatte, berief im 
März 1338 die Bischöfe seiner Provinz nach Speier, und diese Versamm- 
lung ist mit Recht als der Anfang der Erhebung der deutschen Nation 
für Ludwig bezeichnet worden '). Die Vermittelung, zu welcher sich hier 
die Bischöfe gegen den Papst erboten, war eine grosse Kundgebung zu 
Ludwigs, unil ;iiis dev tinLrniidigen Aufnahme, welche ihr Aner- 

, iu Avignon fand, ersieht mau, dass sie auch dort so aufgefasst 

1^}. Die bedcutenciste Frucht der kaiserlichen PoUtik aber tritt in 
^lilüssen der Tage zu^^ und Frankfurt im Juli und August 1338 
Dort machten ^^^Bulc des Reiches und mit ihnen die Na- 
! Sache Ludwigs .^^^^Veigenen. 

für seinen Kaiser noch im Jahre 1339 



Cöln T. 1. Jnli 1338. ßaynald 1338, nr. 3- 




28 

französisch gesinnten Cardinäle^) den Frieden nicht wollten, Philipp nicht, 
weil der Bann die Verpflichtungen der deutschen Fürsten gegen ihren 
Kaiser löste, die Cardinäle nicht, weil Philipps Hand auf ihren Einkünften 
lag. Der Papst war durch die Cardinäle so sehr beschränkt, wie nur je 
ein Kaiser durch die Kurfürsten. Schon Johann hatte dies erfahren 
müssen. Es ist oben angedeutet worden, in welche gefahrliche Lage er 
zuletzt durch Orsini und seine Anhänger kam. Jetzt wurde Benedict 
durch den Ruf geschreckt, er mache sich durch wohlwollendes Entgegen- 
kommen gegen Ludwig der Begünstigung der Häresie verdächtig. Li 
kläglicher Schwäche folgte der Papst dem Willen Frankreichs und zog den 
Beginn der Verhandlungen unter den nichtigsten Vorwänden hinaus; als 
dies zuletzt nicht mehr anging, wurden immer demüthigerende Bedingun- 
gen gestellt in der Hoffnung, dass Ludwig nicht darauf eingehen werde^). 
Aber in den Verhandlungen lag für den Kaiser das einzige Mittel, seine 
Stellung in Deutschland zu sichern, seinen Feinden den Boden zu ent- 
ziehen, der ihnen Kraft gab. Denn entweder gelang es doch noch, durch 
dieselben die päpstlichen Forderungen den geheimen Listructionen gemäss 
herabzustimmen, und dann war ein mit der Würde des Kaisers verträglicher 
Friede gewonnen; oder es gelang nicht, dann war immerhin das Wich- 
tige erreicht, dass der Kaiser seinen ernsten Willen nach Frieden durch 
die Zugeständnisse, die er wirklich zu machen bereit war, erwiesen hatte, 



1) unter Johann XXII. waren im Cardinalscollegiam 16 Franzosen, 6 Italiener, und je ein Car- 
dinal aus den übrigen Nationen. Höfler, a. a. 0. 19. 

2) Die Beweise für diese Sätze liegen in den Briefen des Papstes vor. Brief v. 14. Mai 1335 an 
Ludwig b. Raynald 1335 nr. 29. Brief v. 4. Apr. 1337 an Philipp v. BVankr. 1. c. 1337 nr. 2 : 
Dum innumerabiles Christi sanguine redemptorum animas in Alemanniae, Italiae aliisque partibus 
ex sola praedicti Ludovici adhaerentia et assistentia excommunicationum et poenis aliis ac er- 
roribus involutas et ezpositas aeteruae damnationis periculis contemplamur — — dissimulare 
Tel omittere absque offensa Dei propriaeque laesione conscientiae non valemus (maxime cum 
ipse obtulerit et ofiferat se nostris et ecclesiae mandatis et beneplacitis in omnibus et per 

omnia efficaciter paritorum) quominus super reducenda sub ovili dominico ovi tale errante 

justos tractatus et ratiouabiles ^providendo tamen quantum cautius fieri poterit, ecclesiae ac 
tni et — Boberti Regis Siciliae illustris indemnitatibus) admittarous, verentes quod si per op- 
positionem impedimenti yel alias minus rationabiliter aditum super tractatu hujusniodi clanderemus, 
perspicaces et subtiles Theutonici, perpendendo unde talia processerint , exinde irritati vel 
forsan desperat!, se cum Anglicis Yel aliis regis aemulis coUigarent. So bestätigt dieser Brief 
zur Genüge, was Matthias von Neuenburg 1. c. 207 über die dnrch Philipp verhinderten Ver- 
bandlungen und die Abhängigkeit und Schwäche des Papstes sagt. 



29 

und in dem, was er der Curie verweigerte, konnten zugleich die das 
Reich aufs äusserste gefährdenden Absichten Roms vor den Ständen 
bloss gelegt werden. Lediglich, um den Beginn der Verhandlungen 
zu erwirken, unterschrieb also Ludwig die Procuratorien des Jahres 
1336. Er stellte der List und Unwahrhaftigkeit seiner Gegner, welche 
keine Aussöhnung wollten, List und Unwahrhaftigkeit entgegen, und 
nöthigte sie so, in die Verhandlungen einzutreten. Nicht ein Beweis des 
Kleinmuths oder der Schwäche sind demnach diese Procuratorien, sondern 
diplomatischer Verschlagenheit. Sie sind allerdings ein ihm hingehaltenes 
Joch, aber ein Joch, das er nur entgegennahm um es sofort als Waffe 
wider seine Feinde zu gebrauchen. 

6. Die Unterhandlungen der Jahre 1335 — 1337 scheiterten. Sie 
scheiterten, um es hier noch einmal hervorzuheben, nicht an der 
Weigerung des Papstes, die Anerbietungen Ludwigs in den Procuratorien 
anzunehmen, sondern an der Weigerung der Gesandten Ludwigs, den In- 
halt der Procuratorien, so wie er war, zum Vertrage werden zu lassen. 

Ludwig rief auf die oben erwähnte erbitterte Rede des Papstes vom 
11. April 1337 seine Boten zurück, und trug nun Sorge, dass seine Be- 
mührmgen bei der Curie und deren Forderungen bekannt würden. Und 
er erreichte damit einen sehr bedeutenden Erfolg. Erzbischof Heinrich 
von Mainz, welchen der Kaiser ganz für sich gewonnen hatte, berief im 
März 1338 die Bischöfe seiner Provinz nach Speier, und diese Versamm- 
lung ist mit Recht als der Anfang der Erhebung der deutschen Nation 
für Ludwig bezeichnet worden ^). Die Vermittelung, zu welcher sich hier 
die Bischöfe gegen den Papst erboten, war eine grosse Kundgebung zu 
Gunsten Ludwigs, und aus der ungnädigen Aufnahme, welche ihr Aner- 
bieten in Avignon fand, ersieht man, dass sie auch dort so aufgefasst 
wurde ^). Die bedeutendste Frucht der kaiserlichen Politik aber tritt in 
den Beschlüssen der Tage zu Rense und Frankfurt im Juli und August 1338 
zu Tage. Dort machten die Stände des Reiches und mit ihnen die Na- 
tion die Sache Ludwigs zu ihrer eigenen. 

Wie die Erhebung Deutschlands für seinen Kaiser noch im Jahre 1339 



1) Ficker. zur Gescbichte des Eurvereins zu Rense. S. 18. 

2) Schreiben des Papstes an den Erzbischof von Cöln y. 1. Juli 1838. Raynald 1838, nr. 3—7. 



30 

auf das Verhalten desselben bei den neuen Unterhandlungen mit der 
Curie einwirkte, dafür fanden wir einen Beweis in der oben von uns be- 
sprochenen Instruction jenes Jahres. Aber die Einheit der Stande war 
eine gebrechliche. Als Clemens VI. im Jahre 1342 zur Regierung kam, 
war er bestrebt, den Eigennutz der Fürsten wider Ludwig wach zu rufen 
und dabei insbesondere die Verstimmung, welche Ludwig durch die lieber- 
tragung Tirols auf seinen Sohn erweckt hatte, auszubeuten. Clemens ver- 
suchte es jetzt mit der Erhebung eines Gegenkönigs. Die Gefahr ver- 
anlasste Ludwig zu neuen Unterhandlungen mit der Curie; dabei nöthigte 
er Frankreich durch Drohungen, den Beginn der Verhandlungen mit 
herbeizufahren. Ein Procuratorium vom 18. September 1343, in welchem 
der Papst die rückhaltloseste und demüthigste Unterwerfung vorgeschrieben 
hatte ^), und welches die Gesandten Ludwigs sogar im öffentlichen Con- 
sistorium vor dem Papste beschworen, sollte diesen Verhandlungen den 
Weg bahnen. Der Papst hatte Verdacht, dass die Unterwerfung Ludwigs 
nicht ehrhch gemeint sei. Er spricht ihn in einer Rede am 16. Januar 
unzweideutig aus*^). Aber er musste nun doch die Verhandlungen be- 
ginnen lassen. Die alten Procuratorien von 1336, welche zuerst als 
Grundlage dienten, wurden bald wieder zurückgezogen, wohl deshalb weil 
sie in einigen Punkten nicht mehr auf die Verhältnisse passten und Lud- 
wigs Gesandte diesen Umstand geltend machten um neue und vielleicht 
bessere Vorlagen zu gewinnen. Aber die neuen Artikel, welche nun die 
Curie vorlegte^), waren im wesentlichen nichts weiter als eine Wieder- 
holung der alten. Und so kam es denn bald genug zum Abbruch der 
Verhandlungen. Als Ludwig sah, dass er nur unbedeutende Aenderungen 
erwirken könne, legte er die neuen Procuratorien einer nach Frank- 
furt berufenen Reichsversammlung vor. Die Worte welche nach Johannes 
von Winterthur Ludwig hier gesprochen haben soll, sind wohl so nicht 
gesprochen worden, wie sie mitgetheilt werden, aber den Sinn der Er- 
klärungen Ludwigs werden sie wahrscheinlich treffen; denn sie ent- 



1) Gewold 173 ^.: £t res, p^rsonam et statom nostrum absolute et simpliciter in manam 

V. S. ponendi, ac ordinationi et dispensationi S. V. standi, non solum in istis sed qaibascan- 
qne aliis qnoscnnque tangentes. 

2) Bei Höiler a. a. 0. 22. 

3) Bei Gewpid 1. c. 181 sq. 195 sq. Deutsch im k. geh. Hausarchiv Kasten I Lade 5 N. 260. 



31 

« 

sprechen der vorhandenen Lage. Ludwig soll unter anderm geäussert 
haben, er sei bereit gewesen, sich ganz und unbedingt dem Willen 
des Papstes zu unterwerfen, aber unter der selbstverständlichen Voraus- 
setzung, dass die Forderungen des Papstes das Mass des Vernünftigen 
nicht überschritten. Hat Ludwig sich in diesem Sinne geäussert, dann 
würden wir daraus ersehen, wie er die Zurücknahme seines in öfifent- 
licher Sitzung durch die Gesandten beschworenen Procuratoriums vom 
18. September 1343 zugleich seinem Gewissen gegenüber zu rechtfertigen 
suchte. Ludwig erreichte auch diesmal, wenngleich einer theilweise 
weniger freundlichen Versammlung gegenüber, was er 1338 zu Kense 
und Frankfurt erreicht hatte. Die vom Papste bedrohte Ehre des Reichs 
nöthigte selbst die dem Kaiser feindlichen Fürsten sich gegen den Papst zu 
erklären. Wir werden unten auf die Antwort der Stände zurückkommen. 
Sie befestigte die wankende Stellung Ludwigs von neuem. Denn wenn 
es auch den Bei](iühungen des getäuschten und erbitterten Papstes noch 
gelang, den Mehrzahl der Kurfürsten zur Wahl eines Gegenkönigs zu 
vermögen, so fanden doch die Abtrünnigen wenig Anhang im Reiche.. 
Weitaus die Mehrzahl der Stände bewahrte Ludwig die Treue und dieser 
blieb über seinen Gegenkönig Herr. 

7. Die bisherigen Erörterungen haben, wie ich hoffe, gezeigt, dass 
es unrichtig ist, von den Procuratorien Ludwigs für die Verhandlungen 
mit der Curie auf Ludwigs ergebenen Sinn gegen die Kirche zu schliessen, 
wie ältere Schriftsteller thim, oder in ihnen ein Zeichen seiner Haltlosig- 
keit, seiner Schwäche und seines Kleinmuths zu sehen, wie dies bei Riez- 
1er der Fall ist. Die Päpste Benedict und Clemens werden vielmehr Recht 
behalten, wenn sie in Bezug auf jene Unterhandlungen sagen, dass Ludwig 
sie getäuscht habe, dass es ihm nicht Ernst mit seinen Anerbietungen, 
d. i. mit dem Procuratorien gewesen sei. Sie haben freilich vergessen, 
hinzuzusetzen, dass ihre eigene ünaufrichtigkeit und Doppelzüngigkeit es 
war, welche Ludwig eine solche Politik aufnöthigte. Will man also fest- 
stellen, wie weit Ludwig der Kirche gegenüber sich zu beugen willens 
war, dann wird man, wie schon hervorgehoben wurde, die erörterten ge- 
heimen Instructionen befragen müssen, deren Gleichzeitigkeit mit den 
Procuratorien und deren officieller Charakter wohl keinem gegründeten 
Zweifel mehr unterliegen wird. 



32 

Für unseren Zweck genügt es, hier nur die geheime Instruction 
vom 28. October 1343 näher ins Auge zu fassen, da diese ims Ludwigs 
Stellung zu den Forderungen der Curie in seinen letzten Regierungs- 
jahren kundgibt. 

Die Procuratorien enthielten den Satz, dass Ludwig den kaiserlichen 
Titel ohne jeden Vorbehalt niederlegen werde. Die Instruction bemerkt 
hiezu: den kaiserlichen Titel sollt ihr hinlegen; ihr sollt aber nicht schwören, 
dass wir ihn nicht wieder annehmen wollen, ihr hättet denn Sicherheit 
vom Papste und dem König von Frankreich, dass er ims in einer be- 
stimmten Zeit wiedergegeben werde, lieber Sicilien, Sardinien und Corsika 
sagt die Instruction: Ihr sollt nur zugestehen, dass wir dem Stuhl das 
geben wollen, was die Kaiser vormals dem Stuhl gegeben haben; neues 
sollt ihr nicht gewähren ausser der Grafschaft Venaissin. Das Verlangen 
nicht nach Italien zu kommen vor des Papstes Bestätigung, und andere 
entehrende Forderungen werden zurückgewiesen mit Berufung darauf, 
dass kein Kaiser je solche Zugeständnisse gemacht habe, oder auch da- 
mit, dass das Geforderte zu gross sei. Von dem Banne, der ihn ge- 
troffen, weil er für seine "Wahl zum König die päpstliche Bestätigung nicht 
hatte nachsuchen wollen, will Ludwig gar nicht frei werden. Die be- 
merkenswerthe Stelle lautet: „Item, wann vns dunchet, daz wir ze vn- 
recht gebannet wurden, da von daz wir vns des reichs an des babstes 
approbacion vnd assumpcion vnderwunden, suelt ir vns besorgen, daz 
wir von demselben bann nicht gelazzen werden, von welcherlay andern 
vrsachen wir in den bann geuallen sein oder waren, ist wol vnser wille, 
daz wir da von gelazzen werden." 

Die hier erwähnten „ anderen Ursachen " sind vor allem die Erhebung 
eines Gegenpapstes, sowie die Beschütz ung des Marsilius und der Mino- 
riten und ihrer Lehre. In diesen das Herkommen und die Lehre der 
Kirche betreffenden Fragen gibt der Kaiser nach; aber auch keineswegs 
überall so wie es in den Procuratorien verlangt wird, imd mit Bemerkungen, 
welche einen Theil der Schuld dem Papste Johann zuschieben. Er ge- 
steht zu, dass er den Papst nicht hätte absetzen und einen neuen ein- 
setzen sollen; aber die Procuratoren sollen das entschuldigen mit dem 
Unrecht, das Johann wider ihn, das Reich und die Christenheit gethan. 
Die für häretisch bezeichneten Lehren des Marsilius und der Minoriten 



38 

lässt Ludwig fallen; \Ca8 der päpstliche Stuhl darüber festgesetzt habe, 
das glaube er als ein guter Christ. Wenn er hinzufügt, dass er sich um 
jene theologischen Lehren nie bekümmert habe, so ist das freilich eine Unwahr- 
heit, wenn auch eine aus den Procuratorien herübergenommene Unwahrheit. 
Die Procuratorien verlangten aber auch, der Kaiser solle alle diejenigen 
austreiben, welche vom Papste als Häretiker bezeichnet würden. Auf 
diese Forderung der Vertreibung geht die Erklärung des Kaisers ijicht 
ein, auch verwirft sie die Formel in ihrer Allgemeinheit. Sie gesteht 
im Betreff der Barfüsser nur zu, dass falls sie „dhein oppinion habent 
wider den stuol vnd di kirchen, dar inne si behertten weiten vnd mit 
vns ze gnaden nicht weiten chomen, dar auf wellen wir si nicht schirmen". 
Bei diesen letzten Worten konnte für den Fall der Weigerung der Theo- 
logen die Auslegungskunst jener Zeiten noch immer einen für diese 
günstigen Ausweg finden. Indes war auch ein auf solche Weise einge- 
schränktes Zugeständniss des Kaisers nicht eben würdig. 

Das Vorstehende wird ausreichen, über die persönliche Stellung, 
welche Ludwig in seiner letzten Zeit den Streitfragen gegenüber einge- 
nommen hat, ein Urtheil zu gewinnen. Ludwig hat an der Ueberzeu- 
gung von der Unabhängigkeit der königlichen von der päpstlichen Ge- 
walt festgehalten, er ist bei dem zu Rense ausgesprochenen Grundsatze 
stehen geblieben, und seine Ueberzeugung gibt ihm die Kraft, dem Banne 
des Papstes bis zum Tode zu trotzen, ohne dass er sich um eines solchen 
Bannes willen für ausgeschieden aus der Kirche ansieht. Anders verhält 
es sich mit den mehr theologischen Fragen. Dass es mit dem Wesen 
der Kirche überhaupt siih so verhalten möge, wie unter andern Marsi- 
lius oder Caesena lehrten, davon dürfen wir annehmen, dass Ludwig es 
gewünscht habe, weil es das, was er über das Verhältniss des Staates zur 
Kirche dachte, religiös zu rechtfertigen vermochte. Aber er hat von 
jenen Theorien keine feste Ueberzeugung, da es ihm an den geschichtlichen 
und theologischen Kenntnissen hiefur fehlt. Darum beugt er sich hierin 
der traditionellen Meinung, als die Umstände es zu fordern scheinen. 

Die Führer der literarischen Opposition. 

Wenn wir den Kaiser von den theologischen Sätzen, die er mit in 
den Streit führte, zurücktreten und der päpstlichen Meinung sich 

Abh. d. III. Ol. d. k. k. Ak. d. Wiss XIV. Bd. I. Abth. 5 



34 

beugen sehen, so begreifen wir das, da er, wie gesagt, bei der vor- 
herrschend theologischen Natur dieser Fragen keine feste Ueberzeugung von 
der Wahrheit derselben haben konnte. Anders ist das-Verhalten der Mehr- 
zahl seiner bedeutenderen theologischen Bundesgenossen. Diese hatte der 
Ernst ihrer theologischen Forschung zu den Lehren geführt, welche sie 
vertheidigten, und es ist der Ruhm dieser Männer, dass sie das, was sie 
für wahr erkannten, auch unter den ungünstigsten Umständen bis ans 
Ende festhielten. Johann von Jandun, der Mitarbeiter am Defensor pacis, 
ist 1328 zu Todi gestorben, ohne seine Lehren zurück genommen zu 
haben ^). Eben so wenig hat Marsilius widerrufen, dessen Ende Riezler 
in die Zeit nach dem 28. October 1336 und vor den 10. April 1343 
setzt. Wir können jedoch, nachdem wir erkannt haben, dass die oben- 
erörterte Instruction Ludwigs, in welcher Marsilius als lebend vorausge- 
setzt wird, ins Jahr 1339 zu setzen sei, die Zeit seines Todes nun auf 
die vier letzten Jahre vor dem 10. April 1343 einschränken, a*n welchem 
Tage Papst Clemens seiner als eines Verstorbenen gedenkt. Unerschütter- 
lich blieb auch Bonagratia von Bergamo. Er starb zu München, und 
zwar, wie wir jetzt mit Wahrscheinlichkeit aus dem Nekrologium im hiesigen 
Franziskanerkloster angeben können, am 17. Januar 1340 ^J. Zwei Jahre 
nach Bonagratia starb ebenfalls hier zu München Michael Caesena. Die 
Nachricht, dass er widerrufen habe , welcher auch Riezler Glauben schenkt, 
ist sicher falsch. Sie tritt erst sehr spät auf, im 17. Jahrhundert, bei 
Wadding % der sich dafür als einzige Quelle auf ein Chronicum saxonicum 
beruft. Allein diese Quelle scheint sich schon dadurch als eine schlechte 



1) Caesena an Gerh. Odonis Dec. 1382 : s. Beil. I : Et infra ulterius dicis mendaciter , quod ego 
commnnicavi magistro Johann! de Jandnno, cnm ille manifeste mortuns faerit in Tnderto, ante- 
qoani Pisas venirem. Ego autem in Tuderto pedem non posni nee eciam ponere cogitavl. 
Caesena war, am 26. Mai 1328 aus Avignon entflohen nnd kam am 9. Juni 1328 nach Pisa. 

2) Nekrolog des Franziskanerklosters zu München, mit Zusätzen von Hermann Salch, gaard. Monac. 
[Die letzte Notiz von seiner Hand ist v. J. 1421] : Anno D. MCCCXL ohiit fr. Bonagracia de 
pergamo doctor ntriosque iuris in die antonij, sepultus in choro ante altare cum magistro Wil- 
helme ockam, qui obiit quarto idus aprilis a. d. MCCCXL VU et cum eis sepultus est fr. michahel 
generalis minister qui obiit in vigilia andreae apostoli a. d. MCCCXLH, qui omnes Tenerunt 
ad civitatem monacensem cum ludovico imperatore, qui proventus subitanea morte in venacione 

. in nemoribus obiit in octava Francisci. Dass Bonagratia nicht widerrufen cf. Joh. von Winter- 
thur ed. Wjss p. 88 : Magister similiter Heinricus (de Thalheim) post eum faciens ad ordinem 
est reversus. Sed Bonagratia extra eum debitum humane nature persoWit. 
8) Annales Minornm, Rom. 1733 T. VI, f. 295 ad. a. 1343 cf. VH, f. 313. 



k. 



35 

selbst zu kennzeiclmen, dass sie das Todesjahr Caesenas unrichtig ansetzt, 
und dass sie des Franz von Asculum Unterwerfung durch Caesenas Bei- 
spiel bestimmt sein lässt. Denn der erstere unterhandelte wegen seiner 
Unterwerfung schon 1341, während Caesena im Mai 1342* noch völlig in 
dem alt^n Widerstände beharrt Wadding ist dann wieder die Quelle 
für Raynald und Bemardinus Manzoni\) geworden. Im 18. Jahrhundert 
kommt Muratori, und bringt zuerst Caesenas angeblichen Widerruf^. Er 
habe ihn, sagt er, mittelbar von dem Benedictinerprior Ginnane zu Ravenna 
erhalten. Dass dieses Schriftstück schon frühe, vielleicht schon seit dem 
15. Jahrhundert, vorhanden gewesen sei, bezweifle ich nicht. Es war ein gutes 
Mittel in den Händen der Inquisition gegen diejenigen Fraticellen, welche 
Anhänger Caesenas waren und nach ihm Michaelisten genannt wurden. 

Die Unrichtigkeit der Nachricht von Caesenas Widerruf ergibt sich 
aus folgendem: 

In keinem der Erlasse Clemens VI., in welchem er den verstorbenen 
Caesena erwähnt, wird seiner Unterwerfung gedacht Es ist undenkbar, 
dass der Papst sich einer solchen Waffe nicht bedient haben sollte, wenn 
sie vorhanden gewesen wäre. 

Caesena ernennt noch kurz vor seinem Tode ^zwei Münchener Bürger 
zu Procuratoren des Ordens^). Um dieselbe Zeit erlässt er eine Schrift, 
welche den Gedanken ausspricht, dass die ganze Kirche irren und auch 
ein Einzelner die Wahrheit vertreten könne*). Das Ordenssiegel gibt er 



1) Bernardinas Manzoni. Seine kurze Zusammenstellung der auf Caesena bezüglichen Thatsacben 
am Scblusse des 15. Bucbs von Scipionis Claramontii Caesenae urbis bist. 

2) Berum. Ital. script. T. III, p. II, f. 515 fg. Der Widerruf scbliesst sich an eine Auslegung des 
51.(50.) Psalms an, und soll im Nov. 1343 (!) geschrieben sein. 

8) Glassberger, Chronik f. 89: Johannem Scbitonem et Grimoldum Treslonem, eives Monacenses, 
auctoritate apostolica mihi in bac parte commiss» veros et legitimes procuratores» administratores, 
yconomos, syndicos et actores sedis apostolicae nomino, ad recipiendum res ordini et fratribus pro- 
vincie alemannie superioris legatas, donatas vel concessas etc. Monaci 1342. IX cal. Maji(23. April). 

4) Der Brief wird von Johannes Minorita unrichtiger Weise noch in die Zeit Johannes XXIL ge- 
setzt ; aber das Schreiben erwähnt des Todes dieses Papstes, und spricht von seinen Nachfolgern 
s. Baluz. 1. c. 342 u. 343. Da Clemens VI. 1342 am 7. Mai gewählt wurde, so ist das Schreiben 
in den letzten Monaten Caesenas verfasst. Die Stelle lautet 1. c. 854: Verum est tamen, si in 
tota Ecclesia commaniter reciperetur adulter cum sponso, haereticua pro catholico, lupus pro 
agno et pro Pastore schismaticus et idololatra, qui etiam contra statuta Christi et ecclesiae usur- 
paret sibi sedem papalem: si unns solus cathoUce sibi resistet (resisteret?) et totus alius 
mundns enm praedicaret et ei obediret, a toto mundo recederet gratia Jesu et authoritas ec- 
clesiae et in solo illo qui catholice resisteret, remaneret. 

5* 



36 

sterbend an Occam, der sich von da an Vicar des Generals nennt und fort- 
fährt den Papst in Schriften zu bekämpfen*). Der gleichzeitige Johann 
von Winterthur, ein Minorit, nennt solche, die sich der Kirche unter- 
worfen haben; aber von einem Widerruf Caesenas weiss er nichts. 

Die Chronik des Ordens von Glassberger, welche auf älteren Quellen 
ruht, weiss gleichfalls nichts von seiner Unterwerfung, ja sie bemerkt 
vielmehr, dass er bis zum Tode in seiner feindlichen Stellung ge- 
blieben sei^). 

Ein letzter und entscheidender Beweis mag noch aus der Schrift des 
Jakobus de Marchia angeführt werden, in welcher unter der Form eines 
Dialogs die Fraticellen, welche Caesena als ihren Meister verehrten und 
nach ihm genannt wurden, bekämpft werden. Sie ist um die Mitte des 
15. Jahrhunderts geschrieben. Der Vertheidiger der Kirche sucht den 
Michaelisten des Dialogs mit der Bemerkung in die Enge zu treiben, dass 
nur sehr wenige Anhänger Caesenas ihrer Fahne treu geblieben seien; er 
beruft sich auf die Schrift Bonaventuras, eines Zeitgenossen jener 
Kämpfe, imd führt die hierauf bezüglichen Thatsachen an; aber das Haupt- 
mittel, den Gegner niederzuschlagen, das Wort : Euer Meister selbst hat wider- 
rufen, suchen wir vergebens. Das Gegentheil wird vielmehr eingestanden; 
denn nachdem von Rubens de Marchia gesagt ist, dass er widerrufen, 
heisst es von Caesena, Bonagratia und Occam: qui tres haeretici excom- 
municati remanserunt ^). 



1) Rede Clemens VI. am 10. Apr. 1343 bei Höfler, Aas Avignon S. 20: Et quid fecit predictas 
Gnillelmiu po&t mortem illius Michahelis qui faerat minister generalis minorum? Ipse scripsit 
literam et sigillaTit eam sigillo illias Michahel et fecit se vicarium ordinis et qaamvis vicariatus 
ille ezspiraverit , vocat se tarnen vicarium ordinis. Wenn Caesena sich wirklich unterworfen 
hätte, so wäre dies an dieäer Stelle vom Papste gegen Occam sicher benützt worden, cf. das 
Schreiben Clemens VI. an den General der Minoriten v. 8. Juni 1349 bei Bayn. ad a. 1349 
nr. 16. 

2) f. 89: Hoc quoqne anno (1342) in vigilia S. Andreae apostoli obiit fr. Michael de Cesena, qui 
se nsque ad mortem genoralem ministram scripsit et esse pntavit et in Monaco est sepnltus. 

3) DialogQS contra Fraticellos, S. Jacobi de Marchia, ap. Bklnzii Mise. ed. Mansi P. II, f. 595. 
cf. f. 600: Sed fides< Michaelistaram non est credenda darare asqae ad finem saeculi: patet, 
qaia, si fuit in praestantiori et safficientiori statu, non potait prosperari, sed semper defecit: 
quando magis putanda est deficere in viliori et debiliori statu. Cum in primis haec lecta fait 
ex praestantissimis viris mundi in omni facultate et scientia praemunitis, ut Michael de Cesena 
beresiarca, Magister frater Rubens de Marchia, qai revocaTit, Magister Guglielmus Ocham, 
Magister Bonagratia in utroque jure peritissimus, qui tres haeretici excommunicati remanserunt etc. 



k 



37 

Und damit kommen wir auf Occam, der gleichfalls widerrufen 
haben soll. Aber erst Trithemius berichtet es. Urkundlich steht nur 
fest, dass Occam im Jahre 1349 das Ordensiegel, das er aus Caesenas 
Erbschaft bei sich gehabt und gebraucht hatte, dem bisher von ihm be- 
kämpften General zurückstellte, und dass der Papst dem General die 
Aufiiahme Occains (Wilhelms von England) und einiger seiner Gesinnungs- 
genossen gestattete, falls diese binnen Jahresfrist eine vom Papste 
vorgelegte Widerrufsformel unterschreiben würden. Nach dem päpstlichen 
Schreiben scheinen die Bezeichneten den Frieden mit der Kirche nach 
Ludwigs Tode gesucht zu haben^). Ob aber Occam wirklich auf die päpst- 
lichen Bedingungen einging, wird nicht berichtet. Es scheint nicht der Fall 
gewesen zu sein. Denn in keiner der gleichzeitigen Quellen findet sich 
eine Erwähnung, dass Occam widerrufen habe, und dies ist auflfallend 
genug, da Occams Name zu den berühmtesten der Zeit gehörte, und die 
päpstliche Partei Anlass genug hatte, mit einem solchen Triumphe nicht 
zurückzuhalten; sodann berichtet Jacob von Marchia ausdrücklich und 
zwar auf Grund der Schrift Bonaventuras, des mit Occam gleichzeitigen 
Schriftstellers, dass Occam im Banne geblieben sei'^). 

Unter den Theologen, welche mit Ludwig in Deutschland den Kampf 
für den Kaiser in hervorragender Weise fortführten, sind es nur 
zwei, welche sich schliesslich gebeugt haben. Von Heinrich von Thalheim, 
dem früheren Provinzial der oberdeutschen Ordensprovinz der Minoriten 
und nachmaligen Kanzler Ludwigs, berichtet es Johann von Winterthur, 
und von Franz ven Asculum haben wir die Erklärungen und Unter- 
werfungsformeln, durch die er seinen Frieden mit der Kirche schloss, bei 
Baluzius und Raynald. 

Die öifentliche Meinung in Deutschland. 

Wenn wir nun fragen, welchen Einfluss der Streit Ludwigs mit den 
Päpsten auf die öffentliche Meinung in Deutschland gehabt habe, so werden 
wir dabei natürhch nicht alle Aeusserungen der Theilnahme für Ludwig 



1) Schreiben Clemens VI. an den General der Minoriten vom 8. Jnni 1849 bei Rayn. 1. c. 

2) 8. S. 36, Anm. 3. 



38 

zugleich auf die Grundsätze zurückführen wollen, welche von den Theo- 
logen Ludwigs geltend gemacht wurden. Die Lehre der Theologen und 
die Stimmung im Volke haben die gleiche Wurzel in dem unmittelbaren 
Gefühl für Wahrheit und Recht, und was dort zur Lehre siqh entwickelt, 
ist hier nur auf der Stufe des volksthümlichen Urtheils stehen geblieben; 
aber das wird nicht zu läugnen sein, dass eine Wechselwirkung zwischen 
den Ansichten jener Theologen und der öffentlichen Meinung stattfand; 
dass die Arbeit des Geistes Antrieb und Kraft empfing aus der Stimmung 
des Volkes, und dass diese hinwieder mit um so grösserer Sicherheit und 
Entschiedenheit sich geltend machte, als man wusste, dass geistig und 
sittlich hochstehende Männer die Rechtmässigkeit der Parteinahme für 
die weltliche Gewalt durch gelehrtes Wissen zu begründen vermochten. 

Die deutschen Minoriten. 

9 

\ 

Da Ludwig gleich nach Beginn seines Kampfes mit der Curie die 
Sache , der strengeren Minoriten für seinen Zweck verwendete, und wenige 
Jahre später die Führer jener Partei Ludwigs einflussreiche Rathgeber 
geworden sind, so liegt es nahe, zuerst bei den deutschen Minoriten 
nach den Wirkimgen des Kampfes zu sehen. Das Verhalten derselben 
nimmt unsere Aufmerksamkeit um so mehr in Anspruch, als der Einfluss 
des weitverbreiteten und stets noch wachsenden Ordens auf das Volk ein 
ausserordentlicher war. 

Der ganze Orden war anfangs für Caesena, als dieser den Kampf für 
die hergebrachte Lehre von der Armuth Christi mit dem Papste eröff- 
nete. Erst als Johann den aus Avignon geflüchteten General in den 
Bann that und absetzte, und der von ihm ernannte Vicar Bertrand mit 
gewaltsamen Massregeln vorging, trat ein Schwanken ein. Als dann Bertrand 
, ein Generalcapitel für 1329 nach Patis ausschrieb, verbot Caesena bei 
Strafe des Bannes den Besuch desselben, und dieses Verbot war nicht 
ohne Wirkung. 

Von den 34 Provinzialen des Ordens fehlten 20.^) Aber Bertrand hatte 
eine Anzahl neuer Vorsteher ernannt , und mit Hilfe dieser Bundesgenossen 



1) Allegationes religiosoram virorum fr. Heinrici de Talhem eto. ap. Balnz. I. c. III, 319. 



^ 



39 

gelang es, Gerhard Odonie als General aufzustellen und den Orden im 
grossen und ganzen allmählich wieder in ein ruhigeres Fahi-wasser zurück- 
zufuhren. Die Provinziale von Oberdeutschland und von Sachsen hatten 
zu Paris gefehlt. Der oberdeutsche Provinzial ist gerade mi Jahre 
jener Vei^ammlung abgesetzt wordeji.') Zwar erklärten sich die deut- 
schen Franziskaner nicht durch öffentliche Acte für Caesena, aber ihre 
Neigung gehörte ihm, und in der praktischen Frage, ob sie dem Interdict 
sich fügen wollten oder nicht, antworteten sie der weitüberwiegenden 
Mehrzahl nach mit Nein. Der päpstlich gesinnte Heinrich von Diessen- 
hoven berichtet, in Constanz hätten die Minoriten mit einer einzigen Aus- 
nahme Öffentlich celebrirt, ja in dem ganzen BisÜmra Constanz (dasselbe 
zählte nach Mülinen ^) acht Convente) sei dies der Fall gewesen ; nur die 
Convente von Neuenburg und Schaffhausen hätten eine Ausnahme ge- 
macht. An einer andern Stelle, wo er ganz Deutschland im Auge hat, 
bemerkt Diessenhoven, die Minoriten hätten fast überall das interdict 
nicht beachtet; wenn er aber hinzufügt, sie hätten das gethan mehr weil 
die Bürger sie dazu gezwungen hätten, als aus „Frömmigkeit", so stimmt 
das schlecht mit der von ihm gleichfalls berichteten Thatsache, dass selbst 
nach dem Tode Ludwigs die Minoriten von Constanz und Zürich nur 
gezwungen von ihren Obern die Absolution wegen ihrer Parteinahme für 
den Kaiser nachgesucht hätten. Und diese Absolution wiu*de ihnen nocli 
dazu ungemein leicht gemacht. Von den Strassburger Minoriten bezeugt 
das gleiche Verhalten Twinger von Königshoven, „sie sangen, sagt er, mit 
den Dominikanern viele Jahre wider des Papstes Briefe.-' Sie hielten 
aus, während die Dominikaner endlich abfielen. Auch in Frankfurt sind 
sie unter denen, die, als Ludwig es gebietet, den Gottesdienst wieder 
aufnehmen. 

Dass auf solches Verhalten der deutschen Minoriten der Vorgang 
Caesenas und seiner Genossen eingewirkt habe, ersieht man aus der 
Chronik des Minoriten Johann von Winterthur, '} dessen Aeusserungen 
gewiss als der Ausdruck der Stimmung angesehen werden dürfen, welche 



1) GlfWBberger 1. c. t. 74. 

2) Helvetia sura II, 28. 
8) ed. WjM., 8. 87. 202. 2' 




/ 



i 



40 

unter den deutschen Minoriten die herrschende war. Er bewundert und 
preist Caesena und Bonagratia als ausgezeichnete Zierden des Ordens; er 
verdammt des Papstes ungerechtes, willkürliches und grausames Ver- 
fahren gegen sie ; er erwähnt, dass man in Paris nur um des Papstes aus- 
schweifenden Zorn zu mildern, wenn auch mit Schonimg, die Absetzung 
Caesenas ausgespi:ochen habe. „Ich gerieth darüber," sagt er, „in über- 
aus grosse Bestürzung, weil um ihrer willen unser Orden hohen Ruhm 
und Ehre genoss; denn wie ein sonderlich heller Stern, so glänzten 
sie im Orden, in der Welt aber leuchteten sie wie ein Stern inmitten 
des Nebels, ja wie die Sonne im strahlenden Glänze." Er klagt über 
den Kampf der beiden höchsten Gewalten und über das Verderben in der 
Kirche. Wenn er es auch vermeidet, dem Papste alle Schuld offen zu- 
zusprechen, so tritt doch in dem beredten Ausdruck seines Schmerzes 
überall seine Zuneigung für Ludwig und sein Unwille über die Curie 
deutlich hervor. Von der Herrschsucht imd Habsucht, welche mit der 
constantinischen Schenkung in die Kirche gekommen, sieht er das Gift 
ausgegossen; aus diesem Grunde hat sich die orientalische Kirche von 
, der abendländischen getrennt. Er beklagt nach dem Tode Ludwigs, dass 
sich viele durch eine Unterwerfungsformel mit der Kirche abfinden, durch 
welche sie mit dem Papste „Kaiser Ludwig ehrwürdigen Andenkens" als 
Schismatiker bezeichnen. 



Die Dominikaner. 

Während der General der Minoriten über dem Eifer für die Rein- 
heit seines Ordens der unbeugsame Gegner der Curie und der streitbare 
Bundesgenosse des Kaisers wurde, sind die Ordensmeister der Dominikaner 
Ludwigs Gegner, und zugleich stellen die ausserdeutschen Provinzen des 
Ordens die eifrigsten Streiter für den Papst. Es kostete indes grosse 
Mühe, den deutschen Theil der Ordensbrüder in die gewünschte Bahn zu 
bringen. Sie erregen schon nicht wenig Sorge um des Einflusses willen, 
den die mit Argwohn verfolgten und zuletzt als häretisch bezeichneten 
Lehren Meister Eckharts bei ihnen gewinnen, und nun scheint auch die 
Geneigtheit für den Kaiser und Caesena hier überhand nehmen zu wollen. 
Die Beschlüsse 'der Generalcapitel dieser Zeit, welche noch ungedruckt 



41 

sind,') zeigen, welche Anstrengungen man für nöthig hielt, mn dieser 
Gefahr zu begegnen. 

Inn Jahre 1325 wird auf dem Generalcapitel zu Venedig der Prior 
Heinrich von Regensburg abgesetzt und zur Strafe nach Sachsen ver- 
wiesen, weil er in der Verkündigung der Processe des Papstes gegen 
Ludwig nachlässig gewesen sei. 

Zwei Jahre spater beschliesst man zu Perpignan, alle, welche in 
öfiFentlicher Predigt oder sonst vor dem Volke den Papst und seine Pro- 
cesse geschmäht, ins Gefangniss zu werfen und, falls es ohne Nachtheil 
geschehen könne, zu öffentlichem Widerruf zu nöthigen. 

In den Acten des Generalcapitels vom Jahre 1328 heisst es: Wir 
gebieten mit allem möglichen Nachdruck und der Ordensmeister im Ver- 
ein mit den Definitoren gebietet in Kraft des heiligen Geistes imd des 
schuldigen Gehorsams allen Brüdern, dass sie Ludwig den Baier, den 
ehemaligen Herzog von Baiem, den Feind und Verfolger der heiligen 
römischen Kirche, welcher durch die Kirche als ein Ketzer verdammt ist, 
und dass sie alle seine Freunde, welche als Ketzer verdammt sind, mei- 
den, und dass sie das Interdict, welches von der heiligen römischen Kirche 
wegen des genannten treulosen Baiers verhängt worden ist, unverbrüch- 
lich beobachten, imd dass sie eben diesem Baier oder seinen vorerwähn- 
ten Freunden auf keine Weise irgend einen Beistand oder Gunst erweisen. 
Sollte man aber solche finden, die das Gegentheil thun, so ist unser Wille, 
dass sie mit Gefangniss, wozu wir sie ein für allemal verurtheilen, be- 
straft werden; auch gebieten wir in gleicher Weise wie oben imd ver- 
pflichten die Brüder, dass sie bei ihren Predigten nach Massgabe des 
apostolischen Befehls die jüngst geschehenen Processe gegen den erwähn- 
ten Baier mit allem Eifer zu veröffentlichen bemüht seien. 

Als dann die Franziskaner durch den erwähnten Gewaltact von 1329 
auf die päpstliche Seite zurückgebracht schienen, auch dßr Kaiser einen 
Theil seiner Erfolge in Italien wieder eingebüsst, und der Gegenpapst 
sich unterworfen hatte, fühlte sich das Generalcapitel der Dominikaner 
zu Trier im Jahre 1330 nun auch zu entschiedenerem Vorgehen 



4) Pergamenthandschrift auf der Stadtbibliothek zu Frankfurt ; dieselbe enthalt ausser den bei Mar- 
tene gedruckten auch die noch nngedruckten Acten der Generalcapitel von 1317 bis 1340. ^ 
Abh. d. UI. Gl. d. k. k. Ak. d. Wiss. XIV. Bd. I. Abth. 6 



42 

gegen die Anhänger Caesenas und des Gegenpapstes im Orden er- 
muthigt. Wir verkünden, so sagen die Acten, dass alle Brüder sanimt 
und sonders, welche auf irgend eiae Weise dem Michael Caesena und 
dem Petrus von Corbario oder ihren Genossen, welche von der heiligen 
Kirche verdammt sind, anhingen oder ihnen Beistand, Rath und Gunst 
erwiesen, durch den Ordensmeister längst zum Gefangniss verurtheilt sind, 
und dieser Beschluss wird hiermit erneuert und öffentlich bekannt ge- 
macht. Darum haben alle Provinziale in ihren Provinzen sorgfältig 
nachzuforschen, welche Brüder sich so grossen Verbrechens schnJdig ge- 
macht, und ungesäumt mit Strafe gegen sie vorzugehen. 

Solche Massregeln thaten denn auch bei vielen deutschen Conventen 
ihre Wirkung. Um 1343 standen nach Johann von Winterthur zahlreiche 
Klöster der Dominikaner in Deutschland leer, da das kaiserliche Gebot, 
den Gottesdienst wieder aufzunehmen, die Vertreibung der Widerspensti- 
gen zur Folge gehabt hatte. Dass aber nur die Furcht viele zurückgehalten 
habe, dem Willen des Kaisers nachzugeben, dafür Hessen sich manche 
Beispiele anführen. Ich erwähne hier die Landshuter Mönche. Andreas 
von Regensburg berichtet aus einer Chronik des 14. Jahrhunderts, der 
Herzog von Teck, mit dem Kaiser nach Landshut gekommen, sei mit 
einer Fackel in die Dominikanerkirche gedrungen und habe den Mönchen 
gedroht, Kirche und Kloster in Brand zu stecken, wenn sie den Gottes- 
dienst nicht wieder aufnehmen würden. Aber er lässt gerade das Be- 
zeichnende bei dieser Geschichte weg. Jene ältere Chronik, aus der er 
berichtet, und die wir von seiner eigenen Hand abgeschrieben auf unserer 
Staatsbibliothek haben'), fügt nämlich hinzu: die Mönche selbst hätten 
dem Herzog zu solchem Auftreten gerathen, um ihren kirchlichen Obern 



1) Cod. lat. 903 f. 109: Mortuo aatem Heinrico principe et filio ejns Johanne, com principatus 
in manne Lndovici Jmperatoris venisset, cum qnodam satrapa dicto de Deck clam composnernnt 
(praedicatores), nt violentiam minitando occasionem vcl excnsacionem eis pairaret divina publice 
celebrandi. Quod et factum est. Cam enim Imperator in Landsbnt esset, tunc quadam die 
dictas dox de Dek vonit cum accensis faculis in monasterium ipsoram praedicatorum , clami- 
tans quasi iratus et nimium füribundus, nt sine mora pabice divina cantarent, aut sue ecclesie 
ac omnium rerum suarum in instanti incendium paterentur. Qui mox occasione ezcnsatoria 
inventa absolucione papae non expectata divina publice celebrare ceperunt. Predicatores eciam 
in Batispona, cum circa XX annos divina clausis januis celebrassent, tandem cum dominus papa 
nuUaro graciam eis faceret, dixerunt quendam Episcopum cum eis dispensasse et sie divina 
ceperunt publice celebrare. Bei Oefele, Ber. boic. Script. J, 89 sq., fehlt diese Stelle. 



43 

gegenüber eine Entschuldigung zu haben. Als von den Constanzer Do- 
minikanern der grössere Theil im Jahre 1339 die Stadt verlassen musste, 
blieben, nach Diessenhoven, doch vier derselben zurück und lasen dem 
Volke die Messe; sie setzten sogar beim Rathe die Ausweisimg eines 
Kanonikus durch, der sie als Schismatiker bezeichnet hatte. Auch nach 
Ludwigs Tode fuhren sie fort zu ,.profaniren", wie die Gegner es nann- 
ten, und zwar für jene Bürger, welche in der Ueberzeugung, dass ihre Partei- 
nahme für Ludwig keine Sünde gewesen, die päpstliche Absolution nicht an- 
nehmen wollten. Es war doch ein tiefes Gefühl von der Ungerechtigkeit 
des päpstlichen Vorgehens, von dem Frevel, diejenigen mit dem Interdict 
zu strafen, welche ihrer rechtmässigen Obrigkeit unterthan sein wollten, 
auch im Dominikanerorden weithin lebendig. Und nicht als eine ver- 
einzelte Stinmae, sondern als eine lUage im Namen vieler stellen sich die 
Worte der Dominikanerin Christina Ebner von Engelthal dar, wenn sie 
in ihren Aufzeichnungen zum Jahre 1344 sagt: „dass der Papst den 
Schwestern also thät und andern geistlichen Leuten, das Rufen und Säuf- 
zen ging in den Himmel."') 

Auch die Dominikaner in Strassburg stellten den Gottesdienst erst 

« 

ein, als eine Drohung um die andere von Seiten des Ordensmeisters kam. 
Aber nicht alle thaten das. Der bedeutendste der deutschen Dominikaner 
jener Zeit, der grosse Prediger Johann Tauler von Strassburg, durch Lehre 
und Leben eine Leuchte der mittelalterlichen Kirche, fügte sich dem Interdicte 
nicht ^) Nach Speckle soU er sogar eine Schrift verfasst und dieselbe vor 
Karl IV. persönlich vertheidigt haben, welche ähnliche Grundsätze über das 
Verhältniss von Staat und Kirche aufstellte, wie wir sie in den Schriften 
der Minoriten finden. Doch hege ich gegen diese letztere Mittheilung 
bis jetzt noch Misstrauen, theils weil die Umstände, die Speckle dabei 
angibt, mit den urkundlichen Daten nicht in Uebereinstimmung zu brin- 
gen sind, theils weil der Bericht über den Inhalt jener Schrift mir zu 
sehr die Farbe des Reformationszeitalters zu tragen scheint. Aber dass 
Tauler auf Kaiser Ludwigs Seite stand, steht unzweifelhaft fest, da 
es durch eine gleichzeitige QueUe bestätigt wird^ die volles Vertrauen 



2) Leben und Gesichte der Christina Ebnerin. Handschrift im Ebner'schen Archiv zu Eschenbach. 

3) Schmidt, Joh. Tanlcr 50 ff. 

6» 



44 

verdient. Es sind die Aufzeichnungen der Freundin Taulers, der be- 
rühmten Dominikanerin Margaretha Ebner in Maria-Medingen % die aus 
dem gleichen Geschlechte mit der vorhin erwähnten Christina war, und 
durch hohe und reine Gesinnung sowohl wie durch religiöse Erkenntniss einen 
nicht unbedeutenden Rang unter den Frauen jener Zeit einnimmt Sie steht 
mit den Gottesfreunden, wie sich die Freunde der Mystik 'nannten, in Ober- 
deutschland, ja selbst in den Niederlanden in Verbindung, und aus ihren 
Aufeeichnungen , sowie aus den Briefen Heinrichs von Nördlingen, eines 
Weltpriesters, an sie gewinnen wir eine lebendige Anschauung von den 
Kreisen, in welchen damals das religiöse Leben in Deutschland eine seiner 
bedeutendsten Stätten hatte. 

Da ist es denn nun beachtenswerth , welche Theilnahme der vom 
Papste gebannte und für einen Häretiker erklärte Kaiser auch bei dieser 
Frau gefunden hat. 

In der Zeit, da der Kaiser den Papst Johann abgesetzt und einen 
andern erhoben hatte, ist sie völüg durchdrungen von der Rechtmässigkeit 
seines Handelns. Sie kämpft innerlich seine Leiden und Kämpfe mit 
durch. „In dieser Zeit," sagt sie, „hatte ich grosses Erbarmen über einen 
Menschen (es ist der Kaiser), der war da in grossen Leiden, und da thät 
ich gross Gebet um. Von dem ward mir kund gethan von Gott imd 
von den Seelen (die sie in ihren Visionen zu sehen glaubte), wie es ihm 
ergehen sollt in seinen Arbeiten, und denselben Menschen sah ich in 
einem Traume, dass ihm imser Herr unter seinen Armen ging und gen 
ihm sprach: er wollt ihn nimmer verlassen weder hier noch dort. Mir 
ward auch in denselben Zeiten von meinen lieben Seelen gesagt, dass 
dieser Mensch (Ludwig) nicht so länge gelebt hätte ohne mein Gebet, 
und die Seelen sagten mir, dass derselbe Mensch aus Lombarten wohl 
zurückkommen werde. Und in der Zeit, da er war vor Burgau (1324), 
da ward mir in einem Traume zugesprochen in einem Licht der Vers: 
Adorabunt eum omnes reges, omnes gentes servient ei. Ich hatte ihn 
wie einen, der mir von Gott gegeben war. Denn ich hatte sondere 
Gnade und Begierde zu allen Dingen über ihn." 

Und als so viele zweifelten, ob sie das vom Papste verbotene Abend- 



1) Pergameutbanddcbrift za Medingen t. J. 1353. Abschrift v. J. 1461 im Ebnerscir eo ArefaiT. 



45 

mahl zum Segen empfingen, wenn sie es aus der Hand eines profanirenden 
Priesters nähmen, da wird ihr in diesem Irrsal der Christenheit die 
Oflfenbarung: „Wer ihn empfinge in rechter Minne und ganzem Getrauen, 
dem wolle er sich auch in rechter Minne geben." und sie fahrt fort: 
„Ich hat auch Begierde über den Herrn (den Kaiser), der ein Ursach 
derselben Irrsal ist, der mir vor anderen Menschen gegeben ist von Gott. 
Da sprach mein geminntes Kind Jesus Christus : „Ich will ihn nimmermehr 
lan weder hier noch dort. Denn er hat die Liebe zu mir , die ^ niemand 
weiss denn ich allein!" 

Dieselbe Theilnahme bewahrt sie dem Kaiser auch, nachdem von 
Clemens VI. 1346 der berüchtigte Bannfluch über ihn ausgesprochen 
und Karl IV. gegen ihn erhoben worden war. 

Sie fi^gt in dieser Zeit den Herrn wieder „von Kaiser Ludwig von 
Baiem um die Arbeit, die ihm auffiel von dem König" (Karl IV.). Da ward 
ihr geantwortet: „Ich will ihn nimmer verlassen weder hier noch dort, 
denn er hat die Lieb zu mir, die niemand weiss denn ich und er. Und 
das entbiet ihm von mir." Aber sie hat den Muth nicht, dem Kaiser 
selbst diese Worte mitzutheilen : „Das thät ich nicht," setzt sie hinzu, 
„und liess es, davon dass ich Furcht hatte, er würde inne, dass ich es 
wäre." Kurz vor seinem Tode wird ihr offenbart, dass Ludwig seine 
Feinde überwinden werde. Als sie nun gleich darauf von seinem Tode 
hört, da deutet ihr eine neue Offenbarung jene Worte von den Feinden 
seiner Seele. Um dieselbe Zeit war Johann Tauler von Strassburg, ihr 
Freund und geistlicher Vater, bei ihr zu Besuch. Der begehrte, wie sie 
erzählt, mit grossem Ernst, dass sie Gott für den Kaiser bäte, und der- 
selbe hatte grossen Ernst darum, zu erfahren , was Gott mit dem Kaiser 
gewirkt hätte in der kurzen Frist, die er hatte bei seinem Tode. Da 
bittet sie Jesus und empfängt die Antwort: „Ich habe ihm Sicherheit 
gegeben des ewigen Lebens." Sie fragt: womit er das verdient habe, 
und ihr wird weiter geantwortet: „Er hat mich lieb gehabt Denn 
menschlich Urtheil (hier des Papstes) wird oft betrogen." Ihr Jubel ist 
gross, als sie das veminunt: „Das empfing ich, sagt sie, mit grossen 
Freuden." Als sie mehrere Tage nachher in den Chor trat, war ihr Herz 
der Freude noch so voll, dass sie nicht beten konnte, sie musste nieder 



1 



46 

sitzen, und sie glaubt von neuem die Stimmen zu vernehmen, die sie 
seiner Seligkeit versichern. 

In der That ein erfreulicher Sieg, den hier ein gerades Herz imd ein 
unbefangener frommer Sinn über die Macht des Zeitglaubens gewinnt. 
Nicht alle ihre Freunde denken indes wie sie. So ist der Priester Hein- 
rich von Nördlingen im Gehorsam gegen den Papst ein Gegner Ludwigs 
und ein Anhänger Karls IV. Letzteren als den rechtmässigen König anzu- 
sehen, vermag Margaretha natürlich nicht über sich: sie spricht in einem 
nach Ludwigs Tode an Heinrich geschriebenen Briefe von Karl als dem 
Könige Heinrichs, und voll Unwillens schreibt ihr dieser zurück : „Du sollst 
den neuen König nicht nennen meinen König, sondern den christüchen 
König." ^) 

Ebenso steht der berühmte Heinrich Suso, der Freund und Ordensgenosse 
Taulers , auf der Seite des. Papstes. Seine Zuneigung hatte wohl von An- 
fang an dem habsburgischen Gegner Ludwigs gehört. In seiner lateinischen 
Bearbeitung des Buchs der Weisheit ^) sieht er in einer Vision den Fürsten 
der Stadt, d. i. Friedrich von Oesterreich von einem Widder mit zwei 
Hörnern bekämpft, der eine eiserne Krone trägt. Das ist Ludwig der 
Baier. 70 Füchse folgen ihm, die auch Kronen erhalten. Es sind die 
Fürsten, die es mit Ludwig halten. Denen in der Stadt hilft nun aber 
der Führer der Söhne Gottes, der oberste Regent jener Stadt, d. i. der 
Papst. Das Gleichniss fahrt dann aus, wie der Widder den Papst mit 
seinen Hörnern herabzustossen sucht, und wie er den Fürsten der 
Stadt auf listige Weise betrügt und den Principat gewinnt. Aber in der 
Zeit, wo der Widder die höchste Macht zu besitzen scheint, erheben 
sich die Söhne Gottes zum Gebet: der Widder stürzt plötzlich zur Erde 
und eines seiner Homer zerbricht, das ist: der Papst, den Ludwig auf- 
gestellt hat, legt seine Würde in die Hände des rechtmässigen Papstes 
nieder. Von dieser Zeit an schwindet die Macht des Widders mehr und 
mehr. Suso schrieb diese Sätze vor dem Jahre 1338. 



1) Heomann, Opuscnla. Norimb. 1747, Brief 57. 
'J) Horologiam aeternae sapientiae I, 5. 



47 

Die übrigen Orden. 

Auch von den übrigen Orden steht eine nicht unbeträchtliche Zahl 
der deutschen Convente auf Ludwigs Seite. Wir heben hier nur einen 
Theil derselben hetvor. So aus der Schweiz das mächtigste unter den 
Männerklöstem, St. Gallen, und das bedeutendste unter den Frauenklöstern, 
die Abtei am Fraumünster zu Zürich. Hier gelobt die Fürst-Aebtissin 
Fida von Klingen mit ihren Frauen im Jahre 1340, „sich mit niemand 
zu berichten weder mit dem Papst noch mit den Bürgern zu Zürich ohne 
Rath imd Willen ihres gnädigen Herrn, Kaiser Ludwigs von Rom." ^) Aus 
Schwaben werden unter den Benedictinern die Aebte von El wangen, Hirschau, 
Ochsenhausen, Weingarten, Comburg, St. Ulrich in Augsburg, die Cister- 
zienser in Herrenalb und Kaisersheim, die - Prämonstratenser in Roth, 
Schussenried , Weissenau, die heilig Grab-Brüder zu Denkendorf, die 
regulirten Chorherren zu Herbrechtingen, die weltlichen Chorherren zu 
Sindelfingen, die vom Gotteshaus in Buchau als Freunde imd Anhänger 
Ludwigs genannt. In Baiem hielten es die meisten Klöster mit ihm. 
Aus Mitteldeutschland seien hier die Aebte von Heilsbronn, Ebrach, Wald- 
sassen, Fulda, aus dem Elsass der Abt von Weissenburg erwähnt. Auch 
der mächtige Orden der deutschen Herren stand treu zu Kaiser imd 
Reich. ^) 

Bischöfe nnd Weltklerns. 

Dass die Mehrzahl der etwa 50 Bischöfe Deutschlands, wenn auch 
mit Schwankungen im einzelnen, auf I^udwigs Seite stand, geht schon 
daraus hervor, dass der Kaiser im Jahre 1334 in Verbindimg mit dem 
Erzbischof von Trier ein deutsches Nationalconcil in Aussicht nehmen, 
und zu diesem Zwecke, wie oben erwähnt ist, mit dem Cardinal Orsini 
in Unterhandlung treten konnte. Das Hauptinteresse erregt die Erzdiö- 
cese Mainz, welche, wenn man von der Erzdiöcese Salzburg absieht, die 
meisten oberdeutschen Lande und zwar die in politischer imd cultur- 



1) Urkande v. 20. Dec. 1340 im k. Hansarchiv, s. Beilage II. 

2) S. zu diesen Angaben Stalin, Wirtemb. Geschichte IV, 203. 214 iF. etc. Mülinen, Helvetia 
Sacra II, 92. Bnchner, Geschichte t. Bayern V, 549. Böhmer, Regesten K. Ludw. N. 1661, 
1662, 1693 etc. etc. 



48 

geschichtlicher Hinsicht wichtigsten umfasste. Ich komme hier auf die 
schon erwähnte Versammlung der Bischöfe dieser Provinz im März 1338 
zu Speier zurück, welche das Zeichen für die Erhebung der Reichsstände 
zu Gunsten Ludwigs gab. Von den 16 Bischöfen dieser Diöcese waren 
9 anwesend oder vertreten, ausserdem hatte sich noch der Bischof von 
Basel eingefimden. Von den sieben fehlenden Bischöfen gehörten zwei, 
die von Halberstadt und Hildesheim ^), zu den Anhängern Ludwigs. 

Die Bischöfe meiden in ihrem Schreiben jeden Ausdruck, der sie als 
Partei erscheinen lassen könnte. Sie wollen Vermittler zwischen Kaiser 
und Papst sein. Ludwig habe ihnen freie Hand gegeben, so weit das, 
was geschehe, mit Gott, der Gerechtigkeit und seiner Ehre sich vertrage. 
In welchem Sinne mm aber die angebotene Vermittelung gemeint war, 
konnte weder in Deutschland noch in Avignon zweifelhaft sein, da Hein- 
rich von Vimeburg an der Spitze stand, der, unter Ludwigs Einfluss zum 
Erzbischof von Mainz erhoben, der eifrigste Vertreter der kaiserlichen 
Interessen geworden war und von dem Papste als excommunicirt be- 
trachtet wurde. Mit Unwillen wurde denn auch das Anerbieten in 
Avignon zurückgewiesen. 

Von den zehn Unterzeichnern des Schreibens mögen allerdings die 
Bischöfe von Strassburg und Basel nur ungern ihre Namen hergegeben 
haben; dafür aber war wenigstens ein grosser Theil ihres Klerus auf 
der Seite des Kaisers. Das bischöfliche' Capitel in Strassburg lag fast un- 
unterbrochen im Streite mit seinem Bischof, und die Geistlichkeit der 
Kathedralkirche hat niemals das Interdict beobachtet. Den Bischöfen 
von Constanz und Basel gelang es nur theil weise, dasselbe in ihren 
Sprengein durchzusetzen. Auch die Geistlichkeit der Kathedralkirche 
zu Worms versagte wie die zu Speier, Augsburg und Eichstätt dem 
Papste den Gehorsam. Das Interdict ist hier niemals beachtet worden. 
In Mainz war, als Balduin von Trier auf das von ihm gegen des Papstes 
Willen innegehabte Erzstift Mainz verzichtete, Heinrich von Vimeburg 
von dem Capitel nur unter der Bedingung gewählt worden, dass er dem 
Kaiser immerdar treu sein woUe.^) 



1) Leo, die Territorien des deutsch. Beichs, s. die Abschnitte Halberstadt und Hildesheim. 

2) Vgl. za diesen Angaben Matthias von Neuenb. 1. c. 209. 220 u. Heinrich von Diessenhoven 
1. c. 30. 



49 

Lupoid von Bamberg, einer der Bischöfe, welche zu Speier vertreten 
waren, hatte schon als Propst seinem Bischof, dem päpstlich gesinnten 
Heinrich von Stemberg, gegenüber sich sammt seinen Domherrn aufs 
engste mit König liudwig verbunden. Nach dem Vertrage, welchen er 
im Namen des Capitels mit Ludwig schloss, will er mit den übrigen 
Pflegern des Bisthimas keine der Burgen dem aus der Regierung ver- 
drängten Bischof Heinrich aufthun, mit dem ganzen Bisthum vielmehr 
des Königs gewärtig sein, ihn vertheidigen gegen jedermann, der von 
des Papstes wegen ihn angreifen werde. Kein Brief, Process und Urtheil 
des Papstes und Bischofs wider den König soll angenommen oder voll- 
fuhrt werden, „und geschähe, dass wir wider dies unser Gelübde von dem 
Papst oder Bischof erledigt würden, dass sie uns es abnehmen oder uns 
zwingen wollten, es nicht zu halten, das soll uns wider unsere Treue 
nicht helfen: wir halten sie stet und ganz."*) 

In der Erzdiöcese Salzburg finden wir in der ersten Zeit den Erz- 
bischof, sowie die Bischöfe von Passau und Freising auf der Seite des 
Papstes. Aber sie gerathen dadurch in Streit mit einem grossen Theile 
ihres Klerus. Die Freisinger Domherrn verjagten den Bischof Konrad 
von Klingenberg bloss weil ihn der Papst ernannt hatte; der Erzbischof 
von Salzburg, sowie der Bischof von Passau mussten gleichfalls ihre 
Sprengel verlassen. Zuletzt sehen wir alle Bischöfe Baierns in Verbin- 
dung mit dem Erzbischof treu zu Ludwig halten. "') 

Auch die Erzbischöfe von Trier und Cöln vertreten die Unabhän- 
gigkeit des Königthums dem Papste gegenüber, wie die Beschlüsse zu 
Rense vom 15. und 16. Juli 1338 zeigen- Sehr wahrscheinlich ist auch 
Walram von Cöln unter den Kurfürsten, welche kurz nachher jenes 
Schreiben an den Papst erhessen^), in welchem von dem über Ludwig 
und seine Anhänger ausgesprochenen Bann und Interdict gesagt ist: si 
sie dici merentur, und von den Sentenzen Johanns gegen Ludwig über- 
haupt: sie seien contra deum et justitiam et juris ordinem. Wenn Bal- 
duin von Trier, wie Ficker gezeigt, an diesem Schreiben nicht bethei- 



1) Urkunde vom 2. Jon! 1325 im k. Hausarchiy s. Beilage IIl. 

2) Bnchner a. a. 0. 5, 860. 546. 

3) Ficker a a. 0. Beil. IV. Nach Ficken Erörterungen kann die Aechtheit dieser Urkunde, den 
Eingang, wie er bei Frehcrsich findet, abgerechnet, wohl kaum mehr einem Zweifel unterliegen. 

Abb d. IIL Cl. d. k .AL d. Wiss. XIV. Hd. I. Abth. 7 



50 

ligt war und damals eine zurückhaltendere Stellung gegen Ludwig ein- 
genommen hat, und wenn er später mit dem Erzbischof von Cöln an der 
Erhebung Karls TV: gegen Ludwig sich betheiligte , so hatte dies doch 
nicht in dogmatischen Bedenken , sondern in rein weltlichen Interessen 
seinen Grimd. 

Der Würzburger Domherr Lupoid von Babenberg darf wohl als Beispiel 
für viele IQeriker gelten, welche der Unwille über die Herrschsucht der 
Curie zu Anhängern Ludwigs gemacht hat. Lupoid') hatte es bis gegen 
1338 hin mit dem Papste gehalten; von da an ist er einer der bedeu- 
tendsten Vertreter der Rechte des Reichs. Seine Schrift de juribus regni 
et imperii ist dem Erzbischof Balduin von Trier gewidmet, vielleicht weil 
er den schwankenden Fürsten wieder befestigen wollte, vielleicht weil er 
ihn von früher her als einen Vertreter der von ihm ausgesprochenen 
Grundsätze kannte. 'Lupoid vertritt die zu Rense und Frankfurt von den 
Fürsten aufgestellten Sätze: der König übt sogleich nach der von der 
Gesammtheit oder der Mehrzahl der Kurfürsten vollzogenen Wahl und kraft 
derselben die Rechte eines Königs sowie eines Kaisers aus. Salbung und 
Krönung bringen für seine Rechte in Italien und Deutschland nichts 
neues hinzu. Der Eid, den er dem Papste leistet, ist kein Lehenseid, 
sondern ein Gelübde des Schutzes. Den Einfluss des Marsilius sehen wir 
darin, dass er die Kurfürsten als Vertreter des Volks, als dessen Bevoll- 
mächtigte ansieht, somit das Recht der königlichen Gewalt auf die Wahl 
des Volkes gründet. 

Mit dem rechtskundigen Lupoid von Babenberg mag hier der Ge- 
schichtschreiber Matthias von Neuenburg zusammengestellt werden, in 
dessen Chronik wir den Uebergang in der Stimmung zu Gunsten Ludwigs 
und das, was diese Veränderung «bewirkt hat, deutlich wahrnehmen 
können. Wir geben ihm deshalb hier seinen Platz, wenn auch das Wort 
Kleriker, mit dem er bezeichnet wird, nicht seinen geistlichen Stand, 
sondern seinen Dienst im Gerichte des Bischofs von Strassburg bedeuten 
sollte. Matthias ist ein Gesinnungsgenosse seines Bischofs Berthold und 
dessen Bote in Avignon in den Jahren 1335 und 1338. Hier war er zum 
Theil Zeuge der päpstlichen Kundgebungen bei den Unterhandlungen des 
Kaisers imd lernte den Einfluss Frankreichs auf die Curie kennen. 



1) Vgl. Biezler, a. a. 0. S ISO ff. 



51 

Die Erbitterung über die Heuchelei, welche die eigene Unlauterkeit 
und die französische Tücke mit dem Scheine des Interesses für die Kirche 
deckte und einem billigen Frieden entgegen war, macht den Chronisten« 
der sein Werk stückweise mit dem Gang der Ereignisse selbst fortsetzt, 
allmählich von einem Gegner Ludwigs zu einem Anhänger dessel- 
ben. Unter der starken Versuchung, in welche die Päpste seinen Glauben 
an ihre Autorität führten, kommt dieser Glaube endlich zu Falle. Er 
weicht anfangs jedem Worte aus, das eine Anerkennung enthalten könnte. 
Die Wahl Ludwigs zmn Kaiser durch das römische Volk wird von ihjn 
noch mit einem Ausdrucke erwähnt, welcher das Recht derselben in Frage 
stellt ;\) er missbilligt es, dass das Domcapitel zu Strassburg und die 
Bettelmönche das Interdict nicht beobachten; er hat Worte des tie&ten Ab- 
sehens wegen des Verfahrens des Kaisers gegen Johann den Jüngeren von 
Böhmen, den Gemahl der Margaretha Maultasch. Aber mehr und mehr 
treten auch die schärfsten Urtheile über die Päpste hervor. Er sieht in 
dem Verhalten Benedicts gegen Ludwig nur den Einfluss der Drohimgen 
Frankreichs; nicht das Recht, sondern die Furcht leitet des Papstes Schritte; 
das am päpstlichen Hofe verfasste Procuratorium bezeichnet er als ein 
über Gebühr strenges und schmachvolles; Clemens handelt mit List und 
Missgunst gegen Ludwig; sein Bannfluch vom J. 1346 ist ihm ein Ausfluss 
der grössten Härte und Grausamkeit; und schliesslich stellt sich Matthias, 
indem er den verstorbenen König als Ludwig IV. Kaiser der Deutschen, 
der als Kaiser 19 Jahre regiert habe, bezeichnet, auf die Seite derer, 
welche Ludwig für einen rechtmässigen Kaiser hielten. 

Fürsten and Herren. 

Es liegt ausser unserer Aufgabe, eine ins einzelne gehende Statistik 
der Parteiverhältnisse zu geben. Wir heben bei der Menge von Namen 
nur solches hervor, was geeignet ist, eine sichere Anschauung im gros- 
sen und ganzen zu gewinnen, oder was zur Beleuchtung j^ner Verhältnisse 
dienen mag; auch beschränken wir uns dabei auf die letzten 10 Jahre 
der Regierung Ludwigs. Als Heinrich von Vimeburg unter Ludwigs 
Mitwirkung zum Erzbischof von Mainz erhoben worden war, suchte der 



1) PratenderaDt enim arbici, hoc eis coropetere papa.edam nolente. 



52 

König sich vor der Gefahr eines Abfalls dieses eiaflussreiclisten unter den 
Reichsfürsten so viel als möglich sicher zu stellen. Da waren ihm denn 
auch sofort Fürsten und Herren zum Beistand bereit. Am 29. Juni 
1337') verbürgten ihm ausser den Bischöfen von Speier und Augsburg' 
und zwei andern Prälaten zehn Fürsten und Herren die Treue Heininchs. 
Es sind die Namen des Pfalzgrafen Ruprecht und des Markgrafen Wil- 
helm von Jülich, sowie der am Mittelrhein mächtigen Grafen von Nassau, 
Spanheim, Vimeburg, Wittgenstein, Eppenstein, Landskron, denen wir 
hier begegnen. Wollte, so heisst es in dem Briefe, Heinrich an den 
Stücken, die er dem Kaiser, unserm Herrn, gelobt und geschworen hat, 
brüchig werden, so geloben wir und schwören, dass wir dem Kaiser be- 
holfen sollen sein mit Leib, mit Gut, mit Landen und mit Leuten wider 
den Erzbischof, bis er die Brüche aufgerichtet. Wir geloben auch, dass 
wir nicht darnach werben sollen, dass wir der vorgenannten Gelübde 
ledig gesagt werden von dem Papst oder jemand anderm. Geschähe es 
doch, so soll es keine Kraft haben. Die Besorgniss des Kaisers war un- 
begründet. Heinrich zeigte sich in der Folge als einen der entschieden- 
sten Freunde des Kaisers. Die Beschlüsse des Jahres 1338 zu Rense und 
Frankfurt sind wohl vornehmlich auf seine Anregung zurückzuführen. 
Zu dem genannten Reichstage in Frankfurt waren ausser den Fürsten 
imd Herren auch die Reichsfreien und Edlen, sowie die Capitel der Stifte 
und die Abgeordneten der meisten Städte und Bezirke entboten worden. 
Die Beschlüsse, die daselbst gefasst wurden, sind bekannt. Man darf 
im Hiublick auf diese Zeit mit Olenschlager^) sagen: es war ausser dem 
König von Böhmen kein grosser Fürst in Deutschland, der nicht auf 
Ludwigs Seite gestanden wäre. Auch wird man die Folgerimg, welche 
Herwart aus der Nachricht bei Rebdorf zieht, dass Ludwig im Jahre 
1342 einen Landfrieden in Deutschland aufgerichtet, wie er seit lange 
nicht gewesen, den durch ihre Eide Fürsten, Herren imd Städte be- 
schworen hätten, im wesentlichen als richtig anerkennen müssen: er 
schliesst nämlich aus dieser Thatsache, dass ganz Deutschland auf Seite 
Ludwigs gestanden sei und den Zorn des Papstes nicht geachtet habe. ^) 



1) Urkunde im k. HansarchiT. S. Beilage IV. 

2) Staatsgeschichte des röm. Kaiserthums etc. 

8) Herwart, Lndovicus Qaartos Imperator DefeDsos. Mon. 1618—19 p. 898. 



53 

Denn es kam allerdings hiemit auch die kii'chliche Frage zur Entschei- 
dung, da ja der Papst über alle Geistlichen und Laien, welche Ludwig 
als ihren Herrn anerkennen würden, den Bann ausgesprochen hatte. 

« 

Als im Jahre 1344 dem Reichstag zu Frankfurt die schmählichen 
Forderungen des Papstes vorgelegt wurden, erklärte Wiker, der Pro- 
tonotar des Erzbischofs von Trier : Die Fürsten , Km'fürsten und Treuen 
des Reichs, zu Cöln versammelt, hätten einmüthig beschlossen, jene Ar- 
tikel seien zum Verderben imd zur Zerstörung des Reiches gemacht; sie 
seien nicht anzunehmen, sondern ihnen aus allen Kräften Widerstand zu 
leisten. ') Die religiösen Bedenken, so wird berichtet, ^) zerstreute einer 
der Gesandten, ein in der heiligen Schrift nicht gewöhnlich unterrichteter 
Mann, und zeigte den Fürsten, worin die Religion bestehe und wie sie 
vertheidigt werden müsse. Und diese glaubten ibm nicht bloss wegen 
der Gründe, die er vorbrachte, sondern auch wegen der sittlichen Ach- 
tung, die seine Persönlichkeit einflösste. 

Dem beständigen Andringen der Curie imd dem Gelde der Luxem- 
burger gelang es nun allerdings, bis zum Jahre 1346 eine neue Königs- 
wahl zu Stande zu bringen. Aber ausser den fünf Wählenden selbst waren 
es Wenige, welche auf Karls von Luxemburg Seite traten. Wenn auch 
eine Anzahl von Bischöfen wankend wurde, so blieben doch, nach Reb- 
dorf ^), alle Städte und die meisten weltlichen Herren treu. Im Volke 
hiess der neue König der „Pfaffenkönig." *) 

Die Städte. 

Das bedeutendste Interesse bietet in dem Streite Ludwigs mit den 
Päpsten das Verhalten der Städte, weil sie in dieser und der folgenden 
Zeit den wichtigsten Herd für das geistige Leben in Deutschland bilden. 
Ludwig hatte wie kein anderer Kaiser diese freien Gemeinwesen begün- 
stigt und sie haben ihm das mit mannhafter Treue vergolten und sind 



1) Mattfa. V Neuenbürg ]. c*229. 

2) Mntius, Chronica, bei Pistorius-Struve, Gerra. Script. II, 883. 

3) Bei Preher, Germ. rer. Script. 1. 436: Sed postea Ludovico statim descendenti ad Rhenum, 
omnes civitates Rheni et pro maiori parte Domini temporales (ezoeptis Electoribos supra nomi- 
natis) promiserunt ei adhaerere et in nuUo advertere Regem novum. 

4) Vgl. auch Occam, de electione Karoli IV., bei Höfler, a. a. 0. 14: Et quando fuit bene institutua 
in Regem Romanorum sen in regem clericorum etc. 



54 

« 

ihm eine starke Stütze geworden in den Gefahren, von denen die letzten 
Zeiten seiner Regierung bedroht waren. 

Wir können die Darlegung ihres Verhaltens nicht besser einleiten 
als mit einem Schreiben, welches 9 oberdeutsche Städte, an deren Spitze 
Esslingen steht, am 2. Januar 1332 an den Kurfürsten Balduin von Trier 
erliessen, und welchem sich am 18. Februar Augsburg, am 21. März 
Constanz mit gleichlautenden Briefen anschlössen. Die drei Urkunden 
mit den Siegeln der Städte finden sich im k. Hausarchiv. Wir werden 
den Text in den Beilagen mittheilen. ^) 

Der Brief enthält eine Aufforderung an Balduin, dem man vor 
Andern Beruf und Fähigkeit hiefür zuspricht, den Frieden zwischen Kaiser 
und Papst herbeizuführen. Die ganze Schuld des Zwiespalts fällt nach 
diesem Schreiben auf den Papst, wenngleich es nicht geradezu ausge- 
sprochen wird. Für Ludwig gibt sich die freudigste Hingabe, ja Begei- 
sterung kund. Das Schreiben beginnt mit dem vielgebrauchten Gleichniss 
von Sonne und Mond; aber es werden andere Folgerungen daraus gezo- 
gen, als von päpstlicher Seite zu geschehen^ pflegte. Als der Welt- 
schöpfer, so heisst es, den Bau der gegenwärtigen Welt zu errichten 
beschloss, da hat er in seiner hohen Vorsicht an die Feste des Himmels 
zwei grosse Lichter gesetzt, und hat jedem derselben sein eigenes Amt 
zugetheilt, so dass uns durch ihren Dienst eines doppelten Lichtes Klar- 
heit leuchtet. Wiewohl beider Licht einander begegnet, so stören sie 
sich doch nicht; ja eines erhält imd stärkt das andere in seinem Be- 
stand. So hat auch der Vater selbst zwei Häupter auf Erden gesetzt, 
welche, so sehr auch ihr Wirkimgskreis sich berühren mag, einander in 
der Ausübung ihres Amtes nicht hindern, sondern unter wechselseitigem 
Beistand das Volk des Herrn leiten sollen. Aber die Begierde nach irdi- 
scher Ehre hat diese Lichter aus ihrer Bahn gedrängt und sie in ge- 
fahrbringender Weise von einander geschieden. 

Da wenden sich nun die Städte an Balduin, „ die festeste der Säulen, 
welche den hohen Bau des Kaiserthums tragen." Balduin wisse, dass 
der allmächtige Gott, in welchem alle Gewalt und das Kaiserthum seinen 
Ursprung hat, und dass die Kurfürsten, denen das nach Gewohnheit imd 



1) 8. Befl. V. 



55 



Recht unwidersprechlich von Alters her zusteht — den frommen Für- 
sten, den milden, wohlwollenden, gütigen und rechtgläubigen Fürsten, 
den durchlauchtigsten Herrn, Ludwig, von Gottes Gnaden römischen Kai- 
ser, dem ganzen römischen Iteich zu einem Kaiser, Herrscher und Vor- 
kämpfer des katholischen Glaubens geordnet und gewählt haben. Willig 
und mit höchster Freude hätten die Städte im Blick auf Ludwigs Freund- 
lichkeit imd Milde die Wahl aufgenommen, mit innigstem Verlangen 
seines Regiments begehrt. Und, wie der Augenschein lehre, er pflege 
Recht imd Gerechtigkeit, sei ein Vorbild aller Fürsten im Leben, Glau- 
ben und Demuth. Unwandelbare Treue und Gehorsam werden sie ihm 
darum bis zum Tode bewahren als ihrem wahren und natürlichen Kaiser 
und Herrn, sie werden niipmer von ihm weichen, wie auch die Dinge 
sich ändern und gestalten mögen. Satan, der Urheber aller Zwietracht, 
habe ihn nach seiner teuflischen Weise beim apostolischen Stuhle ange- 
schwärzt imd so diese Zwietracht gestiftet, welche den Glauben in so 
hohem Masse und in so imerträglicher Weise so lange schon gefährde. 
Balduin möge darum, wie es auch seine von ihm beschworene Pflicht 
gebiete, zwischen dem Stuhl und dem Kaiser wirksam vermitteln und 
den Frieden wieder herstellen. 

Das Wort der Treue, das ein Theil der Städte hier ausspricht, wurde 
von allen Städten eingelöst, als durch die Curie Karl v*n Böhmen gegen 
ihn erhoben worden war. Als der Kaiser auf die Nachricht von dieser 
Erhebung im Jahre 1346 die Städte nach Speier berief, fand er sie, 
wie Matthias von Neuenburg berichtet,') alle einmüthig, so dass nicht 
eine derselben am Rheine, im Schwaben und in Franken sich um die 
Wahl Karls und die Processe des Papstes bekümmerte. 

Wir heben nun aus der Geschichte einiger der wichtigeren Städte 
einzelnes zur näheren Kennzeichnung des Geistes, der sie beherrschte, 
hervor. 

Basel. 

Es wäre verfehlt, aus dem Widerstreit der Städte gegen die Befehle 
der Curie auf ein Nachlassen des religiösen Sinnes bei ihnen zu schlies- 
sen. Wenn irgendwo, so war die Kirche in Basel geehrt. Man nahm 



1) 1. c. 240. 



es ruhig hin, als der Klerus im Jahre 1331 den Gottesdienst einstellte; 
man duldete ihn, als im Anfang des Jahres 1339 die meisten Stadt« auf 
Ludwigs Befehl die nicht celebrirenden Priester aus ihren Mauern trie- 
ben. ') Ja anderwärts vertriebene Priester, wie Heinrich von Nördlingen, 
oder die Dominikaner von Strassburg, fanden hier eine Zuflucht ^) Die 
Baseler bitten unablässig um Aufhebung des Interdicts imd erhalten 
wiederholt Erleichterungen. Heinrich von Nördlingen und Tauler be- 
richten, wie ausserordentlich der Zudrang des Volkes gewesen sei, als 
demselben auf kurze Zeit der Zugang zu den seit 14 Jahren entbehrten 
Gnadengtitem der Kirche wieder gestattet worden war. Nach Ablauf der 
Frist erwirken sie abermals eine kurze Verlängerung — aber^ als sie sich 
nun endlich entscheiden sollen, da bleiben sie bei ihrem Kaiser und das 
Interdict tritt wieder in Kraft. Als Karl nach Ludwigs Tode die erste 
Fahrt durch's Reich machte die Anerkennimg der Stände zu suchen, 
und im December 1347 vor Basel eintraf, empfing der zum Bevollmäch- 
tigten des Papstes bestimmte und mit dem König reisende Bischof von 
Bamberg eben die Formel, nach welcher alle, welche Ludwig angehangen, 
vom Banne gelöst werden sollten. Sie forderte das Gelübde, dass man 
nie mehr einem häretischen Kaiser anhangen, dass man jeden nicht vom 
Papste bestätigten Kaiser verwerfen wolle. Der König mit seinem Hofe, 
• der bevollmächtig Bischof mit andern Prälaten und der Klerus von 
Basel erwarteten in des Königs Lager die Abgeordneten der Stadt. Da 
erschien der Bürgermeister Konrad von Bärenfels mit dem Rathe imd 
vielen vom Volke und erklärte mit lauter Stimme in deutscher Sprache 
also: Herr Bischof, ihr sollt wissen, dass wir weder bekennen noch auch 
glauben wollen, dass unser Herr der römische Kaiser Ludwig jemals ein 
Ketzer gewesen sei; auch werden wir jeden für einen römischen König 
oder Kaiser halten, den die Kurfürsten alle oder in der Mehrzahl als 
solchen aufstellen, ob er auch die Bestätigung des Papstes nicht suchen 
wollte; werden auch nichts thun^ was irgendwie gegen das Recht des 
Reiches wäre. Habt ihr aber Gewalt von dem Herrn Papst und wollt 
uns unsere Sünden erlassen, so ist's uns recht. Und zum Volke sich 



1) Hcinr. t. Diessenhoven 1. c. 30. 12.' 

2) Vgl. ZQin iL meine Vorarbeiten znr Geschichte der deutschen Mystik etc. in Niedner, Zeitscbr. 
f. hist. Theol. 1869 S. 90 ff. 



57 

wendend rief er: Gebt ihr mir und dem Konrad Mnnch Vollmacht zu 
bitten, dass ihr von euren Sünden losgesprochen werdet? Das Volk rief: 
Ja. Und man hielt es für gut, ungerade gerade sein zu lassen. Der 
Bischof ledigte sie vom Banne, der König wurde anerkannt und zog in 
Basel ein. ') 

Strassbnrg. 

Die Strassburger hatten von Anfang an, trotz der Interdicts, das 
alle Anhänger Ludwigs traf, keinen Mangel an celebrirenden Priestern. 
Die Kleriker des Domcapitels, mit ihrem Bischof, dem päpstlich gesinn- 
ten Berthold von Bucheck, zerfallen, rechneten es zur Aufgabe ihres 
Streits, auch in Ansehimg des Interdicts die Gegner des Bischofs zu sein. 
Die Franziskaner celebrirt^n wie in den meisten andern Orten, ebenso 
die Dominikaner; denn hier, wo EcKhart gelehrt, imd einer seiner be- 
deutendsten Schüler, Johann Tauler, im höchsten Ansehen stand, war 
imter ihnen ein freierer und volksthümlicher Sinn. Unter solchen Um- 
ständen Hess man denn auch die Augustiner gewähren, welche von An- 
fang an das ^lesselesen eingestellt hatten. Doch bekamen sie das Uebel- 
wollen der Bürgerschaft nichts desto weniger bitter zu empfinden. Nie- 
mand schenkte ihnen mehr und sie kamen in Noth. Erst als sie im 
Jahre 1348 nach 17jähriger Unterbrechung das Singen wieder aufnah- 
men, flössen die Gaben von neuem. Nicht so duldeten die Bürger die 
Ungleichheit im priesterlichen Verhalten. Als die Dominikaner, von dem 
Ordensmeister gedrängt und bedroht, den Gottesdienst wieder einstellten, 
bedeutete ihnen der Rath: „Sider sie hätten vor gesungen, so sollten sie 
auch fürbass singen oder aus der Stadt springen." Da zogen sie ab und 
Hessen ihr Kloster 872 Jahre leer stehei^. ^ Dem Bischof aber drohte 
man Fehde an, wenn er sich dem Kaiser nicht unterwerfe, und Berthold, 
mit seinen Mitteln auf der Neige imd seiner eigenen Städte nicht mehr 
sicher, huldigte 1339 dem Kaiser. Auf dem Tage zu Speier 1346 er- 
klärten die Strassburger mit den andern Städten, dass sie sich an die 
Processe des Papstes nicht kehren und Ludwig treu bleiben wollten. 



9) Matth. T. Neaenb. 1. c 251. sqq. 

1) Twinger ▼. Königsh. in Code hifft. et diplomatique de la Tille de Strassbonrg T. I, p. 115 sqq. 
Abh. d. in. Gl. d. k. k. Ak. d. Wi« XIV. Bd. I. Abth. 8 



56 

Nach Ludwigs Tode huldigten sie wohl Karl ; aber die päpstliche Absolu- 
tionsfonnel verwarfen sie.*) Nach dem nicht sehr zuverlässigen Speckle 
soll der Ammamneister Peter Swarber die Absolution in ähnlich schlauer 
Weise gewonnen haben, wie der Bürgermeister zu Basel; allein Closener 
und Königshoven berichten nichts davon, während sie doch bei anderen 
Städten auf diese Dinge eingehen; und dann setzt auch die Voll- 
macht, welche die Strassburger später, im Jahre 1350, ihren Machtboten 
nach Avignon mitgaben, voraus, dass das Interdict bis dahin noch nicht 
aufgehoben war. Diese Vollmacht,^) welche das Datum des 15. März 
1350 trägt, ist für die Stellung, welche die Bürgerschaft noch im dritten 
Jahr nach Ludwigs Tode einnimmt, bezeichnend: Wir Bürgermeister 
Rath und Schöffen, heisst es da, und die Gemeinde zu Strassburg geben 
dem Claus Zorn und Johannes zum Trubel Gewalt zu fordern und zu 
nehmen eine Entledigung, falls wir im Bann wären von wegen Herrn 
Ludwigs seligen von Baiem des Fürsten — gemäss den Briefen — doch 
also, dass sie nichts geloben oder schwören, das wider das römische 
Reich oder seine Rechte oder Ehre oder wider unsere oder unserer Städte 
Recht, Freiheit oder Ehre sei. ^ 

Constanz. 

Der Duldimg, welche man in Constanz seit 1326 den nicht celebri- 
renden Priestern gewährte, machte wie in anderen Städten der Frank- 
furter Erlass von 1338 ein Ende, welcher allen Priestern im Reiche den 
Gottesdienst wieder au£siuiehmen befahl. Die Constanzer stellten den 
Priestern eine Frist bis Epiphanias 1339, dann mussten alle, welche 
nicht singen wollten, die Stadt verlassen. *) In der Folge erlaubt zwar 
der Rath einzelnen die Rückkehr; aber zu verschiedenen malen müssen 
dieselben von neuem weichen, und wie es scheint, so oft die demokra- 
tische Partei an'ö Ruder kam. Es ist die Zeit, da überall in den Städ- 
ten der Kampf der Zünfte gegen die bevorzugten Geschlechter entbrennt, 
und die demokratische Partei zeigt eine noch entschiedenere Haltung 
gegen die Kirche imd eine thatkräftigere Geneigtheit für Ludwig als 



1) Matth. Y. Nenenb. 252. 

2) Weucker Collecta archivi et cancell. jara 155. 

3) Heinr. von Nördl. Brief 21 bei Heamann L ^. 



59 

die altbürgerliche. Dafür begünstigt sie auch der Kaiser. Als dieser 
gestorben war, fand Karl in Constanz noch lange keine Anerkennung; 
ebenso wurde die Absolutionsformel zurückgewiesen. Auch verschiedene 
Kleriker wollten die Absolution unter den päpstlichen Bedingungen nicht 
annehmen. Als mehrere derselben, wie oben erwähnt ist, von einem 
Kanonikus als Schismatiker bezeichnet wurden, forderte der Rath Wider- 
ruf dieses Ausdrucks imd trieb den Beklagten, als er nicht Folge leistete, 
aus der Stadt Später als die meisten schwäbischen Siädte, erst 1349, 
erkannte die Bürgerschaft Karl IV. an , worauf sie die Absolution erhielt 
Aber aus dem Schweigen Diessenhövens darf man mit Gnmd schliessen, 
dass diese ertheilt wurde, ohne dass die Erklärungen, welche die Formel 
forderte, gegeben worden waren. ^) 

Andere Städte. 

Wie Constanz, so schlössen sich auch Zürich, St. Gallen imd SchaflF- 
hausen von den schwäbischen Städten aus, als diese Karl IV. huldigten. 
In Zürich ^ hatte man schon seit 1331 keine päpstlichen Kleriker mehi' 
geduldet. Ebenso entschlossen ging man in Reutlingen vor: „Um diese 
Zeit," sagt Hugo von Reutlingen, „war der Klerus in grosser Verachtung 
bei den Laien und man hielt die Juden höher als ihn. Als der Klerus, 
nach Ludwigs Gebot im Jahre 1338 das Singen nicht wieder aufuehmen 
wollte, liess der Rath öffentlich ausrufen, dass niemand bei einer Strafe von 
1 5 Pfunden einen Priester aufnehmen dürfe, der sich des Singens weigere 
Diesem Verbot liess der Ausrufer ein zweites folgen, das bei gleicher 
Strafe untersagte, die Juden mit Wort oder That zu belästigen. Aber 
wie stinamt Christus und Belial!" ruft empört darüber Hugo von Reut- 
lingen aus. ^) 

Auch in den übrigen schwäbischen Städten, welche früher als Con- 

> 

stanz und die drei andern genannten Städte Karl IV. anerkannten, hat 
man den Bürgern die päpstliche Absolutionsformel nicht aufzwingen 
können. Nur die Kleriker wurden nach dieser absolvirt Für die Laien 



1) Heinr. r. Diessenh. war um diese Zeit in Constz. Vgl. zn dem Verbalten der Bürgerschaft 
p. 88. 64—66. 71; fiber das Verhalten der demokr. Partei p. 38 und Johann von Winterthnr 
z. J. 1348: Clems Gonstantiensis nolens eelebrare secnndario expellitnr. 

2) Tsdmdi Chronic. HelTeticnm z. J. 1831. 

3) Bei Böhmer Fontes IV, 184. 

8» 



60 

verlas man eine andere Formel, welche der Bulle des Papstes „entnom- 
men" war, wie Hugo von Reutlingen sagt. 

Die Anhänglichkeit an Ludwig gibt sich in gleich kräftiger Weise 
auch in anderen Theilen des Reiches kund. Die- Regensburger zwangen, 
wie Gemeiner erwähnt, ihre Prediger durch Hunger taxt Feier der Messe. 
In Nürnberg wird von den Zünften, welche, wie in Constanz, auch in 
kirchlicher Beziehung entschiedener sind, am 8. Juni 1348 der Rath ge- 
stürzt, dann der gebannte Ludwig der Brandenburger aufgenommen imd 
mit ihm ein Bündniss gegen Karl geschlossen. Erst im September 1349 
gelingt es dem König, nachdem er die Bürgerschaft mit List entwaffnet, 
die Herrschaft der Geschlechter wieder herzustellen. Im Westen aber 
verweigert Metz noch im Jahre 1349 die Anerkennimg Karls.') 

Eine wahrhaft demüthigende Rolle nöthigte dem päpstlichen König, 
als QT die Anerkennung suchte, insbesondere der Trotz der mittel- 
rheinischen Städte auf. Karl war mit dem Bevollmächtigten des Papstes, 
dem Bischof von Bamberg, nach Worms gekommen. Hier wollte die 
Geistlichkeit, ehe sie für sich unterhandelte, auch die Bürger für eine 
gleiche Weise der Unterwerfung gewinnen. Aber der Versuch misslang. 
Als nun der Klerus nach empfangener Absolution den immer noch wi- 
derstrebenden Bürgern die Messe verweigerte, da bewaffnete sich das 
Volk und zog nach der Herberge des Königs, wohin sich auch eiligst 
der Bischof von Bamberg geflüchtet hatte. Der König, durch den Aufruhr 
erschreckt, bestimmte nun den Bischof, die Wormser ohne alle Bedingung 
zu absolviren. Aehnlich war es in Mainz und Frankfurt. In Mainz 
öffnete man Karl erst die Thore, als er darauf verzichtete, den vom 
Papste gegen Erzbischof Heinrich erhobenen Gerlach von Nassau, mit ein- 
zuführen,^) und von Frankfurt blieb Karl ausgeschlossen, als er auf die 
Forderungen der Bürgerschaft nicht einging. Erst im Jahre 1350 er- 
folgte hier die Absolution, und zwar, wie Latomus^) bemerkt, unter 
Widerspruch der Bürgerschaft Auch das mächtige Cöln und Aachen 
haben Ludwig die Treue bewahrt*) 



1) Math. T. Neuenb. 258. 271. 

2) ib. 263. 

3) Bei Böhmer 1. c. 416. 

4) Matth. V. Neaenb. 239: Qai (Earolus) com Aqaenses et Coloolenses ipsom non receperint, in 
Bnnna ab archiepiscopo Coloniense aote Andree (nov. 26, 1346) est coronatos. 



61 

Lieber im Banne des Papstes, als der eigenen Ilechtsüberzeugung 
untreu werden, das ist der Entachluss, der überall das Verhalten der 
Städte bestimmt Die Kraft dieses Entschlusses war das Bewusstsein, 
dass es ein göttliches Recht gebe, über das auch der Papst keine Macht 
habe, und dass man unter Umständen aus der sichtbaren Kirche ge- 
schieden sein könne, ohne von Gott geschieden zu sein. 

Bückblick. 

Blicken wir zum Schlüsse auf die verschiedenen Kundgebungen der 
geistlichen wie der weltlichen Stände für Kaiser Ludwig zurück, so darf es 
als ein nicht zu bezweifelndes Ergebniss bezeichnet werden, dass weitaus 
die Mehrzahl, dass der geistig bedeutendste Theil des deutschen Volkes 
auf des Kaisers Seite war und blieb. 

Es ist wahr, äusserlich angesehen siegte das Papstthum, als Ludwig 
gestorben war. Karl TV. gewann die Krone des Reichs mn jenen Preis, 
den Ludwig zu zahlen verschmäht hatte, und auch das deutsche Volk 
kehrte nach und nach in die alten Geleise zurück. Aber die öffentliche 
Meinung war nicht mehr dieselbe, wie sie vor dem Kampfe gewesen 
war. Manche geistige Bande, die bisher an die Kirche geknüpft hatten, 
waren gelöst. 

Wie das Samenkorn lange Zeit ein verborgenes Dasein führt und zu 
verwesen scheint, dann aber, wenn seine Zeit gekommen, zu einem 
neuen Leben ersteht, so traten auch die in der Zeit Ludwigs ausgestreu- 
ten Gedanken zunächst wieder aus dem öffentlichen Leben zurück; aber 
kein Jahrhundert verging, so erfolgte auf deutschem Boden, zu Costnitz 
und Basel, von Seiten der Vertreter der Kirche jener Beschluss, welcher 
die Gewalt der Kirche über die des Papstes stellte — eine wenn auch von 
der Geschichte nicht durchgeführte, so doch durch heilsame Nachwirkungen 
fruchtbare That Und wieder ein Jahrhundert später uud der grössere 
Theil des deutschen Volkes gewann für die Selbständigkeit und Unab- 
hängigkeit des Staates eine religiöse Rechtfertigung in einer anders be- 
stimmten Lehre von dem Wesen der Erche. Was Marsilius, Caesena und 
Occam gewollt und gelehrt, das hat, wenn auch unter theilweise anderen 
Bestimmungen, eine spätere Zeit der Hauptsache nach doch noch zur 
Reife gebracht. 



62 

Von diesem Gesichtspunkte aus erscheint der letzte der mittel- 
alterlichen Kämpfe zwischen Eaiserthum und Papstthum als eines 
der bedeutendsten Ereignisse in der Geschichte des deutschen Volkes. 
Denn erst in diesem Kampfe wurden mit Bewusstsein die Grundlagen 
angegriffen, auf welchen die Lehre von der Kirche vornehmlich seit 
Gregor VII. ruhte. Und in der That, sollte nicht der Staat sein natürliches 
und durch die göttliche Offenbarung geheiligtes Recht durch be- 
ständige Uebergriffe gefährdet sehen und die Wurzeln seines eigenen 
Lebens verlieren, so musste dort selbst, wo das Uebel seine Quelle 
hatte, im Dogma von dem Wesen der Kirche eine Wandlung sich 
vollziehen. Und bis dahin reichten die Gedanken jener Männer, welche 
Ludwig in seinen Dienst genommen hatte. Diese Bundesgenossen- 
schaft machte freilich die Aufgabe Ludwigs zu einer schwierigeren als 
sie die Kaiser vor ihm gehabt hatten; denn der Kampf gegen eine durch 
die Länge der Zeit befestigte Glaubensmeinung ist gefahrvoller als der 
Kampf, der mehr nur gegen die Wirkungen derselben gerichtet ist. Wir 
verargen es Ludwig, dem Laien, dem unter Waffen und weltUchen Hän- 
deln herangewachsenen Fürsten nicht, wenn sein Fuss zuletzt unsicher 
wurde. Aber dass er nur überhaupt den Muth gehabt, die gefahrvolle 
Bahn zu betreten, schon das ist viel. Er hat der religiösen Opposition 
damit, dass er sie vom Katheder und von den Stuben der Generalcapitel 
auf das Forum des öffentlichen Lebens fahrte und in seine politischen 
Kämpfe verflocht, ein grosses Feld eröffnet Die Ideen jener Ausländer 
würden wohl kaum eine nachhaltige Bedeutung für unser Volk gewonnen 
haben, wenn sie nicht eine so wirksame Stelle in dem alles aufregenden 
Kampfe gefunden hätten. Das vom Papste verletzte vaterländische Gefühl 
trug ihnen von vorne herein eine gewisse Empfänglichkeit entgegen. Das 
war der Boden, in welchem sie weiter wirken konnten. 



B e i 1 a g e D. 



I. 

Sehreiben Caesenas an Gerhard Odonis. (Deeember 1332.) 

[Glassberger, I.e. f. 77: Et sequenti anno rescripsit idem Michael ipsi Gerardo 
generali ministro epistolam, qnae indpit: Teste Salomone etc., in qua respondet 
ad singnla ipsius Gerardi scripta, inter cetera dicens:J Qaia autem dicis, quod appel- 
lare non potui ut persona priyata, qaia ordo me significavit hereticam, dico quod 
ordo non significayit me hereticum nee de iare nee de facto. De iure quidem ap- 
paret, qnoniam pro causa, quam ordo sicut sanam et catholicam approbavit, neminem 
potest dampnare sicut hereticum yelud hereticum, sed causam, quam ego ago, ordo 
approbayit sicut sanam et catholicam in generali capitulo Perusiuo et placuit ei quod 
facio, quare pro illa causa ordo non potest me velud hereticum significare iure nee 
pro aliqua alia causa, quia nuUam aliam causam ago yeraciter praeter illam. Nee 
etiam de facto, quia illi, qui recipiunt proprietatem et dominium remm usu cousump- 
tibilium, si qui sunt, tales nnllo modo do ordine yeraciter possunt dici, sed ab ordine 
et ab ecclesia veri apostate sunt censendi. Quare ipsorum non est rae dampnare, nee 
ad ipsos pertinet me salyare. Illi etiam, qui non receperunt proprietatem rerum usu 
consumptibilium, illi nuUo modo me dampnayerunt de facto, nisi se ipsos dampuassent, 
cum ego ipsorum propriam causam agam. Ex quibus patet, quod yerus ordo uon 
me dampnayit aliquo modo de iure yel de facto. Et ita quocunque modo appel- 
layerim, sive ut persona publica siye ut persona priyata, de iure appellatio mea tenet 
tam ratione persone appellantis, quam ratione eius a quo appellayi, quam ratione 
ecclesie ad quam appellayi. Sed yideris ulterius yelud erinaceus tam magnum refu- 
gium , inyenisse. Queris enim a me, ubi sit catholica ecclesia, ad quam ego appello, 
ultra mare yel citra? Borne yel in Ayinione yel in aliqua urbis parte? cum omnes 
habeant dominum Johannem pro yero et catholico papa, sicut dicitur. Sed melius 
quereres de ecclesia tua, quam sequeris, ubi fuit ante tempora ista et ubi erit post 



64 

hec? Quod euim usque modo pro catholico immobiliter tenaisti^ nunc, nulla nova 
ratione snpervenieDte, immutatis planetis retrogradis, pro heretioo habes et tenes, et 
postea, redeantib.us novis sideribus, habebis pro catholico id idem. Et ita, sicut Cancer 
retrogradus et luDa instabilis nunc est, nunc non, nanc tenebis, nunc non. Dicis 
qdod determinatio et diffinitio domini Nicolai III a l^tima et fidelissima causa fuit, 
qnia ut dicis non fnit ultimata, et tarnen dicis, quod nunc est heretica. Et sie 
heresis per te est a legitima et fidelissima causa. Vides aperte, quam sint inter se 
contraria, que indisciplinate pronuntias? Kecte de vobis verificatur, quo^ scribit 
Augustinus ad BonifSacium comitem deDonatistis: usque adeo calumpniandi cupiditate 
cecantur, ut non attendant, quam sint inter se contraria, que loquuntur. Dids omnes 
fideles habent dominum Johannem pro papa catholico. Non attendis, quod Helye 
prophete solum inter servos Dei se remansisse putanti dominus responderit, cum ait: 
Beliqui mihi plus quam VII milia virorum, quorum genua non sunt curvata ante 
baal? An forsitan putas, quod nos simus soli qni constitutiones domini Johannis im- 
pugnamus? Non solum VII milia, sed plus quam septies Septem milia sunt in mundo, 
qui easdem penitus detestantur, et cum tempus advenerit apparebunt. Dices , non 
videmus eos. Nee Heljas videbat illos. Qni ergo sunt illi? Cognovit dominus, qui 
sunt eins, secundum Apostolum. Quando Christum omnes discipuli eins ipso relicto 
fugerunt, ubi tunc ecclesia erat cathölica? Gerte erat quodammodo et remanserat in 
ipsismet discipulis, quoniam, et si fugerunt ad horam et vacillaverunt in fide, tamen 
sunt cito reversi et in fide solidati et £a.cti ecclesie fundamenta. Et infra ulterius 
te excusas, quod non aliqua mutatio facta in statu ordinis. Oppositum est per se 
notum, quia non solum mutatio, sed facta est penitus destitutio. Quoniam, cum in 
constitutionibus domini Johannis, quas tu patenter defendis et predicas, diffiniatur 
expresse, usum rerum usu consumptibilium non posse a proprietate et dominio se- 
parari, et ipse proprietatem et dominium talium rerum fratribus oblatamm in con- 
stitutionibus ipsis a se abiiciat et fratribus derelinquat, tu incepisti ad minus in 
communi proprietatem et dominium introtrudere et per consequens proiessionem ordinis 
destruxisti, cum romana ecclesia a tempore beati Francisci usque nunc declaravit et 
ordo tenuit hucusque, fratres ex voto regule sue non esse capaces alicujus proprietatis 
de mundo in speciali nee etiam in communi. Et sie per te non solum mutatio sed 
a fundamentis eradicatio, quod ad statum ordinis, dignoscitur penitus esse facta. Et 
preterea in eo, in quo non est facta mutatio per te, quin fieret non remansit. Qnia 
in couTocatione facta Perpiniani et in Avirnone totis viribus et conatibus laborasti, 
quod punctum regule de non recipiendo pecuniam, nee per se nee per interpositam 
personam, mutares et pecuniam recipere' pro libito Toluntarie posses, sicut hec non 
tantum ordini sed etiam orbi notoria esse constant. Nunc et mendaciter te excusas, 
nee erubescis in hoc et in aliis sie aperte mentiri, quod in statu ordinis sit mutatio 
nulla fiacta; nt autem sub pallio meo tnam iniquitatem coloratius possis tegere, im- 
ponis mihi mendaciter, quod pecuniam in camera mea teneam et ipsam aliis manibns 
proprüs tradam, quod cunctis existentibus hie et scientibus est et semper fuit 



65 

notorie falsum et a patre mendacii confictnin. Similiter imponis mendaciter mafifistro 
Francisco de Esenlo , qnod in veuiendo Monacnm de Oanis magnam snmmam flore- 
nornm snper se ipsnm portaverit, qnos dicis nibi in via accepisse latrones. Hoc 
enim falsum est omnino, cum nullum florennm omnino nee aliquem denarinm snper 
se portaverit. Nnmquid tn socins aut princeps fuisti illomm latronnm, ant ipse ma- 
gister Franciscns vel ejns socius talia dixerant? Unde hoc nisi a patre mendacii 
fingis? An forsitan credis illi homini scelerato et totaliter criminoso Hngricomi (?), 
qni fagit a me propter scelera sna eo qnod ipsnm propter fedissima scelera sna 
volebam carceri mancipare, sicut hie non solnm fratribns sed etiam secnlaribns sunt 
sua crimina notoria manifeste. Et infra nlterius dicis mendaciter, qnod egou-com- 
municavi magistro Johanni de Jandnno, cum ille manifeste mortuus fnerit in Tnderto 
anteqnam Pisas venirem. Ego antem in Tnderto pedem non posui nee etiam ponere 
cogitavi. Et sie aperte mendacia jactas ac si ipsa fores Toto solemni professns. Si- 
militer de fratre Petro de Corbario mnlta crocitas et mihi falso inponis; vocas enim 
ea, qne non sunt, tanqnaro ea qne sunt, sed sao tempore veritas apparebit et 
OS tnum tua iniquitas oppilabit. Multa alia quoque mendacia tno solito more per- 
verso inponis mihi nequissime, qne nuUam penitns continent yeritatem, nee uUa 
sunt responsione digna, propter qnod de ipsis et aliis snpersedeo ad presens. Dicis 
nlterius qnod ego non teneo capitnla generalia nee provincialia, et per conseqnens 
nichil exerceo de hijs que pertinent ad officium generale. Dicas tn, sancti patres 
tempore generalis persecutionis martirnm nbi concilia generah'a vel provincialia te- 
nuerunt, cum vix possent in criptis et cavernis montium latitare? Beatns etiam 
Clemens, beati Petri successor mediatns vel immediatns, nbi consistoria sna tenebat 
cnm cardinalibus, postqnam fnit ad fodiendam arenam dampnatns, et nichilo minus 
pontifex erat romanns? 8imiliter beatns Thomas Cantnarensis archiepiscopns, quando 
fnit extra Ängliam in exilio relegatus, nbi tunc suam provincialem synodum tenuit? 
Non invenies. Et nihilominus Cantnarensis archiepiscopns erat. Talia exereere 
officia tempns paci» reqnirit conveniens, qnod ntique mihi non snppetit. Nichilo- 
minns officium generalis manet. Dicis nlterius me fore convictum, quia contra re- 
sponsionem domini Johannis ad appellationem meam. non valeam nee etiam audeam 
replicare. Ymo fortissime replicavi, et ipsam responsionem hereticam per totnm 
ostendi et ad diversas partes mundi ipsam replicationem transmisi, nee ipse nee ali- 
quis pro eo valet amplius respondere. Bespondeas tu, si potes, qni cnm eo in suis 
heresibns habes caudam coUigatam. Et licet sis satis patenter hereticns, tunc tamen 
ostendam te manifestius aperte hereticnm toti mando. Dicis nlterius, qnod mmistros, 
tni electores, contra formam regule et contra formam declarationum romanornm 
pontificum institntos, dominus Bertrandns, tunc gerens officium et vicem generalis 
de facto, et totns prdo approbaverit et confirmaverit, et per conseqnens legitima est 
electio tua. Responsio ista dupliciter se ipsam tollit et deponit. Primo quoniam 
post appellationem in causa fidei legitime interpositam a domino Johanne ad uniyer- 
salem ecclesiam dominus Bernardus non potuit in preiudicium catholice veritatis et 
Abb. d, III. Cl. d. k. Ak. d. Wiss. XIV. Bd. I. Abth. 9 



66 

mei generalis miDisterii officio fungi, et per consequens approbatio et coniirmatio 
sua de iare nalla fuit. Secando quoniam nee generalis minister nee ordo habet 
anctoritatem aliqnam approbandi vel etiam improbandi contra formam regnle et contra 
ordinationem sedis apostolice et maxime post appellationem in cansa fidei et (in?) 
&Yorem regnle interpositam legitime secnndnm canonicas sanctiones, cnm auctoritas 
generalis et etiam ordinis a regala et a sede apostolica dependeat immediate. Ultimo 
snbinngis finaliter pro tna defensione singnlari et nltima, quod si tuoram ministrornm 
approbatio et confirmatio prefata mihi non sufficit, ad librum philosophi debeam 
habere recursnm, ubi dicitur, quod qnidqnid contingit affirmare, coutingit negare. 
Mira snpra modnm et jocculta responsio, qna iure penitus divino pariter et humano 
yacnom te estendis, quoniam, divine legis et humane autoritate contempta, ad vana 
et frivola philosophorum sophismata te convertis, et alios pro tui iuris defensione 
remittis. Plane de numero illorum te fore demonstras, de quibus in psalmo scribitur : 
Defecernnt scrutantes scrntinio; et de numero illorum, de quibns in alio psalmo di- 
citur: Filii efifreni, intendentes et mittentes arcnm, conversi sunt in die belli. Vere 
et plane tao proprio iudicio atque testimonio in scrutando tue electionis scrutinio 
defecisti et in iaculando tue rationis spiculo conversns retrorsum fugisti. Christus 
magister veritatis et doctor ait discipulis suis: Sit sermo vester est est et non noü. 
Et non dixit est et nou, sicut liber Aristotelis, ad quem refiigis, esse idem asserit et 
non esse. Ad infidelem autorem recursum (a) scriptis fidelibus habes, quia utique 
a fide catholica recedis et alios recedere satagis pront potes. A qua pernicie te re- 
vocare dignetnr, qui devios ad viam quottidie revocare non cessat et etiam ingratis 
quam multa sua beneficia prestat. Christus dens noster'omnipotens mentem tibi quietam 
atqne pacatam inspiret et lucem sue miserationis tribuat et aspiret. Fiat inter uos, 
quod scribit beatos Augustinus in fine epistole ad Pascencium arriannm, dicens: Ab- 
stineamus nos a conviciis, ne tempus inaniter expendamus, et ad illud, quod agitur 
inter nos, potius ad^ertamnr. Hoc Augustinus. Que si cnrabimus servare, curabit 
deus, nos perseverare. Data Monaci ducatus Bavarie. Anno domini MCCCXXXII de 
mense decembris. 



n. 

Bandbrief der Fida von Klingen, Aebtissin za Zfiricli, für Kaiser Ludwig, es 
weder mit dem Papst nocli mit der Stadt Zfiricli lialten za wollen. 

(20. Dec. 1340.) 

Ich Fida von Ghlingen abtessinn des gotshus ze Zürich vergib o£fenlich an 
diesem brief, daz ich gelobt vnd geheizzen han vnd ouch zfi den heyligen gesworen 
han, ewichlich, die weil ich kb, mit meinem gotshus, lut vnd gut ze beleiben vnd 
gehorsam ze sein dem hocbgeborn meinem genadigen herren dem romischen keyser 



67 

Ludwig vnd von im nimmer ze bechomen mit dheinen sachea. Ich sol mich ouch 
mit nieman berihten weder mit dem habest noch mit den bnrgern ze Zürich noch mit der 
stat gemeinichlich ze Zürich on rat vnd willen meins genadigen herren kejser Ludwig 
von Rom , vnd der sache band mit mir gesworen die ersamen f rawen , die von 
Vczingen, von Bonsteten, von Swainsberg vnd von Ruseppe, die mit sambt mir in 
dem ohloster phränd band, daz ich daz mit dheinen Sachen nümmer vberfaren sei, 
vnd der sache sind für vns troster mein lieber bruder her Walther Virich von der 
alten Chlingen, her Ornolt vnd her Eberhart gebruder, mein lieb oheim von Bur- 
gelen, vnd darüber ze vrchund gib ich disen brief mit meinem vnd meiner egenanten 
troster aller dreiyer Insigel besigelten, der geben ist ze Wiutertewr do man zalt 
von Eristes geburt driuzehenhundert. jarn darnach in dem vierczigostem Jarn des 
nahsten tages vor Thome Apostoli. 
Mit den betreffenden Siegeln. 

IIL 

Das Domcapitel za Bamberg verpflichtet sich, dem König Ladwig za helfen 

wider dessen Feinde. (2. Juni 1325.) 

Wir Leupolt tumbrobst, Heinrich dechant von gotes gnaden, Hainrich banch- 
maister vnd Otte von Aufsez ritter, pfleger des goteshns ze Bambberg, veriehen an 
disem brief, daz wir vnserm genedigen herren hern Ludwig'^dem romischen Eunig geheizen 
pei vnsem trewen, di wir im in aydes weis geben haben, daz wir im mit der 
pflechnuss des goteshaus ze Bambberg, di uns von gemainem capitel enpholhen ist, 
mit landen, mit leuten , mit purgen vnd mit vesten vnd mit allem bistum warten 
sulen wider aller menichleich alle di weil vns der kriech werdent ist, vnd griff den 
kunich jman an von des pabestes wegen oder pot mit werltlichen oder mit gaist- 
lichen schachen, wider den schul wir dem kunig geholfen sein als wir pest mügen 
mit trewen ane geuerd, vnd wellen noch enschulen ouch bischof Heinrich von Stern- 
berch dehein purch noch veste ein antwurten noch auftuen, noch deheinem von 
seinen wegen, di weil der kriech wert. Wir haben im auch pei den selben trewen 
geheizzen, daz wir niht gestaten vnd vnder uaren, als wir verrest vnd pest mugen, 
daz dehein prief, pan, noch potschaft, process oder dehein vrtail, wi di genant ist, 
wider den kunich oder zeschaden dem capitel oder dem gotshaus von dem pabst, 
von dem pischof oder von iren wegen geöffnet, vernommen, behalten oder volfuret 
werd, als lang der kriech werde in der stat vnd in dem pistum ze Bambberg, vnd 
gescheh daz wir wider dicz vnser gelubde, daz wir dem kunig getan haben, von dem 
babst, von dem pischof oder von iren wegen erledigt wurden, daz sie vns ez abnemen 
oder vns twingen weiten, ez niht zebehalten, daz schol vns wider vnser trewe niht 
helfen, wir halten si stet vnd gancz; wir gehaizen im ouch pei den selben vnseni 
trewen, daz wir uns der pfleg niht entauzzern ane seinen besundern willen, vnd wer 
vnser ainer oder mehr niht, oder mohten vor kranchait oder vor ehafter not an ge- 

9* 



68 

uerd pei der pfl^ niht gesein , so suln di andern von dem capitel oder anz des 
gotshans dinestmann au ir stat ander saczen nach des knni^es wizzen nnd willen. 
Dar vber ze ainen vrkand geb wir im vnsem prief, mit vnserr vier jnsigel versigelt, 
der geschriben ist ze Bämbberg, da man zalt von gotes geburtht dreizehenhundert 
jar dar nach in dem fumf vnd zweinczichsten jar an dem ahten tag nach dem hei- 
ligen pfingstag. 

Mit 4 Siegeln. 

IV. 

Bnndbrief von 14 Ffirsten und Herren am Rhein, dem Kaiser Ludwig: zu helfen 
wider den Erzbischof Heinrich yon Mainz, falls dieser die gelobte Treue 

brechen würde. (29. Juni 1337.) 

Wir Gerhard, von gotes genaden byschof ze Speyr, Virich von der selben 
genaden byschof ze Auspurg, Rubrecht pfallentzgraf bei Rein vnd herzog ze Bayern, 
Wilhelm margraf ze Gülich, Johans brobst ze Xantten, Gerlach graf ze Nazzaw, Jo- 
hans graf ze Spanheim, Rubrecht graf ze Virenburg, Philipps graf ze Spanheini, 
Walram graf ze Spanheim, Seyfrid graf ze Wydichenstein, Gotfrieä herr ze Eppen- 
stein. Reynhart herr ze Westerburg, korherr ze dem tuom ze Chöln vnd Gerhard 
von Lantzkron bechennen vnd tuon chunt allen die disen brief ansehent oder horent 
lesen, daz wir vus vnd vnser ieglicher besunder verbunden han vnd verbinden ouch 
mit disem gegen würtigeu brief dem durchlüchtigen herren keiser Ludowigen von 
Rom, vnserm genedigen herren, zu den stucken vnd artikeln, di hin nach geschriben 
stend. Wer es daz der erwirdige in got vater herHainrich, ertzbischof des heiligen 
stuols ze Mentz vnd ertzkantzler des heiligen römischen richs über dützschew land, 
an den stücken vnd artikeln oder an ir dheinem , die er dem vorgenanten keiser 
vnserm herren gelobt vnd gesworen hat , vnd dar über er im sein besigelt briefe 
mit sinem grozzen jnsigel gegeben hat, brüchig wurde oder si breche, des got nicht 
enwelle, so geloben wir vnd sweren daz zu den heiligen, daz wir dem vor- 
genanten vnserm herren dem Icaiser beholfen sullen sin vnd im zu legen mit laib, 
mit guot, mit landen vnd mit lüten wider den vorgenannten ertzbischof Hainrich ze 
Mentz, also lang bis er die brüche vf gericht, nach dem als sin brief sprechent, die 
er dem egeschriben vnserm herren dem kaiser geben hat, an allerley argenlist. Wir 
bechennen ouch daz wir noch nieman anders von vnsem wegen dar nach werben 
oder stellen süllen, daz wir der vorgenanten gelübd vnd geheizz absoluiert oder 
l^dig gesagt werden von dem babst oder ieman anders ; geschech es dar über, so sol 
es dhein chraft haben, vnd dar über ze vrchünd vnd ze einer Sicherheit dirr vor- 
schriben stuck geben wir all disen brief mit vnser ieglichs jnsigel besigelten, der 
geben ist ze Pranchenfurt an der zwelf boten tag Petri vnd Pauli, do man zalt von 
kristus geburt driuzehen hundert jar dar nach in dem siben vnd dreizzigisten iar. 

Mit den 14 betr. Siegeln. 



69 

V. 

Die Städte Esslingen, Reutlingen, Bottweil, Gemflnd, Hall, Heilbronn, Wimpfen, 
Weinsberg nnd Weil bitten Baldnin von Trier, im Streite zwischen dem Kaiser 
nnd Papst zn yermitteln, nnd erklären, dass sie treu zum Kaiser stehen 

werden. (2. Januar 1332.) 

Reverendo in christo patri ac domino domino Baldwino archiepiscopo Treverensi 
nee non sancte Maguntine sedis in spiritnalibus et temporalibns provisori Magistri ci- 
vium, sculteti, consules ceterique cives universi oppidorum in Esselingen, in Rüthe- 
Ungen, in Rotwil, in Gamundia, in Hallis, in Hailbpmnne, in Wimphfen, in Wins- 
perg et in Wile coniurati, in constanti devocione afifectnm sincerum in omnibus de- 
votissime obsequendi. Dum fabricator mundi sna disposicione inefifabili presentis 
seculi machinam censuit erigendam provisione provida, in celi firmameuto posuit 
dno luminaria magna, ea officiis propriis sie distinguens, quod ipsorum ministeriis 
nobis in regione ista degentibus duplicis luminis claritas inclarescit, et hec licet se 
in aliquo respiciant, unum tarnen alterum non o£fendit, immo utrumque, suo motu 
et cursu in circaitu uniformiter servatis, alterum in suo esse et robore fortificat et 
conser^at. Sic et eterna ipsius patris provisio, equa disposicione cuncta disponens, 
duo huius orbis capita in terris statuit, qne quamquam admodum invicem se re- 
spicere habeant, unum tarnen alterum, superiorum exemplo luminum, in commendati 
sibi officii exercicio offendere non deberet, sed mutuis pocius presidiis, sicut eis ex 
alto commissum est, popalum domini feliciter regere ac salubri prorsus regimine gu- 
bernare. Nos igitur, pater clemeutissime, immensa compassione compatimur, quod 
terreni honoris aviditas nostre salutis luminaria toti mundo adeo dampnabiliter 
eclipsavit, quodque globus rerum temporalium in spera ipsorum luminum se involvens 
ipsa hiis temporibus valde periculosa et dampnabili distancia separavit. Pauperes 
vigitur christicole *) vos invocamus, vos exoramus vosque voce lamentabili immensi 
meroris et tristicie lacrimis imploramus, ut vestre paternitatis provideat circumspecta 
provisio, vestreque provisionis provida et salubris medicet circumspeccio, ne christia- 
nissima fides in suis capitibus nostris temporibus dispendium paciatur, neque sacer- 
docium et imperium, que de celestis ordinis emnlacione descendunt, non solum in se, 
verum eciam toto christiano populo presenti in tempore tam periculose et dampna- 
biliter eclipsentur. Novit enim veneranda vestra paternitas, summura tocius mundi 
creatorem et ipsius universalis regiminis dispositorem , hoc est deum omnipotentem, 
a quo omnis potestas et imperium sacris testantibus scripturis descendere et derivari 
originaliter dinoscuntnr, et demum vos una cum ceteris principibus electoribus, quibus 
hoc de consuetudine et a jure tocius Alamanie, sie antiquitus introducta, approbata, 



1) Das Schreiben vonConstanz hat hier noch die Worte: fidei dominum principem lucis ac stracture 
imperialis calminis colnmpnam firmissimam agnoscentes, aliad remedinm aliudqae receptacnli re- 
faginm non scientes — 

Abh. d. III. Cl. d. k. Ak. d. Wiss XIV. Bd. I. Ahth. 10 



60 

verlas man eine andere Formel, welche der Bulle des Papstes , entnom- 
men'' war, wie Hugo von Reutlingen sagt 

Die Anhänglichkeit an Ludwig gibt sich in gleich kraftiger Weise 
auch in anderen Theilen des Reiches kund. Die Regensburger zwangen, 
wie Gemeiner erwähnt, ihre Prediger durch Hunger xur Feier der Messe. 
In Nürnberg wird von den Zünften, welche, wie in Constanz, auch in 
kirchlicher Beziehung entschiedener sind, am 8. Juni 1348 der Rath ge- 
stürzt, dann der gebannte Ludwig der Bran<lenburger aufgenommen und 
mit ihm ein Bündniss gegen Karl geschlossen. Erst im September 1349 
gelingt es dem König, nachdem er die Bürgerschaft mit List entwaffnet, 
die Herrschaft der Geschlechter wieder herzustellen. Im Westen aber 
verweigert Metz noch im Jahre 1349 die Anerkeimung Karls.') 

Eine wahrhaft demüthigende Rolle nöthigte dem päpstlichen König, 
als or die Anerkennung suchte, insbesondere der Trotz der mittel- 
rheinischen Städte auf. Karl war mit dem Bevollmächtigten des Papstes, 
dem Bischof von Bamberg, nach Worms gekommen. Hier wollte die 
Geistlichkeit, ehe sie für sich unterhandelte, auch die Bürger für eine 
gleiche Weise der Unterwerfung gewinnen. Aber der Versuch misslang. 
Als nun der Klerus nach empfangener Absolution den immer noch wi- 
derstrebenden Bürgern die Messe verweigerte, da bewaffnete sich das 
Volk und zog nach der Herberge des Königs, wohin sich auch eiligst 
der Bischof von Bamberg geflüchtet hatte. Der König, durch den Aufruhr 
erschreckt, bestimmte nun den Bischof, die Wormser ohne alle Bedingung 
zu absolviren. Aehnlich war es in Mainz und Frankfurt In Mainz 
öffnete man Karl erst die Thore, als er darauf verzichtete, den vom 
Papste gegen Erzbischof Heinrich erhobenen Gerlach von Nassau, mit ein- 
zuführen,^) und von Frankfurt blieb Karl ausgeschlossen, als er auf die 
Forderungen der Bürgerschaft nicht einging. Erst im Jahre 1350 er- 
folgte hier die Absolution, und zwar, wie Latomus^) bemerkt, unter 
Widerspruch der Bürgerschaft Auch das mächtige Cöln und Aachen 
haben Ludwig die Treue bewahrt*) 



1) Math. T. Neneob. 258. 271. 

2) iU. 253. 

3) Bei Böhmer 1. e. 416. 

4) Mattb. T. Neoenb. 239: Qoi (Karolos) com Aqoeoses et Colonienses ipeom non receperint, ia 
Banna ab archiepiacopo Colonieiue ante Andree (dot. 26, 1846) est corooatiu. 



ds$ Piiffe^^es^. ak der e ^3 »e a li^*te^<«bwK^(^nKl^ 
dbs ^ der EatadüiKK^ der uHnnuI %tt^ VtenrlMdMi d<^ 
beiduiut. Die Kraft dkses Eaisi^lttSKsi«^^ «^lur %W He^au^s^^t^Hvi. 
cm «oixlkiiees^ Bedit g^be. aber ^W ;micIi iW l\i{t^ kWne M;iKiit 
Übe. umd das man «nter Unist^iziileA ;mi$ der sic)lHwur\^n KircHe ^^f^ 
ig l ii edqi aeni kömie. olme toxi Gon s^e^ie^ten jlu ^eitv 

Bbckoi wir xom Schlosse auf die ver9cbiedeih»i Kulll)$el^ln^^Ml tWr 
gas^bthen wie der wdüidieii Stande für Kaker Ludwig aurAck« $o darf e^ 
als on nicht zu beswd£diid€s Ergeboiss beaeichiief werdeit da;^ w^itau^ 
die MdunJil. dasB der geistig bedeutendste Th«il tk^ tieuti^'hen Vt^ke^ 
auf des Katseis S^e war und blieb. 

Es ist wahr, auaserlich aqgesMdhen siegte das Ihüpstthuuk ak laKlwig 
gestorben war. Karl IT. gewann die Krone dt» Keich^ um jenen Prei^ 
den Ludmig zu zahlen verschmäht hatte, und auch da«^ deut^^he \\>lk 
kehrte nach und nach in die alten Geleise surAck. Alter die (Entliehe 
Meinung war nicht mehr dieselbe, wie sie vor dem Kampfe geweeeu 
war. Manche geistige Bande, die bisher an die Kirche geknüpft hatten, 
waren gelöst 

Wie das Samenkorn lange Zeit ein verborgenem Dasein ftihrt uml ku 
verwesen scheint, dann aber, wenn seine Zeit gekommen, zu eineu\ 
neuen Leben ersteht so traten auch die in der Zeit Ludwigs ausgtxstrtm« 
ten Gedanken zunächst wieder aus dem öffentlichen Lelnni »ui'Aok; ulnn' 
kern Jahrhundert verging, so erfolgte auf deutschem lUnlon, zu C-tv^tnit« 
und Basel, von Seiten der Vertreter der Kirche jener UesohhiHS. >wlolier 
die Gewalt der Kirche über die des Papstes stellte — eine wenn aucli vo]i 
der Geschichte nicht durchgeführte, so doch durch heilsaiuo Nivchwirkungt^n 
fruchtbare That Und wieder ein Jahrhundert spttter und ilor gWVnHtMH* 
Theil des deutschen Volkes gewann füi* die SelbstiliuUgkoit und l)nab- 
hängigkeit des Staates eine religiöse Rechtfertigimg in einer «mdotK be- 
stimmten Lehre von dem Wesen der Kirche. Was Mursilius, Ciuwona und 
Occam gewollt und gelehrt, das hat, wenn auch unter thoilweiso nndon^n 
Bestimmungen ; eine spätere Zeit der Hauptsache nach doch noch '/mv 
Reife gebracht. 



70 

observata et legitime prescripta, quod in ipsius contrarium nil potest obiici vel op- 
poni, principem pium, principem mansnetuin, benevolum et benignum et vere recta 
Christi lide fidelem, catholicum et devotum, nobis et toti Romano imperio in impera- 
torem, gubernatorem atqne eciam universalis fidei catholice propugnatorem ordinasse 
et felicker elegissp, videlicet serenissimum dominum nostrum dominum Ludwicum, Dei 
gracia imperatorem Romanorum sacratissimum , quem cum vestra et principum elec- 
torum Sana plantasset provisio, ipsum, vestris et aliorum principum, ut tenebamur, 
obtemperantes preceptis, eins devocionem et mansuetudinem humiliter intuentes, in 
nostrum et sacri tutorem imperij mente hylari gaudenter suscepimus, animo gratulanti 
ipsius regimine incensis desiderantes desideriis gubernari, qui, ut tota die oculata 
fide conspicimus, recta colit, .justa appetit, inter omnes principes mundi vivit chri- 
stianissime et in fide et devocione humili velut aliorum exemplum relucens in sim- 
plicitate agni devotissime conversatur, cui eciam. per fidei, devocionis et sincere obediencie 
constanciam firmam et incommutabilem , tamquam vero imperatori et domino nostro 
naturali, semper usque ad mortem adherere, parere et intendere volumus et indesi- 
nenter fidelissime obedire, uec ab eiusdem imperatoris, domini nostri veri et legitirai 
predicti, obediencia suis temporibus recedemus, nullius adversitatis, novitatis seu con- 
dicionis emersis aut emergentibus undecunque et qualitercunque occasione seu causa. 
Hunc inimicus ille Sathanas, qui discordie fabricam inter fideles et electos dei erigere 
nititur quantum potest , apostolice sedi iniuste et indebite more suo innato solito et 
diabolico, ut deus novit, sinistre detulit, unde inter ipsum et sedem apostolicam toti 
mundo dampnanda et periculosa discordia iam multis temporibus in grave et into- 
lerabile dispendium fidei perduravit, ob quod ad vos, quem celorum dominus firmam 
basem fidei in fundamento eiusdem sua disposicione incommutabili stabilivit, fiexis 
poplitibus supplicum nostrarum precum gressus decrevimus dirigere frequentatos, 
quatenus clemencius intuentes, quis error quodque discrimen, que infamia et quanta 
devia cunctis christi fidelibus ex tam periculosa et dampnanda discordia oriantur, hoc 
precipuum ponderantes, q]nod vos pre aliis imperii principibus ad id fide et juramento 
deo altissimo, imperio uec non et nobis imperio subditis estis faciendnm astrictns, 
yestre soUicitudinis partes, ne christianissima fides periclitetur amplius, apud sedem 
predictam et prefatum nostrum dominum, dominum Ludwicum imperatorem predictum, 
interponere dignemini cum e£fectu, ut, sopitis cunctis dissensionum materiis, in unum 
pacis et perfecte amicicie animum amicabiliter reducantur, quia vere tante dissensionis 
discordia inter huius mundi capita non solum nobis, verum eciam cunctis christi fide- 
libus valde periculosa et supra modum existit intolerabilis et dampnosa. Provideat 
igitur vestra patemitas, ne tanti pericnli corrosio ulterius dilatetur. Datum quarta 
non. mensis Januarii sub anno dorn. Millesimo CCC° XXX** secundo. 
Mit den Siegeln der .9 Städte. 



Dr«ck fehler: S. 17, Z. 12 t. o. statt Procnrationen 1. Procaratorien. 



Die Correspondenz Karrs Vn. 



mit 



Josef Franz Graf von Seinsheim. 





Von 



Karl Theodor Heigeh 



Abh. d. III. Cl. d. k .Ak, d. Wies. XIV. Bd. I. Abth. 1 1 



Die Correspondenz EarPs YU. mit Josef Franz 

Graf Yon Seinsheim. 

1738 -1743. 



Von 

K. Th. Heigel. 



Wer sich irdt der Geschichte KarPs VII. eingehender beschäftigt, er- 
fährt nur allzu bald, dass von vielen wichtigen politischen Unterhand- 
lungen, deren wir aus nichtbayerischen Quellen Kenntniss haben, in den 
bayerischen Archiven Nachrichten und Belege fehlen, oder dass doch die 
vorhandenen diplomatischen Correspondenzen sehr lückenhaft sind. Theil- 
weise erklärt sich diese Thatsache aus der Lage Bayerns und des bayerischen 
Hofes im österreichischen Erbfolge-Bjrieg. Vor den anrückenden Schaaren 
Menzel's und Trenk's mussten wiederholt die Archive geflüchtet werden, 
und da der Kaiser selbst immer wieder den Aufenthaltsort zu wechseln 
genöthigt war, stand es auch um die Erhaltung der laufenden Geschäfts- 
akten schlecht Ein anderer Grund der UnvoUständigkeit des geschicht- 
lichen Materials ist jedoch in dem Umstände zu suchen, dass eine Menge 
Correspondenzen, Vertragsentwürfe etc. im Besitz der Minister und Dip- 
lomaten verblieben sind. Denn weit weniger als heute wurde damals der 
amtliche Charakter solcher Schriftstücke gewahrt, wesshalb auch in den 
amtlichen Correspondenzen häufig genug die Privatverhältnisse der Für- 
sten wie der Gesandten zur Sprache kommen. 

So fand ich im schriftlichen Nachlass des Grafen Josef Franz von 
Seinsheim, der im gräfl. Familienarchiv zu Sünching verwahrt wird, unter 
anderen wichtigen Staatspapieren aus dem vorigen Jahrhundert die Cor- 
respondenz Karl Alberts mit dem als Gesandten in Mannheim, Frankfurt 

11* 



74 

und im Haag thätigen Grafen aus den Jahren 1738 — 1743, also gerade 
jener wichtigen Periode, da Bayern den Versuch wagt, sich zu euro- 
päischer Machtstellung aufzuschwingen. Da diese 43 vom Kurfürsten 
und nachmaligen König und Kaiser theils eigenhändig geschriebenen, 
theils doch unterzeichneten Briefe für die Geschichte der Anfange des 
österreichischen Erbfolgestreites des Wahlkampfes und der Friedensunter- 
handlungen zwischen den europäischen Mächten werthvoUe neue Nach- 
richten bieten, und die Bestände eines Familienarchivs nicht jederzeit und 
für Jedermann zugänglich sein können, scheint mir die Veröffentlichung 
dieser Schriftstücke, wozu mir der 1871 verstorbene Graf Max Erkinger 
von Seinsheim in liberalster Weise Erlaubniss gewährte, eine dankens- 
werthe Aufgabe. Die Wichtigkeit der Briefe für uns wird dadiirch erhöht, 
dass sie, auch die nicht von Karl eigenhändig geschriebenen, nicht aus 
den Geschäftszimmern eines Kanzlers oder Conferenzraths ausgingen, son- 
dern, wie dem Eingeweihten schon die eigenthümliche französische Dik- 
tion verräth, den Fürsten selbst zum Verfasser haben, uns also über seine 
eigenen Ansichten, die seinem politischen Verhalten zur Richtschnur dienten, am 
Besten unterrichten. Und wie zur Aufklärung seiner politischen Stellung, 
so sind sie auch ein interessanter Beitrag zur Charakteristik des Fürsten, 
und wenn wir darin vor Allem immer wieder die egoistischen Interessen 
einer fürsthchen Hauspolitik betont sehen, so ist dies charakteristisch für 
das ganze Jahrhundert. Unsere Briefe gelangten, wie es scheint, aus- 
schliesslich durch Kuriere an den Ort ihrer Bestimmung, während die 
gleichzeitig an den Gesandten gerichteten amtlichen Schreiben, die das 
k. Staatsarchiv zu München verwahrt^ (Originalschreiben des Churfürsten 
Carl Albert an den Grafen von Sensheim, insbesondere das Ableben Kaiser 
Carls VI. und die bayer. Hausrechte betr. 1739 — 41) durch die Post be- 
fördert wurden. Letztere Schreiben behandeln im AUgemeinen die näm- 
lichen Angelegenheiten, aber ohne die eingehenden und vertraulichen Mit- 
theilungen, die sich in imserer Sammlung finden. Einzelne Worte, nament- 
lich Eigennamen, sind chiflErirt, doch ist die Entzifferung von kundiger 
Hand in allen Fällen nebenangesetzt. 

Ueber den Inhalt der Briefe, sowie über die Persönlichkeit des Em- 
pfängers seien nur einige wenige Worte gestattet. 

Josef Franz Graf von S. stammt aus dem alten fränkischen Geschlecht, 



75 

das mit den Schwarzenberg gleichen Ursprung hat. Die Seinsheimische 
Linie war zmn Protestantismus übergetreten, Friedrich Ludwig conver- 
tirte aber und liess sich in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts in 
Bayern nieder. 1705 wurde die Familie von Josef L in den Reichs- 
grafenstand erhoben. Des ersten Grafen Söhne waren Josef Franz imd 
Adam Friedrich, nachmals Fürstbischof von Bamberg und Würzburg. 
Nach den Depeschen des österreichischen Agenten .Baron Widemann aus 
München wäre Josef Franz, der unter Max Josefs III. Regierung Obrist- 
Stallmeister, dann nach Preysings Tod 1764 Obristhofmeister und zu- 
gleich Präsident des Conferenzraths wurde, schon von lange her der 
Rival Preysings, wie sein Bruder gut österreichisch gesinnt und ein An- 
hänger der Jesuitenpartei, insbesondere des P. Stadler gewesen. In der 
Zeit jedoch, aus der die Briefe Karl Alberts stammen, war Seinsheim von 
österreichischen Sympathien weit entfernt, wie dies nicht etwa bloss aus 
den Schreiben an seinen Landesherm, sondern auch aus der Privatcor- 
respondenz mit seinem Bruder, mit dem Kanzler Braidlohn, mit dem 
bayerischen Gesandten Baron Wetzel in Dresden etc. hervorgeht. 

Im Jahre 1738 war er kurbayerischer Gesandter am Hofe zu Mannheim. 
Gleich der erste Brief Karl Alberts vom 18. Jäner 1738 ist für die 
Geschichte der zwischen Bayern und Oesterreich wegen des künftigen Erbfalls 
schwebenden Unterhandlungen überaus wichtig. Da S. selbst mit Friedrich 
Karl, Fürstbischof von Würzburg, aus dem Hause Schönborn, nach, ver- 
wandt war und sein Bruder Adam Friedrich als Domprobst in der 
Bischofsstadt grossen Einfluss besass, wurde er von seinem Fürsten beauf- 
tragt, den Bischof, soweit es angemessen scheine, in die Ansprüche Bayerns * 
auf die österreichische Erbfolge einzuweihen und seine Verwendung am 
Wiener Hofe zu erbitten. „Ich schätze den Bischof von Würzburg vor 
allen Fürsten des Reichs und wünsche sehnlich seine Freundschaft zu er- 
werben, er ist ein helldenkender Kopf, und gerade weil ich ihn für einen 
echten deutschen Patrioten halte, hoffe ich, dass er sich entscheiden wird 
für ein echt deutsches Haus, welches das Seinige dazu beitrug, um die 
ersten Bande zu knüpfen, die das hl. römische Reich bildeten, welches 
zu allen Zeiten seine zuverlässige Stütze war, welches von so vielen 
Päpsten die festeste Säule unserer Kirche genannt wurde, dessen Ver- 
dienste dem ganzen Reich wohl bekannt sind, dass er — sage ich — 



76 

sich zu Gunsten dieses meines Hauses entscheiden wird und nicht für ein 
Hatis, das stets als ein fremdes angesehen wurde, das aus einem fran- 
zösischen sich in ein italienisches verwandelte und nun durch eine zweite 
Metamorphose sich in ein deutsches verwandeln möchte. Die erstaun- 
liche Grossmuth aber, womit mich der Wiener Hof auf Peru vertrösten 
will, (Karl VI. hatte nämlich darauf hingewiesen, der bayrische Kur- 
prinz könne einmal eine Tochter der Maria Theresia heiraten, während 
der Kurfürst für seinen Sohn imi die Hand der Schwester Maria There- 
sia's, Maria Anna, warb) lässt mich nur wünschen, dass ich schon in 
seinem Besitze wäre, um es ebenso grossmüthig an jene abzutreten, welche 
man auf unsere Kosten bereichern will.** Auch später war Seinsheim 
der Vermittler, durch welchen der Würzburger Bischof, als die von ihm 
begünstigte Sache des Erzhauses sehr schlimm stand, auf eine Versöhnung 
Bayerns mit Oesterreich hinzuwirken suchte. 

Vor Allem aber war es Aufgabe des Gesandten für die Erhaltung 
der freundschaftlichen Gesinnung des Kurfürsten von der Pfalz für das 
stammverwandte Haus Bayern Sorge zu tragen. Karl Philipp war der 
treueste und eifrigste Anhänger seines Vetters und liess seine Pläne nach 
Kräften und, was besonders werthvoll war, offen und und ohne Schwan- 
ken unterstützen. Es war am 15. Mai 1724 zwischen den beiden ver- 
wandten Höfen ganz in der Stille ein Vertrag vereinbart worden, der 
eine vollständige Umkehr der seit dem 14. Jahrhundert befolgten Politik 
der pfälzischen und der bayrischen Linien des Wittelsbachischen Hauses 
bedeutete; es wurde zum Erstenmal das allgemeine Hausinteresse hervor- 
gehoben und seine Förderung als Aufgabe aller Familienglieder anerkannt. 
Karl Philipp hielt auch trotz aller Schwankungen der inneren und äus- 
seren Regierungspolitik an diesem Bündniss fest. Desshalb liess ihm Karl 
Albert sofort alles Wichtige mittheüen, was sich in Wien oder Versailles 
ereignete, wo die Verhandlungen zwischen Fleury imd Törring endlos 
sich hinzogen. Auch die Beziehungen zum französischen Gesandten am 
Mainzer Hofe, Blondel, dem zum Meister in der Diplomatie nur das 
ruhige Blut fehlte, werden in der Correspondenz erörtert. Nicht die un- 
wichtigste Rolle darin spielen Eheprojecte aller Art. So erfahren wir, 
wie im Februar 1739 gelegentlich eines Unwohlseins der Kaiserin allerlei 



77 

Pläne ausgeheckt wurden, wie man dem hochbetagten Kaiser eine neue 
Gattin gebe. 

Vom 22. April 1739 bis 3. Februar 1741 zeigt die Correspondenz 
eine Lücke. Der Brief vom letztgenannten Datum enthält für den Gesandten 
den Auftrag, sich nach Ehrenbreitstein an den Hof des Kurfürsten von 
Trier, eines Bruders des Bischofs von Würzburg, zu begeben, um diesefi 
am eifidgsten die Interessen Maria Theresia's und ihres Gatten unter- 
stützenden Fürsten mit der Candidatur des Bayern zu befreunden. Zu 
dem Behufe wird ihm auch die Instruktion des Grafen Königsfeld, der 
mit der gleichen Mission nach Mainz ging, mitgetheilt. Sie offenbart dia 

Gründe, die Karl Albert für seine Bewerbung aufstellte. Falls an den 

• 

Gesandten die direkte Frage gerichtet werde, ob sich sein Herr um die 
Kaiserkrone bewerben wolle, habe er zu antworten: Diese Würde sei im 
Hause der Witteisbacher nicht neu und von bayerischen Fürsten immer 
auch mit Würde getragen worden; fiele die Wahl des CoUegiums auf 
seinen Herrn, so dürfe man ebenso wenig an seinem patriotischen Willen 
zweifeln, wie an seiner Kraft, die Ruhe im Reiche aufrecht zu halten und 
den vordem so oft gestörten Frieden zu sichern. 

Noch war im Frühjahr 1741 die Sachlage derartig, dass Grossherzog 
Franz mit Sicherheit auf eine Mehrheit der Wahlstimmen hoffen konnte. 
Die Stimmen von Mainz, Trier, Sachsen, Braunschweig und Böhmen schienen 
ihm gesichert, und der Bruder Karl Alberts, Kurfürst Clemens August 
von Köln, schwankte, wollte seinen Bruder nicht verletzen und mit dem 
Erzhause nicht brechen. Da war es für die Bewerbung Karl Alberts von 
hoher Wichtigkeit, dass der Pfölzer Vetter so imerschütterUch an der einmal 
gegebenen Zusage festhielt. „Ich kann gar nicht ausdrücken'', schreibt 
daher Karl Albert (16. März 1741) an Seinsheim, „welche Genugthuung 
ich empfand, als ich eine so bestimmte und so angenehme Antwort meines 
theuren Kurfürsten erhielt. Zeitlebens werde ich ihn als einen wahren 
Vater und den theuersten und zuverlässigsten "aller Freunde ehren." Er 
lässt ihm nun sein politisches Glaubensbekenntniss enthüllen, d. h. er 
bekennt sich offen zur Abhängigkeit von der Haltung Frankreichs: „Was 
die Massregeln betrifft, die zu ergreifen, um meinen gerechten Ansprüchen 
Geltung zu verschaffen, so versichern Sie dem Kurfürsten in meinem 
Namen, dass in erster Linie mein Bestreben immer darauf gerichtet sein 



78 

wird, an unsrer Union festzuhalten, und da-ss in zweiter Reihe alle meine 
Massnahmen von Frankreich abhängen. Ich werde nichts ohne Mitwissen 
imd Beistand Frankreichs unternehmen, sei es dass es zur That kommen, 
sei es dass der friedliche Weg nicht verlassen wird, wofür sich aber nicht 
die geringste Aussicht bietet. Desshalb bin ich sehr entrüstet über den 
Uebermuth, womit man in Wien auszustreuen oder sich selbst nur vorzu- 
spiegeln wagt, dass ich im Stande sein könnte, ein üebereinkommen ohne 
Wissen des französischen Cabinets abzuschliessen: mag da ein Engel oder 
ein Teufel zu mir kommen, ich werde ihn entweder gar nicht anhören 
oder ihn geradenwegs zum Herrn Cardinal schicken, damit er sich dort 
die Ansicht hole." Zur Befestigung der freundschaftlichen Beziehungen 
zwischen den beiden Höfen wurde die eheliche Verbindung des Neffen 
Karl Alberts, Herzog Clemens, mit der kurpfalzischen Prinzessin Maria 
Anna, die in der Geschichte des bayerischen Erbfolgestreits eine so bedeut- 
same Rolle spielen sollte, vereinbart; die Unterhandlungen über den Ehe- 
kontrakt führte Seinsheim. 

Entscheidend für den Ausgang des Wahlkampfes war der durch 
Bellisle's Künste und Drohungen bewirkte Umschlag . am Kur-Mainzischen 
Hofe. Die Nacjiricht vom 6. August 1741 an Seinsheim, dass die Main- 
zischen Minister die Wahlstimme ihres Gebieters für Bayern zugesagt 
hätten, verdiente zwar noch nicht Glauben, da gleichzeitig dieselben 
Minister auch dem Grossherzog Aussicht auf die Mainzische Stimme er- 
öffneten und den König von Polen dringend zur Bewerbung aufforderten, 
„um die bayerischen Machinationen zu nichte zu machen". Aber einige 
Wochen später (4. September, 1741) kam der Vertrag zwischen Bayern 
und Mainz wirklich zu Stande, und am 29. September 1741 kann Karl 
Albert seinem Vetter auch mittheüen lassen, dass der Vertrag mit Sachsen 
zu Frankfurt sub spe rati unterzeichnet sei. Für Sachsen sei eine Ent- 
schädigung aus Ländern der Grossherzogin vorbehalten, dagegen verzichte 
es zu Gunsten des Pfalzischen Hauses auf die Anwartschaft auf Jülich 
und Berg, und ebenso sei der König von Preussen zu solchem Verzicht 
bereit. Dagegen waren auch die letzten Versuche der Kaiserin Amalie, 
einen Vergleich zwischen ihrem Schwiegersohn und dem Wiener Hofe zu 
vermitteln, erfolglos. Der Kurfürst besorgte, es sei nur darauf abgesehen, 
den Argwohn seiner Freunde wach zu rufen und fiir die ungarischen 



79 

RüRtungen Zeit zu gewinnen. „Die positivste Antwort, die sie erwarten 
können, werde ich ilmen geben mit den Waffen in der Hand, wie es die 
Gerechtigkeit uAd die Nothwendigkeit erheischt." (28. August 1741). 

Der Feldzug, der für Bayern so verhängnissvoll werden sollte, hätte 
nicht unter günstigeren Auspicien beginnen können. Ohne auf Wider- 
stand zu stossen, konnte bis Linz vorgedrungen und hier die Huldigung 
der oberösterreichischen Stände entgegengenommen werden. Wenn auf 
den Fall von Linz imd Ens nicht der von Wien erfolgte, so verdankte 
die Hauptstadt ihre Rettung nur der Eifersucht der französischen Staats- 
männer und Generale, die den Bundesgenossen Frankreichs nicht so 
mächtig werden lassen wollten, dass er in seinen Entschlüssen und Plänen 
nicht mehr abhängig von Frankreichs Gönnerschaft gewesen wäre. Er 
wurde gezwungen, den Krieg nach Böhmen zu spielen, um dieses König- 
reich zuerst zu erobern. Auch hier war ihm das Kriegsglück anfanglich 
überraschend günstig, am 26. November wehten auf den Wällen der alten 
Wenzelstadt die weissblauen Fahnen. Der Bericht über den nächtlichen 
Sturm auf die Stadt, den der neue König von Böhmen (5. Dezember 1741) 
an Seinsheim zur Mittheilung an Karl Philipp gelangen liess, giebt ein 
klares, übersichtliches Bild des Kampfes und macht uns mit mehreren 
bisher unbekannt gebliebenen Einzelheiten vertraut. 

Die nächsten Briefe beschäftigen sich fast ausschliesslich mit den 
Vorbereitungen zum Hochzeitsfest, das in Mannheim gefeiert werden soll, 
und zum Wahlaktus in Frankfurt, wobei Seinsheim neben Graf Königs- 
feld als zweiter bayerischer Bevollmächtigter thätig war. In einer Haupt- 
quelle zur Geschichte des merkwürdigen Wahltags, den vermuthlich von 
einem Franzosen herrührenden Memoires sur Telection de l'empereur 
Charles VH, wird die staatsmännische Klugheit des Gesandten rühmend 
hervorgehoben. Es war sicherlich keine leichte Aufgabe, die immer wieder 
auftauchenden Regungen von Missgunst und Eifersucht der Vertreter der 
übrigen deutschen Mächte niederzuhalten, um der Bewerbung Karl Alberts 
die Bahn zu ebnen. Welche Hebel dabei in Bewegung gesetzt wurden, 
ist in mehreren Briefen an Seinsheim dargelegt. Endlich schien Dank 
der energischen Verwendung König Friedrichs eine Stimmen -Mehrheit^ 
bald darauf sogar eine einhellige Wahl gesichert. Mit allem denkbaren 
Pomp sollte der Tag, der die erste Krone der Christenheit i?vieder an das 

Abh. d. III. Gl. d. k. Ak. d. Wiss. XIV. Bd. I. Abtb. 1 2 



80 

Wittelsbacliisclie Haus bringe, gefeiert werden. ,, Jetzt ist nicht Zeit, an's 
Sparen zu denken!" (21. Jäner 1742) Desshalb ist jetzt nur noch von 
Prachtkarossen und Galakleidern und Silbergeschirr die Rede, — aber 
bald mischen sich in diese Festklänge die traurigsten Nachrichten über 
Vorgänge in den eigenen Stammlanden des zum Kaiser ausersehenen 
Fürsten. „Seit die Feinde die Grenzen überschritten haben", schreibt 
dieser an S. (8. Jäimer 1742), „wüthen sie im Lande, obwohl das Corps 
Minuzzi's und Segur's sich noch in Linz hält; sie brennen und sengen, 
wo sie können, und folgen gar nicht dem Beispiel, das ich ihnen gegeben 
habe; ich weiss wohl, dass sie sich nicht behaupten können, aber das Land 
ist augenblicklich von Truppen entblösst, und bis solche kommen, wird 
es ruinirt sein." Hätte sich das Kriegsglück einige Wochen früher 
auf Seite der Oesterreicher gewandt, so würde sich die Wahl zu Frank- 
furt doch noch zu Gunsten des Gemahls der Maria Theresia entschieden 
haben, so urtheilt der competenteste Beobachter, Friedrich von Preussen. 
Wie bedenklich auch trotz der nunmehr festen Verbindung des Mainzer 
Cabinets mit dem bayerischen Bewerber und des energischen Widerstrebens 
Friedrichs gegen eine neue Bevorzugung des österreichischen Hauses die 
bayerische Sache unmittelbar vor dem Wahltag anzusehen war, erhellt 
aus dem Briefe vom 14. Jänner 1742: „Es ist wohl wahr, dass man die 
Lothringischen im gegenwärtigen Augenblick nicht hindern kann, Bayern 
zu verwüsten und sogar noch weiter vorzudringen; dessenungeachtet ist 
aber zu erwägen, dass es nicht bloss für mein Interesse, sondern auch 
für das Wohl des Reichs nichts Schädhcheres geben könnte als einen 
neuen Aufschub der Wahl, da es ohne Zweifel später nicht mehr so glatt 
ablaufen, sondern wahrscheinlich zu einem Schisma kommen würde, wo- 
durch das Reich in seinen Grundvesten erschüttert würde. Der Einfall 
der Lothringischen in Bayern darf daher die Wahl nicht verzögern, 
sondern muss sie vielmehr beschleunigen, denn, sobald ich Kaiser bin, 
werde ich, dem nichts so innig am Herzen liegt als die Ruhe und Wohl- 
fahrt des Reiches, selbst der Erste sein, der die Vermittlung des Reiches 
imd Frankreichs anruft. Alsdann wird mit vereinten Kräften die Gross- 
herzogin ohne grosse Mühe zu einem bilUgen Vergleich gezwungen werden, 
widrigenfalls ihr in Aussicht steht, aus allen österreichischen Landen ver- 
jagt zu werden, die sie ohnedem nur wider alles Recht in Besitz hat. 



81 

"Wenn sich aber im Gegentheil das Reich von Frankreich lostrennen würde, 
inüsste daraus ein endloser, blutiger Krieg entstehen, und schliesslich 
würde man doch zur Erkenntniss kommen, dass der Grossherzog niemals 
Kaiser werden kann, — der ganze Aufschub könnte mithin nur die 
schlinmien Absichten der Grossherzogin fordern und unter allen Um- 
ständen das Reich aufs Ernstlichste gefährden." 

Die Vertagung wurde verhindert, die Wahl nahm den gehofften 
Verlauf, die Krönimg wurde mit seltenem Glanz und Pomp gefeiert, — 
aber die Erwartungen, die Karl an diese Erhöhung geknüpft hatte, ver- 
wirklichten sich nicht. Zwar schien sich ihm noch einmal das Kriegs- 
glück, das ihm im vorigen Jahre so hold gewesen, wieder zuzuwenden, 
sein mächtiger Bundesgenosse Friedrich erringt den glänzenden Sieg bei 
Czaslau, worüber er dem Kaiser vom Schlachtfeld aus kurzen Bericht 
erstattete, den dieser hinwieder dem Kurfürsten von der Pfalz mittheüen 
lässt (20. März 1742). Aber der Friedensschluss von Breslau belehrt 
unmittelbar darauf, dass der König von Preussen nur reale Politik im 
eigenen Interesse treibe, nicht aber dazu die Hand bieten wolle, dass der 
Kaiser die durch so viele staatsrechtliche Deduktionen erläuterte und in 
den Tagen des Glücks von so Vielen bereitwillig anerkannten Ansprüche 
auf die österreichischen Erblande durchsetze. Zwar unterhielt Friedrich 
nach wie vor mit Karl VIT. gute Beziehimgen' und bot seinen Beistand 
zur Vermittlung mit dem Wiener Hofe an, rieth ihnii aber ohne Umschweife, 
auf den Besitz Böhmens gegen Wiederherausgabe Bayerns zu verzichten. 
Auch England und Holland schlössen sich diesen Ausgleichsunterhandlungen 
an, und da sie in erster Reihe im Haag mit Lord Stair und Graf Otto 
Podewils, dem Preussischen Gesandten, zu führen waren, und mittlerweile 
Graf Seinsheim als kaiserlicher Botschafter nach dem Haag abgeordnet 
worden, enthalten unsere Briefe darüber die wichtigsten Aufschlüsse. Der 
Kaiser war jetzt bereit, seine antipragmatischen Ansprüche fallen zu lassen. 
Die Aussicht, Böhmen behaupten zn können, war fast geschwimden, seit 
die Franzosen nur noch auf den Besitz von Prag eingeschränkt waren 
imd auch die Behauptimg dieses Platzes immer schwieriger wurde. Bellisle 
selbst hatte hinter dem Rücken des Kaisers Verbindung mit dem Wiener 
Hof angeknüpft, und in einem Schreiben Fleury's war angeboten,* die 
französischen Truppen ganz aus Böhmen zurückzuziehen. Namentlich 

12* 



82 

desslialb war Karl YII. gar niclit abgeneigt, sein Bündniss mit Frankreich 
zu lösen, doch forderte er entsprechenden Ersatz für die Herausgabe 
Böhmens und den Verzicht auf die übrigen österreichischen Erblande: 
Vergrösserung seiner Hausmacht, wie sie der Würde entspreche, die ihm 
ja auch von Friedrich und Georg übertragen worden. Er wies darauf 
hin, dass es auch dem Interesse der beiden Könige wie des ganzen Reiches 
entspreche, weim er selbstständig sich ebensowohl gegen Oesterreichs 
Angriffe behaupten, wie von Frankreichs Protektorat losmachen könne. 
Was er über letzteren Punkt sagt, ist ein bedeutungsvolles Argument 
gegen die Verpflichtungen, die sich Karl angeblich im sogenannten 
Nymphenburger Vertrag gegenüber der Krone Frankreich auferlegt haben 
soll. „Wenn Lord Stair", schreibt er (18. Juli 1742), „zu Ihnen sagen 
wird, es sei absolut nöthig, dass ich mich yon Frankreich trennen könne 
lind wolle, so erwidern Sie ihm, es sei kein Zweifel erlaubt, dass mir, 
dem Kaiser, einem Fürsten aus einem echt deutschen Hause, das alle 
Jahrhunderte hindurch eine Stütze des Reiches war, das Wohl dieses 
Reiches vor Allem am Herzen liege, und dass dies das Ziel sei, wonach 
all mein Wünschen und Handeln ringe; dass ich auch recht gut wisse, 
wie vortheilhaffc es für das Reich, mit den Seemächten in gutem Einver- 
nehmen zu stehen; dass ich also gern zu jeder Zeit Alles thun werde, 
um diesen Frieden zu erhalten, und ganz und gar die Grundsätze meiner 
Vorfahren theile; dass ich das Herz auf dem rechten Fleck habe, wie es 
sich nicht bloss für das Oberhaupt des Reiches, sondern für jeden guten 
deutschen Patrioten zieme; nie darf man besorgen, dass ich mich in 
Verbindungen einlasse, die jenem Ziel entgegenstrebten. . . Sie können 
auch noch beifügen, dass Sie wohl wissen, wie ich allen Grund hätte, 
mit dem Benehmen Frankreichs unzufrieden zu sein, dass ich an diese 
Macht durchaus nicht so gebunden sei, wie man gewöhnlich annehme, 
und dass mir Frankreich selbst schon genugsam Gelegenheit gab und 
geben wird, mich zurückzuziehen, ohne damit einen Treubruch zu 
begehen, den ich mir mein Leben lang noch nie zu Schulden kommen 
Hess. " 

Es war aber insbesondere dem Cabinet von St. James in Wahrheit 
nicht darum zu thun, einen billigen Friedensschluss zwischen Karl und 
Maria Theresia zu vermitteln, sondern der Kaiser sollte nur mit Frank- 



83 

reich entzweit werden, damit diese Macht gänzlich isolirt werde, es ging* 
ja der überschwengliche Plan Lord Stair's auf nichts geringeres hinaus, 
als Frankreich den Gnadenstoss zu geben und England die Führung der 
continentalen Politik in die Hände zu spielen. Desshalb verlangte man 
auch von Karl den Verzicht Böhmens, ohne die Herausgabe Bayerns imd 
sonstige Entschädigung des Kaisers garantiren zu wollen. Dagegen ver- 
wahrt sich nun Karl mit aller Bestimmtheit (1. August 1742). „Mit 
meinem Ruhme wäre es eben so wenig vereinbar, wie mit meiner Vater- 
landsliebe, wenn ich nicht bloss auf die Länder und Staaten, die ich zu 
Beginn des Feldzugs zu meinem Eigenthum gemacht, schliesslich wieder 
verzichten, sondern auch meines eigenen Landes beraubt mich sähe, meines 
Landes, das nur zu viel schon gelitten hat, beraubt mich sähe einer 
Heimat! Würde ich nicht aus einem Kaiser ein Landstreiclier ? ein Fürst 
ohne Land ? Und das nicht wegen Verlusts von Festungen und Schlachten, 
nicht wegen der wandelbaren Laune des Kriegsglücks, sondern nur durch 
einen Vergleich, wenn man überhaupt diesen Namen dafür verwenden 
dürfte und wenn ich so unglücklich sein könnte, auf so etwas einzu- 
gehen. ... Es kann und muss Lord Stair genügen, was ich ihm sagen 
liess und auf Manneswort betheuere : dass ich mich von Frankreich trennen 
kann und will, unter der Bedingung friedlicher Räumung meines Landes 
und Ueberlassung eines anstossenden österreichischen Gebietes mit den 
Grenzfestungen." Was Lord Stair dem Kaiser bewilligen wollte, war 
nichts besseres als ein Phantom: es sollte aus Lothringen, Elsass und der 
Freigrafschaft ein Königreich gebildet werden, dies wäre ein genügender 
Ersatz für die bayerischen Lande, die mit Oesterreich vereinigt blieben. 
Des Anspruchs auf das väterliche Erbe sollte Karl sich begeben gegen 
Anwartschaft auf ein Reich, das erst erobert werden musste, denn dass 
die Franzosen es nicht freiwillig aufgeben würden, lag auf der Hand. 
„Er muss ein Wüthender, ein Verrückter sein", urtheilte Friedrich über 
den Lord (Droysen, Geschichte der preussischen Politik, V, S. 1 8), „ solche 
Projecte sind ohne Sinn und Verstand!" Aber damit noch nicht genug, 
der Engländer verlangte noch schimpf Höhere Demüthigung des deutschen 
Reichsoberhaupts : Karl sollte nicht bloss auf fernere ünterstützimg Frank- 
reichs verzichten, sondern seine eigenen Truppen zur pragmatischen Armee 
stossen lassen, um seine Helfer und Verbündeten, die Franzosen, zurück- 



84 

zutreiben. Solchen Vorschlag konnte Karl nur mit Entrüstung von sich 
weisen. Am 6. August 1742 schreibt er darüber an Seinsheim: „Sie 
können dem Lord Stair mein Befremden ausdrücken, dass man mir einen 
Vertrag zu unterbreiten wage, der einem jeden ehrlichen Manne wider- 
streben müsse und noch weit mehr also einem Fürsten meines Hauses, 
einem Oberhaupt der deutschen Nation, mir, in dessen Adern nicht das 
Blut eines Verräthers rinnt! Man muss ehrliche und wichtige Gründe 
haben, um Kriege zu beginnen, und ich habe den gegenwärtigen Krieg 
nicht begonnen, ohne die Gründe reiflich erwogen zu haben. Jetzt aber 
Frankreich mit Krieg überziehen, aus dem einzigen Grunde, weil es sich 
in misslicher Lage befindet, das wäre nicht nur nicht ehrlich, sondern 
von meiner Seite geradezu eine Ungerechtigkeit sonder gleichen, da jene 
Macht doch nur um meines Vortheils willen imd in der Vertheidigung 
meiner gerechten Sache in solche Lage gerathen ist. Der Lord möge 
wissen, dass ich nicht ein Dorf an Frankreich als Lohn ver- 
sprochen habe, dass diese Krone nur um meinetwillen sich in den 
Krieg einliess. Es ist wahr, durch seine Unthätigkeit imd Lauheit gab 
es mir gerechten Grund zu Missvergnügen, obwohl es mich nicht so ganz 
im Stiche Hess, als man glauben möchte, aber dessenungeachtet, wenn ich 
mich in dem einen oder anderen Fall gezwungen sähe, Partei zu nehmen, 
müsste es immer unter Bedingungen sein, die sich mit meiner Ehre 
Tertragen. " 

Im Widerstand gegen solche Zumuthungen wurde Karl befestigt 
durch die Besserung der militärischen Lage. Prag hielt sich auf's Rühm- 
lichste gegen alle Stürme, Frankreich schickte bedeutende Streitkräfte an 
die Donau, wo sich die Reste der kaiserlichen Truppen mit ihnen ver- 
einigten, eine grosse Armee unter Maillebois deckte Frankfurt. Dessen- 
ungeachtet war Karl bereit, unter den nämlichen Bedingungen wie An- 
fangs die Hand zum Frieden zu bieten. Sein Land müsse ihm wieder 
eingeräumt und zum Königreich erhoben werden, dazu sei aber auch 
der Besitz der Grenzfestungen Eger, Kufstein und Passau erforderlich, 
dessgleichen die Arrondirung durch Pfalz-Neuburg und Sulzbach, deren 
Besitzer anderweitig zu entschädigen wären. „Falls man Ihnen wieder 
von Elsass und Lothringen sprechen sollte **, weist er seinen Gesandten 
am 27. September 1742 an, „so können Sie dem Lord Stair versichern. 



85 

dass es mir zu grosser Befriedigung gereichen würde, wenn Lothringen 
von Frankreich an das lothringische Haus zurückgegeben und dieses 
wieder dahin verpflanzt würde." Namentlich die Forderung, dass die 
genannten Festungen an Bayern fielen, stiess auf Widerstand und machte 
die Waffenstillstandsunterhandlungen scheitern. Karl betont desshalb wieder- 
holt, wie es ja doch für den Schwächeren nöthig sei, sich gegen Angriffe 
des Stärkeren zü decken, und nicht umgekehrt, und desshalb seien diese 
festen Plätze nicht bloss Bayern nöthig, sondern dem ganzen Reich, da 
sein Kaiser erst dadurch gegen Bedrückung und Ueberfall des mächtigeren 
Nebenbuhlers gesichert sei. Ihm sei unbegreiflich, warum denn die See- 
mächte ihr Interesse so energisch und beharrlich mit demjenigen des 
Erzhauses identificirten. „Der Grossherzog hat selbst das Anerbieten 
gestellt, er wolle alle französischen Truppen ungehindert abziehen lassen, 
— damit ist doch an den Tag gelegt, wie wenig dankbar und erkenntlich 
er gegen England, dem ja folgerichtig alle diejenigen feindlichen Streit- 
kräfte, deren jener sich um jeden Preis entledigt, auf den Hals gezogen 
wären. Wenn das am grünen Holz geschieht, was kann am dürren 
erfolgen? Daraus können ja doch gewiss die Seemächte ersehen, wie wenig 
sie auf die Freundschaft Oesterreichs bauen können und wie viel besser 
sie fahren würden mit einem treuen Freund, imd der würde ich ihnen 
sein, wenn sie meinen Staat wieder in Ordnung bringen, denn diesen muss 
ich natürlich wieder besitzen, um überhaupt meinen Freunden nützen zu 
können." Nochmals präcisirt er seine Bedingungen dahin: „Unter allen 
Umständen wäre um der Sicherheit meines Landes willen der gut ver- 
bürgte Besitz von Passau, Eger und Kufstein unumgänglich nöthig. Damit 
wäre aber erst eine Grundlage für vorbereitende Unterhandlungen ge- 
wonnen, da ich niemals mich zufrieden geben könnte ohne eines von 
beiden, entweder das alte Königreich Böhmen oder ein neues Königreich 
Bayern. Im letzteren Fall wäre aber zur Aufrichtung eine genügende 
Vergrösserung nöthig, wozu sich Neuburg und Sulzbach am geeig- 
netsten darbieten. Wenn es sich darum handelt, eine Schranke zwischen 
den zwei kriegführenden Mächten zu ziehen, würde sich am besten dazu 
die Ens schicken, da das Land bis dahin vormals schon zu Bayern gehört 
hat, und es könnten dann beide Parteien, jede auf dem ihr zugehörigen 
Ufer^ Festungen anlegen." Unter allen Umständen aber sei nicht daran 



86 

zu denken, dass er als offener Feind Frankreichs auftrete. „Nichts kann 
mich bewegen, mich so gemein gegen einen Freund zu benehmen, der 
mir zu Hilfe kam, denn ich bin ein anständiger Mann und nicht fähig, 
einen Anderen schnöd zu hintergehen. Aber wenn sich auch darin meine 
Gesinnung gleich bleibt, so habe ich doch wenigstens niemals nöthig 
gehabt, meine Zuflucht zu niedriger Handlungsweise zu nehmen, einem 
Bersasque, Kammerdiener des Cardinais, zu schr.eiben (wie es mein Vor- 
fahr auf dem Kaiserthron gethan hat), um mich dem französischen Hof 
verbindlich zu bezeigen." 

Man sieht, die glücklichen Erfolge der französischen und kaiserlichen 
Waffen bheben nicht ohne Einfluss auf die Wünsche und das Auftreten 
des Kaisers gegenüber seinen angeblich zu Liebesdiensten erbötigen Geg- 
nern. Am 9. Oktober kann er hocherfreut die Befreiung seiner Haupt- 
stadt, die Erlösung seines Landes melden. Jetzt, da der Feldzug sich 
günstiger für Frankreich zu gestalten schien, wurden die alten Mittel von 
Seite der Seemächte wieder hervorgesucht, um den Verbündeten Frank- 
reichs misstrauisch zu machen, aber ohne Erfolg. „Wenn Lord Stair 
Ihnen gesagt hat", schreibt Karl (9. Oktober), „er habe Beweise in Händen, 
die mich überzeugen könnten, dass Frankreich für sich Frieden schliessen 
und mein Interesse dabei aufopfern wollte, so erwidern Sie, ich müsse 
sie selbst zuvor sehen, um diese üeberzeugung zu gewinnen." 

Schon in den letzten Tagen des Oktober nahm aber der Krieg wieder 
für den Kaiser und sein Land eine unglückliche Wendung. Maillebois 
zog sich plötzlich vor den Truppen des Grossherzogs aus Böhmen nach 
der Oberpfalz zurück, unter Umständen, die wohl erkennen Hessen, dass 
ihm an der Behauptung der Position in Böhmen nicht viel gelegen war. 
Da mithin auf Ersatz nicht mehr zu hoffen, musste Bellißle Prag auf- 
geben und zog sich noch rechtzeitig imd glücklich aus dem gefährlichen 
Netz. Dazu kam noch, dass im Dezember auch die Staaten von Holland 
den Beschluss fassten, die Sache der Königin von Ungarn durch Truppen 
und Subsidiengelder zu unterstützen. Die Wirkung des Beschlusses wurde 
aber gelähmt durch den Widerstand des Pensionärs von Dortrecht, der 
die Erklärung abgab, in solchen Angelegenheiten sei ein einfacher Majori- 
tätsbeschluss ohne Rechtskraft. Aus unseren Briefen erhellt, wie diese 
Opposition aus einer engen Verbindung des Hochmogenden mit dem 



87 

Kaiser, bezw. dessen Gesandten abzuleiten. Leider fehlen uns die zwischen 
dem 18. November 1742 bis 17. Februar 1743 vom Kaiser an Seinsheim 
gerichteten Briefe, die insbesondere desshalb von erhöhter Bedeutung 
wären, da in jenen Monaten von England und Preussen die Entschädig- 
ung des Kaisers durch säkularisirte geistliche Fürstenthümer in Anregung 
gebracht wurde. 

Das Schreiben vom 17, Februar 1743 zeigt keine wesentliche Ver- 
änderung der Situation. Noch dauern die Unterhandlungen wegen eines 
Waffenstillstands fort, noch hält der Kaiser an der Forderung; Ohne 
Räumung Bayerns kein Waffenstillstand! fest. Noch glaubt er wenigstens 
einen Theil der früher erhobenen Ansprüche geltend zu machen, er sei 
ja nicht der erste Erwerber dieser Rechte, könne also auch nicht im 
Namen seines Hauses verzichten, und überdies sei er es der Ehre des 
kaiserlichen Namens schuldig, nicht wie ein Bettler auf fremde Hilfe und 
Unterstützimg angewiesen zu sein. Da sich nicht mehr er>yarten Hess 
dass Oesterreich in eine Abtretung von Grenzgebieten an Bayern willigen 
werde, zog der Kaiser vor, den Gewinn der österreichischen Niederlande 
in Betracht zu ziehen und diese als Ausgleichsobject in Vorschlag zu 
bringen. Aus manchen Gründen konnte er hoffen, dass dieser Verlust 
dem Wiener Hof weniger empfindlich sein werde als jeder andere. Aber 
auch der neue Antrag wm'de begreiflicher Weise von Oesterreich abgelehnt 
und von den Mediationsmächten ungenügend unterstützt, die Lage des 
Kaisers war ja misslicher denn je, die Zügel des Reichs entglitten mehr 
imd mehr seiner Hand. Während in den ersten Briefen unserer Samm- 
lung stolzes Selbstvertrauen und die Zuversicht auf kaiserliche Ehren und 
reichen Ländererwerb sich ausspricht, tönt aus dem letzten vom 2. März 
1743 die trübe Klage um das Vaterland, „das gänzlich zerstört ist und 
Schaden im Betrag von mehr als 30 Millionen erlitten hat." Und die 
Bemühungen des Wiener Hofes für des Grossherzogs Erhebung zum 
römischen König erscheinen dem bang Ahnenden nur Vorbereitung und 
Anfang neuer Verwicklungen zu sein, die ihn auch der letzten, der 
einzigen Errungenschaft berauben würden: des Kaisertitels. 



Abh. d. III. Cl. d. k. Ak. d. Win. XIV. Bd. I. Abth. 13 



Mmic ce 18. de J,ni 
eher comte de Sensheimb! Ce qae vons venez de m'envoier dr lu 
de Würzbourg, est de trop graude importanee, pour le Ijiisspr sm,- 
tronverez nies uotes en marge du projet d'accomodement, que voii- 
niqaer au dit Prince (aed snb rosa) et a fin qn'il Toie les chost>> -.r 
de clart^, iious n'avona uulle repugnance ä mettre nos droits :iii y 
que le retour du Comte Terrmg pour cela, comptant que l:i in..'- 
y pourroit bien doniier le plus de poids. J'estime le Prince il" 
SU8 de tous les Princes de l'Einpire, et ambitionue Sou amifi^. 
le regardant en vrai et bou Patriote Allemand, j'espere qu'il 
MaisoQ toute Ällemaude, qai a coiitribu4 du Sien pour i' . 
(compaginem Imperii), qui composoient le St. Kmpiro. ii" 
plus ferrae soutien, qui a ete regardee et nommee pur y 
la plus solide de notve Ste. Eglise, enfiu dont le nierit" 
l'Empire; d'avec une Maison, qu'on a toujours regiir' 
Fran^oise vient de se metamorphoser en Italienne et i|tij ■ 
voudroit aussy se readije ÄUemande. La graude <^<-\v . 
voudroit me donner le Perou. m'oblige ä un poiiit . 
le possesseur pour la pouToir ceder avec la mciiii> ■ 
richir ä nos depens. Si je n'avois poiut de '!>i 
cesso), la Maison «rAutriche doit assez ä ni;i .\' 
conuaissance , punctum gratitudinis, fasse, (|n ■ 
son preraier etre et par qui Elle a etö soul> 
predilection de la Maison de Lorrainne Vi; 
par uue nnion indissolnble, ou les trois |" 
tODJours le meme sang, ne seroit pas ii ; 
et attends sur ce point les avis eelaircs • 
par la, que je Iny suis tres-parfaitenieiii 
etroitteraent ä luy, et que pour \w 
nie joindre ä cette Maison pour Ii' 
qui regarde la ferme resolutioii '' ■ 
Etats, que la Maison d'Autriclie \' 
tout l'Empire et raoy tont le jn 
besoing, on connoit le m^rite ' 
l'Empereur nn Prince, qui n'.i ; 




89 

ä caution, paisse parier ainsi, lioc evenfus docebit, du moins ne scaarois-je mMroa- 
giner, par quelle raison le sang Autrichien y seroit plus aime et respecte que d'au- 
tres, qui en sortent par plus d'une voie et qui sont et ont toujours et^ bons 
Allemands. Voilä ä peu pres, sur quel pied vous pouvez repondre ä ce digne Eveque 
eu luy reiterant les assurauces de mon amitie et de la confiauce entiere, que je mets 
en luy. II est certain que si par ses bons offices les deux Maisoiis poürroient etre 
reunies, il rendroit le service le plus' important ä TEmpire et ä notre religion, qui 
jamais a ete rendu, c'est dont je prie Dieu qu'il vous aie toujours en sa sainte et 
digue garde. * Charles Albert Electeur. 

P. S. Allez un peu douceraent dans vötre lettre a TEveque sur ce qui regarde 
le Duc de Lorraine, car ce Priuce entre a present dans les Conferences et en seroit 
Sans doute informe, mais faites luy bien concevoir qu'nne attente de 4 ans de 
TArchiduchesse Marianne est bien plus naturelle et plus proportionee que celle de 
13 ans apres une princesse de Lorraine, qui seroit peut etre plus a propos pour un 
fils ä naitre de mon prince electoral. 

2. 

Munic ce 18. d'ottobre 1738. 

eher comte de Sensheimb! Par la votre du 7. de ce mois j'ai appris avec 
bien du plaisir que le Grand Charabellan Mrs. de Sickingen continue toujours a s'in- 
teresser pour le bien de ma Maison, c'est dont vous devez luy marquer de ma part 
ma juste recounaissance. Les avis du baron de Wachtendonc sur ce que dans les 
conjonctüres presentes, qu'il croit favorables pour un accomodement, je devrois avoir 
quelqu'un de mieux ä Vienne, sont tres-justes, mais pour ce qui regarde la personne 
du comte de la Perouse, il y a quelque jours que je viens avoir repouse d'une voie 
infaillible, ou je m'etois addresse pour scavoir, s'il convenoit que je reuvoie le dit 
comte de la Perouse ä Vienne, et si la personne etoit agreable en cette cour, on 
m'a repondu que s'etant informe aupres des gens, qui se trouvent au timon, on 
avoit appris que non seulement il s'aquittoit tres-bien de mes affaires, mais aussy, 
qu'il etoit tres bien vu en cette cour la, de sorte que sur le champ j'ai pris la re- 
solution de l'y renvoier, tont ce la n'empeche point que vous pouvez instruire la 
cour Palatine, comme quoi le dit comte menagera le mieux qu'il pourra les ministres 
de l'Electeur Palatin, que je luy ai donne ordre d'agir de concert en tout ce qui 
regarde les int^rets communs et de vivre en bonne intelligence avec eux. J'espere 
que de la part de la cour Palatine on donnera les memes instructions, et c*est ainsi 
que Sans faute ils seront Contents les uns des autres. Je ne doute point qu'en toutes 
les occasions vous continuez d'assurer Telecteur de l'amitie la plus tendre, que je 
luy porterai tonte ma vie, et que vous ne veilliez d'ailleurs, sur tout ce qui regarde 
mes interets. Soiez assure de ma bienveillance et je prie dien qu'il vous aie tou- 
jonrs en sa ste. et digne garde. Charles Albert Electeur. 

13* 



90 

3. 

Munic ce 14. de Novembre 17S8. 

eher comte de Sensheimb! J*ai va par votre derniere relation la confidence, 
que la Princesse Auguste vous a faite, et sur qnoy Elle fonde les esperances, inais 
ä vous dire. le vrai, je les crois chimeriqnes , ne connoissant aucuoe raison d*etat, 
qui devroit porter TEmpereur a ce choix ; quoiqüe je luy souhaitterai de tout mon 
coeur ce boubeur et voudrois bien qu'Elle obtient cette preference, dont Elle se 
paroit flatter ; pour ce qui regarde le grand Chambellan, c'est nn tres bouuete homme, 
dont la solidite m*est connue, ainsi je n'aurai jamais Heu de m'inquieter^ autant que 
je ponrrois compter sur son attacbement, que vous devez toujours cultiver le mieux, 
qu*il Tous sera possible ; j'ai aussy ordonne ä La Perouse d'agir de concert avec les 
ministres de la cour Palatine ä V^ienne, pourvu, qu'ils en agissent de meme, mais 
jusqu^ä present ils m'ont parn assez r^serves ä son egard, il ne faut dont pas s'etonner, 
si ä son tour il n*a pas ose se livrer autant, qu'il Tauroit soubaite. L'afFaire des 
trouppes de TElecteur de Cologne, que la cour a mise sur le tapis, paroit de grande 
consequence, et il faudra avant tout en voir le projet, car qui sait, si la ditte cour 
n'auroit point d'envie d'y mettre quelqn^autre condition au prejudice de l'Electeur 
mon frere ou de notre Maison; reste aussy ä savoir si la cour de France y voudra 
concourir par des subsides suffisants, mais avant tout il faudra assister le different par 
rapport au fort de Disseldorf , que TElecteur mon frere paroit avoir fortement ä 
coeur. D'aillenrs cette proposition seroit tres avantageuse, et je voudrois bien voir 
TElecteur de Cologne arme de fa90ny qu*il puisse mettre a labris de toute insulte 
les pays de Joillieve et Bergue, mais il faudra aussy luy fournir de quoy, pourque 
tout le fardeau ne retombe sur luy, et qu'il soit en etat de se souttenir ; vous devez 
donc demander la communication du plan, qu'on a fait, sans quoy je ne saurois dire 
mon avis, c'est aussy de cette fa9on, dont je m'expliquerai envers l'Electeur Palatin, 
que vous devez assurer autant de fois que vous en trouverez Toccasion , de Tamitie 
la plus sincere, dont je luy serai attacbe toute ma vie; que le bon Dieu vous aie 
toujours en sa ste. et digne garde. ^^^^^^^ ^^^^^ ^^^^^^^^ 



4. 

Munic ce 31. (janvier) de Van 1739. 

eher comte de Sensheimb! J'ai tres bien refu celle que vous m'avez ecrite 
du 24., avec la copie du traite par rapport ä la garantie de Vuti possidetis, le comte 
de Terring ne m'en avoit encore rien mande, mais comme une pareille pie9e ne sau- 
roit etre echappe a sa connaissance et que la cour de France n'aura non plus manque 
de luy en fair part, cbose que depuis nn certain tems Elle observe tres obligeuse- 
ment, je m'imagine, qu'il a diflFere de m'en ecrire jusqu'ä l'envoi du 1. courrier. En 
attendant vous faites fort bien de cultiver l'amitie de monsieur de Blondel, qui est 



91 

un ministre tres capable, et en credit tant ä sa cour qu'ä la Palatino. Dites luy 
de ma part que je luy suis enfinimeiit oblige de la conimunicatioD, qu*il a bien voulu 
Tous faire de cette importante piefe; qu'il peut etre assure du secret, et qne je le 
priais de vouloir tonjonrs continuer dans les meines sentiments ä mon avantage et 
ä celuy de toute lua Maison. J'attends de moment ä autre par un courrier la reso- 
lution, que le Cardinal aura prise par rapport ä la tutelle, et le plan, qu'ils f^uront 
dresse pour la souttenir, c^est pour ce-la et parce qu'il n'y a encore rien d'arret^ 
snr ce point que j^aurai quasiment doute du traitte signe le 13»^ si vous ne Tavezi 
de si bonne part, et ce-la d'autant plus qu'actuellement, et sur tont apres que le 
Cardinal a refuse de faire aretter le prince Ragozi, les ministres de TEmpereur et ceux 
de la cour de France ne. sont pas trop oontents les uns des autres. Le Baron de 
Wachtendonc est un tres aimable cavalier et un ministre des plus capables, qui a 
Tapprobation generale ä Vienne et connoit parfaitement la cote du pays. J'etois 
tres content des lumi^res, qu'il m'en a donne, et il m'a rendu justice disant qne je 
luy ai parle sincerement. J*ai voulu luv montrer par la que je suis sans reserve 
envers un ministre du mellieur de mes amis. Outre ce-la Tambassadeur de France a 
chante ses eloges a Paris, et assure le comte de Terring que Mr. de Wacbtendonc 
m'etoit veritablement attache. 

8i TOUS n'avez pas encore re9u une partie de vos paiemens, ce sera incessament, 
et soiez assure que je servis bien facbe de vous voir souffrir ce que votre applica- 
tion a me bien servir ne meriteroit nullement. Je prie etc. 

Charles Albert Electetir. 



5. 

Munic ce 22. d'Avril 1739. 

eher comte de Sensbeimb! Je ne scaurois vous exprimer suffisamment, com- 
bien*je suis sensible aux attentions de Mr. TElecteur Palatin; faites luy en de ma 
part les remercemens les plus sincdres; pour ce qui regarde le mariage, dont il vous 
a parl^, Timperatrice se trouvant entierement retablie il n'en sera pas question de 
si tot; La Perouse m'a mande comme une nouvelle, qui rouloit par la ville, qu'une 
des princesses de Sulzbach, la princesse de Lorraine, une de mes fiUes, et ma niece 
etoient sur le tapis; mais jusqu'ä present vous pouvez assurer TElecteur, que je ne 
me suis encore donne ancun mouvement pour ce-la, mes fiUes etant encore assez 
jennes, cependant comme ce bon gentilhomme aura selon toutes les apparences le 
choix de toutes les princesses de TEurope, ce n'est certainement pas un parti ä re- 
jetter en attendant quoique sur un cas tres eloign^. J'ai toutes les obligations ima- 
ginables a TElecteur sur la declaration remplie de bonte et d'amour pour moy et 
ma Maison, qu'il a bien voulu me faire faire par vous, comme entre de veritables 
amis il ni a jamais rien de cache, il peut etre assure, que je luy rendrois en toute 
occasion confiance pour confiance, le regardant toujours en vrai pere, dont la conti- 



92 

nnation d'amitie est ce que j'estime le plus dans ce monde. Vous avez recu par le 
comte Max Terriüg TattestatioD, que vous m'avez demande; j'ai aussy donne ä Unertl 
des ordres reiteres pour q\i'il acheve vos affaires. Par la poste d'aujourdhui j'ap- 
prends le depart de Colleredo, lequel a ce qu'on dit \a solliciter de nouveaux mois 
Romains, et commencera par icy; je ne manquerai pas de commuuiquer toute cbose 
ä l'Electeur; sur la nouvelle demande, qu'on m'avoit fait, d'envoier encore 4 Batail- 
lons et 1 regiment de cavallerie en Hongrie, je n'ai accorde qu' 1 battaillon et 1 
regiment de cavallerie a des conditions, qni n'ont pas ete trouvees acceptables de 
Sorte que cette negociation est entierement rompue, ä moins que CoUoredo n'ait ordre 
de l'entamer de nouveau , ce que je ne crois pas ; communiquez tout cecy a 

l'Electeur et je prie Dieu etc. 

Charles Albert Electeur. 



6. 

Munic ce 3. de Fevrier 1741. 

Cher c. de 8. Je crois que je ne scaurois envoier qnelqu'un ä l'Electeur de 
Treves , qui luy seroit plus agreable que son neveu ; c'est ä cette fin que je vous 
Charge de la meme commissiou, dont l'etoit le comte de Königsfeld, qui vons com- 
muniqnera aussy tontes les iustructious pour cette cour; je vous joius une copie de 
Celles, que j'ai ecrite de main propre au dit comte. Vous parlerez sur le meme ton 
ä Coblence, et agirez en tout de concert avec le ministre de France; c'est dont j'ai 
voulu vous charger, et rae remettant ä votre savoir faire, je prie Dieu etc. 

Charles Albert, 

Cher comte de Königsfeld! J'ay vu avec bien de la satisfaction dans votre 
derniere relation, que les partisaus du duc de Lorraine commen9ent ä balancer, et 
chancellent actuellement ; il n'y a donc pas de tems a perdre, et comme celuy d'ä 
present, par rapport ä la declaration deVEspagne, paroit le plus propre, il en faut 
profiter. Ainsi vous n'avez qu'ä faire usage des points compris dans votre instruc- 
tion, par lesqnels vous leurs fairez voir les obstacles invincibles, que ce prince ren- 
contreroit, et qui sont iusurmontables ; vous y ajouterez, qu'aujourdhuy, que PEspagne 
va faire la guerre en Italic, il y a presumer, que les etats de Toscanne seront les 
Premiers, dont l'Espagne fera la conquete, qu'ainsi ce prince. qui sans cela n'est point 
eligible, puisqu'il ne possede aucun etat de consideration dans l'empire', le deviendra 
bien moins encore, lorsqu'en perdant la Toscanne, ce sera un prince sans etat et 
sans pays, ni au dedans, ni au dehors de l'empire; vous n'oublierez pas non plus 
de faire et de faire faire de justes reflexions sur la Saxe, qui, si merae est catholique, 
que son electorat et etats sont reformes, et que par consequent il ne sauroit jamais 
convenir ä notre religion, puisque sur tout en cas de guerre de religion, l'empereur 
dont la seule personne ne sauroit etre d'un grand secours aux catholiques dans le 



93 

tems, que son electorat, ses trouppes et ses sujets comme archilutlieriens seroient 
contre nous; aiiisi parcourrant tous les pretendents de la couronne imperiale, vous 
tomberez snr le chapitre de Baviere et faisant voir les merites, que ma Maison s'est 
acquise anpres du st. empire, la Situation tranquille de mes etats, la faveur de re- 
ligion, les exemples, qu'il y a deja eu daus ma maisou , le nombre des trouppes, que 
Sans les partager je puis tenir sur pied, le zele, que j'ay pour le bien de Terapire, 
et en fin croyant, que je pouvois aussi bien qu'aucun autre me mettre sur le rang 
des competens, je veax esperer, que l'electeur de Mayenee ne voudra point m'etre 
contraire, et bien plus tot m'accorder son püissant suffrage, pour laquelle bienveil- 
lance je luy aurai une Obligation eternelle et ne manquerai pas de le reconnoitre 
tant envers Telecteur meme que toute sa famille pendant tout le temps de ma vie. 
Vous informerez mr. de Blondel de tout de^i et agirez en tout chose de con- 
cert avec luy. Apres ce premier coup d'essai j'attends vos avis, si vous croyez ne- 
cessaire que je fasse la meme demande par eerit; ne manquez pas de faire bien des 
compliments de ma part ä mr. de Blondel, Tassurant, que mettant toute mon espe- 
rance duns la protection et bienveillance du roy, et mon enti^re confianee dans son 
ministre, je ne doutois point qu'il voudra bien seconder mes voeux. II seroit bien 
necessaire que vous fassiez un tour ä Treves, mais comme je connois moy-meme la 
difficnlte, qu'il y a de vous absenter dans ce tems de crise, je vous ecrirai mes 
dernieres resolutions sur ce point l'ordinaire prochaine, priant Dien que etc. etc. 

Charles Albert. 

II y a encore une autre reflexion de consideration que vous devez relever a 
Mayenee, etant celle que dans le moment qu'on choisiroit le duc de Lorraine pour 
empereur, il faudroit entrer dans la guerre la plus sanglante, ce qu'aucun bon pa- 
triot AUemand ne pourroit conseiller au st. empire , apres les tristes exemples , que 
nous en avons, et ce qui conviendroit moins qu'ä personne aux electeurs ecclesiasti- 
ques, dont les pays courreroient peutetre plus de risque que ceux des autres situes 
au milieu de TEmpire. 



Mxmic ce 16 de Mars 1741. 

eher comte de Sensheimb, je ne scaurois vous exprimer la satisfaction, que j'ai 
ressenti, en recevant une si prompte et si agreable reponse de mon cber electeur, 
que je regarderai toute ma vie en vrai pere et comme Tami le plus tendre et en 
meme tems le plus constant, que jamais je me puisse souhaitter. Dites luy tout ce 
qu'on peut dire de plus tendre et de plus reconnoissant ; j'emploierai certainement 
tout le tems de ma vie ä prendre ses interets aussy bien que ceux de toute sa Maison 
a coeur, je me fairois gloire dans le devoir meme, qui m'oblige de les defendre, enfin 
si par le chemin, qu'il veut bien me tracer, je parviens ä la dignite supreme, j'y de- 



94 

pendrois toujours de luy et obligerai toate nia posterite d'entrer dans nos vnes com* 
munes, de ne jamais plus se separer de la maison Palatine, et de luy etre eternelle- 
ment redevable de tout ce qai nous peat arriver d'heureux. Pour ce qui regarde 
le porti a prendre ponr faire valoir mes justes pretensionR, assurez Telecteur de 
ma pari qa*en premier Heu ce sera toujours celuy de me teuir fermement a notre 
Union et qu'apres ce-la toutes me demarches ä faire dependent de la France. Je 
n^en fairai pas une sans leurs avis et secours, 8oit en procedant aux voyes de fait on 
amiables, auquelles il n*y a pas la moindre apparence. G'est pour ce-la que je me 
trouve extremement scandalise de Tinsolence, qu'ils ont ä Vienne, d'oser divulger on 
senlement imaginer par des mensonges execrables, que je puisse etre capable de songer 
a nn accomodement ä Tinsn de la France; si ce fnt un ange ou le diable meme 
qu'il m'envoient, il seroit certainement on point ecoute du tout ou envoie tont droit 
a Monsieur le Cardinal ponr y chercher sa reponse, et voila ce qne vous pouvez 
declarer par tout, oü vons le trouverez necessaire. Je scai et ils attestent meme de 
le dire publiquement, qu'ils ne peuvent ni veuillent pai* rapport ä Tindivisibilite en 
venir ä nn accomodement, raais ce qui est tres constaot est, que je leurs en defie 
d'etre plus eloigne que moy de Tenvie de s'accomoder qui vondroit les abimer , et 
n^attends ique le moment favorable pour ce-la. J'en viens ä la juste reconnoissance, 
que je dois aux deux ministres Palatins , le grand Chambellan comter de Sickingen, 
et le Chanceliier baron de Halberg, j*ai en tout tems mis ma confiance entiere en 
leurs probite et je ne me suis pas trompe. Vous pouvez donc en leurs faisant de 
ma part mille remercimens de plus obligeants les assurer que pendant tout le tems 
de ma yie je ne leurs refuserai jamais rien de ce qai pourra dependre de moy et 
que meme je serois toujonrs applique d'en prevenir les occasions, pour les convaincre, 
qne je ne puis jamais assez reconnoitre les bons Services, qu'ils ra'ont rendu aupres 
de Telecteur lenrs maitre. J'anrai bientot oublie le petit Sensheimb et ne scai s'il a 
part ä tont ce-cy, s'il a mal fait en renssissant, il merite punitiou, je la luy donne 
aussy en augmentant son entretien jusqn*a 1000 fl. par mois pendant ce tt>ms 
de crise, et Tassure, connoissant sa capacite et son zele pour mon Service, qne au9- 
sitot qu*il se presentera quelque occasion convenable, je le plasserai de facon qn*il 
n*anra pas Heu de se plaindre de mojr, c'est vous en dire assez pour que vons puissiez 
faire votre compte, si je suis on nc suis pas content de votre conduite. Continnez 
toujours de meme et sur tont chez Telecteur de Treve, pour lequel vous recevrez 
une de main propre. Je crois que vous devez prendre votre tems pendant le sejonr, 
qne le marechal de Belisle y faira, et suivre en tont ses avis eclaires, vons pourrez 
en meme tems Tassurer des sentimens d*estime et de confiance|, que je luy porte et 
qne scachant mon sort entre ses mains, j*en crois la reussite immancable. Je 
prie Dieu ete. ^^^^^^^ 



95 

(Einlage.) 

Hoehwürdigister Churfürst 

besonders lieber Hehr und Freund! 

Das Vertrauen, so gegen Euer Liebden hege, und iene hochachtung , welche 
selbe beim Römischen Beich billich haben, verursachen, das g^en Euer Liebden in 
anligendten schreiben, auch meines gesuchs wegen, aufs umbständig eroffiie, und 
deroselben solches bestens und so mehr angelegentlicher recommandire, als, wan Euer 
Liebden beytritts ich mich werde versichert halten konen, ich in meiner auslangung 
mir alle gutte hoffhung machen darff. Versichre hingegen selbe Service voUkommendt- 
lieh zu tragen, und unauslöschliche erkandtlichkeit unveränderlich in aller ergebenheit 
verharrendt. München den 27. März 1741. 
Euer Liebden 

dienstwilligst und von herzen ergebenste Freund 

Carl Albrecht. 

8. 

Nymphenbourg ce 1. de Juiliet 1741. 

eher CO. de Sensheimb! Sur oe que vous me mandez, que Telecteur souhaite 
avoir une de mes chanteuses pour Topera, qu'il est intention^ de faire representer ä 
Toccasion du prochain mariage du duc de Sultzbach, vous pouvez l'assurer que n^aiant 
rien au monde dans mon pouvoir, qui ne soit ä son service, je me fais un plaisir 
enfini de luy envoier une de mes chanteuses, et croiant qae la Bavarese etoit la 
meilleure, je luy ai feit insinuer sur le champ de se tenir pr^te au preinier ordre; 
aiant aussy appris, que Corestini etoit destine pour la meme opera, je Tai refus^ ä 
Pisani, qui me Tavoit demande pour Venise, de sorte que Tune et Tautre sont ä la 
disposition de la cour Palatine. J*auroi soin de pourvoir aussy ä vos a&ires et soiez 
assure, que je reconnoitrai en tout tems les bons Services^ que vous me rendez, priant 
Dieu qu'il vous aie etc. Cf^^^ ^^j^^^^ 

9. 

Munic ce 8. de Juiliet 1741, 

eher CO. de S. J*ai vu par celle, que vous avez ecrite ä Terring, comme quoy 
il serait fort ä propos, que le duc Clement fit la finesse ä la princesse en arrivant 
quelques jours avant sa fete; je vous avois deja prevenu en cette pens^, de sorte 
que le dit Prince arrivera infiAilliblement quelques jours avant ; pour ce qui regaide le 
ceremoniel, je ne pense point qu^il y puisse avoir la moindre difficult^. Ce prince 
etant fils unique du pauvre Ferdinand entra absolument dans les traces, luy a suo- 
ceder en tout, et ne scauroit avoir d^autre rang, que feu le duc a eu, ainsi je ne luy 
ai point donne d^autre instruction, que celle de ne jamais demander plus que son 
pere a eu, esperant qu'on ne luy refusera nulle part les memes honneurs, c*est sur 
Abh.d.III.Gl.d.k.Ak.d.Wi88.Xiy.Bd.I.Abth. U 



96 

qnoy aiant Texemple devant soj on ne scanroit avec raison faire la moindre diffi- 
cult^, 81 contre tonte attente il j en avait, marqnez le moi sans parte de tems par 
nne estafPette. J^ai en reponse de Corestini, qni sera ici an commencement d*aont et 
attendra les ordres de Telectenr ponr se rendre ä Manheimb et apprendre 8on role. 
Je prie etc. etc. (if^^^j^^ ^^j^ 

10. 

Munic ce 6. d'aout 1741. 

eher CO. d. S. La relation dn comte de Eönigsfeld est trop importante et 
Interesse trop le bien de la canse commune, pour qae je n'en donne part anssytot 
ä mon eher electenrl Vous Iny demanderez donc nne andience secrete et Iny con- 
fierez de ma part, qne les ministres de Maience m'ont actuellement assnre la voix 
de lenr maitre ponr la dignite imperiale. Gomme c^est ä l'electeur Palatin, qni a 
devance tons les autres, a qni je dois le premier fondement de tont mon bonhenr, 
vons Iny en temoignez tonte ma reconnaissance , et ne scanriez trouver de termes 
assez forts ponr la Iny marqner, mais qne le tont raste ancore en secrete, les mi- 
nistres de Maience Taiant extremement recommande. Je ne pnis vons ecrire qne ces 
denx mots, etant ä. la veille de mon depart et par consequent snrcharge d'affaires. 
Je prie Dien etc. C?Aarfc5 Albert 

11. 

Hcuxg ce 14. d'aout 1741, 

eher CO. de S. J'ötais veritablement charme d'apprendre par la votre, que le 
duc Clement a en le bonhenr de s'attirer les bonnes graces de l'electear, Tamitie 
d'nne belle et aimable princesse et Tapprobation de toute la cour. Par rapport au 
mariage, vons scavez et ponvez en assurer Telecteur qne c'est lä mon plus grand 
desir, ne soahaitter rien au monde avec plns d'empressement qua da con solider par 
de nonveanx liens de sang et d'eterniser Tetroitte reunion, qni regne entre les 
denx Maisons, de sorta que je n'hesiterois pas un moment ä vous munir d'un plein 
pouvoir ponr faire la demande en forme de ma part anpres de l'electeur, que le duc 
Clement demanderoit en meme tems en personne, et j'attends sur ce point de votre 
part, de quelle facon la cour Palatine, c'est a dire avec quelle solemnite eile veut 
que cö-la se fasse, comptant de faire revenir en suitte le duc Clement en Baviere 
jnsqu^au tems de noces ; c'est ce tems propre ä choisir sur lequel je vai m'expliquer. 
Je concois fort bien qn'il seroit plus commode ä la cour Palatine de faire las deux 
mariages ä la fois et par consequent avec la meme depense, je sai anssy que mon 
eher electeur auroit dans nn age aussy avanc^, qn'il se trouve nne double consolation 
par ce double mariage et j*entre par&ittement en toutes les raisons, qni de la part 
de la cour Palatine decident ponr nne prompte conclusion dn dit mariage, mais 
comme je suis sans reserve envers nn ami anssy intime que l'electeur Palatin, on 



97 

me permettra de parier aussy ä coenr oQTert et de dire les raieons, qui de mon cot6 
decident ponr an petit delai, a moins que la cour, oü Toas ^tes, troave moien de 
les leyer. La prämiere est la reflexion ä &ire, si an tems de gaerre est celay, qa^on 
doit choisir pour des noces? La seconde qae la meme raison, par laqaelle la coar 
Palatine sonhaitteroit faire les deax mariages ä la fois, m*engage k souhaitter qa*il 
8oit differe jasqa*ä celny de mon prinoe ^ectoral , et qaoiqae je cederois avec plaisir 
sor ce point an desir de Telecteur Palatin, je ne poavois point m'empecher de re- 
gretter Sment de ne pas poavoir y assister en personne, les conjonctares presentes 
ne permettent point qae je m'absente de mon armee. 4ment le preambale da tems, 
dans leqael nons noas troaverons, fait voir bien clairement, qae je ne me troave point 
en etat de faire de grandes depenses aiant celles, qoi doivent decider da sort de ma 
Maison sar les bras. 5ment. Par cette meme raison Tentretien des nonvaax maries 
deviendroit tres minse, ne poavant gaere y contribaer aa de la de Tappanage asite 
de ma Maison. La somme ordinairement destinee aax cadets n^est qae de 12 mill. de 
devoir et de bonne volonte tont aa plas de 20 mille fl. par an, et si meme par amitie 
poar mon nevea et en memoire de mon eher frere je faisais monter cette somme soas 
qaelqae aatre titre jasqa^ä 30 et 40 mille fl. Joint ä 12 mille fl. , qa*il a da pater» 
nel, il n^aoroit en toat qae 52 mille fl. de rentes annaeis, ce qni ne scaaroit saffire 
poar entretenir avec dignite sa Maison. 6. Comme le tems s^approche qae avec la 
grace de Diea et le secoars de mes amis je pais esperer an agrandissement de mes 
etats, oa je poarrais faire davantage, il est ä savoir, s'il ne vaadroit pas mieax d*at* 
tendre ce tems. 7. Scachant qae la grande mere da dac ne voudra rien contribaer 
poar le present, et qae de joar en joar on la dit moribonde, cette attente ne fairoit 
qae les mettre mieax aa liea qa'ä present il fairoit an triste debat manqaant da 
necessaire poar se soattenir d'ane facon digne de lears naissance. Si Telectear 
Palatin , soit moienant la joaissance da bien de la princesse , soit de qaelqae aatre 
facon ä moy inconna peat obeir a ces difficnltes, de sorte qae ces deax noaveaax 
maries soient en etat d'attendre an plas heareax k venir, sans se voir man- 
qaer de toat de le commencement, je me preterois avec le plas grand plaisir du 
monde an desir de Telectear, je passerai par dessas toates les aatres raisons et pre* 
fererai sans mentir la satisfaction de Telectear, qae j'honore en vrai pere et aime 
plas que moy meme ä la mienne. G'est dont voas pouvez Tassarer et lay faire toates 
les attentions d^amitie, qa'on peat exprimer. J*attends votre r^pport sar toat cecy 
et prie Diea etc. etc. ^^^^^^^ ^^^^^^ 



12. 

Munic ce 28. d'aata 1741. 

Ober CO. d. S. Comme je me sais assez expliqa^ dans ma precedente sar Tafiaire 
da mariage da dac Clement, je n*en veax plas faire mention et m'y refere sor tont 
par rapport aax reflexions, dont voas fiurez asage, lorsqa'il sera tems et toojoars de 



98 

facon, que la pretieuse sante de Telecteur ne coure pas le moindre risque de souffrir^ 

je Tous envoie donc le plein ponvoir et une lettre de Unertl, pour demander cette 

princesse et pour traitter le mariage. Le duc Clement pourra aussy la demander en 

personne et puis retourner en Baviere, oa il attendra le tems du mariage, dont on 

conviendra dans la suitte. D^ailleurs comme mes traitt^s aussy bien, que Tetroitte 

amitie, que j^ai avec ce eher electeur, m^oblige de luy communiquer toute chose, vous 

luy direz de bouclie de ma part, que la.grande duchesse a fait ecrire par deux con- 

riers tout de suitte par Timperatrice Amalie ä sa fille, qu^elle 6toit iiitentionee de 

faire des propositions d'accomodement, qu*a cette fin je n^avois qu*a choisir un en- 

droit et nommer moy-meme tel ministre des leurs, qui me conviendroit, qu on avait 

aussy informe la France de cette intention. Comme on ne s'est nnllement ouvert, 

en quoy pourroient consister les propositions et que je voiois bien, que ce ne seroit que 

pour amuser le tapis, pour gagner du tems, et pour me rendre suspect ä mes amis, 

j*y fait repondre que la chose seroit pour le present aussy prematuree qu'infrnctueuse, 

prematuree, puisque je ne scavois pas, en quoy pourroient consister ces propositions, 

infructueuse, puisque je ne pouvois ne voulois rien faire sans la participation de mes 

amis et allies, et si on s'etait de plus ouvert envers la France, j*en attendrais les 

avis, mais a fin que Timperatrice pnisse juger eile meme. si en tout cas les öftres 

seroient proportiones, je luy ai fait envoier quelques exemplaires de la deduction. Je 

ne me suis trompe sur leur mauvaise volonte, car le jour d'auparavant ils Tont fait 

mettre dans les gazettes et fönt actuellement conrrir des äcrits cerculaires, qui m^of- 

fensent de rechef. La reponse la plus positive, qu'ils peuvent attendrede moy, sera 

les armes ä la main, ainsi qu'il est aussy juste que necessaire. C^est dont vous fairez 

communication de bouche et je prie Dieu etc. 

Charles Albert 

13. 

Au camps ctEns ce 29. de septembre 174L 

Ch. c. d. S. Les devoirs de mon ^troitte union avec mon eher electeur m'ob- 
ligent de luy faire part par votre canal, que le traitte avec la Saxe a ete signe ä 
Francfort sub spe rati; par lequel moienant une indemnisation sur une partie des 
pays, ques la grande duchesse possede, il est oblige de renoncer ä son expectance sur 
Julliers et Berg en faveur de la maison Palatine, tant males que femeles. Je ne 
manquerai point de communiquer tout le traitte ä Telecteur et n'ai (en attendant 
pas voulu) perdre un moment de tems pour luy donner ce pregout d'avauce. Le roy 
de Prusse, avec lequel aussy le traitte est sign^, renonce aussy ä jamais aux dittes 
duchees, ainsi voila Telecteur et toute la Maison hors de crainte de ce cote, 
Priez en meme tems Telecteur de ne confier ce secret ä personne au monde. 
D*ailleurs je suis bien aise de vous marquer, que pour ce qui r^arde le mariage 
du duc Clement, je me soumets ä tont tant au tems qu'a la forme. Tout ce-la 
ne doit- pas vous faire perdre un moment de tems pour Francfort, oü vous 



99 

devez incessament paraitre en publique. J*y envoie trois de mes carosses avec les 
attellages, un officier de cnisine et son bon cuisinier; si tout cela ne seroit pas 
encore arrive, le comte de Eönigsfeld a assez de credit pour en commencer le train 
8ur mon coropte; le tout luy sera certainement bien rembours^; vous recevrez aussy 
tout ce que yods m^ävez demaud^, mais ue perdez point de tems. Informez vous 
anssy ce que la princesse aimeroit avoir en di9.mant, et dites au duc Clement, quMl 
ecrive ä la duchesse sa mere de tems en tems. Ci-joint une lettre, qui n'est pas trop 
bien faite comprenant une relation de mes Operations, je vous Venvoie teile qu'elle 
est,, pour que Telecteur en soit informe, Celles qui suivront, seroient plus regulaires. 
Je prie Dieu etc. (jj^^^^^ jjf,^^ 

Je crois qu^avec Konigsfeld vous pourriez faire maison ensemble. La lettre en 
question etoit si mauvaise, que je ne Tai pas voulu envoier. 



14. 

Au camp de 8t. Polten 

ce 20. d' ottobre 1711. 

Ch. c. d. S. Vous avez fort bien fait d'informer mon eher electeur de 
Talliance faite avec le roy de Pologne, eile Test dans la mellieure forme, et je suis 
encore dans Tattente sur rentiere conclusion de Celle du roy de Prusse. Le roy de 
Pologne m*a en outre donne sa voix par une lettre de sa propre main de la mardere 
la; plus obligeante. Si Jamals T^lection se termine en ma faveur, ne douttez point, 
qüe je me fairai un plaisir iniini de passer soit en allant ou en revenant chez mon 
eher electeur. Tenez bon autant que vous le pouvez pour ma charmante future niece, 
eile merite bien qu*on prenne son parti, ä present que la grande mere est morte ä 
ce qu'on dit eile sera beaucoup mieux, si tant est que la duchesse ne veuille chagri- 
ner contre rime et raison le pauvre duc Clement. Je donnerai le soiu ä Telectrice 
de faire faire une agraphe de brillant des pierreries, que mon pauvre frere, le duc 
Ferdinand, a laisse. Je vous joins icy un petit projet de lettre, qui sert de Journal. 
Les nouvelles deviendront bientot plus interessantes, puisqu^on dit que Neuperg s'avance 
vers nous. Tachez de finir bientöt Telection, j'ai les unanimes, mais je ne voudrais 
pas que Telection traine, je prie Dieu etc. 

Charles Alhert. 






• 






• • • • 



• •• 
V- 



y^ .- r 




100 

15. 

Munic^) ce 1. de novembre 1741. 

Gh. c. d. S. Vous ne scaoriez suf&sement ezprimer a mon eher electenr ma 
sensibilit^ de la part, que ce digne ami vent bien prendre ä tout ce qni me regarde ; 
assnrez-le de xna part que tont eyenement heureux, que j'attends de la bonte Celeste, 
ne servira qu^a me faire üne etnde tonte particnlidre et a emploier tons mes soins 
poar meriter son amitie, qni m*est d^nn prix infini. La tendresse, quMl marqne an 
dnc Clement, et Tempressement, qu'il temoigne ponr Taccomplissement des deux ma- 
riages ä la fois, m^y fönt concevoir avec d'antant plus de plaisir que Telectenr vou- 
lant bien suppleer pendant ce tems de crise ä ce que je devrois et voudrois faire 
de tont mon coeur, si ä present je me trouvois en etat, rendra le contentement des 
nouveanx maries complet, et calme entierement Tinquietude, quej^avois, qn^nne prin- 
cesse anssy estimable et aussy accomplie que Test la princesse Marie, n*auroit pas toute 
la satisfaction, qu*elle merite dans ie premier tems de son mariage; aussytot que le 
calme commeucera a se remettre, je ne manquerai pas de leurs servir de pere ä ma 
cour, en attendant je suis infiniment oblige ä Telecteur, de ce qu^il veut encore les 
garder en famille aupres de luy, ne pouvant etre mieux qu'entre ses bras et ä sa 
cour. Je ne manquerai pas non plus de faire demander aussytot la dispense ä la 
cour de Rome. Vous declarerez aussy ä Telecteur, mais sous le plus rigourenx secret, 
que le roy de Prusse, qui s'est deja engage de me donner la voix, demande de faire 
une etroite alliance avec moy. Le marechall de Bellisle aura dejas rendu compte de 
la bonne Situation des affaires de Julliers et Berg, ainsi j^espere que Telecteur Pa- 
latin aprouvera ce que j'ai conclu. La Saxe fait aüssy des avances. Si je trouvois 
anssy moien de m'ajuster avec eile, je compte que Telecteur y consentira de meme; 
ce seront tonjours autant d'amis de plus. Quant au roy de Prusse, nous nous sommes 
dejas donne la parole, qui entre gens de droiture vaut d'avance autant qu'un traitte, 
de Sorte qu'il n*y a plus a douter de la conclusion. Je parts mardy pour Tarmee 
et compte en tres peu de jours ouvrir la campagne du cote de la hautte Antriebe, 
c^est dont vous informerez aussy Telecteur de ma part^ je prie Dien etc. 

Charles Albert 

16. 

Au camp pres de Prag ce 24. de nw. 1741. 

Gh. c. d. S. Je ne crois point que vous pouvez yous absenter pour aller a 
Manheimb, saus quoy je serois bien ais^, que vous donniez part ä Telecteur, qn'enfin 
mon alliance avec le roy de Prusse a ^t6 conclue et que sa renontiation sur Julliers 

*) Die Ortsangabe könnte nur auf Schreibverstoss beraben. Karl Albert kam am Abend des 
1. November von Strengberg nach Ena. (Münchner Reichsarchiv; Hohenascbaner Archivalien, Feldzuga- 
diariom des Grafen Maz von Preysing 1741.) Ans dem Schlosssats namentlich aber erhellt, dass 
vielmehr die Zeitangabe nnrichtig nnd dass der Brief in die erste Woche des September einzureihen 
wfire, demnach als 13. Brief unserer Sammlung zu gelten hat. 



•• •••• • 



101 

et Berg en &yenr des deux sezes en est im point essentiel, je ne manquerai pas de 
commaniquer le tont h, Telecteur et je luy recoxnmends le secret et je prie Dieu etc. 

Charles Albert. 



17. 

Praag ce 5. de decembre 1741. 

Gh. c. d. S. Je yous remercie sar les compliments, ques yoas me faites par 
rapport a la prise de Praag ; il faut avoaer que c'^toit le conp de parti, ce qae les 
suites henreuses nons confirment de plus en plus. Noas avons eu en cette place 
plus de 100 pieces de canon et de 3000 prisonniers, entre lesquels au moins 70 of- 
ficiers. L'attaque s'est fait en 4 endroits, mais c*est lä fansse, qui nons en a facilite 
la reussitte. J^avois donne ordre de faire cette faDsse attaque ä nne henre aprds 
minuit aupres d'nn vieux retranchement , que j'ai fait occupper le premier jour en 
marquaut cette place. J'ai donne ordre, qu'on j fasse un feu continuel et terrible, 
ce qui fut aussy execute et attira presque toute la garnison, qui se donnoit toutes 
les peines du monde a repondre ä cette fausse attaque. C'est une heure apres, qui 
fut 2 heures, que j'etois convenu avec les Saxons d'attaquer en deux endroits, et 
j*ai donne ordre au comte de Saxe, que favois envoie avec un detachement d'environ 
3000 hommes de Tautre cote de la Moldave, d'attaquer ä la meme heare. Le tout 
fut trös bien execute, nos grenadiers montirent avec des echelles et trouverent de ce 
cote tres pen de resistence. Apr^ avoir pris poste sur les remparts ils enfoncerent 
la porte et la cavallerie entra. J*l y a eu quelques Bourgeois et soldats, qui ont fait 
mine de se defendre, qui furent tue, le reste se sauva tout de suitte et le comte 
de Saxe recu les clefs du commandant, qui apres avoir appris, que nos gens ^toient 
maitres de la place, se rendit prisonnier de guerre. On ne s'en coutenta pas, car 
comme la citadelle nommee le Fischerat etoit encore occapee de 3 ou 400 hommes, 
on obligea le gouverneur de donner un ordre par ecrit au comraendant du Fischerat 
de se rendre, ce qui fut execute, et la citadelle fut videe. Les Saxons tirerent beau- 
coup de leurs geschwindstuk et mirent par la Tallarme dans la ville de sorte qu*ils 
ont eu le general Miesbach et 13 soldats de tues et une trentaine de blesses, aiant 
essuie un feux assez considerable ils se rendirent pourtant maitres du Carlsthor et 
percerent pareillement dans la ville, de sorte qu'a ciuque heures du matin Praag etoit 
empörte. J'y suis entrö a 10 heures et y ai fait chanter le Te Deum ä la Cathe- 
drale, 3 ou 4 jours apres j'envoiois un dettacheraent avec le comte de Saxe pour 
decouvrir Tarmee ennemie dans Tintention de suivre avec la notre et de la com- 
battre, mais les ennemis fiirent tellement consternes de la prise de Prague qu'ils 
n*oserent nous attendre et se retirerent. Nous avons envoie Houlands Polonois 
apr^s eux, qui ont tue une cinquantaine de Housards et pris autant; depuis leurs 
retraitte leurs desertion augmente a un point, qu'il n'y a pas de jour qu'il en vienne 
plus de Cent; eile monte dejas ä quelque mille, ce qui vaut une bataille gagn^e, et 



• • •• • 

• • . • . •".;• 

• • • • • • • 

• • • a I» . 



102 

ai par rapport aiix subsistences et ä la saison avancee on n'etoit enipeche de les 
suiyre, tonte cette armee fngitiye seroit tres facile ä detruire totalement. Je vous 
fais ce petit detail ponr en informer Telecteur par un extrait, que rons en fairez; 
il est biei) vray qu^il fandroit envoier des relations toates les semaines, mais je ii*ai 
personne icy pour les faire et ä moy il me manqne le tems ponr ce-la. Qnant au 
contract de mariage du dnc Clement je n'en ai rien yu, sans quoy j*y aurois certai- 
nement repondu avec le plus grand empressement du monde, ne sonhaittant rien tant 
que ce mariage. En yoila assez pour anjourdhui. Pressez Telection, c*est ce qu^il 
y a le plus important pour moy, et je prie Dien etc. 

Charles Albert. 

P. S. Je compte me faire proclamer aprds demain et de fixer Thommage pour 
3 semaines, le couronnement ne pourra guere se faire qu'apr^s Francfort 



18. 

Praag ce 19. de decewbre 1741. 

Ch. c. d. S. J*ai In avec attention toutes les pieces concernantes le contract 
de mariage, dont jusqu*ä hier au soir qne votre Courier est arrive, je n^avois encore 
rien tu et ne puis m^imaginer par quelle mauditte negligence ünertl ne m^en a rien 
envoi^. Vous pouvez aller ä Manheimb, si vous le croiez necessaire, et que vous le 
ponvez sans que mon Service ä Franciort en patisse, et assurer mou eher electeur, 
que rien au monde ne me tient plus ä coeur que la conclusion de ce mariage, ma 
plus grande satisfeiction consiste ä serrer de plus en plus et par tous les moiens 
imaginables Tetroitte union, qui regne entre nos deux Maisons, et qui y doit regner 
eternellement. Comme je n'ai pas ea le tems de faire toutes .mes remarques sur le 
contract meme, je les ai faites sur les extraits de celuy du duc Ferdinand. Si on 
les trouve justes, et que la cour Palatine en est d'accord, comme je Tespere, on n*a 
qu*a remplir les plasses vides du contract et TafiGEiire sera finie. J'espere qn'il se 
passera tres peu de tems, qne je pourrai trouver un amplassement pour le duc Clement, 
et qu*alors les nonveaux mari^ seront mieux ä leurs aise, je croiis cependant qu^avec 
ce qu*elle a et ce que peüt-etre Telecteur Palatin youdra en attendant y joindre, ils 
pourront yiyre tres honorablement. D^aillenrs je ne scaurois assez yous repeter, 
combien il importe de finir bientot Telection, et fidtes connoitre ä la cour Palatine, 
qne c'est a eile quMl importe le plus. Conmie certainement je suis le mellieur amy, 
que Telecteur peut ayoir au monde, il ne fant pas qu'il doutte, qne paryenant ä la 
couronne imperiale je ne fasse tont pour luy, mais qu^il considere aussy qu^allors 
je send aussy plus en etat de le faire et plus efficacement, tant par rapport ä ses 
pretensions d^argent, qu'il a sur la maison d* Antriebe, que d*autres, je ne doutte donc 
nullement, qn*on pretera les mains ä une prompt« conclusion et prie Dien etc. 

Charles Albert. 



» * • » * 



103 

19. 

Praag ce 26, de deeembre 1741. 

Ch. c. d. S. Aiant appris avec bien da plaisir et de satisfaction qa'enfin le 

jonr de Telection est fix^ pour le 24. da mois qai vient, je me conforme avec plaisir 

a ce qa*on a projett^ par rapport aa coaronnement, et ce-la d^aotant plas qae j*at- 

tendrai Tissae de ce graad evenement aopres de mon eher electeor Palatin. Poar 

rendre la joye plas parfaitte ii*y aaroit 11 pas moien de differer de quelques jours les 

nooes, c'est ä dire jusqu'au 20. ou 21. ou 22., allors tont pourroit s'y trouver as- 

sembl^, ce qui fairoit une grande consolation ä noas tous, cependant je ne pretends 

g^ner en rien Telecteur, informez vous en sous maia et mandez moy la verite. La 

reine et le prince roial s'y trouveroit aussy et meme mes filles, si on les y sou- 

haittoit. J'attends votre reponse ä Munic, pour ou je parts apres demaiu, s*il plait 

ü Dieu et prendrai mon chemin par Dresden pour faire la gallanterie au roy de 

Pologne, et je prie Dien etc 

Charles Albert. 



20. 

Munic ce 6. de Van llf42. 

Ch. c. d. S. J'ai tu par celle, que vous avez ecrite hier quMl seroit difScile 

de differer le terme des noces jusqu'au 20. ou 21. Gomme je souhaitterois fort d'en 

etre, vous n'avez qu*a me mander, si peutetre je n'y serois pas incommode, et mar- 

qnez moy, quand en ce cas le jour restera fix^, je compte d*y amener la reine, mon 

fils et deux de mes fiUes, mais si peutetre il y auroit contre tonte attente quelque 

difficulte, mandez le moy par un courrier, car il ni a pas de tems a perdre. Rien 

au moude ne sera plus touchant pour moy et ne scauroit me fiaire plus de plaisir 

que de Yoir mon eher electeur et nos deux Maisons rennis, c'est que je souhaitte 

avec le plus d'ardeur, et ou je serai le mieux pour attendre Tissue de Telection et 

je prie Dieu etc. 

Charles Albert. 



21. 

Munic ce 6. de Janvier 1742. 

Ch. c. d. S. Comme je ne scaurois avoir de plns grande consolation et satis- 
faction que de me trouver avec mon eher electeur, et que je ne voudrois nullement 
que par rapport a moy les noces fussent differees, je m'y rendrai sans faute vers le 
15., 16. ou le 17. au plus tard pour y pouvoir assister le 18. de ce mois qui reste 
le jour fix^. Depuis que les ennemis ont forc^ les lignes, ilsravagent dans le pays; 
quoiqne le corps de Minuzi et de Segur est encore dans Linz, ils brulent ou ils 
peuvent et ne suivent point en ce-la Texemple, que je leurs ai donnä; je scai bien 

qa*ils ne peuvent pas s'y souttenir, mais le pais est depourvu de trouppes, en at- 
Abh. d. III. GL d. k. Ah d. Wiss. XIV. Bd. LiAbth. 15 



104 

tendant ils 1e ruinetit. Ce sera le cas, ou je prierai mon eher electeur de m'enyoier 

de secours, et aussy celuy, dans lequel j'espere que les ^lecteurs presseront d^autant 

plus Telection pour mettre au plntot fin a cette rage foarbare, qui leurs a fait choisir 

tont expres ce tems de Telection pour me mortifier. Apres relection Tempire s'eri- 

geant en mediateur coDJointement avec la France et les autres pnissances pourra y 

mettre bientöt le Holä et pourra faire faire la paix a des conditious equitables. 

Je prie Dieu etc. 

Charles Albert 



22. 

Creilsheimb ce 14 de janvier 1742. 

Ch. c. d. S, ' Je n'ai jamais eu d'autre idee par rapport au jour fixe pour les 
noces que le 18. de ce mois et anrois souhaitte, que les noces fasseut remises au 20. 
ou 21., mais aussytot que j'ai appris que le jour de Tentree de Telecteur inou frere 
etoit fixe pour le 20. j'ai d'abord pris la resolution d^accelerer mon voiage pour 
arriver avant le 18. Avant de monter en chaise j'ai appris que les noces devoient 
se faire le 15., mais comme les princesses etoient dejas parties, j^ai continue mon 
chemin dans Tesperance, qu'on s'en tiendra encore au 18. ou que, si les noces sont 
dejas faites j'arriverai, du moins le lendemain, qui est le goldene tag, a present arri- 
vant le 16 touji depend encore de Telecteur, lequel je prierai de ne point s'incommoder, 
ä faire de ceremonie avec quelqu'un, qui luy appartient entierement et qu'il veuille 
toujours se regarder comme un enfant de sa maison. La liste de la suitte a dejas 
et6 euToie, pour ne pas nous empecher les uns les autres, nous avons pris denx 
routtes diflferentes, les princesses sout parties un jour plustot, mais le tout arrivera 
eusemble. Elles en 5, et moy en 4 jours. J'ai bien prevu Tenvoi de la grande 
duchesse , on voit bien clairement qu'elle met tout en usage pour le tems de Telection 
dans Tesperance, d'y mettre quelque empechemeut, mais l'electeur de Maience y 
repondra, comme vous me dites, d'une facon, qui m*eachante et m'oblige au de la 
de Timagination ; il est bien vray qu'on ne peut guere empecher pour le present aux 
Lorrains de faire bien du degat en Baviere et meme d'y avancer, mais on scait bien 
que ce-la ne scauroit ^tre de duree; il y a aussy a considerer que non seulement 
pour mes interets, mais pour le bien de Tempire il ni auroit certainement rien au 
monde de plus ruinible qu'un nouveau delai de Telection, puis qu'allors non 
seulement eile ne se fairoit pas si tot, mais aussy il en naitroit indublitablement 
quelque schisme, ou bientot le sisteme de l'empire se trouveroit entierement boule- 
verse. Cette circonstance de Teruption dans la Baviere devroit bien plutdt accelerer 
Telection que la differer, car aussytot que je serai ein empereur, n'aiant rien au monde 
plus ä coeur que le repos publique et le bien de l'empire, je pourrois etre le premier 
a emploier moy meme la mediation de Tempire et de la France, allors des pnissances 
jointes eusemble il ne sera pas difficile de proposer ä la grande duchesse un acco- 



105 

modement raisouDable et de la menacer en cas de refus de la depoailler de tons les 
^tats, qnes sans cela eile possede injüstement. Si au contraire en cette oecasion Tempire 
se separeroit d'avec la France, il n*en naitroit qn'nne gaerre plus sanglante, qni n*auroit 
point de fin, et allors on verroit anssy bien qu^ä present, qne legrand duc nescanroit 
jamais convenir ponr emperear, et par conseqnent tont ce delai ne scanroit dtre ntil 
anx vices de la grande dnchesse et seroit tonjonrs infiniment minible aü st. empire. 
Faites voir cette lettre an comte de Eonigsfeld et convenez ensemble ce qn^en forme de 
disconrs vons en direz an ministre de Maience et antres et je prie Dien etc. 

Charles Albert. 

P. S. J'embrasse mon eher frere Telecteur de Cologne dn fond de mon coenr 
et me fais nne satisfaction infinie de luy marqner de bouche, combien je luy dois. 



23. 

Mannheim le 21. de janvier 1742. 

Cb. c. d. S. J'ai recu votre lettre, par la qnelle je vois qne les a&ires de 
Telection vont bien, je ne donte pas cependant qne les partisans de la conr de Yienne 
n^ayent ßiit tons lenrs efiforts ponr Tarchidnc et pentetre consei^'ent ils encore 
qnelqn'esperance secrete d'y renssir, quoique le moment en soit si prochain, qu'il 
fandroit nn grand changement ponr qn'ils puissent renssir. J*en ay la dessns ancune 
inqaietnde, et d'antant moins qne vons connoissez ma confiance dans Tamitie, le zele 
et le silence de m. le marchal de Bellisle, dont il me donne de nonvelles prenves a 
chaqne moment. 

Je reprends tons les articles de votre lettre, qne je repondray separement. 

Jl fant faire faire snr le champ et sans perte de tems 24 convertures de chevanx 
gallonnees d'argent et tont an plns riebe. Ce n'est pas dans de pareilles occasions 
qu'il fant aller ä l'oeconomie. 

A Tegard du Mantelkleid j'en fais faire icy nn riebe et nn noir. On travaille 
anssy icy ä nn mantean ponr Timperatrice. 

Je ne scay pas, qni a pn faire courir le brait, qne les ennemis avoient pris 
Vilsboven, lenrs boussards y ont fait qnelqnes conrses, mais n^y ont pas forme 
d'etablissement. 

J'ais vons prevenir snr les nonvelles, qni serepandront qne Ta attaque Scharding 
Sans Tavoir pu prendre. Le marechal de Terring s'est efifectivement presente devant 
cette place, mais comme les ennemis y ont six mille hommes et qn'il n^en avoit qne 
denx, il a jng^ apropos de se retirer jusqu'ä ce qu^un plns gros corps de tronpes, 
qn'il attend et Tait rejoint. Alors il attaqnera Scharding, je ne donte pas, qn*il 
n'enleve anx ennemis. Je m'attends bien qne les partisans dn grand dnc feront 
sonner fort haut cette espece d'evenement, snr leqnel vons serez assez instrnit ponr 

lü* 



106 

detrnire tous les bruits, qu'ils repandroientf et prevenir les maavaises impressions, 
qn*ils 8*efforc6roient de jetter dans les esprits. 

Je Yoas envoye nne liste des presents , qne j^ay destiue pour cette conr. Gomme 
YOüs la connoissez, yous jugerez, si la destioatiou est con^enable en egarde ä la Situ- 
ation presente. Yous me manderez ce qne vons penserez la dessns. Yons sentez 
bien qne par tontes sortes de raisoDS je venx faire les choses conyenablement, snr 
ce qne je prie Dien etc. qj^^^i^^ ^^j^^^ 



24. 

Manheim le 25. de janvier 1742. 

Gh. c. d. S. Je re^ois avec plaisir les temoignages de la joye, que vons donne 

rhenrenx evenement d^hier, et je snis bien persuade de tous les voeux, qnes vons avoz 

fait ponr me voir assis snr le throne imperial. Comme je connois vos Services et votre 

attachement pour moy je seray charme de vons donner en tont tems des marques de ma 

satisfaction et je prie Dien etc. 

Charles. 



25. 

Manheimh ce 28. de janvier 1742. 

Gh. c. d. S. Gomme enfin les choses seront pretes ponr le 31, je ne manquerai 
pas de faire mon entr^e ce meme jonr, j'enverrai anssy un gentilhomme au land- 
grave de Darmstatt, mais ce ne poürra etre qu'avec nne lettre de ma propre ^chan- 
cellerie, puisque celle de Tempire n*est pas encore arrivee ; en attendant il m'a dejas 
fait inviter et j'ai fait reponse de bonche ä son envoie; il m'a aussy offert un de 
ses princes pour servir ä table au courronnement et nne princesse pour porter la 
qneue, je ne scai, si puisque ce-la se fait dans Teglise, il ni auroit point de difticult^. 
Je serai fort aise de vous voir ä Darmstatt, etant de la derniere consequence et 
necessite de concerter les choses ensemble, pour qne tont aille comme il faut. Quand 
ä votre envoy en France, je ne scai, si daus les conjonctnres presentes je pourrai 
me passer de vous, ce que vous connoitrez mieux que personne, je ne Tai promis ä 
personne d'autre. Je voudrois aussy scavoir, ä qui je dois envoier pour la notifi- 
cation, de quel grade les personnes a envoier doivent ^tre, et quand je les enverrai. 
J'attends avec impatience la proposition de Telectenr de Maience pour un vicechan- 
cellier et j'espere, que ce sera Eönigsfeld ; depuis le depart de Golloredo j*ai ref u nne 
lettre interceptee de Bernclau ä luy Golloredo, de sorte qn^il^se trouve actuellement 
en correspondence avec mes ennemis. Je prie Dien etc. 

Charles. 
P. S. Ponr ce qui est de la proposition de mr. de Mnnchhansen je m*en 



107 

rapporte ä la reponse, qne je fais ä votre relation; comme je suis honnet homme, 
je ue la scaurois cacher ä la France, mais je coDsens avec plaisir qne Mr. de Munch- 
IiaDsen en previenne le marchal de Bellisle, au reste je suis enchante de la bonne 
volonte de la maison d'HannoYre. 



26. 

Francforte le 20. de may 1742. 

Ch. c. d. S. Je vous envoye ei Joint la premiere relation, que j'ay recui pai 
un courrier depecli6 de dessus le champ de bataille, par laquelle vous verrez, que le 
roy de Prusse yient de remporter sur les Autrichiens command^s par le prince Charles 
de Lorraine une victoire complete. Le marechal de Schmettau, que le roy de Prusse 
m'envoye, est charg^ de m'en faire les details, dont je vous feray instruire. Cet 
evenement important aura des suites, qui le seront encore d^avantage; mon premier 
soin sera d^en rendre ä Dieu de solemnelles actions de graces. 

Le roy de Prusse fait savoir que les ennemis marchoient sur Pragues et qu'ils 
etoient a Teutsch-Bogonow s'est determine sur le champ de marcher meme avant 
qu'il eut et^ Joint par le prince d' Anhalt vers Czaslaw le 16., et le 17. aux envisons 
de Guttemberg, c'est dans la pleine de Czaslaw, oü s'est donnee cette bataille le 17. 
Sur ce je prie Dieu etc. nj^ j 

Beilage. 

Du champ de bataille pres de Ceaslau) 

le 17. may ä 5 heures du soir. 

Le roy de Prusse ayant ete averty pendant la nuit que les ennemis marchoient 
ä luy, se depecha de mettre son arm^e en bataille d^s la pointe du jour et les at- 
tendit en bon ordre jusqu'a 8 heures du matin, que le combat commen9a. L^aile 
gauche de la cavallerie Prussienne s'est un peu ebranlee et Taile droite fit aussy 
un petit mouvement, qui fut occasionne par ce que les houssards auroient tournes 
l'armee et etoient tonibes sur les equipages, mais le desordre de la cavallerie dura peu 
et fut bientot retably par la bonne contenance de Tinfanterie et surtout par Celles 
du roy, qui s'est porte par tout et a donne ses ordres avec une fermete et une 
presence d*esprit admirable, de sorte que la cavallerie qui venoit de se remettre et 
rin&nterie ayant en meme tems Charge, leur deroute a ^te generale. Les deserteurs 
assurent, que Tarmee Autrichienne montoit ä 30000 sans compter les housards et 
les tolpaches. La perte de notre cot^ ne va pas a ce qu*on en peut juger ä 2000, 
mais Celle des ennemis paroit passer 6000 h. sur le champ de bataille sans comp- 
ter ce qu'ils perdront dans leur fuitte. On ne s'est par trop attach^ ä faire de pri- 
sonniers et je ne vois pas qu'il y en ait plus de 2000 jusques a present. U y a 
toute apparence qu'on en fera d'avantage on ne saura de meme le nombre de leurs 
blesses que demain ou aprös ä mesure qu'ils seront obligä de les laisser en se reti- 



108 

rant, mais il doli scnrement etre tres considerable, car le fen de rinfanterie Pnissienne 
a ete terrible. Les prisonniers viennent de dire dans le moment, qne le prince 
Charles est du nombre des blesses, le comte de Rottembonrg Test aussy dangereuse- 
menfc dn cote des Prussiens. Le Mareehal de Schmettan, qne le roy de Prasse en- 
TOje ä S. M. I., rendra un compte plus ^tendu, j'ecris cecy sur le champ de Bataille 
fort ä la bäte pour profiter du courrier. 



27. 

Francfort ce 18. de Juillet 174J2. 

Gh. c. d. S. J^ay vu par la votre du 13. de ce mois le discours, que vons a 
teuu le comte de Podewils tonchant Milord Stair, comme quoi celui-cy aimeroit assez, 
que vous entrassiez avec lui en commerce, ce que meme selon Tayis dn dit comte 
pourrait non seulement avantager mos interet, mais encore ponrrait-il le demander. 
Loin qne je sois d'un seutiment contraire, je pense meme, qa*il faut passer par des- 
sus tout ce, que faire se peut pour etablir une fois ce commer9e, dont le delai m*a 
dejas inquiete, dont Tetablissement me promet beaucoup de bon et an quel j^ai but€ 
dejas depuis plus longtemps. Le grand point en est, que vous menagiez en cette 
occasion, comme vous me promettez dejas, et comme votre savoir faire vous fera ef- 
fectuer avec aisance et une conduite tele, qai puisse etre ä Tabri de jaste reproches 
et d^ombrage du cote de la France. 

Le discours entame une fois par le mylord entrainera saus faate en matiere le 
point du moyen ou plan, sur le quel je pourrois penser me contenter. Vous luy 
ferez entendre ä ce sujet, que ce plan est tout trouve, et meme dejas connu au roi 
Britanique, puis que par abondance de confiance, qae j^avois en tout tems en lui, 
comme le prince de TEurope, que j'estime le plus juste et le plus eclaire. II a ete 
le seul des non alies, auquel je Tavois communiqu^ dejas l'annee passee, qae je re- 
gardois ce plan, fait entre les alies, pas moins raisouable, qu*il est juste, et equi- 
table, puis que j'avois desiste de bien des pais, qae mes justes pretensions toutes 
fois enfermoient. Au cas qu'il vous repliquoit, que ny plus ny moins la hache pa- 
roissoit ä TAngleterre etre jettee trop loin encore, vous pourriez lui faire entendre, 
que vous ne doutez pas, que malgre toute moderatiou, qui a dejas precede, je pour- 
rois bien pour Tamour du retablissement de la tranquillite publique me laisser por- 
ter ä mettre pour le present encore plus d'eau dans moD vin, que je n'ay dejas mis 
par le passe. Mais aa cas, qu'il touche la corde du Royaume de Boheme poar le 
sortir du plan, vous repliquerez, qu'il seroit bien dure et difficil, de me faire desister 
d^un morceau, pas seulement du total des plus importants, mais encore en egard ä 
mes droits, des mieux fondees, que je serois non seulement gnere d'humear, mais 
aussi guere en droit de m^en desister solidement et ä perpetuite au prejudice le plus 
enorme de ma future posterite. Au cas, qu'il y insiste, vous lui direz, qu'en tout 
cas il faudroit trouver des moyens de,me contenter par quelque equivalent et tel. 



109 

qni feroit nne angmeniation des .revenues ordinaires de la Baviere an moins de six 
Millions de fior. d'Alemagne par an. Des qaels (mes jnstes droits a pari) milord 
connoitra lui meme, j'anrai plus qne besoin tant pour maintenir avec la force reqnise 
les lois de TEurope, qae pour soatenir la diguite Imperiale avec tonter la splendeur 
requise, dignit^ qui engage a bien des depenses extraordinaires, et qiii donneroit 
et perpetneroit ä ma Maison la coiironne Royale, sans qnoi ou ne feroit 
jamais rien de solide, ny de stable entre la Maison de Baviere et la cour de Yienne, 
qui toutesfois, comme je ne connois que trop bien, doivent etre le plus solidement 
et le plus etroitement unis, pour pouvoir le rester ä jamais, et pour pouToir aspirer 
jamais ä T^et d'une stable tranquilite dans Tempire et dans toute TEurope. Ex 
hoc, peut on dire, pendet lex et prophetae. S'il yous parle peutetre, qu^il est ab- 
solument necessaire, que je puisse et que je veuille me detacher de la France, tous 
pouvez lui dire, qu'etant empereur et d'ailleurs d'une maison toute Alemande, qui 
pendant tout de siecles a contribue au maintien de Tempire, il ne devoit pas douter, 
que le bien du dit empire ^toit la chose, qui me tenoit le plus ä coeur, et que ce 
seroit lä le but, ou tendroient toutes les actions de ma vie, que par consequent, sca- 
chant, combien il importoit ä Tempire de vivre en bonu^ intelligence avec les puis- 
sances maritimes, je ne manquerai jamais de tout employer pour me la conserver 
et de suivre sur ce point les maximes des empereurs, mes predecesseurs , de sort 
qu^ayant le coeur place ainsi, que le doit avoir non seulement le chef de l'empire, 
mais comme chaque Bon Patriot Alemand, il ne doit jamais apprehendre, que je 
me laisse eutrainer en des liaisons contraires ä ce but. Yous prendrez le reste ad 
referendum. Je suis curieux de savoir bientot le resultat de votre conversation et 
prie le Seigneur, quUl vous ait dans sa sainte garde. 

Charles. 

P. S. Vous pouvez aussy ajouter ä ce qu'est dessus et dire de vous meme, 
comme quoi vous savez, que je n'ay pas lieu d'etre bien content de la conduite de 
la France, et que par consequent je n'y suis pas si attach^, qu'on le croit, et peut- 
etre m'a-t-elle dejas donne, ou me donnera-t-elle encore ässez d'occasion pour m'en 
degager sans donner la moindre atteinte ä la bonne foye, a la quelle je n'ay jamais 
mauquö de ma vie. Outre cela pouvez vous faire entendre a milord Stair, que si je 
savois me rendre agreable au roi Britanique par mes offices de mediation pour ap- 
planir le difFerent entre les deux couronnes d'Espagne et d'Angleterre, je me ferois 
plaisir non seulement de les lui offrir, mais aussy de les employer et les employer 

de mon mieux. 

Charles. 



110 

28. 

Francfort ce 19. de juillet 1742. 

Gh. c. d. S. Mes ordre«^ donnees en reponse ä votre relation en date du 13. de 
ce mois ^toient aar le projet de partir,} lorsqu'une relation alterienre de votre pari 
arriva, datee da 15. du conrrant, et apportee par courrier ce midy, dans le tems, 
que je voülais passer a table. 

La dite relation me &it le detail de Tentretien , que vous avez eu avec tni- 
lord Stair. 

J'ay eu plaisir d'apprendre, que vous vous etes abouches ensemble et j'en aj 
eu plus encore d^apprendre les sentimens, intentions et dispositions , dans les quels 
Selon les assuranoes du dit milord et du^comtede Podewils se trouvent les deux rois 
pour etre les mediateurs entre moi et la cour de Yienne. Cette mediation me sera 
toujours d*autant plus chere et agreable, que plus j^ose me flatter de Tamitie de dits 
rois, les quels en revanche je puis bien assurer de la sincerite de la mienne, et que 
plus je suis persuad^ de leur penetration et counoissance des choses, comme autey de 
leur justice et equite. Autant que j*ay a me feliciter sur toutes ces reflexions, au- 
tant ai-je aussi, pour dire 6omme je pense, ä faire entrevoir ma surprise, que je ne 
scaurais cadrer sur Tobjet, qu*on se forme d*un future accomodement , objet, qui ne 
roule, que sur nouvelle guerre], qui ne scauroit etre, que de tres longue duree, et 
dont rissue est bien incertaine, qui roule sur des pais premierement ä conquerir, et 
sur des pais, sur les quels je n*ay jamais eu rien ä pretendre, qui convieudroient en 
tout et de toute fa9on beaueoup mieux ä la Maison de Lo]*raine, leur ancien patri- 
moine en faisant partie, et que meme pour y aspirer j'aurois ä debuter par me de- 
faire de ceux, sur lesqnels j'ay les droits les mieux fondes, et desquels j'avois dejas 
et ay encore en partie la juste possession. J'ay bien meilleuse opinion de Tamitie 
et de Tequite de deux rois, des quels je ne scaurois apprehendre, qu^ils ne scauroient 
ou ne Youdroient se mieux preter en ma faveur, pour me faire avoir de la masse, 
sur la quelle j*ay tant ä pretendre (ou bien des pais attenants au mien) une realite 
point future, point vague et incertaine, mais present et teile, qui puisse contrebalancer 
la depence ineyitable, et attach^e ä la couronne imperiale, que je porte par leur 
propre gr^ et assistance, et me mettre ä Tabri de reproche aux yeux de tout Tuni- 
yers, devant les quels ont paru, mes justes droits, qui ont fait le sujet de la guerre 
et que je puisse aussi en repondre k ma succession, ä la quelle je devrois rendre 
compte de ce, qui lui est du silegitimement. Vous verrez dans ma precedente du 
18. juilliet, de la quelle est aussi charge le meme porteur de la presente, de quelle 
£Ei9on je pense a ce sujet. Je m'y relate et insiste aux sentimens, que vous y tron- 
yerez. On fait valoir le grand affoiblissement, qui a succede a la grande alliance contre 
la cour de Yienne moyenant le double demembrement de deux rois, de Prusse et de 
Pologne, demembrement, qui certainement ne subsiste pas en entier, puisque j'ai 
tout lieu de me flater de l'attachement du premier, qui ä ce que j'espere, ainsi qu'il 
me Ta &it esperer, ne me sera jamais contraire, et que je puis compter sur la con- 



111 

tinnation de Tamitie anssi bien que snr la bonne volonte et la droiture du dernier. 

On fait valoir la Situation malbeureuse de Varmee Franeoise en Boheme, on la re- 

duit ä peu de cbose, si ce n'est tont a fait ä rien. Cependant nos deux armees 

tant en Baviere qu'en Boheme consistent encore en plus de soixante milles bommes 

effectiüs, toutes tronppes reglees, qui raeriteroient bien, ce qu'il me semble, plus 

d'attention, qu'on n'en fait, et qui certainement s9auront au pis aller se faire jour, 

ce qu'on ne pourra empecher, sans en venir aux mains. Nqus n'avons pas encore 

perdu ny bataille, ny place, de sorte que nos affaires ne sont pas en si mauvais etat, 

que la cour de Vienne les fait paroitre, ä moins que sans coup ferir on veuille jetter 

son epee pour subir une paix honteuse, ce qui ne sera jamais nion avis, quoique je 

me preterai toujours avec plaisir ä la mediation des deux rois dans Tesperance toutes 

fois, de me procurer une paix honorable. On fait valoir les intrigues et demarches 

faites sous main par la France pour faire une paix ä part avec la cour de Vienne. Si 

les choses etoient absolument telles, qu'on veut me les depeindre, elles meriteroient 

non seulement reflexion, mais encore me degageroient des obligations, aux quelles je 

ne scaurois (jaloux que je suis de mon bonheur et de ma parole) jamais contrevenir, 

a moins qu'on ne m'y ait donne sujet. Je me donnerai cependant les mouvemens 

et peines convenables pour en deterrer et savoir le vrai. Et sans compromettre le 

milord Stair j'ecrirai une lettre nette et claire au cardinal, par la quelle je deman- 

derai des eclaircissemens positifs sur bien des doutes et le mettrai au pied du mur 

sur ce, quil voudra encore operer, on non, apres quoi je prendrai mes mesures. En 

attendant pourroit-on jamais d'attendre, que j'aurois assez peu de reconnoisance ä 

un ami et allie, qui s'est prete de toutes ses forces pour m'aider a soutenir ma juste 

cause, et pour avancer mes interets, que je pourrois le sacriiier, et me preter ä sa 

ruine pendant qu'il travaille et s'expose pour me avantages. Je me preterai sans 

repugnance toujours ä ce, qui pourroit retablir la tranquillite mais la retablir soli- 

dement et a la duree, eu egard sourtoiit a une satisfaction convenable, reelle et 

proportionnee ä mes droits, sans la quelle je ne scaurois non plus soutenir la dignite 

de la couronne imperiale avec la splendeur requise, ny me discnlper du tort fait a 

ma succession en lui otant des droits, ques je ne luy ay pas donne. Tons les articles 

de vos deux dernieres relations, Tune en Allemand, Tautre en Fran^ois, trouveront en 

ce, que j'ay dit jusqu'icy, leur reponse. II ne me reste que de vous faire encore 

Celle, que meritent les sentimens obligeants et bien intentiones pour moi, dans les 

quels le milord vous a parle. Yous lui temoignerez, quej'y suis tres sensible et de 

la forte persuasion, que s*il voudroit les employer tont de bon an ma faveur, il ne 

tiendroit qu'ä lui de les faire bien valoir. Je lui en auroi autant de reconnoissan9e 

et d'obligation, que je lui en s9anrois de gr^. Pour vous je prie Dien etc. 

Charles. 



Abb. d. III. Cl. d. k. Ak. d. Wiss. XIY. Bd. I. Abth. 1 6 



112 

' 29. 

Francfort ce 24. de JuilUet 1742. 

Ch. c. d. S. Apres avoir murement reflechi sur les coDJonctares presentes, 8ar 
la triste Situation de mes affaires et sur tout sur le parti, qui nie reste ä prendre, 
et qui doit etre pris de fa9on, que roon bonheur et gloire aussi bien que ma bonne 
foy n*en sou&e aucunement, je me suis determine de me rendre d^autant plus aux 
offres obligeants, ques mylord Stair vous a fait de la part du roi d*Angleterre, que 
plus il Yous assure, que m'adressant ä lui il me recevroit les bras ouyerts. C*est 
donc ä ce prince, que je me suis adresse avec une confiance entiere, le priant non 
seulement de vouloir employer sa mediation entre ma maison et celle de Loraine, 
pour nous accomoder ä Tamiable sur les differens, que nous avons par rapport ä la 
Fuccession d*Autriche. J'ai fait plus encore et refiecbissant , combien de sang la 
continuation de la guerre couteroit encore a TAUemagne, je lui fais voir, qu'en cbef 
de Tempire mes soins paternels effacent m^me ceux, qui devroient veiller sur mes 
propres inter^ et conune les trouppes auxiliaires etrangeres paroissent en quelque 
fafon causer de l'ombrage dans Tinterieur de Tempire, j^offire de les congedier toutes, 
et de ne garder que des trouppes toutes allemandes. Je ferai meme evacuer la Bo- 
heme entiere ä condition, que les hostilitä cessent et que la Baviere, sur la quelle 
personne n*a rien a pretendre, soit egalement evacuee. Et c*est de cette fa^on, apr^ 
avoir mis le calme dans tout Tempire, que sous la mediation de Tempire et des rois 
d^Angleterre et de Prusse, comme aussi d^autres puissances, qu^on trouvera conve- 
nables d'inviter, que les negociations pour me rendre justice sur mes droits ponrront 
etre entamees, et tous les differents accomodes ä Tamiable. 

C*est ce, que vous pouvez confier ä milord Stair, et comme je me flatte, que cette 

declaration sera aussi du gout de la nation Angloise, j^espere, quHl y joindra aussi 

ses bons offices, et cela d'autant plus, qüe ce sont precisement ses insinuations, qui 

m'ont fait prendre ce parti et que j*ay suivi en cette occasion. Vous en ferez aussi 

part au Gr. Pensionaire et au ministre Fagel en leur temoignant la confiance, que 

je mettois dans leur equit^, la quelle me £äit esperer, quHls seront egalement port^s 

ä me faire avoir une satisfaction proportionee a mes justes droits, quMls pouvoient 

egalement compter sur ma sincere amitie ä tout ^ard et que je me ferai un etude 

tout particulier et un vrai plaisir d'entretenir et de consolider la bonne intelli- 

gen'ce et union , qui a toujours regne entre Tempire et les etats generaux. Pour 

vous mettre entierement au «fait de la resolution, que j'ay prise, je vous com- 

munique le projet du decret de commission (quoique pas encore. arret^ tel qu*il est 

et je prie Dieu etc. 

Charles. 



P. S. Si Toccasion se presente, faites mes compliments ä la duchesse d* Aren- 
berg et: dites lui que j'espere, qu'elle ne sera jamais ennemie de la personne, Tetant 



113 



peui-etre de la cause. Je ino souviens trop agreablemeut des politesses, qae j*ay 
reftt ä Braxelles poar en doater nn moment. 

Charles. 



30. 

Francfort ce 1. d'aout J742, 

Gh. c. d. S. Je vons ayone, qne je ne m*atteTidois pas, qu^un pareil sentiment 
(qne milord Stair yous- a non senlement fait connoitre dans sa coaversation avec 
Yons, inais aussi, qa'il a conch^ par ecrit dans les notes, qa'il vons a envoye et qne 
Yons m^avez commxmiqne en original) pourroit etre la suite de son premier dis- 
conrs, qu'il a eu avec voas, et de tont ce, qu^alors il yous aYoit' insinne de son 
propre moavement. Je ne scanrois croire, qu*il pense tont de bon en ce, qn'il me 
propose de debnter par congedier les tronppes auxiliaires etrangeres, et par evacner 
la Boheme sans meme qne reciproquement TeYacnation de la Ba viere se fasse. Seroit 
ce possible, qne je paisse songer ä faire pareil pas, et qn'avec la dignit^, qne j'ay, 
je pnisse et je vonlnsse etre sans mon propre pais, abandonner mon patrimoine, me 
trouver sans domicile et sans residence, par conseqnent hors d'etat d'entretenir mes 
tronppes et ma Maison et me tronver encore hors de celni, d'etre ntile a mes amis. 

Je snis parfaitement persnad^ de reqnite et de la jnstice de sa Maj. Britt., par 
la qnelle eile ne scanroit desapronver le prix et le cas, qn^ je fais de la conser- 
vatiou de Tancien patrimoine de ma maison, snr leqnel personne a droit de pretendre. 
Ma gloire ne sonffriroit pas moins qne mon amonr ponr ma patrie, si apr^s les pais 
et etats, qne javois revendiqn^ ä Tentree de la gnerre, an sortir d'icelle je me verrois 
non senlement prive de lenr possessions, mais anssi frnstr^ de lä jonissance entiere 
de mon propre pais, qni n*a dejas qne trop sonffert, et frnstre meme d'nn chez moi. 
Serois-je Temperenr en vagabond! serois-je nn prince sans pais! Et cela point ponr 
avoir perdn forteresse et bataille, point par le sort capricienx des armes jonrnalieres, 
mais par le senl effet d*nn accomodement, si jamais il meriteroit d'en porter le nom, 
et moi si jamais je pourrois etre assez malhenrenx d^en faire de cette natnre. Ponr 
pen qn'on reflechiroit anx Maisons, et a leur difference, et ponr pen qn'on penflferoit 
ä Celle, qn*on vent, comme il paroit, sacrifier, et a celle en favenr de la quelle on le 
feroit. La difference seroit tonte tronvee, dans le tems, qne la derniere en effi^t est 
nne maison etrangere, qni a dans ses veines plns de sang Fran9ois qn*Allemand, et 
qne la premiere est de la vieille, vieille röche Allemande, et meme encore des premiers 
fondatenrs, d*on en parti est sortie la cr^ation de Vempire. Ponr pen qn^on pensoit 
insister ä cette id^e, la mienne seroit immancable, comme qnoi TAngleterre n^a jamais 
pense ä effectner nne paix, s^il est vrai, qne seriensement eile s'est faite des conditions, 
anx qnelles Tempire non plns qne son chef ne scanroient jamais s'y conformer, etant 
de son propre interet de conserver dans mon ancienne Maison les pais, qni en fönt 

16» 



114 

parties. Le consequent en seroit, que tout le sisteme Anglois feroit un batiment 
en air, oü bien pose sur da sable, tomberoit en rnine ava^t qn*il ne fat fini. Je 
Y0U8 envoye cy joints les poists, dans lesquels milord Stair a soabaite etre eclaire. J\y 
ay couche mes eclaircissemens a cote de point en point et tels a ce que je me flatte, 
qü*etant bien catbegoriqnes, clairs et eqnitables, ne lui laisseront rien ä desirer, non 
plus qn^a moi ponr le contenn de la lettre, avec laqaelle le prince Gnillauue de 
Cassel a accompagne la mieune ^crite an roi Britt. , qu'il y a fait passer etant per- 
snade et convainca, autant que je le snis des sentimens d'amitie du dit prince h, mon 
egard. Du reste le contenu de votre relation Allemande du 27. juilliet me donne 
les informations , sur lesqnelles je scaurois regier en ce, qui pourroit me convenir, 
pour le present il peut et doit suffir ä milord, ce que je lui dis et assore de bonne foy, 
lui disant, quo je puls, et quo je yeux me detacher de la France, suppos6 que par 
revacuation reele et sans delai faite de mon pais, avec la cession des pais autrichi- 
ennes anterieures et les villes forestieres on me le rend faisable. Je sai meme de 
bonne part, que le discours ayant roule chez quelque ministre de Tetat d'Holande 
sur le premier accomodement ou accommodement preliminaire a trouver entre moi 
et la grande dachesse, et sur la fa^on, qu'il seroit raisonable de part et d'autre de 
le faire, ce sentiment du greffier Fagel butoit dejas au precis de deux points, que je 
viens demander. Jl faut absolument y insister, lors que vous parlerez a milord en 
conforqiite de la reponse coachee dejas ä la marge des points, que je vous renvoye. 
Jl est bon aussi de vous avertir, que Tayant ete sous main que le roi Britt. prendroit 
pour agreable, si je voulois employer mes offices pour applauir le different, qui ex- 
siste entre la cour d'£spagne et la sienne, je n'ay pas tard£ un moment de les lui 
offrir et de faire passer pour cela mes ordres a mon ministre a Londres, le Baron 
d'Haslang. 

Je suis empresse de savoir la suite de votre negociation et je prie Dieu etc. 

Charles. 



31. 
9 Francfort ce 6, cTaout J74J2. 

Ch. c. d. S. Vos deux relations faites en reponse de la depeche, que vous avez 
re9u par le courrier Neuner, sont arrivees icy avant hier le matin ä 8 beures par 
estaffette. Le contenu de TAllemande aussi bien que de la Fran9ai8e renfermant 
principalement les sentimens, dans les qaels le lord Stair vous a parle en reponse 
de celai de la depeche , recüe par mon courrier , ne faisant point Tobject de mon 
attente, faisoit, comme vous pouvez croire, encore moins celui de ma satisfäction. 

Je repondrai par la presente principalement ä votre relation Allemande et vous 
dirai prealablement, qu'il faut, que je sois bien peu connu, de qai pourroit me croire 
capable, de me livrer ä pareilles propositions, qu'on me fait en revanche et reconois- 



115 

sauce des mienne». Les miennes produites par la seule bonne volonte et generosit^ 
n*avoient qne Teqaite la plas naturelle, Tamonr ponr le repos public, la tranqnillit^ 
de Tempire, et Tepargne da sang allemand pour objet. Gelles, qu'on me fait par contre, 
De bntent qu'a fen et flamme, et ä une guerre generale aux depens meme de mon 
propre patrimoine, de ma eondigne snbsistence, et de ma repntation. Ponrroit on 
jamais m'imputer, que de mon gre et consentiment je me deponille de mon patrimoih, 
j^abandonne mon pais et sacrifie mon honeur, tirant tont d'un conp Tepee contre 
celni, qui jasqu^ä present avoit tire la sienne ponr Tamonr de moi et pour le soutien 
de mes jastes droits. Quelle tache ne ferois-je pas par un trait si noir et iudigne 
ä ma reputation ? la quelle je mettrois plustot ä couvert au risque non seulement de 
mes etats, mais encore au prix de mon sang. Le roi Brittanique m^me ayant le 
coeur place, comme il Ta, eclaire. et grand, qu*il est dans ses sentiments, loin d'ap- 
prouver la fa9on, dont je pense, seroit le premier toujours, qui se mettant ä ma place, 
penseroit de meme. On se fait, ä ce que j^ay eu a comprendre de votre relation, 
nn sisteme, dans le quel on suppose deux points comme assur^s, dont le premier 
est, que la grande alliance pour Tofiensive contre la France ne scaura manquer, et ' 
dont le second, que Prague avec toute la Boheme est agonisante et se tronve sans 
remede, deux choses. dans les quelles Texperience ponrroit bien faire voir, que Ton 
ait fait son compte sans son hote, et que Ton pourroit bien le faire deux fois. Si 
les Autrichiens ont tant d'empressement de se casser la tete par le siege formel de 
Prague, ils n'ont qu^ä le faire, ils verront, comme ils seront recus. Je sai, combien 
on le souhaite, et je m'attends, qu'ils n'en feront rien. Prague ne leur sera pas 
toujours un morceau pour gober, et son sort pourroit etre bien meilleur, qu'ils ne se 
figurent. Le discours, qu'on fait rouler sur les ordres, que doit avoir le duc d'Har- 
court, ne se repose que sur des simples inventions faites ä plaisir ou par malice, 
oe que le tems nous fera voir. 

De la meme pate est ce, qu*on prete aux pretendus conseils des rois de Prusse 
et de Pologne, des quels je pourrois bien avoir les meilleures connoissances. Sur 
Tarticle du grefSer Fagel j'ay ä vous dire, que rien ne vous arretera, que vous ne 
lui fassiez confidence de mes intentions pacifiques et des propositions equitables, que 
j*ay fait faire pour cela ä la cour de Londres, que de celle cy je n^aye pas de reponse 
encore directement, mais qu'indirectement par son ministre ä la Haye on m'en ait 
forme d'autres si extraordinaires,. que je suis persuade, qu'avec leur equit^ et con- 
noissauce des choses ils ne scauroient se dispenser de s'en scandaliser. Vous lui en 
ferez meme le detail a ce sujet et direz, que ma consolation en est, que les etats 
generaux disposes, comme ils ont ete jusquMcy par des sentiments sages, reswves 
et pacifiques, loin d'aspirer ä augmenter la flamme de la guerre en Europe, et de la 
rendre generale, soubaiteront et penseront plustot ä contribuer en ce, qui dependra 
d^enx, pour que celle, qui afflige presentement les etats de Tempire, puisse etre le 
plustöt assonpie. Leur conduite circonspecte et applaudie generalement , qu'ils ont 
tenu jusqu'icy, menera encore ceux ä la raison , qui s'obstinent ä s^en eloigner, et ä 



116 

la terrasser plastöt par des haateurs peu concevables qn*ä vooloir Vadopter. Ils n'ont 

qu^ä continaer sur ce meme pied, qui ne scanra toarner antrement, qn'ä lenr vrai 

inter^t, et qui lenr doit servir da meilleor garant de la continnation de runion, de 

la bonne intelligence et amitie, que j'ay eu en tont tems et aurai toujours pour les 

etats generanx. Leurs sentiments en cela trouveront non senlement du goat et 

d*approbatiou aupres bien d^antres pnissances, (dont celle du roy de Prasse ne sera 

certainement pas la demi^re) mais aussi de Vappai, par on le parti contraire, qai 

se flatte poavoir se former, disparoitra avant meme, qu*il n^aara paro^ et le calme 

se fera voir, et sentir agreablement malgre les agitations, que les hautears sans bomes, 

Tenvie, et les irritations malplacfes ont s'eflPorce de causer. 

Si l'arrive da demier coarrier a cause du bruit, et que le ministre de France 

en ait aussi pris de l'inquietnde , vous pourrez en confidence lui dire, qu'il vous a 

apport^ le projet du decret de commission, qui a et^ dresse avec pregout et avis 

meme de la France. Gelle cy, comme je puis vous dire en secret, a meme pris la 

resolation de faire maroher Tarmee du marecbal Maillebois en Bobeme , pour secourir 

celle, qui y est, ä la quelle s^unira aussi le corps du duc d'Harcourt, qui est en 

Baviere. Pour peu, qu'elle y arrive ä tems, la scene pourroit se toumer, et les idees 

demesurees des Anglois pourroient avec les lenteurs autrichienes en ^tre la duppe. 

Je prie Dieu etc. 

Charles, 



32. 

Francfort ce 6, cTaout 1742. 

Gh. c. d. S. Apres vous avoir passee une ordre assez ample sur votre relation 
AUemande, j'ay trouve bon, de vous donner une ulterieure en reponse de votre re- 
lation Francaise, et de vous dire, que vous pouvez dire ä lord Stair, que ce n'est 
qu^avec la plus grande surprise, que je dois et puis regarder la proposition, qu*il 
vient de vous faire, ä la quelle chaque honnet-homme, qui a le coeur bien place, et 
plus, que tout autre, doit repugner un prince de ma Maison, un cbef de Tempire et 
de la nation Allemande, moi, qui ne suis pas d'un saug ä pouvoir trahir. II faut 
des grandes et legitimes raisons pour faire la guerre, ainsi qu'apres les avoir meure- 
ment pesees, j'ay entrepris la presente. Gelle de la faire ä la France pour la seule 
raison, qu'elle se trouve dans une mauvaise Situation, bien loin d'^tre legitime, seroit 
par rapport ä moi des plus injustes, tandis que pour mes iuterets seuls, et poür soa- 
tenir ma juste cause eile se trouve dans cet ^tat, et il faut que le lord Stair sache, 
que parcourrant tous mes traittes je puis assurer, qu*il n'y a pas un village 
de stipnl^ pour la France, qu'ainsi cette couronne n'a rien cherche pour soy 
et n*a uniquement fait la guerre, que pour moi. II est vrai, que par son inaction 
et lenteur eile m'a donne des justes sujets de mecontentement, quoi qu'elle ne m*a 
pas tout ä &it abandonne ainsi, qu'il le croit, mais si dans Tun ou Tautre cas je 



117 

me verrois oblige de preodre un parti, ce doit toiijours etre tel, qui me seroit hono- 
rable, inais que de but en blanc je laisse mon propre pais en proye aux ennemis et 
livrant les armees au massacre, j*aille pour recompenser de ce qu'elle a fait pour moi, 
liii faire la guerre, il faut, que le lord ne connoisse pas mon caractere, oa qu'il ait 
bien mauvaise opinion de moi pour oser me le proposer. Je suis bien assure, que le 
roi d'ADgleterre a trop d*equite pour janiais exiger de moi pareiiles choses. Et si 
jamais je devrois ä ce prix, c^est ä dire en sacrifiant honneur et gloire, acheter Tamiti^ 
de la nation Angloise (qui d^ailleurs m'est et me sera toujours estimable et avec la 
quelle je desire de vivre en bonne intelligence pour la conservation et le repos de tout 
mon empire) j^aime mieux me couserver leur estime, qui est une chose moius sujette 
au changement, et qui ayec le tems pourra aussi me procurer cette meme amitie 
ayec plus de solidite, et je suis assure, que toute la nation Angloise et le lord Stair 
lui m@me perdroit toute la bonne opinion , qu'il a eu de moi , si jamais il me croiroit 
capable de conclure pareille paix ou armistice, par la quelle je me rendrois Topprobre 
des humains, n'etant plus, qu'une ombr^e de prince, qui vivroit ä la discrection de mes 
ennemis sans patrimoine, sans loix, sans fois, sans gloire et sans honneur. Apres 
tout ce, que je viens de vous dire, le lord Stair jugera aisement, que, si d'un cote 
je ne saurois oonsentir ä des propositions , qui me blessent de toute fa9on , de Tautre 
je n'ay pas moins d'envie de faire une paix solide , ainfii , que je me' suis dejas ex- 
plique et croyant avoir donn£ un exemple de desinteressement et de generosite peu 
frequent dans ce monde, par Tofi^'C, que j'ay fait de Tevacuation de la Boheme contre 
Celle de la Baviere, et du renvoy des trouppes auxiliaires francoises sous la condition, 
que je vous ay ecrit,, je veux bien m'y tenir encore par le grand amour, que j'ay 
pour Tempire et pour la nation AUemande, le bien du quel je prefere au mien propre. 
Mais si la cour de Yienne persiste dans sa hauteur et opiniätrete, je ne manquerai 
pas de faire voir ä toute TEurope mes intentions pacifiques et ma droiture, et je 
declarerai ä tout Tempire, qu'enfin cette cour, qui rejette toutes les propositions rai- 
sonable, est la seule, qui trouble le repos publique. Le plat pais de la Boheme est 
perdu, il est vrai, mais nous avons encore Praag et Egra, et la cour de Yienne ne 
doit pas imaginer qu'elle aura ces places, ou il y a d'assez fortes gamisons, a bon 
march^. Et si eile &it tant, que de les attaquer, eile se ressentira peut-etre en peu 
de la diminution du nombre de ses trouppes reglees, dont nous s^avons bien, qu'elle 
n'a rien de trop en Baviere. Je pourrai peut-etre trouver moyen de faire remuer 
les trouppes pendant le tems, que Celles de Boheme ne maliqueront pas d*occupation. 
Vous devez confier au pensionaire et au gre£fier Fagel la demarche, que j'ay faite, en 
promettant d'evacuer la Boheme, et de remercier les trouppes auxiliaires Francoises 
ä condition , qu*on evacne la Baviere et qu'on me mit en possession des pais d* Antriche 
anterieures et des villes forestieres pour les preliminaires , me contentant de finir le 
reste par la voye de negociation, mais que la hauteur de la cour de Yienne etoit 
insnpportable, et que la dessus le lord Stair avoit donn^ ä connoitre, qae non seule- 
ment je ne devrois point parier pour le present de Tevacuation de la Baviere, mais 



118 

que je n^avois, qa^a faire la paix snr le pied que les choses sont, et a me declarer 
contre la France. Le greffier Fli^el jugera bien luy meme, que ce sont la des pro- 
positions, qni sont non seulement contre la gloire de Temperenr, mais aussi de tont 
Vempire, qni ne pourroit jamais sonflfrir, qne leur chef reste depouille de son ancien 
patrimoine, et qne d'aillenrs les propositions ne s^anroient s'accorder a^ec le caractere 
de la bonne foy, qne je conserverai tonte ma vie. Ainsi voyant taut d'injnstice et 
tant d'arrogance, j'espere, que la repnblique tachera me procnrer nne paix plus ho- 
norable, et qne continnant son amitie envers moi et mes allies, eile ne se pretera 
point ä des semblables projets, Tassnrant de mon cote, qne je m^appliqnerai en tont 
tems de cnltiver la bonne intelligence entre Tempire et les etats generanx, ainsi que 
cela a tonjours ete et sera encore a Tavenir. 

Envoyez ä Haslang copie de la presente, qni Iny servira d*instrnction , et je 
prie Dien, qu'il vons ait en sa sainte garde et benisse le tont. 

Charles. 



33. 

Francfort ce 2. de sept. 1742. 

Ch. c. d. S. Le memoire, que le dnc d'Arenberg a presente aux etats generaux 
le 21. du passe, et que vons avez jointe en copie ä votre relation Allemande datee le 
24. du meme mois, m*a fait penser ä un contrememoire, dont je vons envoye Videe. 
Mon intention n'est plus de le faire mettre au net et de le faire presenter par vous 
(de quoi je me suis ravis^ par de bonnes raisons) mais je vons le passe cy Joint, 
pour que vons communiquiez ä ce sujet avec le marquis de Fenelon, afin que 1. 
Selon son avis vons parliez sour le ton de ce contrememoire aux premiers des etats 
generaux, et ou d'ailleurs il pourroit etre util; 2. afin que luy marqnis, qui pourra 
peutetre convenir, que de sa part soit presente aux dits etats quelque contrememoire 
, approchant pour faire tete ä celny du duc d' Arenberg, allegue cy dessus, comme re- 

y, gardant directement et proprement la France, et la marche de Varmee du marecbal 

de Maillebois) pourroit de mon projet tirer les points, qu'il jugeroit convenables, 
comme snr vos precedentes relations vous avez dejas appris par mon grand chambellan 
les resolutions sur les points, qui en demandoient, je m^y relate et prie Dien etc. 

Chaarles. 



34. 

Francfort ce 23. de sept. 1742. 

Ch, c. d. S. La copie de Tinstruction sub Nr. 1 avec une deduction, que 
je passe a Easlang par le meme conrrier Nenner, qui est portenr de la presente, 
la copie de la lettre sub Nr. 2, qne j'ai ecrite an prince Gnillanme de Hesse, la 



149 

copie du decret de commissiou sab Nr. 3, que je viens de passer ä la Diette, sont 
les trois pieces essentielles, qni cy jointes vous instruiront assez, sans que j'ay lieu 
de m'eteudre a ce sujet. II suffira, qae yous les lisiez avec attention, ponr qne 
voQs saehiez, de quoi il s'agit, et conunent faire pour que yous yoos y preniez.le 
mieux ponr commnniqaer aux etats le dit decret de commission, soit par Yoye de 
representation a &ire de bouche, soit par celle de memoire dans le style, qne yous 
m'aYez enYoye par Yotre pennltieme, et que je yous reuYoye sub Nr. 4 aYec quelques 
peiits changements, que j'y ay trouYe bon ä faire. Du decret susdit de coramission 
YOUS par 1er ez aussi ä lord Stair, et ferez Yaloir le mieux, que yous pourrez, la sinoerit^ 
et fermete de ma resolution une fois prise, comme quoi il ne dependra pas de moi, 
que la tranquillite et le repos ne soient retablis dans tont Tempire aux depens meme 
de mes propres interets. L^une et Tautre ne s9auroient se Yerifier mieux que dans 
la Situation presente, oü malgre les apparences riantes d'une arm^ deliYree et d'ijuie 
siege leYe en forme, je persiste ä ma premiere declaration et n^ecoute pas les plus 
beaux adYantages, que les circonstances, presentement de plus flatteuses, me promet- 
tent dans le tems, que pour bien marquer ma constance et ma fermete en ce, que 
j'aYois propose, je continue ä reproposer Tarmistice sous les memes conditions, que 
j^ay dejas faites aYant qu'il etoit question de pouYoir esperer un seconrs d*une 
nouYelle armee, qui toutesfois a non seulement et£ euYoyee, mais aussi qui a dejas 
perc^ heureusement en Boheme. 

Vous me dites dans Yotre relation AUemande en date du 18. du courrant, que 
Selon ce que yous aYCz pu conjecturer, le duc d' Arenberg ait re9u un plein pouYoir 
de traitter en tout cas aYec moi ou aYec qui anra pour cela le plein pouYoir de 
ma part. Si cela seroit , et que lord Stair jugeroit pouYoir faire le coup sous les 
conditions toutesfois contenues dans le decret de commissiou , on pourroit pour 
gagner du tems traitter et faire la chose ä la Haye sans s'arreter par des destours 
et la porter plus loin. £n tout cas la presente dcYroit et pourroit yous serYir de 
plein pouYoir et yous authoriser ou bien en qui yous la transporterez de ma part, 
jusqu'ä ce que les pleins pouYoirs en fprme pourroient etre substitues. 

Yous pourrez parier dans le meme gout aux premiers des etats generaux, 
dont le pensionnaire de la Yille d^Amsterdam yous a dejas parl6 sur le thon de 
l'armistice, par lequel selon son sentiment il y a absolument ä debuter. J'ay re9u 
hier au soir un courrier du marechal de Bellisle, qui non seulement me confirme la 
leYee du siege de Prague, &ite le 14. de ce mois, mais aussi m'en fait un detail tres 
exact, ample et aYantageux pour les mesures a prendre, je yous en euYoye extrait 
sub Nr. 5, dont toutes fois yous dissimulerez la source, dont je Tay tire, mais sans 
m'y arreter je tiens bons en ce, que j^ay une fois propos^. Je me repose du reste 
k Yotre prudence et ä Yotre zele pour me bien senrir, Tune et Tautre yous guideront 
le mieux en cette a£Gftire aussi delicate qu'elle est importante et je prie Dieu etc. 

Charles. 

Abh. d. m. a. d. k. Ak. d. Wisi. XIV. Bd. L Abth. 1 7 



120 

35. 

Francfort ce 27. de sept J742. 

Ch. c. d. 8. J'ay tu par votre relation Allemande du 21. de ce mois, que la 
promotion generale 8*est enfin fiäite par la plnralit^ des Toiz et que dans la dite pro» 
motion, de la quelle vous m'ayez envoy^ la liste, il y a six generanx etrangers, qiii 
nouyellement sont entres aux Services militaires des etats. Je suis curieux d'ap- 
prendre ce, que le priuce d^Orange eu dira et ce qu'il fera ä ce sujet. — J*ay vu aussi 
le discours, que lord Stair ayant et6 chez vous vous a tenu le 20. du courrant. Ge 
discoars me confirme daus Topinion, que j*ay eu d*avance, et qui est, que le coutenu 
de ma demiere depeche, que je vous ay envoy^ par le courrier Neuner, aura 6te 
^coute par luy et gout^ agreablement. 8on opinion par oontre par la quelle il sou- 
tient, ou fiedt da moins semblant de vouloir soutenir, que Tarm^e du prince . Charles 
ponrroit bien Temporter sor ceia du marechal de Maillebois, est purement une 
opinion en air et nuUement fondee sur ancune bonne raison. On 89ait positive-* 
ment, combien Tarmee du prince Cbarles avoit souffert devant Prague, et combien les 
regimens ont ete afhiblis par les sorties, par la desertion et par les maladies de 
Sorte, qu'un portant Tautre un regiment d*infanterie pourroit bien etre reduit ä 
4 josqu^ä 500 h. Les regimens de cavallerie ne sont non plus dans leur force, 
et il y en aura peux, qui surpasseront le dit nombre. On 89ait, combien Tinfanterie 
sur tout est rebutee, et toutes ces circonstances bien considerees pourroient elles 
permettre de tirer une bonne parallele 'entre les deux armees, Tune etant affoiblie et 
rebutee, et Tautre tonte fraiche, bien reposße et dans sa force, puis que Tarmee du 
marechal de Maillebois, qui se trouve jointe ä celle du comte de Saxe, et des milices, 
importe 55 m. h. bien comptä et compt^s pour ainsi dire homme par homme, dont 
il y a 12 ä 13 m. h. de cavallerie, mont^ au delä de ce qn^on peut se fignrer et 
sattendre. Comme le consequent palpable en est, que Tarmee du marechal de 
Maillebois est, comme eile doit etre, bien superieure ä celle du prince Charles, le corps 
du marechal de Seckendorff ne Test pas moins ä celui du general Bernklau en Baviere 
de Sorte, que s'il s^agit de continuer absolament la guerre, il y bien des bisques et 
advantages de notre cot^, qui ne se trouvent pas du leur. Paites eiitendre tout 
cela en discours ä lord Stair et le luy bien comprendre, dites luy toutesfois, que 
non obstant ces circonstances flatteuses, je ne m^eloigne neanmoins pas de mes idees 
pacifiques, que la resolution de ma demiere depeche et des plusieurs autres prece- 
dentes vous a &it apprendre, preferant toujours le desir, que j*ay d'epargner le sang 
de taut des braves gens, comme de meme celuy de retablir la tranquillit^ et le repos 
dans Tempire, ä la continuation de la guerre, malgr6 que cette preference tire au 
prejudice de mes interets. 

Vous insisterez cependant le mieux que vous pourrez ä arracher prealablement 
Egra comme de meme les pais du palatinat de Neubourg et de Soultzbach (ceux cy 
bien entendu par echange) et tacherez de les faire porter les uns comme les autres 
dans Tarmistice de la paix ä faire. Au pis aller toutes fois, vous pourrez toujours 



coüclure le dit armistice sur le pied du decret de commissiou, qoe je vons ay envoy^ 
et qui a et^ dict^ i il y a trois jours. A retablissement ensnite d^nne fiiture pacifica- 
tion generale il y anra a arreter et a affermir sans fante Partide de la cession du 
royaume de Boheme, ou en ohange du moins l'etablissement du royaume de 
Bayi^re moyenant l'arrondissement propos^ par le proj^t passe k Cassel. Au cas 
qu^il vous parle encore de la Loraine et de TAlsaee, vous pouvez assurer lord Stair, 
que je serois bien content k yoir rendue la Loraine ä la Maison de 
Loraine par la France, et que cellecy puisse y 6tre dispos^e et port^e a oela. 
Quant ä moi, eile ne me S9aura non plus qu*elle ne Ta Jamals ^te, etre un 
objet, puisque je n*y ai rien ä pretendre, et puisque la satisfaction sur mes justes 
pretensions ne peut admettre, ce qui est chimerique, mais exige absolument et in- 
dispensablement de la realit6 proportionee meme ä mon etat, qui est aussi reel, qn'il 
est et sera toujours egalement pr^cieux ä tout ^ard. Lord Stair sera, oomme il a 
lieu de Vetre par le contenu de ma demiere depeche convaincu de la sinceritä de 
mon Intention pour m^entendre amiablement avec la cour de Yienne, de la quelle si 
le duc d^ Arenberg est authorise, il pourra s^expliquer et traiter avec vous, comme 
je Tous ay dejas marqu^, et comme je reitöre par ces lignes le plein pouvoir, que 
je TOUS y ay donn6 et qui vous sera toujours envoye en forme legale, quand il sera 
necessaire. Je prie Dieu etc. 

P. S. La lettre finie arriva ä 8 heures du soir en courrier avec plusieurs 
postillons, sonants la cornette de poste, le Chevalier Grollier, depeche de Prague par 
le marchal de Bellisle ä sa majeste imperiale avec la confirmation formale de la 
levee du siege, faite le 14. du courrant. Ses exports conformfe ä sa relation du 
Journal exact, qu'il a apport^, et tire du premier jour, que le siege a commence, 
fönt connoitre, que les assiegeants n'etoient pas tant avancfe encore par leur ouvrages 
vers la ville, que les assieges le furent vers les premiers. II a assure positivement, 
que Sans compter les malades, et qui d'ailleurs pourroient etre hors d^etat de com- 
battre, il y a actuellement ä Prague une guarnison de 25 m. b. combattants, dont 
il y a 1400 h, de cavallerie en eflfet montee, et que parmis toute la guarnison ils 
se trouvent entre chevaux d'officiers, de bare et de voiturage plusieurs milles, par 
les quels on peut remonter le reste de la cavallerie d'un jour a Tautre, ce qu'ils 
pensent aussy de faire. Le prince de Deux-ponts, qui a ^te bless^ a Prague, est 
attendu ce soir, de meme que le m. de Beauvau. Le premier amenera plusieurs 
drapeaux empörte durant le siege dans les approches sur les trouppes assiegeants. 
Les circonstances cy dessus vous fönt connoitre, qu'il faut bien appuier sur le point 
d^Egra sur tout (qui ne fait pas et n'a fait autres fois partie du royaume de Boheme) 
et sur le point des pais Autrichiens anterieurs avec les villes forestieres. Enfin il 
faut aller bride en main avec le contenu de mes ordres, et en prenant le tout ad 
referendum voas joueriez du plus sur; un courrier en cinque ä six jours pourroit etre 
de retour chez vous. ^, , 

17* 



192 

36. 

Francfort ce 1. d'oct 1742. 

Gh. c. d. S. Le point principal de voiare derniere relation Allemande du 25. 
sept. roale snr la proposition « qne le duc d' Arenberg a fait ä lord Stair, et qne 
oeluicy vous a insinue en confidence. II est vrai, que je n'avois pas lieu d'esperer 
de la source, d*oü cette proposition partoit, qnelque ehose de fort raisonable, mais 
anssi est-il constant, que je ne m^attendois pas ä une aussi exorbitante, qni ne merite 
non plus de reponse que d^attention. Si en tout cas neanmoins on voulait y faire 
reflexion, on ne seauroit s'empecher de s'arretter d'abord ä celle, qui vote en fait des 
suret^s a prendre, d'abord aux yeux d'un chacun. S'il est question parmis deux de 
force inegale de se garantir Tun contre Tautre et de se niettre ä convert par des 
fortes lizieres, ce n'est pas au plus fort du moins d'y songer le premier, etant dejas 
garanti et garde par sa propre force, mais c^est bien ä celuy, qui est moins fort, 
affin, que moyenant une precaution semblable il puisse suppleer au manque d*un 
voisiur qui etant plus fort est aussi plus dangereux. 

Qui est inferieur en force, a a se garantir contre la superiorite et point par 
contre celle-cy contre le premier. Pour consequent il en resulte, que par la meme 
raison, que les places et le terrain, qu'on deuiande, ne sont non seulement necessaires 
ä la Baviere pour sa propre conservation vers TAutriche, mais aussi qu*il lui en faut 
encore d'autres pour cela soit vers le Tirol, vers la Boheme et vers la Suabe, par 
tout enfin , oü] la surete de la Baviere scaura le demander , mais que dis-je de la 
Baviöre, puisque ce n'est pas eile seule, que cela regarde dans letems, que Tempire 
meme et meme indepeudament de son chef y est interesse, puisque nou seulement 
la continuation tranquille de son repos en depend, mais aussi, que meme il ne s9auroit 
subsister et conserver son etre, si une des premieres Maisons, (qui a en tont tems 
et meme contre les injustes procedures et oppressions faites jadis par la raaison d'Au- 
Iriche soutenu la libert^ Germanique) courreroit risque de se voir bouleversee d'un 
jour ä Tautre non par une maison d' Antriebe (qui se trouvant eteinte par l'extinction 
des males ne seauroit plus renaitre), mais par celle de Loraine, qui usurpant une suc- 
cession, qui ne lui appartient pas, en pourroit bien vouloir aussi aux loix et con- 
stitutions et ä la fin ä la liberte meme de Tempire, par oü resulte, combien il lui 
importe la conservation de la Bkviere. Plus que je reflechis ä la dite proposition 
faite ä lord Stair par le duc d' Arenberg, plus me paroit-elle extraordinaire , pour ne 
pas dire ridicule, lorsque je combine les circonstances du tems de la dite proposition 
avec celuy de leur Situation. Nous voila au tems, oü Tarm^e du prince Charles af- 
faibliee par les sorties de Pragne, par la desertion, par les maladies et par les marcbes 
outrees et continuelles, qa^elle avoit ä faire dejas devant et depuis le commencement 
de cette guerre, oü cette armee decouragee par le siege recement manque, marche 
vers le marechal de Maillebois, qui se trouvant Joint avec le comte de Saxe et ces, 
que les Francois ont eu au tour d'Egra, presente sur pied une armee de 55 m. h. 
combattants, tronppes toutes fraiches et dans le meilleur 6tat, contre un vis ä vis 



123 

de 40 m., en quoi Tarmee du piince Oharl'e jointe au corp de EeSenhiller oonsiste 
tont au plus. Nous yoila au tems, oü Seckendorff a 14 m. h. des trouppes impe- 
riales contre 7 ä 8000 de Bemklau» au tems, oü les marechaux a Prague y ont 
encore 25 m. h. toutes trouppes r^lees et agguerriees contre six miiles Hongrois 
de Festetitz, qui est en etat d*enlever tont au plus quelque peu de fourage au pre- 
mier, sans oser Jamals tenir bon nulle part, moins encore se presenter p&r euz memes 
pour Youloir mordre. Nous voilä au tems, oü ayant Prague et Egra je suis encore 
en possession des pi^es principales du royaume de Boheme, et qu'a moins de gag- 
ne)r sur Tarmee Fran9oise une bataille bien complete, on ne S9auroit empecher les 
marechaux de se joindre. Enfin nous voilä au tems, oü ayant conserv^ toutes les 
villes de defense et ayant une armee superieure en Baviere, je suis en ^tat de m^en 
procurer Tevacuation moi mSme sans Tacheter aux prix de celle de Boheme. Sur 
Tarticle de Passau c^est ä savoir, que je ne Sfaurais jamais le ceder, etant ä con- 
siderer comme une clef de la Baviere, et comme un parapet, qui doit me garantir 
des invasions, que j*ay bien plus ä craindre du plus puissant que celui-cy ne Ta du 
plus ÜEuble. C'est un argument, que lord Stair est trop entendu pour ne le pas 
comprendre et trop raisonable pour ne s^y pas pr^ter. On aimeroit faire peur ä la 
France, et on debite pour cela mille contes des plus faux et invent^ ä plaisir. 
Comme ce n*est plus le tems de Tintimider, son armee etant d^livr^e, il est encore 
plus moins celuy de ceder aux menaces des Lorrains. Le grand-dnc ayant dejas 
offert de laisser retourner librement toutes les armees de France n*a pas manque 
de marquer par lä son peu de reconnaissance et de compiaisance pour les Anglois, 
leur envoyant par consequent sur les bras ces, dont il vouloit absolument se deba- 
rasser. Si cela se fait au vert, que n^arrivera point au sec? Les puissances mari- 
times n*ont qu*ä voir par lä, combien de fond qu'ils puissent faire sur Tamitie de la 
cour de Yienne et combien ils profiteroient mieux par l'acquisition d*un ami solide, 
qu'ils retrouveroient toujours en moi, apres quHls auroient consolid^ mon ^tat, qui 
m'est taut necessaire pour que je puisse etre utile ä mes amis. 

On me dira, que la France a consentie de rapeller les trouppes ä condition 
de la double eväcuation, y comprise celle de la ville de Passau. II est vrai, mais 
ne Test-il pas aussi, que ce fut pour delivrer par lä son armee et la ville de Prague, 
qu'elle a vu en danger. Cet objet ne subsistant plus, et la cause finale ayant et6 
enlevee entierement par la lev^e du siege faite depuis non pas de gre et par accord 
avec les assiegeants, mais effectuee par la force et par la marche du marechal de 
Maillebois, marche onereuse, comptueuse et delicate pour )a France, le consentiment 
comme cause efficiente et conditionee a cesse de meme, les choses ont bien change 
depuis et ont pris depuis la levfe du siege une face toute diflferente. La France ne 
s'y trouve plus et d^autant moins engagee, que je n*y avois jamais consenti ä cette 
condition. Je vous advoue meme que les choses se trouvent presentement dans la 
bonne Situation et teile, que je serois fort embarassä, si on me prenoit au mot de ce 
que je vous ay passe par le demier courrier. D &udroit en' tont cas songer du moins 



124 

a la surete de mou pais moyenant Passau, Egra et Knffstein, et oela avec 
des boones garanties. Tout cela rnSme ne s^auroit etre pris, qne sur le pied des 
preliminaires , puisque je ne s9aarois jamais me departir que d^un des deux, j*eii- 
tends d*un ancien royaume de Boheme ou d*un nonyeau de Baviere. 
An demier il faudroit bien du pais pour son etablissement par un arrondissement 
ample et süffisant, arrondissement, au quel les pais de Neubourg et de Soultzbach 
auroient toujours a se trouver et ä y ^tre compris. S*il s'agit d'etablir une barriere 
entre les deux parties belligerantes , la meilleure en feroit la riviere d*Ens, le pais 
en de9a ayant dejas appartenu autresfois ä la Bavidre, et alors les deux parties 
pourroient faire des fortresses .chacune ä son gout Tun d^un cot6 et Tautre de Tautre. 

Je Yous envoye h cette fin un projet, qui a et£ fiEiit par quelqu^un en Prusse, 
qui m^est attache. Yous y verrez bien, que luy meme le met pour un pis aller, 
e'est a dire au cas, que l*on ne s9auroit soutenir la Boheme. C^est donc le premier 
point de vue que la conservation de ee dernier royaume, et c^est sur celui-cy que 
YOUS deYez insister le premier et le mieux, en faisant bien conceYoir, combien il 
seroit de la decence de Tempire, combien mSme il lui seroit advantageux et combien 
aussi il seroit utile aux puissances maritimes , acquierantes par la un ami puissant et 
une Maison, qui luy auroit une Obligation eternelle. 

n est sorti recement une brochure de la cour de Yienne en date du 19. sept. 

sous le titre de lettre circulaire ä ses ministres, pie^e, qui est insolente et qui de- 

mande absolument une replique. Si je n'ay pu me resoudre de toumer casaque Yi* 

lainement ä un amy, qui est Yenu ä mon secours, c'est que je suis honet-homme, et 

pas capable d^etre porte ä rompre foy et loy comnie d'autres. Mais tels, que soyent 

mes sentimens irreprochables, je n*ay du moins eu besoin d^aYoir recours aux 

bassesses, ou d^ecrire ä Bersasque, Yalet de chambre du cardinal (ainsi qu^a fait mon 

predecesseur dans Tempire) pour m^attirer la cour de France. On peut par la Yoir 

clairement que la cour de Yienne ne trouve mauYaise mon alliance aYec la France, 

que par raison, qu^elle est contre ses interets, et que si la France auroit Youlu se 

Her aYeo eile, bien loin d*y trouYer ä redire, ce grand et preteudu zele pour le bien 

de VAUemagne auroit bientot CYanoui. Cette couronne n^auroit plus ^t^ suspecte, 

et enfin les m§mes raisons, que la cour de Yienne fait Yaloir contre, auroient 6te 

employ^s pour la meme alliance, ce qui manifeste la faussete, qui de son cot^ 

s'en mele. 

Charles, 



37. 

Francfort ce 3. cPoct. J74Ji. 

Gh. c. d. S. J*ay appris par Yotre relation Allemande en date du 28. sept. 
le sentiment, dans le quel Lord Stair yous a parl^ sur le demier secret de com- 
mission, qui a sorti ä la Diette. J'ay appris le dessein, que Yons aYez pu com- 



125 

prendre de son discoarg aussi bien qae de celny du minisbre de Hessen Gassei , que 
TAngleterre sonhaite yeritablement mon accomodement ayec la cour de Vienne, mais 
qa'elle ne yeut absolament pas, que la cour de Yienne fietsse nn armistice avec la 
France ny directement ny indireotement, parce qu^il est resolu de chasser de 
force toutes les trouppes Franfoises hors de Tempire. J'ay appris 
enfin, que le tout se reduisoit ä savoir, si sans ÜEiire mention de la France ny de 
see trouppes auxiliaires je pouvois et voulois oondure un armistice et un accomode- 
ment uniquement par rapport ä mes propres etats? 

Qae, si je pouTois m*y resoudre ä l'exclusion de la France, il y auroient de 
tres bonnes esperances de conduire cette negociation preliminaire a une bonne fin, 
la quelle toutes fois ne seroit guere possible d'obtenir^ si je voulois y comprendre 
la couronne de France ou ses trouppes, par ce que de la part de l'Angleterre on 
yeut lui faire la guerre yigourensement. 

A.yant que de pouyoir repondre ä une proposition aussi delicate, et qui merite 
bien de reflexion, il est indispensablement necessaire de penetrer d^avantage les in- 
tentions de TAngleterre et d'en tirer plusieurs eclaircissements tr^s essentiels. 

La cour de TAngleterre paroit se contredire, car d'un cot^ eile temoigne d'ayoir 
principalement en vue de faire sortir les trouppes Fran9oises de l'empire et de Tautre 
cote son ministre desapprouye le decret de commission, dont l'object principale est 
precisement le meme. 

Lord Stair dit, que la declaration &ite par moi ä la Diette de faire sortir les 
dites trouppes Fran9oises de la Boheme, 6toit capable de faire changer les bonnes dis- 
positions, que la cour de Yienne avoit de s^accomoder ayec moi, dans le tems qu'il 
est notoire, que cette cour l'avoit propos^ eile meme aux mar^chaax, et que les troup- 
pes seroient dejas de retour en France, si cette negociation ne s^etoit accrochee ä Teya* 
cuation reciproque de la Bayiere. Ce changement total des sentimens de la cour de 
Yienne ne proviendroit donc pas du secret de commission, comme lord Stair veut 
le faire accroire, mais plustöt de la volonte de .l'Angleterre, de la quelle, comme il 
est pronve par lä meme, la cour de Yienne depend entierement. 

Mais supposant, que pour me conformer entierement aux desirs de l'Angleterre 
je consentis ä Tarmistice k exclusion des trouppes Fran9oises, qui ne sont venues 
en AUemagne que sur ma requisition et ponr m'aider au defaut de tonte autre as- 
sistence a soutenir mes justes droits, il est bien naturel de prevoir, que de ce mo- 
ment je n'aurois plus ä esperer de la France aucun secours, de quelle espece que 
ce put etre, et que je me trouverois reduit ä vivre avec ma cour et mes trouppes 
des seuls revenues de mes etats entierement ruines par Tinhamanit^ de mes ennemis, 
ce qui etant impossible, il s'agit de savoir: 

Premierement et avant toute chose, par qael moyen soit en cedant des pais, 
ou par des subsides on voudroit suppleer h la perte, que je ferois de l'assistance de 
la couronne de France? 

Et en second lieu, quelle satisfaction reelle et proportionnee ä mes justes droits 



126 

rAngleterre pourroit m'assurer ä la paix generale? a moins de quoi pourroit-on 
me coneeiller d'abandouner la France, dont toute TEarope connoit les grandes re- 
soorces, pour se livrer ä la discretion de la cour de Yienne, et pour attendre de son 
bon plaisir, ce qn'elle Tondra ä la fin decider aar mon sort. II est donc abeolnment 
necessaire de faire expliqner TAngleterre sar des points si importants. 

Au reste il n*est pas difficile de comprendre, qne la principale yne de cette 
cour tend de £äire perir d'une manidre ou d'autre les armees Fran9oi8e8, qni sont en 
Allemagne, et de mettre par la la Franoe hors d'etat de soutenir la gaerre, qne 
'TAngletevre pretend luy faire. Elle ne demande d'ezclure les tronppes Fran9oises de 
rarndstice, que pour les accabler dans leur retraite avec le secours peut-etre de 
quelqn'autre pnissance,, qui ne s'est point declaree encore. Mais il est ä considerer, 
que cela arriveroit ou dans le haut Palatinat, ou dans les cercles de Tempire, que ces 
tronppes ont a traverser, de sorte qu*une partie des mes propres etats et des ceux de 
Tempire deviendroit le theatre d^une guerre d'autant plus raineuse, que dans un eas 
pareil tout iroit dessus dessous. Et que les Fran^ois battus ou victorienx laisseroient 
par vangeanoe dans Tempire des fanestes traces de leur passage, dont la cour de Yienne 
ne manqueroit pas de m^imputer tous les malheurs pour me rendre odieux ä tout le 
Corps Germanique, ce qui est Tobjet masque de tous ses vues et de ses demarches. 

Les miennes en revanche ne tendent qu'ä la conservation de Tempire et ä 
Celle d'une tranquillit^ solide et durable, ainsi que je me suis declare en tous mes 
decrets de commission. 

Les edaircissements , que vous tirerez du lord et que vous porterez soigneuse- 
ment ä ma connoissance, me mettront en etat de repondre convenablement a la 
qnestion principale, qui m'a etä faite. Tachez toujours de tirer des reponses claires 
et cathegoriques, pour etre dispense de retourner ä la Charge et faire quelque question 
ulterieure. Je prie Dieu etc. 



38. 

Francfort ce 5. ctoct. 1742. 

Ch. c. de 8. Je ne s9aurois dissimuler, que la depeche de votre oourrier m'a 
fait nne double surprise, dont Tune a 6te causee par le contenu des points du pro- 
jet, que vous m*avez euToy^, et dont Tautre tous regarde, qni avez pu gagner au- 
tant sur vous meme et accepter des propositions de pareille nature pour vous laisser 
porter k m^en faire communication. Tout ce qu^on pent y repondre est, qu^on ne 
connoit que trop par la, que du cot^, d*oü les dites propositions derivent, on n'est 
point intention^ pour un accomodement amieable, comme toutes fois on aimeroit le 
faire accroire. J*ay bien de la peine toujours ä me persuader, que le roi pense a 
fait de meme avec son ministre* C'est bien assez dit sor un projet, qui affecte de 
dire trop, pour ne rien dire, rien du moins conforme au bnt, qu^il pretend avoir 
d*un accomodement raisonable. Au reste vous avez dejas re^u mes instructions 



127 

d^avanoesi aax qnellee je me refere en mettant trop de confiance dans Tegnit^ du roy 
Brittanique et dans le deeir, qne lord Stair a temoign^ avoir d*an aocomodement 
pour ne pas esperer, qu^il ne fera an antre plan, sur le qnel on pourra da moins 
entrer en negbciation. J^espere qae yoas me menagerez mieax nne aatre fois et 
je prie Diea ete. ^^^^^^ 



39. 

Franrfort ce 9. d'oct. 174^. 

Gh. c. d. S. Le contena de la feaille imprim^e cy jointe n^a pas £Eiit le motif 

de la depecbe da coarrier, qai Toas la remettra, mais eile a toates fois occasione 

ce qai a suiyi et ce qai me fat rapporte ce matin par un coorrier, qai venant de 

Manie en droitare a 6ie le vif temoin, qae les Aatrichiens intimides par ce, qai est 

arriv6 ä Landshaet le qaatre da coarrant, et par ce qae d*an cot6 le marechal de 

Seckendorff a fait passer Tlser ä mes troappes en ^ plasiears endroits dans le tems, 

qae de Tautre le lieatenant general comte de Preysing a ayance avec an corps sar 

TAmpre vers Dachaa» croignants par la d*6tre enfermes de tout part, ont troav^ 

ä propos de prendre lear parti plastöt meme, qae je n'aarois pa m*y attendre, et 

c'est poar cela, qa*ils se sont determinäi ä ne pas hesiter, d^^vacaer ayec precipita- 

tion la yille de Manie le six de ce mois et d*en sortir ayec canons et bagage sans 

qae Ton sache an jaste encore, si poar se saayer ils ont enfilä le chemin de Tirol 

oa bien celai de Passaa, mais j'en seroi eclairci par le premier coarrier, qae le 

marechal de Seckendorff m'enyerra et qae j'attends d'ane heare ä Taatre. Je m^at- 

tends aassi ä sayoir ses dispositions, qai n'aora pas manqae de &ire saiyre an bon 

detachement de dragons poar les joindre en marche et les regaler, comme ils le me- 

ritent, en lear otant les bagages et deliyrant les otages, qai ont train^ ayec eax. 

Milord Stair sera sorpris de cette noayelle, qai m'ayant procura la deliyranoe de la 

capitale de la Bayiere, point par accord (comme toates fois on Tayoit propose), mais 

ä beau jea et ä bonne enseigne, change la these et ote k TAngleterre Toccasion 

d'on merite, qu^elle aaroit pa se £a.ire, et aa qael on ayoit peat-etre aassi liea de 

s^atteadre. Ayec toat cela comme mes bonnes intentions ne manqaent point de fer- 

met^, je les continae de meme et me flatte, qae lord Stair ne faira pas aatant ä 

r^ard de ses id^, mais. qa*en se reconnoissant mieax il se pretera aassi ä dresser 

an nouyeaa plan, et tel, sar le qael on paisse parier, traiter, et finir le tont par les 

yoyes amiables, qa'en bon patriot et chef de l'empire j'ayois plas d*ane fois propos^ 

poar 1 amoar de son repos et poar Tepargne da sang de tant des brayes et honnets 

gens. Je prie Diea etc. 

Charles 

Ce 10. octobre 1743. 

F. S. Je yiens d'apprendre par an antre coarrier, qu^an de nos detachements 
Abh. d. m. a. d. k. Ak. d. Wiss. XIY. Bd. I. Abtb. 18 



128 

a enleve deux commissairs 'des ennemis avec quelque argent et pris officiers et sol« 

data, qui Tescortoient au nombre d'environs 150. Les ennemis ont pris le chemin 

de Wasserbourg , et le marechal Seckendorff a resoln de les snivre anssitot qu^il aara 

occnpe la ville de Munic. Comme lord Stair voos a dit, qn'ils ayoient des prenves 

en main ponr me convaincre de ce, que les FraD9ois ont vonla s*accommoder , en 

sacrifiant mes intereis, dites luy, que pour m'en persuader je serois bien aise 

de les voir. 

Charles. 



40. 

Francfort ce 18. de Nov. 1742. 

Ch. c. d. S. La votre du 13. de ce mois m*a fait entendre, que la provinee 
d^Hollande renfermant deux £action8, qui auront de la peine ä se reunir sur la dif- 
ference de leurs principes, ont juge mieux faire de ne rien conclüre du tout, du 
moins pour cette fois cy. Les evenements fiiturs, qu*elles aiment mieux attendre, 
leurs serviront apparemment de regle, aussi £Ait il bon ordinairement de pouvoir les 
voir venir et de ne pas se presser, suppose, qu'on ne le soit pas. 

J'ay eu une vraie satisfaction d*apprendre les sentimens, dans lesquels le pension- 

naire de la ville de Dortrecht yous a parle et comme il a la repetutation d*un homme 

sage, entendu et digne de la dignit^, qu'il remplit, ses sentiments «ont d^autant plus 

fiatteurs pour moi, qu*ils sont les memes avec les miens, que j*ay eu non seulement 

avant la guerre, mais aussi lors dejas, que la cause etoit encore integre. J'entends 

avant, que le manage ne Tavoit mlnere. Enfin c'est une chose &ite, qui ne s^ait 

plus ^tre redressee, eile S9aura toutes fois etre raccomod^e le moins mal, qu'il se 

pourra, et j'aurois ä me promettre beaucoup de bons effets, si je pouvois compter 

beaucoup de ces amis, qui sont empressä de pouvöir en tems et Heu s^employer 

utilement en ma faveur. Je placerai bien dans ce rang le susdit pensionnaire en 

6gard ä son esprit, ä sa solidit^, ä son integrit^ et k sa fii^on de penser. Tachez 

de le cultiver le mieux, que vous pourrez. Ce que il vous a dit touchant les sub- 

sides ä donner en place des trouppes auxiliaires, c'est encore ce, qui est entierement 

d'accord avec ce, que j*avois pense et dit dejas plusieures fois , de sorte , que j*ay ä 

me flatter, qu*un ministre si par&itement d'intelligenoe avec mes idees que celui, du 

quel vous me parlez, ne sfauroit guere etre contraire ä mes interets. 

Je prie Dieu etc. 

Charles. 



41. 

Francfort ce 17. de Fevr. 1743. 

Ch. c, d. S. J'ay trouvä dans votre relation en date du 29. du passe deux 
questions, que vous a fait le pensionnaire de la ville de Dortrecht , et sur lesquels il ne 



129 

conviendroit pas vods laisser non instruit. La premiere en fnt, si un armistice ne seroit 
pas de mon gout, et la seconde, si Ton se pourroit savoir, de quo! je vondrois me con- 
tenter en m'accomodant entierement et sincerement avec la coar de Yienne. A la 
premiere vons avez ^ lui, eomme h, tont antre, oü Toccasion se presente d'en parier 
utilement, ä faire entendre, qn*ayant les mSmes sentimens tonjonrs, qne j'ay declar^ 
plus d'une fois, et que meme j'ay passe ä la Diette de Tempire poor un accomodement 
raisonable avec la conr de YieDne, de m'unir avec la grande duchesse et sa Maison 
sincerement et etroitement, je ne s9aurois me departir meme de celuy de vonloir aussi 
debater par armistice (accompagne toates fois d'une entiere evacuation de mes püs, 
evacnation, qni s'entend sans dire) au cas qu'un accomodement complet rencontreroit 
trop de difficultes ou demanderoit trop de tems, et cela pour Tamour du repos public 
et pour que moi meme (non plus que personne, qui que ce soit) ne puisse trouver, de 
quoi me reprocher , comme si je n'eusse voulu me preter aussi aux fa9ons , les mieuz 
aisees peut-etre pour parvenir plustöt au but salutaire de la tranqnillite de Tempire 
et de la conservation de son bien. Touchant la seconde il >est moins aise et trop delicat 
de s*onvrir, vous savez le mauvais usage, qu'on a fait ä Londres, des points de pures 
idees, qui sur Tinstance reiteree plus d'une fois de 1^ dite cour y avoient passe 
seulement en guise de brouillon, ayant ^tes sans signature et sans antre marque 
legale. II ne conviendroit donc pas d'y donner une seconde fois, mais il suffira de 
dire et d'assurer, que je me preterai ä ce, quMmpartialement on pourra juger rai- 
sonable, en double consideration Tune et Tautre bien pesee, dont la premiere regarde 
le poid et Vetendne de mes justes droits, aux quels je ne suis non plus le maitre de 
deroger au prejudice de ma succession et de ma Maison, que je n'en ay ete le pre- 
mier acquiseur, et dont la seconde a pour objet la dignite ä soutenir avec decence 
et lustre, qui convient ä un chef de Tempire, et avec un fond des trouppes, qui 
pour le maintien du repos et du secours dans Tempire est indispensable , malgr^ que 
mes propres pai's, dans lesquels j'aurai k retonrner, soient tous suc^s et devastes. 
C'est bien au jugement juste et equitable d'un corp tel, que les etats generaux ont 
la reputation de T^tre et en ont donne aussi des marqües en tant difiPerentes occa- 
sions, que je me fieroi, et quHls tireroient de moi une confiance egale ä la grande 
estime, que dejas ils ont gagne sur moi. 

Comme il passera au premier jour un de mes courriers ä Londres, sa depeche, 
dont on vous enverra extrait ou copie, vous instruira de meme sur l'article des 
points d'accomodemeut, que j'avois sur les instances de la cour de Londres y fait 
passer, et dont le peu de bonne foy de cette cour a fait ä present un usage si in- 
digne et desavantageux ä mes interets. En attendant je prie Dien etc. 

Charles. 



18 



130 

42. 

Franefort ee 20. de Fevr. 1743. 

' ^ 

Gh. c. d. S. J^aj re9u vos relations au sujet de Tidee de plan, qui doit avoir 
fiiit tant de brait, et j'ay ä vous dire principalement sur vos trois dernieres rela- 
tions dn 8., du 12. et du 15. du courrant, que irous pouvez declarer aux etats ge- 
neraux, que, si le baron de Haslang a fait des ouvertures confidentiales ä la cour 
Brittanique, oü 11 a aussi ^t^ question des pus-bas Autrichiens, les etats generaux 
peuvent non seulement se tranquilliser entierement ä ce sujet, mais aussi etre bleu 
assnres , qne jamais je n'ay eu Intention de changer ' par lä la moindre chose au 
sisteme etabli de ce cote, ny de porter le moindre prejudice aux puissances mari- 
times, ainsi, que peut-etre gens mal intentionSs Tont os^ debiter faussement, et que 
pour en donner une marque certaine aux etats generaux, il me sufQt de savoir, que ' 
ce point pouvoit leur donner de Tombrage, pour que, si m^me j^y aorois pense, il 
u'en soit desormais plus question. 

Les etats generaux verront par lä, combien mes sentiments sont ^loignä de 
ceux, qu'on veut m'attribuer, ils verront, que je veux me cultiver leur amitie en 
tout tems, et verront de meme, que je ne refuserai jamais entrer en accomodement, 
pourvu qu'il soit raisonable. Je prie Dieu etc. 

Charles^ 



43. 

Francfort ce 2. de mars 1743. 

Ch. c. d. S. J'ay vu par votre relation Fran^oise du 22. du passe, que ma 
derniere Instruction du 17. vous a 6te bien, rendue, que vous en avez fait pr^s deux 
deputes de la province d^Overyssel bon usage, et qu'ä un de ces deux, savoir au 
comte de Rechtem, vous en avez meme donne quelques points sur sa demande, dont 
vous etes persuade, qu'il fera, comme aussi il a promis en honnet homme, bon usage. 
Bien qu^il est bien delicat et risqueux toujours pour un ministre de communiquer 
en ecrit, sur quoi il n'aura ete auparavaut instruit, je veux esperer toutes fois, quMl 
n'y aura rien ä craindre en cette occasion en egard ä la droiture, que vous attribuez 
au dit deput^) et ä la parfaite connoissance , que vous avez de lui. Vous insistez 
pour que, conformement au^ sentiments du dit comte, je devrois absolument faire 
faire quelque declaration, soit par un ecrit ostensible par vous, soit d^une autre 
fa9on pour appoiser un peu les esprits et les prejuges de beauooup de gens de la 
republique, qui sont d*opinion, que je veux absolument depouiller la gr. duchesse et 
faire passer ä la fin les pais-bas dans les mains de la France. 

Pour ce qui regarde la surdite declaration ä faire, mon instruction du 20. 
fevrier, que je vous ay pass^ avec le courrier Bayrland, vous aura dejas mis en etat 
pour cela, ainsi que sans en faire la repetition, je veux vous instruire ä fond de ce, 



131 

qni a occasione les points, qni fönt taut de broit, et veux tous instroire de meme 
de lenr objet, par leqnel on jugera, combien mal sont fond^ les mauvais prejuges, 
qu*on en &it, et combien on les calomnie en les debitant ponr exorbitants. II est 
ik savoir que 1) tout Tunivers doit reconnoitre, qa*il est jnste et eqnitable, que j'aye 
de la satisfiEiction ponr les droits de ma Maison; qne 2) on m^avoit fait entendre 
iL la conr de Londres, qne mdme on s'y preteroit ä condition, qne cette satis&ction 
ne snppose pas nn demembrement et cession des royanmes et pais de la gr. dnchesse; 
qne 3) on avoit tronvä ä propos, qne, &nte de faire rentrer dans mon patrimoine 
des royanmes, snr les .qnelles meme s'etendent mes droit, on erige dn moins la 
Bavidre en royanme. On comme il fandroit ponr cela absolnment un aggran- 
dissement de mes pais, la conr de Londres demanda ä mon ministre plnsienres fois 
et avec empressement nn plan (aprds qne son ministre ä la Haye, le lord Stair, en 
ayoit fait denx des plus eztravagants), de qnelle maniere cela se ponrroit execnter, 
sanve tontes fois la condition mention^ cy dessns. Je ne vonlois pas me laisser re- 
procher, qne sonbaitant d^nn cote nn accomodement amiable, comme je m*etois de- 
clare plns d*nne fois et meme declare par decret de commission ä la Diette de Tem- 
pire, je puisse de Tantre cot^, ne m'expliquant pas snr ce, qii*on me demnnde, 
m'exposer an jnste reproche de n'avoir pas Tonln. Comme effectivement, qni vent 
nne chose et ne vent pas les moyens eqnitables ponr cela, est tax^ de droit de ne 
la pas vouloir. Je debntai par remettre le soin et la fa^on de Tarrondissement des 
mes pais ponr les eriger en royanme anx dispositions et ä Tarrangement des faturs 
mediatenrs, Tinstrnction, que j*ay passe ä Haslang le 30. dec. en fait foy, mais comipe 
cette mienne ouvertnre ne vonloit pas suffir ä Londres, et qu'on me ponssoit et 
pressoit ponr avoir de moi qnelque idees precises, j*en ay passe ä la fin, mais passe 
simplement, avec Texpression meme, qne j'avois adjont^ a mon instrnction, que Tar- 
ticle de Tarrondissement de mon pais patrimonikl ne s'y tronve qu^en general, et 
cela par la raison, pour qne les mediatenrs en fassent l'arrangement. Ponr le 
pen que je suis entr6 en detail et qne je n'ay fait que ronger quelques possessions 
de la gr. dnchesse, sans les qnelles Tarrondissement de mes paäs ä faire deviendroit 
impossible, et, bien considere, qne par le pen des dites possessions, qui ne fairoient 
d*un cote qne, pour ainsi dire, la poussiere, et qui de Tantre ne faisoient que 
Vombre de mes justes et vastes pretensions et de Celles de mes ancetres, j*ay lieu 
d^etre persnad^ positivement, que par la je n'aurois Jamals pu contrevenir a la con- 
dition, qni vonloit, que l'arrondissement en question ne se fasse pas anx depens des 
royanmes et pais de la gr. dnchesse, et moins encore aurois pü m'attirer sans injus- 
tice de blame du pretendu depouillement, la grande dnchesse surtout restant dans la 
tranqnille possession de ses royanmes m^me et vastes pais, dont je ne faisois qne 
rabatre, ce qn'en comparaison de mes droits ne £Edt qu'un objet si pen sensible, et 
dont je ne S9aurois comment repondre nn de ces jonrs ä ma succession, si Tamour 
pour le calme dans Tempire et pour le retablissement si necessaire de son repos ne 
89auroit en cela m'en justifier. Si la qualite de Thypothec demandee a pu offenser 



132 

ceax, qui en ont pris connoissance , Voffense seroit bien materielle, involontaire et 

oppos^ meme h ma volonte, puisqne je ne l'avois nommö que dans la forte per- 

suasion, que je choisissois ponr hypothec jastement, ce qni feroit, comme je voulois 

aossi, le moins d'ombrage. Je eavois mSme, que la cour de Vienne eut par le passe 

eu bien des occasions et bien des fois bien moins d'attachement pour les paiVbas 

que pour tout antre, et par cette raison je les avois projette avec preference dans 

rintention möme de rencontrer en cela son gout plustöt que le mien. Pour moi je 

ne demande pas mieux , que d'avoir poar troque un autre hypothec equivalent, tout 

autre de tout autre pai's, situ^ par tout, oü il voudra, pourvü qu*il soit bien reel, 

me seroit toujours plus de ma convenaiice, puisqu^il me seroit de toute fa9on plus 

sur, plus util et moins onereux, que ne seroienfc les pais-bas. ün chacun, qni con- 

sidere le tout avec justice et equite, ne S9aura se dispenser de connoitre et de con- 

venir, que pour mes justes droits il me faut de la satisfaction, et la faut teile, qui 

soit mesuree avec une proportion du moins un peu approchante. 

Tout le monde connoit d'ailleurs, que pour eriger un royaume selon Tinten- 

tion des mediateurs memes (connoissants parfaitement bien qu'a moins de con- 

tinuer la royaute dans ma Maison la paix ne s9auroit se faire), il me faut une aug- 

mentation de pais, et quMl n'en faut pas moins pour le soutien de ma dignite sur 

tout dans le tems, que mes pais sont entierement ruinös et ont souffert plus de 

trente millions de domage. 

Je prie Dien etc. 

Charles. 



Francfort ce 3. de mars 1743. 

P. S. 

Apres avoir fini mon instruction du 2. de ce mois j'ay re9u votre relation du 
26. du passe, par laquelle voas accusez principalement la depeche de mon courrier 
Bayrland, qui ne vous a trouve que le 25. avantmidy. 

Or comme vous avez tire les points, que vons avez envoye en copie par votre 
depeche, qui est arrivee hier, et que vous me dites d'avoir remis au depute le comte 
de Rechtern apres les avoir tire de mon instruction du 17. du passe, je vous de- 
mande copie de la dite mienne instruction du 17. fevrier, que je ne retrouve pas 
d'abord et qui pourroit tarder trop avant que de me revenir en main. Mais copiez 
la d*un bout a l'autre, et mettez y aussi la signature teile, qu'elle y est. 

Vous me dites ^tre convenu avec le majrquis de Fenelon de ne faire de mon 
instruction du 20. fevr. d'autre usage, que d*en communiquer ä peu pres le contenu 
aux ministres et aux premiers membres de Tetat et cela- verbalement et de bouche. 
8i m§me ä ceux des membres vous auriez 16 la dite instruction pour donner plus 
de forme ä ce, que vous leur en aurez dit, que vous jugez les mieux port^s et con- 



133 

fideutiores, il n'7 aaroit pas eu de mal, pnü qa'elle est cob^qS en de termea 
81 menag&i, qa'elle petit fort bien etre vae. 

Yons ADrez apprie par mon instrnction precedente, comme quoi Haalaag o'a 
non seulenient jamais en ordre de donner qaelqae chose par ecrit ä la conr de 
Londres, mais eneore qne ce, qu'il 7 a domi£, lui a ^t^ reproch^. 

Et c'est bien sar ca thon, qtii est dans le fait vrai . et reel , qae j'ay falt parier 
et äcrire par nies ministres. La deolaration du comte de Podewila a bien soo merite 
et poHr peu que Ton continne ä parier aur ce thon, les bons effets n'en sfanroient- 
manqner. La palle que quelques uns de ministres de l'etat ont saus j penser mia 
ä Toreille dn comte de Podewils in pnncto resti tntionis in integrum, que la 
grande dachesse pourroit bien demander, n'est pas une bagatelle et ne sfaoroit etre 
indifferente au roi de Prnsse, pour qn'il ne reuille penser anx meanrea, qni lui eon- 
vienneut et poor qu'il se sacke, comment s'y prendre. Qnoique la n^ociation de 
Cobenzel n'a en jnsqn'ici poar objet qne de faire valoir la protestation donule dejas 
l'annee echüe an anjet de l'exdnsion voti Bohemici et Aastriaci respectn duplicis 
collegü, electornm et principnm, protestation, qa'il aimeroit fort &ire porter en pro- 
position ä la Djette (en qnoi il n'y a pas apparence qu'il reussira, puiaqu'il n'y a 
pas de Diette ponr qoi-n'en a pas reconnn la translocation et moins eneore son 
chef^, il se pourroit bien toates fois, qu'il sortiroit eneore de sa poche nn de ces 
jonra le poiot de t'eiection ä faire d'un roy des ßomaina en bveur du grand-duc 
puis qne je 8^ de boone part , combien on est coe&e & Yienne de cette id^ anssi 
exorbitante qne contraire au bien et repoa de Tempire. 

Charles. 



s 



Der Elsässer Aagnstinermönch 

Johannes Hoffmeister 



und seine 



Korrespondenz 



mit dem 



Ordensgeneral Hieronymus Seripando 



Ton 



August von Druffel. 



Abh. d. m. CL d. k. Ak. d. Wisa. XIV. Bd. I. Abth. 19 



Der ElsSsser Augustmenaönch 

Johannes Hoffmeister 

und seine 

Korrespondenz 

mit dem 

Ordensg^eneral TTi er ony miis Seripando 

Ton 

August von Druffel. 



Aus der geringen Zahl der Männer, welche sich in der ersten Hälfte 
des sechzehnten Jahrhunderts die Vertheidigung des alten Kirchenthums 
gegen die reformatorische Neuerung Luthers zur Aufgabe machten, ist 
Johann Hofl&neister aus Colmar als einer der ersten zu nennen. An 
geistiger Bedeutung freilich konnte er sich weder mit den meisten seiner 
Gegner, noch auch mit einem Cochläus, Nausea oder Faber messen, 
welche mit ihm auf derselben Seite kämpften; auch ist es keineswegs über- 
triebene Bescheidenheit, wenn HofEmeister hervorhebt, dass es ihm an ge- 
lehrter Bildung fehle; dies war einer der Gründe, wesshalb er den 
Doktorgrad nicht zu erlangen vermochte^). Aber er ersetzte diesen ^ 

Mangel durch glühenden Eifer für die Erhaltung der katholischen Reli- 
gion, durch nie ermattende Thätigkeit; obgleich er im kräftigsten Mannes- 
alter, vor Vollendung des vierzigsten Lebensjahres starb, konnte er doch 
auf ein vielbewegtes Leben voll angestrengter, freilich wenig fruchtbarer 
Arbeit zurückblicken. Zahlreiche Schriften waren von ihm der Oeffent- 
lichkeit übergeben worden, andere grössere befanden sich in seinem 
Nachlasse und wurden auch noch zu einer Zeit für druckwürdig erachtet, 
als das katholische Lager bereits wieder zahlreichere und tüchtigere 



1) Die entgegenstehende Angabe Jöcber's ist irrig. 

19 



138 

Kämpen zählte. Bedeutender noch, als seine Thätigkeit mit der Feder, 
muss Hoffmeisters gesprochenes Wort gewesen sein, welches er miermüd- 
lich und an hervorragender Stelle .erschallen liess; er war als Kanzelredner 
gefeiert Zudem bekleidete Hofl&neister in den letzten, das heisst in 
den wenigen überhaupt in Betracht kommenden Jahren das Amt 
eines Ordens-Provincials von Schwaben und am Rhein, schliesslich trat er so- 
gar an die Spitze der Augustmerklöster von ganz Deutschland, Sein 
Ordensgeneral und seine späteren Ordensgenossen 2) stellten Luther und 
Hoffmeister einander gegenüber, sie sprachen es aus, dass der Orden, 
welcher durch Luther den religiösen Frieden der Welt gestört, durch 
Hofl&neister seine Schuld gegen die Kirche einigermassen gesühnt habe. 
Dass diesem die Erhaltung der wenigen nach Luthers Abfall dem Orden 
in Deutschland verbliebenen Trümmer in der That eifrig am Herzen lag, 
zeigen seine in der Bibliothek zu Neapel^) aufbewahrten Briefe, welche 
neben seinen theologisch-polemischen Werken uns fast ausschliesslich als 
Quelle dienen, um sein Leben und Wirken zu verfolgen; Denn gleich 
den andern antireformatorischen Schriftstellern hat auch Johann Hoff- 
meister in der neueren Literatur nur wenig Berücksichtigung gefunden*). 

Hoffmeisters Jugend liegt völlig im Dunkeln. Er wird ungefähr 
1508 geboren sein, im Jahre 1534 erhielt er die Priesterweihe und be- 
gann dann seine Predigten, und zwar, wie es scheint, sofort in Colmar % 
Seine schriftstellerische Thätigkeit fing er im Jahre 1538 an. Damals 
erschienen von ihm in Freiburg i. B. Dialoge, worin ein Anhänger des 
Papstes (pontificius), Johannes, gegen einen Lutheraner, Jakobus, auftritt. 
Es ist die Absicht des Verfassers, die Meinungen der Lutheraner auf Grund 
ihrer eigenen Schriften als hinfallig hinzustellen und nachzuweisen, dass 



2) TorellL SecoU Agostiniani, Bologna 1686, benatzte in Bd. Vm die Briefe Hoffmeisters an 
Seripando und umgekehrt; des Letzteren Seh reiben kenne ich nicht, ich benatze daher die Tor- 
reilischen Aaszüge. 

Gandolfo Dissertatio historica de 200 celeberrimis Angastinianis, Rom 1704, bespricht 
gleichfalls Hoffmeisters Leben, ohne jedoch Tiel Neues beizubringen S. 216. 

3) Armadio XIII, Aa 58 ist die Signatur des betreffenden Bandes, über dessen Inhalt man aller- 
dings aus den Angaben Calenzios in den Documenti sul concilio di Trento sich nicht genügend 
unterrichten kann. 

4) Auch Lämmer, die Tortridentinische katholische Theologie erwähnt kaum seinen Namen. 

5) Brief Nr. 1 . 



sie nicht bloss unter sich uueinB seien, sondern aucli selbst an vielen 
Stellen ihrer Schriften die katholische Lehre vertheidigten. Hoffmeister 
gibt bereitwillig zu, dass eine grosse Zahl von Missbräuchen in die Kirche 
eingedrungen seien, aber er verlangt,^ dass man um des Missbranchs 
willen nicht den auch nach der Gegner Ansicht berechtigten vernünftigen 
Gebrauch abschaffen solle. In der vom 2 7 . Januar 1538 aus dem 
Auguatinerkloster in Colmar datirten Widmimgsvorrede spricht Hoffmeister 
über die allzugroase Fruchtbarkeit, mit welcher damals von lutherischer 
wie katholischer Seite Bücher veröffentlicht würden. Jeder suche einen 
andern Vorwand, am sein Auftreten zu begründen, der eine gebe an, er 
habe nicht schreiben wollen, müsse aber dem Willen grosser Herren 
nachgeben, der andere weise hin auf die Herausforderungen der Gegner, 
welche ihn zur Vertheidigung zwängen, und schreibe dann, statt einer 
Apologie, eine Invektive. Indem Hoffmeister nun erklärt, es dem jüng- 
sten Tage zu überlassen, alle die verborgenen Beweggründe ans Licht zu 
bringen, entwickelt er, was ihm selbst die Feder in die Hand gedrückt 
und ihn zur Veröffentlichung des ursprünglich nur für den eignen Ge- 
brauch Geschriebenen bestinunt habe, und begegnet so der Frage, warum 
er nicht selbst dem Sprichworte: Schuster, bleib bei deinem Leisten! ge- 
treu geblieben sei. Er antwortet: In meinem Studirzimmer, wo alles für 
die öffentlichen Predigten vorbereitet wurde, besuchten mich oft wohlge- 
sinnte und gelehrte Männer, und diese drängten auf Herausgabe; es sei, 
sagten sie, kein grosser Unterschied zwischen öffentlicher Predigt und 
schriftstellerischer Thätigkeit. Nicht ohne Behagen verweist Hoffmeister 
auf seine oben erwähnte Methode, die von den Lutheranern selbst wider 
Willen dargebotenen Waffen zu benutzen. Gleich Bucer aber, und mit 
dessen Worten rechtfertigt er das ungelenke Latein, die schlechte Dis- 
position seiner Schrift: Vor Allem habe die Zeit gefehlt, wenn er freiUch 
wohl auch trotz längerer Arbeit bei seinem beschränkten Talent schwerlich 
erheblich Besseres zu leisten vermocht hätte. Er hoffe indessen, dass der 
Beifall des Priors Heinrich Reuter, welchem er, als dem bisherigen Mäcen 
seiner Studien, das Buch widmet, etwaiger hämischer Kritik vorluMigen 
werde. Indem Hoffmeister dann zum Schluss, unter einem Seitenblick 
auf manche, die anders handelten, den Prior als einen Mann preist, welcher 
die von häuslichen Geschäften erübrigte Zeit nicht dem Trink- oder 




140 

Würfelbecher widme, beklagt er das Missgeschick der Zeiten, indem Nie- 
mand die gehörige Müsse zum Studium behalte; auf die nähere Aus- 
fuhrung dieser von ihm der Berücksichtigung wackerer Männer em- 
pfohlenen Verhältnisse verzichtet er indessen, um seine Vorrede nicht 
allzu sehr auszudehnen. 

Diese erste Schrift scheint nur in engem Kreise verbreitet worden 
zu sein, da HofEmeister in der Vorrede zu der 1546 von Weissenhctoi in 
Ingolstadt veranstalteten zweiten Auflage erwähnt, dass der neue Verleger 
vergeblich sich um ein Exemplar der ersten für den Nachdruck bemüht 
habe. Hoffmeister arbeitete damals die erste, wie er sagt, sehr fehler- 
hafte Ausgabe nochmals durch und versah sie mit einem Anhang : Haereti- 
corum fraudes. 

Hoffmeister blieb nun während einiger Zeit zu Colmar, ohne dass 
' wir von ihm etwas erfahren. Dann aber nahmen Versuche, eine Ver- 

ständigung der streitenden Religionsparteien auf dem Wege friedlicher 
Erörterung durchzusetzen, wie siQ 1540 in den Verhandlungen zu Hagenau 
und Worms angebahnt imd 1541 in Regensburg fortgesetzt wurden, 
auf das lebhafteste seinen Geist in Anspruch. Er griff zur Feder, um, wie 
er selbst sagte, in einem Buche über die Augsburger Confession einestheils 
die katholische Wahrheit gegenüber den neuen Dogmen festzustellen, 
andemtheils aber die Punkte zu bezeichnen, in denen er den bisherigen 
Zustand innerhalb der Kirche für unerträglich hielt. 

Hoffmeister hoffte von seiner Arbeit, dass sie dazu dienen werde, 

die Gegner für die Wahrheit der katholischen Dogmen zu gewinnen, falls 

}i man sich dazu entschlösse, die Kirche von den Missbräuchen zu reinigen, 

welche Jenen zum Anstoss gereichten. Dies ist für ihn der wesentlichste 
Punkt des Streites. In Bezug auf die theologischen Doktrinen verfolgt 
er durchweg eine vermittelnde Richtung. „Uns soll es nicht rühren, ob 
man sagt, der Mensch werde gerecht durch den Glauben, oder: durch 
den Glauben allein, wofern man ims zugibt, dass Niemand sich auf dem 
rechten Wege befindet, der nicht zum Glauben die Werke der Liebe hin- 
zufügt." Nur durch die Bitterkeit, mit der die Gegner überhaupt den 
Werken jegliche Bedeutung abgesprochen, weiss es sich Hoffmeister zu 
erklären, dass man hier zu so entschiedenem Gegensatze gekommen sei: 
„Jetzt streitet man schon so viele Jahre um das Wörtchen „Sola" und 



141 

früher ist es doch Niemanden in den Sinn gekonunen, den heil. Ambro- 
sius darüber zur Rede zu stellen, dass er gesagt hat, der üifensch werde 
bloss durch den Glauben gerechtfertigt. ** Für diese Ansicht beruft er 
sich auf die Autorität Dietenbergers und Mensings und auf die von ihm 
nicht näher bezeichneten, Verfasser des „Enchiridion", welches, wie wir 
wissen, aus Groppers Feder hervorgegangen ist; er ist überzeugt, dass 
auch die Scholastiker sich mit dieser Auffassung im Einklang befunden 
hätten, und beruft sich dafür auf Thomas und Bonaventura; er fragt, 
wer wohl die Scholastiker seien, welche schamlos genug seien, die Barm- 
herzigkeit Gottes und die Nothwendigkeit der Vermittlung Christi zu 
leugnen? Thue dies Jemand, so wolle er dieselben nicht entschuldigen, 
er ist aber überzeugt, es gebe deren nicht®). 

Wie man sieht, huldigt Hoffmeister hier der Contarinischen Auffas- 
simg, für deren Zulässigkeit vom katholischen Standpunkte aus noch im 
vorigen Jahrhundert der Cardinal Quirini in die Schranken trat, die aber 
von anderen Theologen, und wohl auch vom Trienter Concil bekämpft 
worden ist"'). 

In den folgenden Artikeln bekennt sich Hoffmeister als eifrigen An- 
hänger der katholischen Kirche und des Stuhles Petri, als Verfechter der 
Ohrenbeichte, ohne den, theils aus Unwissenheit theils aus Bosheit, damit 
getriebenen Missbrauch zu leugnen; dessen Abschaffung, und zwar ver- 
mittelst Aufstellung ehrenwerther Beichtiger, erwartet er von der Synode, 
deren Berufung er fordert. Geschehe dies, dann sei die Beichte refor- 
mirt. Mit den Ansichten der Apologie über die Sündenvergebung erklärt 
er sich einverstanden, obschon er in derselben Lücken findet und Beibe- 
haltung der hergebrachten Ausdrücke gewünscht hätte; für die Genug- 
thuung im rechten Sinne tritt er, unter Hinweis auf den Brauch der alt- 
christlichen Kirche, entschieden ein: „Wir wollen werkthätige Busse thun 
und nicht viel darüber dispütiren, dann ist es um das Unkraut geschehen". 
Die Siebenzahl der Sakramente hält er fest, schliesst sich aber, imter 
Verweisung auf die Abhandlimgen gelehrterer Theologen, als er es sei, 
Melanchthon an, wenn er den Streit über die Zahl der Sakramente für 



6) Vgl. E 5. 

7) Vgl. DöUinger Reformation III, 309 and Brief Nr. 13. 



142 

müssig erkläre, obgleich freilich gerade die Protestanten nicht aufhörten, 
zu streiten ; er vergisst aber nicht, auch hier eine praktische Aufforderung 
zur Besserung der kirchlichen Zustände anzufügen: „Schafft den Geiz 
ab ! Der schadet in diesem Punkte der Kirche mehr, als der Aberglaube. 
Beseitigt die Nachlässigkeit der Prälaten und die Betrügerei der Curti- 
sanen, dann werden die Sakramente in der Kirche schon einen geach- 
teten Platz einnehmen. Wenn aber manqhe Bischöfe nicht wissen, was 
das Wort Sakrament bedeutet, wenn sie sich schämen, selbst die Sakra- 
mente zu spenden, wenn Alles bei ihnen käuflich ist, wenn es Leute gibt, 
welche mit ihren sogenannten Sakramentalien die Kirche betrügerisch 
schädigen, wie kann da bei dem einfältigen Volk die Ehrfurcht vor den 
Sakramenten bestehen? Werden doch, theils wegen Unwissenheit theils aus 
Nachlässigkeit, kaum von Einem unter hundert Pfarrern und Seelsorgern 
die Sakramente auch nur mit einem Worte in den Predigten erwähnt, 
von dem bei Spendung der Sakramente gebräuchlichen Luxus ganz 
zu schweigen®). 

Uebergehend zur Besprechung des 14. Artikels der Confession: „Nemo 
debeat in ecclesia publice docere aut sacramenta administrare, nisi rite 
vocatus", lässt Hofimeister anfänglich seiner Empörung über die Neuerer 
die Zügel schiessen: Diese selbst seien es gewesen, welche Weber, Metz- 
ger und Wirthe in das Heiligthum berufen hätten. Nachdem er kurz 
auf den Wiedertäuferunfag hingewiesen, wendet er sich gegen Luther, 
der über die unglücklichen geschorenen und geschmierten Pfaffen, die 
freilich zum Theil ein schmähliches Leben geführt, vergnügt triumphirt, 
aber dadurch nur bewirkt habe, dass sich Leute zu geistlichen Aemtern 
drängten, welche besser an den Pflug als zum priesterlichen Stande pass- 
ten. Dann aber ruft Hoffmeister sich ins Gedächtniss, dass er nur den 
Artikel der Confession, wie er jetzt vorliege, besprechen will, und er 
Bchliesst sich demselben an, in der Voraussetzung, dass das Wort „rite" 
nicht zweideutig gemeint, sondern im Sinne Pauli und der alten Kirche 
zu verstehen sei. „Dawider haben", fährt er dann fort, „die Gegner ge- 
fehlt, aber um keinen Deut weniger haben die Bischöfe gesündigt und 
thuen es noch heutigen Tages, indem sie die Candidaten vielmehr zählen 
als wägen; so viel Geld einer hat, so viel Gunst hat er. Wohin ich hier 

8) Vgl. s. K 3. 



143 

ziele, wird der verständige Leser erkennen; denn ich möchte nicht gern 
hier darlegen, was für Bischöfe, Dechanten, Canoniker, Pfarrer u. s. w. durch 
die Römische Curie und die Höfe der Könige und Fürsten uns vielmehr 
aufgedrängt., als geweiht werden, die dann alle, wie Jemand scherzend 
bemerkt hat, ihre Familie mit ihren geistlichen Aemtem sättigen, wenn 
solche Bestien überhaupt zu sattigen sind." HofEmeister blickt vertrauend 
auf die in Aussicht gestellte und unbedingt erforderliche Synode. „Möge der 
Herr der Ernte Arbeiter in seinen Weinberg senden." 

Bei dem folgenden Artikel, über die kirchlichen Gebräuche, verwahrt 
sich Hoffmeister wieder entschieden gegen Missbräuche. Nachdem er aus 
Melanchthon selbst die Berechtigung der von Aberglauben freien Cere- 
monien erwiesen hat, kommt er zu dem Ergebniss, dass es sich hier nicht 
um eine zur Seligkeit nothwendige Sache handle, und dass Verschiedenheit 
in dieser Beziehung ganz gut mit der Einheit der Kirche bestehen könne. 
Die beiden Artikel der Confession über die weltliche Obrigkeit und über 
die zweite Ankunft Christi erkennt er als katholisch an, er meint, ihre 
Spitze wende sich gegen die Anhänger Karlstadts und die Wiedertäufer, 
beziehungsweise gegen Juden und Chiliasten ; die Besprechung des in dem er- 
sten enthaltenen Ausfalls gegen die Mönche wird von ihm verschoben. 
In dem Artikel 18 über das „liberum arbitrium" sieht er einen erfreulichen 
Fortschritt gegenüber den früheren Aufstellungen Luthers, er bekämpft 
nur die Behauptungen Melanchthons, von dem er sagt, derselbe lege den 
Scholastikern Grundsätze bei, welche man in deren Schriften nirgends 
finde; und wider ihn ruft er den in der Scholastik besser bewanderten 
Bucer an. Ebenso günstig wird dann der Artikel „de causa peccati" beurtheilt. 

Dagegen fordert in Nr, 20 die Lehre der Gegner von den guten 
Werken Widerspruch heraus; Hoflfmeister weist auf die Folgen hin, welche 
es haben müsse, wenn man dem einfältigen Volke die Ansicht beibringe, 
dass die guten Werke nicht verdienstlicher seien, als die bösen, und 
lobt es, dass die Zwinglianer ihnen mehr Bedeutung beilegten, als die 
Lutheraner. 

üeber den die Heiligenverehrung behandelnden Artikel 21 verbreitet 
sich Hofiöneister sehr ausführlich; er billigt, was dort über das ehrenvolle 
Andenken, welches man den Heiligen schulde, gesagt ist, und vertheidigt 
dann in längerer Darlegung die Berechtigung der Heiligenam'ufung, wofern 

Abb. d. III. Ol. d. k. Äk. d. Wiss. XIV. Bd. I. Abtb. 20 



144 

diese mit Umsicht mid Mass erfolge. In Bezug auf die von der Apologie 
an den Pranger gestellte Sitte, die einzelnen Heiligen als Spezialisten hin- 
zustellen, z. B. die hl. Anna für Reichthum, den hl. Sebastian gegen die 
Pest u. 8. w. anzurufen, gibt HofEmeister bereitwillig -zu, dass hierin nicht 
nur etwas, sondern viel Aberglaube sich eingeschlichen habe. Uebrigens 
schliesst er sich hier dem Karthäuserprior Dionys Rickel an, der die 
Untersuchung, warum Gott seine Gaben verschieden an die Heiligen ver- 

, theile, für verwegene Neugier erklärt. Hoffimeister meint, man könne 

dies mit der Thatsache vergleichen, dass Gott auch den verschiedenen 
Kräutern und Stoffen ungleiche Eigenschaften verliehen habe: er wolle 
lieber abergläubisch sein, als sich durch Blasphemie versündigen, und 
ziehe es vor, statt den Dämonen, den Heiligen Wunder zuzuschreiben ; er 
versichert aber aufs Neue, den Missbrauch oder Gelderwerb nicht ver- 
theidigen zu wollen. Ueber den Gebrauch der von den Zwinglianem 
verworfenen, aber bereits in der alten Kirche üblichen Bilder glaubt er 
sich in Uebereinstimmung mit den Wittenbergern zu befinden, wenn er 
jeglichen Götzendienst verwirft und sagt, es sei besser, die Armen, als 
Kirchenwände imd Holz oder Stein zu bekleiden. Er führt das Wort 
des hl. Ambrosius an: „Gott will keine Gaben von dem Hunger der Ver- 
wandten", und ta'delt es, wenn manche Leute um des Rufes der Fröm^ 
migkeit willen der Kirche zuwenden, was sie den Ihrigen nehmen. In 
diesem Punkte fürchtet er keine Schwierigkeit. 

Hoffmeister wendet sich dann zu den Artikeln der Confession, in 
welchen die abgeschafften Missbräuche aufgeführt sind. Er zählt hier ein- 

^ fach in der bisherigen Weise fort, während dies in der Confession be- 

kanntlich nicht geschieht, imd kommt so, da er die Mönchsgelübde mit 
der Fasten in Einem Artikel zusammenfasst, zu der Zahl von 26 Ar- 
tikeln. 

Im Artikel 22 behandelt er die „utraque species". Der Gebrauch 
der beiden Gestalten in der alten Kirche, der noch zu Thomas v. Aquins 
Zeit nach dessen Zeugniss sehr verbreitet gewesen, könne nicht in Ab- 
rede gestellt, ebenso wenig aber die Leichtfertigkeit gebilligt werden, mit 
der die Gegner die jetzt übliche Sitte abgeschafft hätten, Hofiöneister 
verweist auf Luthers Ausspruch: man möge hierin die Entscheidung eines 



145 

Generalconcils abwarten, wie es denn ja auch die Meinung aller Katho- 
liken sei, den kirchlichen Beschlüssen hierin Folge zu leisten. 

Wie diesen Punkt, so erklärt Hoffmeister auch die Frage der 
Priesterehe für eine Sache des positiven Rechts. Er schliesst sich dem 
in der Confession angezogenen Ausspruche des Papstes Pius an, dass be- 
deutende Gründe für die Einführung der Ehelosigkeit vorhanden gewesen 
seien, dass aber bedeutendere jetzt deren Wiederabschaffung forderten. 
Indem er die einschlagenden Stellen der hl. Schrift imd der Väter ab- 
wägt, gelangt er nicht dazu, die Frage, ob wegen der damaligen Ver- 
kommenheit der durch Jahrhunderte beobachtete Brauch zu beseitigen und 
ob es besser sei, wegen der Unreinigkeit Einiger eine gute Gewohn- 
heit aufzuheben, oder die Unreinen zur Ordnimg zu zwingen, in dem 
einen oder in dem andern Sinne zu entscheiden; was er aber imbedingt 
fordert, ist, dass die Quellen der Sünde: der Trunk und die Verschwen- 
dung, die Faulheit und der gefährliche Umgang mit leichtfertigen Frauens- 
personen, durch Einführung von Nüchternheit und Enthaltsamkeit, durch 
heilige Lesimg imd eifrige Seelsorge beseitigt werde. Dann werde die 
Nothwendigkeit, den Cölibat Preis zu geben, schwinden, zumal wenn 
man die Vorsicht befolge, die Erlangung der priesterlichen Würde nicht 
allzu leicht zu machen, und den zu jungen und ungebildeten Leuten den 
Zutritt zu versagen; bisher freilich seien sehr Viele in den Clerus einge- 
treten, denen dies nie in den Sinn gekommen wäre, hätten sie gewusst, 
dass man ihnen Concubinen versagen würde. 

In seinem Artikel 24 setzt Hoffmeister an den Kopf seiner Er- 
örterung nur die ersten Sätze der Confession, worin gesagt wird, dass 
man die Messe beibehalte. Spöttisch begrüsst er diese Erklärung, er 
fragt, wer darauf hin noch den unschuldigen und einfältigen Schülern 
Christi die Abschaffung der Messe vorzuwerfen wage. „Aber was sollen 
dann", fährt er fort, „deren Schriften gegen die Messe" ? Hoffmeister über- 
lässt es Luther, Zwingli imd Jonas selbst, die in ihren Schriften vorhan- 
denen Widersprüche mit einander in Einklang zu bringen, und wendet 
sich zu den Dingen in der Messe, welche far zarte Ohren anstössig 
seien: nämlich der Ceremonienpomp, der Messenhandel, die fremde, dem 
Volke unverständliche Sprache, die angebhch unklare Bezeichnung der 
Messe als eines Opfers, das „Opus operatum", die Heiligenanrufung und 

20» 



146 

die Fürbitte für die Verstorbenen. Hierauf will er ohne Umschweif und 
Bemäntelung seine Meinung sagen. Vor Allem erklärt er, diejenigen, 
welche Geldgewinn suchen, nicht vertheidigen zu wollen; diese Leute, . 
deren Gott der Bauch sei, würden, sie möchten wollen oder nicht, der- 
einst Jemanden finden, der Rechenschaft von ihnen fordere. In Bezug 
auf die Ceremonien habe die Kirche stets die grösste Freiheit gewährt; 
Hofl&neister vergleicht dieselben hinsichtlich ihrer Wirkung mit den Bil- 
dern, üeber die lateinische Sprache will er nicht streiten, er fordert 
nur, dass die Prediger dem Volke die Bedeutung des Einzelnen darlegen. 
In Bezug auf die Frage des „ opus operatum " wirft er den Gegnern un- 
absichthches oder absichtliches Missverstehen der Scholastiker vor, denen 
man eine Ansicht zuschreibe, welche aus ihren Schriften nicht zu belegen 
sei. In ausfuhrlicher Erörterung vertheidigt er unter Heranziehimg der 
Väter und der Scholastiker den Opferbegriff der Messe, es würde in- 
dessen ein zu tiefes Eingehen in die theologische Terminologie erfordern, 
wenn wir hier seinen Gedankengang verfolgen wollten. Deshalb möge nur 
der eine Satz hervorgehoben werden: „Adversarii opus operatum ad mi- 
nistrum referunt, quod scholastici ad Christum, hostiam illam vivam et 
verum sacrificium propitiatorium referunt". 

Zu den Fasten und dem Unterschiede der Speisen, einer Einrichtung 
des positiven Rechts, übergehend, wendet er sich gleichfalls energisch gegen die 
vorhandenen Missbräuche: „Gesetzt, dass diese menschlichen Traditionen 
vielleicht über Gebühr von den ünsrigen verherrlicht, dass abergläubische 
Dinge ihnen beigemischt worden sind, so hatte man nach einem Heil- 
mittel zu suchen, welches nicht unerträglicher ist, als die Krankheit. 
Nie wird unser Aberglaube durch Eure zügellose Willkür geheilt werden. 
Die kirchlichen Traditionen geben zu berechtigter Klage keinen Anlass; 
indem man von jener Quelle sich über Gebühr entfernt hat, wurde die 
Religion in Aberglauben verkehrt. Nimmt man einen Menschen her, 
welcher nach der Vorschrift der Kirche den Unterschied der Speisen be- 
obachtet, so wird sich zeigen, dass derselbe nichts Sündhaftes begeht. 
Diejenigen, welche den Fleischgenuss an bestimmten Tagen verboten 
haben, beabsichtigten nicht, dass wir uns dafür mit Fischen und Pasteten 
mästen sollten. Wenn dies geschieht, so ist es zu beklagen, nicht zu be- 
fürworten. " So entschieden Hoffmeister der Kirche das Recht zur Erlassung 



147 

solcher Vorschriften zuspricht, so gelangt er doch am Schlüsse zu der 
Antithese: Hier ist, während die Hirten tief schnarchten, Aberglaube und 
Missbrauch ins Kraut geschossen; dort folgte darauf zügellose Anfeindung 
von Leuten, die nicht so sehr den Missbrauch als den Gebrauch selbst 
bekämpfen. Gewissenhafte Kirchenfürsten müssen sich die Frage vorlegen, 
ob man den Baum umhauen oder die verfaulten Aeste abschneiden soll. 
Nur die Rücksicht auf die Förderung der Kirche müsse massgebend sein, 
erklärt Hofimeister, neigt sich aber selbst zu der Ansicht hin, dass man 
lieber die Willkür der Zügellosen bändigen, als den in Demuth Gehor- 
samen Freiheit gewähren solle. 

üeber die Mönchsgelübde schreibt Hoffineister: „Damit die Gegner 
die Lauterkeit unserer Gesinnung erkennen, gestehen wir offen ein, dass 
die Mönche ihr Verdienst über Gebühr gelobt, viele Unerfahrene in das 
Netz gelockt, Aberglauben und Heuchelei gefördert haben, dass sie abge- 
wichen sind von ihren ursprünglichen Regeln, dass sie an dem Gelübde 
der Armuth, der Keuschheit und des Gehorsams kaum dem Namen nach 
festhalten. Wer will das in Abrede stellen? Aber das sind Missbräuche, 
es ist nicht das Wesen des Listituts. Es ziemt sich nicht, jene mit falschem 
Schein zu entschuldigen, sondern man muss den guten Gebrauch der Ge- 
lübde herstellen, und die durch Jahrhunderte in der katholischen Kirche 
hergebrachte Sitte vertheidigen. Wer würde nicht einen Mönch lieben, 
der wirklich von Herzen keusch lebte, seinem Vorsteher demüthig ge- 
horchte, und den eitlen Reichthum der Welt gering achtete! Da steckt 
der Haken, dass diejenigen, welche Keuschheit, Armuth und Gehorsam 
geschworen, ein unreines Leben führen, dem Reichthum gierig nachjagen 
und kein Joch dulden wollen. Gute Mönche wird man lieben, aber den 
Bäuchen will man zu Leibe. Möge man die Klöster reformiren und 
die Mönche an ihre Pflicht erinnern, so wird der Streit aufhören." 

Hofimeister will die Reform, aber er weist gleichzeitig darauf hin, 
dass nicht die IQöster allein die Schuld an den bestehenden Verhältnissen 
trügen, sondern dass ein grosser Theil der Unordnungen daher entspringe, 
dass die Vornehmen, der Adel, die Könige und Kaiser aus Habsucht oder 
aus ähnlichen Beweggründen ihre Binder den Klöstern aufdrängten. 
Beispiele, meint er, seien bekannter, als er wünschen möchte. Von der 
Berechtigung der Gelübde geht Hofl&neister aus. Darüber hätten ja Luther 



148 

und Melanchthon von den Gegnern, und von den Anhängern der alten Kirche 
Eck, Dietenberger und Schatzger oft genug geschrieben ; er sagt, njan werde 
wohl die zur Zeit lebenden Mönche der Gottlosigkeit, Heuchelei, des Aber- 
glaubens oder Geizes, vielleicht auch der Unwissenheit anklagen können, 
aber er fordert, dass man darauf hin nicht die alten Väter beschuldige. 
„Die Fürsten und Herzoge, Grafen und Edelleute möge man fortan bei 
Hofe behalten und die Klöster den Studirenden öffnen, damit wird ein 
guter Schritt auf dem Wege der Frömmigkeit geschehen sein." Er ver- 
langt von seinen Widersachern, dass sie, wie sie selbst in der Confession anders 
aufträten als in früheren Schriften, so auch bei den Katholiken einen 
Unterschied zwischen deren gegenwärtigen und den früheren Leistungen 
gelten lassen sollten. Gegenüber den Eiawendungen über den Keusch- 
heitszwang betont er die Freiwilligkeit des Gelübdes, er bestreitet nicht 
den Missbrauch, der mit dem Klosterbesitz getrieben werde, will aber nicht 
zugeben, dass dieser an sich ein Uebel sei. Den Vorwurf der Gegner, 
dass der gelobte Gehorsam nicht geleistet werde, weist er auf der An- 
kläger Haupt zurück, deren Neuerungen am meisten die Zügellosigkeit 
der Mönche gegenüber den geistlichen Autoritäten gefördert hätten; dem 
Verlangen aber, dass die Mönche der weltlichen Obrigkeit gehorchen 
sollten, begegnet er durch die Behauptung, dass die Freiheit der Mönche 
kaiserlichen Privilegien ihren Ursprung verdanke, also von demjenigen her- 
stamme, welchem Gott das Schwert verliehen habe; die Berechtigung der 
Mönchsorden ruhesomit auf gleichem Grunde, wie die Freiheit der Reichsstädte. 
In dem letzten Kapitel bespricht Hoffmeister die hierarchische Ge- 
walt. Er braucht hier nicht die Confession zu bekämpfen, da er mit der 
Unterscheidung der kirchlichen Macht von der des Schwertes völlig ein- 
verstanden ist: wäre dies von Anfang an die Sprache der Gegner gewesen, 
so würde man nicht verstehen, wie solche Streitigkeiten möglich geworden 
seien. An dem Angriffe auf die durch Nachlässigkeit der Hirten einge- 
rissenen unleugbaren Missstände aber betheiligt sich Hoffmeister selbst: 
„Wer kann sich der Wahrnehmung entziehen, dass viele Missbräuche sich 
in der Kirche eingenistet haben, sowohl in Bezug auf die Predigt des 
Wortes, als die Verwaltung der Sakramente, mag man die Sitten der 
Priester oder der Laien ins Auge fassen. Wollte Gott, dass die Päpste 
ihre Macht immer zum Wohle der Kirche gebraucht hätten, dann würde 



149 

man jetzt nicht fragen, ob ihre Macht göttlichen oder menschlichen Rechtes 
sei. Wozu hat es gedient, immer zu disputiren, von wem die Macht 
stammt und wie gross sie sei, und nicht ein einziges Mal darauf zu sehen, 
dass sie richtig gebraucht werde? Die Apologie soll mir die Antwort 
darauf leihen: „Welches üebel liegt nicht darin, dass bei der Weihe der 
Priester nicht die tauglichen ausgewählt werden! welches Uebel in dem 
Handel mit den Aemtem! Und ist an den gefährlichen Dispensen Nichts 
auszusetzen? Aus den Pferdeställen und der Küche schleppt man Leute 
an den Altar, die sich nie haben träumen lassen, was das Priesterthum 
bedeute, Menschen die dieses Berufes durchaus unwürdig sind." 

Hoffmeister verwahrt sich dann mit derselben Entschiedenheit dagegen, 
dass er das Verfahren, welches die Gegner selbst befolgten, billige, er 
macht ihnen vielmehr gleiche Vorwürfe. Er schliesst darauf sein Werk 
mit der Bitte um Verzeihung wegen der bisweilen heftigen und ausfallenden 
Sprache, nicht Jedem sei es gegeben , stets seine Gefühle zu beherrschen, 
„Wir suchen die Eintracht der Kirche, wir lieben die Kirche, wir opfern 
uns ganz der Kirche, möge sie uns durch ihren beständigen Bräutigam Jesus 
Christus stets in Blüthe und fruchtbar im heüigen Geiste erhalten werden. " 

In dieser Schrift des Augustinermönches ist, wie aus dem Gesagten 
genügend hervorgeht, mit warmem Eifer der Gedanke entwickelt, dass die 
gestörte Einigkeit in der Christenheit auf der Grundlage der wesentlichen 
katholischen Dogmen, unter Beseitigung der freilich tief eingewurzelten* 
und für die Machtstellung der Hierarchie bedeutungsvollen Missbräuche 
herzustellen sei. Als Massstab nahm HofiFmeister, wie er sagt, die Zustände der 
alten lürche. Er beruft sich dabei auf die hl. Schrift und die Kirchen- 
väter, welche er nicht minder studirt hatte, als die Autoren der späteren 
Jahrhunderte, von einem Bemard und Bonaventura, einem Albertus Magnus 
und Thomas bis zu Gabriel Biel und Dionysius Rickel. Man wird dem 
Verfasser femer zugestehen müssen, dass seine Erörterungen sich auch 
auf die Erforschung der gegnerischen Schriften eines Luther, Melanch- 
thon, Buzer und Brenz, Sarcerius und Anderer stützen, dass er sich in 
der Sprache fast durchweg einer gewissen Mässigung befleissigt, mag man 
sie nun mit den meisten gegnerischen oder mit den Schriften der übrigen 
katholischen Polemiker vergleichen. Auch diese letzteren, von welchen 
die meisten jetzt der Vergessenheit anheim gefallen sind, Driedo und Crocus, 



h 



150 

Landsberg und Schatzger, Dietenberg und Eck, Gropper und Pigghe be- 
nutzt unser Autor. Es mag eingehenderen Studien der Theologen über- 
lassen bleiben, festzustellen, in wie weit diese seine Vorgänger auf die 
dogmatischen Darlegungen Hoffmeisters von Einfluss gewesen sind. Was 
sich auch bei oberflächlicher Vergleichung aufdrängt, ist die Wahrnehmung, 
dass Hoffmeister bei der Geisselung der kirchlichen Missstände durch 
seinen Freimuth vor den meisten Genossen hervorragt. Wie kläglich nimmt 
sich neben der von ihm geführten Sprache z. B. eine Darlegung aus, wie 
man sie bei Pigghe findet, welcher erörtert, dass vor Allem Unterord- 
nung unter die bestehenden Autoritäten Noth thue, dass es nicht immer 
gute Päpste geben könne und es vielmehr ganz naturgemäss sei, wenn 
Gott der Welt zur Strafe für ihre Sünden auch schlechte Päpste schicke, 
und dann meint, dass man vielleicht an eine etwas genauere Ordnung bei der 
Papstwahl und den Kardinalsemennungen denken könne, um dadurch 
sofort das Gedeihen der Barche in jeder Hinsicht sicher stellen. Fast 
nur in vertrauten Briefen katholischer Theologen findet man sonst Stellen 
von ähnlicher Offenheit und Selbsterkenntniss, wie in diesem Buche des 
Augustiners, welches für die Oeffentlichkeit bestimmt war. 

In einem Briefe, welcher von den gleichen Gesinnungen erfüllt war, 
wie sie hier ausgesprochen sind, meldete Hoffmeister dem Nausea, dass 
er ihm binnen Kurzem das Buch nach Wien senden werde, zum Zwecke 
' der Mittheilung an den König Ferdinand.^) Die Verzögerung war dadurch 
veranlasst, dass Hoffmeisters Freimde es zuvor der Prüfung eines berühmten 
Theologen, des Ludwig Ber,^^) imterbreitet hatten; dessen Urtheil war 
noch nicht gesprochen, als Hoffmeister an Nausea schrieb. Wir wissen 
nicht, ob Bers Abrathen, oder was sonst die Veranlassung war, dass das 



9) Epistolaram miscellanearnm ad Nanseam libri X, Basel 1550^ S. 802. 

10) Von diesem Basler Theologen, auf welchen anch dnrch Morone 1537 besonders hingewiesen worden 
war, bei Baynald und Le Plat II, 565, kenne ich nur (nach Exemplaren unserer Universitäts- 
bibliothek) : „Lndovici Beri || sacraram literarum doctoris, || ad Qnaestionem ei propositam, Utmm 
Tidelicet || tempore pestisTel exalia cansa ad yitandam mor- {| tem sea mortis periculnm fagere 
iDterdam 11- || ceat necne? Et si qoando liceat, an tanc || praestet, non fagere? || Ex sacris 
literis, et ho- || mini vere Christiano consolatoria || Besponsio. {| Basileae per Jo- || annem Opo- 
rionm." Am Schiasse: „1551 mense Aprili'\ 4^ Ferner: »Prosala- |{ tari hominis ad {| felicem 
mortem prae- || paratione . . . a Sa || craram literarnm professore Ludoyico Bero conscripta et !{ 
nunc denno in Incem || edita. Basileae per Oporinum. Cum Caes. M. privilegio ad quinquen- 
nium." Am Schlüsse: 1551 Not. Die Vorrede des Oporinus Cal. Apr. 1549. 8°. 



151 

Buch damals nicht das Tageslicht erblickte. Den naheliegenden Gedanken, 
dass der Inhalt zu Bedenken Anlass gegeben, wird man doch nicht ohne 
Weiteres feßthalten dürfen, da in anderen Schriften HoflEmeisters, welche zur 
allgemeinen Verbreitung gelangten, sich manche Anklänge an das oben 
besprochene Werk nachweisen lassen. Wie dem auch sei, HofFmeisters 
Arbeit blieb ungedruckt, so lange er lebte. Erst ein Jahrzehnt nach seinem 
Tode erschien sie zu Mainz 1559. Der ungenannte Herausgeber spricht in 
der Vorrede die Ansicht aus, dass das durch die Ungunst der Zeiten so 
lange verborgen gebliebene Buch noch immer seinen Nutzen haben werde. 
Gegen Ende des Jahrhunderts wurde es dann nochmals in Deutscher 
üebersetzung von einem Tiroler Beamten zu Konstanz aufgelegt. 

Die folgende Schrift Hoffmeisters ist ein Commentar zu dem Briefe 
Pauli an die Philipper, der zu Freiburg i. Br. 1543 erschien. Die Vor- 
rede, welche den Abt von Murbach und Lautem, Johann Rudolf Stoer 
anredet, unterzeichnete Hoffmeister am 25. November 1542, an einem 
Tage, welcher für sein weiteres Leben von entscheidender Bedeutung 
werden sollte. 

Es war der Tag, an welchem der Ordensprovincial Tregarius, der 
durch seine Streitigkeiten besonders mit Bucer bekannt ist, hochbetagt zu 
Freiburg in der Schweiz das Zeitliche segnete. Wegen der bedrängten 
Lage, in welcher sich der Orden befand, hatte Treger den Hoffmeister 
beauftragt, sofort nach seinem Tode die Leitung der Provinz zu über- 
nehmen, und ihm befohlen, so bald als möglich die Ordensangehörigen 
zur Neuwahl eines Provinciais zusammen zu berufen. Hoffmeister that, 
wie ihm geheissen; das Ergebniss war, dass sich die meisten Stimmen 
eben auf ihn vereinigten; so wurde er, obschon noch nicht 34 Jahre alt^ 
Tregers Nachfolger. 

Es war eine schwierige Stellung, in welche er hiemit eintrat. Hoff- 
meister schildert sie uns selbst in einem Briefe an den Ordensgeneral 
Hieronymus Seripando, worin er diesen um die Bestätigung der Wahl 
ersuchte. Schon die Wahlversammlung hatte ein Bild von der Zerrissen- 
heit gewährt, welcher, vielleicht mehr als andere Orden, die Augustiner 
verfallen waren. Zudem waren in Strassburg, Weissenburg, Heidelberg, 
in Alzei, Weil, Rappoltsweiler, Tübingen dem Orden seine Klöster voll- 
ständig verloren gegangen, in der Schweiz hatte das gleiche Schicksal 

. Abth. d. UI. GL d. k. Ak. d. Wies. XIV. Bd. I. Abth. 21 



152 

die Häuser zu Basel, Zürich, Konstanz und Mühlhausen getroffen; im 
Schwabenland war Engelberg dahin, Pappenheim und Lauingen waren 
lutherisch und nahmen von dem Ordensverbande nicht mehr Notiz. 
Uebrig geblieben waren 12 Häuser, und unter diesen waren manche, die 
morgen verloren sein konnten. ^ ^) Wenn Hoffmeister alle, welche nur das 
Ordenskleid trugen, mitzählte, so brachte er doch nur vierzig Mönche 
zusammen, und selbst diese geringe Zahl wurde nur mit Mühe im 
Orden zurückgehalten; denn auch die Einkünfte waren gering ge- 
worden; wenn gleich glänzende Bauten vorhanden sein mochten, so war 
es doch schwer, den Unterhalt für die täglichen Bedürfnisse zu beschaffen. 
Unter jenen 40 Mönchen aber waren nicht 6, welche nicht über 50 
Jahre alt waren. ^*^) Da nimmt es nicht Wunder, wenn Hoffmeister dem 
General berichten musste, dass zur Wahlversammlung nur wenige er- 
schienen waren, die meisten sich unter verschiedenen Vorwänden ent- 
schuldigt hatten. 

War. die Lage unerfreulich, als Hoffmeister sein Amt antrat, so ver- 
schlimmerte sie sich noch in der Folge. Es hat fast den Anschein, als ob 
Hoffmeisters Versuch, das marklose Gerippe zu beleben, nur dazu beitrug, 
dasselbe um so mehr dem Zerfall zuzuführen. Zudem musste auch die 
Entwicklung, welche die Politik des Papstthums in diesen Jahren nahm, 
dazu beitragen die Erbitterung zu steigern. Als Hoffmeister sich auf dem 
Keichstage zu Speier 1544 bemühte, wenigstens für die noch übrig gebliebenen 
Klöster des Kaisers Schutz zu erlangen, begegneten ihm die evange- 
lisch Gesinnten mit höhnischem Gelächter, wie er mit seinen wohlpet- 
schii'ten und sorglich gehüteten päpstlichen Bullen hervorkam ; man wies 
liin auf das Bündniss des Römischen Antichrists mit Franzosen und Türken. 
Auch diejenigen, welche nicht häretisch waren, zeigten ihm schweigend 
die Zähne und die Krallen. 

Nicht glücklicher, als bei seinem Streben nach äusserem Schutz und 
Schirm für den bedrohten Ordensbestand, war Hoffmeister, wenn er ver- 



11) lieber die Verschleuderung z. B. der Memminger Augustinerbibliothek, den Verkauf der Pergament- 
bände an Goldschläger berichtet Nikolaus Eilenbog an J. Eck am 5. Okt. 1539. Vgl. den lehr- 
reichen Aufsatz von L. Geiger in der Oesterreichischen Vierteljahrschrift für Theologie 1870, 
Bd. 9, S. 204. 

12) Die Lesart steht, hier nicht fest. 



153 

suchte, das Leben innerhalb der Klostermauem zu bessern, und seinen 
Untergebenen etwas von seinem Geiste einzuhauchen. Nicht ohne Mit- 
gefühl wird man die Klagebriefe lesen, in welchen Hoffmeister über sein 
erfolgloses Bemühen berichtet. Acht- bis zehnjährige Knaben waren für 
den Orden gewonnen worden; diese wurden erzogen und unterrichtet; 
aber wenn ihre Ausbildung vollendet war, dann riefen die Eltern sie 
wieder zurück, ohne darauf Rücksicht zu nehmen, ob sie inzwischen die 
Gelübde abgelegt hatten oder nicht. Und wenn einmal einer der Oberen einem 
zuchtlosen Mönche seine Pflicht ins Gedächtniss rief, dann musste er 
darauf gefasst sein, dass ihm dieser sofort auf und davon ging, um ohne 
Beanstandung bei einem benachbarten Bischof Verwendung in der Seel- 
sorge zu finden. 

Da konnte es auch nicht helfen, dass damals der Augustinerorden 
in Hieronymus Seripando einen Mann an seiner Spitze hatte, welcher voll 
Eifer die Besserung des Ordens, wie dei* ganzen Kirche zu fördern suchte. 
Aus seinem Tagebuch ersieht man, wie Seripando vollauf und vergeb- 
lich mit der Herstellung der Ordensdisciplin in Italien beschäftigt war, 
wie er ermahnte und strafte, wo er nur konnte. ^^) Aber er vermochte 
es nicht, über die Alpen hinüber eine Stütze zu gewähren. Schwerlich 
wird er in der Lage gewesen sein, Hoffmeisters wiederholte Bitte um 
Zusendung von 6 bis 8 Mönchen, denen vortreffliche Pflege in Aussicht 
gestellt wurde, zu erfüllen. Hoffmeister klagte, als er dieses Ansuchen 
stellte, dass die Uebersendung der revidirten Ordensstatuten das einzige Lebens- 
zeichen gewesen sei, welches er von dem General erhalten habe. Welcher Erfolg 
war davon zu erwarten ? War es nicht eine eitle Hoffnung, zu glauben, dass die 
Ordensgenossen strengere Regeln sich zu Herzen nehmen würden, wenn 
sie überhaupt jeder Vorschrift spotteten? 

Die Aussichtslosigkeit der Reform im Augustinerorden stand in engem 
Zusammenhange mit dem Zustande, welcher in den meisten Bisthümern, 
und vor Allem in Rom herrschte. Hoffmeister klagt, man könne nicht 
einmal den Empfang des Firmungssakraments von der Kanzel den Leuten 
anempfehlen, weil manche Bischöfe weder Firmung noch Priesterweihe 
spendeten; nur darin merke man ihr bischöfliches Amt, dass sie von 
demjenigen Diöcesanen, der sich in einer andern Diöcese weihen lassen 

13) Calenzio Documenti snl Concilio di Trento, Rom 1874. 

21* 



154 

wolle, sich für die Erlaubniss hierzu unerschwingliche Summen bezahlen 
Hessen. Wenn bei Gelegenheit der oben erwähnten Klagen über die päpst- 
lich-türkische Verbindung Hoflmeister dem Seripando noch die Bitte vor- 
getragen hatte, man möge dem Papste von diesen gegen ihn geschleuderten 
Beschuldigungen Kenntniss geben, damit er sich öffentlich dagegen ver- 
wahre, so zeigt diese Aeusserung eine uiferwartet optimistische Vorstellung 
von den Römischen Verhältnissen, falls sie, wie es den Anschein hat, von 
Herzen kam. Aber auch in dieser Beziehung blieb für Hoffmeister die 
Enttäuschimg nicht lange aus. Nach dem Speirer Reichstagsschlusse ist 
er voller Bestürzung: „Christus hat sein Angesicht von uns abgewandt. 
Die Gegner der Kirche triumphiren fast ; die, welche uns noch angehören, 
falls man sie überhaupt noch mitzählen darf, lassen den Muth sinken, 
da die Hoffnung auf das Concil nicht erfüllt wird. " Indem er Seripando 
von der Verschleuderung des Kirchenguts erzählt, welche damals die 
Colmarer Franziskaner vornahmen, ruft er die Strafe des Himmels über 
denjenigen herab, der die Einigkeit und Reform der Kirche bisher ver- 
zögert habe. 

Obgleich Hoffmeister so mit regem Interesse dem Gange der Dinge 
in der grossen politischen Welt folgte, war doch bisher seine Stellung eine 
ziemlich bescheidene geblieben. Er hatte sogar Schwierigkeiten, für seine 
Schriften Verleger zu finden. Es wird hiermit zusammenhängen, dass 
er 1543 bei einem anderen Freiburger, 1544 bei einem Nürnberger Drucker 
Arbeiten veröffentlichte, dort einen Commentar zu den Philipperbriefen, 
hier eine Reihenfolge von Bibelstellen des alten und des neuen Testa- 
ments, in denen er den Lebenslauf Christi verfolgt. Noch in demselben 
r Jahre 1544 äusserte sich Hoffmeister darüber; er schrieb die Zurückhal- 

tung der Buchhändler dem oben erwähnten Mangel des Doktorgrades zu. 
In der Erwartung, dass die „Loci communes" zur Frankfurter Messe 
erscheinen würden, fand er sich getäuscht Wie wir sahen, hatte auch der 
Brief Hoffmeisters an seinen Lehrer Nausea, worin dieser von dem Werke 
über die Augsburger Confession verständigt wurde, nicht zu dessen Druck- 
legung geführt. Nur die Namen wenig bedeutender Leute aus der 
Nachbarschaft, z. B. des Abtes von Murbach oder des Priors der Ci- 
stercienserabtei Paris, konnte er an die Spitze seiner Schriften setzen, 
und wenn er im Februar 1544 dem Bischof von Speier Philipp von 



155 

Hersheim die Ausgabe des Peter venerabilis zu widmen wagen durfte, 
so zeigt die Vorrede, dass er selbst diesen Eirchenfürsten gar nicht 
persönlich kannte, und dass unter Anderen einer seiner Schüler, der ein 
Verwandter des Bischofs war, ihn zu diesem Schritte ermuthigt hatte. Trotz- 
dem war hiermit die Drucklegung nicht gesichert, HoflEmeister musste 
sich an Cochläus wenden, damit dieser ihm einen Verleger vermittelte, und 
erst nachdem dieser einen Zusatz und eine Widmung an den päpstlichen 
Nuntius beigefügt hatte, erschien das Werk im folgenden Jahre. Inzwischen 
aber trat eine erhebliche Wendung in der Stellung unseres Augustiners 
ein. Kein Geringerer als der Cardinalbischof von Augsburg Otto Truch- 
s.ess von Waldburg war auf ihn aufmerksam geworden, und als Truch- 
sess das Amt eiaes kaiserlichen Commissars bei dem Wormser Reichstag 
übernahm, erhielt HoflEmeiBter die Kanzel in der dortigen Domkirche. 
Jetzt nahm der vornehme Cardinal die Widmung der Hoffmeisterschen 
Schrift über das Messopfer an, durch welche Hoffmeister eiaen Plan zur Aus- 
führung brachte, dessen Verwirklichung bereits sein Vorgänger Tregarius 
beabsichtigt an der ihn aber der Tod gehindert hatte. Hoffmeister 
schrieb die Widmung an dem Tage, wo Truchsess das Cardinalsbarrett 
erhielt ^% und dieser erklärte sich bereit, die Druckkosten zu bezahlen. 
Truchsess wird es dann auch wohl vermittelt haben, dass Hoffmeister 
seine Erläuterungen zu den Briefen Pauh an die Korinther einem noch 
höher gestellten Manne, nämlich dem Enkel des Papstes und Vicekanzler 
der Römischen Kirche Cardinal Alexcmder Famese darbringen durfte, 
wohl zu der Zeit als dieser im Mai 1545 in Worms erschien, um mit 
dem Kaiser über ein päpstlich-kaiserliches Bündniss zu verhandeln. Hoff- 
meister selbst scheiat ein gewisses Gefühl davon gehabt zu haben, dass 
die den beiden Kirchenfürsten gewidmeten Schriften keine hervorragende 
theologische Bedeutung hatten. Bemerkenswerth sind nur die beiden 
Vorreden, besonders die an den Cardinal Famese vorzüglich aus dem 
Grunde, weil der Augustiaermönch, welcher nicht bloss in der oben be- 
sprochenen Schrift, sondern auch noch in der Widmung an den Speirer 
Bischof die Missbräuche innerhalb der katholischen Kirche mit so grossem 
Freimuth dargelegt und deren Heilung verlangt hatte, dieselben jetzt mit 

18) Vgl. Draffel Kaiser Karl V. und die Bomische Karie im Xm. Bde., 2. Abth. der Abhand- 
lungen der Münchener Akademie S. 246 Anm. 23. 



156 

Stillschweigen übergeht. Dem Nepoten gegenüber preist Hoffmeister die 
fromme Absicht des Papstes, dm*ch das bereits berufene Concil alle Streitig- 
keiten beizulegen, und wendet sich mit Leidenschaft gegen die Deutschen 
Bramarbasse, welche sich nicht entblödeten, während des Reichstages aus- 
ländische Geistliche mit spöttischen Zurufen zu belästigen. Freilich ist 
diese Vorrede das Werk weniger Stunden, da, nach Hoffnieisters Bericht, 
sich der durch Nachlässigkeit oder Bosheit herbeigeführte Verlust der 
früher geschriebenen erst herausstellte, als es die höchste Zeit war, wenn 
noch das Erscheinen des Buches zur Frankfurter Messe erHiöglicht werden 
sollte. Man wird daher Hoffmeister, selbst wenn er in ungeschickter 
Art von dem Apolloantlitz des Nepoten spricht, dennoch eine völlige 
Verleugnung seiner sonstigen Ansichten nicht Schuld geben dürfen, zumal 
man nicht sagen kann, dass sein Thema die Erörterung der Missbräuche 
unbedingt erforderte ; immerhin aber wäre bei seinem sonst so energischen 
Auftreten eigentlich wohl auch hier eine kräftigere Sprache zu erwarten 
gewesen. 

Man muss bei diesem Urtheil um so vorsichtiger sein, da Hoffmeister 
in den in Worms gehaltenen Predigten, welchen König Ferdinand fast 
regelmässig beiwohnte, klar seine Ansichten über die Verkommenheit der 
kirchlichen Zustände aussprach, und es hierbei nicht tm Seitenhieben 
auf die armen Wälschen fehlen liess, von denen wenige ihre gewöhn- 
lichen Lateinischen Psalmen und Gebete verstünden. Hoffmeiater ver- 
kündigte von der Kanzel: „Man thut viel Unrecht bei ims, das wir nicht 
loben, sondern fast schelten, und dawider predigen, auf dass es gebessert 
werde. Die Missbräuche, die wahrlich mögen Missbräuche genannt werden, 
begeren wir nit zu verantworten. Dass wir Geistlichen ungeschickt und 
ungelehrt, unser eigene Wort, Singen und Lesen, nicht verstehen, gefällt 
mir so wenig, dass ich auch mit meinem kleinen Verstand übel für gut 
nehme. Doch mag dieser unser Unverstand wohl uns Geistlichen, aber 
nicht der Kirche Gottes, deren Diener wir sind, schaden." 

Drei der zu Worms gehaltenen Predigten hat Hoffmeister zu Mainz 
bei Behem drucken lassen und am 22, Mai 1545 dem Rathe König Fer- 
dinands Friedrich v. Hattstein gewidmet. 

Bei Beginn seines Wormser Aufenthalts hatte Hoffimeister in einem 
Briefe an den Ordensgeneral geklagt, dass dieser ihm auf wiederholte 



157 

Schreiben kaum jemals geantwortet habe. Darin wurde durch einen ims 
nicht erhaltenen Brief Hoffmeisters vom 9. Juli eine Veränderung her- 
vorgerufen, indem Seripando jetzt den Colmarer Augustiner zur Theil- 
nähme an dem Trienter Concil aufforderte, wohin er selbst im Mai 1545 
sich begeben hatte. 

Bekanntlich war das Concil damals noch immer in der Schwebe, die 
Legaten zu Trient hatten den Tag, auf welchen in der päpstlichen Bulle 
die Eröffnung anberaumt war, verstreichen lassen, ohne eine Erläuterung 
über diesen Aufschub zu wagen oder einen neuen Termin festzusetzen. 
Sie waren einfach in ihren Wohnungen geblieben, und hatten auch ihrer 
Dienerschaft das Ausgehen untersagt — weil es regnete ^^). Indem dieser 
zweifelhafte Zustand dann nach Eröffnung der mit Kaiser Karl V. 
durch den Cardinal Farnese geführten Verhandlungen chronisch wurde, 
konnte Jedermann sich vorhersagen, dass, wer nach Trient ging, einstweilen 
zum Zuwarten, zmn Nichtsthun verurtheilt sein würde. Zudem wünschte da- 
mals mit Rücksicht auf die lleichstagsverhandlungen weder Kaiser Karl 
noch König Ferdinand das Concil eifriger betrieben zu sehen. Wir wissen 
nicht, ob einer von diesen Gründen, oder ob andere für Hoffmeister be- 
stimmend waren, als er die Aufforderung seines Ordensgenerals Seripando, 
nach Trient zu kommen, ablehnend beantwortete. Mit ziemlicher Ge- 
wissheit wird man nur behaupten können, dass es ein blosses Vorwand 
war, wenn Hoffmeister von sich schrieb, er müsse sich seinen dringenden 
Wimsch, durch Theilnahme an der heiligen Versammlung die eigne Aus- 
bildung und Vervollkommnung zu fördern, versagen, weil er seine Colmarer 
Schaafe nur bei dringendster, bis jetzt nicht vorhandener Nothwendigkeit 
verlassen dürfe, zumal sich die Wiedertäufer aufs Neue regten, welche 
ihm bereits so viel Mühsal bereitet hätten. 

Nach Hoffmeisters ablehnender Antwort bestand Seripando nicht 



14) Massarelli notirt in seinem Tagebache (Trienter Hs.): 15. Martii. Haec Dominica quarta pro 
die inchoandi concilii indicta fnerat. Plnvia adeo hac die invalait, nt domnm ezire necdnm 
Legati sed nostnim qoilibet prohibitns est. Sacra itaqne domi aadivimas, ceteraque pro 
principio necessaria egimas, domom omavirnos et qnisqne snam carayit salutem. 

In der Ausgabe bei Ddllinger-Acton S. 69 ist diese Stelle fortgeblieben^ schwerlich durch Nach- 
lässigkeit des Copisten, sondern weil der Bearbeiter des Textes, Prof. Woker, sie für bedeu- 
tungslos hielt. 



158 ' 

weiter auf seinem Verlangen; er erwiderte, Hofimeister möge fortfahren, 
gleich David gegen die Philister zu kämpfen, falls er dies für besser 
halte, als auf dem Concil zu erscheinend^). 

Dass die Gründe, welche Hoffmeister für sein Nichtkommen ange- 
geben hatte, nicht die eigentlich massgebenden waren, geht am deutlichsten 
aus seinem ferneren Verhalten hervor. Denn er scheint kaum nach Colmar 
zurückgekehrt zu sein; am 5. September^®) treffen wir ihn in Mainz; 
seinem Ordensgeneral gegenüber beobachtete er mehrere Monate tiefes 
Stillschweigen, es fehlte ihm, wie er sagt, an Briefboten, und als er am 
18. Januar 1546 wieder einen Brief an Seripando abschickte, da hatte 
er inzwischen einen Schritt gethan, welcher deutlich beweist, wie er da- 
mals seine Hoffnungen hinsichtlich der Besserung der kirchlichen Lage 
auf den Kaiser setzte, und dass er mit Bewusstsein es abgelehnt hatte, 
der vom Papste zu Trient aufgepflanzten Fahne zu folgen. Obgleich er 
nämlich bereits im Juli Seripando seine Abneigung gegen die kaiser- 
liche Politik der Religionsgespräche versichert hatte, da man die Ketzer 
meiden, nicht mit ihnen immer wieder zu vergeblichen Verhandlungen 
zusammentreten müsse, obgleich er jetzt den Cardinal von Augsburg imd 
,den Nuntius Verallo zu Zeugen anrief, dass er diese Ansicht aufs ent- 
schiedenste verfochten und sich dadurch von mancher Seite heftige Vor- 
würfe zugezogen habe, so ist das alles nur die Einleitung und Vorbe- 
reitung zu der Erklärung, dass er im Gegensatze zu dieser Ansicht ge- 
handelt und, der Aufforderung des Kaisers entsprechend, selbst das Amt eines 
Collocutors übernommen habe. 

Wie der Carmelitenprovincial Billik, der in einem freimüthigen, uns 



15) Das Bracbstück des Briefes, welches Torrelli VIII, 291 mittheilt, lautet: 

Si, Qt scrihis, magis e proviocia ista et religione christiana fore iadicas, nt in opere quod 
istic agis perseyeres, persevera donec yelnt David in nomine Domini viventis Philisthaeum pro- 

sternas, et Israel, pro cuias gloria tot labores subis et pateris, tuearis Libellnm qnem 

de saerificio Missae transmisisti , reeepimns simnlqae tradidimas Bfl^^ C^i S. Crncis, viro et 

doctrina et vita integerrimo Hac qnoque ratione> quod exegesim toam in epistolas ad 

Corinthios snb more 111"^' Famesii typis ezcndi procores pergratam est. Si enim hi apnd 
quos summa remm est, Incemam tnam snper candelabrom positam viderint, et eo igne accensam 
qni in altari Dei aetemom Tiget Incere omnibus qni domo snnt, cognoscent et apnd nos esse 
quihostes reipnblicae oppngnent, simnlqae dicent eadem mann eoclesiam sanari qua vulnus acceperat. 

16) An diesem Tage schrieb Hofifmeister dort die Widmung an Famese. 



159 

trotz der Bitte udD Verfaremning mrfbewahitett Briefe an desi NnntiaB 
Verallo, Aei EaäserB Plan eiaes ReUgionsgespriehe^ freiUdi aadi gkick» 
seitig des Piq)ateB Verhalten in der Omeil&tge mit Entsekiedenheit ver- 
urtkeilte^ dann aber doch mit HofltaieiBter zuBammen an dem Regens- 
barger Gespr&di Theil nahm, kann anch unaer Augtsstinermönck sich mcht 
verhehlt haben, dass er sich so an eotnem Werke betheiligte, anf welclies 
man in Rönsisdten Kreisen mit schledit veiiiehltem Ingrimm hinbliekta Und 
mochte er auch in seinem Briefe an Seripando versichern, dass er ein Coneil 
mid nicht ein Religionsgespräch für das eimdge nnd wirksamste Heil- 
mittel fnr die Kirche halte, so wurde doch wohl seine jetzige Handlungs- 
wdse, Angesichts der früheren Ablehnung Hoffmeisters, nach Trient zu 
kommen, auf Seripando einen nngonstigen Eindruck gemacht haben, 
wenn dieser sich nicht in ähnlicher Lage be&nden hatte, indem er anf 
Befehl Paul IIL sich an dem Trienter Coneil betheiligte, obgLeich dieses 
nur ein Mittel politischer Intrigue in der Hand des Papstes war und 
Seripandos Bestreben, religiösen Gesichtspunkten auf demselfo^a Geltung 
zu verschaffen, keine andere Bedeutung hatte, als die Ansammlung schätz- 
baren Materuds ^ '^). 

Wie in seinem öffentlichen Auftreten auf dem Coneil, so beobachtete 
Seripando auch in den Briefen an Ho£&neister eine äusserst vorsidttige 
Haltung; dieselben tragen keineswegs den Charakter eines riickhalÜosen 
Meinungsanstausches zwisdien Fretmden. Anf die dringende Bitte um 
Auskunft über das Coneil erhielt Hoffmeister ein veraltetes Schreiben, 
dessen Inhalt nadbt seiner Angabe nur darin bestand, dass es Seripando 
gttt g^e, dass er an dem Coneil Theil nehme, und Zuneigung zu dem 
Deutschen Provindal trage. Man wird den Grund für Seripandos Schweig- 
samkeit sichfnrlich in der überaus unerquicklidien Lage suchen dürfen, 
worin er sich in Trient befand; er konnte nichts Günstiges schreiben. 
Das trug vielleicht wesentlich dazu bei, Hoffmekter die Aussöhmmg mit 



17) Vgl. die BemerkoDg SeripaDdos in dessen CoDcilsaufzeicbnnngen bei Döllinger-Acton nn- 
gednckte ßeriolfte und Tagebftcher tut Oeschidite des Oonells tu Tiieri« t, 27, we derselbe 
übiNT ein dem L^gaiten Cemrin« ilbemiehtea Ckituditeii sagt: 

Gratias ille mihi bonorificis verbis, nt erat homo omni officio perpolitns et exeoltas, egit» seqne 
ad colTegas, qaornm sapientiae et ingenio primns defcrebtft, refat&mm dixit. Sed sflentfo non 
(GMt diMhniisiiiaiiH sihä s me ampli« es d» ro oefii9 pabKoe Hdfne pariwatiiir aatttom eiw^ . 
Abb. d. III. Ol. d. k. Ak. d. Wiss. XIV. Bd. I. Abth. 22 



160 

der kaiserlichen Politik der Religionsgespr&che zu erleichtern ; er schilderte 
in seinem nächsten Briefe an Seripando daa Regensburger CoUoquium so-* 
gar in günstigen Farben. ^In der Sache, ** so schrieb er, „kommen uns 
die Gegner ziemlich nahe, wenn sie gleich in den Worten noch abweichen. 
Indessen hoffe ich, Viele werden anerkennen, dass dieses Gespräch der 
Kirche mehr Nutzen als Schaden gebracht habe. Freilich auch ich hätte 
es vorgezogen, wenn Eurem Concil diese Aufgabe übertragen worden 
Aväre, denn dort hätten eigentlich Gegenstände von solcher Wichtigkeit 
entschieden werden sollen.^ 

Au£9 Neue bat Hoffmeister um Nachricht über das Concil, indem er 
die Hofihimg aussprach, dass alle die schlimmen Gerüchte sich nicht be- 
stätigen möchten, welche über den Abfall einiger der einfiussreichsten 
Männer zum Protestantismus, über die Abberufung des Französischen Ge- 
sandten durch ihren König, über den masslosen Luxus, welchen Einzelne 
trieben, umliefen. 

Ob Seripando schliesslich sich herbeiliess, den Wunsch Hoffmeisters 
zu erfüllen, und in welchem Sinne er sich etwa über jene Trienter Dinge 
äusserte, wissen wir nicht. Aus Seripandos und des Concilssekretärs Mas- 
sarelli Tagebuch ersehen wir, dass in der That jene Dinge, von welchen 
zu Hoffmeister ein dunkles Gerücht gelangt war, die Legaten in Athem hielten. 

Das Gespräch zu Regensburg fand durch die, wie Hoffmeister sich 
ausdrückt, ^schmähliche Flucht der Protestanten sein Ende; Hoffmeister 
ging in seinem Briefe an Seripando aber nicht näher auf diese Vorgänge 
ein, sondern sandte ihm nur Abschrift von einem Briefe des Carmeliten- 
provincials Billik, worin der Verlauf des CoUoquiums beschrieben war. 
Vielleicht ist es auch Billiks Einfluss zuzuschreiben, wenn Hoffmeister jetzt 
die Entwicklung der Reichsangelegenheiten mit gleich trübem Blicke be- 
trachtete wie die der kirchlichen, wenn er in ähnlicher Weise, wie dies 
Billik schon im November gethan hatte, den Papst und den Kaiser, den 
Reichstag zu Regensburg und das Concil auf gleiche Stufe stellte. 

Schon während der Dauer des Reichstags von 1546 wm^de es klar, dass 
die Dinge zum Kriege hintrieben. Hoffmeister blieb einstweilen in seiner 
Stellung zu Regensburg mit Predigen und mit der Herstellung des Be- 
richts über das Religionsgespräch beschäftigt, wie er Seripando am 30. 
Juni zugleich mit der Nachricht von den kaiserlichen Kriegsrüstungen 



161 

meldete. Er sdiloss sich hier genau der offiziellen kaiserlichen Auffassung 
an: Nicht die Austilgung der Ketzereien sondern die Züchtigung auf- 
ständischer Fürsten sei der Zweck des Krieges ; er fügt, bezeichnend genug, 
hinzu, dass hierdurch dem Concil die Möglichkeit zur Heilung der Kirche 
geboten werden solle. 

Seripando trug damals Hoffmeister das Vikariat sammtlicher Deut- 
schen Ordensprovinzen an, und dieser erklärte sich, unter den üblichen 
Redensarten über seine Unzulänglichkeit für solche Last, zur Ueber- 
nahme dieses Amtes bereit. Es wurde ihm dasselbe unter den schmeichel- 
haftesten Ausdrücken denn auch wirklich übertragen, indessen brachte 
es einstweilen in seiner Thätigkeit keine Aenderung hervor. Die neue 
Stellung bedeutete kaum einen Zuwachs an Einfluss innerhalb des Ordens. 
Das Gefühl der Zusammengehörigkeit war bei den Augustinern dahin; 
und wenn der Prior von Colmar bei seinem Aufenthalt in dem verfallen- 
den Regensbm*ger Augustinerkloster höhere Zeche als in einem Wirths- 
hause bezahlen, wenn er, um die Aufnahme junger zum Studium an 
der Universität Köln bestimmter Ordensgenossen in dem dortigen Convent 
durchzusetzen, sich erst an den Ordensgeneral zu Rom um einen diesbe- 
züglichen Befehl an die Kölner wenden musste, so waren das sicherlich 
ungünstige Vorbedeutungen hinsichtlich des Entgegenkommens, dessen er in 
dem neuen Amte von Seiten seiner Ordensbrüder bedurft hätte, wenn er 
darin eine erspriessliche Wirksamkeit hätte entfalten sollen. Schwerlich 
wird es ihm unerwünscht gewesen sein, dass anderweitige Rücksichten 
ihn abhielten, sich ausschliesslich, oder auch nur vorzugsweise mit den 
Ordensverhältnissen zu beschäftigen. 

Am 30. Jimi hatte Hoffmeister Seripando in Aussicht gestellt, er 
werde in Monatsfrist nach Colmar zurückkehren; aber der Kaiser ver- 
sagte ihm Angesichts des bereits eingetretenen Kriegszustandes die Er- 
laubniss, weil der Weg nicht sicher sei; als dann Hoffmeister nach anfäng- 
licher Weigerung im Begriffe war, auf Wunsch des Königs Ferdinand zu 
diesem zu fahren, um vier Monate die Stellung eines Hofpredigers zu ver- 
wesen, wurde auch dieser Plan durch einen Befehl des Kaisers durchkreuzt ; 
dieser wies ihn an, in Regensburg zu bleiben, wo seine Gegenwart noth- 
wendiger sei, als am Ferdinandeischen Hofe^ da man dort an katholischen 

Predigern nicht Mangel leide. 

22* 



162 

Hoffimeister berichtete iiieraber dem Ordensgeneral aocn 3. August in 
dnem Briefe, welcher gar mckt erwähnt, dass dies der kritische Tag 
war, an welchem Kaiser Karl Regensburg yerliess, um sieh nach Lands- 
hvt zurückzuziehen. 

Eben so wenig findet sich eine Rücksichtsnahme auf diese Vor- 
gänge in der wenige Tage vorher niedergeschriebenen Widmung, womit 
er dem Abte Erasmus von St. Emmeran zu Regensbui^ eine im Sinne 
der katholischen Lehre angefertigte ziemlich umfangreiche Zusammen- 
reihung von Stellen der Kirchenväter widmete, die er, gleich Melanchthon, 
„Loci communes" betitelt hatte; es war bereits oben von ihr die Rede. 
Abt Erasmus hatte, wie es in der Vorrede heisst, sowohl HoflEmeister 
als seinen katholischen Genossen Malvenda, Billik und Cochläus besonderes 
Entgegenkommen während des Religionsgesprächs bewiesen. Einen Bericht 
über dessen Verlauf, welchen der Kaiser Hoffioneister abzufassen und herauszu- 
geben befohlen hatte, konnte dieser gleichfalls am 3. August seinem Ordens- 
general einsenden. 

Wir wissen nicht, ob Hof&neister damals mit dem Kaiser die grossen 
Theils von Lutherischen Meimmgen ergriffene Stadt verliess, oder ob er 
auf dem übertragenen Posten auch iu den ersten Augustwochen ausharrte. 
Jedenfalls ist Hoffmeister bei dem Wiedervormarsch des Kaisers auch 
wieder dahin zurückgekehrt. Am ersten September widmete er von dort 
dem Könige Ferdinand eine auf dessen Wunsch zusammengestellte Samm- 
lung von Predigten, welche er theils in Oolmar und Worms, theils in 
Regensburg gehalten hatte. Hoffmeisters Wirksamkeit an diesem letzteren 
Orte hat vielleicht der kaiserliche Hauptmann zu Regensburg, Georg Lo- 
xanuB im Sinne gehabt, als er 1549 dem jüngeren Granvella klagend 
sdrrieb: „Wenn man nur zwei so gelehrte und beredte Männer hätte, wie 
es unser jetzt verstorbener Mönch gewesen, so wurde grosser 
Erfolg zu erreichen sein, aber auch für hohen Lohn ist kein Prediger 
au&utreiben.'^ 

Hoffineisters Thätigkeit als Kanzelredner blieb jedoch nicht mehr 
lange auf Regensbuig beschräilkt. Noch in dem Monat September begab 
er «ich nach der Bairischen Hauptetadt und precMgte hier, aufgefordert 
von Herzog Wilhelm von Baiem. Jede Woche wurden von HolEoieister 
mehrere Predigten gehalten und sie fanden bei der ^ehriitlichen Barger- 



M3 

Bcb^ hol]Len mud m^üevm St«Lpdß9 solchen ^«äifßll, wie ßv vqrJb^ m^ ,^- 
lebt hatte. Dies schreibt Hoßh^eißter am 4. iC^pvemh^ .der Abtis^ d^ 
Begeitsburger Stiftes Ob^*ioüost^r, ßarbara von Sandj^ell in 4^r YovTffäjd 
zu einigen Predigten, die er dem Drucke übergab, um die Bitte sßiu^r 
ei&igen Zuhörer ssa erfüllen, welche wussten, dass seines Bleibens zu 
München nicht sei. 

Am 30. November verliess Hoffineister München imd kehrte nach 
Colmar zurück; am 6. December widmete er von dort aus dem Junkßr 
Ambrosius Kempf wieder zwei gedruckte Predigten, welche als Vorläufer 
dienen sollten zu einer Postille Deutscher Predigten für das ganze Kirchen- 
jahr, mit der er sich damals beschäftigte. Aber nur wenige Tage ver- 
weilte er in dem heimathlichen Kloster. Bereits am 15. December traf 
er wieder am kaiserlichen Hoflager zu Heilbronn ein, wohin er sich mit 
einem uns nicht näher bekannten Auftrage des Colmarer jßaths begeben 
hatte. Sofort beriefen ihn nun der Augsburger Cardinal und des Kaisers 
Beichtvater Soto zu sich, um ihm mitzuiheilen, dass sie grade über seine 
Berufung verhandelt hätten, um ihn dann nach Ulm als Prediger ab- 
zusenden; sie priesen es als Fügung Gottes, dass Hoffmeister, ohne es ^u 
wissen, ihrem Wunsche bereits auf halbem Wege entgegengekommen sei. 
So ging denn Hoffmeister nach Ulm, und widmete sich hier dem Kanzel- 
dienste mit voUer Hingebung ; er predigte drei- ja viermal in der Woche, 
wie er selbst hoffte, mit grossem Erfolg. 

Da Hoffmeister sich sowohl bei dem Beginn des Krieges als nach 
dessen für den Kaiser günstiger Wendung am Hoflager befand, dürfen 
die Ansichten, welche er über die Bedeutung des kaiserlichen Sieges, die 
Wünsche, welche er bezüglich der einzuschlagenden Politik ausspricht, 
ein erhöhtes Interesse beanspruchen. Wir ersehen daraus, .dass wßti 
innerhalb der Geistlichkeit verschiedene Ansichten obwalteten. Des Papstes 
Vertreter, der Nuntius Verallo, empfahl, man möge daß Glück der Waffen 
emfach zur gew^altsam^ Herstellung der früheren kirchUcben Verhält- 
nisse benutzen, wie d^nn ja d^r Jesuit Bobadüla bereits im September 
1546, gleich nach dem Abzug der Schmalkaldner von Ingolstadt, dem 
Könige Ferdinand geschrieben hatte : „ Seit Jahren war meine Seele nicht 
so vergnügt, als jetzt, wo ich sehe, dass unsere ItaUenischen und Spani- 
schen Soldaten die wahren Doktoren sind für den Frieden und die Buhe 



164 

DeutBchlandS) für die Vertreibung der Türken und die Reform der ganzen 
Kirche^').** Hoffmeißter dagegen bemerkt in der während der Ingolstädter 
Schlacht geschriebenen Widmung seines Predigtwerkes an König Ferdinand, 
die Predigten seien von ihm unverändert so abgedruckt worden, wie er 
sie gehalten ; er wolle nicht, dass ihm die Protestanten vorwerfen könnten, 
er habe im kleineren Kreise mancherlei gesagt, dessen Vertretung vor 
der Welt er scheue ; ohne diese Rücksicht würde er sonst wohl mancherlei 
dessen Uebergehung die früheren Zeitverhaltnisse nicht gestattet, ver- 
ändert oder ganz beseitigt haben. Hofimeister bittet daher, man möge 
die in den Homilien sich mehrfach findenden Härten und Schärfen mehr 
der Rücksicht auf Zeit und Ort, als seiner Gesinnung zuschreiben; es 
sei ein anderers Ding, (wie zu Worms) vor einer Fürstenversammlung, als 
vor dem Volke zu predigen. 

Diese etwas auf Schrauben gestellten Sätze wird man wahrscheinlich 
so aufzufassen haben, dass Hoffmeister durch sie gewissermassen xxm Ent- 
schuldigung bitten will wegen seines scharfen Vorgehens gegen die kirch- 
lichen Missstände, was Manche jetzt, wo die Schwerter aus der Scheide 
waren, wohl als unzeitgemäss zu tadeln geneigt sein mochten. Es gab 
eben Leute , die es . lieber gesehen , wenn Hofi&neister die Protestanten 
gleich als verdanmite Ketzer behandelt hätte, anstatt sich abzumühen, 
dieselben mit Gründen zu überzeugen. 

Hoffmeister Hess sich indessen nicht irre machen. In der Einleitung 
zu einer Predigt ^®), worin er sowohl den heuchlerischen Mönchen und 
Prälaten, als den Obrigkeiten, welche die Tempel verwüsteten aber „ evange- 
lisch" heissen wollten, scharf zu Leibe geht, bei Besprechung der Stelle 
Matth. 23 über die Pharisäer, setzt Hoffmeister sich mit den von beiden 
Seiten gegen ihn erhobenen Vorwürfen auseinander. 

Er sagt: „Wie jetzt der Brauch und die Gesinnung in der Welt ist, 
kann ich es bei Besprechung dieses Abschnittes schwerlich vermeiden, bei 
Einzelnen Missstimmung gegen mich hervorzurufen. Denn gar Manche 
legen mehr Gewicht darauf, gut zu scheinen, als es zu sein, und nur 
Wenige sind in der Stimmung, mit Gleichmuth Tadel entgegen zu nehmen. 



17) D ruf fei Beiträge Nr. 45; die oben angezogene Aeusserung des Loxanas Nr. 265« 

18) Es ist die Predigt I)ienstag nach dem Sonntag Beminisoere» 



16!> 

* 

Was soll ieh thun? Gegen Niemand will ich geh&ssig sein, schmeicheln 
kann und mag ich nicht Preise ich nach Gebühr die Würde der Priester, 
so ¥rird das einföltige Volk unznfirieden sein und sagen, dass ich jenen 
schmeichle. Tadele ich die Laster der Priester, so errege ich vielleicht 
auch diese gegen mich, und das Volk wird glauben, dass dieselben wirk- 
lich Verachtung verdienten.^ Als Ausweg beschliesst er dann, seine Rede 
so zu lenken, dass man einsehen solle, wie er Niemanden zu Lieb oder 
Leid spreche; er will von den Priestern Aarons erzählen, und es Jedem 
selbst überlassen, sich daraus das Passende zu entnehmen. 

Auch nach dem günstigen Verlauf des Krieges bUeb Hoffmeister 
seiner früheren Gesinnung treu. Seripando gegenüber spricht er seine 
volle Uebereinstimmung aus mit der vom Kaiser befolgten Politik der 
Duldung protestantischer Religionsübung in den eingenommenen Städten, 
welche dem Nuntius zu grossem Anstoss gereichte. Er schreibt: „Es ist 
nicht Sache des Kaisers, sondern des Concils, die Dogmen der Rehgion 
vorzuschreiben, und die Kirche bliebe krank, auch wenn die Häresie ver- 
schwunden wäre** denn — und hiermit kehrt er die schon öfter ent- 
wickelte Ansicht in noch schärferer Fassung hervor — was Jene in 
den Dogmen, das sündigen wir in der Moral, oder vielmehr, wenn man 
die Wahrheit sagen darf, Beide fehlen hier und dort Das kann Euch 
nicht entgehen, Ihr müsst Abhülfe treffen. Beispielsweise, wenn die Ketzer 
die Messe leugnen, so gibt es unter uns kaum diesen oder jenen, der sie 
mit gebührender Ehrfurcht celebrirt Wir kehren uns unwillig ab von 
den Ehen der ketzerischen . Priester, während es bei uns eine Seltenheit 
ist, dass einer nicht offen und ungestraft eine verächtliche Metze im 
Hause hat Wir verwerfen jene Priester als illegitim und als nicht katho- 
lisch geweiht, aber wir erhalten von Euch Männer zu Hirten, welche 
früher Bischof und Erzbischof werden, als Diakon und Priester, und 
welche lieber Fürst als Bischof heissen wollen." 

Hofmeister setzte noch immer Hoffiiung auf das Trienter Concil, 
und weil er im Januar 1547 gehört hatte, dass dasselbe sich wirklich 
mit den Dogmen der Lutheraner beschäftige, suchte er seinerseits 
mitzuwirken, indem er Seripando auf diejenigen ketzerischen Bücher auf- 
merksam machte, deren Berücksichtigung er für erforderlich hielt Die 
Beschlüsse über die Rechtfertigungslehre hatten seinen Beifall, er gab 



B^iAef Fi^^de Atmärü^, dass et selbst Atete ^ ^t^teli^ Lehr« torgetiragen ^^. 
Abä^ bftld^ gtä^ie' itt d&t Zeit, wo det Itäk&f im B^gfriff» tftä&d^ den letst^ü 
ScMäg ^ägätf JohdM FH<Hirich zu tnhtm^ iM>iniM dki dtireh dki Nachricht 
von d^ Abi^^idid seines Orden^geiief als ^o» triiäilt bereits herabgestimmte) 
CobcitehölftimigeA HoffibMsten^ di^ bittefr^ fintt&iiicibmig erfahten^ indem 
di^ Verlegung der Synode nach Bolognär gemi^ldl^t ^^mi^e, was nach det 
allgömeiinen Ansicht gleichbedeutend war mit ihrem Ende. Noch am 
14. April vetisuchte er sich einzureden, däss die BestitiguAg der Nach- 
richt über diese ath 13. Märis getroffene Ma^ißi^gel ausbleiben könne; 
ftr den Fall, dass sie der Wahrheit enfepreche , tegt er Torh«, dass 
bald ganz Deutschland zu Grunde gehen, und das Joch des Papstes ab- 
dchütteln Werde. „Gütiger GOtt*, ruft er aud, „Wäö fftr ein Geist erfttüt 
diejenigen, welche den Papst zu solchen Massregöltt drängen! Ist noch 
nicht genug gefehlt worden!*' „Alle Nationen scheinen auf Abfall von 
der Römischen Kirche zu sinnen und jötist müssen Wir hören, dass man 
uns bishör mit dem Concil am Narrtetiseil umher geführt hat. Es ist 
nicht zu sägen, Was dies hier bei Katholiken wie Häretikern schadet. 
Letztiere triumphireö und glauben gesiegt zu haben, die Katholiken la^en 
den Muth sinken." 

In dieser Weisö beurtheilte Hoffmeister die Lage zu einer Zeit, wo 
das kaiserliche Heer im Begriffie stand, sich mit den Truppen des Königs 
Ferdinand und des neuemannten Kurfirsten Monte zu vereinigen und 
bereits strategiöch der Sieg beinahe erfochten War, welcher schliesslich bei 
Mtililberg Johann Friedrich von Sachsen in des Kaisers Hand lieferte. 
Der Grund jener düsteren Stlinmung liegt darin, dass Hofftneister sich 
die Frage, ob der Katholicismus, so wie derselbe nun einmal war, die Gebiete, 
^felche ihm die weltliche M*cht geöffnet hatte, wieder zu gewiimen im 
Stande sei, mit Nein beantworten musste. Es sdliien ihm an Leuti^ 
zu fehlen, welche befähigt gewesen wftren, mit den Waffen des GeiÄte« 
und dbsHörierts auch die Seelen derer zu gewinnen, welche ihren Nacken 
biöh^r nur widerwillig vor dem Kaiser gebeugt und die Schlüssel döf 
Siä;dtd dem läegl'eichen Fd'dherrn eingehändigt hattefn. Dass Hoffineisters 
Öi*#attting«n in Ä^r Beziehung ätt*ettt gwing waren, kann man mit 



lö) Vgl. oben, S. 141, Anm. 7. 



167 

Bestimmtheit aus dem letzten uns erhaltenen Briefe Hoffmeisters folgern, 
worin er über die Zustände seines Ordens an das zu Recanate versammelte 
Generalkapitel der Augustiner berichtet: «Das Volk fühlt sich mehr zur 
Frömmigkeit, als zu den Geistlichen hingezogen* Man hört hie und da 
von Leuten aus dem Volke Aeusserungen folgender Art : „»Wir hassen die 
Priester nicht, und können ohne sie nicht auskommen, aber wir verab- 
scheuen ihre unreinen Sitten, durch deren Anblick wir imd die Unsrigen 
verdorben werden. Mögen die Herren Geistlichen ihre Pflicht thun, so 
soll es an uns nicht fehlen.*'*' In dieser Weise scheinen Manche sich 
wieder nach den Mönchen zurückzusehnen, wenn es deren nur solche 
gäbe, dass man ihnen das Volk Gottes anvertrauen könnte. Unsere von den 
Lutheranern weggenommenen Erlöster könnte ich ohne viel Mühe wieder 
erwerben, wenn ich Leute hätte, die ich an ihre Spitze stellen könnte. 
Niemand will ims noch Jemanden zur Erziehung anvertrauen, die wenigen, 
welche wir hatten, sind vernachlässigt und schlecht erzogen worden; es 
war bei der allgemeinen Verderbniss unmöglich, die Kinder fromm zu 
erziehen, und es ist Gefahr vorhanden, dass wir auch die Klöster, welche 
uns durch Gottes Güte geblieben, aus Mangel an Brüdern werden auf- 
geben müssen.** 

Hoffineister Hess «ich indessen auch in dieser verzweifelten Stimmung 
nicht abhalten, so viel er vermochte, auf die Hebung der gesunkenen 
Verhältnisse hinzuarbeiten. Während die Lateinische Postille noch im 
Druck war, war er schon mit der Herstellung einer solchen in Deutscher 
Sprache beschäftigt, und er musste sich wegen des dringenden Bedürf- 
nisses danach dazu verstehen, die einzelnen Stücke vor Vollendung des 
Ganzen zum Druck zu geben. Nach mehrwöchentlicher Wirksamkeit in 
Ulm begab er sich am 11. März nach Dillingen und predigte hier am 
13. März. Aber kaum war er hier angekommen, so folgte ihm ein Bote, 
der ihn im Namen des Kaisers wieder nach Ulm zurückberief. Da der Be- 
fehl ihm aber nicht schriftlich übermittelt worden war, so wandte er 
sich vor dessen Befolgung noch einmal an des Kaisers Beichtvater um 
bestimmte Nachricht. Auf diese Anfrage erwartete er vergeblich mehrere 
Wochen eine Antwort; am 14. April schrieb er an Seripando, wenn er 
eine solche nicht binnen acht Tagen erhalte, so wolle er sofort nach 
Hause, d. h. nach Colmar zurückkehren. 

Abh. d. III. Cl. d. k. Ak. d. Wies. XIV. Bd. I. Abth. 23 



168 

Dazu ist es nicht gekommen; dies vermeldet mis nicht mehr Hoff- 
meister selbst, sondern der Weihbischof zu Eichstadt und Bischof zu 
Philadelphia Leonhard Haller, welcher nach Hoffmeisters Tode auf An- 
regung von Cochläus und Weissenhom im Jahre 1548 die Deutsche Po- 
stille herausgab, welche von jenem nur für die Zeit vom Beginne des 
Advents bis zu Pfingsten fertig gestellt worden war. Haller berichtet 
ims, dass Hoffmeister abwechselnd zu Dillingen und zu Ulm gepredigt 
habe. An letzterem Orte erkrankte er, wurde von dort' nach Söflingen, 
dann nach Günzburg verbracht und starb hier am 21. August 1547. 

Der unerwartete Tod des Augustinermönches machte grosses Auf- 
sehen, und an seinem Grabe erhob sich, ähnlich wie bei Luther, zwischen 
den beiden Religionsparteien eine heftige Polemik über die Art seines 
Todes. Die widersprechendsten Nachrichten wurden verbreitet. Als im 
April des Jahres 1548 Graf Volrad von Waldeck auf dem Wege zum 
Augsburger Reichstage durch Nürnberg kam, da wurde ihm, wie er in 
seinem Tagebuch berichtet, von Veit Dietrich erzählt, Hoffmeister habe im 
Wahnsinn mehrere Tage hindurch immer ausgerufen : „ Ich bin verdammt, ich 
habe falsch gelehrt, die Grossen hatten mich dazu überredet. " Der Bürger- 
meister von Colmar habe ihn darüber zu beruhigen gesucht, dass er nie 
etwas Verkehrtes gelehrt habe, indessen sei bei Hoffmeister aller Zuspruch 
wirkungslos geblieben, er habe mit jenem verzweifelten Ausruf die Seele 
ausgehaucht^^). Dieselbe Erzählung findet sich weiter ausgeschmückt in 
dem Dialog vom Interim, welcher in demselben Jahre 1548 erschienen ist^^). 

Katholischer Seits scheinen diese Behauptimgen anfänglich nicht be- 
rücksichtigt worden zu sein ; in dem Loblied, welches der jüngere Wizel ^^) 
zu Hoffmeisters Gedächtniss verfasste, findet sich kein Anhaltspunkt da- 
für, dass man sie gekannt hätte, und eben so wenig erwähnt Haller be- 
sondere Vorkommnisse bei seinem Tode. Dass man aber später von katho- 
lischer Seite das Vorgeben der Protestanten mit der Behauptung beant- 



20) Tross, Wolrad v. Waldeck, Tagebuch, Stuttgarter lit. Verein LIX. S. 7. 

21) VgL D ruf fei VigUns Tagebuch 29*. Die SteUe steht auf Fol. E, 4. 

22) Epicedion. In funere reverendi domini viri doctissimi F. Joannis HoflPmeysteri Augustiniani 
ecclesiastae Colmaiiensis, catholicae fidei propugnatorls emeritissimi et theologi ezcellentissimi 
. . . Ingolstadt 1548 Weisseihom. 



169 

wortete, Hofi&neister sei von den Protestanten vergiftet worden, und dass 
dieses nicht von namenlosen Pamphletisten verbreitet wurde, zeigt die Be- 
merkung, welche Seripando im Jahre 1553 in sein Tagebuch schrieb : Eber- 
hard Billik, der gelehrte Carmelitenprovincial habe ihm von dem Gerüchte 
erzählt, dass Hofläneister zu Ulm von den Ketzern vergiftet worden sei. 
Das waren aber nur vertrauliche Mittheilungen von Mimd zu Mund und 
es scheint lange Zeit gedauert zu haben, bis man katholischer Seits schriftlich 
auf jene protestantischen Erzählungen antwortete. Wenigstens erwähnt 
der bekannte Hofprediger zu Innsbruck, der Franziskaner Johann Nass, 
welcher sich 1575 in der Vorrede zu Hoffmeisters Postille dagegen er- 
hob, keinen Vorgänger, Aus seiner Darlegung geht so viel hervor, dass 
wir geringe, oder vielmehr keine Hoffnung haben, über die etwaige Ver- 
giftung Hoffmeisters je etwas Gewisses festzustellen. Deim, wenn auch 
Nass behauptet, dass Hoffmeister nach einem vergifteten Ehrentrunk keine 
gesunde Stunde mehr gehabt habe, so fügt er doch hinzu, Hoffmeister 
habe darüber Niemanden, selbst nicht seinem Beichtvater eine Mittheilung 
gemacht, „zu verhüten den grossen Zorn hoher Potentaten" ; hinsichtlich 
seines Verhaltens vor dem Tode aber ruft Nass glaubwürdige Leute, 
auch die Schwestern, d. h. die Nonnen zu Günzburg als Zeugen dafür 
an, dass er „gottselig" gestorben sei. 

So zahlreich die Schriften waren, welche Hoffmeister selbst zum 
Druck befördert hatte, so waren doch noch manche und mnfangreiche 
Arbeiten in seinem Nachlass vorhanden. Nur ziun Theil kamen dieselben 
nach seinem Tode ans Licht. Von seinem Judicium über die Augsburger 
Confession, und von den Predigten welche Haller theils 1548, theils 
1550 drucken Hess, ist schon oben die Rede gewesen. Für die Heraus- 
gabe seines Commentars zu dem Buche Tobias interessirte sich Hoffmeisters 
Nachfolger im Provincialat Oberdeutschlands, Melchior Redel, der durch 
den Prior zu Hagenau, Bartholomäus ülrici und durch den Prior zu Mainz, 
Johann Wallrab veranlassen liess, dass Theobald Spengel und Franz Behem 
zu Mainz den Druck besorgten. Ln Jahre 1562 erschien zu Löwen die 



23) Galenzio Docamenti inediti sol Concilio di Trenti S. 214: ,Sept 19. Eberfaardufl Provin- 
Cialis Carmelitarnm BiUiXy vir doctus, mnlta narrat de Hoffmeistero Ulmae, nt aiebant, ab hae- 
reticis Teneno oztincto." 

23* 



170 

Erklärung Hoffmeisters zu den Evangelisten Lukas und Markus, während 
der von HofFmeister gleichfalls verfasste Matthäuscommentar und die 
Glossen zu den Briefen an Titus und Timotheus schwerlich je gedruckt 
worden sind**). 1567 widmete dann Gerhard Velmann aus Geldern dem 
noch in demselben Jahre zum Kurfürsten erwählten Grafen Salentin von 
Isenburg Hoffmeisters Werk über die 12 ersten Kapitel der Apostelge- 
schichte ; der Herausgeber meint, der Umstand, dass dasselbe unvollständig 
sei, möge entweder durch den frühen Tod Hofl&neisters, oder dadurch 
erklärt werden, dass der Rest noch in irgend einer Bibliothek verborgen sei. 

Indem nicht bloss diese Werke aus dem Nachlasse Hoffmeisters, sondern 
auch noch zahlreiche Auflagen seiner früheren Arbeiten im Laufe des 
sechzehnten Jahrhunderts im Inlande wie in Italien und Frankreich ge- 
druckt wurden, wirkte Hoffmeister trotz seines frühen Todes fort, auch 
auf die folgenden Generationen; freilich muss man zugeben, dass 
manche seiner Schriften kaum an Gehalt ihrer grossen Verbreitung ent- 
sprachen und dass sie den Stempel ihrer flüchtigen Abfassxmg deuthch an 
sich tragen. Dass aber grade das bedeutendste Werk, das Judicium, 
noch 1597 von einem Tiroler Kammerschreiber ins Deutsche übersetzt 
wurde, zeigt uns, dass die Gesinnungen von welchen Hoffineister erfüllt 
war zu eüier Zeit, wo die religiösen Dinge sich noch im Flusse befanden, 
auch noch damals Anklang fanden, als die Confessionen in ihrem Gegen- 
satze bereits erstarrt waren. 

Ueberblicken wir zum Schlüsse noch eimnal das kurze, aber bewegte 
Leben des Elsässer Mönches, so werden wir schwerlich mit dem Geschichts- 
schreiber des Augustinerordens zu der Gegenüberstellimg Luthers und 
Hoffmeisters uns versucht fühlen. Ebenso wenig wird man ihn seinem 
berühmten Landsmann Geiler von Kaisersberg an die Seite setzen wollen, 
obgleich seine Rede hie und da, wenn es die Geisselxmg der kirchlichen 
Missbräuche gilt, jenem an Kraft imd Entschiedenheit nicht nachsteht. 
Aber Niemand wird Hoffmeister hervorragende Geistesgaben zusprechen, 
und der Tod setzte zudem seiner Wirksamkeit als Prediger ein Ziel, als fiir 



24) Man wird ans der S. 5 und 95 des Marcusevangeliams yorkommenden Erwähnung des Matthäus- 
commentars nicht folgern dürfen, dass auch dieser gedruckt worden ist. Vgf. Brief Nr. 2. 
Gandolfo erwähnt auch die hier berührten Erklärungen der Briefe an Titus und Timotheus. 



171 

dieselbe grade das Arbeitsfeld erschlossen war, worauf es hauptsäclüich 
ankam. Immerhin aber darf HofEmeister unsere Aufmerksamkeit bean- 
spruchen, weil wir durch ihn, genauer und zuverlässiger als durch seine 
Gegner, die Zustande und Stimmungen kennen lernen, in welchen sich 
die am Katholicismus festhaltenden Kreise sowohl zu der Zeit befanden, 
wo sie hofEnungslos Stück für Stück von ihrer Kirche abbröckeln sahen, 
als später, wo der kaiserliche Sieg ihre Stellung zwar äusserlich gehoben 
hatte, wo sie aber wahrnehmen mussten, dass die päpstliche PoUtik ihnen in 
demselben Augenblicke die Stütze entzog, worauf sie ihre Hoffiiungen 
gründeten: das Concil zu Trient. 



Beilagen. 



1. Hoffmeister an Seripando (falls abwesend, an den Procurator.) 

iJ543 August 1 Colmar. 
[Tregers Tod, Lage des Ordens, seine Wahl zum Provincial.] 

»S. D. Mortem temporalem ac debitam reverendi patris nostri provincialis Ghon* 
radi Tregarii ^) apud tuam R. P. et ex animo et ex debito deploraremas, nisi nobis certo 
constaret certoque sciremas eiusmodi lamentis tuam P^^, alias ob religionis nostrae 
incommoda plus satis torbatam, magis pertnrbari, aut potias iam olim assuevisse 
hnmanos casus Deique iudicia occulta et iusta aequanimiter ferre. Paucis itaque, 
si modo fieri potest, T. R. P. pia negotia interturbare compellimur. Saepenomi* 
nata tua Pat. iam olim, ut putamus, cognovit, R. P. nostrum Chonradum Tregarium 
Helvetium et almae nostrae provinciae dignissimum provintialem, virum et ecclesiae 
Christi et religioni nostrae maxime necessarium. Is itaque, postquam ultra 20 
annos provinciae nostrae sua maxime gloria nostra (autem non) ^) valgari commodi* 

täte praefuisset, 25. Novembris anni praeteriti ( — — — — — )ri8tum con- 

cessit, sive quod Christus illum coronare sive quod n( — — ^ — — — — ) male 



1) Ueber Treger ygl. Bö brich Geschichte der Beformation im Elsass I, 224 Die obige Stelle 
hat Torem YIII, 183 yorgelegen. 

2) Viele Lücken finden sich in der Handschrift. 



172 

nostris mmtis panire volnerit. Haec porro Dei cominit(teiidain est) iudiciis. At- 

qui bonns et bene defunctiis pater, sicut ab( — )ni sui, ita et in finem 

nsqne vitae snae nihil magis ( — — — — ha)bait atque ut proviiicia nostra 

nnnqnam non bene haberet. ( ) agpMm cum totus esset, iamqae re ipsa sen- 

tiret mortem suam ( — co)nyocati8 domas snae confratribus per om- 

nia Sacra ( — — — — . — — ), ut simulatque ipse spiritum suum Domino 

redd ( — — — — — ) suo illius nomine totius provinciae nostrae admini- 

strationem (~ — — — — — — )erefn9 non quod illum bonum patrem delectaret 

aliqua noc ( — — ) vetus atque hactenus pie observatus mos dis- 

pliceret, sed quod ( — — — — ) nostrae provinciae necessitas illum 

ad hoc cogeret, hoc quod T. ( — — — — — — — ) credet statim ut de rebus 

provinciae nostrae a me cer(tior fact)a fuerit. Res autem in Universum, quod qui- 
dem provinciam (nostram) adtinet, sie se habet : Provincia nostra in hoc pestilen- 
tissimo tempore propter longe pestilentiorem Lutheranam haeresim domibus spoliata 

est Argentinensi, Wissenburgensi, Heidelbergensi, Altzenheimensi, V lensi, Rap- 

polschwilensi, Tubingensi ; apud Helvetios amisimus conventus Basiliensem, Thuricen- 
sem, Gonstantiensem, Milhausensem, omnes egregios locos. Ad Suevos venimus. Hie 
mons S. Angeli periit, Pappenheim et Laugingen nos porro contemnunt, pessima illa 
Lutheranorum libertate ant potius temeritate &eti. Restant ergo utcumque quae 
sequuntur: In Helvetia domus Friburgensis in qua diem suum extremum clausit P. 
provincialis ; in Brisgoia domus Friburgensis et Brisacensis, in Elsatia cTomi^s nostra 
Colmariae, cui ego iam per decennium praesnm ; ad Rhenum superest egregia domus 
nostra Moguntina; Spirensis, Wormatiensis et Fridbergensis sie nostrae sunt, ut ni- 
hil incertius. Reliquae sunt duo domus Landoviensis et Hagnoiensis, apud Suevos 
sola domus Gamundiana hactenus perstat, et hoc beneficio venerandi senis P. Gregorii 
Lypolt, s. theologiae professore et R. Pat. V. vicarii, qui, si non alio morbo, certe ipsa 
senectute, quae per se morbus est, detinetur, quominus nobis adesse et subvenire 
possit. Iam videat T. R. P., quantae sint reliquiae nostrae et quam noxia nobis 
fuerit haeresis illa! Ebkbes in summa domos 12, domos qualesquales, nimirum ezcepta 
quarundam structura pauperrimas, nam ditiores in maW evangelicornm &uces abie- 
runt. Et in his nostris aedibus non habemus ultra 40 fratres, numeratis omnibus 
qui religionis nostrae vestitu utnntur, quos tamen, licet paucissimos, difßcile, immo 
aegerrime retinemus et enutrimus. Dicam, et vere dicam, quo magis opinor move- 
beris, in nostrorum clericorum numero non sunt sex, qui (non qui)nquagesimum exces- 
serint. Hanc itaque miseriam, hanc provinciae nostrae ruinam R. P. Chonradus 
(— — — — — )ni8i hinc discessurus, sicat supra dicere inceperam, ho( — 

— — — in) mandatis dedit, ut primo quoque tempore patres provin ( — — — — 

— — ) in commodum aliqnem locum convocarem, convocatos ad (electionem) novi 

provincialis inhortarer, illis ob oculos ponerem promptum (— ) iquum 

in nos animum S. Romanae ecclesiae et novorum sectariorum ( — — — 

— ). Quod qnum fecissem, pars venit, reliqui se excusarunt ( — 



i 



173 

— — — _^ plemmqae ad sai defensionem est ingeniosa. P(aüci illi vero) qu 
convenenrnt canonica electione et veteri observato ordine ( — — — — — )i potuit, 

me elegerant in provincialem xneqne tarn ( — — — — )nfirmandam offernnt. 

In provincialem, inqnam, elegerant n( — — — — — )ve mnltis innior, nt 

qui nondum compleverim 34. aet(ati8 an)num, qni nuUa rernm experientia, qni vix 
valgari Iin(gaa satis) expeditus sum, quiqne ad nihil aliad minns quam ad tan 
(— — — — — — — — )i8 idoneus sum •), Sed sie plemmqae solemus inept ( — 

— — — iu)raenti8 graviora onera imponere. Haec igitar T. R. P. volu(i sig-) 
nificare, at vel semel adamassim, si non doete certe ( — — — — — ) nostram mi- 

seriam haberes depictam, haicque qaae taa est ( — — )ram religionem ha- 

manitas, quantam quidem fieri potest, p( — — — )ta8 saccarrere. Quomodo vero 
nobis succarrendum sit, qaibasve malagmatis vel emplastris valnera nostra caranda 
Tel saltem mitiganda sint, tuae prudentiae commendatam volamas; nam nos inter 
sacram et saxum haeremas, non ignorantes quid Christo, qaid religioni et quid nobis 
debeamus. Qaod ad me attinet, ego iam hoc decennio et concionibus et proditis li- 
bellis cam Lutherana haeresi conflictum habeo, nescio quomodo in hanc harenam 
protrusns. Det Dominus ecclesiae suae victoriam, cui et ego me meaque omnia iam 
olim consecravi. Restat iam, Rev. pater, ut impudentiae nostrae — si modo hanc 
ipsam non excusat summa necessitas — veniam oremus, quam iam humiliter et ora* 
tarn et exoratam cupimus, sperantes hoc, vestram R. P. nos non dedignaturum benigno 
responso, quod nobis non tarn necessarinm quam gratum erit, immo et gratissimum et 
summe necessarium. Dens opt. max. T. R. P. in multos annos nobis servet incolumem, 
quem me etiam velit habere commendatum. Colmariae Gal. Angusti anno 1543. 

Gratum mihi facies, si me legato apostolico qui futurum principum conventum 
Spirae visitabit commendaveris. Hunc enim, quisquis tandem ille fuerit, humiliter 
conveniam, si modo Dens omnium bonorum largitor votis nostris annuerit. Vene- 
randos patres et fratres qui tecum sunt ex animo cupiraus bene valere. 

Jo. Hoffmeister ad Rhenum proviucialis electus.« 

Original. Bibliothek Neapel Aa, 47, 29. 

2. Hoffmeister an SeripandD. 

1544 Märe 7 Speier. 

[Seripandos Brief; seine literarische Tfaätigkeit; der Nantias. Stimmong gegen den Papst. Lässig- 
keit der Bischöfe. Beformbed&rfaiss. Der Reichstag. Die Vorwürfe der Protestanten, Process vor 

der Bota.] 

»S. P. Humanas et vere paternas tuas literas, R°® in Christo pater, accepi 24. 
Februarii in vestibulo Burgundiouum, dum proficisceremur ad R. P. abbatem Murba- 



3} Diese Stelle ist bei Torrelli und Gandolfo in folgender Weise wiedergegeben: 

„Convenere patres in conventa Hagenoiae et nnanimi consensnin provincialem elegerant 
me, qni aetate molto minor, nt qui nondum compleverim 34 aetatis meae annmn, qui nnlla 
rermn habeo experimenta qni vix mlgari litteratnra satis praeditns sum." 



174 

censem, virom quo inter Germaniae principes yix meliorem invenies, qni tanto zelo 
eccleaiam nostram catholicam ardeat, et huius hostes odio tanto perseqaatur; qui 
solus nisi esset, vereor me hactenus — mazima hac compellente penuria — non 
potuisse confratres meos alere. Sed quo rapior! Dnm ad hanc, iDqnam, optimnm 
praesulem proficiscor, in ipso itinere T, P^^ nobis redditae sunt literae, et tales, 
qnales ex animo et capiebamas et sperabamus. Yidemos in te animam patre dig- 
num, et nos curabimus, ut nos spurios iadicare non possis. Dominus enim, qui tri- 
buit bonam voluntatem, utiqne non denegabit operis absolutionem. 

Quod certamen nostrum cum baereticis adtinet, res sie se habet: lamperdecen- 
nium, statim a suscepto meo sacerdotio assiduis concionibns contra ecclesiae bostes 
pro suscepto dono depugno; contiones item meas omnes conscribo, si non docte, 
tarnen, ni fallor, non impie : si non rethorico, cerie nee heretico stilo. Et interim 
dnm silent cygni, nos granuli vel conatum nostrum piis aperire studemus. 

Hinc ad T. R. P. iam mitto libellnm hunc, non meae eruditionis — quam nul- 
lam in me esse deploro — sed meae dilectionis in ecclesiam evidentissimos testes. 
Puto autem baec qualiacumque placitura ecclesiae, hoc motus argumenbo, quod maxime 
displiceant Luteranis. Displicere vero bis mea, ut quae maxime argumento e8t[!] quod 
in superiori nostra Germania vix alius est, in quem tam crudelia tentarint« Deo 
gratiae qui illorum conatus elusit! Nihil hactenus evulgavi latine, praeter baec 
quae iam ad T. P. mitto ; germanice quibus germanicis Lutheri libris respondi, unum 
atque alterum edidi. Nam quae in tres priores Evangelistas, in utramque ad Timo- 
theum, in epistolam ad Titum homiliatico more - sicut Phihppicas meas — com- 
posui, adhuc apud me latent, tamquam propter ingentes labores meos illis non- 
dum possim extremam addere manum, tum etiam quod mundus iam apud nos non con- 
siderat quid dicatur, sed quis dicat. Et hactenus mihi per vulgarem eruditionem et 
nummorum penuriam non licuit doctoratus insignia comparare, quo maior mea for- 
tassis apud simpliciores esset autoritas. Iam ex patribus coUegi aphorismos et locos 
quosdam communes contra praecipua Lutherauorum dogmata ; sed forte ante autumnales 
nundinas Francofurdianas yix a typographis perficientur. Et baec hactenus de ratione 
studiorum nostrorum, quae utinam in Ecclesiae catholicae prosectum proficiant. Gaete- 
rum commendaticias literas ^^^ D. protectoris nostri ordinis ei cui pertinebant red- 
didi. Et humaniter quidem me suscepit, poUicitns est suam operam, et quum alia 
n^otia illum urgebant, brevibus me dimisit; sie tamen ut etiam me contra com- 
mendaret alii R™^ nuncio apostolico. 

Sed quid ego iam ab illo petam ? Confirmationem novam privilegiorum ? Sed 
audi, obsecro, dignissime pater, imperator Garolus noster catholicus ne tantillum quidem 
videtur habere autoritatis, etiam apud eos qui sibimetipsis yidentur Evangeliissimi 
et qui nobis maxime facessunt negotium« Porro ubicumque producimus privilegia 
quae S. pontificum benignitate accepimus, nihil nisi ridemur, blasphemamur, atque 
diris devovemur. Quaeris causam: Aiunt S. D"""* N., quem Antichristum appellant, 
non esse vicarium Christi, sed filium Satanae, foedua iniisse cum Turcis, hos consilio 



175 

et anxilio invare, Qallnm contra imperatorem incitare, caesari porro contradicere, et 
alia malta crudeliora. Haec ad te scribo, nt ad S. D^^*" N. referas, non nt ad 
has calamuias sileat, sed nt aperto scripto innocentiam snam tneatnr. Conabor hie 
aliqnid extorqnere a caesare, si potero, qno reliqniae nostrae domus posthac tutiores 
sint vel ab bis etiam qui baereseos aecnsari non possnnt: nam et bi silendo nobis 
nngaea et dentes ostendant. A S. D^^^ N. Paulo nihil tarn ambire volo, nisi nt 
S. S'^ me comendatnm habeat et, si fieri potest eommode, stndia mea promoveat. Addam 
et hoc: Praedecessores mei, maxime vero domus nostrae Colmariensis. perpetua cou- 
suetndine consecrarnnt dalmaticas, qnas vqcant albas, et reliquam sacratissimi cultns 
panopliam, ut ita loquar, qna pro nostra sancta ac vetere consuetudine ntimur in 
officio divino. Hoc ipsnm nt ipse faciam, alii a me petnnt: quum autem ignorem 
qna autoritate illi hoc de qno loqnor attentarint, nee ego hie aliquid temere insti- 
tuere ausim, si T. R. P** visum fuerit, poterit etiam hac de re illius S****°* 
convenire. Certe non potest dici, quam negligenter episcopi nostri aliquot sao apnd 
nos fungantur officio, hocqne ipsnm sua ipsorum negligentia porro exosum reddant. 
Snffraganeis destituuntur, ordines raro conferuntnr, confirmationis sacramentnm pene 
apnd nos ignotum et obliteratum est, nee audemns nos hoc auditoribns commendare, 
quum non sit qui petenti conferat. Haec omnia ad te scribo, qnia ecclesiae bene 
consultuni cupio. Dicam et hoc: Ordinarii episcopi suos ordinäre noinnt, nee tarnen 

his permittunt ab aliis dioecesanis ordines accipere, nisi prius nescio quantum ( 

— — — ) numerent ; unde fit, ut multi porro a sacris abstineant ( ~ — — -~ — ) 

feras hanc meam battologiam: Ecclesiae filius sum ( — — ) supremos igitur 

medicos appello. Et quidem creber (— — — — ) literas, si modo me non desti- 

tuerint tabellariis, quibus tuto ( — — — — ). Tu si ad nos scribere voles, literas 

mitte Basileam ad Robertum (— — — — — — ) Oporinum tipographos, qui 

diligenter mea curare solent. De conventu ( — — — — ) sperandum sit, quaeris? 

Nihil. Vereor enim nos ibi et Deam ( — — ), Nee potest fieri ut pacem ha- 

beamus, nisi prius idem sapiamus ( — — — — — ) dissimilitudine. Quid sperabis: 
Concordia parvae res crescunt, ut ait ille. Episcopi nostri in proximo Ratisponensi 
conventu receperunt se velle reformationem apnd suos instituere, sed res ipsa cla- 
mat eos nihil minus hactenns cogitasse; per quem porro stet quo minus fiat, alio- 
mm esto iudicium. Nos dogmata sana habemus, sed vitam vivimus plus quam eth- 
nicam, Lutherani et fide et operibus, eam nobis referunt^ quoquo aguntur spiritu. Haec 
habui, optime pater, quae ad tuas literas plus quam tumultuario respondere volui; 
quae etiam aequi bonique facies, suae R. P., domino protectori, cnins nomen mihi 
significabis proximis literis, confratribus item tuis me comendabis plnrimum. Dens 
opt. max. T. R. P*^ nobis in longos annos servet incolnmem. 

Spirae, VH. Martii anno 1544. T. R. P. 

humilis ( — — — ) Provintialis.c 

Postscr. : »In camera rotae apnd vos agitur causa R. P. Joannis Rodulphi 
abbatis, domini ac principis mei clementissimi, uti forte in brevi ad me poteris scri* 

Abh. d. III. Gl. d. k. Ak. d. Wiss. XIV. Bd. L Abth. 24 



176 

bere. ütinam S. D""" N. tarn certe sciret totam causam, quam certo abbas ille ininriam 

sastinet. Accosator talis est, at non possit ab aliquo bono viro excasari merito. 

In ipsa die coenae divinae hoc Degotium instituit, malo dolo principi nostro castrum 

cepit, quo nomine universus eius regionis et ditionis populns et coufessionem et 

eucharistiam neglexernnt. Tu, si comoditas dabitur, abbatem meum apnd malevolos 

defendito, bonis commendato, quod merito facies. Yale iterum atque iterum.« 

Eigenhändig. 



3. Hoffmeister an Seripando. 

1544 Juli 12 Colmar. 

[Schlimmer Ansgang des Speirer Tages. Triumph der Feinde der Kirche. Klage über der Franzis- 
kaner Verhalten. Glücklicher Verlauf des Krieges. Bitte um Literatur über die hl. Messe.] 

»8. P. Decimasexta Jnnii hnius anni R. P^*^ T. literas proximas accepi, simul- 
ac coDstitutiones venerabilium patrum ordinis nostri ; nam illas, ni male omiuor, pro- 
vincialis Coloniensis ad me misit. Quicquid est, legi ac relegi, iamque per manum 
confratrum meorum, filiorum scilicet, volitat; utiuam et illorum corda oecupet, quod 
ut fiat, Deum piis votis precamur. In proximis literis quas ad R. P^°^ T. misimns 
nonnihil scripsi et interrogavi de autoritate consecrandi ornamenta ecclesiae; verum 
interea dum diligentius ordinis ( — — — — — ) previl^ia perscrutari pergo, tan- 

tum invenio, ut non sit necessarium de hoc nomine aliquid operis perdere. De prin- 
cipum ( — — — — — — ) Spirae habito, id accidit quod divinabam: Christus 

relegatus est, et religio religata, et qui Spirae sperabamns nos probe respiraturos, 
pene expiravimus. Re ipsa itaque intelligimus Christum nondum audire preces nos- 
tras, sed avertisse faciem suam a nobis, haud dubie quia manus nostrae sanguine 
plenae sunt nee Deum ex toto corde qnerimus. Hostes ecclesiae tan tum non trium- 
phant: et ex nostris — si modo nostri sunt — multi despondent animos. Vident 
enim nos frustra expectare conciliuni, frustra celebrari principum conventus, frustra 
coire doctos. Unicum quod est quod me ( — — — — ) videlicet quod certo sciam 

inferorum portas adversus ecclesiam non praevalituras, interimqne sub umbra alarum 
dorn ( — — — — — — ) quae te scire cupiam. Sed hoc te celare non ( — — — 

— — — — — ) minorum — non reformatorum — nostrae provinciae, fere (— — 

— — — ) invenit, domus suas vendit, consentitque ut vel prorsus divellantur 

vel in prophanos usus vertantur, hoc quod etiam apnd nos fecit Colmariae, quo 
pessimo exemplo mihi meisque plurimum incommodat. Tu, si consultum tibi videtur, 
poteris hoc significare illorum generali. Ego potius eligam nescio quo relegari, 
quam vel unicom lapidem prophanis usibus concedere. Nihil est preterea, optime 
pater, quod R. P. T. scire cupiam, nisi quod imperator noster magno spiritu parique 
faelicitate Gallorum regem oppugnat. Det Dens, ut victoria cedat commodis ecclesiae! 



177 

Prestiterat certe bac arnioram ti invadere Turcos. Multi in gravissimo hoc bello 
pereunt, sed pericnlnm est« ne longe plnres interim pereant etiam qui domi sunt, in 
tantis religionis nostrae dissidiis. Non impane faciet, qnisquis concordiam et re- 
formationem ecciesiae hactenus remoratus. T. R. P. interim bene valeat» et me 
amare pergat. Gapio scire, nnm aliqni sint qui apad vos nostro secnlo pro sacri* 
ficio missae scripserint; nam de hoc summa est apud nos contentio. Colmariae 
12. Julii anno 1544. 

T. R. P. 

humilis filius 
F. Joan. Hoffmeisteras-c 

OnginvA, 



4. Hoffmeister an Seripando. 

1545 Märe 14 (Worms). 

[Nichtbeantwortnng seiner Briefe- Schlimme Lage bei der offenen Anfeindung der Protestanten, der 

versteckten der Katholiken. Ordensverbältnisse. Disciplinlosigkeit. Bitte nm Sendung von Ordensbrüdern. 

Predigten während des Reichstags. Cardinal Otto Tmchsess. Buch Qber die Messe.] 

»Annus iam est, Rev°** in Christo, quod a T. R. P*® acceperim nullas literas, 
exceptis illis. quibas statuta capituli generalis adiunxeras, quam tarnen ego iterum 
atque iterum ad te scripserim. Unum ex te scire cupiam, utrum R^"' nuntius ille qui 
comitiis Spirae celebratis interfuit, nostrum libellum et literas meas tibi dederit, necne. 
Iam vero, quoniam certum nuntium ad te habeam, et talem, qui sese totum mihi, licet 
indigno, consecrarit, non potui non ad T. P. scribere; brevibus tarnen hie me ex- 
pediam: Confratres mei hactenus bene valent, det Dominus ut perpetuum sit! Quam 
graviter vero intolerabilibus exactionibus excoriemur, non esset, ut pluribus dicani: 
Lutherani uno impetu et aperto Marte domus nostras optimas demoliti sunt; qui 
vero catholici appellari volunt, in singulos dies nos deplnmare contendunt. Quare hoc 
fiat, quaeris? Quia apud nos fides et iustitiä periit; vi geritnr res, et qui man- 
ducant panem nostrum, levant contra nos calcaneum. Et nos quidem digna factis 
recipimus; sed quid fecit Christus, cuins religioni, odio nostri, tam subdole exitium 
machinantnr Satanae satellites? Pauci sese reh'gioni nostrae adiungunt, et non nisi 
pueri 8 Tel 10 annorum, qui, simulatque a nobis edncati fuerint, statim a parentibus 
revocantur, sive voto sese adstrinxerint, sive minus. Nam haec omnia impune fiunt 
apud nos. Si quem ex fratribus nostris admonemus sui officii, et vel unico vocabulo, 
id quod facile sit, o£fendimus, statim relictis et comtemptis nobis et ordine ad pro- 
ximum episcopum currit. Hie illum statim ecciesiae alicui praeficit, non habita ulla 
ratione vel ordinis vel voti; sed hac de re etiam dudum ad te scripseram. ütinam 
quatuor aut qninque fratres iustae aetatis, pietate et eruditione insignes ad me mit- 

24* 



178 

teres, qui nos in domibus nostris adinvarent, pueros ( — — — — ) ut quam 

commodissime habitarent nobiscum (— — — — ). 

Satis bene valeo, Vocatus sum ex aedibns ( — — — — — — ) dieta haec dura- 

verit, verbi ministerio ecclesiae hie praesim: qnod quam feliciter mihi hie suecedat, 
et quos quantosque patiar adversarios, ex praesentiam latore intelliges. Verum R"*"* 
in Christo pater ae illnstrissimns princeps Otbo novitius cardinalis episeopns Auga- 
stanus mihi omnem laborem faeilem faeit, omnique levat tedio. Non enim possum 
eloqai, quam sedulo me adhortetur et consoletur, quam diligentissime mihi comen- 
det eeelesiae patrocinium, quam humanis^ime me foveat. hone Jesu! serya nobis 
talQ3 cardinales quibus eeclesia sie cordi est, et non ita multo post habebimus eeele- 
siam bene reformatam. Scripsi proximo autumno libellum pro saerifieio missae, utrius- 
que canonis interpretationem eum eonfutatione eornm quae a Lutheranis contra 
missam scripta sunt. Libellas brevis est et, ot opinor, non impius; Eum inscripsi 
R. P. Cardinali, et huius sumptibus iara imprimitur, quod si commodum latorem 
invenero, tibi mittam exemplar, ut ex te aliquando audiam, quid de sludiis meis sen- 
tias. R. D°"* cardinalis peculiaribus literis me commendabit S. D°° N., iussitque ut 
hoc ibi indicarem. Vale itaque, optime pater, me amare perge. Confratres tuos 
omnes meo nomine salutabis quam of&ciosissime. 

(Wormatiae), 14. Martii anno 1545. T. R. P«» 

F. Joann. HofiF. Aug. Prov. 
Rhen. et Sueviae.c 

Eigenhändig. 



5. Hoffmeister an Seripando. 

1545 Juli 26 Worms. 

[Tri enter Concil, sein Fernbleiben. Wiedertäufer in Colmar. Die Schrift Über die Messe. Bitte nm 

Ordensbrüder. Reichstag. Neues Beligionsgespräch.] 

>S. P. lam Video, R"*® pater, quid quantumque possit fides bonorum amicorum, 
quum responfiivas tuas literas tam citissime ad nos non cucurrerunt sed volarunt. 
Yicesima huius ad me venerunt tnae, quum ego meas nona Jnlii dederam. Quod 
concilium adtinet, charissime pater, cuperem quidem congregationi tam sanetae in* 
teresse, unde non possum non et melior et eruditior fieri. Verum sicut ante testatus 
sum, mihi non fuerit int^rum oves meas relinquere, nisi hoc maxinm necessitas, 
quae tamen iam nulla est, urgeret. Neque enim dici potest, quantum Satanas et 
me odiat et ovibus Domini mihi concreditis insidietur. Quid dicam? Dum ego hie 
in comitiis Domino inservio, ecce Satanas resuseitavit anabaptistas , cum quibus 
mihi iam olim magnus labor; unde coactus sum consulem civitatis nostrae Col- 



179 

mariensis domam remittere ex hisce comitiis, ut rebns tnrbatis coDsaleret, anteqaam 
anabaptistae peiora tentarent. Si lucnbratiuncnla mea pro sacrificio missae P. T. 
placuit, est cnr Deo gratias agam ; sie enim spero fore ut et aliis catholicis placeat. 
Homiliae meae in Corinthios simnlatque absolutae fuerint, ad B. P. T. volabunt. 
De fratribus quod scripsi, repetitom vellem, si modo P. T. mihi sabvenire posset. 
Certo ego unnm atqne altenun retiuerem in aedibus meis mecum, alios in alias do- 
mus nostras destinarem, nt ibi fratribus praelegerent sacras lectiones et in solvendis 
sacris me adiuvarent. Tnae prudentiae fuerit rebus provinciae nostrae consulere 
quocumque tandem modo fieri possit. De comitiis istis nescio quid sperandum. Au- 
dimus caesarem in hoc esse, ut rursus negotium inter partes insütuat, ad quod ego 
illud Pauli: Corrumpunt bonos mores colloquia mala^). Devitandos ego pnto hae- 
reticost non post tot congressus rursus cum illis congrediendum. Quid enim £Eicie8 
cum illis qui in disputationibus nulla certa admittunt principia?€ . . . 

Eigenhändig. Xin. Aa, 47, 36. 



6. Billlk an (Terallo). 

1545 November 27 Köln. 
[Seine Bern fang znm Colloqoiam. Die kaiserliche und papstliche Politik. Die Kölner Verhältnisse.] 

»QuoiNoäo factum sit, Rev. in Christo pater et domine, ut Caes. M. me coUoquio 
publico, quo S. M^ decrevit semel adhuc adversariorum animos pertentare, admoverit, 
^o quidem ignoro. Non potest autem Rev. Pat. Y. latere, cuius, ni fallor, fuit 
istud consilium. In quantam vero sim per hoc difficultatem coniectus, non facile 
scripsero. Novi praefractos adversariorum animos, quos facilius obdures quam emol- 
lies, concites quam facies mansuetiores, et in quamlibet potius haeresim protendas, 
quam ad veritatis agnitae adducas confessionem. Ita frustra susceptum fuit cum 
eis colloquium, primum Augustae, deinde Hagenoae, postea Yormatiae, ac mox Ra- 
tisponae, a quibus omnibus multo pejores evaserunt, quam fuerant antea. Non illi 
quaerunt verae fidei explicationem, non disciplinae restitutionem, non ecclesiae totius 
unionem aut pacem solidam, sed omnium potius eversionem ; tantum ut tempus lucri- 
faciant poscunt colloquia, quo suos interim errores confirment, quo videantur secta* 
toribus suis insuperabiles, quo simplices et vanissimum quemque in admirationem 
sui addncant, faciantque etiam ipsis probabilem suam perfidiam videri. Istos par- 



4) Diese Stelle bat Seripando in seiner Schrift über das Trienter Concil angeführt: .Praeclare ad- 
modnm Jo. Hoffmeistems, nnns ex iis qnos caesar ad coUoqninm delegerat, ad me scripsit : 
„Cormmpnnt bonos mores colloquia mala.*' Die darauf folgenden Sätze bei Seripando stammen 
wohl nicht mehr aus einem Briefe Hoffmeisters. DöUinger-Actbn I, 9. 



180 

tarinnt nobis coUoqnia fructus, qnod non iam coniectaris, non incertis presagiis, sed 
rerom eventu snmas plos satis edocti. Et mittor nanc ego ex Colonia mille peri- 
calis exposita, quam verisimilis metas est me (n)cinqaam visaram posthac am- 
plins catholicam, ad Ratisponam^ haereticis magis quam catholicis addictam civitatem, 
nt ad aqailam columba^ ut lavem Ethiopes, nt spectacolnm edam atriqne partimu 
ridendam. Quid enim hinc expectatur — alind taceam: viaram non levia discrimina, 
hiemis asperitatem, longam iter, dies breves et infinitas alias difficnltates, qnas ego 
pro Christi fide et religione contemnerem animo, si mihi non frustra snbeundae essent, 
— qnod sine causa digna, sine spe fructus avellör Colonia, et illa interim tarn reli- 
giosa tarn pia et sancta civitas negligitur lupisque exponitur diripiendum? Con- 
temnere non possum, equidem non video quod agatur de ea aliud. Hea mihi ! quam 
metno, ne exeam modo conventum, quem rediens inveniam vel submersam Tel ab 
haereticis occupatum. Hactenus ad ravim usque exclamavimus, ululavimns, gemuimus 
iniquo haereticorum pondere oppressi auxiliam, quid nobis deberetnr imploravimus. 
Quid samus aatem in hunc diem praeter speciosas litteras et promissiones otiosas 
consecuti? übi est Bamae sententia et haeretici capitis damnatio, ubi pontificis 
summi ille zelus et pro fidei oviumqae suarum defensione ultraneum officium? übi 
advocatus ecclesiae, caesar, protector et defensor fidei catholicae? Quid agit, licet re- 
ligiosissimas, pro fidei defensione? Cuuctatur, opportunitatem expectat qua rebus 
nostris consnlat, sed nos cunctatione perdimur. Alia est curandi furias iusanientis 
plebis aut perturbatae dissidiis reipublicae, alia religionis conservandae ratio: Illic 
confert ad resipiscentiam et pudorem canctatio, hie confirmat imprudentiam, com 
sentiant illi se ratione destitutos, isti vero insaniendi se pntent rationem habere. 
Quod ergo dici solet: multa curari tempore quae ratione curari non possunt, ad 
res civiles pertinet, non ad religionis violatae ac pietatis latae instaurationem, cum 
defluat illa quotidie in deterius. Celebre est Ennii dictum de Fabio V. Maximo: 
>ünus homo nobis cunctando restituit rem;« quam vereor autem, si non praesentius 
auxilium impetramus quam sit hactenus collatum, nos catholicos olim versiculo 
transverso de Carolo V. maximo dictnros: n 

»ünas homo nobis cunctando prostituit rem « 
Deus optimus maximus tam dirum onien avertat ! 

Liberias quam par est et forte imprudenter, utpote consiliorum quibas summi 
monarchae promoventur ignarus, R. P. V*® loquor, sed extorquet mihi metus nescio 
an pietatis zelus hanc querelam; obsecro proinde, ne mihi R. P. V. ob hoc succen- 
seat, verum istud quidquid est querelarum, quas auribus vestris tamen insusurro nee 
velim unquam exaudiri mortalium. Vulcano statim committere dignetur. Etsi la- 
mentor enim iustoque dolore queror, me obiici discrimini pablico atqne ut apparet 
inutili, prestabo tamen, ac si res ex utilitate ecclesiae agenda esset, quidquid per Dei 
gratiam potero, interimque mihi spem quam nuUam habeo de fructa operis fingam. 

Coloniae, 27. Novembris 1545. Everardns Billik.« 

Cop. Trieot Cod. Mazetü 



181 

7. Hoffmelster an Seripando. 

1546 Januar 18 Segensburg, 
[Seine Bernfang zun Beligionsgespräcb. Empfiäng bei Cardinal Truchsess. Predigten im I)ome. DasConcil.] 

Jam fere annns est, R^^ in Christo pater ac domine, ex quo ad R. P. T nullas 
dedi literas, nee aliquas a te aecepi; quae cessatio, qnod qdidem ad me adtinet, nulli 
alio nisi tabellariorum paucitati adscribi debet. Qaum vero rarsum P. tuam pro- 
pins accesserim, non visom est mihi integrum fore, ut menm huc adventum apud 
T. R. P^°^ diutius dissimularem. Institutum est a caesarea M^ , sicut te scire puto, 
coUoquiam inter catholicos et schismaticos, cui et ego, licet nemo acrins me invec- 
tns fuerit in illud, adesse cogor. Multa et varia hactenus tentata sunt, ut ad gre- 
minm matris ecclesiae reducerentur illi qui semei et immerito illam deseruerunt ; sed 
omnia frustra tentata sunt. Haec quum sciebam, in praeteritis comitiis dum delibe- 
raretur de hoc et tali colloquio instituendo, omnibus quibns potui argumentis dissuade- 
bam illud, ita ut nonnuUi mecam eo nomine acerrime expostularent. Testes huius 
rei possem producere R"«"» D. cardinalem Augustensem et R"»»»™ dominum archiepisco- 
pum Rossanensem, Yeraldum, cogitabam enim illud Pauli: »Haereticum hominem, post 
unam atque alteram admonitionem devita;« non ait: »rursum colloquere.c Igitnr quum 
et caesarea et regia maiestates hunc meum animum certo noverint, non putabam un- 
qnam fore, ut tam arduo negotio me adiungerent. Gerte non est in me tanta eru- 
ditio, nee illud acumen ingenii, qnod ad tales concertationes requiritur. Qaid igitur 
facerem ? Caesarea M^' et diligenter et graviter mihi scribebat, et hoc in tanta tem- 
poris angustia et brevitate, ut nuntius ante praefixum mihi diem non potuerit ad 
caesarem redire^). Ergo Deum pro felici successn quum rogassem, statim accinxi 

5) Es wfire interessant, wenn man die Richtigkeit dieser Angaben kontrolliren könnte. An den 
in Trient befindlichen Mainzer Suffragan Michael Heiding war derselbe Befehl in einem Briefe 
des Kaisers ans Gent vom 2. November gelangt; Massarelli erwähnt dessen Eintreffen aber 
erst zom 2. December. Der gleichfalls berufene Billik schrieb hierüber am 27. November an 
den Nuntins Yerallo Man wird annehmen dürfen, dass das kaiserliche Schreiben auch im 
Laufe des November in die Hände Hoffmeisters gelangte. Ursprünglich war nun allerdings 
der 1. December für den Beginn des Gesprächs in Aussicht genommen, dann scheint der 14. 

- festgesetzt worden zu sein. Demnach wird man vermuthen dürfen, dass Hoffmeister wohl 
wusste, dass es in Wirklichkeit nicht so dringend mit der Abreise stand, wie er es Seripando 
gegenüber behauptet, indem er schreibt, dass der Bote nicht vor dem festgesetzten Tage zum 
Kaiser habe zurückgelangen können. Hoffmeister reiste denn auch zuerst nach Dillingen zum 
Cardinal Truchsess und liess sich hier 4 Tage festhalten, um dort zu predigen. Vor Weih- 
nachten kam er nach Begensburg und übernahm auch hier eine Kanzel. Als er an Seripando 
am 18. Januar schrieb, hatte das CoUoquium noch nicht begonnen, erst am 27. Januar wurde 
die hl. Geistmesse gesungen. Vgl. Actorum coUoquii . . . narratio, Anfang; Massarelli in der 
Ausgabe von DöUinger-Acton I, 8. 114, 19ö, 204. Billiks Schreiben s. Nr. H. In der Stelle bei 
Döllinger-ActonI, 206 ist, statt 'Malvenda a Treveri', zu lesen: 'OheTimperatore mandava Malvenda 
a Ratispona et Naves a Treveri', wie man denn überhaupt diese Ausgabe des Massarelli kaum 
benutzen kann, ohne durch die Nachlässigkeit der Wokerschen Textesbearbeitung jeden Augen- 
blick in Irrthum geführt zu werden. 



182 

me itineri, proxima ad cardinalem Angnstanam iter instdtuens^ qai pro sua in me 
hnmanitate hamanissime et cum magna anlae totius congratalatione me snscipiens 
detumit per qnatridnnm, nt popalo suo nna atque altera contione gratificarer; qaod 
etiam feci, non dubitans quin magno profectai popnli illios fuerim *). Gaeteram simn- 
latqneBatisboQamyem^statimadyenerDnt venerabilis dominus decanns cam aliqnot cano- 
nicis coUegii eathedralis ecciesiae, magnis praecibns postolantes, ne dedignarer, donec hie 
futnrus sim, eis meam locare operam, et maoere praedicatorio apad eos fangi. Ego pri- 
mum cansatns magnos illos labores qnos colloqniom postulabit, item importunitatem ad- 
versariornm et corraptom populum : qnom vero illi nnllam admitterent excusationem sed 
malto magis instarent, tandem Dei bonitati confisus annui, et interim a festo nati Christi 
servatoris nostri, cathedrae praefai. Et certo sie in dies anxit anditorium, tantaqne dili- 
gentia et promjbitndine audior, nt non dubitem Dei gratia per menm ministerinm 
qnantnmyis hnmile mnltos ad ecclesiam reditnros. 

Hiaee tuae R^^® P* ac patri meo charissimo scribere volni, ut ea, audiens im- 
mensos labores meos, diligentins me commendet Deo. Caeternm colloqnium nondnm 
inceptum est. De concilio vestro, nnico et praesentissimo ecciesiae remedio, qnod sta- 
tuatnr^ libenter ex T. R. P***® audirem. Dominus Jesus Christus interim R. P®° T. 
servet incolumem ac mei amantenu R°" D°' C^" Angustani nuntios apud vos meo 

nomine per te velim salatari. Ratisponae 18. Januarii 1546.« 

Eigenhändig. 



8. Hoffmeister an Seripando. 

1546 Februar 15 Begensburg, 

[Unbefriedigende Nachrichten vom Concil. Hoffnungsreicher Stand des Colloqniams. Ungastlichkeit 

der Angostiner za Begensburg.] 

»Quartadecima huius mensis reverendae P^^* tuae litteras Nonis Decembris prae- 
teriti anni ex Tridento ad me datas statim a concione pomeridiana a D. 
Joanne Cochleo insigni theologo accepi, nee potest dici, quanto gaudio me R. 
P. T. perfuderit, ad primnm litteramm tuarum conspectum; sperabam enim me 
certiorem futurum de omnibus rebus quae apud vos in concilio Tridenti agun- 
tur. Nam hoc ipsnm petebam in proximis litteris meis, quas XYIII. Januarii 
ad R. F. T. dederam, verum apertis litteris tuis nihil reperi quo muUum recrearer, 
nisi quod R. P. T. bene valeret, in concilio ageret, ac me amaret, quae tria certe 
mihi fuere auditu gratiwrima. Quod ad me attinet, satis bene valeo, laborum satis 



6) Oder: fecerim. 



183 

habeo, succedunt omBia satis, coUoqaium quod 27. Janaarii IncepimDS totos nos oc- 
cnpatos habet; qualis vero succesaus sit, nondum possnm certo scribere Hie tarnen 
videmus, qnod re ipsa in aliqaibus rebus satis nobis accedunt adversarii, licet adhnc 
yerbia dissentiant; tarnen bona spes me habet, fore ut colloqainm hoc ecclesiae 
maiori lacro quam damno fnisse mnlti agnoscant. Mallem tarnen hoc ad conciliom 
yestrnm referri, nbi certe tales et tarn graves causae iudicari debebant. Nos qui- 
dem adhuc qaasi in preparatoriis occnpamnr, et qnasi velitamor, unde nihil certi 
a me iam scribi potest, vernm abi aliqaid tractatüm faerit relata dignam, non ce- 
labo ß. P^** T. Interim ego anxius expectabo, quid yobiscum agatur. Audio ali- 
quas pias et doctas orationes siye exhortationes a praestantissimis viris in vestibulo 
concilii habitas, quas maxime cuperem habere transscriptas. Varia et multa hie de 
conventu vestro dicuntur, quae tamen pro maiore parte mallem esse confieta. Cir- 
cumferuntur aliquot impuri pasquilli» aiunt nonnullos ex primoribus ad Lutheranos 
defeeisse, item regem Gallorum suos legatos revocasse, luxus quorundam nullum 
modum neque finem esse ; quae omnia sicut confieta spero, ita a B^*' patribus et 
toto concilio quam remotissima esse cupio. Mihi talia multa et iniucunda obiieiuntur ; 
proinde gratum feeeris, si de omnibus hisee rebus ad me copiosius scripseris; iam 
amplius non est quod scribam. Dominus Jesus R. P*»*«™ T. nobis diu eonservot 
ineolumem, cui etiam meam parvitatem comendatam volo. 

Ratisponae XV. Februarii Anno M. D. XL VI. 
Reyerendissimis , reyerendis ae doctis collegis tuis me commendabis plurimum; 
literas quas scribis te in Septembri ad me scripsisse, non vidi, cuicumque tandem illasmi- 
seris. Restat nunc, nt de domo hae Ratisbonensi, in qua habito, nonnihil scribam. Certo 
domus iam a multis annis yidetur esse a prioribus neglecta, maxime quod ad structuram 
adtinet ; prior iam secum habet tres fratres, quibuseum yiyit, sicut in faelicia haec tem- 
pora ferunt. De suo proyinciali nihil sciuut, ego apud eos non minoris hospitor 
quam in publico diyersorio, quam inciyilitatem, licet haec proyintia ad me non per- 
tineat, non expeetassem. Sed hoc debemus perniciosissimo sehismati, quod chari- 
tatem fraternam prorsus extinxit. Reete £äciet R. P. T , si patrem priorem prae- 
&tae domus sui officii admonebit, ut honestis moribus conditionem nostram reddat 
et Christo et piis omnibus comendabiliorem. Ego praeter caeteros labores adhuc 
cathedrali maioris collegii praesum, habeoque in dies frequentius auditorium. 

R. P. T. 
humilis filius 

Joannes Hoff.c 

Original. 

9. Hoffmeister an Seripando. 

1546 April 30 Regensburg. 
[AufioBUDg des Colloqnioms. Üngewiasheit der Lage. Geringer Besuch des BeichsUgs.] 
»Reyerende in Christo pater! Literas P. T. quas Nonis Decembris dederas'ego 
tandem 14. Februarii accepi, quas yero 23. Februarii dederas, ego accepi 16. Martii; 
Abb. d. III. CL d. k. Ak. d. Wies. XIV. £d. I. Abth. 26 



184 

iisdem respoiidi meis literis quas dederam 15. Februarii, quaram exemplar iam mitto. 
Nam ex venerabile patre D. Joanni ^) imperatoriae M^' concionatore Hispano^ 
qui apud — — — — — — est, et ex D. Claudio®), qui R"* Gardinalis 

AngDstani nomine apud vos est, intellexi tuam R. P^^«°^ nonduin accepisse 
literas meas, quod quoram incuria et infidelitate actum sit, plane ignoro. Qualis 
faerit snccessus colloquii nostri, et quam turpissime fugerint Luterani, puto iam 
olim ad vos fuisse perscriptum; qnod si non fuit, iam mitto exemplar literamm 
venerabilis patris provincialis Carmelitaram, collegae et preceptoris mei, quibus literis 
ille brevibus perstrinxit totum negotium — — — — . Quid de comitiis sperandam 

sit, quamvis Caes. M^' videatnr serio de sedandis bis tnrbis eogitare, tamen non 
possnm divinare quid sperandum sit, sacrum negotium mihi magis cordi est, quam 
nostrum principum conventus. Video eos multa movere, sed nihil promovere. Caesar 
noster a X. Aprilis usque in hunc diem nobiscum fuit, nee aliquis ex principibus — 
paucis episcopis exemptis — adhuc comparet. Tanti faciunt profani principes im- 
perialem conventum, quanti Germani episcopi sacrum vestrum concilium. Deus bone, 
quam negligentes sumus salutis nostrae! Mitterem R. P. V. etiam libellos meos, sed 
non invenio qui id oneris suscipere velit. Venit hie ad nos nomine R™* archiepiscopi 
Treverensis insignis teologus ven. p. Ambrosius Pelargns Dominicanus, qui R*°* P*®" 
T. de Omnibus actionibus nostris suflScienter instruere poterit ; — — — — doctissi- 

mique viri ac domini collegae mei D. Petrus Malvenda Hispanus, P. Everardus pro- 
vincialis Carmelitarum, et D. Joannes Cochleus, fidelissimi ecclesiae propugnatores, 
ßae pti »p^ diligenter sese commendant, ipsique precantur omnia prospera; R"° P. 
generalem Garmelitorum meo nomine velim diligenter salutari, nee minus Optimum 
virum dominum Clandium *). Dominus noster Jesus conatus vestros perpetuo bene for- 
tunet, ac R. P. diu servet incolumem ! Ratisponae ultima Aprilis anno M. D. XLVI. 

T. R. P.« etc. 

Original. 



10. Hoffmeister an Seripando. 

154ß Juni SO Begensburg. 

[Seine Predigten. Dmck der Akten des Beligionsgesprachs. Der Krieg. Vikariat der Deatschen Pro- 
vinzen. Angnstiner za Köln.] 

»S. P. Literis T. R P., quas altera Junii, hoc est satis in tempore accepi, iam 
pridem respondissem, R^® D. pater, nisi me ab instituto res magis necessariae cohi- 
buissent : hoc quod puto R. P***«" T. ex literis v. p. domini concionatoris caesareani 

intellexisse. Postquam enim huc regia M^ venit, vix datum est mihi ne semel tan- 

^— _^_— ^— ^_^— ^-^^^^.^_— » 

7) Oemeint ist wahrscheinlich Johann Quintana, vgL Massarelli zu 1645 Juni 18. 

8) Jajus. 

9) Wahrscheinlich ist auch hier Claudius Jajus, der Procurator des Cls. Truchsess zu verstehen, 
welcher am 16. Decemher in Trient eingetroffen war; DöUinger-Acton I, 208. 



185 

dem respirarem a concionibus, singolis tameu hebdomadis at plarimam quater con- 
cionari cogor. Dominus det incrementum! ego hacteDüs corpori meo param indul- 
gere Yolui ; coeteram qnod ad literas taas pertinei, iam respondebo, quod ad literarum 
incertam missitationem et ad coUoqaii nostri dissolntionem adÜDet, nihil est quod priori- 
bns scriptis adiiciam. Golloqaii acta iam snb prelo typographico sunt; qnae sianteabi- 
inm menm in manns nostras venerunt, ad T. R. 0°®°* mittam. Concilium spero faelicem sor- 
tietnr effectum. Conscribnntnr a Gaes M}^ magni exercitns, nou qnidem nt bis haereses 
deleat, sed ut flagellatis seditiosis qnibasdam principibns posthac per concilinm ecciesia 
curariqueat. Det Dominus, ut ipsiusbellemusbella! QuaeR.P. T. scribitde vicariatu pro- 
vinciarum totius Germaniae, talia sunt, ut ad illa respondere non sciam. Qui uni provin- 
ciae meae praeesse satis non possum, quomodo tam multis preessem? Hoc tarnen 
non illibenter in gratiam tui faciam, si iusseris. Ad quemcumque conventum pro- 
vinciarum Germaniae pervenirem, si qoid pro gloria Christi instituere potero, dih'- 
genter et tamquam coram Christo faciam. Coeterum spero in mensis spatio me redi- 
turum ad meos; proinde si B. T. P. aliquid velit scribere, in tempore scribat. Cu- 
perem et eandem R. P***«™ T. literas adhortatorias dare ad provinciae nostrae pa- 
tres, quibas sni admonerentnr officii. Viri clarissimi collegae mei T. R. P. sese com- 
mendant quam officiosissime. Est et aliud quod R. P. T. latere nolim: Ex animo 
cnperem priorem conventus nostri Coloniensis admonitum, ut mihi ad ipsum venienti 
T. R. P^**" nomine obedire cogeretur. Cogitarem enim de aliquo modo quo possem 
provinciae meae de viris doctis providere. Est Coloniae academia maximi nominis, 
et ubi omnia monasteria, excepto nostro, multos alunt studiosos. Quod si ad me 
pertinuisset conventus ille, ego iam non paueos apud Colonienses haberem pueros. 
R^ itaque tua paternitas cogitare poterit, quibus modis reliquias nostras salvare que- 
amus. His R. P. T. Domino nostro Jesu Christo commendatam volumus. Ratis- 
ponae ultima Jnnii anno 1546. T. R. P. 

humilis filius 
F. Joannes, c 

Original. 



11. Uoffmeister an Serlpando. 

1546 Jidi 26 Regensburg, 
[Seine Yerwendang als Hofprediger König Ferdinands.] 

>S, P. Ultima Junii, reverende pater, literas nostras ad R**" pt*tem dedimus, 
quibus etiam significavimns nos infra mensis spatium redituros domnm: verum Deo, 
omniam rerum sapientissimo gubematori aliter visum est. Cum enim a Caes. M^^ 
peterem dimissionem, eam mihi denq^abat, causam adiiciens me in tanta Germaniae 
turbatiome non posse redire domum, se enim non ignorare, quid Lutheranorum pro- 

26* 



186 

ceres contra memachinareutnr. Tandem eo res devenit, nt, siye velim si^e nolim, iam cogar 
sequi anlam Bomanornm regis Ferdinand], atqne ei, donec hoc bellum desaevierit, a 
concionibus esse : qnae res quantum me tarbet, non possnm dicere, scio enim quam 
necessaria esset mea praesentia confrairibas meis. R^ itaqne tua patemitas aliquaudo 
me suis literis consoletur, et me meaqne studia piis precibus Deo comendet. Ego, si 
Dominus dederit, bac hebdomada Pragam proficiscar. Novarum rerum apud nos 
nihil est, nisi quod omnia sunt in armis. Deus clementissimus sie moderetur im- 
peratoris nostri conatus, ne quid incomodi accipiat ecclesia, et ne multum innoxii 
sanguinis effundatur! His bene valeat T. R. P., sicut hactenus comendatum habeat! 
Ratisbonae 26. JuK 1546. T. R. P. 

F. Joannes Hoff. 

Rogo R. P. T. per Christam, ne has pueri mei literas mihi vitio vertat : Sic enim 

omnia turbata sunt apud nos, ut plane quid /actam ignorem.« 

Original. 



12. Hoflbieister an Seripando. 

1546 August 3 Begefisburg. 
[Das neue Amt. König Ferdinands Verlangen. Des Kaisers Befehl. Die Akten des Golloqniams.] 

»Rev"^'' pater! Literas quas T. R. P. nona Julii dederat, ego 1. Augusti accepi a 
rev. patre Joanne Cysareo concionatore catholicissimo. Sed quid respondeam ad illas, 
dignissime generalis? T. R. P. imponit humeris meis onus importabile et ad quod 
sufferendum multi non sufficerent Hercules. Sed hoc est fatum meum, et plerumqne 
ineptioribus humeris graviores imponuntur sarcinae. Sed audiat R. P. T., quomodo 
mecum agatur. Statueram quidem, sicut hoc ipsum in proximis literis scripsi, sta- 
tim finitis comitiis redire ad meos Colmarienses. Hoc postquam Serenissimus Roma- 
norum rex rescivit, statim cepit meutern agere, ut sequerer aulam ipsius. Recusa- 
vi ter aut quater, sed frustra. Non enim destitit, donec ei poUicerer operam meam, 
non tamen ultra menses quatuor. Nolim enim deserere domum meam, multo minus 
vero ordinem nostrum de me non male meritum. Ergo 26. Julii sarcinas meas col- 
legi, navim in qua Linzium usque veherer conduxi, sarcinas meas in illa collocavi, 
nihil aliud in animo habens, quam sequenti die me navigio committere, et recta ad 
aulam. Quid fit! Imperator, nescio a quo admonitus me parare abitionem, jubet 
me hie mauere, donec aliud de me statuerit; esse enim causas, quare me potius hie 
quam in aula fratris sui habere velit: regem habere suos concionatores catholicos, 
huic vero civitati deesse. Sic ergo coactus sum referre pedem, donec aliud vel im- 
peratori vel regi visum fuerit. Ex his intelligat R. P. T., quid mihi supersit otii: 
omnes meam operam desiderant, quum ego ne uni quidem satisfacere queam. Caetera 
ex ipso patre v. concionatore intelliges. Ego interim sedulo curabo, ut R. P. T. ex- 



187 

periatur, mihi gratificandi tibi magis facultatem quam volantatem defaisse. Mitto R. 
P**** T. acta colloqnii, qnibns adinnxi comentariolos meos in utramqae ad Corinthios. 
Haec nt ad te ferret, rogavi clarias. D. Ludovicum de Toleto etc., qui id ofBcii mihi 
libenter promisit. Jesus Christus etc. Batisponae 3. Augusti anno 1546. Domino 
Claudio salutem meo nomine.« 

Eigenhändig. 



13. Hoffmefster an Seiipando. 

1547 Januar 23 Ulm. 

[Seine Stellang bei Kaiser nnd Kdnig. Sendung zam Hofe in Colmars Interesse. Befehl in Ulm zu 
predigen. Billigong der zurückhaltenden kaiserlichen Beligionspolitik. Die Fehler beider Beligions- 

parteien. Beurtheilang der Gegensätze.] 

>Non immerito mirereris, R"^® in Christo pater, quis casus me huc appulerit, nisi 
iam olim,non tarn ex-me quam ex aliis, quo in loco habeant, et quantum mihi tri- 
buant summi christiani orbis monarchae, intellexisses. In proximo die qui S. Andreae 
sacer erat, relicta christiani principis Bavariae aula Colmariam ad confratres meos 
redieram, et ecce statim a festis nataliciis Christi a senatu meo Colmariensi, ut non- 
nihil illis apud Caes. M. impetrarem, in imperatoris aulam missus sum. In hanc igi- 
tur cum 15. huius mensis pervenissem — agebat autem tum caesar Hailpronni — 
praeter expectationem invenio Bm«»C^^ Augustanum cum confessore caesaris de me 
ad ülmam vocando tractantem; fore enim, aiebaut, e republica christiana, si caesaris 
iussu in tarn magna civitate et tam misere seducto populo aliqaamdiu praedicarem. 
Uli ergo de praesentia mea admoniti, nihil aliud quam Dei providentiam et dispo- 
sitionem admirantes, ac me a domino Hiesu eo missum, remque nostram felicissime 
successuram bene ominantes, me advocatum humanissime salutant, et quid de me 
communicatis consiliis statuerint, denunciant. Postea iubent ascendere Ulmam, et 
ibi caesaris expectare adventum; nam ille certo statuerat 22. huius ingredi ülmam; 
hoc qnod etiam fecit. Quid vero de me statuere velit caesar, adhuc mihi non con- 
stat; quidquid autem illud fuerit, non ita multo post ex me intelliges. Caeterum 
quid Yobiscum agatur, multi boni viri scire desiderant, nemo tarnen magis quam ego. 
caesaris conatus hactenus sie successit, ut nemo dubitare queat, quin Dens vindicem su- 
um salvare velit, neque ego aliud a Christo petam, quam ut victoria caesaris nemo 
abutatur, sed ad reformationem et incolumitatem ecclesiae nostrae promoveatur. Mi- 
rantur multi, quod pius caesar quae non christianae religionis sunt apud adversarios 
inconvulsa permanere sinat ; ego vero ilb'ns consilium hac in re non vulgariter probo. 
Nam yestrum, uon caesaris est religionis dogmata proponere. Nee satis consultum 
esset ecclesiae, etiamsi haeresis nulla extaret. Quod illi in dogmatis, nos in moribus 
peccamus, et, si verum dicere licet, in utroque ab utrisque peccatur; quae res vos 



188 

ftigere non potest et a vobis corrigi debei Haeretici negant missam — nam haec 

exempli gratia dicam — ac qnotasqnisque nostnim est, qni ea qua decet reve- 

rentia illam facit? Aversamnr haereticoram sacerdotmn Duptias. Et interim apad 

nos rarissimas est, qui non et publice et impune alat in aedibus snis vile prostitn- 

lum. Respuimus illorum sacerdotes neque legitime vocatos neque catholice conse- 

cratos, sed vos datis nobis pastores ecclesiae, qui ante snnt episcopi et archiepiscopi 

quam sint diaconi, nedam presbyteri, et qai re et nomine malant principes vocari 

et esse quam episcopi. Sed de bis vos videritis. Audio bisee diebus a vobis definitum 

et absolutum articnlum illum de iustificatione impii ; hoc si factum est, quod factum 

esse et spero et cupio, nulla re mihi magis gratificare poteris, quam si acta illa ad 

me miseris Neque enim ignorare poteris, quam pessime illo dogmate abutantur Lu- 

terani; nam concesso illis: »nos sola iide iustificari«, continuo argumentantur, reliqua 

omnia quae a piis quoquo modo fieri poasunt ad iustificationis negotium non per- 

tinere. In negotio sacramentorum vix satisfacietis causae rei, nisi prius perspectis 

Lutheranorum, maxime vero Zwinglianorum, hoc est Zwinglii Calviui et Buceri libris. 

Quid in sacratissimo eucharistiae sacramento in contentionem vocetur, in propatulo 

est, ita ut hac de re frustra te admoueam, quae vero in baptismi negocio invoivunt, 

tectiora et involutiora sunt, immo et peiora, quam multi suspicentur. Aut ego male 

iudico aut illi pene nihil tribuunt baptismo. Videatur hac de re Galvinus in insti- 

tutione sua quam ille catholicam vocat, et Bucerus in evangelistas et in epistolas ad 

Romanos. Quodsi haec etiam me tacente iam pridem nosti, rogo, pater mihi perpetue 

observande, iguoscas verbositati meae et aliquid condones meo animo, qui nihil magis 

cupit quam bene consultum ecclesiae. Dominus Jesus reddat me voti compotem et 

conatus vestros quam felicissime provehat! Si non habetis pestilentissimum illum 

Buceri librum, quem vobis qui Tridenti agitis inscripsit, intelligam, et si, volueris, ad 

te mittam. His ergo R. P. T. commendatum volo D. nostro Jesu Christo etc. Sal- 

vos cupiam commilitones tuos omnes, praecipue vero D. Claudium, cuias pectus Christi 

negocio promovendo scio esse addictissimnm. Ulmae Suevorum 23. Januarii 1547. 

T. R. P. 

humilis filius 

F. J. Hoffmeisterns.« 

Eigenhändig. 



14 HoAneister an Seripando. 

1547 Februar 18 Ulm. 
[Seripandos Abreise von Trient. Generslversammlnng des Angnstinerordens in Becanate. Die hoff- 
nungslose Lage des Ordens in Deotschland, selbst bei Znrückgabe der Klöster. Seine Predigten und 
Arbeiten für den Druck. Die Bechtfertignngslehre sn Trient. fiacer. Des Kaisers Erfolge.] 

>S. P. D- Quas T. R. P^ 8. Februarii ad me dederat literas, 17. eiusdem mihi hie 
Ulmae agenti traditae sunt, et in ipsis quidem omnia mihi supra modnm placuerunt, 



189 

excepto eoy qaod te a tarn pio negocio tarn cito subtrahere cogaris. Submitigat 
tarnen aliquantulnm dolorem menm, quod ad aliud negocinm, certe nobis non con- 
temnendam properas; qaod ut feliciter tibi tnisque confratribus cedat, Denm 
misericordiaram et totias consolatioDis patrem humillimis meis precibns rogare 
Bon cessabo. Et cnperem qnidem ego ipse comitiis vestris interesse, videre reliquias 
religionis nostrae, andire et amplecti viros eraditione et pietate niultit;i^a insignes, 
miserias item nostras vobiscnm deplorare, utinam et de vel amoliendis yel mitigan- 
dis in medinm consnlere ! Sed quare ad vos concedere iam non possim, plures sunt 
causae qnam ut a me recenseri possint. T. B. P. intellexit iam dadmn, qnantum 
ocii mihi reliqunm sit. übique snm et nasqnam habito. Hactenns per biennium 
non licüit mihi visitare provinciam nostram, qnantumvis angustam et modicam. Literis, 
quantam datnr, eonfratres meos alloqnor, admoneo, corripio, consolor, prout nobis 
expedire videtar. Quomodo vero provinciae nostrae, aat potius omnibns Germaniae 
nostrae provinciis medendum sit, plane ignoro. Non despero, fore nt nobis resti- 
tuantnr nostra monasteria non pauca, sed non video, qaos fratres illis praeficiamus. 
Pauci nohiscum sunt ; et si qui inter nos alicuius momenti sunt, non minus a catho- 
licis quam a Lutheranis corrumpuntur. Episcopi apostatas nostros suis populis prae- 
ficiunt, qua de re iam olim ad R. T. P. scripsi. Pauci iuvenes ad nos veniunt, et' 
si qui veniunt, postquam aliquot annos panes nostros devorarunt, contemptis nobis 
et consumptis nostris aufugiunt, vel ad male catholicos vel ad pestilentissimos Luthe- 
ranos. Iam non plura, quum negotiis et laboribus pene enecor. Singulis ebdomadis 
ter aut quater hie predico et, ut spero, magno cum fruetu ecclesiae. Laudetur Deus, 
qui etiam per impuros canales suis solet coelestem dare pluviam ! Postilla mea, quam 
de tempore et sanctis vocant, quam iussu regis Romanorum Latine congessi, iam sub 
prelo sudat. Et iam eiusdem iussu inter reliquos labores aliam postillam Germanice 
compono, cuius laboris tam avidi sunt multi, ut nolint finem expectare operis, sed aZ«- 
quando aliquot extorqueant canones. Sic impressae sunt noyem canones Germanice 
scriptae. T. igitur B. P. intuitu horum laborum me et excusatum habebit et reli- 
quis Yen. patribus et fratribus me commendabit. Enimyero in tot ac tantis la- 
boribus nisi velim succumbere, multorum intercessionibus opus habeo. Caeterum 
quod iustificationis negotium adtinet, hoc dico, me illud obiter quasi ocuUs transcur- 
risse, ac supra modum placuisse, plaeiturum haud dubie magis, si illud diligentius 
expendere licebit. Nee potest nee debet mihi displicere, quod tanto coll^o placuit. 
Hoc porro me affecit maximo gaudio, quod sciam me hactenns non aliter hac de re 
doouisse. Magnam mihi gratiam feceris, si exemplum incorruptum ad me misens. T. 
B. P^ hie mitto Bucerum, haereticorum yersutissimum, quem si diligenter perlegeris, 
yidebis quäle yas ad corrumpendam ecclesiam sibi elegerit Satan. Prolixior sum B. 
P. quam constitueram, proinde ergo valebis felix, filii ac discipuli tui Hoffineisteri non 
immemor. ülmae yelocissimo calamo 18. Februarii 47, Ad B. patrem proyincialem 
Goloniensem statueram ipse descendere, ut praesens praesentem alloquerer de sub* 
yeniendo nostris reliquüs; hoc quum hactenns Beri non potuit, T. B***® P***** literas 



190 

ad illam adhuc mecum habeo. D. Claudium, D. Pelargnm et totom vestrnm colle- 

giam bene ac &eliciter valere cnpio. Res caesaris feliciorem habent saccessam, 

qaam malti speraroiit. Potitur sine sangnine victoria, omnes fere civitates rebelles 

sese nitro dedidere. De pelle dncis Saxoniae iam agitnr. Lantgravius Hassiae, Ger- 

manicns nimirnm Gatilina, nihil non tentat ut gratiam apnd imperatorem inveniat. 

T. ß. ?• 

hamilis filias 

HofiEm.« 
Eigenhändig. 



15. Hoffmeister an Seripando. 

1547 April 14 DiUingen. 
[Seine Bückbernfung an den kaiserlichen Hof. üogdnstige Berichte über das Concil ; dessen Verlegung 

nach Bologna. Verzweifelte Lage des Katholicismus.] 

»Scripsi iam, nt iusseras, venerando vestro concilio et meae absentiae cansam, qualis- 
qne monasteriorum nostrorum status vel potius interitns et occasus sit, breviter ac 
simpliciter, nee sine magno animi mei dolore exposui. Det Dominus nobis concilium, 
qno omnia pro illius gloria disponatis ! Ego me T. R. F. sie iam notum esse puto, 
ut non necesse existimen, de rebus meis plura ad te scribere. 11. Mareii ab Imp. 
M^ venia ac dimissione impetrata ülmam, civitatem Lutberanam dereliqui et proxima 
ad R. G^®"^ Augustannm, cum bic deligenter me vocaret, concessi ; ubi, dum vix per 
octiduum baereo, ecce rursum adest nnncius, qui me nomine imperatoris — bic tum 
Norimbergae agebat — ad ülmam revocet. Quum autem nuncius bic nullas literas ad me 
nomine imperatoris haberet, nolui ad Ulmenses reyerti, sed scripsi venerabili patri D. Pe- 
tro ^^) qui imperatori a confessionibus est, ut me de voluntate imperatoris certiorem fa- 
ceret. Huins responsumadbnc expecto, quod si in hoc octiduo non venerit, recta revertar 
ad doinum meam, quod ut felix ac faustum sit, Deum ex animo precor. Rumor bic 
spargitur, concilium ex Tridento Bononiam translatum et, ut multi putant, porro 
sublatum et extinctum esse. Quod si verum est — utinam autem confictum sit ! — 
nibil aliud divines quam Germaniam totam in brevi ruituram et iugum S. D. N. 
penitus abiecturam. Dii boni, quales animos habent, qui S. D. N. ad has res ur- 
gent ! An nondum satis peccatum est! — — — — — — in dies nova contra S. P. 

commiscuntur crimina, videntur omnes nationes meditari defectionem ab ecclesia Ro- 
mana, et cogimur iam audire concilii nomine haetenns nobis t^tderä illusum et im- 
positum. Non potest dici, qualis rnina sit bic apud catholicos et haereticos. Hi 
triumphant ac videntur sibi vicisse, catholici videntur omnino volle despondere ani- 
mos. Fac igitur, ut intelligam, optime pater, nt intelligam[!], quid mihi et multis bonis 
viris de concilio polliceri debeam. Vale felix et me amare perge. Rev. patribus diffi- 
nitoribns me dib'genter comendabi8.€ etc. Eigenhändig. 

10) Gemeint ist Soto. 



191 

16. HoAneister den ^difflnitoribos in eapitnlo generali fratrum Er. D. An- 

gastint iam Recanei.^ 

1547 April 14 Dillingen. 
[Das Generalkapitel. Hoffnungslose Lage des Ordens in Deutschland.] 

>S. P. Iam olim R"*' patris generalis nostri dignissimi accepimus literas, patres 
mihi in Domino non minus obseryandi quam cfaari, quibas me cum aliis aliquot pro- 
vinciae nostrae patribus vocat ad vestram synodnm, quam instituistis ut in ipsa, com- 
municatis videlicet consiliis, paribus studiis ac votis, reliquiis nostrae religionis vel 
aliquo modo consulatis. Quod ut feiix et faustum sit, Deum et patrem domini nostri 
Jesu Giristi ex animo precamur. Et de studio quidem vestro nihil dubitamus quin 
in Domino susceptum sit, quem etiam vobis adfuturum esse certo speramus. Et 
erit, antequam clament, inquit, ego exaudiam vos. Et si quaesieritis me in toto 
corde Testro> inveniar a vobis. Ego licet meis consiliis, quae certe nulla sunt, pro- 
desse non possem, tamen ex animo cupiam vestris interesse com(itiis — — ), 
paucis horis viderem eos quos pro me apud Deum interce(ssuros persua-) 
sissimum habeo. Nos certo in his regionibus pauci sumus, (et tales qna)les D. 
pater noster Augustinus, si iam rediret, vix agnosceret. Magna habemus opus 
correctione et emendatione, quam tamen omnes fngiunt. Pessima illa ac plus quam 
blanda ac captiosa Lutheri haeresis omnia sanctae obedientiae disrupit et e£Pregit re- 
pagula, unde fit ut qui a nobis tantum duriuscnlo corripiantur verbulo, statim, re- 
iecto habitu monastico, imo omni pudore postergato, concedant ad viciniores episcopos, 
ubi statim inveniunt similes labra Zac^uras. Castigati vero ab episcopis — nam 
identidem ad peiora contendunt — ad Lutheranos, et deinde ab his ad Zwinglianos 
fugiunt. Ea enim, proh dolor! cum pestileutissima illa haeresi irrepsit in omnium 
hominum animos licentia, ut vix centesimus paterfamilias habeat unum famulum 
qui aequo animo sustineat vel acrem aliqnam admonitionem. Si idem morbus, quod 
Dens avertat, etiam vestrorum animos occupavit, non possum non condolere miseriae 
vestrae. Hoc vero potissimum doleo, quod videam plebem magis adspirare ad pie- 
tatem, quam viros ecclesiasticos. Audimus enim subinde tales a plebe voces: Non 
odimus, inquiunt, sacerdotes, sine qnibus vivere non possumus, sed detestamur ipso- 
rum impuros mores, quorum intuitu et nos et nostri corrumpuntur. Faciant, in- 
quiunt, viri ecciesiastici officium suum, et nos nostro non deerimus. Sic yidentur 
multi rursum desiderare monachos, si modo essent quibus populus Domini comen- 
dari posset. Dicam de nostris monasteriis a Luteranis occupatis, ea non magno 
labore recuperare possem, si haberem quos illis praeficerem. Nemo in hoc rerum 
tim ( — — — — — — ) suos nobis committere voluit. Et si qui ad nos venerunt 

( — — — — ne)glecti nee probe educati fuerunt. Addam quod in tanta corrup- 

tione impossibile fuit liberos pie instituere. Periculum est, nos tandem penuria 
fratrum coactos etiam ea deserere monasteria, quae Dei dementia hactenus nobis 

Abb. d. III. Cl. d. k. Ak. d. Wiss. XIV. Bd. I. Abtb. 26 



192 

sarvavit. Haie letali morbo si aliqaod pharmacam parare potestis, age parate. Ego 
me meaqae omnia Christo et hnins ecclesiae iam dadum consecrayi. Et R^^ P. N. 
generali dignissimo iam saepias scripsi, quos et quantos labores ecclesiae nomine ferre 
compellor. Hie ergo meae absentiae causas Tobis exponere et me pro sna in me 
homanitate et benevolentia vestris precibns et favoribas commendare non grayabitur. 
Dillingae ex aala R"^' C^^' Augustani 14. Aprilis 1547.« 



Hoffmeisters Schriften. 

1538. 

1. »Dialogo- II rnm libri duo, quibos aliqnot ecclesiae ca- || tholicae dogmata Luthe- 

ranornm et verbis || et sententiis roborantur, authore Joanne || Hoffmeystero 
Augustiniano || Colmariensi . . . Fribnrgi Brisgoiae. || An. MDXXXYIII.« 
Am Schlüsse: »Excudebat Joannes Faber j] Emmeus Jaliacen. An. 1538.« 
. [Gandolfo fahrt nar eine Yenetianer Aasgabe 1554 an]. 
Zweite Aasgabe: »nunc denuo ab ipso et aacti et recogniti MDXLYI.« 
Beilage : »Haereti- || coram malae || artes a S. Patrib. exquisitiss« || descriptae 
et a F. Joan- [| ne Hoffmeistero || collectae.« [Nach Gandolfo warden die Artes 
1554 za Rom, 1567 za Paris selbststandig gedrackt.] 

1543. 

2. »In D. Paa- || li ad Philippen- || ses epistolam enarra- || tiones piae ac catho- 

licae F. Joanne || Hoffmeistero Aagast. Ecclesiasta Golmarien. || aatore . . • 
Fribargi Brisgoiae, jj Stephanas Melechus Gravias excudebat, || An. MDXLHI.« 
[Gandolfo 1545.] 

1544. 

3. »Col- II latio ve- || teris et novi || testamenti, || de salnte per Chri- || stam pro- 

missa et || exhibita. || Norimbergae apud Georgiam Wachteram 1544.« [Hein- 
rich Agrikola's Arbeit liegt zu Grande] 

1545. 

4. »Verbam Dei || camem factum, hoc || est Jesnm Chiistam ser- || yatorem nostrom 

ecclesiae suae onicam || propiciatoriam ac perpetaum || esse sacrificium, Asser- 
tio F. Joannis || Hoffmeysteri, Angostiniani , Eccle«- || siastae Golmarien. 
item II expositio precum ac ceremoniarnm , qua- || rom usus in quotidiano 
sacro • • • II Omnia ecclesiae catholicae || iudicio submissa sunto. Anno 



193 

MDXLV.« Am Schiasse: »Excasum Moguntiae ad divam Victorem, in offi- 
cina typographica Francisci Behemi.« [Mehrere Aasgaben, obige mcht, bei 
Gandolfo: Antwerpen 1545, 4^ ib. bei Steels 1552, 4^ Rom bei Anton 
Blad 1554, 4^ Paris, Sebastian Nivelly 1572, 4<^]. 

ö. >Gano- II nes sive claves || aliquot ad interpretandam sacras Bi- || blioram scrip- 
toras, omnibos S. Theolo- || giae candidatis non tam ntiles quam || necessa- 
riae F. Joanne Hoff- || meystero Angastinia- || no Colmarien. [| Ecclesiae 
coUectore. MDXLV.« Am Schiasse: »Mogantiae ad Divam Yictorem excn- 
debat || Franciscus Behemas 1545.« 4®. [Diese Ausgabe auch bei Gandolfo.] 

6. >F. Joannis {j Hofibneister Aagas- || tiniani et Ecclesiastae Colmarien. in utras- 

que II S. Pauli ad Corinthios epistolas Homi- || liae viva autoris voce po- 
pulo Gol- II marien. depraedicatae et nunc || primum summa cura in || usum 
publicum typis excusae. || Coloniae ex of&cina Petri Quentel || Anno Christi 
nati MDXLV.« [Gandolfo.] 

7. »Drey christliche und || nützliche Predigen, gethan zu Wormbs || im Thum- 

stifft, durch B. Johann |{ Hoffmeister, Augustiner. || Anno MDXLV.« [Oster- 
montag, Sonntag Vocem lucunditatis, Aufffthrtstag.] Am Schlüsse: >Za 
Mentz bei S. Victor Druckts Franciscus Behem 1545.« 

8. D. Petri yene* || rabilis Abbatis Clu- || niacensis, viri cum in humanis, tum in 

diyinis scri- || pturis eruditiss. contra Heinricianorum et || Petrobrtisianorum 
haereses, Episto- || lae duae multum neryosae et H yere catholicae« [Vor- 
rede Hoffineisters: »Colmariae penult. Februarii 1544.«] Argumentum earum 
in pro- II xima pagina explicatur. Qaibus adduntur S. Bemar- || di tres 
sermones ac noyem epistolae. [Cochläus Vorrede: Eichstadt 4. Non. Aug. 
1545.] Habes hie, Christiane lector || opusoalum ante quadringentos quidem 
aunos scri- || ptum, sed hactenus nobis Germanis qni ta- || men prae cae- 
teris illo opus habeba- || mus, plane incognitum. || . . . Ingolstadii in ofß- 
cina II Alexandri Vueissenhom MDXLV.« [Die Ausgabe MDXLVI ist blosse 
Titelausgabe.] 

1546. 

9. »Loci com- || munes || Rerum theologica- |j rum, quae hodie in controyersia || agi- 

tantur, ad regulam et consen- || sum yerae, catholicaeque ecclesiae e S. Pa- 
trum sententiis || confecti || F. Joanne Hoffmeistero Augusti- || niano autore. 
II MDXLVII.« I Am Schiasse: »Ingolstadii excudebat Alexander Vueissen- 
hom. MD XL VII.« Die Widmung an Erasmus yon S. Emmeram in Begens- 
burg ist datirt: »Uatisponae 5. Eal. Aug. 1546.« 

Ausgaben: 1549 Ingolstadii excudebat Alexander Vaeissenhom. 
1550 Antyerpiae. 
1552 Antyerpiae in aedibus Joan. Steelsii. MDLII. 

26* 



194 

1555 logolstadii excudebat Alexander et Samuel Vueissenliom. 

1573 Paris. 

1582 Ingolstadii ex officina Weissenborniana apad Wolfgangum Edernm, mit 
Widmung Eders an Hieronjmus Weise, Abt von S. Emeram zu Regens- 
burg, unter Hinweis auf die Mitwirkung des Ingolstädter Professors Gode- 
fridus Fabricius aus Lüttich. [Vgl. Prantl Geschichte der Ludwig-Maximilians- 
Universität I, 308. Gandolfo führt eine Ingolstädter Ausgabe von 1551 
als erste an, dann eine zu Venedig, mehrere zu Paris gedruckte.] 

1546. 

10. »Articuli || conciliati in- || ter purioris doctrinae novos mi- || nistros ab Anno 

domini || 1519 usque ad annum || praesentem, scilicet || 1546. || MDXLVI. || 
Am Schlüsse: »F. Joan. Hoffmei- || sterus A. has gemmas in aedificationem 
II ecdesiae et confusionem hostium || ecclesiae deligenter ex Lu- || theranorum 
et Zuin- 1| glianorum scriptis coUegit. Excudebat Ingolstadii || Alexander Vueissen- 
horn.c II 8«. 

1547. 

11. »Drey christliche und || vast nützliche predigen, beschehenin der || christlichen 

und fürstlichen Stat Mün- || chen disen September .im 1546. || jar von B. 
Johann Hoffmey- || ster Augustiner von || Golmar . . . Getruckt zu Ingolstat 
durch Ale- || xander Weissenhom. MDXLVII.« 4®. 

12. »Homiliae || in Evan- || gelia, quae in domi- || nicis et aliis festis diebus legun- 

tur II per totum annum, pleraeque omnes || in comitiis imperialibus Vuorma- 
ciae, et Hatisponae nuperrime cele- || bratis, depraedicatae per V. P. Jo- 
hannem Hoffmeisterum, F. Eremitarum D. Augustini per u- || tramque 
Germaniam Vica- || rium generalem etc. Anno MDXLVII.« Am Schlüsse: »In- 
golstadii excudebat Alexander Vueissenhorn.« »Tomus || secundus || continens 
ho- II milias F. Joannes Hofmeisteri, Au- || gnstiniani ecclesiastae Colmari- 
II ensis tam de tempore, quam de || sanctis a Pascate usque ad || primam Do- 
minicam II Adventus.« || 8^ 2 Bde. 

Eine zweite Ausgabe in Folio erschien 1548. Eine dritte 8^ mit dem Ver- 
merk: »omnia recens revisa et accurate emendata« welche 1549 erschien^ 
enthält am Schluss des ersten Bandes einige Lobverse auf den 4. Januar 
1549 verstorbenen Buchdrucker Alexander Weissenhom. Der zweite Band 
dieser Ausgabe erschien MDL. Das Exemplar der Münchner Universitäts- 
bibliothek enthält das Wappen Martin Eisenreichs, und schriftliche Aufzeich- 
nungen am Schlüsse des zweiten Bandes. 

Eine vierte Ausgabe, 1561, enthält auf der Rückseite des Titels zwei Gedichte 
auf Hoffmeisters Tod von Johann Lorich aus Hadamar. [Gandolfo führt 
an: die Ausgabe Ingolstadt Weissenhom 1549, 8**, Antwerpen Steels 1549, 8^, 
Paris Faucher, 1555, 8^ Paris l^igri 1567, 8«]. 



195 

13. »Zwo christliche and nutzliche || Predigen in welchen || angezeigt, wie sich ein 

Christen || mensch gegen den liehen || Heiligen Gottes || und aqch |{ gegen denen 
gleubigeu abgestorbenen Seelen haltet^ soll. || Freibnrg.i. B- Stefan Grraf, 1547.« 4^. 

1548. 

14. »Predig || über die Suntaglichen Evangelien || des gantzen Jars. || Durch ^en ehr- 

würdigen vatter Johan Hofmaister, weylund || Augustiner Ordens-Provincialen 
gepredigt und zu || Latein im truck aussgangen, nun aber auch || im Teutschen 
verfertiget || . . . Ingolstatt. Weissenhom 1548.« 2^, 

Spätere Ausgabe : »Postilla evangelica. || Ein schöne herrliche wol- || gegrnndte 
Ausslegung aller Sonntägli- || chen Evangelien, über das gantze Jar in Predig 
gestellt, II inmassen sie vor der Kaiserlichen Majestät und andern Ständen 
des heiligen Romischen Reichs meh- || rerthails gehalten worden, durch wei- 
land den ehrwürdigen Herrn Johann Hofmaister . . . || . . . . Mit ainer Vor- 
red und Vermanung F. Johan. Nass j| Der fürstlichen Durchleuchtigkeit 
Ferdinandi etc. Hofpredigers zu Innsbruck. . , . Ingolstadt Alexander Weissen- 
hom d. J. 1575. [Enthalt auch die Heiligenpredigten s, Nr. 15.] 

1550. 

15. »Predig || von den lieben Heiligen Gottes, deren tag || Beschriben durch 

. . . Johan Hofmaister . . . und was vom selben unterlassen, das ist gnug- 
sam und trewlich erstattet durch Herrn Leonhard Haller . . Ingolstadt 
Weissenhom 1550.« 2^ 

1559. 

16. »Judicium Q de arti- || culis confessionis || fidei anno MDXXX Caesar. || M. Au- 

gustae exhibitis, quatenus jj scilicet a Gatholicis admit- || tendi sint aut reii- 
ciendi, || authore R. P. D. Jo- || anne Hoffmeistero Augusti- || niano Gol- 
mariensi, || Nunc primum in lu- || cem aeditum. || Gum gratia et privilegio 
Gaes. M. ad octennium. || Moguntiae || Excudebat Frauciscus Be- || hem. 
Anno 1559.« 8^ [Gandolfo]. 

üebersetzung: »Judicium de arti- || culis Augustanae jj confessionis, das ist, 
was zu halten etc. . . . durch . . . Johann Hofmeister . . . verteutscht 
durch den edlen vesten || Warmunden Tgl zum Yoldrerthurn jj Rom. Keys. M. 
Tyrolischen Gammerschreiberamts - Verwalter. || Gonstanz durch Nikolaum 
Kalt 1597.« 

1562. 

17. »Reverendi || PatrisD. Joannis Hof- jj meisteri commentaria || in Marcum 

et Lucam || Evangelistas. || Nunc primum in lucem edita. |{ Lovanii, || ex- 
cudebat vidua Servatii Sasseni, sumptibus haeredum Amoldi [| Byrckmanni, 
Anno MDLXn.« Fol. [Gandolfo]. 
Abb. d. III. GL d. k. Ak. d. Wiss. XIV. Bd. I. Abth. 27 



196 

Zweite Ausgabe in Oktay: »nuperrime in lacem edita et iam recens indice lo- 
capletissimo illustrata. Coloniae. || apud haeredes Arnoldi Birckmanni. || Anno 
Salatis MDLXXILc [Gandolfo.] 

1567. 

18. »In XII pri- || ora capita actn- jj um apostolicorom commentaria do- || ctissima 

et Inciilentissima Y. P. Joannis Hofmeisteri, F. || Eremitamm D. Augosti 
per ntranqae Germaniam, dam yiyeret, Yicarii generalis, antehac namqoam 
impressa. || Coloniae apud haeredes Arnoldi Birckmanni anno MDLXVII.« 
Folio. [Gandolfo erwähnt, dass Hoffmeister auch za den übrigen 16. Ka- 
piteln einen noch in irgend einer Bibliothek mhenden Gommentar geschrie- 
ben habe.] 

Ohne Jahreszahl^). 

19. »Ein fruchtbar nnn klare || Ansslegang des scho- || nen Buchs Tobie, welchs 

ein Spiegel der guten Sitten unn waren chrigtlichen || Züchte in disem gegen- 
wertigen leben mag || billich genennet werden, gepredigt und beschrieben 
durch D. Joannem Hoffmeister || des Augustiner-Ordens durch hoch Teutsch- 
landt weiland Provincialen. 11 Tracks Franz Behem etc. zu Meintz.€ 4^ s.a. 



1) In der Vorrede schreiben Theobald Spengel nnd Franz Behem dem Herrn Dr. Melchior Reder 
ProTincial in Oberdeatschland, Prior zu Freibarg, sie brachten Hoffmeisters Opera, die nicht 
ohne sondere Gnade des hl. Geistes geschrieben seien, ans Licht, wie ihnen dies dnrch Bartho- 
lom&ns ülrici : „E. E. gemeinen vicarien, Prior zn Hagenaa and Johann Walrab, Prior za Mainz 
befohlen worden." 



ABHANDLUNGEN 



DER 



HISTORISCHEN CLASSE 



DER KÖNIGLICH BAYERISCHEN 



AKADEMIE der WISSENSCHAFTEN. 



VIERZEHNTEN BANDES 

ZWEITE ABTHEILÜNG. 



ABHAl^DLUNGEN 



DER 



HISTORISCHEN CLASSE 



DER KÖNIGLICH BAYERISCHEN 



AKADEMIE der WISSENSCHAFTEN. 



VIERZEHNTEN BANDES 

ZWEITE ABTHEILÜN6. 

IN DER REIHE DER DENKSCHRIFTEN DER LI. BAND. 



MÜNCHEN, 

1878. 
VERLAG DER K. AKADEMIE, 

IN COMMISSION BEI 6. FBANZ. 



Inhalt. 



Seite 



Bayrische Urkanden aus dem XI o. XII Jahrhundert, die Schirmvogte Freisings. 
Seine Bischöfe bis zum Ende des XII Jahrhunderts. Beiträge zu Scheyern- 
Wifctelsbach'schen Regesten. Von Friedrich Hector Orafeii Hundt . . 1 

Kaiser Friedrich II. Kampf um Cypern. Von Franz v. Loher 109 

Der Tractat des David von Augsburg über Waldesier. Von Dr, Wilhelm Preger 181 



Bayrische Urkunden aus dem XI 

und xn Jahrhundert. 



Die SchirinvOgte Freisings. Seine Bischöfe bis zum Ende 

des XII Jahrhunderts. 

Beiträge zu Scheyern-Wittelsbach'schen Regesten. 



Von 



Friedrich Hector Grafen Hundt 



Abb. d. III. Cl. d. k. Ak. d. Wiw. XIV. Bd. U. Abth. 



Bayrische Urkunden ans dem XI nnd 

Xn Jalirhnnderte. 

Die SchirmvOgte Freisings. Seine Bischöfe bis zum Ende 

des XII Jahrhunderts. 
Beiträge zu Scheyern-Wittelsbach'schen Regesten. 



Elnleltangr- 

Die Veröfifentlichung der Urkunden des Bisthums Freising in Er- 
gänzung zu Meichelbeck's bekanntem Werke, bereits mehrmals Ziel 
meiner Bestrebungen, wird in der nachfolgenden Sammlung nun bis zum 
Schlüsse deä Xu Jahrhunderts fortgeführt.^) 

Wer sich mit Orts- und Familiengeschichte beschäftigt, kennt die 
Schwierigkeiten, welche sich aus der geringen Zahl der Zeit nach ver- 
lässig bestimmter Urkunden für jene Periode ergeben, wo zuerst die Orts- 
namen zu den Zeugennamen hinzutreten, und festen Haltpunkt für den 
Besitzstand und die Genealogie der Familien gewähren, deren Mitglieder 
oftmals von den verschiedensten Besitzungen, ja nicht selten wechselnd 
nach verschiedenen, zubenannt werden.^) 

Ein Zuwachs in dieser Beziehung möchte daher an sich schon für 
die Bayrische Orts- und Familiengeschichte um so erwünschter sein, als 
zwar die Zahl der in den Mon.-Boicis veröffentlichten Urkunden jener Zeit 



1) Zu den Urkunden in Karl Meichelbeck's Historia Frisingensis findet sich die erste Serie der 
Ergänzungen, die Agilolfinger Zeit betreffend, in den Abb. der bist. Cl. der Bajr. Akademie 
der Wissenschaften XII (1873) Anhang II p>216; die zweite zur Zeit der Karolinger ib. XIII. 9; 
die dritte bis znr Mitte vdes XI Jahrhunderts unter Erörterung ihrer Bedeutung für die Bechts- 
entwickelung im Oberbayerischen Archive XXXIV. 250. 

2) Vgl. mein Edelgeschlecht der Waldecker von Pastberg, Holnstciu, Miesbach und Hohenwaldeck. 
Oberbayr. Arch. XXXI. 99—140. 

1* 



eine ungemein grosse, die Brauchbarkeit der betreffenden Bände aber 
für geschichtliclie wie sprachliche Forschungen in Bezug auf Namen 
und Stänune durch entstellenden Druck fehlerhafter Abschriften sehr 
beschränkt und durch ungenügende Register erschwert ist.^) 

Wird demnach die hier gebotene Ergänzung aus dem reichen 
Urkundenschatze, welchen uns Freising glücklicher Weise gerade für den 
Kern des Bayrischen Stammlandes erhalten hat, von den Forschem freudig 
begrüsst werden, so ist die Bedeutung der Sammlung noch dadurch 
wesentlich erhöht, dass besondere Bedachtname auf Vervollständigung der 
Belegstellen zur Familiengeschichte des Bayerischen Herrscherhauses ge- 
richtet ward. 

Wir besitzen zwar Monumenta Wittelsbacensia. ^) Die darin ent- 
haltenen Urkunden beginnen jedoch erst mit dem Jahre 1204, während 
das Haus Scheyem-Wittelsbach damals schon ein Paar Jahrhunderte blühte 
und in seinen Gliedern bis in das IX Jahrhundert zurück verfolgt werden 
kann. Es dürfte insbesondere angemessen sein, jene Urkunden nach ihrem 
vollen Wortlaute zur OfFenkunde zu bringen, aus welchen das verdienst- 
volle Werk des Archivars Dr. Huschberg über die älteste, Geschichte 
des durchlauchtigsten Hauses geschöpft hat,^) um sie so dem Forscher 
benutzbar zu stellen und ein Regestenwerk über das erhabene Fürsten- 
haus vorzubereiten, welches so grossartige Mittel zur Förderung von Kunst 
und Wissenschaft verwendet hat und noch fortwährend widmet. 

Zweck unserer Arbeit ist demnach zunächst, Bausteine zu liefern zur 
Geschichte des Vaterlandes und des eingebomen Herrscherhauses. Allent- 
halben waren wir bestrebt, den Forschem das Nachgehen auf die Quellen 
zu erleichtem. 

Für Reichsgeschichte werden hiebei nur einzelne Streiflichter zu ge- 
winnen sein. So glaubten wir die Urkunde vom 30. Dezember 1119 



1) Die Fehler sind meist in die Register übergegangen. Ein Begisterband besteht nur über die 
ersten 14 Bande; zudem fehlt darin mindestens der Adel ans den wichtigen Weihenstephaner und 
Neostifter Urkunden des IX B. nach unserer Wahmemung gänzlich. 

2) Monumenta Wittelsbacensia, ürkundenbuch zur Geschichte des Hauses Wittelsbach** ist der Titel 
desV und VI Bandes der Quellen und Erörterungen zur Bayrischen und Deutschen Geschichte, 
München 1857. 

8) Aelteste Geschichte des Hauses Scheyem-Wittelsbach bis zum Aussterben der g^flichen Linie 
Scheyern- Valley. Von Dr. Job. Ferd. Huschberg. München 18S4. 



vollständig geben zu sollen ^) , weil der Umfang der zur Zeugenschaft 
berufenen Versammlung, wegen des sicheren Datums höchst schätzbar, 
zugleich darthun dürfte, dass Herzog Weif II, heimgekehrt nach Bayern, 
noch kurz vor seinem Ableben einen Landtag in der Nähe Freisings 
abhielt. Mehrfach hingegen dienen Begebenheiten im Reiche zur Erklärung 
und richtigen Eim-eihung hier mitgetheilter Urkunden. 

Eine weitere hier zu verfolgende Aufgabe ist, Ursprung und Umfang 
des Besitzes des Hochstiffcs Freising zur klaren Anschauung zu bringen 
imd damit seinen, weit über die Bisthums-Gränzen reichenden cultur- 
geschichtUchen Einfluss darzulegen. 

Als dem Kaiser Otto 1 die Verdrängimg des angestammten Fürsten- 
hauses gelungen, und die Macht des Stammherzogthums so gebrochen 
war, trat das Bisthum Freising unter die Reichsfürstenthümer ein. 

Bischof Abraham (957 — 994) erwirbt grossen auswärtigen Besitz 
und bestellt seinen Hofstaat nach dem Muster .des kaiserlichen.^) Der 
Nachfolgt: Bischof Gottschalk erweitert den Besitz wesentüch und 
erwirbt 996 das Münzrecht. ^) Unter Bischof Egilbert endlich (1005 
bis 1039) tritt das Domcapitel den Bischöfen selbstständig gegenüber, 



1) Bei Meichelbeck in dessen Historia Frisingensis in der Pars instrnmentaria I N. 1278, hier 
Abschn. IV. N. 49. Wir citiren fortan Meichelbeck*s geschichtlichen Theil I mit der Seiten- 
zahl, den urkundlichen Theil I mit M. Nro. 

2) Bezeichnend ist, dass die Hofämter noch nicht erblich sind, die hohem Ministerialgeschlechter 
aber sich die Berufung in den Hofdienst zu sichern suchen. Ob. Arch. XXXV. 256. Schon 
unter Bischof Waldo um 900 ist von honorabili in curte episcoporum obsequio die Bede. Der 
Schwabe Hiltini gibt ein Gut zu Eissalheringa, Eothgeisering L. Brück, damit seine mit einer 
Unfreien erzeugten Söhne, Adalhalm und Beginperht, und die Tochter Ita solche Dienste 
erhalten. M. N. 909. Unter Bischof Abraham sind es die edlen Frauen Buza und Guntpirch, 
welche ihren Kindern die servitia pontificalia, als welche das camerale, pincemale und dapiferale 
genannt werden, zu sichern suchen. Ob. Arch. 1. c. Nro. 53. 122. 142. Unter Bischof NUker 
(1039 — 1053) kömmt zu diesen Aemtern noch ein klerikales, wohl das manchmal Geistlichen 
damals verliehene Vizthum-Amt. M. I. 246. Dagegen unterwirft sich die Femina Enzawip mit 
ihren Söhnen dem Zinse zu 5 Denaren am 4. März 1064, damit sie einfach Ministerialen, legales 
ministri werden, Lehen erhalten. M, N. 1232. Vgl. Waitz Verfassungs-Gesch. HI. 416. IV. 7. 
V. 294. Sigf. Hirsch Jahrbücher des deutschen Beichs unter Heinrich II. B. U. 156. 157. 
161 u. s. f. 

3) Urk. vom 22. Mai 996. M. B. XXVIH. a. 265. Hirsch verfolgt Freisings Erwerbungen in den 
Jahrbüchern sorgsam, doch nicht ohne Irrthümer in der Ortsbestimmung. Grafschaften in der 
nächsten Umgebung, wie andere Bischöfe, erlangten jene von Freising niemals. 



und wird der Sitz der Mönche fortan unter eigenem Abte in das nahe 
Weihenstephan verlegt J) 

Mächtig wächst durch reiche Vergabungen der Besitz des Bisthums. 
Zwar geht derselbe im Inlande unter Einwirkung des Benefizialwesens 
zum grossen Theile verloren — auch unsere Urkunden bieten Beispiele, 
wie wenig freiwillig manchmal bei solchen Verleihungen vorgegangen 
ward — besser dagegen, wenn auch nicht ohne empfindliche Veijjuste, 
vermochten sich die Fürstbischöfe in den auswärtigen Besitzungen zu 
behaupten, indem sie mächtige Herrschaften in den weiten Landstrichen 
gestalteten, welche die Gunst der Kaiser und Könige ihnen zugewendet hatte. 

Grossartig war die Cultur- Auf gäbe , welche, wie andern deutschen 
Bisthümem, so in hervorragendem Maasse, auch Freising in Tirol, in 
Oesterreich, Steyermark, Kärnten und KraiQ, in der Istrischen und in der 
Veroneser Mark gestellt ward^.) Zu erschöpfender Darlegung des bei 
Meichelbeck nicht vollständig gegebenen Umfangs ward es nöthig, auch 
einige Ergänzungen aus Oesterr eichischen Quellen, mindest in JRegesten- 
form, beizuziehen. Bezüglich des Besitzes in Niederösterreich ergibt einen 
bezeichnenden Zuwachs eine neue Urkunde, welche in Neunkirchen imd 
an dem, einst der Schwarzau, einem der Quellflüsse der Leitha, zurinnenden, 
nun gen Wiener - Neustadt abgeleiteten Kehrbache das Vorhandensein 
Freising'schen Besitzes unterhalb des Wienerwaldes neuerdings nachweist.^) 



1) Ob. Arch. 1. c. p. 258. Wir vermögen nicht mit Hirsch, Jahrbücher II. 253, eine Neugründung 
in Weihenstephan zu erkennen, wie bei Bischof Egilbert näher zu erörtern ist. 

2) Anziehend sind die Ergebnisse der Forschung, welche jüngst Professor Dr. Otto Kämmel in 
Dresden in seinen „Anfängen deutschen Lebens in Niederösterreich während des IX Jahr- 
hunderts** veröffentlichte. 

3) Vgl. Abschn. IV N. 50. Zur Erklärung ist die Passauer Urkunde Bischof Reginberts vom 
6. Mai 1144 von Belang, deren bezüglicher Theil. höchst ungenau abgedruckt B(. B. IV. 811, im 
Originale des Beichsarchives von S. 313 Z. 13 an lautet: Hec est terminatio, qu^ facta est ad 
Swarzaha: per ascensum Steinbach usqu^ ad fontem Gotenbrunnen, et inde per directum usque ad 
rivum Ispira, et per meatnm eiusdem rivi usque ad Tessen. Hinc inde usque ad Lsembach su- 
periorem, et inde inferiorem Lsembach et per descensum huius aqu^ usque Griezstich, inde per 
directum usque ad villam, qu^ dicitur Enzimanneswaichoven , et inde per directum usque ad 
villam, qu^ dicitur Brukke, et a Brukke usque ad Murbach, inferius Bapotenrote et per de- 
scensum huius aqu^ usque ad villam Erlaha inferiorem, et inde iterum ad Steinpach primitus 
nominatum. Hec terminatio facta est consultu clericorum et laicorum, qui aderant, scilicet 
Cadalhohus preposituss. Stephani Patavi^, Adelbertus ppts. s. Nycolai, Lodigerus ppts. s.Georgii 
Hoholdus ppts. maioris ^cclie Frisingen, Altmannus archipresbiter Batisponensis, Helmbertus et 



Ueberblicken wir den betreffenden Theil der vorliegenden Urkunden, 
80 lässt sich femer im Gegenhalte zu den Urkunden aus der Agilolfinger 
und aus der Karolinger Zeit eine allmälige Veränderung in der Bichtung 
der Stiftungen nicht verkennen. Das Ziel der Vergabungen ist zumeist 
nicht mehr die Ecolesia sanctae Mariae sanctique Corbiniani, der Dom zu 
Freising. Mehr und mehr tritt das Streben hervor, Domhermpfründen 
far den nachgebomen Adel zu schaffen, ja bald mit der bestimmten Ab- 
sicht, sie den Gliedern der eigenen Familie möglichst zu sichern. Es 
ist nicht mehr ausschUesslich frommer Sinn, die Sorge um das Seelenheil 
lieber Abgeschiedenen, was die Stiftungen hervorruft Es tritt so zu sagen 
eine Verweltlichung ein. Zwar war auch früher häufig die Ausstattung 
in den geistlichen Stand tretender Familienglieder Zweck der Uebergabe 
von Grundbesitz, und die Kirche war dann gerne bereit, den lebenden 
Familiengliedem den Nutzgenuss zu belassen, ja oftmals noch andere 
Kirchenguter auf Lebensdauer den Schenkem einzuräumen. Jetzt aber 
werden nicht mehr nur Gebete am Jahrestage Verstorbener beabsichtet; 
es wird auch zugleich für den betheiligten Glerus, vorzugsweise für dessen 
blutsverwandte Glieder ein Genuss, immerhin noch ein gemeinsamer Ge- 
nuss, eine Consolatio in Speise und Trank ausbftdungen. Gegen Ende des 
Zeitraums findet diess bezeichnenden Ausdruck in den Beiträgen, welche 
der für Erhaltung des gemeinsamen Lebens, des Zusammenwohnens der 
Dompriester in gesondertem Stadttheile, eifrig bedachte Bischof Otto U 
selber zur Beschaffung eines „dritten Brodes" für die Stiftsherm gewährt. 

Zum Theil Folge der veränderten Richtung ist es, wenn in den 
Stiftungs-Urkunden der Bischof nicht mehr, nur selten der Schirmvogt 



Otto et Almarns capellani. DietricnB comes, Erchenbreht de Moeebach, Otto de Machlant, 
Bapoto de SliphiDgen, Manegolt de Wesene, Hartm6t, Walch5n de Maroiorote et filios eins Wal- 
chon, Siboto et Wecil mioisteriales b. Stephan!, Ozo de Stritwisen, Sigelohns et filii eins de 
Pirbonmen, Sinnens/ Anch vorher ist zn lesen: S. 311 Z 1. Beginbertns, Z. 6 Adelbertns, Z. 7 
Ordalrico, S. 812 Z. 12 Allinchoven. . Reginm* Z. 16 Botprehteshoven, Gharoeripha, Ninwen- 
chirchen Z. 18 Pontera, Z. 19 hobam ad Otenchinden, Z. 21 Swarzaha, Z. 9 et 10 Ghonrat de 
Snnnelbnreh, Beginbrecht de Celkingen, Hademar de GhSffaren, Manegolt de Wesens. • March- 
wart, Siboto de Borrinheim, Ovdalrich de Holzhnsen. . 0?dalscalch. . Mathse Bodiger. . Friderich, 
Ordalrich. Ein Vertreter Freisings ward sohin in Domprobst Ho hold i[)eigezogen. Ein treff- 
liches Hilfsmittel zur Bestimmung der Lage bietet nnnmehr die Administrati?karte von Nieder^ 
Österreich, herausgegeben vom bist. Verein von Niederösterreich unter Leitung des k. k. Oest. 
Bathes A. Steinhauser. 



8 

genannt wird, was bei dem Mangel des Datums die chronologisclie Reihung 
sehr erschwert, bei wenigen Zeugen unsicher macht 

Nähere Beachtung wurde insbesondere der Schirmvogtei über das 
Bisthum Freising gewidmet Während der ersten Jahrhunderte, wie es 
scheint, von den Bischöfen nach freier Wahl aus der Zahl der Verwandten 
besetzt, gewann sie, im XI Jahrhunderte an das Haus Schejem- Witteisbach 
gelangt, festere Gestaltung und Dauer. Die beigebrachten Belegstellen 
und der Ueberblick der Reihenfolge der Schirmvögte ergaben so manche 
Berichtigungen für die Genealogie des durchlauchtigen Hauses, wenn auch 
vorerst manch gewichtiger Zweifel über die Geschlechtsfolge und den 
Eintritt in die Schirmvogtei noch nicht gelöst zu werden vermochte. 
Das ergänzte Urkunden-Material gewährt, nun vollständig im Drucke vor- 
liegend, fortan den Forschem erweiterte Grundlagen zu umsichtiger Wür- 
digung der einschlägigen Fragen. 

Die Reihe bedeutender Männer unter den Bischöfen imd dem Dom- 
clerus Freisings während des Zeitraums bietet weiters mehr Stoff, als 
innerhalb des beengten Ramens einer Akademischen Abhandlung er- 
schöpft zu werden vermag. Die Erörterimgen beschränken sich daher 
zumeist auf Prüfung der^ Fragen der Herkunft, des Ein- und Abtretens 
der Bischöfe. Auch ward in der Gründungsgeschichte eines der Klöster, 
des Klosters Attel, Knüpfung und Lösung der Beziehimgen zu dem später 
abgetrennten östlichen Nachbärlande in einem Beispiele näher dargelegt ^) 

Wie für Geschichte und Genealogie des Adels, vorzüglich von Bayern, 
doch auch von Oesterreich und Franken, zur Zeit Bischof Otto's H aus 
dem Hause der Grafen von Berg, selbst von Schwaben^) sich werthvoUe 
Beiträge finden, ward schon erwähnt. Es erhält insbesondere jener Zweig 
des an den Grenzen des Nordgaues imd des Sualafeldes hausenden Grafen- 
geschlechtes erwünschte Beleuchtung, welcher am häufigsten von Chrege- 
lingen, dem Weiler Grögling in der Pfarrei Kottingwörth Landgerichts 
Beilngries, benannt wird. Es erscheinen nach einander Graf Ernst, seine 



1) Nicht nur der Historiograph des Kloster Admont, P. Wichner, noch Wittmann in den Pfalz- 
grafen Bayerns*' — S. 85 — v^rmissten die Losang des Bandes zwischen Admont und Attel. 

2) Hieher zählen wir die offenbar mit dem Bischöfe gekommenen Chonradas de Hoven^ M. N. 1864 
M. B. Vir. 524 n. Abschn. IV. N. 104 nnd Wernhere de Zolre oder Zolr. M. B. VIII. 480 IX. 
474. Abschn. IV. N. 100. 



Gemalin Liutgard, die Söhne, der frühverstorbene Guntbold, Altmann, 
der allein überlebende Hartwich, wohl der Vater des sodann auftretenden 
Grafen Gerhard, nach der Mitte des XII Jahrhunderts aber Graf Gebe- 
hard. Es wird aus dem noch spät erwähnten Besitze um Eching, dem 
Pfarrdorfe nächst Freising, erklärlich, wie Graf Ernst von der Belehnung 
mit dem von Bischof Otto I gegründeten Otinpurg, dem "Weiler Otten- 
burg, Gemeinde Günzenhausen, Pfarrei Fürholzen an der Mosach, manch- 
mal jenen Zunamen erhalten konnte, welcher in Ortenburg oder Orten- 
berg entstellt ward. ^) 

Ein anderes in dem Begisterbande der M. B. nicht vertretenes Grafen- 
geschlecht, von Mosen, taucht in ,der letzten wegen des von Scheyem ab- 
gezweigten Hauses von Valley angefügten Urkimde vom Jahre 1212 auf. 
Otto Comes de Mosen nennt sich der Delegatar des Grafen Otto von Valley 
bei Ueberweisung einer Anzahl von Ministerialen zwischen Isar und Inn 
an das Hochstift. Unzweifelhaft stammt er von dem Pfarrdorfe Moosen 
im L. Dorfen, im vormaligen Westergau, wo ein Edelgeschlecht sass, 
dessen häufig als Zeugen auftretende Glieder immer unter den Nobiles 
im Gegensatze zu den Ministerialen aufgeführt werden, weil sie sich als 
Vollfreie erhalten hatten. Die plötzliche Erhöhung des Edlen Otto zum 
Grafen findet ihre Veranlassung in einem damals die Welt erschütternden 
Ereignisse. Der Markgraf Heinrich H von Istrien aus dem Hause And echs 
war zu Bamberg anwesend, als dort am 21. Juni 1208 König Philipp 
ermordet wurde. Auf seinen Bruder, den Bischof Ekkbert von Bamberg 
fiel der Verdacht der Mitwissenschaffc; beide Brüder flohen und Markgraf 
Heinrich wurde am 6. Jänner 1209 zu Augsburg von König Otto IV in 
die Acht, und aller Würden, Lehen imd Eigen verlustig erklärt Es 
mussten auch die aus frühester Zeit zum Besitze des Hauses Andechs 
gehörigen Gaugrafschaften, darunter die Grafschaft Wolfratshausen, welche 
sich weit hin am rechten Isarufer erstreckte, imd nicht nur den alten 



1) Ernnst comes de Otinpurg im Cod. Weihensteph. f. 13, richtig MB. IX 873, aber im B^ster- 
bande fehlend^ unrichtig bei W. Hundt Metr. Sal. III. 458. VgL Prof. Moritz CoUektaenen zcr 
Frh. y. Frejberg*8 Einführung in den Moosburger Traditions-Codez. Abb. d. bist. Ol. B. II (1840) 
S. 108. Im Domcapitel*8cben Calendarium von Freising: II Idus Nor. (13) Emustus Comes obiit. 
Oblatio de Drühthering. (ygl. Abschn. IV N. 24). VI Non. Oct. (2) Comes Altmannus obiit 
Oblatio de Perchoven cum caseis. Graf Gerhard schon 1143 neben Graf Gebbard von Sulzbach. 
MB. XV. 162. 

Abb. d. m. Cl. d. k. Ak. d. Wiss. XIV. Bd. II. Abth. 2 



10 

Snndergau, sondern auch anstossende Theile des Wöstergaues unifasst zu 
haben scheint'), neu vergeben werden. Offenbar fiel die Wahl auf den 
Grossgrundbesitzer in der Grafschaft, den Edlen Otto von Mosen, welcher 
fortan der schon allgemein gewordenen Sitte gemäss nicht nach dem 
Gaue, sondern nach seinem Wohnsitze sich nannte.^) Später fand die 
Nichtbetheiligung des Markgrafen Heinrich bei jenem Verbrechen Aner- 
kennung imd# derselbe ward vom Jahre 1220 an allmälig in seinen 
früheren Besitz wieder eingewiesen. Die Grafschaft Mosen gewann daher 
keinen Bestand.^) 

Zum Ruhme eines Bayrischen Forschers, des Fürstbischofs Johann 
Franz von Freising aus dem Hause der Freyherrn von Eckher auf Ka- 
pfing, mag beigefügt werden, dass das nach seinen Auszügen und Vor- 
merkungen von seinem Hofrathe von Preu zusammengestellte bändereiche 
Werk über Adelsgenealogien, eine vielbenützte Zierde der Handschriften- 
sammlung der Hof- und Staatsbibliothek, für den hier berührten Zeitraum 
sich bewährt, und auf umsichtiger Benützung des Urkundenraaterials be- 
ruht. Es wurden daher die von der Hand des kundigen Forschers den 
benützten Quellen beigefügten Jahreszahlen um so mehr sorgfältig be- 
achtet, als dem Fürstbischöfe Urkunden imd Cartularien sämmtlicher 
Klöster des Bisthums wohl in merklich weiterem Umfange vorlagen, als 
sie. auf uns gekommen sind. 

Was die Quellen betrifft, welchen die Abtheilung IV entnommen ist, 
so dürften vor allem einige Original-Urkunden des k. Reichsarchives er- 
wünscht erscheinen, zumal. sie noch einer Zeit angehören, aus welcher 
Urschriftliches auch linguistischen Wert besitzt. Dem Kundigen kann 
nicht entgehen, wie schon nach wenigen Jahrzehnten Namen von Per- 
sonen und Orten sich merklich ändern,*) wie völlig unverlässig in dieser 
Beziehung durch das ganze Mittelalter, ja bis in den Beginn des XIX Jahr- 



1) Besitzungen des Hauses Diessen-Andecbs im Westergan werden Abschn. I § 2 n. 3 besprochen. 

2) Sein Oheim war Probst Otto von S. Andreas in Freising, f 1165, sein Bruder Eberhard, von 
1197—1219 Abt Ton Weihenstepban. Hoch bejahrt starb wohl Graf Otto bald, da bei der 
Wallfarts-Rüstung nnd dem Tode Dietrichs von Mosen, wohl seines Sohnes, um 1215—1220, er 
nicht mehr genannt wird. Vgl. MB. IX. 482 f. 

3) Vgl. über die Vorganges des Frejherm von Oefele Grafen von Andechs, Innsbruck 1877 S. 96 flg. 

4) Eines der grellsten Beispiele bietet das Pfarrdorf Snanehiltdorf im L. Moosburg, das zu Scbwei- 
nersdorf wurde. Es wird begreiflicher durch das domcapitelsche Urbar vom Ende des XIII Jahr^ 
hnnderts, welches den Ort schon Sweinhiltzdorf nennt. 



11 

hunderts Abschriften sind, selbst notariell beglaubigte Transsumpte. Aus- 
lassungen sind nicht selten, die Namen zumeist nach dem Mimdgebrauche 
des Schreibers umgestaltet Meichelbeck trifft der Vorwurf, dass er öfters 
Copialbücher benützte, wo die Urkunden noch vorlagen. Doch mag die 
manchmal sich findende Versicherung, es sei ihm, die Vorlage der Ori- 
ginale zu eriangen, nicht möglich gewesen, auf Wahrheit beruhen, ob- 
wohl die kräftigste Unterstützung des aufgeklärten Fürstbischofs Johann 
Franz ihm zu Theil ward. 

Von den Cartularien ist auch für diesen Zeitraum das Bedeutendste 
der bereits beschriebene, in Cozroh's Zeit zurückreichende Codex conmiu- 
tationum, den zweiten Band des Freisinger Traditionsbuches auch der 
Form nach darstellend. ^) Vor- imd Zwischenblätter desselben haben zum 
grossen Theile den hier gebotenen Stoff geliefert Der Inhalt der beiden 
Bände des ältesten Freisinger Traditionsbuches ist nun durch Meichelbeck's 
Urkimdenwerk und imsere Nachträge vollständig veröffentlicht Es kömmt 
aber hiezu noch eine weitere Pergament-Handschrift in gross Oktav, in 
Schweinsleder gebunden, mit der Ueberschrift: Liber seu notitia Censualium 
Mancipiorum, specialiter ad oblationem fratrum pertinentium. Sie ist im 
Reichsarchive mit der alten No. 190 verwahrt. So zahlreich wird im 
XI Jahrhunderte die Uebergabe von Leibeigenen an den Dom, die Frei- 
lassimg in der Form der Bewilligung der günstigeren Lage der Kirchen- 
leute gegen ein geringes jährliches Geldreichniss '^), dass ein eigenes Buch 
für deren Einzeichnung bestimmt wird. Dem Haupttheile dieses Buches, 
dem bis über die Mitte des XIII Jahrhimderts fortgesetzten Verzeichnisse 
auf 36, grösstentheils noch nicht veröffentlichten Blättern, reiht sich ein 
Dutzend grösserer und kleinerer Blätter unfl Streifen an, zum Theil älteren 
Cartularien entnommen, zum Theile gleichzeitige Aufzeichnimgen, woraus 
schon Meichelbeck Manches für seine Pars instrumentaria entnonmoien hat. 
Aus jenem Haupttheile ist hier aufgenonamen, was auf Scheyem-Wittels- 
bach bezüglich ist^ oder bisher bezogen wurde. Den engen Zusammen- 



1) Vgl. Freisinger Urk. ans der Karolinger Zeit A. A. B. XIII (1875) 3. Berichtigend hat Al- 
brecht Wagner fiber die dentechen Namen der ältesten Freisinger Urkunden (Erlangen 1876) 
S. 5 bemerkt, dass der Mönch Cozroh nicht erst im April 825, sondern schon im Jahre 824 
Priester wurde and wohl zugleich seine notarielle Laufbahn antrat. 

2) Vgl. Waitz Yeifassungs-Geschichte lY. 288. V. 214. 

2* 



12 

hang der andern älteren Bestandtheile mit dem Cod. commutationum, 
spätere Zerreissung mid Umordnmig von Cartularien legt schlagend die 
erste Nummer unserer Urkunden-Sammlimg dar, welche Abschnitte aus dem 
Cod. commut. und aus dem Liber Censualium wieder ifu einem Ganzen fügt ^). 

Diese Aufeeichnung gewährt auch als Nachweis dafür Interesse, welch 
weiten Umfang die Ministerialität im X Jahrhunderte schon durch die 
weibliche Abstammung gewann, und wie gerade dieser Art der Verzweigung 
die Zusicherung der Freilassung von niederen Diensten und der Berück- 
sichtigung bei den Hofämtern zu Theil wurde, welche indessen bald zum erb- 
lichen, durch die männliche Linie zunächst vermittelten Uebergange führte. 

Aus Weihenstephaner Quellen, aus den Bücherschätzen des wohl auf 
dem Ursitze des Bisthums, dem sagenhaften Tetmons erstandenen Klosters 
S. Stephani, konnten ein Paar Urkunden beigebracht werden, welche, zu- 
fällig an Einbänden erhalten, der Veröffentlichung um desshalb wert 
erschienen, weil sie einen Fall veranlasster Umgestaltung und damit 
später verknüpfter Fälschung klar legen ^). 

Was die Namen in der hier besprochenen Zeit anbelangt, sei die 
Bemerkung gestattet, dass in Bayern noch bis zum Schlüsse des Xu Jahr- 
hunderts das gesammte Volk, Adel wie Leibeigene, fast ausschliesslich 
nur deutsche Namen, wie wir sie in der Zeit der Agilolfinger schilderten, 
führt, die Zahl der aus Bibel und Martyrologien ge walten Namen noch 
immer eine verschwindend kleine ist. Aber häufig treten bereits Ver- 
kürzungen ein, welche entnemen lassen, wie die Bedeutung der Namen 
dem Volke bereits gänzlich entschwunden. Auflösungen führten dann zur 
Missgestaltung, und erleichterten das Fallenlassen dem Heiligenkalender 
nicht bekannter, vom Clerus mehr imd mehr missbilligter Namen ^). 

1) Meichelbeck will, was er P. I. p. 246 gibt, dem libro secundo traditionnm entnommen haben. 
So nennt er sonst den Cod. commut. In diesem findet sich aber znr Zeit nur der erste von 
Meichelbeck nicht gegebene Theil. Soll die Umgestaltung der Bände erst im XVUIJahrbunderte 
erfolgt sein? Wahrscheinlich liegt eine irrige Bezeichnung vor. 

2) Das Grossartigste leistete wohl Passau, wo die mit achtem Siegel ausgestattete Urkunde vom 
21 Mai 1074 — mit manchen Fehlem abgedruckt MB. IV. 293 f.— sich dem XI Jahrhunderte 
nicht angehörend schon durch die Namen mit au und ei erweist, überdiess 2 Päpste S. 301 
mitten unter die Heiligen einreiht, und der Schreibung nach wohl erst in*s XIV Jahrhundert gehört. 

8) Wie anders noch im X Jahrhunderte ! Um 980 erscheint zu Ebersberg, in dessen Gräben 955 so 
yiele Ungarn gestürzt wurden, als Zeuge Huninger von Haag mit seinen Söhnen Huninwe, Hunin- 
flor, Huninleit, Hunintöt. So cod. Ebersp. f. 11 y. zu bessern bei Oefelo II. 22. Es ist nicht 
an Flor, sondern an Trauergeheul zu denken; s. Schmeller Fhirren. I. 974. (2. Ausg.). 



13 

Von den Necrologien Freisings ist für unsem Zeitraum weitaus das 
bedeutendste das Calendarium, welches der Pergamenthandschrift der Hof- 
und Staatebibliothek in Grossquart, Cod. lat. N. 6421, Frising. N. 221, 
voransteht, in welcher Beda's Martyrologium der Liber Sacramentorum 
de circulo anni, expositus a s. Gregorio Papa, folgt Der Schreiber desselben 
hat zugleich die Todestage der Bischöfe und weniger anderer Personen 
eingetragen, von Bischof Waldo (906) an bis zu Kaiser Otto II (983), 
welchem er „Romae", nirgends aber eine Jahrzahl beigefügt. Der Tod 
Herzog Heinrichs von Kärnten am 5. Oktober 989 ist schon Nachtrag. 
Um die Mitte des XI Jahrhunderte nahm dann eine zierlichere Hand die 
Einträge wieder auf, holte die früheren Bischöfe nach, bezeichnete bei 
sämmtlichen die Ordnungszahl in der Beihe der Kirchenfüirsten und fügte 
nun erst von Hitto an den Todestagen auch die Jahrzahlen bei. Diese 
zweite Hand schliesst nait dem Tode Ellenhards 1078. Hiedurch ist die 
Zeit und der hohe Werth dieser Aufzeichnungen um so sicherer nach- 
gewiesen, als später kein Eintrag mehr erfolgte. Schon von P. Gamansius 
benutzt, von Meichelbeck mehrfach angeführt, sind sie mm vollständig 
nach Jaffe's Abschrift in den Forschungen zur deutschen Geschichte von 
Dümmler veröffentlicht ^)- 

Von gleichem Alter, aber mehr für die Geschichte der Ungarn-Kriege 
von Bedeutung, leider auch der Monate Jänner bis Mai entbehrend, ist 
ein zweites, ebenso Beda's Martyrologium angefügtes Calendarium aus 
Freising, jedoch in Kleinquart, nun im Reichsarchive. Dasselbe gibt 
nirgends Jahreszahlen. Es ist von Th. Rudhart in den Quellen und Er- 
örterungen, und neuerdings nochmals von Dr. Alfons Huber in Böhmers 
Fontes rerum Germanicarum herausgegeben^). 

Einige Daten konnten femer dem Calendarium entnommen werden, 
welches einem domcapitel'schen Urbar in 22 Blättern vorgebunden ist. 



1) B. XV (1875) 163 f. Vgl. QaeUen xl Erdrterongen zur B. u. D. Geschichte VII. 446. DerDrnck 
ward mit der Handschrift oochmal verglichen, wobei sich nur ein Versehen ergab. S. Noten 
zu § 1 nnd 3 im Abschn. II. Die Beechreibang in Eckhards Francia orientalis I. 834 setzt ausser 
Zweifel« dass P. Gamansius die noch ungeschadigte Handschrift in altem schönem Einbände Tor 
sich hatte. Allein was Eckhard 1. c. abdrucken liess, ist aus mehreren Necrologien mit Fehlem 
und Auslassungen zusammengestellt. 

2) Qu. u. Er. YII. 441. Böhmer F. r. G. lY. 586. Ueber das weiter von mir benfttste Nekrolog 
des Klosters Scheftlam vgl. A. d. A. XUI (1875) 9. 



14 

Diese Handschrift, nun im Reichsarchive, ist jedoch erst zu Ende des 
Xni Jahrhunderts angefertigt, und der Schreiber hat sich begnügt, aus 
den ält-eren Vorlagen nur die Todestage der Bischöfe und der jüngeren 
Stifter herüberzunehmen, während er von älteren Stiftungen häufig nur 
das Reichniss an bestimmten Tagen, aber nicht mehr den Geber über- 
trug. Ein zweites Urbar des Domcapitels ebendort, in Grossquart, dem 
XIV Jahrhunderte entstammend imd Prädialbuch überschrieben, ist wert- 
voll für die Bestimmimg der Lage der Orte wegen der guten Ordnung. 
Sie führen die Nr. 62 und 64, alt Nr. -239 und 246. 

Eine eigenthümliche Stellimg nimmt das Calendarium ein, welches 
sich vor dem zu Ende des X oder am Beginne des XI Jahrhunderts an- 
gelegten Traditionsbuche des Klosters Ebersberg befindet, nun im Reichs- 
archive, gross Folio Cod. Ebersb. N. 2. B, alt 20, nicht ganz vollständig 
in Oefele's Scriptores rerum Boicarum veröffentlicht^). Die Einträge 
von zierlicher Hand beziehen sich nahezu ausschliessend auf die Kloster- 
Vorstände und die Grafen-Familie von Ebersberg. Die Zeit der wenigen 
sonstigen Todestage ist begränzt durch Erzbischof Friedrich von Salzburg 
(1 Mai 991) welcher die Klosterkirche geweiht hat, den aus Kloster Ebers- 
berg hervorgegangenen Bischof Reginpold von Speyer (13 October 1039) 
Herzog Weifhart (V am 12. Nov. 1055, von Kärnten) und Kaiser Hein- 
rich in (hier secundus genannt, zum 5 statt 4 Oct. 1056). Von den vier 
Kirchenfürsten Freisings in diesem Zeiträume sind nur zwei, Abraham und 
Egilbert, eingetragen^). 

Ein geographisches Register ward diessmal nicht beigegeben. Es be- 
steht die Absicht, die Arbeiten über diese Zeit mit der Herausgabe des 
Urbars Bischof Adalberts I, des ältesten von Freising, sowie des für die 
Rechte der Schirmvögte werthvoUen Domcapiterschen Urbars abzuschliessen 
und demselben eine Ortsmatrikel beizugeben, welche die Bewegung im 
Besitzstande Freisings für den ganzen Zeitraum von den Agilolfingern an 
darzulegen hätte. 



1) Oefele 1. c. II. 15. Die Zeit charakterisiren die bei Oefele unrichtig gegebenen Namen : 27 Apr. 
Gnntheri presbiter et prepositns ob. ; 6 Juli Raotperht de SliTisheira ob. ; 25 Juli Bodheri laicos ob. 
Ansser den Ebersberger Grafinen: Rifakart, Biblint, Cotini ist noch zum 6 Februar eingetragen: 
Adalheit comitissa, nxor Eberhard! secnndi. 

2) lieber eine weiter noch benütibar gewordene Handschrift, kurze Annalen aus Kloster Weihen* 
Stephan s. Not. 1 zu Abschn. IL 



15 



I Abschnitt. 



Die ^chirmvogtei des Bisthnms Frelslng. 

§ 1- 

Die Schirmvogtei Ober Freising bis zur Mitte des XI Jahrhunderts. 

Die Schirmvogtei über die Bisthümer gehört zu jenen Rechtsverhältnissen, welche sich 
allmälig herausbildeten, erst spät in ihren Obliegenheiten und Pflichten Feststellung 
erhielten. 

Unter den Agilolfingem übernimmt immer der Bischof selber die der Kirche gewid- 
meten Güter. Er lässt die Urkunden über die Erwerbung durch seine Cleriker ausstellen 
und bedarf keines Anwalts dazu. Die Zustimmung des Landesherm wird vom Gesetze 
nicht gefordert, und wird sie doch erwähnt, oder wird sie wohl auch durch dessen gesen- 
deten Vertreter ertheilt *), so liegen J)esondere Gründe vor und es sind solche Fälle zur 
Feststellung des Eigenbesitzes des Herrscherhauses von Wert. 

Unter den Karolingern treten Anfangs nur in Rechtsstreiten Anwälte der Bischöfe 
auf. Hiezu werden auch Geistliche bestimmt; so der Erzpriester EUannod unter Bischof 
Atto (784—811). Neben ihm erscheinen auf den Dingen der Sendboten 802 im Juni 
zu Regensburg Kagafthart, im August zu Freising Lantfrid, 804 im Jänner zu Aibling 
Wolfpercht, 807 zu Ende April in Föhring Ainhart, und im Mai zu Kloster Gars Liut- 
prand. Lantfrid und Kaganhart gehören der reichbegüterten Familie an, aus welcher die 
Stiftung der Klöster in der Schamitz, zu Schlehdorf und zu Benedictbeuern hervorging. 

In der langen Reihe der Urkunden aus der Zeit Bischof Atto*8 zeigen sich nur ein 
Paar Fälle, wo er Anwälte nicht aus Anlass von Rechtsstreitigkeiten gebraucht, sondern 
mit der Uebername von Gütern betraut, Rumolt und Diudolf, letzterer von EUannod 
bestellt. 

Denselben Charakter der Unterstützung des Bischofs in gewissen, bei der Uebername 
von Liegenschaften vorkommenden Handlungen haben auch noch unter den folgenden 
Bischöfen die Advocati, welche nun immer häufiger beigezogen, und in vielen Fällen 
zweifellos aus den Edlen gewält werden, welche sich in den Dienst der Bischöfe begeben hatten. 

Wie aber allmälich die Kirche für ihre Besitzungen Vorrechte erhielt, endlich ihr 
die Immunität von den weltlichen Gerichten verliehen ward, erwuchs für sie nicht nur 
das Bedürfniss der Bestellung eigener Richter, Vögte, für ihre Untergebenen, sondern bei 
der Untermischung ihrer Besitzungen und Angehörigen mit den landesherrlichen und denen 
des Adels auch das Bedürfniss des Schutzes gegenüber den Gewaltigen im Reiche. Diess 
fcihrte einerseits zur Gewinnung der Mächtigen durch Verleihung von Kirchengütem gegeu 
geringe Reichnisse — zu einer Ausdehnung des Benefizialwesens, welche in der Dauer und 
unter den Wirren der Zeiten für die Kirche grosse Verluste zur Folge hatte — anderer- 



1) Reginpald als missus Taseilonis Dncis Meich. I pars instram. N. 98. 



16 

seits aber zur Berufung von Vögten für die Stifter, welche schon ausserhalb des kirchlichen 
Gebiets Macht und Ansehen genossen — zur Bestellung von Vögten aus der Zahl der 
Grafen, welche sodann als wirkliche Schirmvögte auftraten, jedoch als solche nicht ohne 
reiche Bestallung zu gewinnen waren und im Laufe der Zeiten ihre Rechte zur Schädigung 
der Edrche mannigfach auszudehnen wussten. 

Schon Kaiser Ludwig der Fromme sah sich veranlasst, durch ein Gesetz zu bestimmen, 
dass kein Graf oder Centgraf die Vogtei eines Stiftes oder Klosters innerhalb seines Gaues 
übememen dürfe ^) — ein Gesetz , dessen Wirksamkeit in dem Folgenden sich erkennen 
l&sst, welches jedoch, obwohl von Ludwig dem« Deutschen nochmal .eingeschärft, allmälig 
in Vergessenheit geriet. * 

Waitz hat in seiner Verfassungsgeschichte von der Mitte des IX bis zur Mitte des 
XIT Jahrhunderts einen Zeitpunkt für die endliche Gestaltung der Schirmvogteien nicht 
bestimmt. Er zeigt nur, wie unter den späteren Karolingern die Vorsteher der Stifter 
nach erlangter Immunität in der ebenbezeichneten Weise vorgingen, und inmier mehr 
Vögte aus den Grafen walten, welche leicht bewogen werden konnten, ihre Gerichte für 
die Angehörigen eines Stiftes an bestimmten Orten und zu bestimmten Tagen abzuhalten '). 

Für Freising gelten die gleichen Sätze. Nirgends finden sich Urkunden über Ver- 
leihung der Schirmvogtei durch Kaiser, Könige oder Herzoge. Wenn auch nicht, wie bei 
andern Bisthümem, dem Bischöfe die freie Wahl des Schirmvogts ausdrücklich bestätigt 
wurde, so ward sie doch auch niemals urkundlich beschränkt, und es bildete sich die 
Erblichkeit der von den Bischöfen gewälten Vögte im Verlaufe der Zeit in ähnlicher Weise 
aus, wie diess für die Gaugrafen und ihre Besitzungen ausser Zweifel ist^). 

Der Zeit nach mag die Anerkennung einer Erblichkeit so ziemlich mit dem Auftreten 
eines Advocatus principalis zusammenfallen, wie der Schirmvogt des ganzen Stiftes im 
Gegensatze zu den noch immer zulässigen Vertretern des Bischofs in gewissen Gegenden 
oder einzelnen Fällen zuerst nach der Mitte des X Jahrhunderts manchmal genannt wird. 

Indem wir auf diese allmälige Gestaltung und Umbildung der Advocati zu Schirm- 
vögten Bezug nehmen, fahren wir in der Aufzälung der in den Freisinger Urkunden 
genannten Anwälte nunmehr fort. 

Von Bischof Hitto (811—835) sind mehr als 300 Urkunden uns erhalten. Nur 
im neunten Theile derselben finden sich Advocati oder Missi genannt. Eilfinal tritt Reginpercht 
auf, für Allershausen , Kienberg, ölpersberg und Kollersdorf im Bezirksamte Freising, 
Geisenhausen und Tegembach im anstossenden Landgerichte Pfaffenhofen, Winharessteti und 
Ferc in ungewisser Lage; siebenmal Odolt für Ampermoching , Sulzrain, Pullhausen, 
Hebertshausen, Fiohtchiricha (Vierkirchen) und Bied bei Indersdorf, sämmtlich im L. Dachau, 
wobei zumeist Graf Liutpold als Gaugraf anwesend ist, dann für Ahaloh (Allach im L. 
München) und Weilbach, wobei der in Schrobenhausen sitzende Graf Rihho genannt wird. 

Nur zweimal erscheinen Adalker für Assling, Ast und Holzhausen am rechten Isar- 
Ufer, Liutprand für Lappach und Bittlbach im Isen-Gebiete, Spulit, der in Winimuntes- 



1) Cap. 19 der Capit. Aquisgran. v. J. 817. M. G. Leg. 1.218. Dummler's Gescb'chte des Ostfränk. 
Reiches I. 347. 

2) Waitz Verfassangs-Geschichte B. VII. 228 flg. 

8) Waitz 1 c S. 9 flg. die beiden ersten allgemeinen Bestätifrun^en der Besitzungen Freisings 
durch Kaiser Kourad II am 3. März 1029 und König Heinrich III zu Ende 1039 enthalten über 
die Vogtei nichts; es könnte nur der Schlass hieher bezogen werden, welcher dem Bischöfe freie 
Verfügung zusichert: absque ullius molestia. MB. XXIX a. 26. 55. In der Or. ürk. von 1029 
wechselt die kaiserliche Kanzlei zuerst mit Frigisingensis im Texte und actum Frisinge 
am Schlüsse. 



17 

husir, Wiedenzhausen an der Gränze des L. Brack, selber stiftet, für Alling und Lappach 
L. Brack; vereinzelnt Wichart für Bach, Langenbach L. Freising, Engilhart für ein Holz- 
haasen zu Eöhring am rechten Isar-Ufer, Haholf für Manunendorf L. Brück, Oadalschalk 
für eines der Fahhara, Samuhel für das unermittelte Hringolfingchova, Ermpercht für 
Tulling L. Ebersberg, Hroadpert für Eisalheringa, Eothgeisering L. Brück. 

Endlich ist Piligrim mit Beginpercht bezüglich des nicht sicher bestimmbaren Perc, 
und mit Odolt zur Untersuchung bezüglich von Gütern an der Glon beauftragt, in deren 
unterem Gebiete seine Familie ausgedehnten Besitz hat. 

Piligrim und Reginpercht haben wir als nahe Verwandte Bischof Hitto's und seines 
Nachfolgers Erchanpert in den Erörterungen über die Freisinger Urkunden aus der Zeit 
der Karolinger kennen gelernt^). 

Aus der Begierungszeit Bischof Erchanperts (835 — 854) sind 130 Urkunden er- 
halten ; nur im sechsten Theile werden , abgesehen von abgesendeten . Domgeistlichen, 
Advocati genannt. 

Der ebenerwähnte Piligrim erscheint als solcher sechsmal: für Pullhausen und Feld- 
geding, an der Glon und zu Inzemos, L. Dachau, zu Günzenhausen und Holzen Bez. Amt 
Freising, und bei der zweiten Uebername der Herrschaft Tandem mit Zubehörungen an 
der Glon; ebenso Eeginpercht dreimal: für Eisenhof en, über welches im fernen Schlehdorf 
verfügt wird, für Daglfing und Assling am rechten Isarufer und Urdorf, nun Audorf 
L. Bosenheim. 

Auch Odolt ist wieder Anwalt, doch nur zweimal: für Prittlbach L. Dachau und in 
ungenanntem Orte. 

Neu sind: Eerhart zweimal, an der Strogen und in Bittersdorf L. Vilsbiburg; je 
einmal: Cundpald, schon 835 nach Schlehdorf gesendet, Ovnharius*) für Fang, Audorf und 
Rauhling L. Rosenheim, Ovdalrich auch in der Gegend von Schlehdorf, Petto für Reichen- 
hall, Toto für Krumbach, L. Dorfen, Rihinc* für eines der Mosach, endlich Milo bei den 
Gütertauschen im Blergau, den der Bischof wohl als Abt von Kempten vornimmt. 

Während des Feldzugs, welcher mit dem Theilungs-Yertrage zwischen den Karo- 
lingern zu Verdun (843) endet, ist zu Dugny bei der Uebergabe der grossen Herrschaft 
Taudem an den Bischof Erchanpert Eparheri Anwalt, selbst begütert an der Ecknach, 
Landgerichts Aichach, und noch einmal thätig bei dem Gütertausche bei Assenhausen und 
Rettenbach L. Dachau. 

Dafür, dass die Gaugränzen bei dem Wechsel der Anwälte von Einfiuss, mag ange- 
führt werden, dass am 27. Jänner 837 zu Schlehdorf je nach Lage der Orte zwei ver- 
schiedene Anwälte in Thätigkeit treten*). 

Aus der Zeit Bischof Anno 's (855 — 875), unter welchem die Tauschhandlungen weit 
zahlreicher als die Schenkungen sind, wird in den erhaltenen 180 Urkunden sehr häufig 
der Genehmigung König Ludwig des Deutschen gedacht, doch nur im sechsten Theile der- 
selben tritt ein Anwalt auf. 

Vereinzeint sind Vertreter des Bischofs: Kerhart in Gronsdorf und Hiltiprant in Per- 
lach, beide unfern München am rechten Isarufer, Cotafrid in Prittlbach nächst Dachau, 
Hruodperht in der Mark Tandem, Kaganhart für Rorbach an der Um und Rudifing 



1) Abhandlungen der bist. Cl. der Bayr. A. d. W. Bd. XIII p. 32 flg. 

2) Alis der Domgeistlichkeit werden 842 Erzpriester Vnidarricb, 649 Probst Adaiger und gegen 
Ende der Regierung der Priester Undeo abgeordnet. Vergl. M. N. 588. 598. 601. 7. 10. 3. 5. 
25. 9. 86. 9. 41. 55. 9. 61. 72. 81. 700 und Karolingische ürk. (Abb. der A. d. W. bist. Cl. 
XIII. 9 flg.) N. 16. 19. 25. 38; endlich bei Dr. Roth Verz. der Preis, ürk. (1855) S. 53 N. 74. 

*) Das über stehenden y musste bei Mangel entsprechender Lettern nach gesetzt werden. 
Abh. d. III. Cl. d. k. Ak. d. Wiss. XIV. Bd. II. Abth. 3 



18 

L. Freising, Ercanbert für Leibeigene ; zweimal Bihheri für Zolling und eines der Dorfen, 
Tozzi für Greflfing und Pasing an der Wirm, Fiohtchircha , Vierkirchen an der Olon, 
Kartharius für Allei'sbausen an Letzterer und fQr Leibeigene, Liutbrand, begütert zu 
Zustorf L. Landshut, für Hündelbach und Wambach in der Isen-Gegend; in derselben 
Gegend und an den Quellen der Vils Arhart. 

Sechsmal endlich tritt Heimperht auf, wohl der zu Moching, Pellheim und RumeLs- 
hausen L. Dachau begüterte, für Nörting, Asenkofen und Langenbach L. Freising, und 
für Umbertshausen L. Abensberg, endlich 860 mit einem zweiten Anwalt Bupreht für 
eines der Berghofen (LL. ^Landshut, Ebersberg, an der Glon L. Dachau und Aichach)^). 

Unter Bischof Arnold (876—883), dessen Verhandlungen, in den 7 Jahren seiner 
Regierung 44, häufig der Genehmigung der Könige und Kaiser, Ludwigs, Karlmanns, 
Karls des Dicken, unterstellt sind, gewinnt die nahezu in der HMlfte derselben erkennbare 
Anwaltschaft grössere Stätigkeit. 

Nur einmal ist Petto für Trudering i^echts der Isar nächst München, einmal Manno 
für Leibeigene erwähnt ; sonst tritt ausschliesslich Heimpert auf, welchen wir für Pelheim, 
(Kreuz-) Holzhausen, Assenhausen, Bamelsbach L. Dachau, an der Ecknach L. Aichach, 
in Muninbach (Singenbach) L. Schrobänhausen, in Haindlfing, Erfenbrunn (Helfenbrunn) 
und Cella (wohl Preinwszell) L. Freising und Pfaffenhofen, zu Unering L. Stamberg, zu 
Germarschwang L. Brück, wie an der Isen zu Bittlbach und im Tausche mit Kloster 
Tegemsee, dann für Leibeigene in Thätigkeit finden. 

Bischof Waldo, Amold's Nachfolger (883 — 906), zugleich Abt von Kempten, ist 
aus der kaiserlichen Kanzlei hervorgegangen und vielfach in Reichsgeschäften verwendet. 
Ihm wird Belohnung in auswärtigem Besitze in Kärnten zu Theil, welchen er besucht. 
Auch ist das Benefizialwesen schon so ausgedehnt, dass er Tausche von Vasallen zu ge- 
nehmigen hat. Von 82 von ihm erhaltenen Urkunden führen 75 Anwälte, und zwar 
nicht weniger als 15 verschiedene auf; allerdings zu grossem Theile vereinzeint und leicht 
erklärlich da, wo es sich um entlegenen Besitz handelt. 

So erscheint Uadalhoh zu Weride, Mariawörth am See von Klagenfurt, Engilhard 
an der Stivinna, Stiefem, Nebenbach des Kamp in Niederösterreich, Rihhart für Machen- 
dorf L. Simbach am Lm, und etwa auch Wirondo für Stinzlbach L. Landshut, Ruadperht 
wiederholt für Kisalheringa , Kothgeisering L. Brück, Engilhard für denselben Ort und 
Kissing L. Friedberg, Fatto für Cisilingunt (? Zaissing L. Ebersberg, oder Zaisering L. 
Rosenheim), dann Reginheri für Strasslach L. WoUratshausen , Sorot für Matzbach und 
Eibach im Isen-Gebiete, Adalhart für Leibeigene. 

Wir treffen femer Erpharius für Mauern L. Moosburg und Berghofen- L. Lands- 
hut, Heimpert, wohl den frühem, belohnt mit Besitz zu Wolnzach im Ilm-Gebiet, für 
Pfettrach, Reichersdorf, Thulbach um Moosburg, Ahausen bei Landau, Giggenhausen 
bei Freising, Mahtuni für Riode, wohl Margarethenried , und Hamareshusen, Amperts- 
hausen in der Pfarrei Kirchdorf an der untern Amper, Rodhart für Holze, Rihholf für 
Massenhausen. 

Offenbar kann bei solcher Mischung und dem Vorkommen verschiedener Anwälte 
in der gleichen Gegend, ja am selben Orte, eine Theilung nach Gauen nicht mehr fest- 
gehalten, es muss willkührliche Bestimmung des Bischofs angenommen werden. 

Immerhin tritt aber nun ein Hauptanwalt schon mit Entschiedenheit hervor. Es 
ist Jacob, einer der damals so seltenen biblischen Namen, welcher in nahe an füa&ig 



1) M. N. 707. 8. 27. 8. 36. 61. 6. 8. 70. 1. 8L 8. 93; 801. 10. 9. 20. 37. 40. 2. Kar. U. N. 34. 
46. 56. 



19 

Urknnden des Bischofs Advocatus ist, und zwar im weiten Gebiete des Bisthuins, in n&cbster 
Umgebung, wie in entlegenen Orten, rechts und links der Isar, ja über das Bisthnm 
hinaus in den LL. Aichach, Schrobenhausen, Rain und Isar abwärts im L. Landshut. Der 
Name ist damals nur bei Grundbesitzungen zu Fidalesdorf, Figlsdorf, L. Moosburg und 
Incinmos L. Dachau genannt; um 930 aber wird Jacob als Vater Aribo*s von Dachau 
eingeführt, welcher seine Besitzungen um Dachau und PritÜbach gegen entlegenere um 
Sickershausen und Lauterbach L. Freising, um Figlsdorf und Winburg L. Moosburg er- 
gänzt, wie dann der gleiche Name noch unter den Bischöfen Lantbert und Abraham mit 
dem Streben nach Abrundung des Grundbesitzes um Dachau in Hebertshausen , Bachern 
und Giesing erscheint. ^) 

Weniger erkennbar sind die dessfallsigen Verhältnisse unter den nächstfolgenden 
Bischöfen. 

Von Bischof Uto (906), der schon im folgenden Jahre im Kampfe gegen die Ungarn 
fiel, sind keine, von Bischof Dracholf aus fränkischem Geschlechte (907— 926), zugleich 
Abt von Schwarzach, nur 9 Verhandlungen erhalten. Li 4, bezüglich der Abtei Moosburg 
und Gütern in Haag bei Moosburg, Eienberg und Eching bei Freising, tritt Kepolf, in 
zweien, Attenkirchen, Staudhausen, Meilendorf, Beichersdorf, L. Moosburg, dann Nieder- 
roth und Bumelshausen L. Dachau betreffend, Beginbert auf, Hartnid ffir Asenkofen und 
Kienberg bei Freising, für Leibeigene endlich Ovdalger und Erambert. 

Etwas mehr Einsicht in die nun immer fester werdende Gestaltung der Schirmvogtei 
gestatten uns die 40 aus der Zeit Bischof Wolf ram*s (927 — 938) Yorliegenden Urkunden. 
Sein Anwalt Batolt erhält einmal die Bezeichnung Defensor, und einige Male werden die 
Namen der Grafen genannt, in deren Gau die Orte liegen. 

Es treten aber noch zwei Hauptanwälte auf: Kepolf lOmal, Batolt oder Batolf 18 mal. 
Ueber ihr Wechselverhältniss werden wir nicht ganz aufgeklärt. Obwohl im Allgemeinen 
Letzterer mehr in den oberen, Ersterer mehr in den unteren Gegenden thätig ist, finden sich 
doch Orte, wie Behbach, L. Moosburg, wo beide wirksam werden, dann AUach, Strassbach, 
Bumelshausen, wo Kepolf mitten in Batolts Gebiet eingreift, vielleicht wegen dessen 
eigener Betheiligung bei dem betreffenden Grundbesitze. 

Ausser ihnen tritt einmal Atto als Anwalt bei einem Tausche mit Stift Schliersee 
auf, Adalhard zweimal jenseits der Isar wegen Strasslach, Perlach, Poigenberg, Matzbach, 
Langenpreising , Erchanpert und Adalhoh jö einmal für Leibeigene, Jacob endlich als 
Kepolf selbst Leibeigene vertauscht. 

Dass die Gaugränzen die Thätigkeit nicht beschränken, zeigt der Vorgang Kepolfs, 
der gleichzeitig links der Isar in der Grafschaft Wettini's in Langenbach tmd Aiiischwand, 
und rechts der Isar in der Grafschaft Kamanolfs inGoldam, Zweikirchen und Bammelkam 
thätig ist. Wie auch in fernen Gebieten die heimischen Anwälte mitwirken, zeigt Batolt, 
der auch für Innichen in Tirol auftritt. 

Batolt und Kepolf gehören wohl mit Jacob derselben Familie an. Als ihr Stell- 
vertreter in Behinderungsfillen erscheint Beginpert. Dieser ist fünfinal Anwalt; einmal 
als Batolt selbst tauscht; wir erkennen dabei einen Theil seines Grundbesitzes. Batolt 
ist bei den Orten Puchschlagen , Pellheim, Arzbach, Hohen-Straza , wohl jetzt Kappelhof 
bei Oberrothy alle mitten im L. Dachau, betheiligt; — dann als Jacob seine Besitzungen 
um Dachau in dem schon erwähnten Tausche ergänzt ; sowie als der Erzpriester Engil- 
schalk in der gleichen Gegend, Pullhausen und Prittlbach, tauscht; in beiden Fällen ist 
Batolt als Bürge mitwirkend; endlich noch bei Tauschen in Humel und Dorfacker L. 



1) Vgl. M. N. 1014, 1087. ürk. im Oberbajr. Archiv XXXIY. N. 15. 45. 



20 

Freising. in Viecht diesseits und Lern jenseits der Isar, wo Jacob, dann Jacob und Kepolf 
die ersten Zeugen sind ^). 

Uns scheint eine Familienverbindung zwischen Kepolf, Ratolt, Jacob und Beginpert 
ausser Zweifel. Eine nähere urkundliche Darlegung gelang jedoch nicht. Auf Hypothesen 
gehen wir dermal nicht ein und bemerken nur, dass keinem dieser Namen in diesen Ur- 
kunden die Grafenwürde beigelegt wird. 

Mit Bischof Lantbert (938 — 957) sind wir zu der Zeit gelangt, in welcher das 
einheimische Fürstenhaus aus der Herrschaft über Bayern verdrängt wird. Herzog Arnulfs 
Sohn Eberhard wird noch im Jahre 938 verbannt; nach Arnulfs Bruders, Herzog Berchtolds, 
Tode setzt 948 König Otto I Bayern einen Herzog aus seiner eigenen Familie; endlich 
954 fällt Arnulfs Sohn, Pfalzgraf Arnulf, vor Begensburg und es wird auch die Pfalz- 
grafenwürde dem Hause der Liutpoldinger entzogen. 

In der Schirmvogtei des Bisthums Freising wird eine Veränderung hiebei in keiner 
Weise bemerkbar. Nahezu in allen 65 aus Bischof Lantberts Zeiten erhaltenen Urkunden, 
in welchen sehr häufig der Erzpriester Adallioz die Feder führt, wird der Schirmvogt ge- 
nannt. Es ist diess durch ganz Bayern und Tirol der frühere Ratolt, wieder einmal 
Defensor geheissen. Neben ihm ist als Gaugraf an der Glon, von Wagenhofen bis Bachen- 
hausen und dann Lauterbach im L. Freising, Aribo, an der untern Isar links Eparhart, 
rechts um Erding Graf Adalpert genannt, wohl derselbe Graf Adalpero, welcher die Um- 
gebung seiner Burg Hohinburg bei Tölz von Freising erwirbt, und Reisen bei Erding 
dafür abgibt, wobei auch ein Graf Eparhart erscheint. ^) In der schliessenden , erst ia 
Anwesenheit Bischof Abrahams vollendeten Urkunde heisst Ratolt dann Archiadvocatus. 

Nur in einzelnen Urkunden erscheinen auch unter Bischof Lantbert aus nicht zu 
ermittelnden Gründen andere Anwälte: Anno für Tandem und Weichs an der Glon, wo 
sonst auch Ratolt des Amtes waltet, Sigimot für Husen und Eigileswanc, Hausen und 
Eulenschwang rechts der Isar L. München und Wolfratshausen, Kotascalch für Germaring 
und Buchheim L. Brück, Papo für Holzhusen und Wisa, mehrfach vorkommende Orts- 
namen. ') 



1) Vgl. M. N. 1007. acceperat. T. Jacob, Arnolt, Kotascalh, Atto, Melo, Note, Diotram, Engil- 
perht, Engilbart, Femhart, Ratkoz, Kepolf, Uelmperht, Rihheri, Adalperht, Sahpo, Meginhart, 
Maganhart, Ato, Wolfolt et alii malti. N. 1014. CoDsaltnm et instam videtar, ut qaicqnid ec- 
clesiasticis vel secalaribns negotiis agitar, ordine liierarum et stabilitate nobilinm testinm ita 
ligatnr et firmetar, ne in posterum ab nllo possit dissolvi vel mntari. Qaapropter noverint 
omnes seccriaB fideles, qualiter Wolframas Fr. eccl. eps pastor et qnidam nobilis vir eiasdem 
SBCcrise vassns n. Jacob... T. Kepolf, Aripo, Ratolt, Wolftregil, Stevan, Kotescalcb, Engil- 
hart, Eepahart, Wolamant, Isangrim, Isso, Petto, Jacob, Adalwich, Kaganhart, Melo, Maj?an- 
hart, Ellanwicb, Iramfried, Mahtani, Kepabart, Wolvold, Sigiprant, Bamolt, Wiebart, Ratkoz, 
Fridahart, Mnotberi, Raotperht, Alpolt. N. 1019. 1020... Tradidit itaqae prefatus nobilis Arcbi- 
presbiter Engilscalc nnacam . . et bains commutationis fideiussor erat Ratolt. T. per anres 
tracti: Fritilo, Wolftregil, Ratolt, Sindolt, Wetti. Cbaniperbt, Hiltrih et alia malta (!) 
N. 1023 : T. Kepolf, Jacob, Kepabart, Kotescalb, Arbo, Isangrim, ügo, Isso, Jacob, Adalwic, 
Maganhart, Kotidio, Wolfolt, Muotberi, Rnodpert, Wiebart, Ellanwic, Alpolt, Engilhart, Hadarib, 
Ramolt, Mabtnni, Engilperbt, Wolamant. Fidejussor de parte eccrie Purcbart. Cod. comm. f. 
114. 174 7. 256. 255 v. 257 v. 

2) M. N. 1080.. snb dace Perahtoldo. 1033.. Actam Frigisingam. 1076. Ist es derselbe Eber- 
hard, der rechts und links der Isar auftritt? oder kömmt der Name um 950 im Moosborg^schen, 
wie im Sempt'scben Hanse vor? 

3) Die vielen Zeugen der Urkunden auch für diese Zeit zu erganzen, fehlt der Raum. Doch sei 
gestattet, den Scblnss der ürk. N. 1040.Meichelbecks als charakteristisch f&r die vielfachen Ver- 
richtungen der Schirmvögte hier nach Cod. comm. f. 122 zu geben: Testes per aures tracti: 
Reginperbt, Aripo, Papo, Isanbart, Helmperbt, Heidfolcb, Sigimuot, Empricho, Kozperht, Ovdal- 
ger, Kepabart, Eralaperht, Lantperbt, Helmger. Fideiussor Ratolt advocatus, qui prefatas res 



21 

Diess yereinzelnte Auftreten anderer Anwälte dauert auch unter Bischof Abraham 
(957 — 994) fort ; es erscheinen Hartnid an der Sempt, Erchanger für Daglfing und Deining 
rechts der Isar unfern München *), Ovdalrih (wenn nicht für Ovdalschalk verschrieben) für 
Humel und Weissling L. Freising, und ein unsicheres Bergham, Sigibart für Leibeigene, 
Aripo für die Fratres (Canonici), dann bei nächster Betheiligung des Stiftes Moosburg 
Rovtpert, und in Tirol Diotricus *). 

In den durch die Veröflfentlichungen im oberbayrischen Archive von 24 auf 161 
vermehrten Urkunden aus der Zeit Abraham*s wird aber nur noch ein einziges Mal Ratolt 
genannt. Als Advocatus principalis ward von ihm alsbald Papo gewält. Mehr als 80 mal 
tritt er in den Urkunden, selbst in entlegenen Gebieten, auf, sein Sohn Ovdalschalch aber 
gleichfalls 40 mal. Dass Ovdalschalch Papo's Sohn, darf aus einem Tausche von Gütern 
und Leibeigenen in Cotingun, Gauting L. Stamberg, mit Yerlässigkeit geschlossen werden, 
wobei Odalschalch sich und seinem Vater Papo den Nutzgenuss vorbehält'). 

Die Abkunft Papo's von den Liutpoldingern, auf welche Huschberg in seiner ältesten 
Geschichte des Hauses Scheyern Witteisbach baut, indem er Papo und Ovdalschalch in 
den Witteisbacher Stammbaum aufnimmt, vermochten wir urkundlich nicht zu erweisen; 
vielmehr sind dessfalls auftauchende Bedenken zu erörtern*). 

Mit Bischof Lantbert tauscht ein Papo Güter, dessen Vater Piligrim heisst. *) Die 
Zusammenstellung der dabei genannten Güter ist auffallend. Omeras, das Schloss Ambras 
bei Innsbruck, und wieder Piperpah und Waltkereshova, Biberbach und Walkertshofen im 
L. Dachau, jenes um 1080 im Besitze des Grafen Otto 11 von Andechs-Diessen ^), diese 
in der Gegend, wo der voiige Schirmvogt Ratolt reich begütert erscheint. Es dürfte 
nicht in Abrede zu stellen sein, dass die Vermuthung nahe liegt, in Piligrim sei das 
Verbindungsglied mit den früheren Schirmvögten gefunden; sie alle seien dem Hause der 
Huosier zuzuweisen, so die längstgeahnte Abkunft des Hauses der Grafen von Andechs- 
Diessen von jenem bevorzugten Geschlechte der Baiowarier begründet. 

Bei dem unzweifelhaften Forterben der Namen in den Geschlechtem kann noch eine 
weitere Urkunde für die nahe Verwandtschaft zwischen Ratolt und Papo gedeutet werden. 
Als der edle Diacon Ratolt 6 Leibeigene gegen 19 dem Bischöfe Lantbert überlässt, be- 
hält er die Nutzniessung sämmtlicher 25 nicht nur sich, sondern auch seinem Vater auf 



investitara eidem nobili viro (Eepahart) presentavit. Isti sunt testes: Erchanolt, Isanhart, 
Lantfrid, Staracholf, Knndperht, Adalram, bigipero, üadalrich, Eparheri, Liatpold, Heidanrich, 
Salmon, Walfrid, Wartman, Heripold, Dietrih. Fideinssores in paite ^ccrie : Kepahart, Ovdal- 
ger, qui prescriptnm locnm Ratolto advocato epi presentavernnt. Isti sunt testes: Engildio, 
Papo, Isanbart, Erchanolf, Ovdalger, Managolt, Isangrim, Eozperht, Eundperht, Reginperht, 
Piligrim, Sigipolt, Lantperbt, Lantfrid, Iranfrid, Raodolf, Engilfrid, Irmanheri. Zweitmals f. 
133 Y. werden nnr die 6 ersten Zeugen gegeben. 

1) Sein Auftreten bangt' wobl mit verwandtscbaftlicben Beziebnngen zasaicmen. Als der Edle 
Adalbart und dessen Gattin Ellanburg Güter zu Daglfing und Tradering mit dem Bischöfe tau- 
schen, ist Ercbanger deren Beistand. Oberbajr.' Arch. 1. c. N. 79. 

2) 0. A. N. 13. 47. 53. 94. 96. 102 (121). 143. 144. 

3) 0. A. N. 35 u. 142. S. 270. 299. 

4) Schon Eocb-Stemfeld bat sich in den Bayer. Annalen, 1835 S. 392, gegen die Einreihung Babo's 
in den Stammbaum der Scbiren ausgesprochen, und diese Ansicht in der « Altgefeierten Dynastie 
des Babo von Abensberg, München 1857 S. 52, festgehalten, wo er freilich, was immer Babo 
heisst, mit Abensberg verquickt. Aucb Giesebrecbt erklärt Hnscbbergs Annahme in III Ezcurse 
zu den Jabrbücbcm des deutseben Reiches (1840) I. 120 für eine Hypothese, für welche jeder 
Beweis fehlt. 

5) M. N. 1039. Zeugen: Enndpold, Engildieo, Isanhart, Adalfrid, Anno, Engilperht, Cotascalh, 
Sigimuot, Cuudheri, Sigibart, Helmnh, Reginheri et alii. Cod. com. f. 122. 

6) M. I. 289. S. bei Freiherr yon Oefele Griten von Andechs, die Stammtafel. 



2^ 

Lebensdauer vor. Papo ist des jungen Clerikers Anwalt, sehr wohl mag der mitwirkende 
Schirmvogt Eatolt, wie in der bereits angezogenen Urkunde Nr. 35 im Oberb. Archive, 
der erwähnte, aber nicht genannte Vater sein ^). 

Immerhin muss aber zugegeben werden, dass der Name Papo, Babo, zu den häufig 
vorkommenden gehört, sowie, dass der Uebergang von Gütei-n aus einer Familie in eine 
andere durch Erbschaft oder Ausstattung von Töchtern vielfach nachweisbar ist. 

Wird aber auch die Abstanunung des Schirm vogts Papo von Piligrim anerkannt, 
so vermag doch der Name üdalschalk auch fOlr den Scheyem-Wittelsbach*schen Stamm- 
baum in Anspruch genommen zu werden. Es drängt sich nämlich die Anschauung auf, 
dass zwei verschiedene Schirmvögte des Namens üdalschalk, wohl in Zwischenräumen, sich 
gefolgt sein dürften. 

Bei« dem Mangel der Zeitangabe in nahezu allen erhaltenen Urkunden jener Zeit 
kann nämlich zur Theilung der 37 Jahre der Regierung Bischof Abraham's zwischen den 
Schirmvögten Papo und Üdalschalk ein Zeitmaass nur in den Zahlen des Auftretens der- 
selben gefunden werden. Geschieht diess aber, so erscheint der Name üdalschalk in der 
Schirmvogtei von 980 — 1040, sohin während eines Zeitraumes von sechzig Jahren. 

unter dem Nachfolger Bischof Abraham's, Got t s ch alk (994—1005), dessen Yertrags- 
urkunden die Zahl 50 nicht überschreiten, findet sich nur noch zehnmal der Schirmvogt 
üdalschalk. In zwei Urkunden, die Gegend um Endlhausen rechts der Isar, dann am 
Wirmsee betreffend, Erchanker, für Krems und ülmerfeld in Niederösterreich Anzo, für 
die Brüder Canoniker Sigipold. üeberwiegend aber, mehr denn 30 mal, tritt der Schirm- 
vogt Helmperht auf. 

Dieser Helmperht waltet auch unter dem folgenden Bischöfe Egilbert (1005 — 
1039), aus dessen Regierungszeit 100 Urkunden erhalten sind, noch 20 mal seines Amtes. 
Yereinzelnt treten neben ihm Otacher in der Gegend von Beding in der Oberpfalz, Otpert 
bei Dorfen an Isen und Schwindach , Alprih in Kärnten *) , Sigihart als Vertreter der 
Canoniker auf. Als Schirmvogt des Domcapitels scheint überdiess ein Gerolt eine ge- 
sonderte Stellung unter beiden Bischöfen einzunehmen. 

Bemerkenswerth tritt aber in sieben der Urkunden aus Egilberts Zeit als Stiftsvogt 
Graf Aripo auf, einmal iselbst mit der Bezeichnung Defensor. Sie betreffen sämmtlich die 
oberste lim- und die untere Glon- und Ampergegend , die Umgegend von Hilkertshausen, 
dann üeutenhausen, Mosach, Flitzing und Thann in der Pfarrei Zolling, Güntersdorf und 
Berghausen, dann Nörting. Bei letzterem Tausche ist Helmperht Anwalt des andern Theiles, 
und Aripo der der Canoniker. Bei anderen in der nächsten Umgebung Indersdorfs, Pasen- 
bach rechts und Wildmoos links der Glon betreffend , sind handelnd die Edle ,Heiza und 
ihre Söhne Guntpolt , Hartwig , Meginhart ') — Namen , welche theils gegen Ende des 
Jahrhunderts auf dem Bischofsstuhle Freisings, theils etwas später in der hier dann be- 
güterten Familie der Grafen von Grögling erscheinen. 



1) M. N. 1084. Cod. com. f. ]45v. wo aach die Namen der Leibeigenen sich finden; Zeugen: Aripo, 
Papo, Sigimot, Wolamunt, Pero, Wetti, Wolvolt, Lintprant, Kerhoh, Atto. 

2) M. N. 1209. Zahn Fontes rer. austr. XXXL 57. Wohl derselbe Alprich, der in Wang n. Freins- 
bach L. Moosburg Güter tauscht? M. N. 1206. Die N. 1184 findet sich in Co. zweimal; f. 265 
wie gedruckt, mit Alprich als Advocatus und Ovdalscalch comes als ersten Zeugen, u. f. 270 mit 
Graf Üdalschalk als Stiftsvogt und Guntpolt comes als ersten Zeugen; weiter Etih, Altman, 
Engilwan, Herirant, Gerolt, Heriolt, Wolfheri, Hazo, Wichart, Wolfpolt, Adalhoh; zweitmals 
femer: Hartwicb, Beginhalm, Epararo, Chuonrat. 

8) M. N. 1169. Zeugen zu erganzen: Adalperht, Perahtolt, Ovdalrib, Hartwic, Meginhart, Durin- 
chart. N. 1204. Ueberscärift : cum matre eins Heizun, liberg femine. Z. weiter: Adalperht, 
Perahtolt, Ovdalrich, Hartwic, Meginhart, Durinchart. De familia: Dietperht, Pero, Hundt. 



23 

Theils als mitwirkend^ theils als Zeuge erscheint hiebei zunächst Graf üdalschalk, 
unzweifelhaft derselbe, welcher, soweit die meist undatirten Urkunden erkennen lassen, 
in den späteren Jahren Egilberts als Stift svogt eintritt, mehrmals Graf , in einer Kaiser- 
Urkunde Yom J. 1031 aber nominatissimus adyocatus Ovdalschalcus comes genannt wird, 
und auch nach Egilberts Tode noch bei dem Vollzüge seiner Stiftungen betheiligt ist '). 

Recht wohl lässt sich hienach die Annahme begründen, dass zwei verschiedene 
üdalschalke die Schirmvogtei bekleideten, und zwischen ihnen ein Helmpert und ein Aribo, 
letzterer nur kurze Zeit und vielleicht aus besonderem Anlasse, auftraten. Helmpert wird 
bekanntlich zufolge der Untersuchungen des Frejherm von Frejberg und des Professors 
Moritz zum Traditionsbuche des Stifts S. Castuli zu Moosburg fUr das Grafengeschlecht 
in Anspruch genommen, welches später zu Moosburg seinen Sitz hatte. *) 

Der ältere üdalschalk ist im Einklänge mit den vorausgegangenen Erörterungen 
über seine Herkunft im Landgerichte Dachau begütert, insofeme er es ist, welcher mit 
Bischof Abraham ohne Einmischung eines andern Schirmvogts zu Sulzemos und dem an- 
grenzenden Winimunteshusir, Widenzhausen Güter tauscht. Er ist Schirmvogt, als derselbe 
Bischof von dem Grafen OvdaWhalk und Ovgo Güter, welche der Kaiser ihnen geschenkt 
hat, zu Chuningeswisen, Königswiesen, nun dem Staatsforste zwischen Gauting und Stamberg 
am linken Wirmufer einverleibt, eintauscht und diesen Grafen andere ad Glana, zu Glon 
L. Dachau, überlässt '). 

Der spätere Graf üdalschalk, Gaugraf schon unter Bischof Gottschalk und die 
Schirmvogtei etwa um 1020 — 1025 antretend, ward von Huschberg, wie uns scheint, 
mit gutem Grunde in das Geschlecht der Schejem-Wittelsbacher eingereiht, nachdem er 
den Nachweis liefert, dass sein Gau vom Leche bei Aindling über Paar und lim bis an 
die Glon bei Kollbach, bis zu den Gränzen des L. Freising und an die Amper reichte^). 



N. 1206. Z. 5 Teitinhnsa. Z. weiter: Dietrich, Ovgo, Eppo, Hoholt. De familia: Rihheri, Begin- 
halm, Gerolt, Adalhart, Aripo, 3 Pezili, Asmar et alii. N. 1208. Z. Dietperht, Hanolt, Pezili, 
Gisalperht, Fridolt, Guntheri, Wolvolt, Adalmnnt, Eramperht. 0. c. f. 288 v. 290. 291. Ob. 
Arch. 1. c. N. 174. 177. 179. Vgl. auch M. N. 1197; der nobüis vir der Ueberschrift, Mües 
Hartwjcua, Gemal oder Sohn Heiza's? N. 1207 Aripo's Gattin Guntpirg. Vgl. Abschn. IV. N. 1. 

1) M. N. 1198a, wo Z. 3 zu lesen: Dietpirgerint habnit, Z. 10 zn erfsr&nzen: Sinzo, Gerliart, Pezili, 
Mahtnni, Wolfkoz, Waltheri. Dann N. 1198b. nun auch MB. XXXI. 311. MB. IX. 251. 252. 

2) Abb. der B. A. d. W. bist. Gl. B. II (1840) 3. S. 20. Seine Gattin Perabswint, wohl einer 
der Namen der ürk. N. 1. Abth. IV, tauscht Güter zu Herisvindobusa n. Sindoshnsa, Hirseben- 
bansen L. Scbrobenbansen gegen SiUizbansen L. Moosbnrg. M. N. 1188, wo Z. 6 von onten 
statt Kerbob Dietboh zu lesen a. S. 480 die Zeugen zu erganzen sind: Papo, PiÜunc. Dietmar, 

Visunc, Lipolf, Dietrih, Piligrim, Gramanolf, Alprib, Anno, 2 Pezili, Cbadalbob, Altuom, Diet- . 

pato, Enj^ilwan, Helmperht, Bihheri. Auch die Namen der 22 und 66 Leibeigenen sind Cod. 1 

com. f. 217 V. zu finden. 

3) Ob. Arcb. 1. c. N. 80. 81. 88. 100. Beacbtenswerth möchte sein, dass an Widenzhausen jenes 
Ebertsbausen gränzt, auf dessen Besitzer Graf Otto wir gleicb zu sprechen kommen, und Eönigs- 
wiesen an der Wfiirm gegenüber jenes Karlsberg ligt, in welchem um 1170 die 3 Wittelsbacber 
Pfahgrafen Pfingsten feiern. MB. VIII. 434; vgl. 432. 

4) Die Nachweise Uegen zumeist scbon gedruckt vor. Die Urkunden bei Huscbberg S. 201 finden 
sich: Note 8: Meicb. N. 1139 Z. weiter : Gotapolt, Pezili, Aripo, Gerolt, 2Diotrib, Batpot, Wezil, 
Wolvolt. De familia: Biberi, Dietperht, Diotboh, Pero, Antbugi, Hartperbt, Eparberi, Orendil, 
Beginperbt, Pezili, Heririh, Engilperbt, Alprat. G. c f. 220; Not. 9: M. I. 229 und 
MB. XXXI. a. 312; Not. 10: MB. XXII. 167; Not 11: M. N. 1164 Z. 1 lies Gerbartinga; 
Z. 5 erganze : Dietrih, Lanzo, Pero, Wolfberi, Etzo, Aripo, Hoholt. C. c. f. 269 v. Cbonr. sacr. 
f. 107 V.; S. 202 Not. 12: M. N. 1172 Z. 1 Ovdalscalcb, Z. 3 misit. Vgl. weiter: M. N. 1169 
u. 1205 (in Note 3. v. S.); dann N. 1123. Z. weiter: Aripo, Blheri, Eerolt, Dietperht, Begin- 
ba(l)m, Eparheri, Mahtuoi, Engilfrit, Adalbart, Hadarih, Peranhart, Otlant, Kotafrit, Auvalgoz, 
Bibker. C. c. 214 v. — und so als erster Zeuge oft N. 1141. 3. 8 ; 1162. 3. 6. 70. 84 add. (vgl. N. 



24 

Wir verlassen nun vorerst die Frage der Abstammung und fahren in der Aufzälung 
der verschiedenen auftretenden Schirmvögte fort. 

Unter Bischof Nitker (1039—1053), aus dessen Zeit nur 18 Vertrags-Ürkunden 
vorliegen, ist Haupt-Schirmvogt, Advocatus principalis, oder wie er auch genannt wird, 
Archiadvocatus, Graf Otto, unzweifelhaft aus dem Hause Scheyern-Wittelsbach. 

Doch tritt neben ihm siebenmal ein Sigihard auf, wohl derselbe, welcher in Cochin- 
heim und Filisa, Koechelham und Frauenvils, L. Dorfen, mit dem Bisthume unter dem 
Haupt-Schirmvogte Otto Güter tauscht. Er waltet des Amtes zunächst oder ausschliesslich 
am rechten Isarufer, bemerkenswerth insbesondere in jener Urkunde, worin sich Bischof 
Nitker mit Bischof Eberhard von Augsburg, gestorben am 26. Mai 1047, über den 
Besitz um Geisenhausen L. Landshut auseinandersetzt, welchen Augsburg um 980 von 
dem Nachfolger des hl. Ulrich, Bischof Heinrich empfangen hatte, dem Sohne Burkhards 
von Geisenhausen und des Schiren Pfalzgraf Arnulfs Tochter Adelheit. ^) Nitker erhält 
zur Entschädigung 6 Hüben in Wolfpach, Alblinchova, Guntwihehus und Termareskiricha 
— Wolfsbach, AUkofen, Gundihausen L. Landshut, Diemanskirchen L. Vilsbiburg. Augs- 
burg's erster Zeuge ist Graf Piligrim, Freising's erster Graf Otto, unzweifelhaft der 
Schirmvogt, der Schire ^). Femer ist Sigihard Vertreter des Bisthums in Betreff der Orte 
Pericheim, Fateresdorf, Litpah, Perandorf, Echinga — Bergham, Vatersdorf, Gleissenbach, 
Berndorf, Eching, L. Landshut — Strupinga , Ober- und Niederstraubing L. Dorfen; dann 
als dem noch nicht wieder zur Selbstständigkeit gelangten Kloster des hl. Dionys zu 
Scheftlam Brücken und Hafen zu Pouloch , zwiscnen Geiselbullach und Bullach oberhalb 
München, gewidmet wird; endlich zu Freising selbst, wo vielleicht Felder am rechten Isar- 
ufer in Frage kommen. Doch sind bei den Gegengaben auch Orte des linken Isarufers 
betheiligt, Alpersdorf L. Moosburg, Ohonratchus, wohl das in München früh aufgegangene 
Konradshofen ^). 

Vereinzeint ist ein Jacob Schirmvogt, als Bischof Nitker selbst für sein Seelenheil 
ein Gut zu Ruminisperch, Rumeisberg L. Tölz, gibt*). 

Unter den Bischöfen Ellenhard (1053— 1078), Meginw art (1078— 1098) und 
Heinrich 1(1098 — 1137) sind nur noch Grafen aus dem Hause Scheyem Schirmvögte, 
und es liegt in unserer Aufgabe, die Zeit des Auftretens der einzelnen Vögte näher zu er- 
örtern , vorerst aber einen Rückblick auf die Herkunft und den Eintritt des erhabenen 
Geschlechts in die Schirm vogtei zu werfen. 



V. S. 22). 1202. Bezeichnend heisst das Enilingan der Ürk. von 1033 schon in der Abschrift Cod. 
Fris. 191 im B. A. f. 108 : de carte Ainlingen. 

^ 1) Vgl. M. G. h. SS. lY. 417. Nagel Notitiae de origine Domus baTaricae in den Abh. der Bayr. Ak. 

in 8vo (1804) II. 270. Hnschberg 1. c. 176. Eanke's Jahrbücher unter Otto II (W. Giesebrecht) 
II. 1. 130. 

2) M N. 1220. Nach Cod. com. f. 238 v. ist bei den Zeugen zu bessern in vorl. Z. Jaeco . . . Alt- 
man conies, zuzufügen 1. Z. : Wolf hart, Aribo, Wiso, Walthcri, Ebarhart. Ist Otto von Wartenberg 
hier als Gangraf mitwirkend ? Dadurch oder durch Verwandtschaft Schirmvogt zu sein behindert ? 

3) M. N. 1223—29 0. A. 1. c. N. 184. MB. VIII. 381. N. 33. Vgl Krenner in den Abh. d. 
Ak. II (1813) 103. Nach Cod. Scheftlar. p. 30 sind die Zeugen zu ergänzen: De familia Eberaro, 
Walthere, Mahtuno, Waltman, Wolvolt, Luthere. 

4) M. 1. 245. M. B. IX. 363. Nach Cod. Weih. f. 6 v. ist bei den Zeugen zu bessern : Witigouo» 
Nortpreht . . Wolfbart, beizusetzen nur : Adalpreht. 



25 

§ 2. 
Grafen von Scheyern, SchirmvSgte des Bisthums Frelsing gegen Mitte 

des XI Jahrhunderts. 

Oleichzeitig mit unseren Beiträgen zur Bichtigstellong des Stammbaumes des Hauses 
Schejem- Witteisbach nach Forschungen in den Cartularien und Urkunden bayerischer 
Klöster, insbesondere Schejems , erschienen des zu frtth verlebten Siegfried Hirsch Jahr- 
bücher des deutschen Reiches unter Heinrich 11, in welchem er eine Beilage dem Hause 
Scheyern widmet ^). 

Mit Huschberg erkennt er die Abstammung des erlauchten Fürstenhauses von den 
Herzogen der Bayern Liutpold und Arnulf (900 — 937) an, wie sie in den Aufzeichnungen 
der Geschichtschreiber des XII und XJJl Jahrhunderts beglaubigt ist. 

Der urkundliche Nachweis ist aber noch nicht erschöpfend geführt. Auch unsere 
fortgesetzten Forschungen in dem reichen handschriftlichen Materiale des Bisthums Freising 
haben uns die Gliederung des Geschlechtes in den ersten Stufen, den Zusammenhang , noch 
nicht genügend erkennen lassen. Vielmehr sind wir genöthigt, die Bedenken für gegründet 
zu erklären, welche gegen die Art und Weise erhoben worden sind, wie der verdiente 
Archivar Huschberg Pfalzgraf Arnulfs Sohn Berchtold ') in der zweiten Hälfte des X 
Jahrhunderts in Bayern wieder auftreten, ja zur Gaugrafenwürde gelangen lässt. 

Die hiefür beigebrachten Belege sind nicht zutreffend. Huschberg stützt sich auf 
zwei Freisinger Urkunden, welche theils im Oberbayrischen Archive, theils hier ver- 
öffentlicht sind. 

In der ersteren, allerdings in die zweite Hälfte des X Jahrhunderts fallenden Ur- 
kunde ') tauscht der edle Mann Perahtolt , ein damals sehr häufiger Name , mit Bischof 
Abraham und dessen Schirmvogt Papo Güter zu Phafinhova gegen solche zu Hufhusa. 
Huschberg hält Papo, dessen Einreihung in das Scheyern- Wittelsbach'sche Haus an sich 
beanstandet ist, und Perahtolt für Brüder. Aber die Urkunde gibt eine Andeutung dess- 
falls nicht, und die Beziehung der vertauschten Orte auf Scheyer'schen Besitz ist äusserst 
zweifelhaft, wenn erwogen wird, dass die von Huschberg genannte Stadt Pfaffenhofen an 
der Um, zwar bis in das XIV Jahrhundert als Scheyern- Wittelsbach'sches Stammgut er- 
achtet werden darf, da Ludwig der Bayer noch als König den Eirchensatz daselbst dem 
Kloster Scheyern schenkt^), stets aber, soviel bekannt, zum Bisthum Augsburg gehörte, 
in dessen Sprengel Bischof Abraham kaum Güter eintauschte. Es sind überhaupt der 
Pfaffenhofen und Aufhausen so viele, dass eine sichere Bestimmung der betreffenden Orte 
kaum möglich wird % So bleibt die Beziehung der Urkunde auf das Geschlecht der 
Luitpoldinger eine an Unwahrscheinlichkeit leidende Hypothese. 

Die andere Urkunde, im Abschn. IV Nr. 58 > gehört einer späteren Zeit an. Sie 
findet sich zweimal, auf einem Beiblättchen des Cod. commutationum und im Liber Cen- 



1) 18^2. I 422 f. Gleich ihm hat auch der Herausgeber Dr. Usioger den Vorwurf der Unverlas- 
sigkeit gegen Chonrads von Scheyern Chronik in anrerdientem Maasse festgehalten. Vgl. Abb. 
der bist. Cl. IX p. 248. 

2) Dieser Name, nicht Werner, wird auch von Doenniges in den Jahrbfichern des deatsclien Reiches 
von Hanke (1889) I. 8. 186, sowie von Köpke-D&mmler in den Jabrbttchem Otto's I (1876) 268 
als der richtige erachtet. 

8) Oberbayr. Aroh. XXXIV. 269. N. 31. 

4) Am 25. Febr. 1818. MB. X 489. 

5) Da Pfi^enhofen an der Glon sehr fr&h an das Stift S. Ulrich nnd Afra gedieh, treten zunächst 
die beiden Pfarrdörfer Ober^ nnd Ünter-Pfaffenhofen am Parsberge L. Brack im Diessen-Andechs- 

Abh. d. m. Cl. d. k. Ak. d. Wiss. XIV. Bd. II. Abth. 4 



26 

sualimn, hier offenbar in Beziehung mit der unter Nr. 58 folgenden Urkunde , welche 
gleichfalls yon einem Ministerialen des Grafen Berchtold herrührt. 

Beide Urkunden fallen in die Zeit um 1120, zwischen 1110 und 1130* Zu dieser 
Einreihung berechtigen die Zeugen der zweiten, die Brüder-Paare Conrad und Fritilo, 
Beginmar und Ortolf , welche Namen in dieser Zeit dem zahlreichen Ministerialgeschlechte 
der Heidolfinger angehören , vom Pfarrdorfe Haindlfing nächst Freising und den Orten 
Dürren (Ober-) und Unterhaindlfing L. Moosburg; dann Altman und Gumpreht von Bisen, 
Beisen L. Erding. Auch die Edlen der zunächst im Liber Censualium folgenden Urkunde, 
die Gebrüder Gotebold und Herrant von Leren, einem der Lern in der Gemeinde Berglem 
L. Erding, finden sich um 1100 bis 1120 in den Urkunden. 

Zufolge jener Aufzeichnungen nun haben Bewohner yon Diengen, Ober- und Nieder- 
ding in der Pfarrei Aufkirchen L. Erding mit Zustimmung eines Grafen Perchtold Leib- 
eigene als Zinsleute dem Dome von Freising überwiesen. Es ist unzweifelhaft Graf 
Berchtold 11 von Andechs , zu dessen und seines Sohnes Berchtold III Eigengütem Diengen 
urkundlich gehörte *). 

Wie wir nun Huschbergs Aufstellungen bis zur Mitte des XI Jahrhunderts urkund- 
lich zu belegen nicht vermochten, ja die Bedenken gegen seine Art der Anknüpfang an 
die ersten Liutpoldinger zu vermehren veranlasst waren, so haben wir auch noch in 
anderer Richtung der eigenen Forschung Ergebniss als ungenügend zu beklagen. 

Li die Zeit der Erblichkeit der Aemter eingetreten, glauben wir in den sich fol- 
genden Schirmvögten, den Grafen Udalschalk und Otto, zweifellose Glieder des Hauses 
Schejem- Witteisbach erkennen zu dürfen, vermögen aber die Verwandtschaft unter ihnen, 
die Ursache des Ueberganges der Yogtei von einem auf den andern, nicht urkundlich 
festzustellen. 

Söhne Udalschalks sind, so weit wir wissen, nirgends genannt. Des Grafen Otto 
Vater ist urkundlich nicht bezeichnet. Wie erklärt sich die Nachfolge? Waren es zwei 
Udalschalke, welche in der Schirmvogtei Freisings folgten ? nur der Letztere in Schejem*- 
schen Geschlechts-Yerbande ? Oder gab es nur einen kinderlosen Udalschalk , Bruder des 
Grafen Otto vom Eelsgaue? Oder hatte der Letztei*e eine Erbtochter Udalschalks, eine 
nahe Verwandte zur Gattin, von welcher er nicht lassen wollte, und so die im nächsten 
Abschnitte zur Erörterung kommende Beprobation sich zuzog? 

Oder sind die Schiren Nachfolger von Schirmvögten aus Huosischem Stamme? 
Erben als Stammesgenossen oder durch Heiraten? 

Zur Lösung dieser Hypothesen vermochten wir bisher urkundliche Behelfe nicht zu 
gewinnen. Gleichwohl dürfte die Hoffiiung nicht au&ugeben sein, es möge einer wieder- 
holten Durchsicht des nun vollständig im Drucke vorliegenden Urkunden-Materials bei 
sorgfältiger Forschung gelingen, den sicheren Faden durch das Gewirre sich darbietender 
Namen zu finden. 

Wir begnügen uns vorerst mit der Versicherung, dass vom Grafen Otto an, dem 
ersten Schirmvogt Freisings dieses Namens, in Huschberg*s Stammbaum Otto 11, die 



sehen Gebiete, sowie Anfbaosen in den LL. Dachau, Erding, Wolfratshaosen und Mainborg 
in Frage. 

1) Frh. V. Oefele's, der in den Grafen von Andechs die gleiche Zeitbestimmimg gibt, S. 51 Begesten 
Nr. 59. 60 a. and b. und 159 b. nnd c. Ob. Arch. 1. c S. 116. 183. Graf Berchtold U von 
Andechs war im Juni 1130 bei Kaiser Lothar in Begensborg nach der Urkunde für Kloster 
Indersdorf» Beg. 36, welche Hirsch in den Jahrbüchern I. 71 N. 1 nach dem fehlerhaften, aber 
MB. XXIX. a. 258 nnd im Indersd. ürk. Bnch Ob. Arclu XXIV l&ngst berichtigten Abdraoke 
MB. X« 234 eibt, welcher den Grafen Berchtold von Andecbs zu einem Grafen von Bogen 
macht. Bei der h&nfigen Benützung dieses Werkes machen wir darauf aufmerksam. 



27 

Beihe urkundlich feststeht und Dnr wenige Berichtigongen sich ergeben, wie die nähere 
Erörterung bei den einzelnen Schirmyögten darthun wird. 

§ 3. 
Graf Otto von Scheyern, als Schirmvogt Freisings I, Gemal der GrSfln 

Haziga, 1045—1080. 

Graf Otto tritt um 1040) zuverlässig Tor 1047, wo im Mai Bischof Eberhard Ton 
Augsburg starb, mit welchem er ein Tauschgeschäft abschliesst, als Schirmvogt des Bis- 
thums Freising ein, fOr welches er fortan zahlreiche Verhandlungen unt^r den Bischöfen 
Nitker und Ellenhard (1039—1078) zu fuhren hat. 

Mit Ayentin im Einklänge erkennen Scholliner in seiner Untersuchung über die 
Voreltern Otto*s des Grössen (maior) Pfalzgrafen von Witteisbach ') und Huschberg in 
ihm den Sohn jenes Grafen Otto, welcher als Gaugraf des Eelsgaues an der Donau um 
1014 bis 1020 vorkommt, nennen ihn daher in der Beihe den Grafen von Schejem- 
Witteisbach Otto 11. Der Bayrische Geschichtschreiber Buchner dagegen glaubt, für den 
Zeitraum von 1014 bis 1070 mit Einem Grafen Otto ausreichen zu können, welcher 
Gaugraf des Eelsgaues imd Schirmvogt von Freising gewesen, allenfalls die von Aventin 
genannten Gattinen beider Ottone, Juta oder Tuta und die Stifberin von Bayrischzell- 
Scheyem, Haziga, nach einander gehabt haben könne '). 

Obwohl in den Freisinger Urkunden neue Anzeigungen zur Lösung der Frage sich 
nicht auffinden Hessen, erachten wir uns doch verpflichtet, in ihre Erörterung einzutreten, 
nachdem eben diese Urkunden die grossen, noch nicht gelösten Schwierigkeiten veranlassen. 

Scholliner sieht nämlich in seinem Otto I, dem Vater des ersten Schirmvogts Otto, 
auch jenen Grafen Otto, welcher noch mit Bischof Gottschalk, sohin spätestens um das Jahr 
1004i über grosse Güter in Bayern und Tirol verträgt, Güter, über deren Besitz in einer 
Urkunde Kaiser Heinrich HE am 10. Dezember 1055» sohin ein halbes Jahrhundert später, 
nochmals als von einem Markgrafen Otto herrührend, verfügt wird. Die älteren wie die 
neueren Tiroler Forscher einschlüssig des Freiherm von Hormayr, erachten den mit Bischof 
Gottschalk verhandelnden Grafen Otto zum Hause Andechs , zum Stamme der Huosier gehö- 
rig '), beziehen jedoch den in der Kaiser-Urkimde Marchio genannten Otto, sofeme sie auch 
seiner erwähnen , auf den Markgrafen Otto von Schwe^ifart , womit Buchner und selbst 
Scholliner einverstanden sind, letzterer, indem er darzulegen versucht, die Urkunden bezögen 
sich auf verschiedene Ottone. Huschberg endlich lehnt die Einreihung jenes Grafen Otto 
in das Haus Scheyem- Witteisbachs bis dahin ab, wo die Bezeichnung Marchio fdr denselben 
Aufklärung gefunden habe. 

Wir glauben vor allem der Ansicht beipflichten zu sollen, dass in Scheyem zwei 
Ottone aufeinanderfolgten. Der Zeitraum von 1014 bis gegen 1080, bis wohin wir das 
Leben des ersten Schirmvogts Otto auszudehnen bemüssigt sind, ist fElr die Arbeits-Zeit 
eines Menschenlebens zu lang, und berechtigt vollkommen zur Annahme, dass Vater und 
Sohn nach einander in demselben Wirkungskreise auftreten, und die Nachfolge zwischen 
1030 imd 1040 stattgefunden habe. 



1) P. Herrmann ScboUiner, Ingelstadt, 1777, and erweitert in den Neuen Abhandlnngen B. III 
. (1791J. 

2) Bochner Geschichte von Bayern V. 8. N. b. Docmnenten B. lU. 80 N. 172 ; 68 Nr. 384. 

3) Frhr. v. Hormayr Beitrage zur Geschichte Tirols U; sammtliche Werke III Kink Gesch. von Tirol 
166. Egger Geschichte Tirols I. 172. Die Urkonde nach der Urschrift MB. XXIX. 128. 

4- 



28 

Indem wir aber auf die Frage eingehen, ob der ältere dieser Ottone der mit Bischof 
Oottschalk verhandelnde Graf gewesen, schliessen wir zunächst jenen Markgrafen Otto Ton 
Schweinfurt aus dem Hause Babenberg von der weiteren Erörterung aus. Er trat als 
Erbe seines Vaters Heinrich erst im Jahre 1017 in die Markgrafschaft, und ward im 
Jahre 1048 zum Herzog von Schwaben erhoben. Er kann sohin weder der Graf der 
Urkunde um 1004, noch der Marchio jener von 1055 sein *). 

Die Sachlage ist sofort nach dem Wortlaute der Urkunden näher festzustellen. 

Graf Otto, quidam comes, gibt als Seelgeräte in die Hände des im Mai 1005 ver- 
storbenen Bischofs Gottschalk ohne Vermittlung eines Schirmvogts zum Nutzen der Dom- 
herrn von Freising Ufkhiricha cum Omnibus, quae illuc pertinent, et quae sui iuris erant, 
dann inter alpes ad Stupeia et in monte Toren to hobas 4 und in Pauzano vineam unam. 
In weiterer Verhandlung übergibt er sodann dem Bischöfe und dem Domcapitel: Eparunes- 
husa, Legian, Parpian, Sutsis, Tieres, Albiun, Tanurcis, Tsevis, Tsusis, Segies und ad 
Gxedine forestum, wogegen er, den Nutzgenuss der abgetretenen Güter auf Lebenszeit 
behaltend, gleichfalls auf Lebensdauer die Nutzniessung der curtis Geroltispach dazu 
empfängt *), 

In einer ferneren Aufzeichnung zu Freising erscheinen als von Graf Otto erworben 
dieselben Orte mit der kleinen Ergänzung: ad Stupeia infra alpes hoba 1, et in valle 
Vintulla et in monte Torento hobse 4'). 

Sämmtliche Güter sind durch Ableben des Grafen Otto, bonae memoriae, an Freising 
zurückgefallen, als Bischof Gebhard von Begensburg vererbte Güter zu Legian gleichfalls 
dem Domcapitel zu Freising bestimmt, dafür aber den Nutzgenuss der vorher aufgezälten 
Güter um Legian auf Lebensdauer erhält ^). Die Verhandlung findet mit Bischof Egilbert 
von Freising und dessen Anwalt Helmbert statt, während der Hauptschirmvogt Udalschalk 
erster Zeuge ist. Bischof Gebhard III von Regensburg aus dem Hause Semt-Ebersberg, 
welches zweifellos Besitz im Gebirge hatte, regierte von 1023 — 1036. Der Vertrag dürfte 
daher um das Jahr 1030 — 1035 geschlossen sein. 

Im Jahre 1055 endlich bestätigt Kaiser Heinrich III in einer bei der Bückkehr 
aus Italien zu Nivenburc , Neuburg an der Donau in Bayern, ausgestellten Urkunde vom 
10. Dezember dem Freisinger Domcapitel den Besitz derselben Güter. Es wird dabei er- 
zält, was einstmals, aliquando, der Markgraf Otto ihnen gegeben habe, was er im Ge- 
birge um Leian in der Grafschaft Pappo's, in Ufchirchin in der Grafschaft Friedrichs (des 
Rochen aus dem Hause Andechs-Diessen) in Ebarhusen in der Grafschaft Burchards be- 
sessen habe ; vorher aber, antea, Sfi jener unglückliche Otto, Gott und der heiligen Kirche 
wegen verbotener Blutsverwandtschaft (pro incestu) genug zu thun nicht bereit, , nach der 
Anordnung der Apostel dem Satan zum Untergange des Fleisches übergeben worden. 
Demnach sei zufolge des Gesetzes der Bayern in der kaiserlichen Rathsversammlung ent- 
schieden worden, dass alles dem Fiscus gehöre » was immer jener Otto besessen haben 



1) Giesebrecht Geschichte der deatschen Kaiserzeit U. 163. 488. Seine Einbeziehang beraht nur 
darauf, dass seine Ehe mit Mathilde, Herzog Boleslaws von Polen Tochter, kirchlicher Beproba- 
tion unterlag. Stalin Wirtemberg'sche Geschichte L 491. Hirsch (Bresalan) 1. c- III. 109. 

2) Cod. com. f. 298. Bei M. N. 1153, wo Z. 8 ad Stapeia zu lesen and Z. 17 Tsosis zu erganzen 
ist. Zahn Cod. diplom. AaBtriaco-Frisingensis, I (Fontes rer. austr. XXXI«) 52. 

3) Beiblättchen im C. c. nach f. 285. Zahn zuerst im Arch. für öst. Ge8ch.-Qaellen XXVU. 261, 
N. y. mit Erläuterungen S. 296; dann F. r. a. 1. c. 52. Nun auch Oberb. Arch. 1. c. 302. 
N, 161. 

4) Auf M. N. 1153 unmittelbar folgend, mit Postea beginnend: Cod. comm. f. 298 v. und Cod. 
N. 189 f. 39 V. Ohne Postea bei Chonr. sacr. f. 110 und Cod. N. 191 f. 119. Bei M. N. 
1170. Bei Zahn 1. c. 59 mit der Zeitbestimmung: 1020. 



29 

könne ^). So habe dann der Anwalt der Domherrn Gerolt, da er zu jenes Vertheidigang 
Gründe nicht zu finden yermocht , die Güter dem Kaiser und dessen Anwalt Hartwich *) 
förmlich übergeben, und der Kaiser habe auf Bitten der Kaiserin Agnes und seines Sohnee 
König Heinrich (IV) frei über sie wieder zu Gunsten des Domcapitels verfügt. 

Was nun die Lage der fraglichen Güter betrifft, so kann sie mit Hülfe der dom- 
capitePschen ürbarien zweifellos festgestellt werden, und ward auch vom Professor Zahn, 
welcher zuerst auf die zweite Au£seichnung aufinerksam machte, für die Güter in Oester- 
reich richtig bestimmt, nicht jedoch für jene in Bayern. 

Es sind in der Seelgerätstifbung Aufkirchen, doch nicht jenes auf den Höhen am 
Wirmsee, wo das Domcapitel niemals Rechte besass, sondern das Pfarrdorf in der Gemeinde 
Oberding nächst Erding, bis zur Säcularisation im Besitze des Domstifts, noch jetzt zur 
Gemeinde des bereits erwähnten alten Besitzes des Hauses Andechs, Diengen, Ober- und 
Niederding , wohl zu dessen Grafschaft Wolfratshausen gehörig, welche aus dem Sunder- 
gaue, und wie es scheint , aus Theilen des Hartinggaues erwuchs ') ; in Tirol Güter im 
Stubai-Thale, dann in Terrenten, Ober- und Unter- Vintl, Gemeinden der Bezirke Mühlthal 
und Brunecken im Pusterthale; in dem weiteren Vertrage sodann: Ebertshausen , nicht 
das Dorf in der Gemeinde Grossdingharting am rechten Isarufer, L. Wolfratshausen, sondern 
das gleichnamige Ort im Glongebiete des Landgerichts Brück, früher in der Grafschaft 
Dachau, von welcher Theile damals noch zum ünterhausengau (Sprunner-Menkes-Wester- 
gau) gehörten, dem Burchard aus dem Hause Moosburg damals als Gaugraf vorstand^); 
dann in Tirol das Pfarrdorf Laien am Eisack unter Klausen, bis zur Säcularisation Sitz 
eines nicht xmbedeutenden domcapitelschen Amtes mit den umliegenden Orten Barbian, 
Tschutsch, Tiers, Albions, Tanirz, Tschöfas, Tschötsch, Seis, und dem Walde des Grödener 
Thaies^). Die als Gegengabe zum Nutzgenuss überlassene curtis Geroltisbach bildete bis 
zum Jahre 1803 eine beträchtliche Probstei des Domcapitels, welche die Pfarrei Gerols- 
bach im mittleren Dmgebiete im Landgerichte Schrobenhausen umfasste. 

Eine nähere Prüfung des Inhalts der Urkunde stellt femer ausser Zweifel, dass es 
nur Ein Otto sein kann, welcher um 1004 schon Graf und wegen einer Ehe in zu naher 
Verwandtschaft von der Kirche getadelt, längstens um 1037 Yerstorben war, im Jahi^ 
1055 aber als Marchio bezeichnet werden konnte. 

Eine Verwickelung in die wiederholten Aufstände gegen die fränkischen Kaiser ist 
nicht angedeutet, ja eine förmliche Verurtheilung durch ein weltliches Gericht überhaupt 



1) Noch galten die Leges Bajawariorum. Tit. de naptiis prohibendis inlicitis . . 2. Si quis con- 
tra hoc fecerit, a loci indicibos separentar, et omnes facnltates amittant, qnas fiscas adqairat. 
Bei Mederer tit. VII. p. 188, bei Walter Corp. inr. tit. VI. p. 262, bei Merkel in M. G. Legam 

. lU (XVII) Text I Tit. VII. 297, Text n Tit XVIL 1. p. 846, Text III p. 404. Gleicher An- 
sieht Steindorff Jahrbücher S. 452, wo anch die Vertreter der abweichenden Meinnng anfgef&hrt. 

2) Es war nicht der Pfalzgraf; diese Würde bekleidete seit 1041 Hartwichs II Sohn Aribo, der 
aber damals in den Anfstand gegen den Kaiser verwickelt gewesen zu sein scheint. Witünann 
Pfalzgrafen S. 22 f. nebst Begasten. 

3) Das Domcapitelsche Urbar N. 64 (alt 262) im Beichsarchiv führt die cnria decimalis in Anf- 
kirchen im Officio trans Isaram mit den Gütern um Erding auf. Zahn berichtigt Besch^s An- 
nahme von Auf kirchen im Pusterthale, wo bei Innichen nur der Bischof, nicht das Kapitel Güter 
besass, fallt aber in den Irrtbum Hormayrs bezüglich Aufkirchens am Würmsee, obwohl er die 
ürbarien zur Hand hatte. Deren Einsicht nöthi^ uns von der eigenen früheren Annahme ab- 
zugehen und um Berichtigung des Ortsverzeichnisses im Ob. Arch. 1. c. p. 326 sub voce üf- 
chirchen zu bitten, lieber die Qnfschaft vgl. die Note zu Abschn. III § 2. 

4) Büchner (jesch. III. 262. Auch dieser Besitz findet sich in des Domcapitels ürbarinm, wo 
Ebertshausen mit dem anstossenden, nun zur Pfarrei mit ihm vereinigten Wenigmttnchen zur 
Verwaltung Gerolsbach gestellt ist. 

5) Der nähere Nachweis im Ortsregister Ob. Arch. 1. c. 814 f. 



30 

nicht erfolgt. Nicht in palatino placito, wie in den Fällen des Hochverrathes in mehreren 
Urkunden jener Zeit der Bttckkehr Kaiser Heinrich in aus Italien, es heilst, ist ein Urtheil 
gefiült, nur eiü CoUoquinm, eine Kathversammlang fand statt ^), worin befunden ward — 
definitnm est — dass der längst yerstorbene Markgraf Otto nach Bayrischem Bechte 
alle seine Besitzungen verwirkt habe« Mit Kaiser Heinrich 11 hatte die Zeit strenger 
Einschreitung gegen Ehen zu naher Verwandten begonnen, welche in herbster Form als 
Incest beurUieilt wurden *). Eine alte Sache lag vor — aliquando, — welche in Er- 
wägung zu ziehen wohl die Domherrn Ton Freising Anlass gaben, in Sorgen ob der vielen 
thcdls erkannten, theils erwarteten Coniiscationen , deren Ausdehnung auf ihre Oüter sie 
befürchteten, weil in Mitte liegende kirchliche Aussprüche eine solche nach dem Wortlaute 
des Gesetzes begünstigt hätten. 

Suchen wir nun zur Entscheidung zwischen den beiden vorzugsweise in Frage kom- 
menden Ottonen, dem Grafen des Kelsgaues aus Schejem'schen Stamme, und dem Grafen 
des Norithales, welcher von den Tiroler Forschern zum Hause Diessen-Andechs gerechnet 
wird, das Criterium der wegen Verwandtschaft reprobirten Ehe in Anwendung zu bringen, 
so erweist es sich sogleich als unbehilflich, da von keinem der Grafen die Gattin urkundlich 
feststeht, für die Gemalin Otto*8 von Scheyem Aventin zwar den Namen Jutta oder Tuta 
nennt, die verwandtschaftlichen Verhältnisse aber nicht nachweisbar sind. 

Ebenso wenig reicht die gegen Ende des Lebens dem betreffenden Grafen Otto bei- 
gelegte Bezeichnung Marchio zur sicheren Entscheidung aus. Die Markgrafenwürde kann 
geschichtlich für keinen der beiden Ottone nachgewiesen , sie kann fär den einen wie 
Mr den andern nur durch Hypothesen gewonnen werden. 

Bezüglich des Grafen Otto vom Kelsgaue meint Thausing in seiner Untersuchung 
über die Neumark, welche in Oesterreich um 1043 -'1058 erkennbar wird, sie möchte 
aus den Eroberungen über Ungarn gebildet und diesem Grafen verliehen worden sein *). 
Allein der Graf Otto unserer Urkunde ist spätestens um 1037 gestorben; für ihn kann 
keine Markgrafschaft in Frage kommen, welche aus den Eroberungen Heim*ichs III erst 
nach 1040 gebildet worden wäre. 

Was hinwieder den Gaugrafen Otto vom Norithale betrifft, so soll er allmälig drei 
Grafschaften vereinigt haben und wird mit dem in jener Zeit im Pusterthale vorkommenden 
Otto identisch gehalten. Da nun gegen die Mitte des XI Jahrhunderts das obere Drau- 
thal von Kärnten abgelöst und zur eigenen Markgrafschaft erhoben wurde, in welcher 
urkundlich um 1040 ein Eberhard sich findet, so wäre nicht unmöglich, dass nach dem 
mehrfach erkennbaren Grundsatze kräftiger Gestaltung der Gränzgrafschaften die neue 
Markgrafschaft dem Grafen des Nori- und des anschliessenden Pusterthaies übertragen 
ward, wonach Otto in seinen letzten Lebensjahreii Vorgänger des eben erwähnten Mark- 
grafen Eberhard gewesen sein könnte^). 

Zur Gewinnung fester Grundlage ffir die Lösung der Frage bietet sich hienach nur 



1) üeber den Gebrauch von Colloqaiom für Besprechangen in grosseren und kleineren Versammlon- 

§en in Beichs-Sachen Waitz Verfassangs-Gesch. VI. 826, Hirsch 1. c. H. 245. 
, eit der Thronbesteigung yerfolgte Heinrich II solche Ehen mit ' Sjnodalbeschlfiissen and Bann. 
Die Jahrbücher unter ihm zahlen vier Fälle auf, yon denen Graf Otto yon Hammerstein and 
Irmingarde der bekannteste. Selbst die Ehe seines Nachfolgers Konrads II mit Gisela, obwohl 
sie nar im 8ten and 4ten Grade verwandt, ward reprobirt, and der Ausdruck incestus wird be- 
züglich der Ehe des Stiefvaters der Kaiserin Agnes, Gaufreds von Poitiers gebraucht, und sogar 
die Ehe der Kaiserin mit Heinrich III beanstandet. Vgl Hirsch 1. c. I. 244. III. 72. 172. 250. 
271; 110; 122. Steindorff I. 1. 165. 157. 

3) Moriz Thausing in den Forschungen zur deutschen Geschichte IV (1864) 355 f. 

4) Vgl. Hirsch 1. c. H. 313 Note. Steindorff 1. c. I. 80. 



31 

noch genauere Erwägung des in den Verhandlungen bezeichneten Grundbesitzes dar. Aber 
auch hier lassen sich die Zweifel nicht ganz ausschliessen. 

Wird die Angehörigkeit des Otto Tom Norithale zum Hause Diessen-Andechs an- 
erkannt, dessen grosser Besitz in Tirol, namentlich auch im Stubai- und Vintl-Thale 
zweifellos ist, so kann angeführt werden, dass nach der Kaiserurkunde Ton 1055 selber 
Aufkirchen bei Erdipg im Gebiete seines Stammesgenossen, des Grafen Friedrich liegt, 
und ebenso Ebertshausen im Glongebiete an den Gränzen der Besitzungen von Scheyem 
und Andechs sich findet, wo wenigst theilweise diese Httuser im Besitze sich folgen. 

Hinwieder ist ebenso zweifellos, dass die Grafen yon Scheyem zufolge der Vergab- 
ungen in Tirol schon in frtQiester Zeit sehr begdtert sind, während Ebertshausen später 
entschieden im Gebiete des von Dachau benannten Zweiges des Hauses sich befindet, Auf- 
kirchen aber zu jenem Besitze gehören könnte, von welchem später Pfalzgraf Otto sich 
wiederholt von Wartenberg, dem Markte im Landgerichte Erding, nannte. 

Wird aber die Gegengabe ins Auge gefasst, die Nutzniessung der Herrschaft Gerols- « 
bach im Dmgebiete, so kann nicht in Abrede gestellt werden, dass sie unendlich höheren 
Werth wegen unmittelbaren Anschlusses an das Stammgebiet fUr die Grafen yon Scheyem 
haben musste, als fUr das entlegenere Diessen- Andechs, zumal für die Tiroler Linie dieses 
Hauses. 

Gewichtige Gründe stützen demnach in Beachtung des fraglichen Grundbesitzes die 
Annahme, dass es Graf Otto yom Eelsgaue gewesen, der um 1004 mit Bischof Gottschalk 
yerhandelte, wenn auch für den Grafen Otto vom Nori-Thale die Markgrafen-Würde wahr- 
scheiDlicher zu ermitteln sein dürfte ^). 

Ein weiteres Grafenhaus ist bisher nicht in die Erörterung gezogen worden, obwohl 
die Lage der Güter es vor Allen als betheiligt erscheinen lässt. 

Es ist jenes von Semt-Ebersberg. Aufkirchen liegt dem Hauptbesitze ganz nahe; 
Gerolsbach jenem, aus welchem von dem Hause die Klöster Geisenfeld und Kühbach ge- 
gründet wurden. Schwieriger wäre das Hereinziehen von Ebertshausen, obwohl gerade 
um 1055 es in der Gaugrafischaft des zuverlässig verwandten Burchard von. Moosburg 
sich befindet. Li Tirol dagegen ist, wie bei Bischof Gebhard von Begensburg schon er- 
innert ward, grosser Besitz dieses Hauses zweifellos. Allein die ünvoUständigkeit der 
bisherigen Genealogieen dieses Hauses , welche wir noch bei Bischof Egilbert von Freising 
(1005—1039) zu beklagen haben, lässt einen Grafen Otto in demselben nicht ersehen. 
Obwohl nun der Name einem der aus des älteren Adalbero's Söhnen gegen Ende des X 
Jahrhunderts entstammenden Zweige angehören könnte, so wäre damit noch die Schwierig- 
keit nicht gelöst, wie derselbe zur Markgrafenwürde emporgestiegen? 

Wir kehren zum ersten Schirmvogt Otto von Freising mit dem Bemerken zurück, 
dass auf Grund der Besitzes-Nachfolge in ihm mit hoher Wahrscheinlichkeit, wenn auch 
ohne urkundliche Feststellung, der Sohn des Gaugrafen Otto vom Kelsgaue zu erkennen 
ist und wir ihn daher in die Stanmireihe des Hauses Scheyem-Wittelsbach als Otto 11 ein- 
zureihen haben. 



2) Kec operae pretinm perdes ; villae Eparaneshosen et Geroltesbach et Leian eto. prodont Ottonem 
Schirensem Comitem, Ottonis II Schirensis, Hazigae mariti, patrem, atque Babonis Abensbergensis 
patraam aut fratrem. So Ant. Nagel Not. A. A. 1604 in 8vo 11 p. XXXI. Derselbe, die Bluts- 
verwandtschaften in das TJogehenerliche ansdehnende Autor gibt S. 127 N. 8 weitere unbegrün- 
dete Andeutungen und kömmt S. 222 N. * dazu, die Urkunde Besch^s Annal. Sabion. 11 648 
N. IX hereinzuziehen, als wäre so ein Graf Otto, Scholliner*8 I von Scheyem, um 999 als Be- 
sitzer von Siapfeld an der Gurk in Steyermark, sohin als Marchio, nachzuweisen, während jene 
Urkunde, wie Beach richtig sie deutete, auf Poppenlauer L. Mfinnerstadt im bekannten fran« 
kiscben Gaue Gxabfeld sich bezieht. Die Urk. nun MB. XXYII a. 277. 



32 

Seine Gemalin war Haziga oder Hazacha, die bekannte Stifterin des Klosters za 
Bayrischzell im Gebirge, welchem schliessUch die Stammburg Schejem eingerftomt wurde* 
Er ehelichte sie als Wittwe des Grafen Hermann von Kastl in der Oberpfalz aus Baben- 
berg'schem Stamme ^), wie sich bei den Söhnen zeigen wird, um 1050. Ihre Herkunft 
ist vielfach erörtert worden ; ihr Vater nirgends genannt *). 

Nach den Angaben des Mönches Chonrad von Scheyem, welcher hundert Jahre 
später lebte, entstammte sie dem Hause Scheyem. Demgemttss wird sie von Graf Dubuat 
als Enkelin des Schirmvogts Udaischalk von Freising ') , von SchoUiner in unbestimmter 
Reihe als Nachkomme des Herzogs Berchtold, Herzog Arnulfs Bruder, bezeichnet, von 
Huschberg dem Hause Bogen zugewiesen. 

Auch darauf ward hingewiesen, dass der Name Haziga, Azzica, in den Familien der 
Grafen von Semt und Ebersberg um diese Zeit vorkömmt*). Graf üdalrich von Ebers- 
berg war Vater einer Willibirg, deren Tochter Azzica der Graf Wezelin von Istrien heim- 
itLhrt. Wezelins Erbtochter hiess wieder Azzica und vermalte sich mit Poppo, Grafen 
von Orlamünde (1046 — 1062), dessen Sohn üdalrich um 1062 — 70 als Markgraf von 
Kärnten und Isirien auftritt. Der Gleichlaut der Namen lässt erfahrungsgemäss auf 
Verwandtschafts- Verhältnisse. schliessen, welche, wie sich später zeigen wird, in der nächsten 
Generation sich erneuern. Ein sicherer Leitfaden ist auch hier nicht zu gewinnen. 

Endlich hat der Geschichtsforscher von Eoch-Stemfeld, veranlasst durch meine Arbeit 
über Kloster Scheyem, welche dessfalls auf das Zeugniss des Mönchs Chonradus baut, in 
einem eigenen Schriftchen die Ansicht vertreten, Gräfin Haziga müsse zufolge des reichen 
Besitzes am Bayrischen Gebirge, welchen sie zur Klosterstiftung verwendet, einem ande- 
ren in jenen Gegenden vorzugsweise begüterten Edelgeschlechte aus der Zeit der Agilol- 
finger, dem Hause Fagana, fortgesetzt in den Freien von Vagen Landgerichts Aibling und 
den Grafen von Falkenstein-Neuburg (an der Mangfall) entsprossen sein ^). 

Es ist nicht zu läugnen, dass ein Anknüpfen an Schirmvogt Udaischalk durch die 
eheliche Verbindung Graf Otto^s 11 mit Haziga eine gute Erklärung für den üebergang 
der Schirmvogtei geben würde; immerhin erregt aber Bedenken, dass dieser üebergang 
bald nach 1040, die Heirat erst um 1050 stattgefunden hat, überdiess eine zweite Ehe 
Haziga's war, welche die Absicht des Festhaltens von Rechten innerhalb der Familie 
nicht erweisen dürfte ^). Andererseits würde unverkennbar die Ableitung der Gräfin Haziga 
aus dem Hause Fagana ihren und ihrer Söhne reichen Grundbesitz am Gebirge in er- 
wünschtester Weise aufklären. 



1) üeber Graf Hermann ygl. Prof. Moritz Stammreihe der Grafen von Salzbacb Abh. d. h. Cl. der 
A d. W. 1838. I. 2. 

2) SchoUiner 1. c. 1777 § 30. 1791 § 46 n. 47. und Siemroatographia Comitam de Semta et 
Ebersberg. Nene hist. Abh. (1792) IV. 549. Hirsch Jahrbücher nnter Heinrich II I. 176. N. 5. 

3) Dnbnat leitet übrigens in den Origines Boicae Domus (1764) die Schiren von den Hnosiem ab. 

4) Der Käme ist gerade in dieser Zeit nicht selten. So bittet eine edle Fran Hazacha, Wittwe 
eines Piligrim, nnd Gemalin eines Papo, nm 1020 — 30 nnter Uebergabe eines Gntes za (Hohen-) 
Schaftlam den Bischof EgUbert von Freising einer ihrer Töchter Anftiahme in eines der Frauen- 
stifte zn Begensbnrg oder Neubnrg zu versebaffen; anter den Zengen ein Sohn nnd eine Neffe 
Papo. M. N. 1213. Dr. Both Oertlichkeiten N. 709 S. 308. Drei Papone hier beisammen! 
Vielleicht ist eine der Töchter jene Äbtissin Hazacha, welcher wir im folg. § 4 in Begensbnrg 
begegnen. 

5) Eooh-Stemfeld: Die Abstammung der Gräfin Haziga, München (Schöpping) 1863. Vgl. über die 
Vagen den Schlnssparagraphen meiner Waldecker. Oberhayr. Aroh. XXXI. 132. 
Ant. Nagel sagt in den Ör. Boicae dom. S. 181: Adtentos nos qnoqne reddit hereditas Schiren- 
siun comitnm, Udalscalci comitis et principalis advocati Frisingensis, domini yillae Grnbae^ 
et de Warngan prope Valleiam, nee non comitatns Herzhnsani, pi'oxime Scbrobenhausen et 



33 

Nachdem jedoch keine Quelle den Vater der Gräfin Haziga bezeichnet, wird die 
Lösung der Frage über den Standpunkt der Hypothese nicht zu erheben sein. 

Ihr Tod ist mehrfach am 1. August yermerkt. Er kann mit Yerlässigkeit in das 
Jahr 1103 gestellt werden, nachdem sie in der päpstlichen Urkunde vom November 1102 
noch als lebend, in jener Yom 7. November 1104 aber als verstorben angefUhrt ist ^). 

Das Jahr des Ablebens ihres Gemals, des Schirmvogts Grafen Otto , ist nirgend auf- 
gezeichnet, kann daher nur aus der Zeit seiner Ersetzung durch einen andern Schirmvogt 
gemutmasst werden. Archivar Huschberg nimmt 1073 an, weil zuerst am 15. Juni 1074 
sein Sohn Ekkhard als Schirmvogt auftrete '). Es ist diess der Vertrag Bischof Ellenhard's 
mit dem Patriarchen Sigehard von Aquileja unter dem ungewöhnlichen Datum : Actum in 
civitate Aquileja XVEI E. Julii anno Dominicae incamationis M. VII. IIII. Indict XI. 
Die Lesung 1074 ist nach der Zeit der handelnden Personen die richtige *). 

Der Nachweis des Ablebens des Schirmvogts Otto scheint uns jedoch nicht erbracht. 
Wir sind vielmehr durch andere Freisinger Urkunden zu der Anschauung veranlasst, dass 
Otto durch Alter, Kränklichkeit oder andere Ursachen bestimmt wurde, die Eeise nach 
Aquileja und seine Vertretung daselbst dem Sohne Ekkhard zu übertragen. Denn , dass 
dieser in Aquileja anwesend war, entspricht dem Wortlaute der Urkunde, und Huschbergs 
Annahme der Ausfertigung eines Duplikats daselbst in Abwesenheit der Zeugen scheint 
uns unzulässig. Ebenso erachten wir Ekkhard in dem zu Begensburg am 10. September 
1075 abgeschlossenen Vertrage mit Bischof Otto nur als dahin abgeordnetcD Vertreter 
seines Vaters *). 

Die Einsicht der Freisinger Cartulare nöthigt uns nämlich die frühere Zustimmung 
zu Huschbergs Ansicht zurückzunehmen xmd anzuerkennen, dass der Vater, Graf Otto 
noch die Zeit des am 22. März 1078 erwälten Bischofs Meginward von Freising er- 
lebt habe. 

Der erste Tausch, welchen Gräfin Haziga aus Anlass der Elosterstiftung zu Bayrisch- 
zeil mit diesem Bischöfe abschloss, lautet nämlich, wie er in das Freisinger Cartular ein- 
getragen ist: 

Agnoscant omnes xpi fideles, qualiter placuit atque convenit inter venerabilem 
Megenwardum Frisingensis sedis episcopum et comitissam quandam, nomine Hazacham de 
Skiran, commutationem quandam facere, quam et perfecerunt. Tradidit enim prefata comi- 
tissa cum consensu et manu filiorum suorum Ekkardi advocati, Peranhardi com. Ottonis 
predia sua apud Chitanreinisowa et apud Amoltisowa et apud Wenga ad altare s. Marie 
s. que Corbiniani collaudante episcopo M. et accipiente advocato suo Ottone. Econtra 



Witteisbach — aber es fehlen die sonst so reichlich gegebenen Belegstellen. Aneh wenn Hasch- 
berg üdalschalk de Elisindoif ans dem Testamente Bischof Brono^s von Augsburg (1029) mit 
Schirmvogt üdalschalk identificirt — Haschberg S. 203 Nagel S 274 — vermissen wir den 
Nachweis. Vgl. Abscbn. III § I: Udalrich von Elsendorf handert Jahre später. 

1) So auch Hirsch 1. c I. 404. Die erste Urkunde Papst Paschalis ddto. Beneventi XI E. Decbr. 
IniHct. XI incarn. aö 1103 Pontificatus PP. II a5 IV, deren Original nicht erhalten ist, reiht 
Jaffe N. 4425 den Begierongsjahren and dem Aufenthalts-Orte des Papstes entsprechend in das 
Jahr 1102. 

2) M. N. 1248 a. Da Hnschberg Meichelbeck nicht citirt, halt Hirsch die Urkunde für ungedruckt. 
Nunmehr auch bei Zahn F. r. a. 1. c. 89. 

3) Die Schreibweise findet sich nochmals in einer in Urschrift nicht erhaltenen Urkunde von 1194: 
M.C. Villi. IIII. Ma X 4i; M. I. 883, wo aber die Jahnsahl unrichtig gedruckt, und in dritt- 
letzter Z. Lutewinus. am Sdilnsse Vertingus zu lesen ist Falsch und unvollständig auch MB. 
VIII. 12. 

4) M. N. 1233. Der Band der Stelle Cod. com. f. 801 ist beschädigt, der Druck richtig. 

Abb. d. ni. Gl. d. k. Ak. d. Wies. XIV. Bd. II. Abth 5 



34 

prelibatus pontifex cum manu eiusdem advocati sui retradidit eidem comitiss^ terminationem, 
quam habuit Frisingensis ecclesia apud Viscpachisowa infra Botinpacb et Chlaffintinpacb 
et intra {jucinaha et Albiwega cum omnibus rebus etc. ^). 

Zwei Anwälte traten hienacb auf; der Scliirmvogt des Bistbums ist Otto, der Anwalt 
der Gräfin Haziga ihr ältester Sohn Ekkhard. Dieser war nur Vertreter der Mutter, 
nicht zugleich Schirmvogt des Bisthums. Wäre es aber nöthig gewesen, ihn in der 
Schirm vogtei vertreten zu lassen, so hätte diess nur durch den zweiten Sohn Bernhard, 
der ja auch nach seinem Tode Schirmvogt wurde, nicht mit dessen Uebergehung durch 
den dritten, Otto, geschehen können. Wir vermögen daher in dem neben den 3 Söhnen 
als mitwirkend genannten Schirmvogt Otto nur den alten Grafen Otto, Gemal der Haziga 
zu erkennen. So rechtfertigt sich denn auch, dass Kaiser Heinrich V in der Urkunde 
vom 25. April 1124 den Grafen Otto, Haziga's Gemal, ausdrücklich als mitthätig bei 
der BHosterstiftung bezeichnet ^) , während bei der Verlegung auf den Petersberg nächst 
Eisenhofen der Sohn Otto mit Graf Berchtold von Burgeck zusammenwirkte, indem sie 
gemeinsam die dort stehende Burg Glaneck besassen und abtraten. 

Durch diesen Nachweis längeren Lebens des ersten Schirmvogts Otto wird die Ein- 
reihung einer andern Urkunde erleichtert, in welcher er Zeuge ist: des unter Nr. 5 im 
Abschnitte IV folgenden Ehevertrags des Freisinger Vizthums Adalbert und seiner Gattin 
Berchta von Walda (Peterswahl in der Pfarrei Margarethenried , L. Moosburg), aufge- 
nommen vor 84 Grafen, Edlen und Ministerialen, offenbar zur Zeit eines Landtags. Da 
solche Versammlungen in jener Zeit ziemlich häufig waren, vermag die Zeit des undatirten 
Vertrags nur aus den Anwesenden bestimmt zu werden. Hiezu bietet sich zunächst der 
erste Zeuge dar: Heinrich, filius Marchwardi, Carinthiensis comitis. Er erscheint mit 
3 Rittern an der Spitze, eine Stelle, welche der Vertreter des Hauses Eppenstein wohl 
nur in der Zeit ansprechen konnte, als sein Vater Graf Marchward, nach der Entsetzung 
des Zähringer Berchtolds vom Herzogthum Kärnten zu Ende des J. 1072 die Nachfolge 
erhoffte, wie denn auch sein Sohn Liutolt im April 1077 zum Herzogthum gelangte, 
sohin zwischen 1073 und 1077. Wir stellen die Urkunde daher zum Jahre 1075*). 

Die Fortsetzung des Austausches aus Anlass der EHosterstiftung — non parvo elapso 
tempore, jedenfalls vor dem 25. März 1090, wo der anwesende Archidiacon Adalbero auf 
der Beise nach Salzburg ertrank — erfolgte schon unter Ekkhard als Schirmvogt und 
diess mag den Mönch Chonrad veranlasst haben, in seiner Gründungsgeschichte von Schejem 
vereinfachend nur eines Schirmvogts, des Grafen Ekkhard, zu erwähnen, wie er denn 
die Urkunden nur ausnützend in seine Erzählung verwob, und den Zeugen aus ihm be- 
kannten Familien überall die in den Urkunden nicht enthaltenen Ortsnamen beifügte, 
wobei wir ihm übrigens Fehlgriffe nicht nachzuweisen vermögen , vielmehr zu Manchen 
^ Bestätigung beibringen könnten. 

Des Grafen Otto Ableben, des II von Scheyem, in der Reihe der Schirmvögte von 
Freising des I, dürfte nach diesen Erörterungen nicht vor dem Jahre 1079, etwa um 
1080i anzusetzen sein. 



1) Cod. com. f. 308. Bei M. 1252 ist advocati nach Ekkabardi weggeblieben, die Zengen sind 
richtig gegeben (lies jedoch Waltchon . . Dnrinch), Der Mönch Chonrad fägt ihnen nach seiner 
Gewohnheit die Orte bei; die N. 1253 Meichelbecks ist nnr aus Chonr. Schir. f. 16 und richti- 
ger MB. X 384 flg. abgedruckt. Hnschberg hatte den Cod. com. vor sich. S. 219. N. 17. 

2) Urschrift vorhanden, MB. X. 449, wo die Namen Z. 5 Berhtoldns Z. 7 Bernharde zn lesen sind. 
8) Sie ist inzwischen anch von Frh. v. Oefele in meiner Geschichte der Grafen von Andechs S. 223 

veröffentlicht nnd gut erläutert worden. Beengt durch das Tode^ahr Otto II von Scheyem 1073, 
reiht er sie nach 1070. Vgl. aber Giesebrecht G. der d. K. III. 442. Heinrich wird selbst 



35 

§4. 
Ekkhard, Graf von Scheyern, Schirmvogt 1074 bis um lOOi. 

Als frühestes Auftreten des Grafen Ekkhard yon Scheyern dürfte die Urkunde 
Nr. 1244 bei Meichelbeck sich darstellen, wo er und sein Bruder Otto die ersten Zeugen 
sind, während noch der Vater Graf Otto als Schirmvogt bezüglich der Güter Capella und 
Vaniccha handelt, Eappel und Faning in Kärnten. Sie fällt in die Zeit Bischof EUen- 
hards um 1070 *). 

Wie er in den Jahren 1074 und 1075 noch' bei Lebzeiten des Vaters in auswärtigen 
Geschäften als Schirmvogt des Bischofs Ellenhard thätig ist, ward bereits gezeigt, unter 
Bischof Meginward übt er des Amtes nach des Vaters Tode, so bei der vor 1084, als 
Heinrich IV noch nicht die Kaiserkrone trug, vollzogenen Schenkung des Ministerialen 
Friedrich, und in andern, verhältnissmässig immerhin wenigen der erhaltenen Urkunden '). 
Häufiger erscheint er in dem Cartulare des Klosters Weihenstephan, verschwindet jedoch 
bald gänzlich, wie angenommen wird, in Folge der Betheiligung am Ejreuzzuge, worüber 
jedoch urkundliche Anzeigen nicht vorliegen. 

Seine Gattin war eine Tochter jenes Markgrafen üdalrich von Kärnten aus dem Hause 
Orlamünde, dessen Mutter den Namen Azzica fährte, während die Grossmutter aus dem Hause 
Semt-Ebersberg war. üdalrich hatte sich mit der Prinzessin Sophie, König Bela*s von Ungarn 
Tochter, vermalt, starb aber schon 1070, worauf seine Wittwe zu einer zweiten Ehe mit 
Herzog Magnus von Sachsen schritt. Die Tochter erster Ehe, deren Name Bichgard uns 
aus einer Stiftung in dem Frauenkloster Geisenfeld erhalten ist '), führte aus Begensburg, 
wo sie in einem der Frauenstifte weüte, Graf Ekkhard als Gattin heim^). Bichgard war 
demnach, wie in neuerer Zeit festgestellt wurde ^), nicht Tochter sondern Stieftochter des 
Herzogs Magnus von Sachsen, wonach sowohl Huschbergs als unsere Stammtafel des 
Schejem-Wittelsbach'chen Hauses zu berichtigen ist. 



Herzog 1190 ib. 642. Dass in den einschlägigen Urkunden Rieda Margare thenried, nnd Walda 
Peterswahl ist, wie schon Freodenspmng erkannt, wird durch die domcapitelschen Urbarien 
zweifellos bestätigt. 

1) So Zahn F. r. a. 1. c. 88. Besser als Chonr. sacrista (Cod. N. 238) f. 114 v., nach welchem der 
Druck 'bei Meich. und Zahn erfolgte, gibt der Cod. N. 191 f. 116 die Urkunde. Hier lauten die 
Zeugen: Ekkehart et frater eius Otto, Ulschalch et miles eins Otto, Gotescalh etc. So ist M. 
N. 1244 zu verbessern. 

2) Huschberg 224 N. 4; bei M. N. 1233 u. 1260; bessere in 1. Z. Beginmar statt — war. 

3) Bichcart, Palatini mater, dedit nobis in Sulzbach (Weiler in der Prarrei Scheyern) 70 denarios. 
MB. XIV. 229. Die Herausgabe des alten Oeisenfelder Kartulars in diesem Bande ist leider 
vielfach verfehlt, indem die Traditionen des Codex mit grossen Missgriffen aus der Ordnung 

gerissen und durcheinander gemengt sind, 
egen Ende des XI Jahrhunderts war in Niedermünster Gertrudis, in Oberm&nster Willa, und 
etwa seit 1065 auch eine Haziga Äbtissin, sämmtlich xmermittelter Herkunft. In beiden Stiften 
ward S. Benedikts Regel, jedoch in gemilderter Form, welcher später zweifellos den Austritt 
zur Verehelichung gestattete, beobachtet. Schon Bischof Wolfgang von Regensburg (997—994) 
hatte sich zu reformatorischen Maassregeln bezüglich der adeligen Stifte veranlasst gesehen. 
Kichgard konnte aber auch zur Erziehung einer verwandten dem Stifte anvertraut sein. Vgl. 
MB XXIX. a. 185. 187. Bied Cod. dipl. I. 166. Boman Zimgibrs Abhandlungen über die 
Reibe der Aebtissinen von Obermünster, Regensburg 1787, und über das Stift S. Paul in Regens- 
burg, 1803. 
5) Graf Hugo von Walderdorf in den Forschungen zur deutschen Geschichte B. XIU (1873) S 591. 
und in den Verhandlungen des hist. Y. der Oberpfalz XXX. 155. So werden die schon 1775 im 
B. Xli der MB. zur p. 2'i hierin nicht unrichtig aufgestellten Stammtafeln der Grafen von Bogen 
verbessert. 

5* 



1 



36 

Die Zeit des Ablebens ist weder von Graf Ekkhard, noch von seiner Gattin Richgard 
verzeichnet. Ob letztere die Gräfin Richgard ist, welche um 1090—1100 durch die 
Hand ihres Ministerialen Friedrich eine Williburg mit ihrer Nachkommenschaft als Gensuale 
zum Dom in Freising gibt, ist unsicher, immerhin aber wahrscheinlich, obgleich dieser Name 
damals nicht selten war, wie ihn denn auch die Mutter des Hallgrafen Engilbert führt '). 

Graf Ekkhard hat kein hohes Alter erreicht. Seine Geburt dürfte, da er schon im 
Jahre 1074 die Schirmvogtei ausübt, bald nach 1050 fallen, seine Heirat um das Jahr 
1080. Sein Sohn Udalrich ist nämlich am 16. Juli 1096 zuerst mit seinem Oheim Otto 
als Zeuge genannt. Nachdem nicht nur in der soeben erwähnten Urkunde die Schirmvogtei schon 
von seinem Bruder Bernhard geübt wird, sondern dieser auch noch unter Abt Eberhard 
von Tegemsee, dessen Tod in das Jahr 1091 gesetzt wird, als Schirm vogt auftritt, so 
dürfte er, wenn die Tegemseeer Aufzeichnung richtig ist ^), schon im Jahre 1091 nicht mehr 
am Leben gewesen sein. 

Hienach ist sein Tod kaum mit dem grossen, erst im Jahre 1098 ausgeführten 
Ejreuzzuge unter Herzog Gottfried von Bouillon in Zusammenhang zu bringen, und die 
glorreichen Thaten, welche die Sage an seinen Namen unter der Bezeichnung ,, Bundschuh'' 
knüpft, ermangeln der geschichtlichen Feststellimg. Immerhin mag der umstand, dass sich 
Seelgerät-Stiftungen von oder für ihn nicht finden, nach dem Geiste der Zeit dahin zu 
deuten sein, dass er nach seiner Gemalin raschen Todes in fernem Auslande verblichen. 

§ 5. 
Graf Bernhard I von Scheyern, Schirmvogt um 1091 bis 1104. 

Graf Peranhard, Perinhard, der zweite Sohn des ersten Schirmvogts Otto, ist Zeuge 
der verschiedenen Stiftungen und Tausche seiner Mutter, der Gräfin Haziga, und tritt 
nach seines Bruders Ekkhard Ableben in die Schirmvogtei des Bisthums Freising ein, 
welche er auch noch unter dem am 28. Juni 1098 eingesetzten Bischof Heinrich fortführt. 

Noch unter Bischof Meginward tritt er in Grub, dem bekannten Stammsitze des 
Valley'schen Zweiges der Grafen von Scheyern in Anwesenheit des Grafen Arnolds von 
Scheyern, des Stammherrn dieses Zweiges, als Stiftsvogt bei dem Tausche von Frauen 
aus der Ministerialität mit dem Abte Eberhart von Tegemsee auf*). 

Die früheste datirte Urkunde unter seiner Geschäftsleitung ist dis? bereits erwähnte 
vom 16. Juli 1096 , welche wegen ihres bisher unvollständigen Abdruckes in den Ab- 
schnitt IV unter Nr. 33 a. aufgenommen wurde. 

Das Ende seiner Amtsführung sind wir genöthigt später als Huschberg anzusetzen, 
welcher das Jahr 1101 als Todesjahr annimmt. Nicht nur kann er allein der Advocatus 
Pemhardus sein, welcher bei Bestätigung des Klosters Dietramszell als Mitschirmvogt von 
Tegemsee erscheint, sondern er kömmt auch noch in einer Urkunde des Bischofs Heinrich 
vor, in welcher Ellenhard als Domprobst und Engilschalk als Domdekan genannt sind. 



1) Huachberg 225 N. 8; N. 29 f. und 69 im Abschn. IV. 

2) Abt Eberhard von Tegernsee soll V Idns Majl, am 11. Mai 1091 gestorben sein. Freyberg 
älteste Geschichte von Tegemsee S. o7. Graf Bernhard ist anch Schirmvogt von Weihenstephan 
noch in der Zeit des 1096 darcb Bischof Meginward entfernten Abts Erchanger. MB. IX. 875, 
376 u. Ann. br. Weihenst. f 126 r. 

8) MB. VI. 42. Vollzogen wurde der Tausch dann in Föhring nächst München, wo Graf Walther 
von Finsing wohl als Gaugraf nächster Zeuge nach Graf Arnold ist ib. 43. Wenn MB. IX. 861 
ein Advocatus Pemhardus im Cod. von Weihenstephan zwischen Urkunden unter Abt Arnold 
1021—42 erscheint, ist zu beachten, dass die Stelle f. 19 rescripta^ der Abt aber nicht be- 
nannt ist, so dass die Urkunde recht wohl in Graf Bernhards Zeit fallen mag. 



37 

In der ersteren Urkunde vom 15- Oktober 1102 nennt Bischof Heinrich als Vögte 
des Klosters Tegemsee unter Amt Udalschalk Pemhard und Sigiboto de Niuwenburch ^). 
Der letztere ist Graf Siboto von Neuburg an der Mangfall; der vorausgehende Pemhart 
wird in ^iner Aufzeichnung Tegemsee*s de Grube genannt, von dem bekannten Sitze des 
später von Yallei L. Miesbach genannten Zweiges. Es kann daher hier nur der Sohn 
Haziga's Bernhard gemeint sein, welcher damals noch im Besitze der Güter vor dem 
Gebirge gewesen sein muss. 

Die zweite undatirte Urkunde, in welcher der Graf Altmann von Chregelingen erster 
Zeuge ist ^), muss über die Urkunde vom 25. Juni 1103 hinausgerückt werden, weil in 
dieser noch ein anderer Domdekan Herrich genannt ist '). 

Graf Bernhard ist jedoch bald darauf gestorben. Denn die Urkunde Papst Paschalis 11 
vom 7. Novb. 1104 für Kloster Eisenhofen nennt ihn mit seiner Mutter Haziga und seinem 
Bruder Ekkhard unter den Verstorbenen, während der jüngere Bruder Otto für die Scbirm- 
vogtei vorgeschlagen wird*). 

Sein Tod dürfte daher in die letzten Monate des Jahres 1103, oder in die ersten 
des Jahres 1104 fallen. Er scheint unverehlicht geblieben zu sein. 

§ 6. 
Graf Otto III von Scheyern, als Schirmvogt II von 1104 bis 1122. 

Nach seiner Brüder Ekkhards und Bernhards frühem Hinscheiden fiel die Schirm- 
vogtei an den dritten Sohn des ersten Schirmvogts Otto, den Grafen Otto. Unter Bischof 
Heinrich I waltete er des Amtes gegen 18 Jahre, zu einer Zeit jedoch, wo, nach den 
vorhandenen Urkunden zu schliessen, Bischof und Schirmvogt zu den dem Domcapitel zu- 
gedachten Stiftungen nur selten beigezogen wurden. Besonderes Interesse gewährt seine, 
in Urschrift jedoch nicht erhaltene Bestätigung des Vertrags zwischen Bischof Heinrich 
und dem Abte Aribo in Tegernsee, wodurch die Zehenten von Omunden, L. Tegemsee, 
Waheringen, (Waakirchen) L. Miesbach, und (Oster) - München, L. Aibling, dem Kloster 
gegen 2 Hüben zu Grabenau, einem Weüer in der Pfarrei Elbach L. Miesbach überlassen 
wurden. Sie erfolgte zu Miesbach am 5. September 1114» wobei seine Neffen, die Söhne 
seines Bruders Arnold, Otto de Gruoba, der erste Graf von Vallei, und Priderich de 
Dachowa, von dem in Dachau dem Vater folgenden Zweige, die ersten Zeugen sind *). 

Er hatte der Stiftung des Klosters durch seine Mutter Haziga beigewohnt, war 
Zeuge der verschiedenen Verträge mit Bischof Meginward und versetzte gemeinsam mit 
dem Grafen Berchtolfl, welchen der Mönch Chonrad de Purgeke nennt, das Kloster auf 
den Petersberg nächst Eisenhofen, wo die den beiden Grafen gemeinsame Burg Glaneck stand ^). 



1) M. I. 292. MB. VI. 163. Hundt Metr. Sal. II. 255. Die Urschrift im B. A. nennt den Abt 
Ovdalschalcus (nicht Dadalschalcns); auch sind in MB. die Z. zn bessern: Werinhart*de Stoffe 
Egino de Dietprebteschirchen . . Meginh* de üfhoFern. 

2) M. N. 1279. Nach Cod. com. f. 303 sind die Z.'von Tagino an za ergSnzen: (de Leren), Heinrich 
de Giesenpah, Timo de Appingen. De servientibns aeccri^: Waltmann et frater etc. 

3) Zweimal im Cod. com. f. 10 n. 11 und fol. 259; vollständiger als bei M. N. 1271 Abschn. IV. 
N.33b. 

4) MB. X. 439. N. IL Urschrift im B. A. Ergänze Z. 7 congregationis „sedem" S. 440 Z. 2 sosten- 
tatione „et" S. 441 Z. 3 Christi, .qnatinus" et Z. 5 Bainerii> nnd nach palatii: Signam. Ego 
Paschal. Catolice EP. eccVe ss. am Schiasse endlich : Paschalis Secandi Pape .anno* Ylto. 

5) MB. VI. 166. Urschrift fehlt 

6) MB. X. 449. Nach der Urschrift verbessere: S. 441 Z 6 v. n. quoddam, 5 itidem S. 442 Z. 2 
Ekkahardo, S. 443 Z. 3 posse, S. 444 Z. 2 pro illo sabstitaant. S. 445 vorl. Z. Willingan . . 
eandem. S. 446 Z. 9 Hegelingan Z. 18 basilicam ibidem Z. 21 Simechenhuson . . Ehingin. 



38 

Sein letztes urkundlich festgestelltes Auftreten ist seine Anwesenheit in der grossen 
Versammlung vor Herzog Weif und Bischof Heinrich am 30. Dezember 1119 an unge- 
nanntem Orte ^). 

Sein Antritt einer Pilgerreise nach Jerusalem, von welcher er nicht mehr zurück- 
gekehrt zu sein scheint, ist durch mehrere Stiftungen bezeichnet. Schon vorher scheint 
er seine Höfe zu Ippenhoven, Eichhofen am linken Glonufer, an Eisenhofen gränaend, 
zwischen den Bomherm und dem Kloster Weihenstephan getheilt zu haben *). Nun gibt 
er nach Kloster Ebersberg Güter zu Egmating L. Ebersberg und Elbach L. Miesbach, 
an Kloster Scheyem aber, wo er das Pilgerkleid nimmt, zu Leren, L. Erding. 

Sein Tod ist auf den 1. November verzeichnet, und da er bei der päpstlichen Be- 
stätigung der Verlegung des Klosters in die Stammburg Scheyem nicht mehr am Leben, 
dürfte er am 1. November 1121 oder 1122 verstorben sein'). 

(Jeber Graf Berchtold, den Mitbesitzer von Glaneck, liessen sich neue Daten nicht 
gewinnen. Die Bezeichnung de Purgeke führt er in keiner der die Stiftung betreffenden 
Urkunden, sondern erhält sie erst in einer Urkunde vom Jahre 1198 bei Entscheidung 
eines kirchlichen Streites durch das Freisinger Ordinariat ^). Nach seinen Besitzungen, 
welche mit denen der Grafen von Scheyem an Glon und Paar und im Gebirge vermischt 
liegen, dürfte er einem noch nicht festgestellten Zweige dieses Hauses, welcher während 
kurzer Zeit seinen Sitz in Burgheim, dem Flecken L. Rain hatte, wohl eher angehören, 
als dem Hause der jenseits der Donau begüterten Grafen von Lechsgemünde und Grais- 
bach, welchem er gewöhnlich, doch, wie uns scheint, ohne genügende Begründung zu- 
gewiesen wird. 

§ 7. 
Graf Udalrioh I von Soheyern, Sohirmvogt um 1123— 1130. 

Graf üdalrich von Scheyem war der älteste Sohn des Grafen Ekkhard. Als 
nach des Letzteren Ableben dessen nächst ältester Bruder Graf Bernhard die Schirmvogtei 
übernahm, und am 16. Juni 1096 in dieser Eigenschaft mit Bischof Meginward den 
Gütertausch des Domherrn Herrich zu Svidm6teschirichun und Smidehusin, Schweitten- 
kirchen und Schmidhausen nördlich von Freising, vollzog, war mit dem dritten der Brüder, 
Graf Otto, auch der Neffe Ovdalrich, Sohn des Grafen Ekkhard bereits Zeuge. Die be- 
treffende Stelle des Cod. com. ist in Abschn. IV, Nr. 33 a aufgenommen, während Meichel- 
beck nach einer andern minder vollständigen Stelle desselben Cartulars seine Nr. 1255 
gab. Graf üdalrich dürfte hienach um 1082 geboren sein. % 

Das nächste Auftreten als Zeuge fällt um 1100, wo er bei der edlen Frau Juditta 
de Boriginmos , Böhrmoos L. Dachau , Seelgerätstiftung für ihren Sohn Penno der erste 
Zeuge nach Juditta^s Sohn Aribo ist, und ebenso ist er wohl der einzige edle Zeuge 
üdalrich bei der Gebrüder von Pastberg Stiftung für das Seelenheil ihres am 13. Juli 
eines der Jahre 1113, 1119 oder 1124 ermordeten Bruders Gerolt *). 



1) M. N. 1273; nnn volIstäDdiger Abschn. IV N. 49 unten. 

2) MB. IX. 375 wo Ipenhoven nnd letzte Z. Eppo de Sindinhosin nach Cod. Weih. f. 14 zu lesen ; 
dann M. N. 1283, nun vollständiger Abschn. IV N. 39. Dass Eichhofen die richtige Bestimmung 
ergeben die domcapitelschen Urbarien des XIV. Jahrh. welche die Besitzung im Officium iuxta 
Glonam mit dem Namen Ejponhoven aufführen. Hienach ist meine frühere Ansicht Abh. 1. c 
B. XI. 116 zu berichtigen. 

3) Vgl. Abh. 1. c. IX. 260, bezüglich Elbachs die Berichtigung XI. 111. 

4) MB. X. 457. Hieraus hat sie zweifellos der M5nch Chonradus entnommen; Urschrift fehlt. 

5) N. 34 des Abschn. IV. M. N. 1269. Ob. Arch. XXXI. 108. Das Jahr 1113 wird bei der ein- 
fachen Bezeichnung üdalrichs am wahrscheinlichsten. 



39 

Huschberg hat sein sonstiges Vorkommen in den Urkunden sorgsam verzeichnet, 
und es ist nur noch hinzuzufügen, dass er die Schirmvog^ei über Kloster Weihenstephan 
zeitig, noch unter Abt Pabo (1097 — 1114) übernahm *). 

Als Schirmvogt des Bisthums Freising tritt er erst nach Abgang seines Oheims, 
des Grafen Otto UI, um 1123 — 1130 ein und erscheint nach den damaligen Verhältnissen 
überhaupt nur selten. 

Nicht mit Sicherheit au£&uklären ist, warum er als Schirmvogt bei jener Stiftung, 
welche die edle Hadamut durch ihren zweiten Gatten Egilolf nach dem Wunsche des 
ersten, Willihard, für dessen Seelenheil mit einem Gute zu Zielashusen, Sillertshausen L. 
Moosburg, vollziehen lässt, „piissimus atque dulcissimus advocatus^ genannt wird. War er 
etwa für den geistlichen Stand erzogen, aber nicht eingetreten, doch durch Ejränklichkeit 
von dem Eingreifen in die kriegerischen Weltereignisse abgehalten? Mit seiner Neigung 
zum geistlichen Stande und früh erkannter Hinfälligkeit lässt sich auch die grosse Stiftung 
fOr das Domcapitel erklären, welche in Meichelbecks Nr. 1313 erhalten ist, jedoch zu den 
wenigen Nummern gehört, welche in den mir vorgelegenen Freisinger BLandschriften sich 
nicht finden. 

Die Schenkung bestand aus Imichinhovin, dem Pfarrdorf Inkofen L. Moosburg, der 
Befestigung Zimuvasin vel Werda, wohl Zium Wasin, dem' Wasenhofe am linken Glonufer 
in der Pfarrei Petershausen — der Hof ist vor ein Paar Jahren abgebrannt und aus 
der noch^ vorhandenen , dereinst von einem Arme der Glon umflossenen Umwallung ent- 
fernt worden — ein Paar Höfe, einer halben Hube und einer Mühle im Pfarrdorfe Biding 
und der Einöde Gintering in der Pfarrei Wartenberg, L. Erding, endlich in Hof und 
Hube zu Ebroltisteten, Eberstetten, L. Pfaffenhofen ^). Es sind die Gegenden, wo später 
Pfalzgraf Otto begütert erscheint, welcher auch Zeuge der Vergabung ist. 

Graf Udalrich dürfte nicht lange mehr gelebt haben, aber auch nicht förmlich in 
das Domcapitel eingetreten sein. Denn als er am 21. Oktober eines ungenannten Jahres 
starb, ward in das Calendarium des Domcapitels eingetragen: XII E. Nov. ülricus ad- 
vocatus obiit. Servitium in Imchenhoven. 

§ 8. 
Pfalzgraf Otto von Witteisbach, in der Reihe der IV, als Schirmvogt der III, 

von 1130—1156. 

Dem Grafen Udalrich folgte als Schirmvogt Freisings der zweite Sohn des Grafen 
Ekkhard, Otto, damals schon Pfalzgraf Von Bayern. 

Er kann nur wenig jünger als sein Bruder gewesen sein; denn noch unter Bischof 
Meginward, sohin vor März 1098, tritt er als Zeuge in Urkunden auf). Seine Geburt 
möchte daher 1183 — 1184 zu setzen sein. 



1) Hnschberg 868 f. MB. IX 878. 

2) Der Besserang bedürftig wären M. N. 1313 Eberloe? de Seutilingen; Willibelm de Rabindorf 
ist wohl der sonst vorkommende Willibord. Die Ortsbestimmungen Huscbbergs S. 264 sind von 
Dr. Riezler Herzogtbom Bayern znr Zeit Heinrichs des Löwen und Ottos I von Witteisbach 
berichtigt ; nnr ist Zenge der domcapitelschen Urbarien Imichlnhovin nicht In'chenhofen L. Aichach, 
sondern Inkofen. 

3) Die noch von Hirsch 1. c. S. 424 gehegten Zweifel sind hinfällig, seit erwiesen, dass die Mutter 
Otto^s aus der ersten Ehe der Prinzessin Sophie, sohin vor 117Q, etwa 1165 oder 1164, ge- 
boren ist. 



40 

Es ist nicht unsere Aufgabe, dieses hervorragenden Helden und Staatsmannes Thaten 
und Verdienste zu schildern, welche von Kaiser Heinrich V mit der Pfalzgrafenwürde von 
Bayern belohnt wurden. 

Die letzte erhaltene Urkunde Otto*s, welche er noch als Graf, doch nicht mehr von 
dem bereits zum Kloster bestimmten Scheyern, sondern von Witteisbach, ausstellte — vom 
13. Juli 1116) haben wir als noch ungedruckt in den Absch. IV Nr. 47 aufgenommen. 

Sie macht uns zugleich mit seiner Gattin Heilica bekannt, einer Tochter des Grafen 
Friedrich von Lengenfeld, aus dessen Besitzungen das Scheyem'sche Stammgut mächtigen 
Zuwachs in der Oberpfalz erhält. 

Die Erhebung Otto*s zum Pfalzgrafen föllt um das Jahr 1120 ^). Die üebemahme 
der Schirmvogtei von Freising um 1130, unter Bischof Heinrich. Da jedoch in jener 
Zeit der Bischof selten genannt, das Datum den Tausch- und Stiftungs-Ürkunden aber 
fast niemals beigefügt ist, wird eine nähere Bestimmung unmöglich. 

Nachdem das Bisthum Freising an König Konrad m, Halbbruder Bischof Ottos I, 
gelangt war (1 138)» fiel diesem die Schirmvogtei in Bälde lästig und er suchte sich der- 
selben zu entledigen. 

Veranlasst wurde diess Streben wohl durch politische Verhältnisse. Im März des 
Jahres 1138 war der Herzog ^on Bayern und Sachsen, der Weife Heinrich der Stolze, 
des verlebten Kaisers Lothar Schwiegersohn, bei der Königswahl umgangen und bald da- 
rauf seiner Herzogthümer verlustig erklärt worden. Im Juni oder Juli 1139 hatl^ Bischof 
Otto^s I Bruder Leopold das Herzogthum Bayern erhalten. Wie die damals mit Krieg 
Überzogenen Grafen von Vallei scheint auch Pfalzgraf Otto nicht so rasch von dem Weifen 
sich abgewendet und dessen unmündigen Sohn verlassen zu haben. Bischof Otto erwirkte 
nun zu Frankfurt am 3. Mai 1140 von seinem Bruder dem Könige, eine Urkunde, durch 
welche unter anderm kraft königlicher Macht den Ministerialen der Kirche Freising gleiche 
Freiheit mit denen des Kelches zugesichert wurde ^). In einer weiteren Urkunde vom 
1. Jänner 1143 erklärte der König, dass der Pfalzgraf juf seine Ermahnung die Gerichts-» 
barkeit, welche er über die Ministerialen der Freisinger Kirche gehabt, gegen entsprechende 
Entschädigung gänzlich niedergelegt habe'). 

Huschberg hegt Zweifel, ob die Sache wirklich zum Abschlüsse gekommen und der 
Verzicht geleistet worden sei; jedenfalls sei hiemit die Schirmvogtei selber, als weit um- 
fassender, nicht aufgegeben worden. Das Letztere ist zu bestätigen. Aber dass der Bischof 
Befreiung von der Schirmvogtei des Pfalzgrafen angestrebt habe, dürften die Urkunden 
nachweisen , welche wir unter Nr. 83 des Abschn. IV zusammengestellt haben. Sie ent- 
halten Tausch vertrage des Bischofs mit Kloster Weihenstephan. In der ersten 1142 ab- 
geschlossenen Form ist der Schirmvogt Pfalzgraf Otto mitwirkend. In dem 1143 erneu- 
erten Vertrage, wie er bei Meichelbeck Nr. 1318 gedruckt ist, fehlt dessen Erwähnung. 
Charakteristisch endlich als Beispiel verwirrender Interpolation ist der Abdruck desselben 
Vertrages unter den Urkunden des Klosters Weihenstephan in dem IX Bande der MB. 



1) Die Urkimde Papst Calixt 11 vom 25. Juni — Ob. Arch. XXIX. Nr. 1 — in welcher Otto 
Pfalzgraf genannt wird, stellt nan ancb Maffat — Sitz. B. der bayr. A. d. W. 1860. II. 202. 
N. 4 — zum Jahre 1120, weil in diesem Jahre der darin erw&hnte Bischof Azo von Aqni mit 
Abt Egino von S. Ulrich nach Deatschland reiste. Vgl. Pins Wittmann Pfi&lzgrafen von Bayern, 
München 1877, wo die ältere Literatur zusammengestellt ist. 

2) Waitz sieht hierin nicht eine aus persönlichen Verhältnissen heryorgegan^^ene, yielmehr eine 
im Geiste der Zeit gelegene Gleichstellung der Ministerialen der Kirche mit jenen des Reiches. 
D. y. G. V. 303, 304 N. L , 

3) Huschberg 275. Die Urkunden MB. XXIX. a 403. XXXI a. 394. Nur die spatere in Urschrift 
erhalten. 



ü 

Das Dorf Vettingen wird hier ohne weiteres 

„cum plena Hofmarchie et venationis iurisdictione" 
dem Kloster vom Bischöfe überlassen *). 

Derselbe. Ausdruck, Hofmarchia Vetiing, ist zweifellos Interpolation in einer von 
Bischof Otto dem Kloster angeblich im Jahre 1146 ausgestellten Urkunde. Auch diese 
Urkunde ist nicht in Urschrift vorhanden, und ein spätes und ungeschicktes Machwerk, 
da schon das sechste Jahr des Bischofs nicht zum Jahre 1146 passt, wie wir im folgenden 
Abschnitte zeigen werden ^). 

Die Begriffe der Hofmark und der Jagd-Gerichtsbarkeit waren zuverlässig jenem 
Zeitalter noch fremd, und es verdient nähere Untersuchung, wie weit sie durch Inter- 
polation hinaufgerückt wurden*). Noch im Jahre 1183 ertheilt Herzog Otto, der erste 
Witteisbacher, dem Probste von Scheftlarn nicht etwa Hofmarksrechte, sondern seine her- 
zogliche Gewalt zu richten über aUe Ausschreitungen mit Ausnahme der drei bekannteui 
Fälle, Pogenczblät, backendes, klebendes Blut in Folge von Wunden, Noiczogen, Nothzucht, 
und furtum, Diebstahl*). 

Wenn auch Bischof Otto in solcher Weise gänzliche Befreiung von der Schirmvogtei 
nicht erreichte, so sind die Urkunden, in welchen Ffalzgraf Otto noch als Schirmvogt zu- 
verlässig nach 1143 auftritt, nur wenige; so in Verträgen mit Kloster Tegemsee 1147, 
und mit dem erst 1148 eingetretenen Abt Günther von Weihenstephan ^). 

Ueber das Jahr seines Ablebens, 1156 nach unserer Ansicht^), ergaben sich keine 
neuen Daten. Bezüglich des auf den 4. August festgestellten Todestages weicht der Ein- 
trag im Calendarium des Domcapitels ab: IUI Idus Augusti Otto Palatinus obiit. Ser- 
vieium de Sindoltingen. Pfalzgraf Otto hat mit seinem Sohne Friedrich einen Hof zu 
Singolding in der Gemeinde Altenerding dem Kloster Weihenstephan als Seelgeräte ge- 
geben ^). Es kann daher nur der erste Pfalzgraf Otto in Frage kommen. Der Tag aber 
dürfte der der Bestattung in dem fernen Kloster Ensdorf sein. 

Zur Aufklärung des räthselhaften Auftretens des Pfalzgrafen Otto mit einem Sohn 
Hermann in Weihmistephaner Urkunden ^) waren Daten nicht zu gewinnen. 



1) MB. IX 498. 503. Die vielen Fehler sind nach unserm Abdrucke in Kr. 38 za bessern. 

2) In dem Zweitältesten Urbar des Klosters im R. A. Nr. 11, gefertigt unter Abt Conrad 1291 
finde* sich L 45 im spätem Nachtrage eine von dem apostolischen Notar Arsacius Pmnner ohne 
Datum gefertigte Abschrift. Verglichen mit MB. IX. 503 steht hier Z. 11 tezatorem Z. 13 
piscatorem Z. 10 v. n. libertatus habeatnr Z. 9 v. u. marct Zoll Z. 7. viltratos, Yulgariter vilz- 
schuech Z. 3 Vötting. S. 504 Z. 1 valeat , ea tamen lege et conditione und Z. 4 folgt nach 
muniri: presente Comone nostro Decano cum aliis consiliariis nostris, Anno 1146, anno yero 
Ottonis ven. epl sexto. Es stand wohl Oounone, denn der Domdechan hiess damals Ohono. 

3) Vergleicht man die Urkunde Kaiser Konrads 11 ddto Babenberg 1144 (Böhmers Begesten 
Nr. 2231), wie sie bei Meichelbeck I. 2 Nr. 1319 steht, mit dem Abdrucke MB. IX. 499 mit 
J. 1143, so ist auch hier „venationibus" Interpolation. Die Urkunde haben wir in den Frei- 
singer Codd. die uns vorlagen, nicht gefunden. 

4) MB VIII. 519. Die Urschrift fehlt leider; in den Cartularien dreimal. 

5) MB. VI. 168. Urschrift fehlt; Hundt M. S. III. 467. M. N. 1335, wo zu bessern: Z. 10 Karolo 
Z 11 Aiterbach, Z. 16 Flizzingen, Z. 17 Homprehteshusen, und sonst o statt u. 

6) Ueber Kloster Scheyern, Abb. der bist. Cl. IX. 251. 

7) MB. IX. 412. Hundt M. S. III. 464. Abb. d. A. B. XL 115. 

8) Hundt M. S. III. 462. Sitz. Ber. der B. A. d. W. 1860 p. 339. 



Aus d. Abb. a. III. Cl. d. k. Ak. d. Wiss.XIV. Bd. II Abth. 



42 ^ 

§ 9- 
Pfalzgraf Otto II (maior), in der Reihe der Seheyern-Wittelsbacher der V, 
als Sohirmvogt von Freising der IV, 1156, seit 1180 Herzog von Bayern, 

t 1183. 

Am frühesten ist wohl Otto^s Auftreten unter den Zeugen im Traditionsbuche des 
von seinem Vater gestifteten Klosters Ensdorf um das Jahr 1129 und wieder bei Stiftung 
des Klosters Waldsassen durch Markgraf Dietpold von Vohburg um 1132 im Geleite 
seines Vaters '). Als Ekkhard , der Sohn seines Oheims , des Grafen Otto von Scheyem, 
des zweiten Schirmvogts aus den Ottonen, im Kloster Scheyem sich einkleiden lässt, ist 
er um 1130 — 1135 mit seinem Bruder Friedrich Zeuge*). 

Sein Vater ist urkundlich im Jahre 1116 schon mit Gräfin Heilica vermalt und 
seine Geburt dürfte kaum später fallen. 

Auch dieses vielgerühmten Kriegshelden und Staatsmannes thatenreiches Leben liegt 
unserer Aufgabe ferne. 

Als Sohirmvogt von Freising tritt er noch unter Bischof Otto I ein, welcher im 
September 1158 starb, und waltet des Amtes unter Bischof Adalbert 1158—1184, viel- 
fach in Kämpfe aus Anlass des kirchlichen Schismas verwickelt. 

üeber ihn geben Wittmanns jüngst erschienene Pfalzgrafen von Bayern sorgfältig 
zusanmiengestellte Regesten'). 

In Ergänzung des noch nicht vollständig Veröffentlichten bringt der Abschnitt IV 
die Urkunde vom 27. April 1168 über den Ankauf der Güter des Templer-Ordens im 
Luiken-Thale in Tirol, Amts Kitzbühel, und von Otmarshart im Glonthale bei Indersdorf ^), 
sowie den Friedensschluss des Pfalzgrafen mit Bischof Adalbert von Freising. 

Aus ersterer dürfte zu folgern sein, dass Pfalzgraf Otto damals bereits vermalt ge- 
wesen. Diess scheint in Widerstreit mit einer vielbesprochenen, in Urschrift im Beichs- 
archive verwahrten Urkunde des Klosters Bott am Inn wegen des Ghites Neufam in der 
Pfarrei Schwaben L. Ebersberg, welches der Pfalzgraf dem Abte Lothar abgekauft, aber 
nicht bezalt hatte, nun aber, bevor er zur Synode nach Rom gegen Ende 1178 abreist, 
zurückgibt. Es ist von der Verheiratung des Pfalzgrafen die Rede, welche die Mönche 
wegen Ueberganges des Gutes auf Gattin und Kinder besorgt macht '). 



1) Freih. v. Freybergs ges. Schriften IL 189. 181. Reg. Boica I. 136. 

2) MB. X. 398. 

3) P. Wittmann Pfalzgrafen S. 91 — 129 in 375 Nommem. Ergänzungen sind in Abschn. IV die 
N. 94 und 100. 

4) In den Reg. Boicis I. 264 ist sie als verdachtig bezeichnet ohne nähere Begründung. Uns 
scheint, was in den Formen ungewöhnlich, zur Annahme berechtigend, dass der Notar des Ordens 
ein Franzose war. 

5) Der erste Tbeil der Urkunde bei Meich. N. 1328, die ganze, sowie Beschreibung des Siegels 
daran MB. I. 864, wo aber zu bessern: Z. 2 NiTuar, Z. 5 adde: coluerunt et Z. 9 peracto; 
6. 365 Z. 2 u. 8 frisig*, Z 5 nichilominus quoque, Z. 11 offerret, Z. 18 Ovlricus, Z. 16 Pern- 
hardo.. Piligrim . . Wolmotesa, Z. 17 de Sliwingen, Z. 18 Lobchirchen. Conrad*, Z. 19 Ovl- 
rich.. Ovlrich de Holcehusen, Z. 20 Es^elenbach . . Crebeze.. Adalolt Adalbreht, Z. 21 
Aiwich (Ainwich) de Hitenvurt. Arnold . Gerwich*, Z. 22 Gotefrit, Z. 23 Hainrich Wevogel, 
Z. 29 sinodum Alexandri; S. 366 Z. 2 Struzdorf, Z. 9 Paldemarus, Z. 10 Schefteleren, Z. 11 
Adelbertus . . Diligen, Z. 12 de Trinjs^ispurch . . Rodebertus , Z. 13 curra. Conradus . . . Chranz, 
Z 14 Arnoldus de Lintahe.« Richolfesdorf, Z. 15 Ludewicus Vertineb. Waltmannus.. M&te- 
richingen, Z. 16 Struzdorf. Welches der yielen Neufarn in Frage> stellen des Kloster Urbarien 
ausser Zweifel. 



43 

Archivar Haschberg nimmt nnn eine zweite Heirat an; Otto habe in erster Ehe 
Agnes Gräfin von Loos, in zweiter Agnes Oitlfin von Wasserbnrg zur Gattin gehabt. 
Beichsarchivrath Dr. Haentle erkennt in seiner gründlichen Genealogie des Hauses Wittels- 
bach nur eine Vermälung des Pfalzgrafen mit Agnes von Loos an. Wittmann in der 
jüngsterschienenen Schrift; über Bayerns Pfalzgrafen erklärt die Urkunde ftLr unächt ^). 

Uns scheint die Urkunde, welche in einer von den Mönchen Jahre lang verfolgten 
wichtigen Angelegenheit im Spätherbste des Jahres 1178 zum ersehnten Abschlüsse ge- 
bracht ward, (Pfakgraf Otto war im Februar 1179 in Rom) weder erschlichen, noch 
fachlich angefertigt. Beispiele von Urkunden über mehrjährige Verhandlungen mit be- 
stimmten Abschnitten sind keineswegs unerhört'). Die vorliegende ist, wie in den MB. 
richtig bemerkt ist, in zwei auch der Schrift nach sich unterscheidenden Abtheilungen, 
beide jedoch in Schriftzügen der Zeit geschrieben und mit dem merkwürdigen Adlersiegel 
gefertigt. Sie erzält den Hergang der ganzen, noch unter Bischof Otto I, sohin vor 1159 
begonnenen Verhandlung. Wenn der zweite Abschnitt anfängt: Cum autem prefatus 
Palatinus ad nuptiarum diem accessisset — habe die Mönche Besorgniss ergriffen, so ist 
damit nur gezeigt, dass Otto bei der ersten Verhandlung vor 1159 Qoch nicht vermalt 
war, seine nun vollzogene Verehelichung wird aber nur in längstvergangener Zeit 
erwähnt, in keiner Weise als jüngst erfolgt bezeichnet. Die Vermälung mag daher recht 
wohl, wie Dr. Haeutle meint, in das Jahr 1169, oder wie wir vorher andeuteten vor 
April 1168 fallen. Die grosse Zahl der Töchter berechtigt zur Annahme einer lang- 
jährigen ehelichen Verbindung, bezüglich einer zweimaligen liegen urkundliche Andeutungen 
nicht vor. Die wohl schon früher erhoffte Zustimmung des Pfalzgrafen erfolgte erst nach 
seiner Aussöhnung mit der Kirche gegen Ende des Jahres 1178. 

Interessant sind unter den Zeugen der Urkunde für den ersten Abschnitt der nur 
zweimal vorkommende Bruder Pfalzgraf Otto's, der Probst Ulrich von Innichen, für den 
zweiten Dominus Albuwinus Pataviensis episcopus, der längst zurückgetretene Bischof 
Albuno, der Probst des S. Castuli-Stifts zu Moosburg, auf welchen wir sogleich zurück- 
kommen werden. 

Alsbald nach der Vermälung scheint der Pfalzgraf für sein und seiner Gattin Seelen- 
heil nach Weihenstephan ein Gut zu Hage, wohl im Dorfe Grossenhaag in der Gemeinde 
Schejem L. Pfaffenhof en, gegeben zu haben. Er wird dabei de Wartperch genannt'). 
War etwa die Hochzeitsfeier zu Wartenberg L. Erding? Bei der Stiftung war nicht nur 
der Richter Eonrad von Wartenberg Zeuge, sondern es sind auch bei der unmittelbar vor- 
her in das Cartular von Weihenstephan eingetragenen Entsagungs-Urkunde der Söhne 
Heinrichs von Perchach des Pfalzgrafen Brüder, der Erzbischof Eonrad und der Pfalzgraf 
Friedrich, anwesend. So würde sich auch die Vorliebe der Herzogin Agnes für Wartenberg 
erklären, wo wir sie in einem der ersten Jahre ihres Wittwenstandes mitten im Winter 
um Dreikönig treffen ^). 

Eine zweite hier vollständig zum Abdrucke gelangende Urkunde ist der Friedens- 
schluss mit Bischof Adalbert, welcher ein Datum in der erhaltenen Abschrift nicht führt. 

Schon im Jahre 1164 hatten der Pfalzgraf und der Bischof einen rechtsgesohichtlich 



1) Hnschberg S. 355. Dr. Haeatle, Genealogie des Hauses Wittelsbacb, München, 1870. Wittroann 
8. 120, Begast. N. 804. 

2) Wir erinDern an die in Urschrift noch vorliegende ürkande Ton 1186—1195. MB. X« 45. 

3) Cod. Weih. f. 73 et 74. MB. IX. 458. Etwas spater dürfte die Vergalang Ton Lern an Kloster 
Neostift fallen. MB. IX. 551. Die Urkunde vom h. April 117d, in welcher der Pfalzgraf selbst 
sieb de Wartenberg nennt, MB. IX 567, ist in Urschrift nicht vorhanden. 

4) M& IX 558. 



44 

wegen Pormulirung der 3 dem Vogte vorbehaltenen Fälle interessanten Vertrag geschlossen, 
wobei der Bischof eine jährliche Entschädigung in Geld zugesichert hatte ^). Neue Dissi- 
dien waren, wohl ob der Hinneigung Adalberts zu Papst Alexander III, ausgebrochen, 
und es ward der Bischof gezwungen, die Versöhnung um den theuem Preis der Ueber- 
lassung von 100 Bauernhöfen zu Lehen zu suchen. 

Die Zeit des Abschlusses ist nur aus den Zeugen zu ermitteln, in dieser Weise 
jedoch sehr nahe festzustellen. Es erscheinen nämlich als Mitglieder des Domcapitels: 
Domprobst Engelschalk, die Pröbste der Stifter Heinrich zu S. Andre, ßahwin, Bischof 
Otto's I trefflicher Schriftführer, zu S. Veit, Berchtold zu S. Zeno in Isen, Ulrich zu 
S. Arsacius in Ilmmünster, dann Conradus magister, dieselben, welche in den Urkunden 
von Scheftlarn in den Jahren 1169 und 1170 sich finden'); femer der Dompfarrer Hart- 
nidus, seit 1166 als Domherr nachweisbar, und ein sonst nicht bekannter Decan Wolfhart. 
Der Fried ensschluss f^lt daher in die letzten Monate des Jahres 1169 oder in die ersten 
des Jahres 1170. Kaiser Friedrich erschien um diese Zeit mit Pfalzgraf Otto in Bayern. 
Das Erzbisthum Salzburg ward bedrängt, unterworfen, und die Fürsten befanden sich am 
22. Februar 1170 in Salzburg. 

Wie Salzburg scheint in dieser Zeit auch Freising sich gefügt zu haben. Eahwin 
deutet in seiner Fortseiizung der Gesta Friderici Imperatoris es an, indem er erwähnt, 
wie Bischof Adalbert, welcher sich 1165 dem Gegenpapste Paschalis HI (Gwido) hatte 
unterwerfen müssen, durch dessen am 20. September 1168 erfolgten Tod von dem un- 
glücklichen Schisma sich befreit erachtet hatte. Nun musste er auch den neugewälten 
Papst Calixt IH (Bischof Johann von Albano) anerkennen. 

Bestätigend ist das Fehlen des Domherrn Probst Albuno vom S. Castulus-Stift in 
Moosburg bei dem Friedensschlüsse. 

Albuno, wie er in den Urkunden zumeist heisst, oder Albanus, wie er in der ein- 
zigen von ihm als Bischof von Passau erhaltenen Urkunde sich nennt, war Domherr von 
Passau und Freising und Probst zu Moosburg. Er scheint aus Niederbayem zu stammen ; 
doch bietet einer näheren Feststellung die in den Passauer, meist abschriftlich erhaltenen 
Urkunden erkennbare häufige Vermengung der Formen Albwinus, Albinus, Albonus, Schwie- 
rigkeiten. Um 1147 erscheinen dort ein Probst Alwinus und ein Subdiaconus Albwinus 
gleichzeitig. Zuverlässig ist Albuno Probst zu Moosburg seit 1154; er weilt aber zu 
Passau 1160 im Jänner und am 27. August, 1163 im November, 1164 im Jänner und 
November *). Als der im hohen Alter von der kaiserlichen Partei zum Bischof gewälte 
Domprobst Rupert von Passau gestorben war, fiel am 11. November 1165 die Wahl zum 
Bischöfe auf ihn, und er stellte am 29. Juli 1167 die vorerwähnte Urkunde in dieser 
Eigenschaft aus, konnte jedoch die Bestätigung Papst Alexanders nicht erlangen. Schon 
im Jahre 1169 gewann die päpstliche Partei zu Passau die Oberhand. Kaiser Friedrich 
unterstützte zwar, wie Rahwin erzält, auf dem Zuge durch Bayern Bischof Albuno, jedoch 
ungenügend, da der Bischof des Kaisers Gunst durch Weigerung der Weihe von dem 
schismatischen Erzbischofe Christian von Mainz verloren hatte. Albuno trat zurück, und 



1) M. 1. 860. Nach Cod. N. 191 f. 89 v. bessere bei den Zengan: StaofFe, C- de Ronige et soro- 
rius eins C. de Bore. 

2) M. N. 1341 u. 42. MB. Vlll. 515—517. Die Urschrift der ersteren sah noch Fürstbischof 
Johann Franz; die richtige Jahrzahl ist 1169. Ueher den mangelhaften Abdruck vgl. Krenner 
in den A. A. 11 (1813) 115 Not. d. In der zweiten steht nicht Conradus, sondern richtig Eber- 
hardns abbas de Sciren. 

3) Kaum ist er der Priester, welchem im Jahre 1173 die Sorge für die Brücke und das Leproson- 
hans ad s.Egidiam in Passau übertragen wird. Vgl. MB. XXVIUb. XXLX b. u Kegisterband 
XXXII. b. p. 11. 



45 

erscheint noch im Jahre 1170 wieder unter den Domherrn Freisings. Zwar wird er nach 
1177 und 1179 manchmal Patavinus electus, ja in der erörterten Urkunde des Klosters 
Eott, episcopus genannt; nirgends ist jedoch erwähnt, dass er neuerdings Ansprüche er- 
hoben hätte, yiehnehr ist er noch 1190 als Probst bei 8. Castulus unter den Domherrn, 
bis zuerst im December 1191 ein anderer Stiftsprobst, Chonradus, für Moosburg auftritt, 
Albuno sohin nicht mehr unter den Lebenden weilt ^). 

Pfalzgraf Otto^s Erhebung zum Herzoge von Bayern hatte zunächst keine Verän- 
derung in der Schirmvogtei zur Folge; zumal, wie schon die Theilung des Herzogthums 
bei dem Wiedereintritte des Weifen Heinrichs des Löwen, nun neuerdings dessen Wieder- 
absetzung nicht ohne wesentliche Schwächung der alten Herzogsmacht vor sich ging. Des 
neuen Herzogs tief zu beklagendes baldiges Ableben mitten in lebhafter Thätigkeit in 
Eeichs- Angelegenheiten , als er eben den Kaiser von Eger nach Constanz begleitet hatte, 
auf einem Ausfluge nach Pfallendorf am 11. JuU 1183 ist bekannt, die näheren Umstände 
aber sind nirgends aufgeklärt. 

§ 10. 
Herzog Ludwig I von Bayern, Schirmvogt von Freising 1183 — 1231. Steil- 
vertretungen. 

Wie für Bayern durch die Gelangung zur Herzogswürde in dem herrschenden Hause 
Scheyem- Witteisbach fortan Herzogthum und Schirmvogtei verbunden waren, so hatte sich 
allmälig allenthalben mit der Entwicklung der Landeshoheit ein Umschwung vollzogen. 

Die zu mächtigen Beichsfürsten erstarkten Fürstbischöfe bedurften der schützenden 
Gewalt der Schirmvögte nicht weiter und unterliessen ihre Zuziehung zu Veränderungen 
im Grundesitze. In auswärtigen Besitzungen aber machte sich die Oberhoheit des Landes- 
herm geltend. So erscheint schon in den Jahren 1151 und 1158 der Markgraf Ottokar 
von Steiermark in seinem Gebiete als Schirmvogt des Bisthums Freising. 

Auch sonst finden Stellvertretungen statt. Als Bischof Otto I der Äbtissin Adelheid 
von Niedemburg in Passau einige Ministerialen in Gestenreich abtritt , ist der österreichi- 
sche Edle Waltchun vom Machlande sein Anwalt. Bei dem Vollzuge der Seelgerät- 
stiffcung desselben Bischofs wird sein Ministeriale Heinrich von Lohkirchen, sein Kämmerer, 
mit der üebergabe beauftragt '). 

In jener Zeit ist Pfalzgraf Otto major häufig in Reichsgeschäften abwesend. Es ver- 
treten ihn dann, wie in anderen Geschäften, so auch in der Schirmvogtei, seine Brüder, 
die Pfalzgrafen Friedrich und Otto minor. Bezüglich Freisings liegen zwar Fälle nicht 
vor, wohl aber für andere Stifte und Klöster. Hieher zält nun auch die Urkunde Nr. 94 
Abschn. IV, da in Regensburg am 16. März 1175 des Amtes nur Otto minor walten 
konnte, wärend Pfalzgraf Otto major bei dem Kaiser in Italien weilte. 



1) Urkunden und Geschichts-Erzahlnng des alten Collagen Albnno^s Bahwin sind mit dem Aucta- 
rinm Mellicense und den Annalen von Reichersberg in vollem Einklänge. Potthast vermengt 
in der Bibl. bist, medii aevi Albnno nnd dem spätem Erzbischof Adalbert von Salzburg. Spä- 
tere Abschriften nennen den Probst auch Albono, Albeno, Albino; Albo ist Verkürzung, Albonns 
aber falsch. Dr. Erhard Geschichte der Stadt Passau I. 70 und Garns Series episc. cath. 

S. 301 kennen den Bischof Albo. Wie zur Urkunde MB. XXVIII. b. 248, sowie zur folgenden 
ie Ueberschrift Conradus episcopus kömmt, ist unerklärlich. Vgl. M. 1. 889. 340. 860. 368. 
N. 1322. 1342. 1343. Die Ann. Beich. u. Herm. Altah. und ihre Nachschreiber M. G. SS. XI. 
538. XVII. 348-541. XX 491. Böhmer Fontes III. 539. 

2) M. N. 1821 aus Cod. N. 190 f. 44 y. Z. 4 Waltchäni, Z. 15 querela. N. 1336 aus dem Cod. 
Weihenst. f. 39 v. MB. IX. 410. 



46 

Herzog Ludwig ist bei dem Ableben des Vaters noch minderjährig. Seine Oheime, 
der Cardinal Erzlnschof Konrad von Mainz und die beiden vorgenannten Pfalzgrafen, unter- 
stützen die Herzogin Wittwe Agnes in der Vormundschaft. Häufig sind sie in den Ur- 
kunden erste Zeugen, als Schirmvög^e sind sie nirgends bezeichnet. Erst um 1210 wird 
noch einmal Herzog Ludwig selbst in Urkunden Scbirmvogt des Stiftes Freising genannt ^). 

Fttr die Familiengeschichte des Hauses Scheyern- Witteisbach werden aus Freisinger 
Urkunden von nun an neue Daten nicht zu gewinnen sein *). 



II Abschnitt. 



Die Bischöfe von Freising in dem Zeiträume^). 

§ 1. 

Bischof Wolfram 926—937. 

Auf Bischof Dracholf, zugleich Abt von Schwarzach, welcher bei Erörterung der 
Freisinger Urkunden aus der Zeit der Karolinger zuletzt besprochen ward '), folgte .im 
Jahre 926 Bischof Wolfram, in den Urkunden der Zeit noch in der härteren Form Wolf- 
hrammus genannt. 



1) M. N. 1387. Die Einreihimg unter Bischof Otto I statt II ist selbstTerstandlich irrig. Nach 
Cod. com. f. 117 ist S. 556 Yorl. Z. Bvelsdorf (Bubelsdorf) S. 557, Z. 1 Bndolftis Vertinc 
zu lesen. 

2) Bezüglich auf Huschbergs S. 253 N. 1 mag noch bemerkt werden, dass in der Urkunde M. N. 
1846 zufolge Cod. N. 190 f. 45 nach dem Begensburger Stadtyogt Heinrich einzuschalten ist: 
Chunrat iunior comes de Valeie; auch ist in drittletzter Z. zu bessern: Dietpolt et filius eins 
Dietpolt — es sind die Wippenhauser. üeber Konrads II , Herzogs von Meran, zwei Gemalinen 
Adelneid und Mathilde und Konrads III, Herzogs von Dachau, wahrscheinliche Gattin üdilhilt 
vgl. Note 2 zu S. 101 und 8. 105 meiner Beiträge A. Abb. XI, dann Über Konrads II erste 
Gemalin AdeUieid, Tochter Herzog Heinrichs von Lintburg, Enkelin Boto*s von Potenstein, 
Wittwe Obuno^s von Horburg, Moritz in den Grafen von Sulzbach. A. Abh I. 2. (1833) 148. 

3) Nach Beginn des Druckes ward noch eine wichtige Handschrift aus Weihenstephan beigezogen, 
Cod. lat. N. 21555 der H. u. St.- Bibliothek, ein Quartband mit der äossem Längs-Üeberschrift 
Calendarium vetustissimum , mehrfach benutzt, so Meich. I. 116. Von f. 13 an folgen darin 
Bedae vener. Martyrologium (mit Eintrag um das J. 1000), de ratione temporum, de naturis 
(sie) rerum, cirouli ad deprebendendas cuiosque anni lunas paschales. Nach dem Doppelcyclos 
von 0—1063 n. Chr. ist eine eigenthtUnliche Fortsetzung von 1064—1412 angefögt. Band und 
schmale Zwischenräume der Jahre in den Circulis sind nun zu historischen Angaben benutzt, 
welche, Ende des XI Jahrhunderts gleichzeitig, bis in die Mitte des XIV sich fortsetzen. P. 
Hier. Fez gab in den Scriptores rerum Anstriacarum II. 401— 4 li einen dürftigen, nicht immer 
richtig gestellten Auszug — ez vetustiore Chronico. Besser durfte die Bezeichnung Annales 
breves Weihenstephanenses passen, unter welcher wir sie fortan einführen. Nähere Besprechung 
ist von Hrn. Hofrath Fodringer demnächst zu gewärtigen. 

4) Ak. Abh. der bist. Cl. XIII. (1875) 49. 



47 

Vor seiner Wahl znm Bischöfe findet sein Name sich in Freisinger Urkunden nicht, 
doch sind sie aus Bischof Dracholfs Zeit nur sehr spärlich erhalten. 

Wenn einige ihn aus dem Edelgeschlechte von Berghausen im L. Freising (Ober-, Ff. 
Ejranzberg, Unter-, Pf. ZoUing) hervorgehen lassen , so beruht die Vermutung zuverlässig 
nur darauf, dass Bischof Wolfram für sich einen Jahrtag mit einem Gute, Hofstätte und 
Hube daselbst, stiftet, wobei er jedoch die Gabe keineswegs als ererbten Besitz bezeichnet. 
Schon Meichelbeck hat daher die Annahme als grundlos erkannt ^). 

Sein Tod ist übereinstimmend in allen Scheftlamer und Freisinger Calendarien zum 
9. Juni eingetragen, und das Calendarium in der Hof- xmd Staatsbibliothek fügt von der 
Hand des XI Jahrhunderts die Jahrzahl 937 bei^). Es ist dieselbe gegen Meichelbeck 
um so mehr festzuhalten, als dieser selbst bemerkt hat, wie das Schreiben Papst Leo VH 
an die Bayerischen Bischöfe dazu nöthigt, indem es schon Bischof Lantbert unter Herzog 
Eberhard von Bayern nennt. 

§ 2. 
Bischof Lantbert 937—957. 

Der heilige Lantbert, welcher, wie erwähnt, im August 937 das Bisthum antrat, 
Hess sich zu Burg Salz ob Neustadt an der Saale, unto^tützt von Herzog Berchtold, durch 
König Otto I das Stift Moosburg und den Eönigshof Föhring am 29. Mai 940 bestätigen. 

In die gleiche Zeit nach Erstarkung der Eönigsmacht dürfte die Anordnung fallen,' 
wodurch Otto I noch als König alle ungleichen und unbilligen Gütertausche der Kirchen 
für ungültig erklärt. Sie ist durch eine undatirte Urkunde erhalten, auf welche Siegfried 
Hirsch in den Jahrbüchern des deutschen Reiches unter Heinrich 11 aufmerksam macht. 
Bischof Lantbert prüfke ihr zufolge die Verhandlungen Wolframs mit dem edlen Erz- 
priester Engilschalk, welcher grossen Grundbesitz an dem zur Glon ziehenden Bottbache, 
um Pasing und Viecht hatte, erkannte aber den Tausch der Kirche nützlich und be- 
stätigte ihn'). 

unter ihn fallen die letzten verheerenden üngamkämpfe. Es ist verzeichnet, dass 
Herzog Heinrich I wiederholt Siege über sie erfocht. Ln Jahre 950 drangen die 
Ungarn gleichzeitig in Kärnten und bis in die Mitte Niederbayems vor, wo an der Donau 
bei der Wallfartskirche Loh, L. Deggendorf nächst Stephansposching, mit schwerem Verluste 
der Bückzug erzwungen wurde. Ieq Jahre 951 ward der Krieg in ihr Land getragen; 
955 aber erfolgte ihr Bachezug, welcher am 10. August mit der Vernichtung ihres Heeres 
auf dem Lechfelde endete^). 



1) M. L 162 und Nr. 990. Banmgrärtner in der Geschichte der Stadt Freising nennt S. 167 irrig 
Burghansen, wodurch weitere falsche Fährde gegeben bt. Bei M. I. 162 steht Perchofen statt 
Perchnsen. Koch-Stemfeid erkennt aas dem blosen Namen „die Stammgenossenschaft am Te- 
gembacbe.* Die altgefeierte Dynastie Babo's 8. 58. 

2) M. I. 168. Qn. n. Er. VH. 460. Der Eintrag in dem Martyr. lautet: V Idns Junii Unolfiramüs 
episcopos obiit. Nachtrag: ISmns eps aö dfli. 987 In Jaffe^s AbRcbrift geriethen der VU and 
der V Idus Janii noch vor E. Junii in den Mai, so dass im Dracke, Forschungen z. d. Q. XV. 
168, Abraham irrig zum 26, und Wolfram znm 28 Mai eingestellt sind. Die eben erwähnten Ann. 
br. Weihenst. stellen den im XI Jahrhunderte spät volliogenen Eintrag des Wechsels der Bischöfe 
zum Jahre 988; doch unserer Ansicht nach irrig. 

3) Hirsch Jahrbücher I. 52 N. 8. M. N. 1089 Zeugen sind nach Cod. com. f. 254 t. weiter :Koz- 
perht, Sigimuot, Adalfrid, Irmanheri, Kepahart, Adalperht, Engilperbt, Anno, Wolfolt, Orendil, 
Managolt, Isanhart, Diothart, Foccho, Adalperht, üeulalger. Ueber Erzpriester Engilschalk Tgl. 
A. A. XIII. 91. 

4) Die kurze Notiz der Altaicher Annalen zum J. 949 : „Proelium cum Ungariis in Lia* erhält 



48 

Er starb 957 am 19. September, wo noch jetzt sein Fest in den Kirchen des 
Bisthums begangen wird. Sein Todestag ist in den beiden Calendarien vor dem Martyro- 
logium eingetragen und in jenem der Bibliothek von der Hand des XI Jahrhunderts 
beigefügt : ao d'ni 957 — im Einklänge mit den kurzen Weihenstephaner Annalen ^). 

Er scheint aus dem Bisthums-Clerus hervorgegangen zu sein. Zweimal findet sich 
nämlich der Name Lantperht unter den Zeugen in Bischof Wolframs Urkunden. Es war 
wohl auch der Domherr Lantperht aus seiner Verwandtschaft, welcher unter Bischof 
Abraham allmälig bis zum Senior aufrückt^). Dass er einem mächtigen Hause angehörte, 
ist nach dem Geiste der Zeit wahrscheinlich. Meichelbeck verwirft indessen wohl mit 
Eecht die Einreihung in das Geschlecht der Grafen von Semt und Ebersberg, in deren 
Familie der Name nicht vorkömmt. Eher scheint die Angehörigkeit zu dem Gescblechte 
jenes Grafen Lantbert angedeutet, welcher in dieser Zeit an der Abens des Amtes waltet ^). 

Die erhaltenen Urkunden lassen nirgends eigenen Grundbesitz des Bischofs erkennen. 



§ 3. 
Bischof Abraham 957—994. 

Der Nachfolger Lantberts fühi?t den damals ungewöhnlichen Namen Abraham. Er 
ist schon gegenwärtig, als der letzte Tausch Lantberts durch den Erzpriester AdaDioz 
aufgezeichnet wird *). Hiemit im Einklänge steht , dass er nach dem gleichzeitigen Ein- 
trage in dem Calendarium vor dem Martyrologium schon am Thomastage, 21. Dezember, 
die kirchliche Weihe empfängt*). 

Uni Weihnachten 960 findet sich Bischof Abraham im Geleite der die Vormundschaft 
über den Sohn führenden Herzogin Judith von Bayern, Pfalzgraf Arnulfs Tochter, bei 
König Otto I in Regensburg, und wir treffen ihn noch in dieser Stellung, welche der 



nun durch den Eintrag ältester Schrift in den kurzen Weihenstephaner Annalen Ergänzung 
und richtigere Stellung; Cod. lat. 21556 f. 123: DCCCCL Multi Baioariorum occisi sunt ab 
Üngariis ad Luo. et Carentani abüngarils occisi sunt. Einzige Notiz ältester Schrift aus den 
üngamkämpfen ; fehlt bei Pez. Vgl. Kaiser Otto I von Kopke und Dümmler S. 182, wo aber 
nicht richtig Lova gelesen und der Ort nach Ungarn verlegt wird. 

1) Forschungen XV. 164 Qu. u. Er. VII. 466. Böhmer Pontes IV. 586. Cod. lat. 21557 f. 123: 
957 Lantpertus eps ob. Abraham eps successit. Nicht zu verwechseln ist die Passio s. Lant- 
berti epi et martyris 17. Sept. Diess ist der Niederländische gleichnamige Bischof. Vgl. 
Potthast bibl. hist. m. aevi. 775. u. Suppl. 160. 224. 

2) Unter den zu ergänzenden Zeugen M. N. 994: Testes Eepolf, Rapot, Waltheri, Adalhart, Ellin- 
wic, Humperht, Podalunc, Amalrich, Wolfheri, Wentilmar, Cotahelm, Adalfrid, Kundberi, Ate, 
Lantperht, Engilheri, Liupho. N. 995. Testes: Ratolt, Pazricb, Hunger, Engilperht, Lantperht, 
Etih, Ermperht, Ratolt. C. c. f. 110. Ob. Arch 1. c. N. 11 15. 44. 86. 87. 

3) Um 960 — 970 bezüglich Heriwartesdorf und Heridioshnsa, Herbersdorf L. Moosburg und Hörenz- 
hausen L. Freising, M. N. 1092. Die Urk. steht im C. c. f. 148 mit der Einleitung: H»c 
sunt commutationes et conplacitationes , qnas Abraham ep£ cum manu advocati sui Paponis fe- 
eit. Zeugen sind weiter: Heimperht, Wolfolt, Jacob, Erchanperht, Cotapolt, Lipolf, Adalperht, 
Peranwin, Wogo, Gundperht^ Purchart, Petto, 2 Waldmann, Otmar, Rihfrid, Wolfgoz, Isangrim, 
Herilo, Eparuni, Reginhelm, Wanperht, Reginperht, Otolt, Asmar, Wolfhart. 

4) M. N. 1041. Ergänze: testes, sicnt mos est Baioariorum, per aures tracti: Engildio, Sigimuot, 
Eisalolt, Wicko, Lantperht, Helmger, Waldmant, Rihfrid, Hunperht, Adalolt, Paldachar, 
Altrih, Tagidio, Muotheri, Eotahelm, Erimheri, Rihdio, Alpuni. C. c f. 122 t. 

5) Im J. 957 ein Mondtag. Der Eintrag ist entscheidend fiir die Zeit des Beginns des Necrolo- 
gium; es ist die Hand dessen, der das Calendarium selber schrieb. 



49 

jugendlichen Wittwe, deren vertrauter Bath er war, üble Nachrede zuzog, zu Ostern 965 
bei Otto, nun Kaiser, in Ingelheim ^). 

In hervorragender Stellung an den Höfen der Kaiser und der Herzoge w&hrend 
seiner langen Begierung hat er manchen Schicksalswechsel durchzumachen gehabt , worauf 
hier nicht nfther einzugehen ist*). 

Die Kaiser, Otto I und 11, belohnten die Verdienste des längere Zeit mit Heinrichs 11 
Erziehung betrauten Bischofs durch reiche Vergabungen. In der Matk von Verona erhftlt 
er die Herrscht Godego, nun in der Provinz Treviso, in Krain weite Landstriche an der 
Zeyer, woraus die schöne Herrschaft Bischofislack heranwuchs, bis zur Sftcularisation im 
Besitze der Bischöfe von Freising '). 

Aus einer im Bücherschatze des Freisinger Doms auf uns gekommenen Handschrift, 
welche zuverlässig aus seiner Zeit stammt, und zwischen Homilien, Festreden und theo- 
logischen Abhandlungen von benannten und unbenannten Verfassern, Concilienschlüsse, 
einen Landtags- Abschied, Aufzeichnungen über Besitz, Beuten, Zinsleute, sowie slavische 
Ennahnungen und Gebete enthält, die zu den ältesten Denkmälern dieser Sprache gehören^), 
ist geschlossen worden, dass der Bischof von ungewöhnlich vielseitigem Wissen, in Kirchen 
imd Landesrecht wohlerfahren, und voll Eifers für die durch die reichen Schankungen im 
Osten und Süden des Beiches gestellten Oultur- Aufgaben war — eine Auffassung, welche 
im Einklänge mit allem, was wir sonst über ihn wissen, wohl berechtigt ist^). 

Aus seiner Kenntniss der Slavischen Sprache hat man auf elterlichen Besitz in 
Krain geschlossen und sofort ihn dem späteren (jrafenhause von Görz zugewiesen ^). 



1) Dämmler Jahrbficbcr unter Otto I. S. 295. 819. 871. Wie später bei Judith^s Bestattung der 
Bischof sich und die Wittwe feierlich am Altare zu reinigen bestrebt war, s. Büchner Bayr. 
Gesch. III. 63. Meich. I. 188. 

2) Vgl. Giesebrocht Kaiser Gesch. I. 578. Hirsch Jahrbücher unter Heinrich IL I. 50. 

8) MB. XXXI a. 280. Vgl. Dr. Roths Impetrationes episcoporum Frisingensium in dessen Beiträ- 
gen III. 62; dann Hirsch 1. c. I. 49 f. Dass Kaiser Heinrich II dem Bischöfe zur Pflege und 
Erziehung flbergeben war, sagt der Kaiser selbst in der Urkunde vom 10 Mai 1007: Abrahae 
ep^ in cuius laribus eis, quae s. Mariae s. que Corbiniani erant, bonis pariter utentes paterno 
lenimine beni^pie nutriebamur. M. I. 206. MB. XXXI a. 280. 

4) Es ist der Cod. lat. N. 6426 Frising. 226 der Hof- und Staatsbibliothek in Gross-Quart. Die 
bei Hirsch 1. c. I. 81 N. 5 angeführte, für die Zeit der Handschrift bezeichnende Aufochreibung 
f. 146 a. zwischen Concilienbeschlassen (Aurelian. cap. XIII und Meldens. tit. LXXX) lautet: 
Isti sunt testes concambii Abrah^ ep< et Adalperonis ; ' Perahtolt, Ruodperht, Ludolf, Ovto, 
Hestolf, Joduuch, Pero, Engilmär. Isti sunt servi : Hümperht, Sintperht, Diotperht, Re^inhalm. 
Der Landtags- Abschied aus der Zeit Herzog Heinrichs des Zänkers (t 995) ist ron H. Föhringer 
im Beiblatt Nr. 86 zu den Bajrr. Annalen 1885, die Formeln in Gli^^lita-Sehrift Ton A. 
Schmeller in den Münchner Gel. Anieigen 1837 N. 140—142 (III. 99 f.) und mehrfach heraus- 
gegeben. Es folgt ihnen auf f. 78 eine Formel: Confitentibus tibi Dne etc. dann 125 theils 
deutsche, theils slavische Namen auf anderthalb Seiten, doch mitteninnen: Isti sunt« qui cen- 
sam dederunt; dann die lateinische Formel für den Judenoid. 

5) Als Aufzeichnung von des Bischofs eigener Hand gilt der (auf dem Vorblatte von anderer Hand 
wiederholte) Eintrag über Godego auf der Bückseite des f. 152 und Vorseite des f. 153, welchen 
wir in Abschn. IV Nr. 2 geben. In leeren Seiten zwischen theologischen Stöcken eingetragen tragt 
sie die Inhalts- Anzeige unteft an der ersten Seite, und es ist bemerkenswerth, dass das Wort „mihi" 
gegen den Schluss mit rother Tinte einst unterfahren war. Die ganze Stelle ist nahezu wört- 
lich der Urkunde Otto's I »in Proilo Papiae V K. Junii 972* entnommen, welche in Urschrift 
nicht, in Abschrift oft, so im Cod. Fris. N. 191 allein dreimal, erhalten ist. Meichelbeck I. 
178 erinnert schon, dass die Angaben des Datums nicht harmoniren; in den MB. XXXI a. 201 
wird sie zu 9tf9, von Böhmer N. 386 wieder zu 972 gestellt. Nach den Jahrbüchern (Eöpke 
and Dümraler) unter Otto I, welche sie nicht erwähnen, war der Kaiser am 25 Mai noch zu 
Ravenna, am 25 Jali aber zu Pavia, wesshalb wohl V K. Angusti zu lesen ist. 

6) Rudolf Goronini*s Tentamen seriei Oomitum et rerum Goritiae (Wien 1759, 2), obwohl die 
alteren Bajr. Schriftsteller kennend, weiss davon nichts. 

Abh. d. UI. Gl. d. k. Ak d. Wiss. XIV. Bd. II. Abth. '^ 



50 

Dass Abraham einem mächtigen Bayrischen Hause angehörte, ist wahrscheinlich, 
und bei der so häufigen Fortdauer gleicher Namen in der Familie ist die Hinweisung 
auf den Grafen Abraham von Bedeutung, welcher um 940 im Sundergau vorkömmt^). 
Welchem Hause aber dieser zuzutheilen wäre, ist nirgends angedeutet. Immerhin möchten 
beide nicht mit dem an der Semt schon blühenden , zur Gründung des Klosters Ebersberg 
damals schreitenden Hause in Verbindung zu bringen sein. Denn die älteste mit Stamm- 
tafeln versehene Chronik dieses Klosters enthält darüber keine Andeutung, obwohl sie er* 
zält, dass Bischof Abraham, weil der Erbauer des Klosters üdalrich zu Aen Ottonen ge- 
halten, und bei dem Aufstande Herzog Heinrichs des Zänkers, der sich habe zum Könige 
krönen lassen, sich nicht wie der Bischof, betheiligt, die Klosterkirche nicht zu weihen 
geschworen, doch aber gestattet habe, dass diess durch einen andern geschehe, wozu dann 
Erzbischof Friedrich von Salzburg gewält worden sei*). 

Abraham starb am 7. Juni. Der Tag ist gleichmässig in Freising, Weihenstephan 
und Scheftlam vorgemerkt und zweifellos *). Abweichend aber sind die Quellen bezüglich 
des Jahres. Während im Martyrologium der Bibliothek der Nachtrag aus dem XI Jahr- 
hunderte 994 gibt, ist in den kurzen Weihenstephaner Annalen der Wechsel im Bisthum 
zum Jahre 993 gestellt ^). Es dürfte jedoch dem Jahre 994 der Vorzug zu geben sein, 
da nur mit diesem die von Chonradus sacrista dem Bischöfe zugetheilten 37 Regierungs- 
jahre zu erreichen sind '). 

§ 4. 
Bischof GottSQhalk 994—1005. 

Bischof Gottschalk soll dem Edelgeschlechte von Hagenau entsprossen sein, welches, 
wie Meichelbeck annimmt, desselben Stammes mit dem von Weilheim war. 

Die Edlen von Hagenau, welche seit 1080 häufig in den Urkunden von Freising 
und Weihenstephan erscheinen, möchten dem Weiler dieses Namens in der Pfarrei und 
Gemeinde Hohenbercha L. Freising angehören. Der Name Gottschalk kömmt aber bei 
denselben nicht vor. 

Es gibt weiter Hagenau in den Landgerichten Landshut, Mallersdorf, Vilsbiburg, 
Mühldorf. Nach W. Hundt's Stammenbuch sass das ein Jahrhundert später vielfach auf- 
tretende Edelgeschlecht von Hagenau im Lande ob der Enns im Gerichte Otensheim an 
der Donau ; besser weist es Frey d^m alten Amte Maurkirchen im Lmviertel zu : Hagenau 
liegt eine Stunde unterhalb Braunau am rechten Lmufer. Der Zusammenhang mit dem 
oberbayrischen Edelgeschlechte der Herren des Städtchens Weilheim wird aus dem erst 
um 1300 vorkommenden Wappen der 3 Begenbogen abgeleitet. 



1) MB XXVIII a. 171. A. Nagel in den Origines B. D. L c. 228: Abraham Fris. episeopos band 
dubie Abrahami comitis in Comitatn Hartingano ad Semptana in pago Sandergawe filins. Aach 
Giesebrecht erachtet ihn ans Bayerischem Gescblechte entsprossen. Kaiser-Gesch. I. 431. 

2) Chronicon Ebersperg. bei Oefele, Scriptores II. 8, 13 nnd 21« Die Jahrzabl 970, welche lom 
Aufstände Ottoni pnero tertio regi nicht passt, steht, wie die folgende 972, im Cod. Ebersp. 
N. 20 des R. A. f. 4 auf radirter Stelle. 

8) Der Fehler, Forscbangen XV. 168: VII K. statt Id. Jon! ward schon bemerkt. Anch im Cod. 
lat. N. 21565 im Martyr. f. 18: VII id. Jonii Abraham ep^s obiit. Abweichend nur im Cal. 
vor der Ebersperger Chronik mm 7. Jnli. ffierans wohl der Irrthnm Meichelbeeks L 187, den 
schon Dentingers Beiträge I. 16 berichtigen. 

4) Cod. N 21555 f. VIS v. : DCCCCXCIII Abraham ep's ob*. Gotescalchos ep*B saeeessit — älteste 
Schrift; nicht bei Pez. 

5) Hirsch Jahrbücher I. 52. N. 2 gibt 993 auf Grund eines Faldaer Necrologs den Vonng; Bad- 
hart aber, Qa. n. Er. VII. 459, dem Jahre 994. 



51 

Es liegen keine Andeutungen vor, die Zugehörigkeit des Bischof Gottschalk zu 
irgend einem dieser Edelgeschlecbter zu begründen. Mehr Wahrscheinlichkeit spricht für 
seine Abkunft oder doch nahe Verwandtschaft zu dem später von Moosburg benannten 
Chrafenhause. Er beruft den älteren Helmpert aus diesem Hause zur Schirmvogtei des 
Bisthums und dessen ältester Sohn fahrt des Bischofs Namen. So dürfte die kurze Ein* 
Schiebung dieses Geschlechtes in die Schirmvogtei am angemessensten sich erklären ^). 

Gottschalk stand in hohem Ansehen bei den Kaisern Otto m und Heinrich IT, 
welche Freisings Besitz unter ihm , namentlich auch durch Güter am Regen , mehrten '). 

Sein Tod steht in allen Necrologien am 6. Mai, in jenem vor dem Martjrologium 
der k. Bibliothek als Nachtrag aus dem XI Jahrhunderte: Coteschalcus obiit a. d. 1005. 
Diese Jahrzahl, welcher auch die kurzen Weihenstephaner Annalen beitreten '), ist auch die 
richtige, wie denn der Nachfolger Egilbert schon im Mai 1005 die königliche Kanzlei 
▼erlässt. Meichelbeck ward zu der irrigen Annahme des Jahres 1006 nur durch die 
Meinung veranlasst, Gottschalk sei noch um Maria Geburt (8. Sept.) 1005 mit König 
Heinrich IT in Prag gewesen. Der Zug nach Prag und die ergreifende Predigt, durch 
welche der Bischof den König zur Milde gegen den Markgrafen Heinrich vom Nordgau 
stinmit, Wlt noch in das Jahr 1004^). 

§ 5. 
Bischof Egilbert 1005—1039. 

Als der Bayerische Herzog Heinrich nach dem frühen Tode Kaiser Otto des DI in 
Italien (23. Jänner 1002) als Sprosse des Sächsischen Hauses die Nachfolge im Reiche 
ansprach, und den Zug zur üebemahme der Königswürde durch Deutschland antrat, be- 
fanden sich aus Bayern bereits in seinem Dienste zwei Brüder, Egilbert und Heinrich. 
Sie standen schon so höh in seiner Gunst , dass der Cleriker Egilbert das Kanzleramt 
erhielt, Heinrich ihn als Truchsess begleitete. Der Letztere fiel indessen schon am 10. August 
1002 zu Paderborn in einem, wie Thietmar erzält, durch die Üngenügsamkeit der Bayern 
veranlassten Aufstände^). Egilbert zog mit dem Könige als Kanzler durch Deutschland 
und Oberitalien, bis er am 5. Mai 1005 zum letzten Male des Amtes zu Utrecht in den 



1) Der FreiBing*8che Schirmvogt Helmpert, seiDe Gattin Perahswint, die Sohne Gottscbalk und 
Helmpert in der Urkunde M. N. lldS. Freyberg znm Cod. s. Castnli 1. c 20. 

2) Seine Mühen um Tegemsee 8. bei Hirsch 1. c. I. 190. 240. In der Urkunde yom 9 Sept. 1003, 
MB. XXVIII a. 811, überlaset der Bischof dem Könige cnrtem in Alemania pago Doria et in 
comitatn Manegoldi coniitis, nomine Navua. Diesen Ort, den Stalin, Gesch. Würtembergs I. 
293, nicht m bestimmen vermochte, der jQngst in der Zeitschrift des bist. Vereins von Schwa- 
ben (1876) n. 174, in' Eggenthal im Mindelgebiet gesucht wird, nennt Lang Nufem im 
Schweizer Canton Thnrgau, Hirsch (Jabrbflcher I. 271. N. 4) Nuffen ebendort. Manigold ist 
als Graf des Thnrgau^s in dieser Zeit nachgewiesen. Der Ort kann aber dann nach freundlichem 
Aufschlüsse Arehirars Dr. Pupikofer nur eines der Dörfer Ober- und Nieder-Neunfom an der 
Thur zwischen Frauenfeld und Sehafhausen sein. Die Erwerbung des in den Freisinger Urkunden 
sonst nicht genannten Gutes dürfte auf den aus Thnrgau stunmenden Bischof Wsldo (883— 
906) lurflckiuf&hren sein. 

3) Cod. 1. N. 21655 Martyr. f. 17: II Non. Mai Gotescalchus ep^s ob. älteste Schrift; f. 124: MV 
magna fames facta est. Gotescalchus ep*s ob'. Egilbertos ep*s suceessit. Nicht bei Fes. 

4) Vgl. Hirsch 1. c. I. 323. Giesebrecht IL 45. Obwohl Veit Ampeekh, De gestis episc. Fris. bei 
Deutinger schon das richtige Jahr hat, wird das irrige Yon Deutinger selbst, Potthast und 
Hirsch festgehalten. M. I. 204. Deutinger Bdtr. L 16 ; III. 493. Hirsch L 374. N. 5. 

5) Giesebreeht II. 26. Hirsch 1. c. I. 226. 

7* 



52 

Niederlanden waltete, wo am letzten Tage desselben Monats und Jahres noch Bruno, des 
Königs Bruder, in diess Amt eintrat. 

Nicht etwa Ungnade war es, was Egilbert vom Hofe entfernt hatte. Die Nachricht 
Yon dem am 6. Mai 1005 erfolgten Tode Bischof Gottschalks von Freising war einge- 
troffen, und König Heinrich 11 bezeugt in der Urkunde vom 11. Mai 1007 selber, dass 
er Egilbert zum Bischöfe von Freising bestimmt, und nicht ohne Mühe zur Uebemahme 
des Bisthums vermocht habe ^). Die häufig gettbte Weise des damals noch jungen Regi- 
ments mag jedoch von den Domherrn nicht so leichthin anerkannt worden sein. Denn 
die Bischofsweihe Egilberts erfolgte zu Freising nach einheimischer Aufzeichnung am 
25. August, wohl eher des Jahres 1006, wo dieser Tag Sonntag, als schon 1005, wo er 
Sonnabend war*). 

Die überraschend geringe BetheiUgung Egüberts in Reichssachen in den folgenden 
Jahren, und die Vergabungen an ihn durch die Kaiser Heinrich 11 und Konrad sind be- 
reits von Hirsch und Steindorff in den Jahrbüchern des deutsches Reiches genügend er- 
örtert'). Sie beruhten wohl auf einem grösseren Antheile bei Verwaltung des Herzog- 
thums Bayern, die zeitweilig der König, dann Kaiser, selbst führte. Der Nachfolger 
König Konrad 11 gab seinem, Ende Juni 1027 zum Herzoge von Bayern gewälten Sohne 
Heinrich III, als Bischof Bruno von Augsburg im April 1029 gestorben war*), Egilbert 
zum Erzieher und Führer. Wie trefflich Egilbert unter allgemeiner Anerkennung die 
Aufgabe löste, entwickelt Oiesebrecht in schöner Darstellung und Steindorff erörtert den 
dadurch für Freisings Grundbesitz erworbenen Zuwachs ^). 

Mit Umsicht und Thatkraft leitete Egilbert sein Bisthum. Die reichen, in den letzten 
Jahrzehnten den Domherrn zugegangenen Stiftungen mögen wesentlich zum Verfalle der 
Klosterzucht beigetragen haben, deren Ueberwachung bei der häufigen Abwesenheit der 
nun zu ReichsfÜrstefL erwachsenen Vorstände von den Würdenträgem des Domstifts nur 
ungenügend gehandhabt wurde. Ganz im Sinne Kaiser Heinrich II erkannte Egilbert die 
Nothwendigkeit einer Reform. Nach dem Vorgange an anderen Domkirchen wies er dem 
Domstifte eine selbstständige Stellung an, und verlegte den Sitz des Mönchthums auf den 
benachbarten S. Stephansberg, den sagenhaften Tetmons, wohl dem Ursitze des h. Cor- 
binian, bei welchem Kirche und Wohnung forterhalten und zeitweilig von den Bischöfen 
benützt wurden. Bischof Hitto hatte daselbst um 830 einen Probst mit 6 Geistlichen 
eingesetzt, welche bei den Kirchenfeierlichkeiten dort mitzuwirken hatten ^). Bischof Egilbert 



1) Quia nostrnm fidelem Engilbertam antistitem de propria quasi camera ad tale diBpendinm sa- 
perandura viz nostra assidnitate sabtrazimas. M. L 206. MB. XXXI a. 280. 

2) Nach dem Bracbstücke eines Necrologs im Reichsarchive. Qa. n. Er. VII. 438b Das Necr. vor 
dem Martyrologinm in der Hof- und St.-B. enthalt den Eintrag nicht. 

8) Hirsch 1. c. I. 99. 156. 182. N. 2. 874. Nr. 6 II. 66. 249 ff. Steindorff I. 7. 19. N. 3. 21. ff. 
insb 22 N. 6 n. h, 28. 29 N. 1 n. 8 ; doch ist Alamn nnzweifelbaft das Dorf Ollem in Nieder- 
deterreich Bez. Hermats Ger. Tnlln. Vgl. Zahn Cod. diplom. Anstriaco-Frising. Fontes rerum 
Austriac. XXXI. XXXV u. XXXVI. 

4) Am 24. April Steindorff I. 20 N. 8. Die da angeführte Schenkung der Stadt Straubing an 
Angsborg^s Domkapitel führt übrigens bei Nai^el notitiae 1. c. 274 das ganz richtige Datum : 
ao. dn. ine. M, XXVIIII indict. XII in civitate Aaf^nsta. Das Jahr begann ja damals mit dem 
Weihnaditstage ; Kaiser und Bischof waren seit Weihnachten 1028 in Aagsburg bis in den Ja- 
nuar. Steindorff ib. 19. 

5) Oiesebrecht Kaisergcsch. IL 288. 

6) Cod N. 2 1555 Martyr. f. 22. IUI id. Decbr. (Hitto's Todestag) Hitto frising. ep*c. qai in isto 
loco primns initiavit Dei servitium cum uno preposito et 6 [Nrebendariis. Qui et s. Alezandrum 
et 8. Justinum de Roma hnc attulit. Alter, doch nicht primärer Eintrag. Vgl. Meich. I. 116. 
In monte s. Stephane werden Stiftungen vollzogen unter Erchanbert ^8, Lantbert 950, die 
fratres frising. erwähnt unter Gottschalk. M. I. 198 N, 604, 616. 656. 709. 1042. 



5a 

berief dorthin ^), wo der Achte Elostergeist wieder erweckt werden sollte, und besser ge- 
deihen konnte, als Abt einen Benediktiner aus Kloster Seeon, Gerhard, welcher die mönchi- 
sche Ordnung hier wieder einführte, nach Jahresfrist aber zurücktrat, worauf Arnold als 
Abt des Klosters Weihenstephan erw&lt ward, welchem Egilbert eine reiche Ausstattang 
theils selbst anwies, theils von den ihm günstigen Kaisem verschaffte*). 

Kaiser Heinrichs 11 Wittwe, der Kaiserin Kunigpinde bewilligte Egilbert in Anwesen- 
heit zahlreicher Grossen Bayerns ein schönes Leibgeding aus l^eisings Gütern an der 
Isen, dem Stifte S. Zeno, Dorfen, Burgrain, und Tegembach, wohl dem alten Kloster 
Wasentegembach, wogegen ihm mit dem Bückfall der Anfall reicher Güter zu Banshofen, 
Hochpercha, Ostermieting, einem Feldkirchen sammt dem Forste Weilhart jenseits des 
Inns, und der Kaiserin Besitz zu Beichenhall nach ihrem Tode zugesichert wurde — eine 
Aussicht, welche sich nur zum Theile erftillt zu haben scheint '). 

Sein Ableben erfolgte am 4. NoTember 1039^ höchst wahrscheinlich , wie sich bei 
dem Nachfolger ergeben wird, zu Begensburg, wo sich im Herbste dieses Jahres König 
Heinrich HI aufhielt. Weder das Domcapitel zu Freising, noch Klostw Schefblam haben 
seinen Tod in ihren Necrologien vorgemerkt; wohl aber findet er sich ausnahmsweise in 
dem Calendarium des Klosters Ebersberg, und in jenem vor dem Freisinger Martyrologium 
in der Hof- und Staatsbibliothek in ungewöhnlicher, die Gleichzeitigkeit des Eintrages 
bezeichnender Form als Bandzusatz zu 11 Non. Novembris: Egilbertus moritur, decimus 
septimus huius sedis episcopus a. d. 1039^). 

Vorzugsweise aber wahrte sein Andenken das nochmal bei seinem Tode reich be- 
dachte Kloster Weihenstephan. Dem Gartulare dieses Klosters entnehmen wir ein in den 
Annalen Freisings nicht wieder vorkonmiendes Schauspiel. Nach Bischof Egilberts Tode 
tritt eine Beihe von Grafen und Edlen auf, um nacheinander an eilf Orten Güter für 



1) Cod. N. 21555 f. 124 t. MXXI: Ezordinm sumpsit bec monastica Tita Egilberto felicis me- 
morie ep'o copiam administrante ad honorem Dei et s. Stephan!; istoque loco primitas prefeeit 
abbatem yenerabilem Seanensis monasterii Gerhardam nomine; et post annum vel plas ilio re* 
gimen dimittente Arnoldnm re?erenti88iroum virnm abbaten constitnit. Pez Ser. rer. Anstr. II. 
401 irrig zum J. 1019. Nicht älteste, aber doch Schrift des XII Jahrhanderts Der Wortlaut 
bezeichnet eine Verlegnntr, nicht eine Neagrfindang, wie Gkntner in der Geschichte des Klosters 
Weihenstephan — Deatingers Beitrage VI. 5 f. — annimmt. 

2) unter Bezugnahme auf unsere, Bettberg folgende Darstellnng in der Zeit der Karolinger — 
Ak. Abb. XIU. 66. — vermögen wir gSnslic&s Aasgehen der Mönche zu Freising mit Hirsch 
1. c. II. 250 nicht anzuerkennen. Bis in die j Ängste Zeit findet sich eine zahlreiche Familie 
bei dem Dome, wenn auch unter den von Meich. nur selten mehr gegebenen Zeugen Clerus und 
Laien nicht mehr ausgeschieden werden. Vgl. Meich. Note zu N. 727 und unsere Ergfinzungea 
zu Tielen Urkunden hier und im Ob. Arch. XXXTV. 258. Dass das Verbaltniss des Uebertritts 
zum Domcapitel auch jetzt noch nicht ganz gelöst ward, zeigt um lOSO die Schenkung des 
Archipresbiter Richolf zum Altare s. Stephan! von Gatem zu Mamindorf und Ovsinwancb, 
Mammendorf und Jesenwang L. Brück — eidem altari senrientibus vel monachi, vel sint cano- 
nici. Cod. Weih. f. 3 et 72. MB. IX. 853. Weihenstephan war daher auch jetzt noch das 
Kloster, mit dem sich die Domherren im Verbände hielten. Hirsch 1. c. I. 105 und 107 ist 
dahin zu berichtigen, dass der Kirche s. Marias et s. Corbiniani (nicht s. Benedicti) unter 
Bischof Egilbert um 1021 ein Altar s. Stephan! mit eigenem Abte zur Seite trat. 

8) Das Original im Beichsarehive. Im Abdrucke M I. 220 ist der Name in Frigisinga Z. 6 
Baioari^ Z. 10 WiUihaid 8. 221 Z. 18 penitus zu bessern. Am Schlüsse wiederholen sich die 
Namen der Zeugen, abweichend erseheiBt nur nadi Adalpero com. item Adalpero com. und Eber^ 
hard com.; zu bessern sind Perahtolt.. Liutolt. Von den Gütern der Kaiserin hat König Hein- 
rich in später nur Ostermieting Freising bewilligt. Urk. rem 14 Mai 1041. MR XXXI a. 819 
besser als M. 1. 288. 

4) Abweichend hat Cod. N. 21555 f. 124 ▼. aufUlender Weise zum Jahr 1040: Egilbertus ep*e 
ob* Nitkerus ep^s successit. Nieht bei Pez. 



54 

das Seelenheil des Verlebten auf den Altar des h. Stephan niederzulegen. Es sind die 
Grafen Udalschalk und Gerold, jener des Hochstifts Haupt-Schirmvogt , dieser des Dom- 
capitels bekannter Anwalt, Graf Guntpold, wohl der Bruder des bereits verlebten Pfalz- 
grafen Hartwich, dann die Edlen Etich und Ozi. Ein Theil der übergebenen Güter ist 
leicht nachweisbar. Graf Gerold übergibt Gerhardingen, den Einödhof in der Pfarrei 
Schwaben L. Ebersberg, Zamindorf nächst München am rechten Isarufer, und Zollingen, 
das Pfarrdorf L. Moosburg; Graf Guntpold Asinhusen, den Weiler Assenhausen Pfarrei 
Pellheim L. Dachau; Graf Udalschalk Gerhiltihusen , Gerlhausen L. Moosburg; Etich 
Bihcozesdorf , Beichersdorf im selben Landgerichte; Ozi Wolmuntingen, Willmading in der 
Pfarrei Isen L. Haag, und Wahalingen, wohl das spätere Waeching im Besitze des Dom- 
capitels, nun Weiching Pfarrei und Gemeinde Tuntenhausen L. Aibling. Schwieriger ist 
zu bestimmen, was Graf Udalschalk in getrennter Handlung dargebracht : Phrima, Phrani- 
gowi, Ursinpach. Hievon ist Phrima wohl Freimann, nächst München unterhalb am linken 
Ufer. Da wir femer Frainingau in Niederösterreich der reichen Schenkung des späteren 
Bischofs Heinrich I, Ebersdorf, gerade gegenüber am rechten Donauufer in dem durch die 
Melk sich bildenden Winkel, zugleich aber unter jenen Orten finden, welche Bischof Otto 
nach der Urkunde Abschn. lY N. 83 c. von Weihenstephan eintauscht , wie es denn 
auch als Frangau in dem Besitze des Domcapitels in dessen Urbar bei Melk erscheint, 
so wird auch Ursinpach in Oesterreich, und nicht in Irschenbach im fernen Landgerichte 
Bogen in Niederbayem zu suchen sein. In den Urbarien Weihenstephans aus dem XITT 
Jahrhunderte werden von allen diesen Orten nur noch Zolling, Gerharting und Freimann 
getroffen. 

Die Urkunde, worin Egilbert verfügt, ist nicht erhalten ; seine Stiftungen aber bilden 
den Eingang des Weihenstephaner Traditionsbuches ^). So ermangelt man des UeberbUcks 
und bleibt das Feld der Vermutungen offen. Sind alle, oder welche sind ererbte, welche 
erkaufte Güter Egilberts? Warum durch so viele Hände geleitet? Sind alle Verwandte? 
Sind es Gaugrafen? Bezüglich des edlen Ozi möchte ausser Zweifel sein, dass es der Gau- 
graf Ozo oder Ovzzo aus der zahlreichen Familie des Isen- und des Chiemgaues ist, 
welcher um 1027 bis 1051 für den Zidilaregau vorkömmt, sohin für Willmading und 
Weiching kaum als Gaugraf, wohl aber statt des unzulässigen Gaugrafen mitwirkt ^). 
Ebenso ligt Assenhausen in dem bekannten Gaue des Grafen Udalschalk, wird aber von 
Graf Guntpold übergeben. 

Der reiche Grundbesitz, welcher aus diesen Stiftungen sich ergibt, zeigt wohl, dass 
Egilbert sein rasches Emporkommen am Herzogs- und am Eönigshofe, nicht nur hervor- 
ragenden Geistes und Körpers Eigenschaften, sondern auch der Abkunft aus mächtigem 
Djnasten-Geschlechte verdankt. 

Meichelbeck bezeugt, dass alle Chroniken Freisings übereinstünmend Egilbert als 
Sprossen des Grafenhauses von Moosburg bezeichnen. W. Hundt meint, er möge ein 
Bruder des als Stammvater des Geschlechtes bereits erwähnten Helmbert gewesen. Husch- 
berg erkennt gleichfalls die Berechtigung der Zuweisung zu dem später nach Moosburg 
benannten Grafenhause an '). Unter den Neueren hat Hirsch auf die Verwandtschaft der 



1) Cod. lat. N. 21560 der H. n. St-Bibl. Abeedrockt MB. IX. 351. Die Zeugen sind za erf^änzen: 
für Bihcozesdorf: Gamanolf, Oydalrich, Hartmann, Pezili, Maganns, Batpoto; für Phrima: 
Ovdalrich, Ozi, item Ozi, Gamanolf> Gepolf, Ercbanpolt, Gotapolt ; f&r Phranigowi : Maganus, 
Walach, Ordalrich. Z. 6 v. n. Eadem sententiae norma, am Schlosse fehlt Walacb. 

2) Der vom Mömbach zwischen Inn nnd Alz darchflossene Foret Heit liegt in comitata Cbadal- 
hohi et Ozini^ MB. XXIX. 22 ; Nahtstal, unnachweisbar, in comitata Ovzzonis comitis, MB. XXXI a. 
826, besser als MB. lU. 108. Vgl. Hirsch 1. c I. 37 N. 2. 

8) M. I. 250. W. Hnndt Stammenbnch I. 112. Haschberg 1. c. 202. 



55 

Orafenhäuser von Moosbnrg und Ebersberg, und auf die Beziehungen des Letzteren zu 
dem Eaemten*8chen Herzogshause der Eppensteiner hingewiesen^), aus welchem Herzog 
Adalbero, gegen dessen Absetzung Bischof Egübert selbst unter Qe&rdung der kaiserlichen 
Gunst möglichst angekämpft, sich nach Ebersberg und Geisenfeld zurückzieht und bei den 
Ebersbergem stirbt *). Steindorff aber hat in den Jahrbüchern des deutschen Beiches 
unter Heinrich m, im Zweifel über den Zusammenhang zwischen Moosburg und Ebersberg, 
geradezu auf Ebersberg als das wahrscheinliche Stammhaus des Bischofs hingewiesen. 

Er macht darauf aufmerksam, dass — ausser den von den Forschem bisher nicht 
berührten Stiftungen bei Egilberts Tode — ein Oraf Adalbero, unzweifelhaft der Ebers- 
berger, — nachträglich ftlr sein und seines geliebten Herrn Bischofs Egübert Seelenheil, 
eine Hube zu Sestenhusen, wohl Seysdorf Pfarrei Au, L. Mainburg, zum Altare S. Stephan*s 
widmet, die Weiterverleihung bei Strafe des Bückfalls an Kloster Ebersberg verbietend '). 

üeberblicken wir die Vergabungen, so lässt sich nicht verkennen, wie die theils 
rechts, theüs links der Isar liegenden Oüter zum Theile nach Moosburg, zum Theile nach 
Ebersberg ursprünglich gehört haben mögen und auch hierin eine Andeutung der Ver- 
wandtschaft und Verschwägerung beider Häuser vorligt. 

Allein vor der Mitte des XI Jahrhunderts wird nur äusserst selten dem Namen 
der Edlen deren Sitz beigefügt^). So werden die verwandtschaftlichen Verhältnisse nur 
selten klar. Weder in den Arbeiten über das Moosburger Haus von Freyherm von Frey- 
berg und Professor Moritz, noch in jenen über das Ebersberger Haus von SchoUiner tauchen, 
trotz zahlreicher Tafeln, die Namen der beiden Brüder Egübert und Heinrich auf, von 
welchen Verwandte urkundlich nirgends bezeichnet sind. Ebenso fiOlt auf, dass der Ver- 
treter des Hauses Moosburg um 1040) Helmbert, bei jenen Stiftungen zu Weihenstephan 
nirgends als Zeuge erscheint. 

Verlässige Feststellung der Herkunft Egüberts konnte daher nicht gelingen. Doch 
möchten wir, den Zusammenhang der Häuser Moosburg und Ebersberg nicht beanstandend, 
ftlr das Haus Ebersberg zunächst noch auf zwei Umstände aufmerksam machen. Einmal 
ist Egübert — abgesehen von dem aus Kloster Ebersberg hervorgegangenen Bischof Begin- 
pold von Speyer, dem zur Weihe der Klosterkirche zunächst berufenen, aber ablehnenden 
Bischof Abraham, und dem weihenden Erzbischof Friedrich von Salzburg — der einzige 
Bischof, dessen Tod, wie wir bereits nachgewiesen haben, in das, sonst nur ftlr Angehörige 
des Klosters und Stammgenossen der Stifter geöffnete Galendarium zu Ebersberg eingetragen 
ward. Dann erwähnen die Chroniken des Klosters ausdrücklich, dass der erste Adalbero 
um die Mitte des X Jahrhunderts acht Söhne gehabt habe, während sie nur ein Paar 
derselben mit Namen aufführen '). Es bestanden daher höchst wahrscheinlich Nebenlinien, 
deren Oründer, Glieder und Besitz noch nicht ermittelt sind. 



1) Hirsch 1. c. I. 150. 216. 812. Steindorff; Jahrbacher imter Heinrich IH. I. 31. 

2) D«B jungen Königs Heinrich UI von Bischof Egübert gestQtzten, bis znm Fossfall Kainer Konrads 
vor ihm fortgesetzten Widerstand im Mai 1085 zn Bamberg, bei Giesebrecht II. 291, Stein- 
dorff I. 81. 

8) Cod. Weih. f. 10. MB. IX. 868. Lies: Sestenhosen. Testes: Altman, Heriman, Gerwich, 
Eberaro, Engiwanc, Sigipolt, Eppo. De familia : Pezili, Rihker, Williboit, Sigipolt, Adalperht. 
Den Ort, welcher M. N. 1088 Seutinhnsa heisst (956. 8/iy. actum Frigisinga. C. com. f. 188 y.) 
sucht Freadensprang in SeysdorL Adalbero^s Tausch mit Egilbert M. I. 280. Cef. Ser. II. 44. 

4) In Urkunden, anders wohl in den Chroniken, wie von Scheyem und Ebersberg. Diese sind nach 
Urkunden, aber mit Zusätzen yer&sst, welche auf anderen, nicht immer yerlassigen Quellen 
beruhen. 

5) Oefele Script. IL 18; ebenso im Cod. trad. N. XVII.. fratris Adalperonis, qui multos filios 
habuit. p. 21. Die ältere Chronik nun besser M. G. SS. XX. 12. Doch ist auch dem Tausche 
Egilberts der Todestag am Rande beigef&gt, der Bischof etwa als Wohlthäter eingetragen. 



56 

§ 6. 
Bischof Nitker, 1039—1053. 

Nach Aventin stammte Nitker, verkürzt Nizo, nicht aus hochgestelltem Hanse, sod- 
dem aus einer durch Handel zu grossem Beichthume gelangten Bürgerfamilie iii Begens- 
burg. Seine Brüder Bernulf und Machtuni werden als mächtige Handelsherrn in lebhaftem 
Verkehre mit Ungarn geschildert. Briefschaften, in Feindeshänden aufgefangen, sollen 
sie verrätherischer Verbindungen nicht nur verdächtig gemacht , sondern ihnen .sogar 
die Verurtheilung zum Oalgen zugezogen haben. Aventin erzält, Bischof Nitker sei ob 
ungebührlicher Aeusserungen über das Verfahren gegen seine Brüder nach Bavenna ver- 
bannt worden, wo er gestorben sei. 

Hinsichtlich Nitker*s Herkunft tritt bestätigend ein die Vita s. üdalrici, des Priors 
des Klosters Zell im Schwarzwalde. Bemulf oder Bemold, der Bruder Nitker's, vermalt 
mit einer Schwäbin Bucca, war dem Könige Heinrich m so wert, dass derselbe Bemulfis 
Sohn üdalrich zur Taufe hob. Die Ounst des Königs stammt offenbar aus dessen Jugend- 
jahren, wo er unter Egilberts Leitung stand und grösstentheils in Bayern verweilte. Sie 
erstreckte sich auf die Brüder Bernulf den Laien, und Nitker den Cleriker. So erklärt 
es sich, dass, als Bischof Egilbert von Freising, wohl nicht unerwartet, sondern nach 
längerer Krankheit, zu Begensburg am 4. November 1039 starb, schon am 11. November 
König Heinrich Nitker zum Nachfolger ernannte, worauf derselbe bereits am 21. Dezember, 
des Apostels Thomas Tage , damals Quatember-Samstag , zum Bischöfe geweiht ward '). 

Ln Einklänge hiemit steht, dass weder Orundbesitz Bischof Nitkers bekannt ist, 
noch eine Stiftung für das Domcapitel, dessen Calendarium denn auch sein Ableben nicht 
vermerkt. Nur in Kloster Weihenstephan stiftete er sich, wie bei den Schirmvögten er- 
wähnt, ein Seelgeräte mit einem Gute zu Buminisperch, Bumelsberg L. Tölz. 

Nitker nam seinen Neffen Üdalrich zu sich, Hess ihn in das Domcapitel eintreten 
und bis zum Probste aufsteigen. Es genügte demselben jedoch der ruhige Wirkungskreis 
in Freising nicht. Im Jahre 1046 begleitete er den König, zu dessen Hofcaplänen er 
gehörte, nach Italien^. Später trat er eine Pilgerfahrt nach Jerusalem an, traf zurück- 
gekehrt seinen Oheim nicht mehr am Leben , seine Stellung wesentlich verändert , und 
legte nun seine Würden nieder, vertheilte sein Erbe in Begensburg an Verwandte und 
ging über Bom in das Benediktiner-Kloster Clugny, von wo er in das Kloster Zell im 
Schwarzwalde kam, als dessen Prior er dreissig Jahre später starb '). 

Bischof Nitker ward bei seiner Stellung zum Könige, dann Kaiser, Heinrich HI viel- 
fach in Beichsgeschäften verwendet, erhielt mehrmals Aufträge nach Italien ^) , und war 
daher oft und lange von Freising abwesend. 



1) III Idus Nov. Nitkeros ep*8 accepit (bacalam) — XII Kai. Januarii Ordinatio Nitkeri So die 
gleichzeitige Bandbemerkaog zum ersten, der Zusatz, nach Abrahams auf den gleichen Tag 
fallender Weihe, znm zweiten Tage eingetragen — ohne Jahrzahl — im Calen'iariam vor dem 
Martyrologiom in der H. n. St.-Bibl. Forschungen XV. 165. 

2) Steindorff in den Jahrbüchern unter Heinrich III. I S. 308. 859. 

8) £r ist wohl der Magister Üdalrich, der in einer einzigen Tauschhandlung unter Bischof EUen- 
hard an der Spitze des Doracapitels in Freising erscheint M. N. 1236. Er soll um 1093 ge- 
storben sein. Die Vita nun in zwei Fassungen von Wilmans herausgegeben. M. G. SS. XII. 
249. ücber den angeblichen Verrath und die Geschicke Bernulfs enthält sie keine Andeutung. 

4) Vgl die Urkunde vom 5 Juli 1041, zufolge welcher er in Laubia monasterii s. Petri, Celo aureo 
dicti, foris et prope Ticinensinm urbem, Pavia, zu Gericht sitzt. M. N. 1217, gedruckt nach 
Cod. N. 191 f. 121 V. aber auch Cod. N. 189. f. 42. Bessere : Z 3 abbatis ipsius monasterii 
Z. 9 ergänze Adalbertus.. Albertus Z. 12 Albertus de Preda Z. 16 Alberti Z. 17 est causa 



57 

Sein Todestag ist im Bcheftlanier Necrolog und im Calendarimn vor dem Martyro- 
loginm gleichmftssig am 6. April eingetragen ; in Letzterem als Nachtrag mit der Jahres- 
zahl 1052 ^). Das gleiche Todesjahr bieten die Altacher Annalen, indem sie am Schlosse 
dieses Jahres den Wechsel im Bisthnme Freising anmerken, ohne jedoch Ort und Umstände 
des Ablebens Bischof Nitker's wie immer anzudeuten. Wir erachten diess Jahr dennnoch, 
wie wir gleich näher erörtern werden , als irrig, und die Notiz in den Azmalen, wie in 
jener Zeit mehrmals, ein Jahr zu früh angeftlgt'). 

Die verrätherischen Verbindungen der Brüder des Bischofs, welche dem Ungarn- 
Könige Aba oder Oto im Jahre 1044 die Uebergabe Begensburg's in Aussicht gestellt 
haben sollen, werden, obwohl Aventin*s Quellen nicht vollständig ermittelt sind, von den 
deutschen Geschichtsschreibern als beglaubigt erachtet '). Dass dieselben aber nach 8 oder 
9 Jahren zur Verbannung des Bischof Nitker Anlass gegeben haben, ist an sich höchst 
unwahrscheinlich, vollständig aber dadurch widerlegt, dass Kaiser Heinrich im Mai 1052 der 
Kirche Freising ausdrücklich aus Neigung zu Bischof Nitker und ob seiner grossen Verdienste 
reiche Schankungen mit Oütem zu Baumkirchen und Haching in der Nähe Münchens 
und zu Poing L. Ebersberg, dann zu Aindling L. Aichach macht. Diese am 18. Mai 
1052 zu Basel gefertigte, in der Zeit durch das Itinerar des Kaisers festgestellte Urkunde ^) 
ist nach dem Wortlaute zu Lebzeiten des Bischofs vollzogen. Sie beglaubigt die Nach- 
richt, dass Nitker noch in der letzten Zeit seines Lebens vom Kaiser mit wichtigen Oe- 
schäften betraut ward, kann kaum wärend mehrmonatlicher Abwesenheit des Bischofs ver- 
fasst seia, hätte jedenfalls fünf Wochen nach seinem, unverrichteter Dinge und ia heftigen 
Kämpfen mit der päpstlichen Partei erfolgten Tode nicht so ausgefertigt werden können. 
Sie nöthigt uns in Beachtung des zweifellosen Todestages und im Einklänge mit dem Itinerar 
Papst Leo's IX den Tod Nitker's in das Jahr 1053 zu setzen und die Begebenheiten in 
ihrem Verlaufe, wie folgt, zu ordnen^). 

Bischof Nitker ward, wie Hermann von Beichenau und der Oeschichtschreiber Papst 
Leo's Wibert berichten, nach Italien gesendet, um den vom Kaiser ernannten Erzbischof 
Heinrich in Bavenna einzusetzen. Dort war zwar Erzbischof Hunfred schon im August 
1051 gestorben ') ; allein die Verhandlungen über seine Ersetzung zogen sich entweder in 
die Länge, oder der hiefÜr bestimmte Heinrich fand in Bavenna Beanstandung. Erst als 



(statt iam) Z. 18 liest der eine Cod. Wido, der andere Wado, keiner Wnndo. Cod. N. 189 
Z. 16 fostmn und Z. 21 Wipertns. Steindorff beanstandet das Jabr 1041, doch kennt er in 
den folgenden Jahren mehrere Biechöfe als missi. S. 238. 242. 257. 583. 

1) Forsehoneen 1. c. Meichelbeck und Vitos Ampeck geben den 13. April, der nns nur dorch Ans- 
lassong des VIII vor Idus entstandeD scheint. In Eckhart Franda or. I. 885 steht Martii» 
aber in jener Compilation fehlt der ganze Monat ApriL Das Mutjrologium in Cod. 21555 
enthalt nach Gotsraalk keine Einzeichnong eines Todfalles mehr. 

2) Steindorff 1. c. bemerkt gleichen Irrthnm bezüglich Bischof Sibicho^s von Speyer zam Jahre 1053 
nnd des Erzbischofs Hermann von Köln vom Jahr 1055. 8. 486. 

3) Giesebrecht 1. o. II. 388. 640. Waitz' Beanstandung, Verfassimgs^Geschichte V. 364, möchte 
durch Hinweis auf die Vita s. Udalrici gehoben sein. Steindorff 1. c 208. 

4) Mß. XXXI a. 327 besser als M. N. 1218, wo das Datom fabch. Sie findet sich Cod N. 191 
f. 104 nnd Chonr. saor. f. 112. Böhmers Reg. N. 1630 haben noch das irrige Datom 28. Mai. 
Die Mb. erwfUmen schon der für die Annahme fir&heren Ablebens Nitker^s erwachsenden Schwie- 
rigkeiten. 

5) M. G. SS. V. 131. Acta sanctomm saecnli VI. P. II. 74 in Wiberti vita s. Leonis libr. 2. cap. 
2. Papst Leo*s IX Itinerar nach Jaff^ 

6) Hunfred aus Schwabischem Grafen-Hause und Domherr xu Strassburg, war König Heinrichs 
Kansler f&r Italien vom Sommer 1045 an und ward wahrend des Bömerzuges sum Ersbisehofe 
von Bavenna ernannt. I^ er im August 1051 starb, kann Nitkers Tod nicht mit Giesebrecht 
in das gleiche Jahr gesetst werden. Steindorff l c. I. 353. Giesebrecht II. 471 (2). 499 (500). 

Abh. d. III. Cl. d. k. Ak. d. Wiss. XIV. Bd. n. Abth. 8 



58 

Kaiser tind Papst, im Herbste 1052 am Rheine zusammentrafen, scheinen endliche Beschlüsse 
gefasst worden zu sein, und Nitker erhielt im Winter auf 1053 den Auftrag den Erz- 
bischof einzuftlhren. Im Februar reiste Papst Leo über Augsburg nach Italien ab, begab 
sich zunächst nach Mantua, wohin er eine S3rnode berufen hatte, brach sie jedoch plötzlich 
wieder ab, und eilte in beschleunigter Reise nach Rom. unangenehm mag es ihn berührt 
haben, dass, als er am 13. März Ravenna erreichte, Erzbischof Heinrich dort immer noch 
nicht eingesetzt war. Diess ergibt sich daraus, dass bei der Bischofs-Weihe Peter^s von 
Annecy, welche der Papst schon am 14. März persönlich zu Rimini vollzog, der mitwirkende 
Heinrich von den Benediktinerordens-Annalen noch immer Electus Ravennatis genannt 
wird. Die Schuld der Verzögerung ward von der päpstlichen Partei auf Bischof Nitker 
geworfen. Spitze Reden fielen und Heinrich von Reichenau meint, Nitker sei wieder in 
frühere Leichtfertigkeit gefallen. Wärend der Papst am 21. März in Rom eintrifft, bemüht 
Nitker sich den Auftrag in Vollzug zu setzen, erkrankt aber am 3. und stirbt schon am 
6. April. Im Einklänge hiemit steht Nitkers Tod in den kurzen Weihenstephaner Annalen 
bei dem Jahre 1053 ^). 

Ob Nitker mit dem Papste gereist, oder, was wahrscheinlicher, ihm nachgefolgt, 
wie die Zerwürfnisse entstanden, lässt sich nicht mehr feststellen. Meichelbeck bezeugt, dass 
der Bischof in den Freisinger Jahrbüchern keineswegs in schlechtem Andenken stehe ^). 

Bischof Nitker hat bei S. Veit, einer der ältesten Kirchen Freisings, welcher schon 
nach der Schenkung König Heinrichs 11 vom Jahre 1003 eigene Domgeistliche beigeordnet 
waren, ein CoUegiatstift errichtet, welches sein Gredächtniss jedoch nicht am 6. , sondern 
am 18. April beging *). 

§ 7. 
Bischof Ellenhard, 1053 — 1078. 

Bischof Ellenhard soU, wie sein Vorgänger, vor der Wahl am kaiserlichen Hofe 
gewesen*), und aus dem Geschlechte des später nach der Burg Tirol (nicht nach Meran) 
benannten Grafenhauses entsprossen sein. Meichelbeck bestätigt, dass an dem Messbuche, 
welches Ellenhard dem von ihm gegründeten S. Andreas-Stift geschenkt hat, der Adler 
mehrfach in jener Gestalt zu sehen war, in welche^ er im Wappen der Grafen von Tirol 
erscheint. Die Ergebnisse unserer Forschung sind, wie sich zeigen wird, einer solchen 
Herkunft nicht entgegen, obwohl sie zur Gewissheit nicht erhoben werden konnte. 

Seine Ernennung oder Bestätigung ging nicht so rasch, wie bei Nitker; denn erst 
am 15. November ward er zum Bischöfe geweiht ^). 

Wäre der Stiftungsbrief über das von Ellenhard mit Eigengütem ausgestattete 
S. Andreas-Stift erhalten, so würde die Frage der Herkunft mit grösserer Sicherheit ge- 
löst werden können. Es ligt jedoch nur eine, hundert Jahre später von Bischof Otto I 



1) Cod. N. 21555 f. 125 : MLIII Nitkems ep"c ob*. Ellenhardos ep*c successit. Nicht bei Pez. 

2) M. I. 248. Leider liegen die Ergebnisse von SteindorfTs Forschungen^ der sich dem Todesjahre 
1052 anzQsch Hessen scheint, noch nicht tot. 

8) Im gedruckten Galendar des Stifts S. Veit aus dem XVI Jahrhundert im R. A. N. 47: 18 April: 
Nitgems eccPie Fris. ep s fundator et consnmmator eccli^ae nostrae b. Viti obiit, unde habemus 
4 solides et- 20 den, de molendino nostro in Nidemdorf , pro ipsius solemni memoria celebranda. 
Doch im geschriebenen Galendar des Stifts aus dem XVII Jahrhundert ist der Jahrtag schon 
durch einen andern ersetzt. 

4) Steindorff führt ihn I. 859 unter den ihm bekannten Hofkaplanen nicht auf 

5) In beiden Freisinger Calendarien vor dem Martjrologium ; in jenem der k. Bibliothek Nachtrag 
ohne Jahrzahl Qu. u. Er. VII. 469. Der Tag war 1053 Quatember Mittwoch, im Jahre vorher 
ein Dinstag. 



59 

eriheüte Beetätigimg vor, welche am 7. November 1157 die Besitzungen au&ftlty ans- 
drücklich erwähnend, dass dieselben theüs von dem Gründer, iheils von ämi Nachfolgern 
herrühren. Darin sind non sowohl Güter im Gebirge: Tholbach (Doblach bei Imiichen?) 
und Chaines, nun Knenz, Bezirks Heran, als auch solche im Flachlande: Thulbach und 
Hummel am linken, Langengeisling und Dorfen am rechten Isamfer, dann ein unbestimm- 
bares Holzhausen und Brittenbach, wohl Britilinbach, Prittlbach, Pfarrei und Landgericht 
Dachau aufgeführt^). 

Dem Domcapitel schenkt Ellenhard den Hof zu Sigihoesteten, oder wie es im Calen- 
darium desselben aus dem XIV Jahrhunderte heisst, Sigolzsteten, nun Sielstetten in der 
Pfarrei Margarethenried L. Mainburg. Zu einer Stiftung für sein Seelenheil in Weihen- 
stephan verwendet er Weingüter nächst Bozen und in der Wachau, einer Gegend bei 
Molk in Niederusterreich *). 

Hienach düifte seine Familie sowohl im Gebirge als um Moosburg in Bayern, und 
selbst , wie damals alle mächtigen Familien Bayerns , in Oesterreich reich begütert ge- 
wesen sein. 

Das Hochstift erhielt unter ihm von den Kaisem und Königen nicht nur Bestätig- 
ung der Güter in Steyermark und Tirol, sondern auch neuerdings weite Besitzungen in 
Niederösterreich an der Leitfaa, in Krain und in Istrien. Auch wurde ihm von König 
Heinrich IV die Abtei Benediktbeuem überwiesen, jedoch unmittelbar nach seinem Ableben 
die Freiheit ihr zurückgegeben ^. 

Sein Tod ist auf dem Grabmale bei S. Andreas in Freising, vom Domcapitel in 
dessen Calendar und im Necrolog von SchefÜam übereinstimmend am 11. März einge- 
zeichnet. In dem Freisinger Calendar vor dem Martyrologium ist gleiche Vormerkung 
der späteste Eintrag von der bekannten Hand des Nachtrags mit dem Zusätze : anno Do- 
mini 1078. Jahr und ausnahmsweise auch der Tag finden in den kurzen Weihenstephaner 
Annalen Bestätigung^). 

§ 8. 
Bischof Meginward, 1078—1098. 

Eilf Tage nach dem Tode Bischof Ellenhards, schon am 22. März, ward nach dem 
eben angefahrten gleichzeitigen Eintrage in den kurzen Weihenstephaner Annalen der 
Domherr Meginward zum Bischöfe erhoben. König Heinrich IV befand sich damals in 
Begensburg, was die Wahl erleichterte. Im nächsten Jahre finden wir den Bischof als 
Fürsprecher in einer Urkunde des Königs *). 



1) M. I. 336. Urschrift nicht .vorliegend. 

2) MB. IX. B64. Die Güter in der Wachau sind früher in Freisinger Urkunden nicht genannt, 
wohl aber sind sie Gegenstand des Aostansches swischen Bischof Otto I and Kloster Weihen- 
stepban. Abschn. IV. N. 33. c. 

3) Die Schenkang sowohl, vom 18 Ang. 1065, als die Befreiung liegen in Urschrift vor. Letztere 
nennt weder Ort noch Tag der Ansstellong, erwähnt auch des Bischofs nicht, enthält aber das 
Jahr lO?"", sowie der Ordination des Königs 24tes, des Reiches 22t es Jahr. Sie ist also zwischen 
dem 11 März und 28 Juli, wohl im April, wo der König in Passau war gdertigt. MB. VII. ' 
91. 93. XXIX a. 204. 258 Böhmer Reg. N. 1801. 1884. 

4) Cod. K. 21555 f. 126: MLXXVm EUenhardus efc obiit in V id. Hart, et snccessit Megin- 
uuardus eps in XI K. Apri. Der hier und: MLXXX Hagano abbas obiit in IUI id. Nov. bei 
Abt Hagano von Weihenstephan eingetragene Todestag dürfte den Beginn gleichzeitiger Ein- 
träge in dem Gomputus annorum bezeichnen. 

5) MB. XXXI a. 362 besser als MB. III. 104. Im Calendarium vordem Martyrologium fehlt schon 
diese Ernennung und fortan jeder Nachtrag. 

8* 



60 

Wenn es demnach einem Zweifel nicht nnterligt, dass Bischof Meginward in jener 
Zeit furchtbarer Wirren nnd des durch ganz Deutschland entbrannten, in Bayern aber, wo 
Herzog Weif gegen den König stand, besonders wüthenden Bürgerkrieges zum Könige hielt, 
so ligen doch Nachrichten vor, welche die Bildung einer Gegenpartei in Freising in d^i 
andauernden Kämpfen zwischen Kirche und Staat erkennen lassen. 

Zum Jahre 1091 wird nämlich in den Weihenstephaner Annalen des Streites um 
das Bisthum zwi^hen Meginward und einem gewissen Herimann gedacht, der, den Bechts- 
sinn verwirrend, das Vorgehen des Volkes zu Vötting nächst Freising gegen 3 unschul- 
dige Frauen veranlasst habe, welche am 18. Juni an der Isar als Hexen verbrannt 
worden seien ^). 

Meichelbeck ist geneigt, in diesem Herimann den späteren Bischof gleichen Namens 
von Augsburg zu erkennen *). Es wäre diess der Bischof Herimann , welcher im Jahre 
1096 von seinem Bruder dem Orafen Ulrich als Bischof von Augsburg eingeführt wurde, 
nachdem er seine Ernennung vom £[aiser durch grosse Geldsummen erwirkt hatte. Mög- 
lich wäre es, dass ähnliche Summen vorher zur Erlangung des Stuls von Freising ver- 
wendet wurden. 

Bischof Heriman wird noch von Buchner und selbst von Potthast als ein Graf von 
Witteisbach bezeichnet, was wohl von Scheyem heissen soll, da Witteisbach als Grafensitz 
vor 1115 nicht vorkömmt'). Allein ein Zusammenhang mit Scheyem ist nicht nachzu- 
weisen, und soll Vermutungen Baum gegeben werden, so dürfte jene des Geschicht- 
schreibers der Bischöfe von Augsburg, P. Placidus Braun, entschieden vorzuziehen sein, 
welcher in ihm einen Bruder des reichen Grafen Ulrich, meist de Pactavia oder Pazzowe 
genannt, erkennt, wonach Herimann dem Hause der Grafen von Cham und V()hburg an- 
gehörte^). In Freising kam Herimann jedenfalls nicht zu einer Wirksamkeit. 

Bischof Meginward , fortwärend in schwieriger Lage, sah sich genöthigt, um Freunde 
zu gewinnen und zu sichern, eine namhafte Zahl von Gütern an Grosse und Mächtige 
hinzugeben, wie das durch den Domherrn und Gustos Chonradus erhaltene Verzeichniss 
lehrt. Er verwendet hierbei vorzugsweise Besitzungen des noch nicht wieder bewohnten 
Klosters SchefÜam^). 

So wahrscheinlich es ist, dass Meginwards Wahl auch durch mächtige Verwandte 
betrieben ward, so sind doch Familien- Verbindungen desselben in den Urkunden nirgends 
angedeutet, und Meichelbeck tritt daher mit bestem Fuge der gewöhnlichen Annahme ent- 
gegen, welche den Bischof aus dem Scheyem*schen Hause abstammen lässt. Er bemerkt, 
dass ein solches Verhältniss von dem Mönche Chonrad von Scheyem, der ja alle Glieder 
des genannten Hauses genau kenne, und selbst die Verwandten von weiblicher Seite im 



1) Cod. 21555 : MXCI In hoc anno Meginwardo et Herimanno pro episcopatn altercantibas, nuUo- 
qne pectore nee fas ant nefas discemente ezcitati snnt Vettingenses cives in diabolicam zelum 
invidia instigante snper tres paapercolaa mnlieres, quasi essent veneflce, hominom et fragom 
perditrices . . Nicht bei Fez. 

2) Meich. I. 284. 286. Vgl. Vitas Ampeckh de gestis Episc. Fris. bei Deotinger, Beiträge HL 499. 

5) Bachner Geschichte IV. 262. Bibl. med. aeri Sappl. 271. 

4) Braan Gesch. II. 18 gestatzt auf Moritz Aber Pfalzgraf Bapoto. Nene Abb. der bist. Cl. 
(1798) V. 509. Dass Bischof Herimann über ein Gut za Asbach in Niederbayem verf&gt nnd 
hiebei Macelin de Chambe zum Anwalt nimmt, MB. V. 117, gibt gewichtiges Zeagniss. Dr. E. 
£• Gebele, welcher dem Leben and Wirken des Bischofs Hermann eine eigene Schrift gewidmet 
hat (Aagsbnrg, 1870) erklärt gleichfalls die Herkunft von der »Pfalz- and markgraflieben Familie 
Vobbarg-Passaa* wahrscheinlich. Deren Abstammang von dem HaoseScheyernoWittelsbach wäre 
jedenfaUs erst za erweisen. 

6) Chron. sacr. f. 116 v. M. L 289. Z. 6 von S. 290 lies Flarlingen. 



CVrvs ««nki«. Wft d«B Ti«l£ftckcB Eättgrafaft X<«!twirftri$ ^«Smd 4«t Gvtotett^ il«$ 
Kkist«R dhuvli ü« Gri&i Hsd^ gewiss iikibt «B^nrilmt |fi!y^)4i«(Mtt vi^K 

DiKS der Bisck<iC «>g«!B^ GMer nickt tur TerA^img b%tt^. Biit d<«t k4<Ni ä<i$«liWc^ 
dl«5 Laadfls mbor o^ TfriMUideB w«r« ni^t »m VMfkkf^Ni Kn :s^tt«r Sf^l^swilstitfHBni^« 
«r f«$ett Ettd« scuwr iwunu^j^lkri^rMi R^i^Mnmg ^)k^. 

ObwoU M<icb<lb<c k di«9e Stitoiig nklit m k«ntt«ii glaubt ^ «allAlt sit^ dodi 4i» 
Fus iBastni MwU fia im der Xr. 126S- 

Die edle Frui Penchtas ebne ZiraM Bertlia i>mi W;aMft« FH<r$viklil Lx )f\V\$lH\r^^ 
dem Ekcrertng mit dem Frasiiig':»rli«ift ViKtbum Adidperbt im Absdui. IV Xr. 5 $^ 
geben ist« llberiisst imp^zante b<»e «>^ ilUm Frisiii$>Hisi Pnasule Me$iiiw«nk> ibr Out tu 
AamdioTeii, dem Weiler im d«- Pfkrra und Gemeinde Rumel unt«r Fieisinur« dem Dome. 
Der Biscbof entscbidigt sie mit ^nem «iid«n Laadgute« fUr des$<tt X«m«ii jedocb die 
Sl^e im Cammutationsbacbe leer blieb ^, Der Scbinuvogt Pembaid, um lOl^'i in $«in^ 
Bradcfs Ekkbaid Stdle getreten, übernimmt die Stiftung, öxuf Amolt txmh Di<«$en i$t 
erster Z^ige, die Gnfen Arn<dt Ton Scbeyeni mit si^etu Sobne ClH>nnit^ Sfiiter in DfticbMi« 
Waltberi Ton WiTiningen, Wifling in det F(«rrei W^ürtb mit 4 Dien$tm«nnen xxün Knebel« 
bacby ErlincboTen, HSrlkofen in d<»n9elben FDurei^ Ri^en« Reisen^ slUnmtlicb L« Rfdiug« 
und einem unbestimmbaren CeUa, dum Altman der Sobn des Gmfen Ernust (Ti\n Oten* 
burg-Gr5gling) und die £dl«i Gottsebalk Ton X«r»rb|meb, Obermarbacb L« Dacbau« lV>tt* 
scbalk von Diecbin, don Wdler Dicb«i L. EberslieK^, Werinberi Ton Prunnim« Krx>bl 
Hobenbnoum L. Mllneben recbts der Isar, Werinberi und Adidgoi von Husan, xweiMbitft 
ob Ton dem Gescblecbte lu Freinbausen, L. Scbrobenbaus^k« von Hausen n^^bts derl$ar« 
oder Ton einon der Hausen h. Landsbergi, Guntpold von Haganowa« fiiio von Ovtinbovan, 
Uttoibofen L. Paffenbofm, CWti von HattanboTen L. Brück« GotefHd von Leran« L. Erding, 
dann 8 Ministerialai sind anwesend. 

Der Jabrtag ward am 28. April begangen, lu welcbem sieb im Einklänge mit den 
kleinen Weibenstepbaner Annalen in dem Calendarium vor dem domeapiterseben Urlwir 
eingetragen findet: IUI K. Maji Meginbardus eps obiit. Oblatio in Aev^enchoven ^)« 

Nadidem wir aus diesem Calendar nacbgewiesen , dass die Namen Meginbard und 
Meginward damals nicbt streng getrennt gebalten wurden, dürfte die Hinweisung daraut 
Yon einigem Wert sein , dass der Name Meginbard in dem Hause der Qrafen von Andeobs 
Torkömmt, und auch Begebungen lur Familie von Otenburg-Gri^glingen sieb finden« 

unter Biscbof Egilbert ist um 1030—1039 eine Heiia und ihre Söhne Gunt|>oldi 
Hartwich und Meginhart im Besitie von Hüben tu Glana, Olon in der Pfarrei Inderadorf ; 
Hdza und Meginhart, der einmal servus Episcopi genannt wird» tauschen hieiu noch den 
Einödhof Wildmoos in derselben Pfarrei gegen Pasenbaoh am rechten Qlonufer« Hartwicb 
noch weiter Guter in Biberbach und Schoenbrunn unfern davon im L« Dachau« Meginbard» 
noch nicht verehlicht» nochmals solche in Glon von dem Bischöfe ein*)» Die Namen 
Guntpold und Hartwich kehren aber in der Familie des Grafen Ernust wieder und als 



1) Cod. com. f. 6 V. M. N. 1268. Bessere Z. 13 OTtinhoTen, Ovii« Z. 15 Ovdalriob. Oraf Waltbert 
iit wohl der bekannte Schirmvogt Kloster Ebersbergs. Oefele Scr. II. 85. N* 162. 

2) Im B. A. N. 64 (alt 246). Im Sebeftlaraer Necroloff findet sich der Biscbof nicbt Dagegen: 
Cod. 21555 : MXCVIII Meginwardos etTo obiit in IUI K. Mai. Heinrioos ep^c successit in IUI 
K. Jnl. Aach sind hier die Notiien ifber wiederholten Wecbsel der Achte rabo nnd Krohanger 
von Weihenstepban, wonach Gentner i o. Deut IV 20. eri&lt. Nichts davon bei Pei. 

8) M. N. 1169. 1197. 1204. Ob. Arcb. 1. o. N. 176. Die Ueberscbrift lu N. 1204 ist la erffftnien: 
cnm matre eins Heiiun, liber^ femin^, die Zetiffen: Adalperbti Perabtolt, Ovdalriob, Hartwio, 
Meffinhart, Dorinchart. De faroilia Dietperht, Pero. Hunolt. Anob die Namen der Leibeigenen 
sind C. e. f. 288 y. za finden. 



62 

um 1130 das Kloster Indersdorf gestiftet wird, ligt dasselbe im Gebiete seines Sohnes 
Hartwich von Orögling ^). 

Besitz und Namen dürften durch das Grafen Emust Gattin Liatgard an die Familie 
gelangt sein. Aber der Zusammenhang mit Bischof Meginward ist nicht näher zu klären. 

Einige Chroniken Freisings lassen nach Meichelbeck den Bischof in den letzten 
Jahren an der Christianisirung Böhmens mitarbeiten und dort sterben. In der böhmischen 
Geschichte findet sich eine solche Wirksamkeit nicht erwähnt, obwohl Baum für sie bei 
den schwankenden kirchlichen Zuständen gegeben wäre. 

§ 9. 
Bischof Heinrich I, 1098 — 1137. 

Im Juni des Jahres 1098 ernannte Kaiser Heinrich IV zum Nachfolger Meginwards 
Heinrich I, welcher in 39 jähriger Begierung als Bischof stets auf Seite der Kaiser stand 
und am 9. Oktober 1137 starb ^). 

Er wird auf seinem Grabsteine in Freising als Herr von Ebersdorf bezeichnet, 
welches, zwischen Pechlam und Melk in Niederösterreich am linken Donauufer gelegen, 
der Bischof nebst reichem Besitze seiner Bomkirche schenkte. 

. Er gehört dem später von Peilstein genannten Grafenhause an und ist nach Meillers 
Forschungen Sohn Friedrichs I und Bruder Friedrichs U, gewöhnlich Grafen yon Tengling 
am Waginger See L. Tittmoning genannt'). 

Die Urkunden Nr. 1282, dann a. und b. sind von Meichelbeck ohne die zahlreichen 
Zeugen, die zweite aber, welche einen Tausch mit des Bischofs Bruder Grafen Friedrich 
enthält, wobei ein dritter Bruder Graf Chonrad de Pilstein Zeuge ist, nicht aus Freisinger 
Handschriften, sondern aus dem Bantaidingsbuche von Ebersdorf gegeben ^). 

§ 10. 

Bischof Matthaeus, 1138. 

Vom Jahre 1138 findet sich in dem Cartular des Klosters Frauenchiemsee , damals 
im Bezirke des Erzbisthums Salzburg, eine Urkunde, welche ein Bischof Mathens von 
Freising ausstellt. Er gibt dem Kloster den Zehenten der Kirche in Howedorf, nämlich 
die zwei Theile, des Bischofs und der Armen, mit Zustimmung des Erzpriesters der Gegend 
Hiltipert, das letzte Drittheil für den Nutzgenuss des Priesters und der Kirche zurückbehal- 
tend. Als Zeugen werden genannt: der Yiztum und der Erzpriester Ch. dann Wemherus, 
Erhngerus, Hermannus, custos ecclesie, Albo decanus, Heremannus notarius, Hermannus 



1) Ob. Arch. XXIV. 2. MB. XXIX a. 258 

2) Cod. 21555 f^ibt f. 127 ▼. nicht mehr den Todestag. Die Einzeichnoog ist nicht mehr gleich- 
zeitig. Das Galendarinni des Domcapitels enthält : VII Idas Octobris, Heinricas ep*s obiit Ob- 
latio de Sarchlingen. Praepositns in Anstria dat. (Sarcblingatein in Niederösterreich?) Im 
Scheftlarner Necrolog nichts. Der 7 Oktober in Jaff^'s Kaiser Lothar S. 268 ist inig. 

8) Der Stammbaum in y. Meillers Begesten der Erabischöfe von Salzbarg S. 544. 

4) Die Zeugen, deren erster Graf Cbonrad von Dachau, sind bei Zahn Fontes r. a. XXXI. Nr. 94, 

95. 97 and 98 nachzusehen^ in Nr. 94 aber nach Cod. com. f. 16 t. S. 94 Z. 4 nach Mohingen 

zu ergänzen: Ovdalrih de Lohhuaen, Adalbero de Gamenoltesdorf, Cbonrat de Mantichingen ; 

auch ist Werinheri de Frichendorf (nicht Frichingen) und Nr. 97 Meginbart Fusil in den öfters 

vorkommenden Fuhs zu yerbessern. 



63 

scolasticus, ceteriqtke confratres. Der Jahrzahl ist kein Tag, wohl aber die Indiotio I bei- 
gefügt; als Papst InnocenzII, als König Chonrad genannt^). 

Der betrefTende Ort im Oebiete des Erzpriesters Hütipert ist schwierig zu bestimmen. 
Der Salzburger Sprengel ist damals in Archidiaconate getheilt, doch ein Hütipert in den 
Verzeichnissen Meillers nicht zu finden. Auch im Freisinger Bisthum ist aus den Urkunden 
jener Zeit kein Hiltipert zu entnehmen. Die Orte Hofdorf, in den Langerichten Bogen, 
Wörth, Dingolfing, Hofendorf L. Bottenburg dürften kaum in Frage kommen, zumal ür- 
barien keine Andeutung geben; auch Hadorf, L. Stamberg, wo wir im folgenden Abschnitt 
Maganus de Howedorf suchen, dürfte nicht gemeint sein; eher das dem Ohiemsee nähere 
Hafendorf in der Pfarrey Prutting, L. Rosenheim. 

Prüfen wir die Urkunde nach den übrigen Zeugen , so finden wir keinen der Frei- 
singer Domherrn des Jahres 1139. Es sind eben aus der letzten Zeit des viel abwesenden 
Bischofs Heinrich Urkunden mit einer grösseren Zahl Domherren nicht vorhanden. Nur 
der decanus Albo könnte schon im S. Castulus-Stifte zu Moosburg gewesen sein, als dessen 
Probst er um 11.54 zuerst erscheint. 

Die Quelle ist überhaupt keine reinfliessende. Das Cartular stammt erst aus dem 
XV Jahrhunderte und enthält auch andere zweifellos interpolirte Urkunden, wie jene oft 
besprochene' von König Heinrich IV, worin Herzog Tassilo Rex und im XI Jahrhunderte 
schon Hofinarchiae genannt werden ^). 

Neue Zweifel bringt die verdienstliche Series episcoporum catholicorum vom P. Oams. 
Sie setzt zu 1137 nach Bischof Heinrichs Ableben den Namen Wilhelmus, allerdings mit 
einem Fragezeichen, nennt dann 1 1 38 Otto I intrusus. Der Name Wilhelm konnte nicht 
aufgeklärt werden. 

Die Annalen und Chroniken der Zeit geben so wenig, wie die Geschichtschreiber 
Meichelbeck und Buchner, Andeutungen von einer getheilten Bischofswahl in Freising nach 
Bischof Heinrichs Tode, obwohl dessen in den Annalen von Melk, Göttweih, Salzburg, 
^S. Trudperti, zum Jahre 1137 gedacht ist. Den Nachfolger setzen sid zum Jahre 1138, 
das Auctarium Garstense mit dem Ausdrucke „constituitur" , die Admunter Annalen 
„eligitur". Eingehender sagen die Reichersbeger Annalen: „Otto frater regis Chunradi 
episcopus Frisiensis constituitur,*' und die Fortsetzung des österreichischen Klosters Neuburg, 
welche auch die Lebensgeschichte Otto^s gibt, erzält darin : Otto de cenobio Moiimundensi 
ad episcopum Frisiensem evocatus est ^). 

Die nachträgliche Aufzeichnung in den kurzen Weihenstephaner Annalen lässt immer- 
hin eine Lücke in der Folge der Bischöfe erkennen *). Die politischen Verhältnisse klären 
den Hergang einigermassen auf. 

Bischof Heinrich war am 9. Oktober 1137 gestorben. Kaiser Lothar, in Italien erkrankt, 
starb wenige Wochen später auf der Heimreise am 3. Dezember zu Breitenwang innerhalb 
der Gränzen Bayerns. Das Reich war ohne Haupt ; die Anwartschaft schien dem Herzoge 
von Bayern und Sachsen Heinrich dem Stolzen zuzufallen, welcher mit des Kaisers, seines 
Schwiegervaters, Leiche langsam durch das Reich zog. Die Fürsten sollten sich um 
Pfingsten, nach der Mitte Mai's, zur Wahl versammeln. 



1) So ist der Abdruck MB. II. 446 za ergänzen. Vgl. Geira in der Geschichte von Franen-Chiem- 
see bei Deatinger ßeitr. I. 282, wo aber Howeldorf irrig ist. 

2) MB. II. 445: XXXI a 860. Vgl. Geiss bei Dentinger 1. c. 

3) M. G XI. 503. 560. 579. 610. 775. XVII. 291. 886. 467. 

4) Cod. 21555 foL 127 v.: MGXXXVII Hoc anno HeinricoB ep*c moritor. Otto ep^c eligitor- 
MCXXXVIII Sed hoc anno in episcopatam dncitor. In hoc etiano anno ab eodem episcopo Sigi- 
rnams abbas hnic monasterio preficitor. Nicht bei Pez. 



64 

Unter solchen Umständen konnten recht wohl die Domherrn Freisingä sich bestimmt 
finden y von dem oft anerkannten freien Wahlrechte Gebrauch zu machen. Vielleicht hatten 
sie sich der Zustimmung Herzog Heinrichs versichert. 

Inzwischen ward am 7. März 1138 zu Coblenz, Herzog Eonrad, der Staufer, auf 
Betreiben Erzbischof Albero's von Trier von einigen Fürsten zum Könige ausgerufen. 
Seine Wahl fand allmäJig Anerkennung. Er zog jedoch zunächst den Rhein hinab, dann 
über Bamberg und Nürnberg gen Bayern, wo zu Begensburg am 9. Juni Herzog Heinrich 
endlich die Eeichskleinodien auslieferte und Erzbischof Eonrad von Salzburg sich unter- 
warf. Hier mag denn auch die Wiederbesetzung des bischöflichen Stuls von Freising 
geordnet worden sein. Eönig Eonrad bedurfte der Verstärkung seiner Macht in Bayern, 
und fand sich bewogen, seinen Halbbruder Otto aus dem Eloster Morimond als Bischof 
von Freising zu berufen. 

Wie die neue Erledigung des Stuls herbeigeführt wurde, ob eine streitige Bischofs- 
wahl die Sache erleichterte, ob etwa der Erwählte rasch gestorben, oder ob er zum Rück- 
tritte veranlasst ward — darüber hat sich eine Aufzeichnung nicht erhalten, und weder 
der Name Matheus, noch der Name Wilhelm findet sich femer in bemerkenswerther Stellung 
oder in Nekrologien näherer Umgegend. 

Wie bei Bischof Otto I sogleich gezeigt werden soll, ist der erforderliche Raum für 
solchen Hergang durch dessen späten Regierungs-Antritt vollständig gegeben. 

§ 11. 

Bischof Otto I, 1138— 1158, und sein Geheimsohrelber Rahwin. 

Otto war der fünfte Sohn des unter die Heiligen eingereihten Markgrafen Leopold 
von Oesterreich aus dem Stamme der Babenberger, aus dessen 1106 geschlossener Ehe 
mit Kaiser Heinrichs IV Tochter Agnes, Wittwe des Herzogs Friedrich von Schwaben.. 
Zwischen 1112 — 1115 geboren, trat er um 1130 in Morimond in Frankreich in den 
Cisterzienser-Orden , und ward, wie oben erwähnt, als Abt dieses Klosters zum Bischöfe 
von Freising berufen. Nach dem Zeugnisse seines Geheimschreibers Rahwin starb er zu 
Morimond am X K. Octobris, am 22. September 1158^). 

Sein Leben und seine Werke sind mehrfach zum Gegenstand wissenschaftlicher Er- 
örterung gemacht worden; so neuerlich von Dr. Roger Wilmans bei Herausgabe seiner 
Werke in den Monumentis Germaniae historicis im XX Bande der Scriptores. 

In seinem Bisthume errichtete er zur Wiedererweckung ächten Mönchslebens alsbald 
zwei Klöster nach der jüngst erst verbesserten Regel von Prämonstrat, eines zu Scheftlam, 
das andere zu Neustift, Nova Cella, nächst Freising ^). Es bedarf nichts mehr der Fest- 
stellung, als die Zeit seines Regierungsantrittes, welche hier besonderes Interesse gewährt, 
wesshalb wir in nähere Erörterung eingehen. 

Im letzten Jahre seines Lebens erliess Bischof Otto eine neue Ordnung fUr sein 



1) Das domcapitelsche Oalendar ebenso mit dem Zosatie: Oblatio de Dinthenhansen, Timtenbaiifen 
L. Aibling. Im Schef tiarner Necrolog: XI K. Oct Otto ep*c Fris. fandator noster. Consolatio 
de toto predio et monte, qni dicitur Wakchersperch (bei Tölz). Im Cod. 21555 ohne Tag. 
Pez 1. c. II. 401. 

2) Für Scheftlam ist die Urkunde erbalten. Besser M. I. 818 als Ma VIII. 511. Die Namen 
lauten : Sceftelaren, Yrsenfausen, Niyyaren« Echboldingen ; auch steht iusta, nicht mnlta, bei den 
Zeugen : Wicmannus, Keitebochensis . . prepositns de Burenberch. Für Neustift fehlt das Ori- 
ginal. M. I. 821. MB. IX. 565. 



6Ö 

Domcapitely deren Urschrift mit der alten Aufschrift „de arcis in monte^ erhalten ist, 
wärend Meichelbeck dieselbe nach der nnyollständigen Abschrift des Domherrn und Gustos 
Chonradus gibt '). Es sei gestattet , hier den Schluss der Urkunde au&unehmen, welche 
in zwei, hier durch Ziffern getrennten Columnen der gesammte Clerus mit „^go subscripsi", 
der Bischof Otto an der Spitze, unterzeichnete: 

I. Adalpertns maioris ^ccri^ prepositas. Alpertns maioris ^ccPi^ decanus. Herrandns 
. archlpbr. Otto s. Andrej ppts. Hoholdns s. Zenonis ppts. Albuno 8. Castnli ppts. Hartmodns 
8. Yiti ppt8. Arnoldas archidiaconus. Perchtoldus maioris ^ccPi^ notarias. Ovdalricns 8. Arsatii 
ppts *). II. Ratpoto S. Stephan! abbas. Hermannus nov^ cell^ ppts ^). üdalricus Scirensis 
aobas. Kotbertas Tegrinsensis abbas. Hermannus Aprimontis abbas '^). Lotharlas Botensis 
abbas. Heinricns s. Dionisii ppts ^). 

De mimsterialibns präsentes faerant Waltman de Pastperch et frater eins Bodolf, et filias 
eins Bodolf, Heinrich de Locbirchen et frater eins Isinrich, Gerwich de Pabinbnsin ^) *), 

Data per mannm Bahwini notarii. Actara dnic^ incarnationis anno M. C.LVIII. Indict. 
VI. Anno aatem domni Ottonis Frisingensis ^ccl'i^ venerabilis antistitis XVJIJI. regnante serenls- 
simo imperatore Frederico. Anno regni ejus VII. Imperii antem eins IUI. in /po feliciter. 
Amen. Amen. 

Da das am 4. Juni begonnene vierte Kaiser- Jahr Friedrichs I bereits im Laufe war, 
so hat Bischof Otto diese Urkunde wenige Monate vor seiner Abreise nach Morimond, wo 
er am 22. September starb, ausgestellt. Es lässt sich selbst die Zeit der Abfassung 
noch etwas näher bestimmen. Am 14. Juni 1158 war der Bischof in Augsburg, wo er 
sich von dem nach Italien ziehenden Kaiser verabschiedete , und die bekannte Urkunde 
über Brücke und Zoll zu Föhring gegen Herzog Heinrich den Löwen erwirkte ; Ende August 
aber muss er schon auf die Reise nach Frankreich sich begeben haben, da er am 8. Sep- 
tember, dem Feste Maria Geburt, dem Generalcapitel des Cisterzienser - Ordens beiwoh- 
nen wollte. 

Dasselbe 19te Jahr, wie in dieser in die Monate Juli oder August des Jahres 1158 
fallenden Urkunde, zält Bischof Otto aber auch schon in der dem CoUegiatstifte S. Andreae 
in Freising VIII Idus Novembris, am 6. November, 1157 gegebenen Urkunde ^). 

Er kann daher nicht vor Herbst 1138, inunerhin aber muss er vor November jenes 
Jahres die Regierung angetreten haben. Dies wird durch eine weitere der seltenen voll- 
ständig datirten Urkunden bestätigt , jener für Kloster Scheyem vom 9. Dezember 1 144, 
welche das siebente Jahr zält ^). Die Urkunden des Jahres 1142 fallen hienach bis zum 
September in das vierte Jahr, womit wieder die in Urschrift vorhandenen für Scheyem im 
Einklänge ist ^). 

Mit Fug darf unter diesen Umständen angenommen werden, dass Otto seiner später 
sich bestätigenden Uebung nach als Abt von Morimond für die Annahme des Bisthums 
Freising die Genehmigung des Generalcapitels seines Ordens, dessen Kleid er nach dem 



1) M. I. 339. Bessere Z. 7 vestrae Z. 11 lacincto Z. \2 teutonico Z. 23 inceperint Z. 31 faerint 
(statt sunt) Z. 48 Alberti Z. 44 Eberspahc^ et beneficinm presbiteri Qebfaardi, qaod est decima 
Z. 46 qaod est decima apad Aspach Z. 47 Mittenwalde.. ZoUingin Z. 48 Albertus S. 340 Z. 3 
ab Z. 9 illorom Z. 10 vel Z. 13 Chregilingin Z. 14 ea Z. 15 Porchardos . . Moseburg'. Z. 28 
arcam (fratrom) cui eins Z. 30 huiasqae. 

2) Es sind a) von IlmmQnster, b) Neustift, c) Ebersberg, d) Scheftlam, e) Bogenhausen. 

3) M. I. 336. Die Urschrift fehlt. 

4) Die Urschrift fehlt anch hier. Der Drack M. I. 827 erfolgte nach Cod. Schir. 20 der Hof- u. 
St. B. f. 34; es ist nur p. 827 viertletzte Z. nt vor minlsterialis £a streichen, und in drittl. Z. 
ahqoa in antiqoa zu änoem. Der nnter den Frohsten voranstehende Ulricns prepositus s. Gan- 
didi et archidiaconns ist der Brader der Pfalzgrafen von Witteisbach. Aach MB. X, 374. 

5) M^B. X 453. Bessere Z. 8 beneficio. Die Terk&nten Namen der Orte sind zum Theile unrichtig 
aufgelöst. Berichtige : Tringesb[arg] . . Herrenfa[usen] . . Lohk7r[chen]. Streiche am Schlüsse eto. 

Abh. d. m. Ol. d. k. Ak. d. Wiss. XIV. Ad. II. whth. 9 



66 

Zengnisse seines Oeheimschreibers niemals ablegte, abgewartet habe, sohin erst nach dem 
8. September 1138 von dort abreiste, so dass sein Eintreffen zu Freising auf Ende Sep- 
tembers oder Anfang Oktobers fällt. 

In den in Urschrift nicht vorhandenen Urkunden für Neustift und Weihenstephan, 
welche die Jahrzahl 1143 mit dem vierten Otto*s verbinden, muss ein Fehler stecken, wie 
fOr Neustift schon Meichelbeck bemerkte, und unsere Nr. 83 des IV Abschnitts fOr 
Weihenstephan durch die Beifügung der älteren Au&eichnung und Nachweis stattgehabter 
Interpolationen ausser Zweifel stellt '). 

In der Urkunde vom letzten Jahre Bischof Otto's haben wir bereits den Notarius 
Bahwinus getroffen, welchem er seine Geschichtswerke in die Feder dictirte, und der das 
Eine derselben nach des Bischofs frühem Hinscheiden vollendete und in einem Anhange 
fortsetzte. 

Es ligt hier ferne, seine Betheiligung an den trefflichen Werken, welche eine we- 
sentliche Quelle unserer Eenntniss jener Zeit bilden, näher zu untersuchen. Es gilt nur, 
die äusseren umrisse seines Lebens auf Grund der Freisinger Urkunden zu verzeichnen. 

Sein Name lautet in den urschriftlich erhaltenen Urkunden Bahwinus. Bahewinus; 
in den Handschriften Freisings, Weihenstephans, Scheftlams, Tegemsees, Chiemsee^s auch 
Bache¥nnus und Bawinus, im Cartular Schejems einmal Beguinus. Die Formen Bade- 
vicus, Bathunic u. s. w. kommen in Urkunden nicht vor. 

Obwohl der Name auch in Bayern in den Familien von Lohkirchen und Gosselsdorf 
im Xn Jahrhunderte sich findet, unterliegt es doch nach den Au£&eichnungen in Kloster 
Neuburg keinem Zweifel, dass Bah¥nn wie Bischof Ottp aus Oesterreich gekommen ist ^). 
In der bereits erwähnten Urkunde vom 9. Dez. 1144 über die Pfarrverhältnisse in Scheyem 
tritt er zuerst als Notarius und Schriftführer auf. Er ist zugleich Capellanus Episcopi, 
als er seinen Bischof in dessen zehntem Jahre, sohin zwischen October und December 1147, 
nach Schliersee begleitet, sowie bei den bereits erwähnten Verhandlungen zwischen Kloster 
Bott und Pfalzgraf Otto major wegen des Gutes Neufam, welche nach 1152 fallen, da 
Probst Otto Yom Collegiatstifte S. Andreae anwesend ist. Um die gleiche Zeit ist er 
Schriftführer bei dem Vertrage mit Kloster Frauenchiemsee vom Jahre 1154 und bei 
Verleihung der Zehentfreiheit an Probst Gerhoch von Beichersberg im Jahre 1155. Beide 
Urkunden fallen in die Monate vor dem October, weil in der ersten Bischof Otto I 16. 
Jahr, in der zweiten dessen 17. gezält wird ^). 

In der nicht unverdächtigen Urkunde, welche über langwierige Verhandlungen mit 
Kloster S. Georgen an der Traisen zu Stiersdorf (Zistersdorf , zwei in Niederösterreich) 
wie Zahn annimmt, im April 1158 zum Abschluss gelangten, wird er Canonicus genannt^), 
aber noch im Juli und August dieses Jahres ist er, wie wir gesehen haben, Notarius* 

Unter Bischof Otto*s Nachfolger Adalbert wird er alsbald Domherr und wegen seiner 
Schrifts- und Geschäftsgewandtheit mannigfach verwendet und beigezogen. 



1) Es Bind die Urk. M. I. 321 u. N. 1318, MB. IX. 498 n. 565 ans dem Cod. Weihenst. N. 20. 

2) Wilmans in proSmio zam zweiten Theile von Bischof Otto's Werken. Schnlaasg^abe p. IX seq. 

3) MB. VI 169, in Urschrift nicht vorhanden; M. N. 1322, 23, 26. MB. I. 365. II. 447. III. 426. 
Das Cartular von Chiemsee, woraus die ürk. II 447 entnommen, ^ibt weder Rathnnic, noch 
Bachummi, sondern deutlich Bachuuini; die Orte heissen Boch, Palding, Hachingen, Pergam; 
Abt Günther von Munster nach dem Drucke, im Cartular Winster, ist zweifellos Schreibfehler 
fQr Wihenstepban, Weihenstephan. Von der späteren gibt Hundt M. 8. III. 287 den Namen des 
Notars richtiger; die Indictionen II, I sind verkehrt und irrig. 

4) Zahn F. r. austr. XXXI. 102. Otto TI dort ist Versehen. Aber nicht nur Papst und Kaiser 
gehen nicht zusammen; auch Probst Udalricus de Moseburg ist seit 1154 durch Albuno ersetzt. 
lat etwa Ardakeren zu lesen? 



67 

So treffen wir ihn am 7. März 1160 mit seinem Bischöfe in Lonca, Biseho&lak in 
Krain, um 1165 mitwirkend bei dem Vertrage mit Graf Otto von Vallei und am 3. De- 
zember dieses Jahres in Brixen bei dem Vertrags-Abschlusse mit Bischof Adalbert von 
Trient ^). Hier ist noch Probst Hartmnd von S. Veit in Freising mit ihm. In der 
nächsten erhaltenen Urkunde von 1168 sine die ist Eahwin in dessen Stelle eingerückt 
und erscheint mehrmals bis zum Jahre 1170 als Probst bei S. Veit. 

Die Zeit seines Ablebens scheint nirgends vorgemerkt. Auch Stiftungen von ihm 
sind nicht bekannt. Am 12. April 1177 findet sich ein anderer Stiffcsprobst bei S. Veit, 
Chonradus *). 

§ 12. 
Bischof Adelbert, 1158 — 1184. 

Als Bischof Otto in den letzten Monaten seines Lebens die Bestimmungen für seine 
Domherren erliess, unterzeichneten Domprobst Albertus und Domdecan Albertus. Es war 
nach den Weihenstephaner Annalen der Domprobst, welcher zum Nachfolger erwält, und 
wohl durch Fürsorge Otto's bei seinem letzten Zusammentreffen mit Kaiser Friedrich von 
diesem nicht beanstandet wurde ^). In den Urkunden erscheint auch der Domdecan 
nicht mehr *). 

Die Herkunft Bischof Adelberts ist durch sein Testament zweifellos gestellt, welches 
im Fürstenselect des Beichsarchives aufbewahrt wird. Es ist unerklärlich, wie die Gelehrten, 
Domdecan von Heckenstaller und Domprobst von Deutinger, an der schon von Meichelbeck 
abgewiesenen Fabel der Abstammung aus dem Grafenhause von Sigmaringen , oder wie 
Baumgaertner schreibt, von Simmering festhalten konnten. Ihnen folgten dann auch Gams 
und Potthast % 

Adelbert ist aus einem Ministerialgeschi echte Freisings hervorgegangen, welches zu 
Harthausen sass, nun Dorf Hartshausen in der Pfarrei Zolling L. Moosburg ^). Sein 
Bruder Üdalrich von Harthausen ist mehrfach in Urkunden beglaubigt, aber wie die Schwe- 
ster Herburga, schon gestorben, als der Bischof im Jahre 1181 sein Testament errichtet. 
Wie dem Testamente zu entnehmen, war das Ministerialgeschlecht reich begütert. Bischof 
Adelbert verfügt in demselben zwar nicht nur über angestammte, sondern auch über er- 
worbene Güter ; er bezeichnet jedoch ausdrücklich Harthusen als sein Patrimonium. Es sind 
zwei Gruppen von Gütern, über welche bestimmt wird : zunächst am Stammgute im Land- 
gerichte Moosburg 2 Höfe in Haselbach, das obere Sixt-, das untere Domhaselbach am 



1) M. K 1340. 46. 48. MB. I. 362. In der ersten lies in 7. letzter Z. in Pnstris; die letzte bes- 
ser bei Zahn F. r. anstr. XXXI p. 110; doch irrig zum Jahre 1166, da der Cod. N. 189 f. 47 
y. ganz richtig 1165 die veneris III, nicht IV Non. Dec. hat. Bei Meicb. verstümmelt nach 
Cod. N. 191 f. 123 v. Vgl. auch MB. I. 862. 

2) M. N. 1341. 1342. 1343. MB. VIII. 515. 

3) Cod. 21555 f. 128 : Adilbertns in episcopnm eligitur prepositus maioris ecclesie. Item ipso an- 
no Mediolanenses Begi Friderico se obsessi dedideront. Von Pez 1. c. bei dem Jahre 1 158 weg- 
gelassen. 

4) Der Domdecan Adelbert, früher Domp&rrer, war ans dem Geschlechte von Horskenhoven, Herschen- 
bofen, in der Pf. Hohenkammer L. Freising, wie sich daraus ergibt, dass sein Verwandter 
(Vater ?) Bihberi von Horskenhoven ein Gut zu Ebersbacb für ihn der Kirche übergibt, welcbes 
er noch als Decan im Jabre 1158 besitzt. M. I. 339. N. 1306. Cod. N. 190 f. 15 v. 

5) Deutinger Beitr. I. 17. 72. V. 30. 89. A. Nagel macht ihn zu einem Abensberg; 1. c. Abb. 
1808 in 8yo. II. 118. 

6) Es sind noch 2 Bartshausen im L. Moosburg, in den Pfarreien Bruckberg und Mauern, doch 
Einöden; ein weiteres ligt in der Pfarrei Zomeding L. Ebersberg. 

9» 



58 

Kaiser und Papst im Herbste 1052 am Rheine zusammentrafen, scheinen endliche Beschlüsse 
gefasst worden zu sein, und Nitker erhielt im Winter auf 1053 den Auftrag den Erz- 
hischof einzuführen. Im Februar reiste Papst Leo über Augsburg nach Italien ab, begab 
sich zunächst nach Mantua, wohin er eine Synode berufen hatte, brach sie jedoch plötzlich 
wieder ab, und eilte in beschleunigter Reise nach Rom. Unangenehm mag es ihn berührt 
haben, dass, als er am 13. März Rayenna erreichte, Erzbischof Heinrich dort inuner noch 
nicht eingesetzt war. Diess ergibt sich daraus, dass bei der Bischofis-Weihe Peter's von 
Annecj, welche der Papst schon am 14. März persönlich zu Rimini vollzog, der mitwirkende 
Heinrich von den Benediktinerordens-Annalen noch immer Electus Ravennatis genannt 
wird. Die Schuld der Verzögerung ward von der päpstlichen Partei auf Bischof Nitker 
geworfen. Spitze Reden fielen und Heinrich von Reichenau meint, Nitker sei wieder in 
frühere Leichtfertigkeit gefallen. Wärend der Papst am 21. März in Rom eintrifft, bemüht 
Nitker sich den Auftrag in VoUzug zu setzen, erkrankt aber am 3. und stirbt schon am 
6. April. Im Einklänge hiemit steht Nitkers Tod in den kurzen Weihenstephaner Annalen 
bei dem Jahre 1053 0- 

Ob Nitker mit dem Papste gereist , oder , was wahrscheinlicher , ihm nachgefolgt, 
wie die Zerwürfnisse entstanden, lässt sich nicht mehr feststellen. Meichelbeck bezeugt, dass 
der Bischof in den Freisinger Jahrbüchern keineswegs in schlechtem Andenken stehe ^). 

Bischof Nitker hat bei S. Veit, einer der ältesten Kirchen Freisings, welcher schon 
nach der Schenkung König Heinrichs 11 vom Jahre 1003 eigene Domgeistliche beigeordnet 
waren, ein Collegiatstift errichtet, welches sein G^ächtniss jedoch nicht am 6- « sondern 
am 18. April beging*). 

§ 7. 
Bischof Ellenhard, 1053—1078. 

Bischof Ellenhard soll, wie sein Vorgänger, vor der Wahl am kaiserlichen Hofe 
gewesen ^), und aus dem Geschlechte des später nach der Burg Tirol (nicht nach Meran) 
benannten Grafenhauses entsprossen sein. Meichelbeck bestätigt, dass an dem Messbuche, 
welches Ellenhard dem von ihm gegründeten S. Andreas-Stift geschenkt hat, der Adler 
mehrfach in jener Gestalt zu sehen war, in weichet er im Wappen der Grafen von Tirol 
erscheint. Die Ergebnisse unserer Forschung sind, wie sich zeigen wird, einer solchen 
Herkunft nicht entgegen, obwohl sie zur Gewissheit nicht erhoben werden konnte. 

Seine Ernennung oder Bestätigung ging nicht so rasch, wie bei Nitker; denn erst 
am 15. November ward er zum Bischöfe geweiht ^). 

Wäre der Stiftungsbrief über das von Ellenhard mit Eigengütem ausgestattete 
S. Andreas-Stift erhalten, so würde die Frage der Herkunft mit grösserer Sicherheit ge- 
löst werden können. Es ligt jedoch nur eine, hundert Jahre später von Bischof Otto I 



1) Cod. N. 21555 f. 125: MLIII Nitkenis ep'c oV. EUenhardas epc saccesdit. Nicht bei Pez. 

2) M. I. 248. Leider liegen die Ergebnisse von SteindorflTs Forschungeii, der sich dem Todesjahre 
1052 anzQscbliessen scheint, noch nicht vor. 

3) Im gedrückten Calendar des Stifts 8. Veit ans dem XVI Jahrhundert im B. A. N. 47: 18 April: 
Nitgems eccl'^ie Fris. ep's fnndator et consnmmator eccli*ae nostrae s. Vit! obiit, unde habemus 
4 solidoB et' 20 den« de molendino nostro in Nidemdorf , pro ipsins solemni memoria celebranda. 
Doch im geschriebenen Calendar des Stifts ans dem XVII Jahrhundert ist der Jahrtai^ schon 
durch einen andern ersetzt. 

4) Steindorff fOhrt ihn I. 859 unter den ihm bekannten Hofkaplänen nicht anf. 

5) In beiden Freisinger Galendarien vor dem MartTrologium ; in jenem der k Bibliothek Nachtrag 
ohne Jahrzahl Qu. u. Er. VII. 469. Der Tag war 1053 Quatember Mittwoch, im Jahre vorher 
ein Dinstag. 



59 

eriheilte Bestätigiing vor, welche am 7. November 1157 die Besitzungen aii&ält, ans- 
drttüklich erwähnend, dass dieselben theils von dem Oründer, theils von den Nachfolgern 
herrtthren. Darin sind non sowohl Güter im Gebirge: Tholbach (Doblacb bei Innichen?) 
und Chaines, nun Kuenz, Bezirks Meran, als auch solche im Flachlande: Thulbach und 
Hummel am linken, Langengeisling und Dorfen am rechten Isarufer, dann ein unbestimm- 
bares Holzhausen und Brittenbach, wohl Britilinbach, Prittlbach, Pfarrei und Landgericht 
Dachau aufgeführt ^). 

Dem Domcapitel schenkt Ellenhard den Hof zu Sigihoesteten, oder wie es im Galen- 
darium desselben aus dem XIV Jahrhunderte heisst, Sigolzsteten, nun Sielstetten in der 
Pfarrei Margarethenried L. Mainburg. Zu einer Stiftung für sein Seelenheil in Weihen- 
stephan verwendet er Weingüter nächst Bozen und in der Wachau, einer Gegend bei 
Molk in Niederusterreich ^). 

Hienach düifte seine Familie sowohl im Gebirge als um Moosburg in Bayern, und 
selbst , wie damals alle mächtigen Familien Bayerns , in Oesterreich reich begütert ge- 
wesen sein. 

Das Hochstift erhielt unter ihm von den Kaisern und Königen nicht nur Bestätig- 
ung der Güter in Steyermark und Tirol, sondern auch neuerdings weite Besitzungen in 
Niederösterreich an der Leitha, in Krain und in Istrien. Auch wurde ihm von König 
Heinrich IV die Abtei Benediktbeuern überwiesen, jedoch unmittelbar nach seinem Ableben 
die Freiheit ihr zurückgegeben ^). 

Sein Tod ist auf dem Grabmale bei S. Andreas in Freising, vom Domcapitel in 
dessen Oalendar und im Necrolog von SchefÜarn übereinstimmend am 11. März einge- 
zeichnet. In dem Freisinger Calendar vor dem Martyrologium ist gleiche Vormerkung 
der späteste Eintrag von der bekannten Hand des Nachtrags mit dem Zusätze : anno Do- 
mini 1078. Jahr und ausnahmsweise auch der Tag finden in den kurzen Weihenstephaner 
Annalen Bestätigung^). 

§ 8. 
Bischof Meginward, 1078—1098. 

Eilf Tage nach dem Tode Bischof Ellenhards, schon am 22. März, ward nach dem 
eben angeführten gleichzeitigen Eintrage in den kurzen Weihenstephaner Annalen der 
Domherr Meginward zum Bischöfe erhoben. König Heinrich IV befand sich damals in 
Begensburg, was die Wahl erleichterte. Im nächsten Jahre finden wir den Bischof als 
Fürsprecher in einer Urkunde des Königs *). 



1) M. I. 336. Urschrift nicht .vorliegend. 

2) MB. IX. 864. Die Güter in der Wachau sind früher in Freisinger Urkunden nicht genannt, 
wohl aber sind sie Gegenstand des Austausches zwischen Bischof Otto I und Kloster Weihen- 
stephan. Abschn. lY. N. 33. c. 

3) Die Schenkung sowohl, vom 18 Aug. 1065, als die Befreiung liegen in Urschrift yor« Letztere 
nennt weder Ort noch Tag der Ausstellung, erwähnt auch des Bischofs nicht, enthält aber das 
Jahr 107'', sowie der Ordination des Königs 24tes, des Reiches 22t es Jahr. Sie ist also zwischen 
dem 11 März und 28 Juli, wohl im April, wo der Ednig in Passau war gefertigt. MB. VII. 
91. 93. XXIX a. 204. 258 Böhmer Reg. N. 1801. 1884. 

4) Cod. N. 21555 f. 126: MLXXVIII Elienhardus ep*c obiit in V id. Hart, et snccessit Megin- 
uuardns ep s in XI K. Apri. Der hier und : MLXXX Hagano abbas obiit in IUI id. Not. bei 
Abt Hagano von Weihenstephan eingetragene Todestag dürfte den Beginn gleichzeitiger Ein- 
träge in dem Gomputns annorum bezeichnen. 

5) MB. XXXI a. 362 besser als MB. III. 104. Im Calendarium vordem Martyrologium fehlt schon 
diese Ernennung und fortan jeder Nachtrag. 

8* 



70 

Hiemit ist der Zeitabschnitt erreicht, zu welchem wir die ergänzende Urkunden- 
Sammlung zu fuhren beabsichtet^n. Wir fügen nur noch jenen Vortrag bei, durch wel- 
chen die Grafen von Yallei, der einzige noch kurze Zeit blühende Seitenzweig des Hauses 
Scheyem-Wittelsb^ch, seinen Frieden in jenen Zeiten fortwährender Wirren mit der Kirche 
schlosSy weil er für den Besitzumfang des Hauses von Belang ist. 

Bischof Otto war, wie erwähnt, bestrebt, seinen Domherren das standesgemässe Leben 
durch Vereinigung ihrer Wohnungen in der Nähe seines eigenen Sitzes zu erleichtem. 
Dass tmangenehme Erfahrungen ihn hiezu veranlassten, ist der Urkunde Nr. 106 Abschn. IV 
zu entnehmen, ohne dass jedoch die Vorgänge näh^ aufgeklärt werden ^). Die reichen 
Stiftungen hatten allmälig zu Wohlleben und dessen Folgen geführt. Nicht nur waren 
die Domherren-Stellen aufs beste dotirt, sondern eine namhafte Zahl der Domherren rückte 
auch stets in Probstei-Pfrttnden ein *). 

Domherren von Freising waren am Schlüsse des Xu Jahrhunderts Praepositi: zu 
Innichen in Tirol, S. Candidi seu Inticinensis vel Intycensis ^), zu Isen, s. Zenonis seu Isi- 
nensis, von den beiden seit dem VIII Jahrhunderte mit Freising verbundenen Stiftern ; zu 
Moosburg s. Gastuli seu Mosburgensis, seit dem IX Jahrhunderte Freising einverleibt; zu 
Schliersee s. Xjxti oder Sixti seu Sliersensis, im X Jahrhunderte nach der Zerstörung 
durch die Ungarn angeschlossen; s. Arsacii von dem später mit Schliersee das Schicksal 
der Einverleibung in das Collegiatstift bei Unserliebenfrau in München erleidenden Ilm- 
münster ; dann von den durch die Bischöfe in Freising selbst begründeten Collegiatstiftem 
zu S. Andreas und zu S. Veit; endlich von den auf den reichen und auswärtigen Besitz- 
tmgen in jüngster Zeit gegründeten Stiftern : s. Primi et s. Feliciani, Praepositus Wertsen- 
sis oder Wertsedinus, von der lieblichen Halbinsel Maria Wörth im Klagenfurter See in 
Krain, und s. Margarethae in Ardakeren, zu Ardacker, dem Markte an der Donau in 
Niederösterreich, Oberwienerwald. 

Die übrigen in den Urkunden auftretenden Praepositi sind Kloster- VorstÄnde; so die 



1) Ueber das Ministerialgeschlecbt der Vertinch, welchem der ausgestossene Domherr Heinrich an- 
gehörte, YgL Krenner über die Siegel der Mttnchener Bargergeschlechter. Ak. Abb. II (1813) 
S. 82. 46. 

2) Das Entstehen der Probsteien, welchen anfangs Archidiaconi vorgestanden zu sein scheinen 
— Invabns archidiaconus för Scheftlarn um 980 MB. VIII. 3-^0 — lässt sich für einige in 
das IX und X Jahrhundert zuräckfuhren. Dem Bisthume fielen die betreffenden Stifter theils durch 
Verleihung der Kaiser und Könige, theils in Folge der Zerstörung in den Ungarnkriegen zu. Dass 
die Domherrn bei dem Bentengenusse in Bälde betheiligt wurden, mag zum Festhalten des 
Besitzes wesentlich beigetragen, die Ausbildung der Collegiatstifte gefördert haben. Von der 
ersten Hälfte des XII Jahrhunderts an sind die Pröbste ziemlich vollständig n&cbzuweisen. 
Sie rucken häufig zu Dompröbsten vor; so wird Chonradus Felix puer (Seligskind), zuerst zu 
8. Veit Probst, um 1200 Domprobst, nach ihm Fridericus de Pubenhusen, Bogenhausen, zuerst 
Probst vom Wörthsee. Wir vermögen in der Zuziehung zum Domkapitel keinen Beweis für 
die Beraubung der betreffenden Klöster durch Bischoff Dracholf zu erkennen, wie S. Hirsch in 
den Jahrbüchern unter Heinrich II. I. 99. 

8) Seltener als die übrigen ist dieser Probst in Freising anwesend, aber er erscheint da noch im 
XIII Jahrhunderte. So in der Urkunde vom 18. Februar 1220, (nicht 1232) Geroldus prepositus 
Inciensis. In dem durch falsche Theilung des Datums entstellten, unvollständigen Abdrucke 
MB. n. 451 ist „Tagino quondam prepositus Sliersensis" zu lesen, und lauten die Zeugen nach 
dem Chiemseer Cartular f. 11: Üelricus maior ppts, Chonradus ppts de Mosburch, Ortwinus 
ppts s. Viti, Eberhardus archidiaconus, N. ppts. de Batenbuch, Sibito Pulcher panis, Rudolfus 
can. Geroldus ppts Inciensis, Fridericus de Swab[ingen] can. Gottfridus deoanus s. Andrej, 
ülricus decanus s. Viti. Albertus, Chunradus, Siboto, Heinricus, cappellani de familia Chyemensi. 
WernbarduB plebanus de Bruttingen> Heinricus plbs de Angabt, Fridericus plbs de Püch. 
Heinricus et Chunradus fratres Rirosting. Magister Eppo, Bruno, H. preco de Rimsting. Chuno 
de Pasin, Wellhemus Scolaris et alii plures. 



71 

Praepositi s. Dionysii zu Scheftlam, und S. Petri zu Neustift nächst Freising, der beiden 
von Otto I gestifteten Främonstratenser-Klöstery sowie Pröbste der Augustiner Chorherren 
Klöster, wie Indersdorf. 

Wie sehr die Yon Bischof Otto 11 bekämpften Missstände sich mehrten, ersehen wir 
aus einer im Jahre 1250 Ton dem Domcapitel an den Papst gebrachten Klage, welche 
zuerst auch die Zahl der Capitularen erkennen lässt. Es wird darin angeführt, dass yon 
30 Mitgliedern des. Kapitels kaum 4 bis 5 anwesend sind. Papst Innocenz IV ermächtigt 
denn auch das Innehalten aller Bezüge der Abwesenden, es sei denn, dass sie in Geschäf- 
ten der Komischen, oder der eigenen Kirche , oder auf Wallfahrten, oder in Studien aus- 
wärts verweilen ^). 

Unter Bischof Otto U ist auch der Hofstaat vollständig bestellt. Heinrich von 
Wippenhausen und Konrad von Hittenfurt sind Kämmerer, Heinrich von Zuistorf, nun 
Zustorf, ist Schenk, Sighard von Kienberg Truchsess, Qünther von Oiesenbach Marschall ^. 

Er starb am 17. März 1220. Sein Tod ist gleichmässig im Scheftlamer Necrolog 
und im domcapiterschen Galendar eingetragen *). 



III. Abschnitt. 



WolYold, Domprobst von Freising, dann Abt von Admont nnd 

Kloster AtteL 

§ 1. 

Wolvolds Herkunft. Kloster Admonts Einwirkung auf Bayern unter seiner 

Leitung. 1090—1137. 

In unseren Beiträgen zur Geschichte des Klosters Schejem haben wir die Vermutung 
ausgesprochen, dass Wolvold, Domprobst von Freising und später Abt von Admont, aus 
dem Ministerialgeschlechte von LohMrchen , einem Dorfe in der Pfarrei Beichenkirchen 
L. Erding (nicht dem gleichnamigen Pfarrdorfe im L. Neumarkt an der Bott) hervor- 
gegangen sei^). Nachdem er schon als Domherr seine Besitzungen zu Lohkirchen durch 



1) Breve vom 1. April 1250. Beg. Boica II. 428. 

2) Am Tollständigsten in der ürk. vom 17. Juni 1212. M. N. 1372. MB. VIL 887. 

3) im Letzterem mit dem Zusätze: oblatio de capella in Adlingen iuxta Glan. Es ist Adling in 
der Pfarrei Qlon, L. Ebersberg. Es mag zugleich als Beispiel dienen, wie bis tief in das 
Xlil Jahrhundert hinein auch in Altbajem die Ortsnamen auf „ingen" auslaufen^ und sich 
erst später in „ing" abschleifen. Cod. 12555: MGCXX Hoc anno Otto epc obiit. Geroldus 
successit 

4) Kloster Schejem Abb. d. h. El. B. IX. (1862) 8. 242. 



72 

Tausch abgerundet, verwendet er als Domprobst ein Gut zu Pillinchoven, Pillkoven, dessen 
Flur an Lohkirchen gränzt, zu einer Stiftung zuih Dome. Die Urkunde findet sich nun 
im IV Abschnitte als Nr. 25. Die Freisinger Ministerialen Wiso (von Haidolfing) , Wolvolt 
(von Lohkirchen) und Aribo (wohl der von Hortolteshusen, Gartelshausen nächst Freising) 
^d Zeugen. 

Wolvold war ein Mann von ungewöhnlicher Thatkraft, dabei voll tiefer Frömmigkeit, 
welche ihn bewog, der Würde des Domprobsts zu entsagen und in den Benediktiner Orden 
zu treten. Als seine streng kirchliche Richtung ihn auch im Kloster Scheyeiii in Zerwürf- 
nisse mit den Schirmvögten brachte, begab er sich nach S. Georgen im Schwarzwalde, wo 
das klösterliche Leben unter dem berühmten Abte Theoger zu so trefflichem Gedeihen 
gelangt war, dass bereits mehrere Mönche von dort in andere Klöster als Aebte berufen 
worden waren *). Auch Wolvold erhielt nach wenigen Jahren durch Erzbiscbof Konrad 
von Salzburg den Auftrag, die Leitung des Elosters Admont in Steyermark zu überneh- 
men, unter seiner 23jährigen Regierung gelangte Admont zu hoher Blüthe. Er starb 
am 2. November 1137 ^. 

Ob Wolvold wärend der Zeit seines Verweilens zu Scheyern daselbst Prior, oder 
etwa vor Bruno, auch Abt war, welch letzteres wir in Abrede stellten, soll hier nicht 
weiter untersucht werden. Ebenso ligen unserer Aufgabe die harten Kämpfe ferne, 
welche er als Reformator der Frauenklöster in dem östlichen Theile des weiten Salzburger 
Sprengeis in den letzten Jahren zu bestehen und hiebei schwere Misshandlungen zu et- 
dulden hatte, an deren Folgen er starb. 

Wir möchten hier nur die umfassende Wirksamkeit näher darlegen, welche der treff- 
liche Mann in Bayern auch nach seinem Abgange noch übte. Offenbar lässt sie sich 
nicht aus dem begründeten Rufe allein erklären, sondern weist zugleich auf die zahlrei- 
chen, nicht nur gesellschaftlichen, sondern auch verwandtschaftlichen Bande hin, welche ihm 
in weiten Kreisen des bayrischen Adels Beziehungen eröffneten. Zugleich wird sich Ge- 
legenheit ergeben, das Register des schönen Urkundenbuches von Steyermark in Bezug 
auf Bayern mehrfach zu berichtigen. Das ferne Monasterium s. Mariae sanctique 
Blasii zu Admont an der Enns, war vor Wolvolds Ernennung zum Abte in den an Klöstern 
so gesegneten Ober- und Niederbayem gänzlich unbekannt, und nach seinem Ableben 
verschwindet in Bälde wieder die Erinnerung an dasselbe. Wärend seiner Leitung aber 
werden nicht nur reiche Stiftungen dahin gegeben, sondern es erfolgen auch zahlreiche 
Eintritte aus Bayern, welche noch einige Jahre der Nachwirkung zur Folge haben. ^ 

Ulrich von Elsendorf, Pfarrdorf im L. Mainburg, hatte sich mit seiner Gemalin 
Ghunigunde und seiner Tochter Richinza am 16. Jänner 1116 in das Kloster Benedict- 
beuem begeben, und dahin reiche Besitzungen in Lindkirchen, L. Mainburg, Seholzen 
nächst Gräflfing an der Wurm L. Stamberg, Sauerlach und Degerndorf in der Pfarrei 
Münsing L. Wolfratshausen, dann Riffiau und Mais bei Meran in Tirol gebracht. Er tritt 
im November 1125 in das Kloster Admont über und bringt dahin seine Güter, unter 
welchen nun auch Langenbach L. Freising und Thonhausen L. Moosburg aufgezält werden ; 
ausgenommen bleiben die Weingüter in Tirol, welche Benedictbeuern zur Abfindung be- 
hält. Ulrich von Elsendorf ist unter den Senioren des Klosters Admont, deren Nicht- 
beiziehung zur Klostervisitation dem Abte Wolvold in dessen letzten Jahren zum Vorwurfe 
gemacht wird. Ln Jahre 1146 sind noch Verhandlungen des reichen Erbes der Tochter 



1) Vgl. die Yita Theogeri abbatis S Georgii et Episcopi Mettensis. MG. SS. XII p. 449 flg. 

2) P. Wicbner, der Historiograph Admonts gibt dem Jahre 1187, Machar in der Geschichte 
Steyennarks dem Jahre 1138 den Verzag. Der Beginn der 28 Jahre zufolge der Gesta epis- 
coporum Salzbarg. — MG. SS. XI. 42 — fallt hiemach in die Jahre 1114 oder 1115. 



73 

Bichiiiza wegen, welche die Verwandten vergeblicli in der Welt erhalten wollten, und erst 
im Jahre 1161 entsagt am Landtage am Begensbnrg Kloster Benedictbenem zu Gnnsten 
Yon Admont auf Elsendorf, das nun in einer Graüschaft des Pfalzgrafen Friedrich, des 
Witteisbachers, ligt ^). 

Dem gegebenen Beispiele folgen die Edlen Otto von Iringisbnrc , Enrasbnrg L. 
Wolfratshausen, welcher seinen Sohn Otto in Admont eintreten lässt> und mit einem Qute 
Waiden, unbestimmbar bei vielen gleichnamigen Orten, ausstattet, dann Gebolf von 
Ascheiingen L. Stamberg, und Potto und Walther von Berthericheshusen, Petershausen an 
der Glon L. Dachau, welche ihren Schwestern Gertrud und Guta in das Nonnenkloster 
zu Admont in demselben Dorfe Fradelsdorf, Frecheisdorf in der Pfarrei Semmerskirchen L. 
Mainburg, nicht das ferne Frassdorf jenseits des Inns L. Bosenheim, mitgeben '). 

Aus dem Andechser Grafenhause tritt Agnes in das Kloster Admont und wird yon 
ihrem Vater dem Grafen Otto von Wolfratshausen mit Gütern ausgestattet, welche, soweit 
nachweisbar in Oesterreich liegen '). 

Der Edle Liutprand von Hohesteten, unter den zahlreichen Hoch- und Hof-steten 
und -statt vielleicht Hofstatt, der Weiler in der Gemeinde des bekannten Edelsitzes Herren- 
hausen L. Wolfratshausen, tritt selbst ins Kloster und bringt dahin 2 Höfe zu Bergen 
L. Moosburg, und WeUbach, L. Dachau. Endlich nimmt auch der Edle Magan von Howe- 
dorf, Hadorf L. Stamberg, mit seiner Schwester Judith und Gattin Bicharda, sowie den 
Kindern Otto und Hemma das Mönchskleid in Admont, welchem ein reicher Besitz zu Ha- 
dorf, dann Mammendorf, Puch, Längenmoos, Maisach, L. Brück, Burgstall L. Friedberg, 
Pellheim und Pallhausen L. Dachau mit zahlreichen Leibeigenen zu Theil wird ^). 

Auch einfache Seelgerät-Stiftungen wurden Admont gewidmet. Hadewich, die Wittwe 
des Ministerialen des Markgrafen Dietpold von Vohburg, Adelbert von Seiginbach, dem 
Weiler Seilbach in der Pfarrei Saal, L. Kelheim, gibt ihr Gut Eichenberc und ihren Hof 
mit Weinbau zu Owental, Eichberg und Aunthal, zwei Einöden in der Pfarrei Elsendorf, 
wo freilich Weinbau längst nicht mehr betrieben wird. Der Edle Sigifrid, Bruder Arnolds 
von Lucilsteten, dem WeUer Stetten, Gemeinde Bumeltshausen L. Dachau, gibt anderthalb 
Höfe in Kemnaten und Hadebrehteshusen , Kemmaden und Habertshausen , beide in der 
Gemeinde Trieüng L. Pfaffenhofen; die Edlen Sarhil und Gotschalk zwei Höfe zu Eckeri- 
chesperge, Eckersberg, Gemeinde Heimpertshofen L. Pfaffenhofen; endlich Walchun von 
Stein L. Trostberg verbindet die Ausstattung seiner Schwester Berhta mit einer Stiftung 
für sein Seelenheil, wozu er 3 Höfe und eine Mühle in Elsendorf überweist ^). 

Ohne Bezeichnung des Grundes ist die Gabe des Edlen Adelbero von Mörlbach ein- 
getragen, einem Dorfe in der Gemeinde Bachhausen Pfarrei Aufkirchen L. Wolfratshausen, 
desselben, welcher Ulrich von Elsendorf zu Begensburg Beistand leistete. Er widmet Admont 



1) Die erste Urk. nun bei Frhr. y. Oefele Giafen von Andechs 8. 227; ferner Nr. 109 u. 250 des 
ürk. B. V. Stejermark S. 124 u. 257 ; MB. YII. 108. Pez tbes. aneod. UJ. 3. 685. Dass Ulrich 
schon zur Bemfong Wolvolds aus S. Georgen mitgewirkt, wie die Gesta Archiepiscopomm wollen, 
ist hiemit unvereinbar. 

2) Urk. Buch N. 154 a 167 S. 157 a. 165. Otto de Iringesbarc and Foto de Perhtershusen finden 
sich mehrfach in bayrischen Urkunden. 

3) Aus dem Admonter Cod. im Urk. B. I, 48. N. 139. Die Namen sind wohl durch die Abschrif- 
ten entstellt; Frustingen, Esilwanc, Batingen nicht sicher nachweisbar, Bucha zu häufig; Chram- 
perg Enuicbberg, Bes. Gloggnitz in Nieder-, Imiinesdorf im Uietale, Inzersdorf Bez. Kirch- 
dorf in OberOsterreich» Tobele wohl Dobel Bez. Graz in Steyermark. 

4) 1. c. N. 204 u. 187 8. 210 u. 199. 

5) L c. N. 155. 165. 316 S. 158. 164. 314. Walchun von Stein, Arnold von Lucilstetin, Adelbero 
von Morelbach sind aus Tegemseer, Scheftlamer, Chiemseer u. s. w. Urkunden wohl bekannte 
Namen. 

Abb. d. III. Cl. d. k. Ak. d. Wiss. XIV. Bd. U. Abth. 1 



74 

einen Hof za Wermprechtespnmnen, Wömbrunn in der Gemeinde Qrünwaid, L. München 
rechts der Isar, und 3 Höfe nebst Hafen am Inn in Mulles, Mils nächst Hall im Innthale ^). 
Kloster Admont hat diese Besitzungen anfangs durch Käufe, insbesondere in der 
Umgebung der errichteten Probstei Elsendorf, aber auch sonst, wie zu Hoveheim, Hofham 
L. Landshut, beträchtlich vermehrt, dann aber theils schon 1152 an den ersten Pfalz- 
grafen Otto Ton Witteisbach, theils später an Freising gegen Katsch im Bezirke Murau 
in Steyermark vertauscht, doch erst im Xu Jahrhunderte gänzlich veräussert '). 

§ 2. 
Kloster Attel, 

dessen Verbindung mit und Lösung von Kloster Admont. 

Das Vertrauen, welches Abt Wolvold durch Wiederherstellung strenger Zucht und 
eifrig religiösen Lebens in Admont sich erworben hatte, führte dazu, dass das neu- 
erstehende Eloster Attel im Landgerichte Wasserburg von dem Hallgrafen Engelbert 
Kloster Admont unterstellt wurde. 

Die hierüber verfasste, schon in W. Hundt' s Metropolis Salisburgensis , dann in den 
MB. veröffentlichte Urkunde im Bajr. Beichsarchive ist vielfach angestritten worden, nun 
in Oefele's Geschichte der Grafen von Andechs wortgetreu zum Abdrucke gelangt und er- 
läutert »). 

Eine weitere Urkunde, womit Erzbischof Konrad von Salzburg die Uebertragung 
von Attel an Admont genehmigt, ist in Urschrift im Kloster Admont erhalten. Sie hat 
keine Jahrzahl und wird von Wichner in der Geschichte Admonts zum Jahre 1137» von 
Zahn im Urkundenbuche von Steyermark zum Jahre 1145 gestellt^). 

Wie diese Uebertragung an Admont sich löste, war bisher nicht aufgeklärt. Hierüber 
gibt nun eine dritte, abschriftlich im Beichsarchiv vorfindliche Urkunde Aufschluss, welche 
der Abschn. IV unter Nr. 84 enthält. Sie fährt die Jahrzahl 1145, mit welcher vom 
April an das beigefügte 7 Jahr König Konrad's in, und erste Papst Eugen's IH im Ein- 
klänge ist, nicht aber das gleichfalls angemerkte 41te des Erzbischofs Konrad, welches 
erst am 6. Jänner 1146 beginnt. Sie entspricht aber so ganz dem frommen Sizme dieses 
trefflichen Kirchenfürsten, dass an der Aechtheit der Urkunde und Treue der Abschrift 
nicht zu zweifeln ist, gehört sie nun den letzten Monaten des Jahres 1145, wo Konrad 
bis in den August zu Friesach abwesend war, oder den ersten des Jahres 1146 an. 

Auch die erste und die zweite der Urkunden erachten wir für acht. Die im Beichs- 
archive vorliegende erste zeigt Schriftzüge, wie sie um 1140 bei zahlreichen unbeanstan- 
deten Urkunden dieser Zeit nachgewiesen werden können — beide aber gehören zu den 
mehrfach vorkommenden erzälenden Urkunden, wie bereits ein Beispiel bei dem zweiten 
Pfalzgrafen Otto von Witteisbach erörtert ward. Sie fassen die Thatsachen eines längeren 
Zeitraumes zusammen, wurden wohl auch manchmal längere Zeit ohne Abschluss belassen. 



1) U. B. N. 34ö. Ein mansns in Eocilhasen, Enzelhausen L. Mainbarg, ist ohne die Art der Er- 
werbung erwfihnt. 

2) Vgl. Koch-Stemfeld's Babo von Abensberg S. 90 flg. 

3) Hundt M. S. II. 119. MB. I. 266. Frhr. Oefele 230 Nr. 5, wo auch die betheilifirten Geschlechter 
nnd Orte sorgfältig bestimmt sind. Meich. gibt die Urkunde IL 2. N. 25 p. i 4 unter einfacher 
Weglassung der P. I. 1. p 282 unvereinbar erklärten Jabrzahl am Eingange. 

4) Wichner 1. c. I N. 13. S. 76 u. 242. ü. B. v. Steyermark S. 247 N. 242. Sie ist der vielen 
bayrischen Orte wegen im Abschn. IV unter N. 69 aufgenommen. 



75 

■ 

Hiemit hängt denn der Mangel des Datums manchmal zusammen, wärend yerschiedene 
Zeugen für die verschiedenen Abschnitte auftreten können. 

Unserer Ansicht nach ist die vorher als zweite aufgeführte Urkunde unter Erzbischof 
Eonrad die früheste. Wärend auch sie verschiedene Zeit- Abschnitte begreift, nennt die 
Schluss-AbthMlung noch die Mutter des Grafen Engilbert, Bichgard, aus unermitteltem 
Stamme, welche der Stiftung nachträglich beitritt und sie mit eigenen Zeugen vermehrt. 
Ihr reiht sich dann die neu beigebrachte dritte Urkunde vom Jahr 1145/46 an, und den 
Schluss bildet die längst bekannte erste Urkunde, worin Graf Engelbert die ganze Geschichte 
der Gründung des Klosters , jedoch nach seinen Zwecken mit Uebergehung von Manchem, 
erzälen lässt. 

Wir reihen daher die Urkunde aus Admont um das Jahr 1125 ein, weisen dagegen 
die längst bekannte, nach uns jüngste Urkunde der Zeit nach Erzbischof Eonrad's Tode, 
etwa um 1 150 zu, und erlauben uns hienach die Vorgänge kurz zu erörtern. 

Attel, am linken Inn-Ufer im unbestrittenen Gebiete des Bisthums Freising ligeüd, 
wurde ursprünglich von dem Grafen von Andechs-Diessen gegründet, deren weitreichende 
Besitzungen zwischen Inn und Isar auch bei der Verfügung Kaiser Heinrich's HI vom 
Jahre 1055 über die von den Grafen oder Marchio Otto verwirkten Güter durch die Be- 
zeichnung des Grafen Friedrich als Gaugrafen dieser Gegenden ersichtlich wurden ^). 
Eben diesem Grafen Friedrich mit dem Zunamen Bocke, Rocho (1055 — 1075) *), wird der 
Vorwurf gemacht, er habe die Stiftung durch Eingriffe so geschmälert, dass nur mehr für 
3 Mönche Lebensunterhalt geblieben sei. Im Jahre 1087 begann dann Engelbert, ein 
mächtiger Grundbesitzer in nächster Umgebung, zuerst selbst von Attel, dann von Lint- 
burg, zuletzt von Wasserburg zubenannt, zugleich Graf der Hallenser, über die Arbeiter 
in den Salzwerken zu Beichenhall und Umgegend gesetzt ^), sich der Mönche anzunehmen, 
tmd sehr allmälig bis zu förmlicher Wieder aufrichtung vorzugehen. Erst zur Zeit, als 
bereits Abt Wolvold die Leitung von Admont mit sichtlichem Erfolge führte, ward von 
ihm mit Unterstützung seiner Mutter Bichgard eine festere Begründung zu Stande gebracht, 
und dabei um 1120 — 1125 die Fürsorge für Schaffung religiösen Lebens in der neuen 
Stiftung im Einverständnisse mit Erzbischof Konrad von Salzburg — unter Umgehung 
des der kaiserlichen Partei zu eng verbündeten, mehrfach von Konrad unkirchlicher Gesin- 
nung geziehenen Diöcesan Bischofs Heinrich von Freising — dem berühmten Abte Wolvold 
übertragen, zu dessen Kloster fortan Attel eine Filiale bilden sollte. 



]) Das Gebiet des Hauses Diessen-Andechs hat hier wohl nach dem kinderlosen Hintritte Graf 
Adalbero's III von Ebersberg Erweiterung gewonnen. Kloster Ebersberg lag bei der Bestätig- 
ung 1040 in der Grafschaft Steinberinga. MB. XXIX. 56. Bei der Wittwe Gräfin Bicblinde 
treffen wir sodann 1045 als Scbirmvogt des Klosters Butprecht de Sliwisheim, Scbleissbeim links 
der Isar; er heisst alsbald Comes de Sliwisbeim, ein Name, welcher nicht weiter vorkömmt und 
aus der Nachfolge in der Grafschaft Steinheringa (Steinhöring L. Ebersberg) hervorgegangen 
scheint. Oefele II. 26. 27. N. 57. 63. Diese dürfte um 1050 an Friedrich von Diessen-Andecbs 
gelangt sein, dessen Gra&chaft 1055 neben Aufkirchen nächst Erding auch Lanthartesdorf^ 

«andersdorf L. Dorfen, umfasst. MB. XXIX a. 120. 
^oher der Zuname? Hiess er der Rohe yon ähnlichen überkräftigen Massnahmen? Die Mönche 
mochten wohl Schöpfer solcher Namen sein. Frhr. Oefele 1. c. 14 gibt keine Erklärung; auch 
bei Schmeller wird eine solche yermisst. Nach Förstemann schliessen die Namen mit Hroc an 
rugire und das nordische hrocr an, bezeichnen den starken Mann. So wäre der Graf nun 
„Friedrich der Recke" su nennen. 
3) Vgl das Chiemseer Gartular MB. II. 280. 282. In der Urk. des Erzb. Eberhard von Salzburg 
vom 12. Mai 1147 für Kloster Au, welche in Urschrift yorliegt, ist er der dritte Zeuge: Comes 
Engilbertus, qul dicitur Hargrave, was halensium aufzulösen sein wird. MB. I. 218. I^ch heisst 
er auch Hallensis comes. 

10* 



76 

Nachdem aber die entsprechenden Einrichtungen getroffen waren und in Bftlde sich 
ftcht klösterlicher Qeist entwickelt und befestigt hatte, ward dem Kloster die Wahl eines 
eigenen Abtes gestattet '), die Unterordnung unter Salzburg aber beibehalten, selbst dann 
noch, als im Jahre 1145—1146 die gänzliche Ablösung von Admont, wo Wolvold schon 
1137 — 1138 gestorben war, mit einer Oabe von 40 Pfund durch Qraf Eftgelbert unter 
Zustimmung des Erzbischofs erfolgt war. 

Nach Erzbischofs Konrads Tod bestand bei der trefflichen Leitung des Bisthums 
Freising durch Bischof Otto I kein Grund mehr, die von Ghraf Engilbert nun mit seiner 
Stammburg Lintburg und Zehenten aus inzwischen ererbten. Besitzungen in Ober- und 
Niederösterreich gekräftigte Stiftung den alten Bisthums-Gränzen gemäss mit Freising in 
Verbindung zu setzen und vom Erzstifte Salzburg gänzlich zu lösen, worüber die von 
Bischof Otto I und seinem ganzen Domcapitel genehmigte Urkunde um 1148 — 1150 zu 
Stande gekonmien sein dürfte. 

Auffallend ist allerdings die in der erzälenden Urkunde enthaltene Jahrzahl 1087, 
welche die Lebensdauer des erst 1169 verstorbenen Grafen Engelbert auf ungewöhnliches, 
doch damals nicht unerhörtes Maass ausdehnt, sowie dass auch in den zwei späteren Ur- 
kunden kein Abt von Attel mitwirkt, oder auch nur genannt wird. Es mag übergrosse 
Sorgfalt, dem Erzbischofe von Salzburg, nun Eberhard I, nicht unangenehm zu werden, 
und Verpflichtungen zur Zahlung zu vermeiden, hiebe! mitwirkend gewesen sein. Kloster 
Attel wusste sich denn auch in der Gunst der Erzbischöfe zu erhalten. Am 24. November 
1155 bestätigt Erzbischof Eberhard dem Abte Albert von Attel den Bezug von 20 grossen 
Karren Salzes aus seinen Salzwerken, wobei bemerkenswert ist, wie der Abt durch das 
Beispiel des Klosters Weyam an der Mangfall L. Miesbach den Beweis zu fuhren ver- 
anlasst ist, dass die Freigebigkeit der Erzbischöfe nicht auf den eigenen Kirchensprengel 
sich beschränkt hatte — offenbar in Erinnerung an die früher vorhandene, nun aber gelöste 
Abhängigkeit Attels von Salzburg ^). 



1) Immerhin fällt auf, dass, schon am 31. Jani 1129 anf der Synode za Laufen an der Salzach 
Gunthems Atilensis abbas erscheint: Die Urschrift ist nicht ernalten, und von Meiller hat der 
in den Regesten N. HO S. 19 aufgeführten Urkunde gewichtige Bedenken N. 44 S. 427 bei- 
gefügt. Die Abtreibe MB. I. 263 bedarf jeden&lls der Berichtigung. 

2) Die Urkunde MB. I. 208. Den in der Urschrift abgekürzten Namen des Abtes Alb*t9 vermögen 
wir nur in Albertus, nicht Albericns aufzulösen; Z. 11 ist illud Z. 14 Deo famulant.. vorl. Z. 
domnus Heinricus. Gustos Wolframus 1. Z. Liutoldus zu hessern. 



77 



IV. Abschnitt. 



ürkimdeii 0* 

I. Sab Epteeopis Abrabam et NItkero, 957—994 et 1040-1Q5S. 

No. 1. Coxnplatitatio Abrah^ et Gvntpirch. 

A. NoTerint omoes /pi fideles, qnaliter convenit inter Tenerabilem Abrabam FiinDgensis ^lesie 
episcopam et eins advocatnm, et inter oobilem malierem, Gnntpirich dictam, naptam ad qnendam 
famulam s. Mari^ Sanctiqae Corbiniani, Sindonem dictum, qnandam complacitationem facere; sie et 
feoemot. Tradidit itaque eadem nobilis mnlier in loco, Ramaspacb dicto, bobas 2 et mancipia 5 ad 
altare s. M. sq. C. bis verbis, nt omnes sn^ posteritates [sie] viri, si essent beneficiati, pontificali 
serricio servirent episcopo, mulieres perpetnaliter absqne omni senrili condicione dimitterentur. Dimisit 
itaque sapranomiratas ep's cnm manu advocati sni Sigihardi, et cnm consilio clericorom, htioornm, 
nobiiium et ignobilium Omnes mulieres, qu^ procreantur stirpe presript^ Guntpiricb, nt perpetualiter 
essent absqne omni* servili famulatu. Isti sunt testes per aures tracti: Orgfo, Dietrich, Kotescalc, 
Jagob, EtzOi De familia: Pero, item Pero, Aripo, Rieben, Marc wart. 

B. Genuit autem supradicta Gnntpirc filias duas, una [m] nomine Medoni, alteram Adalpurc dictam. 
Genuit autero Medoni filias 4: Adalhilt, Hiltiknrt, Medoni, Beginbilt; et filiosDietric et Otperht. Genuit 
antem Adalpurc filias: Dierbilt, 0?ta. Genuit Adalbilt filias 4: Hiltikart, Ata, Willirun, Pemsuuint. 

De ista Pemsuuinda et de filiis eins Dietperto, Cbunrado et ceteris postea facta est inquisido 
sub ep'o Nitkero et advocato eins Ottone et vicedomino Pilig^mo, ut deberent s. M. sq. Corbiniano serviliter 
obedire. Tandem apud Veringan lite cepta et finita confirmaverunt e| constabiliverunt pactionem 
supradictam, quam fecerat nobilis mulier Gruntpirc cum Abraham ep'o, hoc est, ut eadem Pemswint et 
supradicti filii eins et fili^ Adalhilt et Perbta, ceterique posteri eins, necnon omnes, qui essent de 
cognatione iam sepe dict^ Guntpirige deberent esse soluti ab omni seryili anxietate, nisi, ut dictum 
est, qui viri essent, beneficiati, aut clericali, aut camerali, ant pincemaii, aut dapiferali seryicio ipso 
ep'o, qui tunc et tunc ep*s esset. Hec sunt nomina eorum, qui constricti et interrogati sacramento, h^ 
ita esse, ut dictum est, affirmabant: Ebararo, Aripo, Altman, Waltman, Marcwart, Tragapoto, 
Waltheri, Liutheri; nee non omnes, qui tunc erant in illo placito. 

A. in Cod. com. f. 170 ▼. und von* an auf Bückseite des f. 42 im Cod. N. 190,. wo dann B 

angefugt ist. A abgedr. Ob. Arch. B. 34 p. 275 N. 58 (wo auch p. 299 N. 142 zu vergleichen). 

Bei Mich, nur B. unvollständig P. I p. 246. 

No. 2. Breve recordationis de curte nostra Godigo vel quicquid ad eam pertinet (970—990). 

Gudago, qui iacet in comitatu Tervisiano, non longo a fiuvio Vallaf, et in loco, qui didtur 
(3hunio, qui situs est prope litus Brentae, qui fuit Isabac iudeo traditus a Wigberto, et in loco, qui 
didtur Piscator; et in Vioentino comitatu in circuitu Gudagae, ultra tria miliaria, et in utraque ripa 
Brent^ ins macelli* et in eins finibus, quas inter istas designatas fines, qu^ apelbmtur Aunario, de- 
inde firmante in aqua, que dicitur Musone, deinde firmante in fiumine Diso, et deinde firmante in li- 
trano, unde Silus resurgit, et de ipsa curte supranominata firmante in Aurillia, et deinde firmante in 
Rescio. Inter istas designatas fines pratis, pascuis, silvis, paludibus, omnia ^ in omnibus, quantum 
mihi pertinet. 

Aufzeichnung von Bischof Abraham. Ood. lat. N. 6426 Fris. 26. der Hof- u. St. B ibliot hek f. 1 v. 

u. wieder f. 152 v. endigend bei * mit der üeberschrift, dann f. 158. Cfr. MB. XXXI. a. 204. 



1) Das y Über musste auch hier nachgesetzt werden. R. am Beginne bezeichnet den unvoU- 
standigeu Abdruck als Regest. Die Klammem unterschdden (den Zeilen in der Handschrift 
Uebergeschriebenes) und [Ergänztes und Berichtigtes]. Aufzulösen sind: ep^s = episcopus; 
eccPa = ecclesia; s. M. sq. G. = sancta Maria sanctusque Gorbinianua. 



78 



II. Sab Ellenhardo episeopo, 105Sd| VII— 1078 Il|III. 



No. 8. Gommatatio inter Altmannum et Pezilinum. 

Ad memoria noticiam sabscripsimns, qnaliter quidam faroolus fratrum de domo s. Mari^, nomine 
Pezili, snam qnoddam cartifernm in villa Frising" situm pro curtifero in eadem villa sito Altmanno mi- 
nisteriali preposito tradebat, et insuper ad stabiliendam commntationem nammos 70 et sigalis modios 'i 
et maltonem onnm ad servitiam ep'i eidem Altmanno donabat. Mortuo dehinc Altmanno et Liütpoldo 
saccedente in eins ministerinm, et supradictam commutadonem irritam facere volonte, idem prenomi- 
natos Pezili ad stabiliendam rnrsas commatacionem sapradictam cartifernm etiam ab Liatpoldo acce- 
perat et nummorum solide tres cum sno jpresignato curtifero Liütpoldo repensabat. Haie secund^ 
commutacioni affuit, laudavit, confirmavit Otto advocatus, et ex legatione fratrum Walto prepositus, 
Ministeriales quoque Eberaro, Wolfheri, Liütpolt, Heimo. 

C. c. f. 296. 

No. 4. 1070. Gommatatio cam Altwino, Brixinensi Episcopo. 

B. EUenbardus s. Frisingensis ecclesiae presal doos mansos loco Bisach, comitatu autem Engil- 
berti sitos manibus advocatorum saorum, Ottonis videlicet comitis et Adalrammi, conlaodantibus clericis, 
militibus« servientibas suis super altare s. Cassiani et Ingenuini in manus Altwini Brixinensis e'pi sui- 
que advocati Gandachar superaddito infrascripto obsequio prefato ep'o suove misso ante festum s. Mar- 
tini loco Intichingen annuatim exhibendö delegavit eo tenore, ut ompis contentio Brixinensis ep'i super 
decimationes ad ecclesiam s. Gandidi pertinentes adversum Frisingensem ep'am in perpetuum diffinita 
et determinata esset. T. Megenhart comes, Ernost comes, Gero comes, Tagino, Penno, Beginprebt et 
filius eins Adalbero^ Perhtol[d], Wazil, Willihalm, Otto, Chono, Bopreht, Pabo, Darinc, Woffo, Hain- 
rih, Oydalrich, Bigimar, Ato, Gotesahfscalh] , item Tagino, Pabo, Mazili, Jacob, Gotebolt, Batkis. De 
familia Uaimo, Eppo, Perctolt, Hartwic, Eckirib, Paldemar. His ita peractis AltTrinus ep's conlauda- 
cione clericorum , militum , servienciumque suorum omnem contencionem et inquisitionem super deci- 
maciones ad ecclesiam s. Oandidi pertinentes in manus EUenhardi ep*i cum manu advocatorum remisit 
T. Ernost comes, Ger comes, Hainrih, Penno, Echirih, Tagioi, Meginhart comes, Peritolt, Buprebt, 
Beginprebt, Adalbero. De familia Heimo, Perctolt, Paldemar. Sopradicti autem obsequii quantitas 
hec est : modius 1 siguli ') et 1 polente, 2 modii dispensalis panis, 2 porcine victemales et 4 ovine, por- 
cellus 1 Tel agnus 1, anseres 2, galline 6, ova 50, casei 10, sagine ^) 2 vini, dimidiam karratam cervisie, 
farraginis 12 modios. 

A. d'nice incarn. MLXX. Indict. VIII apud Basinen in capella s. Joannis actum feliciter. 

Or. im Stiftsarchiv zu innichen. Abg. Zahn. XXXI. 85 Bei ^) steht simile, bei '^) sagme, nach Zahn. 

No. 5. c. 1075. [Pactum maritale Adalperti vicedomini Frisiilgcnsis]. 

Pateat et notum slt omnibus /pi fidelibus, qualiter Adalpertun Frisingensis vicedominus predi- 
um, quodcunque in milicla Baioarica et in regno rcgis Heinrici quarti habuit, totum et inquesitum et 
inquirendum sine omni contradictione Berth^, dilect^ ooniugi sn^, in proprium tradidit ac delegavit. 
Ipse etiam eiusdem traditionis et delegationis vestituram eadem hora sibi dedit et presentavit. Quas 
utrasque traditiones testibus infra et retro notatis confirmavit. Deinde mox prenominata Perhta, ma- 
riti sui Adalberti prece devicta, predia et mancipia, quecunqae de parte mariti vel de paterna possedit 
heredidate, exceptis istis 4: Uncinchovin, Huli, Pheterach, Hatperch, et exceptis mancipiis 20 utrinsque 
sexus^ quecunque ad libitum suum exciperet et deputaret, cetera inquam omnia, filiis et filiahus ex illo 
generatis ac generandis post suam suique mariti vitam Adalperti pepigit et delegavit. Hoc autem 
pactum inter filios filiasque sui [suosj hac ratione et lege discrevit, videlicet, quo[d] filias vel ad mo- 
nasteria, vel ad conubia deputatas porcio hereditatis nulla, nisi iuxta communinm amicorum placitum 
et statutum, contingeret, reliqua vero omnia filii inter se concorditer equabili divisione paitirentur, 
sie tamen, ut, si quis ex illis clericus fieret, aut forte matrimonium iiiferius conditione sua incideret, 
porcio hereditatis ipsius post vitam suam cetoris fratribus equanimiter distribuenda cederet. Istius 
vero traditionis idem, qui et superioris pacti, sunt testes nobileset ignobiles. Nobiles enim isti sunt: 
Heinrich, filius Marchwardi Garinthiensis comitis, et milites eins Ovdalscalch, Anno, Erchanger; Amolt 
comes de Diezan et miles eins Wolftrigil. Meginhart comes de GiU.ich[ingen] et miles eins Magnus, 
Otto comes de Daningan et miles eins Beginprebt, Otto comes de Skyrun et miles eins Beginprebt, 
Adalhoch de Ümbalesdorf et miles eins Botpreht« Adalpreht de Heriboldesveldun et miles eins Arnolt, 
Emust comes et vassallus saus Isingrim, GSr comes et miles eins Beginhart, Werinheri comes et 
vassallus suus Ozi, Lantfrit comes, Adalram miles Pataviensis episcopi, et miles eins Bätpoto, Adalpreht, 
item Adalpreht, item Adalpreht, Tagini, Eppo et miles eins Aribo, Diemar, Poto, Perhtolt, item Perh- 
tolt, Jacob et miles eins Anno, Ovtker, Ezzo et frater eins Heinrich, Ovdabrich et frater eius Piligrim, 
item Ovdalrich, Gotescalcb, Izo et miles eius Adalpero, Heriman et miles eius Adalperht, Penno et frater 
eins Hartwich, Haimo, Emust, Gebini, Meginhalm, Eppo, Sigimar et miles eins Ato. Qui sunt in simul 58. 
De familia autem : Heimo, Penno et filius eius Sigihart, Wolfheri et Wolfheri, Aribo et filius eius Ovgo, 
Pezili, item Pezili, Liutheri et frater eins Penno, Gerwich, Adalpreht, Mahtuni et frater eius Fritilo, 



79 

Liatpolt, Perhtolt, Wolfker et filias eins Liatheri, Beginmar, Meginbart et frater eins Herrant, Mah- 
tnni, £ppo et frater eins Sizo, Arnolt» Isingrinu Qoi pariter sunt 27. Summa ex nobilitate &miliaqae 
eollecta b5 invenitor. 

C c. f. a04. F. Bischof t. Egker e. 1085, doch sdt 81. Man 1064 Heinrich IV Kaiser. Nnn 
gedruckt in Frbr. r. Oefele*s Geschichte der Grafen yon Andechs S. 223. 

IIL Snb Ellenhardo Tel Heginwardo episeopls c. 1060—- 1090. 

No. 6. Traditio predii Wagreina, t 

quod quidam nobilis n. Anno ad altare s. M. in obhitionem fratrum ibidem Deo famulantium 
pro anima fratr's sni Penuonis tradidit. totum scilicet quicqnid tunc temporis in eadem TÜIa proprio« 
tatis habuit, cum uno mancipio nom' Amalvnc. Et hi testes: Eotpert, Ekihart, Heinrich, Beginmar, 
Adalperht, Sigimar, Hobolt, Emast, Pabo, Penno, Wolfheri et iterum Wolfheri, Adalperht de Miusingan. 

G, c. f. 1 V. B. Y. E c. 1070. Zwischen Meich. Nr. 1240 und 1284! 

No. 7. Tradicio Haningun, 

quod quidam nobilis WSlf nomine tradidit ad altare s. M. in oblationem fratrum ex pactione, 
ut, si de commuoi fratrum Servitute tollatur uUomodo, idem WSlf Tel quilibet Proximus cognationis 
ipsius, illud redimat in proprietatem. positurus pro hoc ad altare pisonticum unum. Testes nobiles: 
Adalraro et Eppo, Sigipolt, Gvntpolt, Pilig^m de PTch. De familia: Penno, Gerwich, Eberaro. 

C. c. f. 2. B. V. E. c. 1070. 

No. 8. Tradicio LantwardishTsan, 

quod quidam nobilis Arnaldus Tidelicet de Skiran ad altare s. M. ea tradidit conditione, ut, si a 
commnni fratrum ullomodo id aligenetur oblatione, ipse Arnaldus, Tel quilibet eins proximus resnmendi 
upsum dato pro eo pisontico Tno habeat potestatem. Summa eius: Hob^ 9 et dimidia pars ecclesi^. 
T. nobiles: Sigimar, Ezzo, Aribo, Pabo, Eckihart, Dietmar, Etich, Herrant. De familia: Haimo, Penno, 
Gerwich, Sigihart, Lfmzo, Fridarat. Testes vestitur^: Sigihart, Ezzo. 

C. c. f. 2. HuBchberg Gesch. des Hauses Scheyem- Witteisbach p. 239 Note 4. 

No. 9. Tradptiol Vrsanhasan, 

quod Mazilinus canooicus ad altare s. M. in oblationem fratrum tradidit, tali Tidelicet condi- 
tione, si quolibet alienaretur modo, proximus eius heres 12 sibi nummis illud redimeret. T. de nobi- 
libus: Ekkihart, Perhtolt, Gerwich, Penno. 

G. c. f. 2 ; auf Basur eingef&gt. 

No. 10. Traditio prediorum Sueinpach et HeribrehtashoTan, 

qn^ frater noster Wezil ad altare s. M. per manum cuiusdam nobilis OTdalscalchi ea tradidit con- 
ditione, ut, si de oblatione fratrum retrahautnr ullomodo, proximus quilibet eius decem denariis h^c 
redimendi habeat potestatem. T. hi sunt: Nobiles: Tagini, Adalpero, Botperht. De familia: Aribo, 
Penno, OTgo, Wolfcoz, Aribo, Arnolt, Piligrlm, Bicheri, Görhart. 

C c. f. 2. No. 7 10 bilden die Vorseite zur Urkunde B. EUenhards, M. Nr. 1241, welche üb- 
rigens dort Chonr. sacr. f. 114 t. b. entnommen ist, warend C. c. f. 2 t. statt «massilica* stets 
„massilicia" gibt, und Z. 4 habebat. In Glaone Z. 5— 6 per Gottinum Z. 9 Costatheodorici Z. 13 
„Buncofrontulo* liest und noch mehr Leibeigene, auch im Castegnolo anfügt. 

No. 11. Traditio predii PellanhTSTn, 

quod Pezilinus frater istius canonici ad oblatienes fratrum hac tradidit compactione, ut, si de 
communi aliquatenus distrahatur, Adalbertus eiusdem Pezilini frater, Tel eo non superstite quilibet 
cognationis sug proximus in suam illud rediiuat proprietatem, positis super altare nummis 12. T. 
A^perht et Eberaro, fratres eiusdem Pezilini, ÜTgo, Pezili. De familia fratrum: Fridarat, Wolfcoz, 
Ijanzo, Aribo. 

G. c. f. 2 T. et 8. Auf M. N. 1241 folgend. 

No. 12. c. 1080—1085. Tradicio de Biede. 

a. Cognoscant quilibet /pi fideles tam futuri, quam presentes, quod quidam Tir nobilis Bodolfiis 
sue proprietatis ecclesiam apud Biede sitam ad altare s. M. sq. G. delegaTit in proprietatem Ganoni- 
corum ea lege, ut ex conmiuni eorundem fratrum consilio probabiles duo presbiteri ad eandem depn- 
tentur ecclesiam, ad celebrandum inibi diTinum obsequium, (qui predictis canonicis de eisdem bonis 
congruum exhibeant serTicium ante festiTitatem s. Michaelis.) Et si aliquis in posterum eiusdem tra- 
dicionis infringat condicionem, proximus eiusdem B5dolfi heres ad antedictum Altare unum persolTat 
bisancium, et ^cclesi§ eiusdem sibi Tcndicet proprietatem. Hanc ergo tradicionem nullam habentem con- 
tradictionem suscepit Ekihart adTocatus, et prepositus Arnoldus. Guius etiam testes sunt nobiles Tiri: 
Arnolt et Gtto De Sciren, B6tperht de Frichandorf, Beginperht de Erphanpnmnan , Ezzo de GTtan- 
hoTan, Wichnant de Lochusan, Amalperht, Heinrich de Otmarashart, Werinheri de Ghaphingin, 



80 

« 

Richeri de Hdtincheim, Wolfolt de WelQigin, Perinhart. De familia: Pecili, Mahtuni, Pecili, €ter- 
wich, Adalperht, Gerwich, WiUipolt, Engi&Mn, Pero» Kerhalm, 

b. Eadem etiam hora tradidit idem Bodolfus ad predictom Altare in proprietatem Frisingensis 
(eccl*^) fratribüB mmrn nabilem mansam, iB vifip Pajtonhasan sitmn, oVagendam dus anniverBariom. 
T. qoi et prios. 

c. lata tradidone facta paacis diebus interpositis idem Rodolfos super altare eiosdem ^cclesi^ 
apat Riede, quam iam Frisingensibos dedit fratribus, omne snam prediam, qaod in eodem loco, Tide- 
licet Riede, cam enis appendiciis haboit, insuper cnrtifemm nnam, Waltcbonisperch dictum, et unum 
cartifemni apnt Wiari, cniuB nsum debet habere axor saa Adalheit, osqne dam vivat, et annm Man- 
9am apnt Pipnrc, et nnnm in looo Bazhnsan, et nnam in loco Oytkerisperich, et tianm apat Herioltis- 
hnsin, absqne omni contradictione in manas Ekkebardi advocati tradidit Deo et sanctis in obseqniom, 
et ad perpetnam asnm illis duobos presbiteris, qai ad diyinum obseqnium a Frisingensibos illac depu- 
tentor canonicis. 

d. Postea Adalheit delegavit ad eandem ^cclesiam per manom eiosdem Rodolfi raariti soi pro- 
pria otriosqoe sexos mancipia, Cbonradom videlicet et Ovdalscalchom, scolares ad clericale eiosdem ^ccledg 
senriciom, Hadawigom aotem sororemque soam Geziwibam et illios fiiios et Starcholfom et Mazilinom 
et Nithardom filiom Baldawini sororemqoe saam Azalam ea lege delegavit, ot in qaalibet septimana 
tres dies serviant, tres libertatis habeant. Hicilam vero et eins filiam Liotkardam c^terosqoe fiiios 
eios et Nithardum filiom Reginperti, Cbononem qooqoe filiom Hiltiboldi et Oyzinom sororemqoe soam 
Wizam pro 5 denariis annoatim eidem ^cclesie a singolis persolvendis delegayit. Ipse etiam Rodolfos 
Teitpoldom et oxorem et fiiios eios, Hicilam Ratherii filiam et eios fiiios ad eandam conditionem triboti 
delegavit, hoc est, ut qoinqoe denarios annoatim singoli persolvant; com qoibos illi doo presbiteri 
^celesie lominaria et necessaria provideant edificia. Preterea sepedictos R6dolfas Tiemotam et filiam 
eios Wolfradom ea conditione ad idem Altare tradidit, ot legaliom servienciom iore otantor. Ovdal- 
mannom vero et eios fiiios et reliqoam omnem soam familiam eo tenore ad predictom Altare contra- 
didit, ot in singolis Ebdomadibos per tres dies serviant, et per tres alios liberi existent. Et si aUqois 
hoios tradicionis vel soperiorom legem inmotet, aot infringat, proximos eiosdem Rodolfi heres ad 
antedictom altare oiiom persolvat bizanciom, et ecclesi^ eiosdem predioromqoe, nee non et mandpio- 
rom sibi vendicet proprietatem. Hamm aotem tradicionom adhibiti sont bestes in signom confirma- 
tionis sobscripti Nobiles: Engilpero, Chreinenais, Richeri de Hdtincheim, Aribo de Sconinpoch, Adal- 
perht miles Engilperonis. 

e. Postea idem Rodolfos prediom nomine Obrondorf, a Gerango nobili viro 30 libris conparatom 
et sibi delegatam in manos Heinrici Mosaporgensis advocati ea ratione tradidit, qoatenus id ipsom 
prediom delegaret, qaoconqoe idem Rodolfos vel coniox soa Adalheit, seo fiiios eorom Rodolfos posto- 
laret; aot si noUos eorom tradicionem illam ab eo deposceret, tone Heinricas idem prediom delegaret 
ad gcclesiam s. Pancracii apot Riede sitam pro anima ntrinsqoe Rodolfi patris et filii omniomqoe pa- 
rentom soorom in oblationem doorom presbiterorom inibi Deo servientiam. Hoios tradicionis testes 
sont comes Sigiboto de Wiara, Isinrich, advocatos de Isana, et miles dos Rodolf, Gotescalch de Marach- 
pach, Gotepolt de Leran, Perinhart de Lotrinchovin, Gotescalch deChreidorf, Werinheri deWettingin. 

f. Deinde post 7 annos predictos advocatos H. commonitos et rogatos a Rodolfo, eandem tradi- 
cionem fecit. Hoios rei testes sont idem Rodolf, Ratpoto et Willihalm de Richcozisdorf, Waltheri de 
Chrolingin. De familia: Piligrim de Cellenhosan. 

C. c. f. 5 et 6. Unmittelbar folgt M. Nr. 1250 mit der Jahrzahl 1085 : de via' apat Rieda. 
Vgl. Hoschberg Gesch. etc. p. 239 Note 2. 

IT. Sab Episcopo Meginwardo 1078—1098. 

No. 13. Traditio Hogaren et Undingan. 

Ad memoria stabilimentom sobscribi placoit, qoaliter domna Hazacha» vidoa domini Ottonis istios 
ecdesiae advocati^ pro anima eiosdem defoncti iam coniogis soi tradidit ad altare s. M. qoalem tanc 
temporis haboit proprietatem in locis, Hogaren et Undingan dictis, presentibos et com ipsa testamen- 
tum facientiboa doobos filiis sois Ekkihardo et Peranhurdo ea sciUcet condicione, ot eadem predia 
aliqois de fratribos ad idem altare servientibos in beneficiom habeat^ qoi etiam die anniversario pre- 
dicti Ottonis ad refectionem firatrom statotam sibi qooddam ab eisdem fratribos annoatim ad[b]ibeat 
impensom, id est nommos 30. Si aotem hoiosmodi in poatenun aUqnomodo ia&ingator statntom, pre- 
dictos EkkihardoB sea qoilibet proximos post ipsom heres vel possessor illios castri, qood didtor 
Sdruo, predia prenominata sae remancipiet proprietati per ex|n]ibitnm ad altare nammom onom 
anzeom. Testes: Ezzo, Gotescafc, Ovdahrih de Momtta, Heimo de Cronhartashovan, Penno et fiiios 
eioa Sigahart, Aribo, Orgo. 

C. c. f. 8. B. y. E.: circa 1080. Vgl. Hoschberg S. 218 N. 13. 



81 

No. 14. Traditio predii Eichinloch. 

B. Qaidam Dobilis Hecil cnro nxore sna Botpirin tradidit predium apad Eichinloch, cnrtiferam 
1 ad altare s. M sq. C. coTifratribtu, at hoc post eins mortem alicui fratri, de quo ceteri consentiant, 
ptestetar; de qao in anniversario eins isdem (I) confratribas con^latio cQiiji^raa administretar ; prozi- 
mof eins cum 5 argenteis redimendi potestatem habeat. T. nobiles: Heinrieb de Mitibah, Ovdalrich 
de Pelaheini. De familia: Liutheri, Pecili, Penuo. 

C. c. f. 3. B. V. E. c. 1090. 

No. 15. De Assinhovan. 

B. Bodolf prediam snnm apnd Assinhovan ad altare s. M. sq. C. in oblationem confratribns pro 
se snisqne tradidit, nt post eins mortem alicni fratd, de qao ceteri consentiunt, prestetui, de qno in 
anniTersario confratribus consolatio congroa administretar . . Proximus re<iimendi potestatem cum 
1 aureo habeat, si irritum fiat pactum. Nomina mancipiorum cum eodem predio traditorum : Alabriint 
et Diethalm, Henza, Puza, Citlaina. T. ex nobilibus: Sigipolt de Haganowa, Isangrim de Gicsanpach, 
Gotepolt de Leran, Starchant de Laianpach, Adalperht vicedominus. De familia autem: Penno de 
Heidolfingan , Qerwich de Miltaha> Pezilo de Pallanhusan, Fritilo de Swanahiitorf. Beginmar de Uart- 
husan, Pezilo de Issandorf Pater et frater eins Bichcri appellati sunt, mater Adalheit. 

C. c f. 3 V. et 4. ß. V. E. sab 1080-1090. 

No. 16. Censuales. 

a. Ad retinaculum memoria scriptis mandavimus, qnaliter quidam nobilis de Leren, Hemmt 
dictus, feminam quandam Werinpurc nomine cum quinqne filiabus suis, scilicet Ghleinza, Pertha, 
Werinpurga, Juditta, Mathilda ad altare s. M sq. 0. in manum domini Amoldi prepositi delegayit 
eo tenorcj ut h^ singul^ eammqne posteritas quinque denarios in usum fratrum ibidem servientium 
reputandos ad idem altare omnibas annis solvant, sicqoe ab omni servili conditione liber^ existant. 
Quod si eundem censnm duobus annis retineant, in tercio anno hoc corrigendi potestatem habennt. 
Testes subsignati, Nobiles: Eberhardus de Chlenenowa, Marchwart de MilenboTan, Adalpert de Ingien 
et Oydalrich frater eins, Hecil et Purchart de Leren. De familia: Ovdalrich deAsca, Gotescalc dePec- 
chingen, Dierih de Liutirunpacli, Oydalpert et Liutpert de Geroltespach 

b. Postera die idem Herrant de Leren mulierem quandam Hadamot dictam ad idem altare in 
manus eiusdem prepositi ea conditione tradidit, ut optimornm de familia fratram legi iniuncta ab omni 
servili opere tarn ipsa, quam sua posteritas sit libera. T. de nobilibus: Ebarhart de Chlenenowa^ 
Dierich de Pelaheim» Marchwart de Milenhoven. De familia: Gotescalc de Pecciüngen, Liutperbt de 
[Geroltesjpach, Pero de [Erphenprunnen?] Kicker de Alpheresiiorf, Dierich de Liuttirenpach. 

C. c. B&ckseite des nach f. 285 eingefügten ersten Querblättchens. B. y. £. c. 1080. 

No. 17. [De Pinowa.] 

B. Quidam nobilis vir Bihfrit de Pinova tradidit ad altare s. M. sq. 0. predium suum in eodem 
loco, ut, quamdiu ipse et filia eins Chriza vivant, hoc in usu possideant, et post vitam illorum canonici 
in 8U08 usus redigant T. de Nob. Gotescalcb de Marchpah, Gotepolt de L^ran, Isingrim de Jesenpah. 
De fam. Penno et Mahtuni, Ebraro, Gerwich, Piligrim. 

C. c. f. 296 y. B. v. E. c. 1090 vel iObO. 

No. 18. Tradicio de Pechingin 

B. Domna Juditta duos mansus aput Pecbingen ad altare s. M. pro anima sui Mariti Ovdalscalchi 
delegavit, nt uni ex confratribus inibi Deo servientibus committantur, qni in predicti OydalscalC'i auni- 
yersario die Karitatem de eisdem bonis competentem in refectorio exhibeat. T. s. de Nob. Dominus 
Emust*), Isingrim de Jcsinpach, Hartwich de Borinignm&s, Eppo de Neninpach. De fam. Sigihart de 
Haidolvingan , et snus levir Wecil, Gerolt de Udamarasvelt , Bichker de Alpherisdorf, y^illipolt de 
Zielishusan, Arnolt de Puphesdorf. * 

G. c. f. 7. B. y. E. c. 1080—90, certum est sub Ep'o keginwardo. ^) Graf Ernst von Grogling 

No. 19. Kyndacheresdorf. 

B. Quidam nobilis homo Tragopoto predium suum aput Kundacheresdorf ad altare s. M. sq. G. 
per manum cuiusdam eque nobilis viri Nithart dictl delegavit, ut alicui fratrum committatur, per quem 
in eins obitus anniversario ad mensam fratrum, prout ab bis possibilo indicatur, oblatio exbibeatur . • . 
Siquis infringat pactum, Tragobotonis proximus predium cum uno denario redimendi ins habeat.* Tra- 
didit qnoque novem Mancipia: Adalhardum et eins uxorem Minzam cum 7 fiiiis suis. T. Nob. Dominus 
Amoldus de Skirin, Perinhart de Perichtoltisheim. De fam. Pecili, Adalperht, GhSnrat. De servien* 
tibus predicti Amoldi Wirunt, Pebo, Ghacili. 

Postea vero presbiter Isingrim de Wihsa delegavit eodem modo fratribus, quicquid proprietatia 
in eadem villa Kundacheresdorf habuit, cum parte sua ipsius ecclesie. T eisdem. 

G. c. 7. y. * Marginalzusatz. B. r. E. c 1080. Huschberg 1. c. p. 239 N. 3. 

Abb. d. IIL Gl. d. k. Ak. d. Wiss. XIY. Bd. IL Abth. 1 1 



82 

No 20. 8tiidach. 

R. Nobilis qn^dam femina Adalheid post obitun mariti sni Pilegrimi delegavit pro animabns 
ntriusque et omniQni parentam suorum predui soa apad Hochm5tmgan et Stadach et Waltinho7an * 
ad altare s M. fratribas ad oblatinnem, nt in anniyersaiio die eiusdem P. diffnnm ab aliqao de fra- 
tribus exhibeatur servicinni . * R^demtio proximi per anam bisontiam. T. de Nob. Ovdalrich, Hartman» 
Tiemar, Perinhart. De &m. Sigihart^ G^^rwicb, Adalperht. 

* et aput Steinpach; et postea additnm est a fratribtis predinm apud Jagobingan. 

C. c. l 9. B. V. E. c. 1100. ♦ Randzusatz, c. 1090-1100. 

c. 1090 -UOO. 

No. 21. Trad[itio] Marcilingam. 

QaeHam Räthparch qnicqaid proprietatis habnit apnd Marziliognn saper altare s. M. et in manns 
Wolvoldi prepositi ea tradidit conditione> nt post vitam snam et post vitam neptis sa^ Räthpnrg^, filig 
fratris soi Alboldi, ad oommunia fratram iure (sie) perpetuo pertineat. T. Penno de Heidolvingin, Razo 
deViebta, etLuitheri filins eius, Piligrim cellerarins, Rotheri lardarins. Mercatores: Lidzi et Chonrath. 

C. c. f. » T. b. y. £. ernt 1080, abg. in 1091. 

No. 22. De Ufheim. 

R. a. Frater Paldrad beneficium suum apud üfheim cum prediolo suo, quod prius super altare 
in comniunia fratram tradidit et postea pro beneficio recepit, preventus egritudine et inopia ntrumque 
in communia fratrum leddidit, ea scilicet compactione, ut per singulos annos de subnrbano fratrum 
granario buiasmodi pleniter sibi solvatur statutum: sigalis modii 3, aven^ modii 4, spelt^ modius 1, 
victima 1. Hanc autem compactionem statuerant, laudabant, affirmabantque fratres subscripti. Pres- 
biteri: Wolvoldus prepositus, Penno, itera Penno, Izo, Wo[l]fhart, Reginhalm, Piligrim. Diaconi: Magin- 
bart, Rodperht, Pecili, Otold, Altman, Arnold. Subdiaconi: Lanzo, Herrieb, Hadaperht, Chvono. 

b. Idero üfheim postea Laiizoni camerario datum est in beneficium, non ad officium, sed ad 
yitam a domino Wolvoldo, presentibus et boc collaudantibus fratribas, scilicet Maginhardo decano, Eti- 
chone, Arnolde, Pilegrimo, Penn<me, iterum Pennone, Ovdalperto, Pecilino, Wolfhardo, Reginhalmo, 
Otoldo, Altmanno, Paldrado, Rodberto, Williboldo, Herrico. 

C. c. f. 3 V. ü. V. E. c. 10 0, abg. in 1094. 

No. 23. Isinmanningin. 

R. Chono diaconns et confrater noster Rotpertum, Hiziini, Perhtam cum tali predio, quäle apud 
IsinManningan babuit, ad altare s. M. delegavit, ut post obitum suum uni ex confratribus con- 
cederetur, qui in anniTersario eins depositionis die ex eodem predio pro anima eins omniumque /pi 
fidelium convenientem fratribus exbibeat Karitatem. T. Gotescalch de Marachpach, Rotperht de Ha- 

fanoa , Gotepolt de Leran, Dieirar de Husan, Heinrich de ündisdorfl De fam. Adalperht, Sihart (!), 
liutheri, Aribo^ Rotperht. Sigipolt. 

C c. f. 7 V. Zwischen No. 18 u. 19. B. y. E. c. 1085 yel 1090. Vgl. jedoch Chono subdiaconns 
in No. 22 a. 

No. 24. Tradicio de Truhtheringin. 

Cognoscant /pi ^deles, quod Comes Ernust delegayit predium suum apud Truhtheringin in 

manus sui militis <ioteboIdi, ut noc ab eodem ad altare s. M. sq. C. pro se suisque traderetur eo 

teuere ut uni ex fratribus hoc committeretur, a quo in anniyersario obitus eins die congrua Karitas 

eisdem fratribus qaotannis perxolyeretar. Quod et idem Goteboldus ea lege adimpleyit, ut, si quis 

baue condicionem aliquo pacto infringat, quilibet predicti Comitis proximus memoratum predium cum 

uno bizancio redimemli de altari (!) potestatem habeat T. de Nob. Arnolt de Skiren, et filius eins 

Cbonrat, Weif de Ovtmarashart. De. fam. Hartwicb de Richolfisdorf et duo filii eins Otto et Rodolf. 

G. c. f. 7 y B. y. £. zuletzt c. 1080. Vor M. N. 1288. Vgl. die gleiche Tradition aus dem 

Cod. Weihcnsteph. f. 13 bei Hundt Metr. Sal. Ilf. 458 und MB. IX. 373; bessere an 1. St. Z. 2 

Truhtherigin Z 10 elemottinentur Z. 13 delegationis Z. 15 Goteskalch de Marchpah, Eppo de 

Nenipah, Guntpolt de Eigilstorf. De familia füge bei: Adalperth an erster, Gerolt an zunfter 

Stelle. Huschberg Gesch. p. 239 No. 5. 

No. 25. Pillinchovan et Flitcingan. 

R. Dominus Wolyoldus prepositus predium suum apud Pillinchoyan delegayit ad altare s. M. sq. 
C. ut aliquis de fratribus, illud in ob^dientia suscipiens, eompetens inde fratribus exbibeat aeryicium 
in anniyersario predicti senioris. Postea yero eidem beneficio dimidia hoba apud Flicingan a fratribus 
est adiuncta, quia predium non sufficiens erat ad exhibendum seryicium. T. de fam. Wiso, Wolyolt» 
Aribo. 

C. c. f. 8 y. B. y. E. c. 1095. Vgl. Abb. der k. b. Ak. B. IX. p. 242 Note 1. 



83 

No. 26. Nandasheim. 

B. QnidftED de familia fratram, Adalperht (et frater eins Chonrafc), predinm eornm apnt Nandas- 
heim, ezceptis tribns ingeribns in singnlis plagis, ad altare s. M. sq. C. in oblationem fratribus delega- 
yernnt, nt post eornm mortem alicni fratri, de qno ceteri consentinnt, prestetnr, de qnibns (!) in anni- 
yersario fratribus consolatio congma administretnr . . Redemtio proximi cnm nno aureo. T. de Nob. 
Heimo et filins eins Heimo de Weifingen. De fam. Adalperht de Petenprnnnen , Eppo et frater eins 
Sigihart de Hangantheim, Ovdalrich de Grlmberishnsen, Lintperbt de Cellenhnsen. De ministris fratrnm 
Ovdalrich de Grimh'[erishn8eo ?], Altman. 

C. c. f. 9. B. Y. E. c. 1090. (Randznsatz.) 

No. 27. De Waltfridesboyen. 

R. Qnidam nobilis Eerolt predinm apnt Waltfridisboven ad altare s. M. sq. C. cnm dnobns 
mancipiis pro se snisqne debitoribns (!) delegavit, nt aliqnis fratrnm hoc snscipiat et in Eeroldi anni- 
'rersario congmnm inde fratribus servicinm ezbibeat. Redemptio proximi eins heredis cnm 5 denariis 
argenteis. T. de Nob. Gotepolt (Leran), Ozzi de Hatinhovin. De fam. Pezili (Issaudorf), Fritilo (Hei- 
dolnngin), Waltman, Eninwic, Wolfkoz, Waltkon, Ovdalricb, Herrich. 

C. c. f. 10 Y. B. Y. £. c. 1090. Die Orte zum Theil über den Namen beigeschrieben. 

No. 28. Censnales. 

a. Sciant omnes /^ fideles tarn futnri quam presentes, qnaliter Hainrich de GoteprebtesboYen 
pro diyina remnneratione delegaYit ancillam snam Riccbardam cnm filia eins GerdrYda cum omni poste- 
ritate sna ad altare s. Mari^ s. qne Corbiani pro 5 denariis fratribus inibi Deo famnlantibus persol- 
Yendis. Testes: Wolfhart de OrschenboYen , Hainrich de Adelolteshusen , Conrat de Humbelen, Hain- 
rich lardarius de Yalle, Perhtolt pellifex, Hainrich. 

b. Sub eadem condicione Adelhart delegarit Gnnzen et Pezilen eins filiam ad altare s. M. sq. 
0. pro 5 denariis ad oblationem fratrnm persolyendis. Testes sunt de iiobilibns : Otto de Scfren et 
frater eins Arnoltf, Adalpero de V^'Y^nnehoYen, Hainrich de ündesdorf.. De familia: Razo de Vihte et 
filins eins Liutheri, Eppo de Petenprnnnen, Eppo et frater eins Sigebart de Han^antinheim, Walto de 
Vihchircben, Reginmar et frater eins Alwic de Hartbnsen, Pilegrim cellerarins, Rotheri. De Notzingen 
Richart et filii eins Dietrich et Hainrich et dng filie eins Adalhait et Ricchart. 

c. Sub eadem condicione delegayit Ratpnrch ancillam snam, Wiphait nomine, in mannm Wolfoldi 
prepoeiti T. s. Penno de HaidoWingen, Riatzo et filins eins LiYtheri de Vihte, Pilegrim, R6theri. 
Mercatores Liezi et Conrat. 

Cod. N 190. f. 2 Y. Vgl Huschberg p. 289 N. K Es fehlt o über y. 

No. 29. Censnales. 

a. Sciant omnes /' fideles tam poeteri quam presentes, qnaliter quedam mnlier nobilis noe* Ger- 
drYt, TrYta, delegaYit ad a. s. M. sq. C. per manns Peronis 15 mancipia Engilfridnm, Richcardam, 
posteros eornm, pro 5 denariis annuatim ad oblationem fratrnm persolYendis. H. r. t s. Isengrim et 
lirater eins Erchingere de Gisenbach, Einhart de Pacho. De familia: Razo de Vihte, Penno de 
HeidÜYingen» Pezili de Isendorf. • 

b. Sub eadem condicione pbr Hezil de Lieran delegarit Cleincin et 4 filias eins. T. De nobili- 
bns: Gotpold de Lieran. De familia: Pezili, LiYtheri, Fritilo. Adelprhet, Eppo • 

c. Sub eadem condicione delegaYit Izo snburbanns ancillam Azalam. T. Gerwich, Eppo et filins 
eins Eppo. 

d. Sub eadem condicione delegaYit Fridericns de Mosabnrch Azilinum serYum snnm T. de no« 
bilibns: Hainrich de ündesdorf, Miles eins Aribo, Adalbero de OvtinhoYen. De familia: Gerwich, 
Fritlo, Gothiscalch. 

e. Sub eadem condicione delegaYit Paldrät de Flinspach Mathildim. T. LiYtolt de Hagenoa, 
Adalpero de Prucca, Meginhart de Flinspach, Oydalricb de Pergen, Oydalrich de Fnriholzen, Perhtholt 
de Walchunesbach, Altman de Risen. 

f. Sub eadem condicione domina Ricchart comitissa delegaYit per mannm Friderici, ministerialis 
sni, Wülipnrgam cnm omni posteritate sua. T. Gotpolt et frater eins Herrant de Leran, Gumperht 
et Altman de Risen, Sinzo et Arnolt snbYrbani, Hartwich de Ufchirchen, MaziU et Adelperht et Eber- 
mYnt et Heinrich de Diegen. Similiter etiam eodem die Herrich de Ovstin LiYtcardam de Gisenhnsen 
delegaYit cnm eisdem testibns. 

Cod. N. 190 f. 7. B. Y. £. c. a. 1150 ycI 1120. Huschberg S. 225 N. 8. 

No. 30. Censnales. 

Notnm Sit omnibns fidelibns x\ qtuiliter confrater noster Adalolt pbr delegaYit ad a s. M. sq. 
C. Lintzam et duas filias eins, Perhtam et Gnanawibam, ad oblationem fratrnm pro 5 den. annuatim 
persolYendis. T. De nobilibns: Otto et frater eins Arnolt de Skiran, Eppo de Tanna, Rntpreht de 
Obrindorf. De fkmilia: Eberaro, Penno, Mazi, LiYtpold, LiYtheri, Pezili^ LiYtheri, Eppo. 

Cod. N. 190 f 8 Y. £. c. 1060 (1180). Huschberg p. 289 N. 1. 

11* 



84 

No. 81. [Concambiam fratnim de domo Frisingae cnm qaodam famnlo suo ünone.] 

Notam Sit omnibas /pi fidelibas, qualiter fratribus de domoFrising^ cum sno qaodam famnlo, 
n. ürsone, congambinm a^ere placuit at^ae convenit. Tradidit namqne idem Urso de sna proprietate 
apnt Paa^anum vineam 1 com cnrtifero in proprietatem fratrnm. Econtra eidem Ursioni traditnm est 
in proprietatem de bonis fratrnm apnt Leigianum curtifernm nnnm. Ad hoc etiam pro alia vinea, 
qnam idero Urso apnt Pansannra in proprietatem fratribns dedit, siWnla una apat Lei^nnm aibi « 
fratribns in proprietatem tradita est. Saper ntroqne antem congambio familia inramento interrogata» 
ex commtido fiatmm h^c fieri, respondit. Qno facto idem Urso Frisingam vemt, ibiqne permissione 
domni Wolvoldi prepositi et fratrnm omninm consensn eadem congambia peracta snnt et confirmata. 
T. Lanzo, .sanger, Dietram, Willihalm, Begingoz, Pezili, HeziL Urso fiUus Ursonis. 

C. c. f. 296 Y. Abg durch Zahn Fontes rer. Ailstr. XXXI 92 nnd Arch. f. dsterr. 6. Q. XXYIL 265. 

No. 32. c 1092^1100. De Haitbvolchingen. 

Not am Sit omnibas /pi fidelibus, qaaliter confrater noster Isingrim predium aput HeitTnolchin- 
gin in manam Perinhardi advocati ad altire s. M. eo tenore delegavit, nt post eins sororisqne sng 
yitam aii commanem confratruro oblationem pertineat. T. ex nob. Gotescalch de Diechln, Tiemar de 
de Hasan, Magnns. De fain. Adalperht, Lanzo, Pecili. 

C. c. f. 4 V. Nach Meich.^s N. 1249 vom J. 1084. 

y. Snb Bleginwardo et Helnrioo I £pi80<^i8, 

No. 33. a. 1096 16 | VIL Svidm/'teschirichen. 

bonorum pio roore parentnm in fide ;^pi feliciter nos precedentinm notici^ posterornm snbscrip- 
simns, qaaliter clericns qaidam de familia FriniDgensi nomine Herrich partem allodii sni, qnod apnd 
Swidmotfkhiricban babait, tradidit et dclegavit in manam Perinhardi advocati in legitimnm concam- 
binm, ^e^ente et, at id fieret, precipiente ep*o Meginwardo. Et recepit idem prenominatns clericns ab 
eodem advocato in proprietatem, qaicquid bencficii tnnc temporis habait de ep'o in loco, qui dicitnr 
Smideha^iii. vidente ac i I conlaadante probabiliam personarnm non parva mnltitadine. Eadem antem 
commntario de familia inramento dicta, et conlandata est Hnius rei testes snnt nobiles: Otto Sklren- 
sis et eins t'ratrnelis Ovdalrich, Heinrich, Hohoit, Diemar, Wichnant, Pabo, Gotescalch, Eberhart, Eppo, 
Clionrat. De familia: Pezili, Fritilo. Adalperht, Willipolt, Wolfcoz, Bruno, Cholo, Wolvolt, Waltman, 
Einwicb, (leiolt, Heinrich et frater eius Hartwich, Gotescalc, Buotlant, Adalbart, Ercibreht, Marchwart. 
Actum est hoc Frisint^ie coram magna probabilium clericorum et laicomm mnititndine anno dominic^ 
incarnationis MXC-Vl- XVII K Ang? 

b. 1103 25|VI. Switmutescbirchen. 

PoFtea vero anno dominic^ ine. M'C'llI* VII E. Julii Heinricns ep'c iuxta consilinm et peticionem 
fidelium -uorum recepit ab eodem presbitero Herrico, iam tunc maioris ^cclesi^ decano, tale beneficinm, 
qnale tone temporis habait apad bwidmotechirichnn, cnrtiferum 1 cnm decima nna et msncipiis od id 
pertinentil'us, et tradidit ad altare s. Dei genitricis, qnod est in chripta versus occidentem positnm, 
in augmentum illins dotis, qne prins ad idem altare pertinebat, et snscepit idem prenominatns presbiter 
candem dutein ab episcopali mann ea conditione, nt, qnoadnsqne viveret, idem altare congrno servitio 
procuraret, et annuatim in feste s. Nicolai fratribns maioris ^cclesi^ servitium nnnm inde adhiberet. 
Eandem er^o pactionem ad idem servitium eadem hora snscepit inniorHerricus, prioris H. fratmelis, 
ciusdero conj^regationis cauonicns. Et quia idem altare ab eorundem progeuitoribns tali ab initio con- 
ditione erat dotatüm, nt quilibet eornm proximns heres, maioris scilicet gcclesi^ canonicns, eundem 
■ dotem possi'iendo Deo et s. eius genitrici ad idem altare serviret, statuta et confirmata est a preno- 
minato venerabili patre eadem condicio, presentibus et Id unanimi voto conlaudantibus pene omnibns 
^cclesi^ niaioribus clericis et laicis. H. r t. s. Heinrich et miles eius Adalpero, Eberhart de Gozzis- 
heim, VNHltman, Willipolt, Isinrich et frater eins Heinrich, Ovdalrich, Wiso, Bnodlant, Sigifridns et 
Azzo, Chuonrat, Hartwich. 

C. c f. in V. et 11. Bei Meich. minder vollständig N. 1255 n. 1271 ans demselben Cod. von den 

Halbblättchen f. 259 nnd 260. Dort ist Z. 3 „Swfdmotekhirichnn Z. 8 Smidehnsnn Z. 14 .Fri- 

gisiugie** zn lesen. Hnschbeig 263 N. 1. 

Tl. Sab Eplscopo Heinrico I 1098-1137. 

c. 1100. 

No 34. De Steinhart. 

B hi»mina Juditta de Boriginmos predium, quod habnit apnd Steinhart, et 4 manicipia, mari- 
tnm cum uxore et dnobns filiis, ad altare s. M. sq. C. pro anima filii sui Pennonis delegavit eo te- 
nore, ut, si de commnni fratrnm oblatione anferatnr, a proximo eins berede cum denario 1 redimatnr. 
T. nobiles: Aribo eiusdem Judittg Alias, Ovdalrich, Aribo, Adalpero, Ovdalscalch. De fam. Wiso, 



85 

Yolchart, et Waltman. Et hane traditionem fecit cum mann advocati filii sni Hartwici, Aribone 
antem fratre sno astante et collan[dante.] 
C. 0. f. 4. B. y. £. c a. 1120. 

No. 86. De Hac yiUa. 

B. Qnjdam de familia fratmm Willihalm delegavit predium snnm in Hac villa, cartiferum et 
9 iagera, quibos postea dao ingera superadidit alias de familia fratrnm, Chonradns, ad altare s. M. in 
oblationem fratrum, singulis annis ad exhibendum idem fratribua semciam. T. de fam. Chonrat, 
Liatperht, Bichilo. 

C. c. f. 4. Unten angefQgt in kleinerer Schrift. 

No. 86. [De Asinhaim.] 

£. Cometissa Liutkart cam mann filii sui Hartwici tradidit ad altare s. M. sq. C. et in obla- 
tiones fratmm hobam 1 in loco Asinhaim pro anima Gvntpoldi. Si vel episcopns vel qnilibet alüs 
eandem hobam ab oblatione fratmm detrazerit, prozimns heres anrenm 1 ad altare det, et hobam re- 
.cipiat. T. Ovdalscalc de Holchusan, Iso de Fidalasdorf, Herchanger frater Isangrimi, Alttovm de 
Hasan, Ebararo, Aripo. 

G. c. quer auf dem Beiblatte nach f. 295. 

Ko. 87. c. 1098 — ll04. [Isengrim de Leren fit clericas] 

Canctomm xVJ fideliam tam fataromm qaam presentiom agnoscat indastria, qoaliter felicis 
memoria vir nobilis nomine Gotebolt de LSren delegavit ad altare s. M. sq. C. proprium filiom suam 
Isengrimnm ea conditione, nt legitimomm aeccleeig servientiap iare et lege vivat, Heinrico hnios sedis 
ep'o presente et coUaudante, Perinbardo autem ^cclesig advocato sasdpiente, presente etiam EUenhardo 
prepo8ito et Engilscalcho decano, presentibas etiam mnltis alüs canoDicis et aecclesig servientibus, Om- 
nibus in id ipsum consentientibus. H. r. t. s. de nob. Altman, Comes de Chregilingen, Herrant frater 
predicti Goteboldi, Werinheri de Fricbendorf, Diemar de Hasen, Tagino (de Leren), Heinrich de Gie- 
senpah, Timo de Appingen, De servientibus aecclesi^: Waltman et frater eius Ein wich de Pastperch, 
Kegeumar et filius eius Ovdalrich de Harthasen, Adalperht de Petenprunnen, Pezili de Ibsendorf, Wolfkoz 
de Bincpah, Willipolt de Bubendoif, Kvotlant de Pubenhusen. 

C. c. f. 80ö. Bei Meich. No. 1279 Zeugen fehlerhaft nnd unvollständig. B. y. E. c. 1115. 

c. 1100—1110. 

No. 88. (De Pacba ) 

R. Quidam nobilis Adalram predium in Pacha pro anima sua fratribus in oblationem ad altare 
8. M. sq. C. tradidit, ut post mortem Adalrammi Budolfus et post illum Herrandus et quilibet eorum 
pi-oximus, qui sit in congregatione canonicus, idem predium in beneficium accipiat, et in anniversario 
eius die congrauro inde servitium fratribus ex [bjibeat. Bedemtio cum denario aureo. T. de nob. Herrant 
et frater eius Gotebolt, Tegeno et Hezel de Leren, Cuntpolt de Haganw*^'a, Wdalrich et frater eius 
Adalbero de Tannaren. De fam. Wdalrich de Harthusen, WiUebolt de Bubendorf, Helmperht de Gugenh[usen], 
Adalpreht de Petenprunnen, Butelant de Pubenhusen, W^'delscalch de Goldenh[usen] , Eberhart de 
•Hangenham, Altman et frater eius Gumpreht de Bisen. 

C. c. auf No. 86 ebenso quer folgend. B. y. £. schwankend 1120, 1110. über w feht. 

N9. 89. c. 1110. [Traditio Ottonis Comitis de Schiren.] 

NoYerint omnes xVJ fideles tam futuri quam presentes, qualiter Comes Otto de Skiren tradidit 
pro Salute anim^ sug ad altare s. M. sq. C. duo curtifera in Ippenhoven sita cum tribus mancipiia, 
•Hemma et filiis eius, et Omnibus iure illuc pertinentibus in oblationem fratmm ea conditione, qaatinus 
poflt finem yit^ su^ alicui de fratribus communi consilio omnium committantur, qui in anniversario 
.eiusdem Ottonis fratribas competens inde exhibeat servitium. Si quis hoc infringet, proximus heres 
ipsius uno bisontico super altare posito eadem curtifera inde auferat, et suo iuri vendicet. Huius tra- 
ditionis testes sunt de Nobilibus : Chfinrät comes et frater eius Friderih de Dahoa, Diemar et filius eius 
Adalbero de Starh[oltesboyen] , Diemar et Ozi de Husen« Eberhart de Holzhusen, Pernhart et filius 
«ins Otto de Mosan, Werinheri et filius eius Botperht de Frich[endorf ] , Dietrich de Holzen, Tagino 
de Peroltf sheim , Kegenpoto et Nithart de Egiwile, Eberhart de Neninpah, Megenhart de Maisaha. * 
Wolfolt de Lohch[irchenJ et filii eius Ysenrich et Bahiwin, Willibolt et filius eius Gerwich de Bn- 
bFendorf], Waltman (de Pastp[erc]) et frater eias Ein wich, Adalperht et filius eius Gotescalh de Peten- 
p[runneD], Gerolt et filii eius de Wipp[enhusen] , Dietpolt et Gerolt; Heinrich et filii eius Budiger et 
Heinrich de Lintaha, Baldwin et Adalbero de Sk[iren], Aribo de Wargent'[oe], Ovdalrich et Begenmar, 
Fritilo et filius eius Chonrat, Lvdowich et Wiso de Heidolf[ingen]. De suburbanis Sinzo, Megenhalm, 
Bicheriy Adalbero, Altman et alii quam plures. 

Cod. No. 190 f. 42 aus älterer Handschrift angefügt Mit * beginnt neue Zeile und ist „De familia:" 
ausgefallen. Vgl. Meich. No. 1288 a, aus C. c. f. 8 unvollständig. Erwähnt Huschberg p. 232 No. 16 
und p. 240 No. 12. Vgl. MB. IX. 875 u. Hundt M. SaL III. 458. B. v. Ejiach Schwanken c. 1100. 



86 

e. 1110—1120. 

No. 40. Censnales. 

a. Notnxn sit omnibns /pi fidelibns, qualiter Heinricus hnins sedis episcopos tradidit in obla- 
tionem fratram qnandam ancillam saam Bertham cum 5 filiabns et filiis suis Azimanno, EUenbnrga, 
Si^la, Uichilda,Liatbiirga ea condicione, ut singalis annis ad a. s. M. sq. C. 5denario8 fratribns ibidem 
/po servientibas penoWant. T. ipsi fratres et de famiHa : Willibolt et filins eins Gerwich de Rnben- 
dorfy EiDwich, Wolfolt, Bahwin, Wielant, Meginhart, Lodwicus, Sinzo, Ozi. 

b. Snb eadem condicione tradidit s. Viti decanns Geroldos ad predietnm altare Werinbnrgam 
pro 5 den. a. pers. T. de nobilibns: Wemheri de Frichendorf, Cbarl de Aiterbach, De ministris: 
isenrich cameiarins^), Chvnrat de Swanhiltdorf, Eberhart de Humbilen, Cbvnrat et Pilegrim de 
Pasigen. 

Cod. No. 190 f. 10. ^) de Lohkirchen. E. ad a. c 1120, ad b. snb. ann. 1140 vel 1150. 

No. 41. Censnales. 

S. Viti decanns Gerolt, Wempnrch, Marqnart, Bndolf prepositns s. Andree, Gnmpolt et nzor 
eins fiUiqne eornm, Mazili sacerdos frater eins, ElUnhart de Wala tradidemnt ad altare s. M. sq. C. 
ad comnne nsnm fratmm pro 5 den., annnatim persolvendis Azalam et filias eins Bichard [et] cnm 
filio sno Linpoldo et Irroingardam cnm filio sno Sigimaro. Testes: Adalpero de Ebrispach, Marqnart 
et frater eins Otachir'), Gerwich, Perhtolt et Pnrchart. 

Cod. No. 190 f. 3 Y. ') de Mochingen. E. c. a. 1120. Die Abtheilnng zweifelhaft. 

No. 42. Predinm de Cholopach. 

B. Qnedam de famUia s. M. Matthilt tradidit predinm snum apnd Cholobach, dimidiam hobam, 
ad altare s. M. sq. C. ad nsnm confratmm T. Aribo de Priilo, Altman de Bisan, Cotescalh de Pecchingin, 
Oydfürich de Ensto, Peringer de Mochingan» Bicher de Tnchchingin. 

C. c. f. 12 b. Nach M. No 1263 in gleicher Schrift. B. y. E. letztere c. 1090, erstere 

c. 1090-1100, doch beide wohl später. 

No. 43. De Ahaloch. 

B. Isinhart de Pnbanhusaft delegayit predinm snnm, hobam nnam Ahaloch, ad altare s. M. sq. C. 
qnatinns singulis annis in die anniyersario eins nnns ex confratribns congrnnm tdem ex[h]ibeat ser- 
Yitinm. T. Willibolt et filins eins Kerwich de Bybendorf, OYdalrich et frater eins Tiemo de Harthnson, 
Botlant de Pnbanhnsan, Engildio de Pacho> Piligrim et Cq&nrat de Pasingin, Pmn de Viehte, Oydalscalc 
de Altanhnsan, OYdalrich deEnston, Herrich de Mochingin, Etich de Appatistorf, Bicheri de HorscanhoYan. 

C. c. f. 12 b. Der Vorigen folgend. B. y. E. c. 1120. 

No. 44. Holzipnrch et Mahtinstan. 

B. Volcholt de Trigilpach tradidit predinm snnm, qnod habnit Holcipnrch et Mahtinginstan ad 
altare s. M. sq. C, nt in anniYersario nxoris sn^ confratribns consolatio congrna impendatnr . • Pro- 
ximns heres com anreo denario redimendi potestatem habeat. T. (Pernhart et fr. eins N.) Cotes[c]alch 
et Otacher de Marchipach, Herrich et Eribo de Mochinffin, Meginhart de Haga, Gote8[c]alch de Pechingin, 
Bechero de Ursinhiksin, Willibolt de Bnbindorf^ Mahtani de Marzilingin, Pmno de Viehto, Wernheri, 
Arnolt, Cerolt. 

C. c. f. 12 b. Y. M. No. 1293—96 folgend. B. y. E. c. 1120 Yel 1110. No. 1293 1. Z. lies 
.Bnbandorf für Bichandorf. 

No. 45. De WaltfrideshoYen. 

B. Qnidam nobilis Yir Cnmpolt tradidit ad altare s. M. sq. C. pro remedio anim^ sn^ omninm- 
qne debitornm snornm predinm apnd WaltfridishoYin ea conditione, qnod Heinricns einsdero ecclesie 
paiTOchianns confiratribns propositum annis singnlis impenderet serYitinm. T. Isinhart (de Miltahe), 
et filins eins Sigihart, Gotescalch ide Petenpmnnen) et Ebirhart (Hanginheim). 

C. c. f. 13 Y. Orte überschrieben. B. y. £. c. 1120 Yel 10. 

No. 46. De Bichcarda. 

B. a. Hnnger de Hittenfnrte tradidit ad altare s. M. sq. C. ancillam snam Bihkardam pro 5 
denariis in oblationem fratmm annnatim persolYendis. T. Willibolt (de Bnb[endorf|) et filins eins 
Gerwich, Gerolt et filins eins Dietpolt '), Wezil et filins eins Etrilolf '). De Snburbanis Öinzo et Arnolt. 

b. Pancis diebns interpositis mater predict^ mnlieris Wtrat tradidit semet ipsam snb eadem 
conditione. T. Ysenrich camerarins^, Wezil et Karolns de Gisilingen, Lintolt et frater eins Gote- 
scalch^}. De Snbnrbanis Bicheri et frater eins OYdalscalch et Mazili et Hartwich. V^zi. 

c. Aribo de Gozoltestorf tradidit ad altare s. M. in annnnm censnm fratribns persoWendnm hec 
mancipia: Helicham et eins filiam Herbnrgam, et filios sororis einsdem, Dietrich, Engilam, Mahtildam. 
T. Wülebolt de Bnb[endorf] et eins filins Gerwic^ Eberhart de HaDg[enham], Volcholt, Pnrchart de 
Pache, Albero de Var[le], Altman de Bi8e[n], Könrat de Pnbenh[nsen], Alpeiht de Malchingen. 



87 

d. Hedwig de Lftnthvt est censiialis s. Marie. 

C. c. Bückseite des ßeiblfittchens nach £. 17. B. y. £. c 1120 yel 10. Davon c. in abw. Schrift^ 

d. spater Zusatz; ^) de Wippenhnsen, ') de Tobeneheim, *) de Lobkirchen, ^) de Linwanesdort' 

No. 47. 1116 18|VII. Otto comes de Witelinesbach ecdesiae Babenbergensi tradit censaales. 

a. Notnm üt omnibns /pi fidelibns, tarn futoris quam presentibns, qnod comes Otto de Wite- 
linesbahc consentiente nxore eins Heilica et sorore uxoris eins Heilwiga propiiam anciiiam snam Hilde- 
gardam, nxorem Bemhardi de Hopfena, et filinm eins Gotefridnm per mannm Meribotonis de Eber- 
mnndesdorf ad altare s. Petri apostoli Babenberg, nnllo prorsas contradicente, delegayerit, eo contradi- 
tionis iure, qnod habent meliores einsdem altaris ministeriales. Facta est autem h^c delegatio snb 
yen. Ottone babenbergensi octayo ep*o. Huius r. t. s. Wolfram abbas s.Michabelis; Canonici des. Petro: 
Egilbertus ppts, Adalbero decanns, Oydalrich cnstos, Wicman, B5celin, Boker. De s. Jacobe: Eberhart 
ppts, GumpOy Arcanns, et alii plures. Laici vero: Engelmar de Preliubesdorf, Adelbreht et filius eins 
de Drosendorf, Arnolt de Chonstat, Bätlöch et iilü eins Volckolt, Diepolt, Volcmar, Gotefrit et frater 
eins Tiemo, Heinrich, Wolfram, Arnolt et filius eins Gotebolt, Beginboto, Ezzo et alii conplures. 

b. Notnm s. o. x- ^- ^* ^- 4* P^* ^^ comes Otto de Witelinesbahc consentiente nxore eins 
Heilica et sorore nxoris eins Heilwiga proprium servnm snum Bezonem, filinm Yolnandi de Hopfena, 
per mannm Meribotonis de Ebermnndesdorf ad altare s. Petri apostoli Babenberg nnllo prorsns contra- 
dicente delegaverit, traditionis iure, qnod habent meliores einsdem altaris ministeriaies. Facta est 
antem hgc delegatio sub yen. Ottone Babenbergensi octavo ep'o. H. r. t. s. [omnes uti snpra] 

Hec traditio facta est III id. inlii in festivitate s. Margaret^, ü. [vero] Anno incarnationis do- 
minier Millesimo Centesimo XVI. 

Or. im B. A. Perg. Streifen^ rückwärts ein rundes Siegel: der h. Georg zu Pferd, den Drachen 
bekämpfend, mit der Umschrift: Sanctns Georins. Aus dem Archiy des Bamberger Domcapitels. 
Hnschberg S. 268 No. 16. 

No. 48. 1119 80|XII. (Concambium prediornm in Hoerginou et Marzilingen.) 

Pateat cnnctis /pi fidelibns tarn futuris quam presentibns, quendain de familia s. M. Frisingensis 
^cclesi^ nomine Adalhardnm quoddam concambium annuente et consenciente Heinrico einsdem ^cclesig 
ep'o per roanum Ottonis eiusdem ^cclesi^ adyocati coram Duce Welfone c^terisque quam plnrimis tarn 
nobilibns quam ministerialibns in idem consentientibus peregisse. Tradidit namque prefatns idem Adal- 
hardus predium snum nnmero 54 ingemm cum 8 reditibus apud Hoerginoy situm pro 54 iugeribns et 
4 tantum areis, apud Marcilingen sitis, 7 de familia prefat^ ^cclesi^, scilicet Eberharde de Hangenheim, 
Oydalscalcho de Issindorf, Oydalscalcho de Altinhnsen, Oydalrico de Ensten, Waldmanno de Diemotingen, 
Bodigero de Diem&tingen, Hartwico de Strubingen, nt mos est, inramento ad meliorem nsum eiusdem 
^cclesig peryenisse confirmantibns, cunctisque presentibns idem contestautibus. Hoc ergo concambium 
£ictum est M. C. XX. incarnationis domini anno, indict. XIII. III E. Jan. Sed nt incon^yulsnm per- 
maneat, isti contestantnr: De nobilibns: Hainrich de Ascheim, Otto Perholt (?) et fratres eins Pem- 
hart et Hainrich, Magnes de Chazpach, Wolfheri de Tegrinwach, Bachiwin de Gozoltisbnscn, Heinrich 
de Vicechirchin ^). De ministris : Eberhart et filius eins Heriborth de Hangenheim , Oydalscalch de 
Altenhusen, Willibolth de Zieleshnsen et filius eins Gerwich, Heinrich et frater eins Goteskalch de 
Ismanniggen, Gero[l]th de Wippenhusen et filii eins Dietpolth et Ortwin, Isinrich et frater eins 
Bichwin de Lochchirchen, Wemheri de Wetingen^ Cholo de Perige et frater eins Otto, Wolfheri de 
Janistorf, Prun de Wolfoltistorf, Engilscalh de Pietindorf, Oydalrich de Harthusen, Altman de Hasil- 
pach, Chonrant (I) et frater eins Fritilo de Haidolyingen, Walchon de Hasalpach, Wolfoz deCollingen'), 
Beginmar et frater eins Gotefrith de Purin, Adalpero de Grimhershusen , Wiso de Heidolyingen, Go- 
tescalh de Petinprunnen, Pero de Muren et frater eins Wicnanth, Engilscalh de Muren, Eberhart de Mo- 
siburch, Gozperht de Pacha et filius eins Wolchart, Prun de üvdthe, Piligrim, Sigiboto, Mahtuni, 
Hartwich de Marcilingen, Meginhart de Haga, Piligrim et Piligrim de Cellenhusen, Hartwich de Miltihahe, 

Adalpert de... singen Adalpert et firater eins Deginhart de Frisingen, Heinrich de . ., 

Eberharth de Yeltmochingen, Chonrat et frater eins Piligrim et alter Piligrim de Pasingen. 

C. c f. 208 y. fortgesetzt yon * auf f. 210 , zum Theil dnrch Nachfahren yerderbt nnd yerlöscht. 
Der erste Theil bei M. No. 1273. Bei ^) lies Yiehtchirchen, ') Zollingen. 

e. 1120. 

No, 49. Dens adiuyat me. Concambium inter Patayiensem ecclesiam et Heinricnm Frisingensem 

episcopnm. 

Tradidit ep*s Heinricns predium apud s. Georgium, quod yocabatnr Wert, et hobam 1 apnd Se- 
wareuj et in Snntowe hobam 1 episcopo ülrico ad faciendnm inde» quid liberet. E contra tradidit ep^s 
Patayiensis omnem decimationem, quae yel in presentiamm esset, yel in futuro per cnltoram proyenire 
posset, in predio ep*i Heinrici, cuins hi termini sunt: Sicnt flnit Cherbah in Snarzahe^ Snarzahe in 



88 

Orlzstid, Tiebahe in Wiien, Witen rarsns in Oriezstich; e« conditfone, nt periineret ad ecolesiam Ni- 
w**enehir*[ehen] in fnndo sno fabricatam, et eeclesia cnm dote et decimatione, omniqne inre ad se per- 
tinente FrisiDgensi eoclerie desenriret. H. r. t. s. Marcbio Leopoldns, Cornea Conradns de Pilstein, 
Cornea Siffibart de Scalab, Cornea Ger de Olnxe, Egino de Urle et frater eiaa, Alram, et ministerialea 
fere omnea ntriuaqne epM, Isingrini, Hon. De Capellania: Adelperbt, Gerolt, Ulrib, AJbero prepoaitna, 
Paldnin de Ardach'[er]. Meginbart Fabs, Engilger, Wielant, Gotefrit Mordacbea, et malt! alU. 

Cod. No. 190 zweitea nacb f. 45 eingefagtea Qaerbl&ttchen (t 47). Vgl. Zabn Fontea r. A. 

B. XXXI No. 96 p. 98 nnd No. 106 p. 104. 

No. 60. Lantfridingen. 

B. Babewin, qnidam nobilia de Gosoltesbnsen, predinm in Lantfridingen pro anima Ovdclacalchi 
et nxoris sn^ fratribns in oblationem ad altare s. M. contradidit, nt a proximo ipaiaa berede canonico 
congpmnm ipsia serritinm qnotannis tribnatar . . Bedemtio anreo nammo. T. Knnradna predicti ger- 
manoa, Heidenricb et T'delricb, de 6ozolteBb'[n8en], Lintolt, Gotescalc frater eiosM, Hunger et frater 
eins Gebebart *, Pembart de Erphenbronnen , Isinricb camerarina '), Badeboto, B&tlant'), Gerolt et 
filiua eins Diepolt^). 

C. c f. 14 ▼. nnd Yon * f. 17. ')de Linwaneadorf, ')de LocbchirchoD, ^) de Pnbenhnaen, ^)de 
Wippenbasen. 

No. 51. De Heitbusen. 

B. Qnidam clericna Bvodolf de Veltcbiriben predinm in Heitbnaen fratribns in oblationem tradi- 
dit, nt a proximo ipsins berede canonico congranm ipsis servitiam quotannis tribnatar. Bedemtio anreo 
nnmmo. T. Bnrcbart de Mo8ab*[arg], Eberbart de Perith'[er8basen], Herrant de Leren, Waltman de 
Pastpercb, Ovdalrib et frater eins Tiemo de Hartbasen, Fritilo et filius eins Cbonrat de Heidoir[ingen] 
Sigibart et frater eins Altman ^), Willipolt et filins eins Gerwicb '), B&tlant '), Sigiboto de Hartcb*[irchen], 
Werinberi et frater eins Bodolf, Pabo^), Sigifrit (Staro), Meginbart (Fnbs), Aribo, Wiekmt, V"dal- 
scalcb de Altenb[a8en]. 

C. c. f. 15 in Lücke eingeschrieben. ') de Heidolfingen; ') de Babendorf; ') wie vor; *) de 
Prnnnen. Abg. Dr. Both Beiträge m. 88. 

No. 52. De Wingart. 

• Notnm Sit omnibns, qnaliter Pembardns comes per mannm Baperti de Fricbendorf prediam in 
Wlngarte ad altare s. M. in nsnm fratmm sine contradictione contradidit. Testes sant: Adalpertna 
de Mensän, Wernbere de Frich'[endorf] et filins eins B&pertns, V^'dalscalc de Walcb8b'[oTen] , y dal- 
Scale de Maisa, Dietericb de Marbpacb, Dietmar de Horewenowe, Lintolt et frater eins Gotescalc % 
Y. Isinricb camerarins, *) Kunrat et Frltüe, ') Diepolt et pater eina Gerolt % Wolfhere de Janisd'[orf], 
Altman de Uaid'[olÜngeu]. 

C. c. f. 17 c.*), *J n. *) wie bei N. 50; ■) de Swanebiltdort B. v. E. c. 1116. Hienacb bei 

Hascbberg p. 232, wo aber irrig Nengarten stebt 

No. 58. De Bicbersbnsen. 

B. Heriman de Bicbersbosen per mannm Adalperti de Mensan predinm in Bicbersbnsen exceptia 
9 ingeribns ad altare s. M. in nsnm fratmm libere delegavit. T. snnt omnes snpra notati (N. 52). 

C. c. f. 17 0. 

No. 54. De ministerialibas. 

B. Theodericus de Stämbeim nxorem anam Azalam, ^clesi^ s. Zenonis ancillam, iasta et bene 
placita commntatione nnä cnm filio sno Theoderico liberam reddidit, et eandem per manam Barcbardi 
predict^ ^cclesig advocati cum omni snccessione ad altare s M. sq. C. fratribns ibidem faraulantibns 
delegavit, ut inre lef^itimornm ministromm ipsa et omnis postentas eins ntatnr. T. Willibalm de 
Yalle, Willihalm de Bisan, Anno de EllenchenhoTen, Altman, Gantperbt, Waltman de Bisan, Diotrich 
de Stamhein (!), Lintwin de Chetmffingin. 

C. c f. 17 c. B V. E. c. 1110. 

No. 55. Censnales. 

Pateat omniam indnstri^, qnod qn^m exposita, scilicet Perbta do Enzilbüscn, tradidit se cnm 
mann nntricii sni Friderici de Ovwa ad altare s. M. sq C. fratribns ibidem Deo ministrantibas 5 
nnmmis annnatim senriendnm. T. Botker de Jobannisdorf, Frideribc de Ovwa, Arnolt, Liupold, Willi- 
halm, Hartwicb, Mazili, de Valle. 

C. c. f. 17. c Lib Cens. (Cod. N. 190) f 11 ▼. gleich, nnr steht »de valle* nach Arnolt, Lint- 

polt, nnd ist am Schiasse noch Albreht beigefügt. 

No. 56. [Censnales.] 

Notnm Sit omnibns Denm timentibns, qnaliter Comes Perichtoldns de Anedechse per mannm cnia»- 
dam nobilis viri Marchwardi de Mdchingen tradidit ad altare s. M. sq. C. proprium servientem snnra 
Wembardam, filinm Hainrici de Lüska, in manns advocati Ottonis, nt ipse omnlsqne posteritas eioa 



/ 



89 

legitimorum ecclesi^ servieutiam iure et lege vivat. T. de nob. Gotescalch de Möchingen, Hoholt de 
Tegrinwäch, ChoDrät de Geginpäcb, Bodolf de NozinhoYen, Ovdalrich de Lochusen, Perinhart de Perin- 
doif. De servieBtibas ^cclesi^ Isinricb de Locbcbircben, Willibolt et filias eins Gerwicb de Bubendorf, 
Piligrim de Mosiborcb, Ricberi de HorskinboYeD, Lieder de Abedorf, Aiibo de Wile. 

No. 57. Censuales. 

Noverint omnes ;ifpi fideles, qnaliter Macili c^cas de Diengen cum conaensn domini sui comitis 
Perithopjdi delegavit ad altare s. M. sq. C. ancillam suam Adalbaidam filiam Piligrimi custodis ^cclesi^ 
pro 5 nammis annuatim persolvendis. T. Arnolt, Kichere, Ovdalscalch, Megenbabn, Dietpretb, Petto. 

N. 56 und 57 auf ßeiblättchen II nach f. 2^5 im C. c. B. v. E. c. 1120. Die zweite auch Cod. 

N. 190 f. 17 Perbtoldi . . Dieperht. Vgl. Oefele Grafen von Andechs S. 117. Reg. N. 60 a. 

No. 58. Censuales. 

a. Sciant omnes /' fideles, qualiter Paltwin de Diengen precepto domini sui comitis Perbtoldi 
tradidit ad altare s. M. sq. C. Sigilam et suam posteritatem pro 5 denariis annuatim persolvendis in 
coromunem nsum fratrum inibi Deo servientium. H. r. t. s. Conrat et Fritlo frater eius , Reginmar et 
Ortolf frater eius, Altman et Gumprebt de Risen. Suburbani: Sinzo, Adalpero, Richero et fratres eius, 
Mazilo et Hartwic, Wolfhere, Geiwic, Waltman de Risin ; Eccepreht et Albuno, Milites predicti Conradi. 

b. Sub eadem condicione delegavit quidam nobilis vir nomine Gotepold de Ldren per nianum 
fratris sui Herrandi quandam mulierem Albvnch et 4 filias ejus cum filiabus et fi[li]is eorum. H. r. t. 
s. Willipolt et filius eius Gerwich de Rubendorf, Adelperht et filius eius Gotescalch de Petinprnnnin, 
Ovdalrich et frater eius Timo de Harthusen. 

Cod. N. 190 f. 3 V. et 4. Unrichtig benützt Huschberg S. 181. N. 14 v. Oefele Reg. 60 b. 

c. 1120 — IISO. 

No. 59. [De ministerialitate]. 

Sciant omnes /* fideles, qaaliter quidam nobilis homo Willehelm de Zorngoltingin filiis de 
minisleriali fratrum uxore susceptis proprium et legitimum legitimorum ministerialium coram 
preposito A., Decano, Scolastico, ceterisque confratribus ius et libertatem obtinuit, quos dudum 
Rickerus istius loci caDonicus iuiaste mancipav'[erat] , et eosdem eorumqne successorcs legitimes 
bonorum suorum quorumcunque hereditariorum legitima donatione heredes constituit; et post obitum 
illorum filig su^ Hailken su^que posteritati ad eandem ecclesiam pertinenti, vel si bis defunctis alii 
in eadem cognatione eiusdem societatis supersint, eorundemque bonorum possessionem testamento con- 
firmavit. T. Kuonrat, Fritilo de Suanihiltedorf, GSrwig de Rubendorf, Ysanrich camerarius, Sigihart de 
Miltaha, Hainrich, Perictolt de Escbilpacb, Eberhart, Altman de Risen, Hainrich de l8imann*[ingen] * 
et filius eius Heinrich, Uod alperbt et Fritilo, Perhtolt, Ercb anpolt. 

C. c. f. 15; von * an Randzusatz. B. v. £. c. 1130. Adalpero, Praepositus 1129. Meich. I. 808. 

No. 60. De Niuenbusen. 

R. Aribo quidam de familia ecclesi^, su^ suorumque saluti prospiciens, predium in PazricheshuseD 
et Nivenbusen sitom per manum Perbtoldi de Geroltespacb ad altare s. M. communi fratrum utilitati 
delegavit ea conditione, nt, si quis illud in beneficium suscipiat, heres proximus cum nummo aureo in 
proprios usus redimat. Insuper septem mancipia pro 5 denariis in usus fratrum contradidit. T. Otto 
cognatus eiusdem, Perichtolt et filius eius de Geroltes[pach], Liutolt et frater eius GotescaP ^), Wezil 
et filius eius Egilolf), Arnolt et Regenmar, Eppo et Regenhalm de valle. 

C. c. f. 16 ▼. Zwischen M. N. 1282 und 1276. ^) de Liuvanesdorf, ') de Tobencheim. 

No. 61. De Fidelestorf. 

[Altman oblatione sua addit predium — ] fratris sni Sighardi scilicet apud Phidlsdorf pro sua 
peticione post obitum eiusdem ad altare s. M. eadem lege eademque condicione in subplementum supra- 
dicti fratrum servicii. T. Chonrat de Swanhiltedorf et frater eius Fritilo, Isinbart de Miltah et filius eius 
Sigihart, Gerwich de Rubendorf, Regenmar et frater eius Ortolpb, Wiso de Haidolvingen et Lud wich. 
C. c. f. 9 V. oben augefügt, aber erste Z. abgeschnitten. Nach dem im Cod. beigefügten Zei- 
chen zu Si. N. 1288 ergänzend gehörig. Es sind die Brüder von Heidolfingen. B. v. E. c. 1116, 
dann 1140. 

No. 62. Censuales. 

Notum Sit Omnibus x^ fidelibus t. f. q. pr. qualiter comes Sigefridus de Arge proprium man- 
cipium Mathildam cum duobus pueris suis Wemhardum et Hademvdam in manum Ottonis potenti manu 
delegavit, eo nimirum tenore, quatinus illuc idem predictus delegaret, quo eum mancipia prefata de- 
precarentur. Tandem placuit mancipiis, ut in manum Gumpoldi*) sibi fideli delegarentur. Mortuo 
autem Gumpoldo filius eius G. ad quem, ut mos est, derivata est delegatio, ad aram s. M. sq. C. rogata 
illorum in censnalia fratrum sunt delegata, persolvendis 5 den. singulis annis firmati sunt. T. de nob. 
Liutolt de Hagenwawe (!), Albrebt de Grünhastershoven (!), Sigeluirt et Sigehart et Hezel de Sente- 

Abh. d. III. Cl. d. k. Ak. d. Wiss. XIV. Bd. II. Abth. 12 



90 

lingen, Wolfolt de Massenhasen. De ministerialibus : Chunrat et frater eins Fritle de SvaDihiltestorf. 
Willibolt et filias eins Gerwich de Rabendorf, Chole et fratres eias Rudolf et Otto de Pergen, Otto et 
frater eins Rudolf de Richoltestorf, Prün et Wolfher de Wokoltestorf, Eberhart et frater eins Sigehart 
de Hangenhaim, Hainrich et filins eias Hainrich de IsenmanDingen, Rotlant et Chvonrat de Pobenhnsen, 
Engeidich de Pache. 

C. N. 190 f. 13 Y. ^) von Hagenan, M. N. 1813 pater et filins. E. Schwankend, von 1130 

aUmalig auf 1070. 

c. 1125—1130. 

Nr. 68. [De Livdarmingen]. 

Notnm Sit omnibos ;^pi fidelibus tarn futuris quam presentibus, qnaliter qnedam ministerialis 
Frisingensis mulier nomine Adalheit quoddam legitime concambium fecit cum advocato Ovdalrico. Et 
eaAdalheit predium, quod ei tunc temporis apud Livdarmingin fuit, advocato dedit. Et advocatus cum 
consensn et in presentia Heinrici ep*i, et cum laudatione iurationeque omnium ministrorum de terra 
8. M sq. C. qu§ nuncapatur Dorfin, gdificiis, silvis, pratis, pascuis, omnique territorio culto et inculto, 
aquis, penitus in proprietatem Adalheid^ tradidit. Ü. r. t. s. Gotescbalc de Marcfapach, Willibold de 
Rubindorf, Rodland de Bubinhusan, Tiemo et frater eins Ovdalrich *) , Etich et Wolfheri, P6ro, Wolf- 
koz, Uto et frater eins Isingrim, Gozbreth, Eberhart, Rotbero, Adalkart^ Aldroan, Asmar, Heinrich, 
Didmar, Gotescalch, Brün, Waltchon, item Brun, Vodalrich, Chonrat, Fritilo, Liutheri, Bero, Heinrich, 
Biligrim, Eberhart, Yodalscalo, item Ovdalscalc, Meginrat, Gerwig, Herrant, Willibold, Heinrich de 
Chienberch, Heinrich, Eberhart de Hantanheim. 

C c. Rückseite des zweiten Halbblattes f. 260. B. y. £. c. 1120. ') de Harthusen. 

No. 64. [De Asinhusen.] 

Notum Sit Omnibus /pi fidelibus, qaaliter quidam nobilis Cholö nomine de Asinbüsin delegavit 
ancillam suam Richkardam cum duobus filiis suis et cum predio suo^ 1 huoba, ad altare s. M. sq. C. 
pro 5 denariis annuatim fratribus inibi Deo servientibus persolvendis. Idem supradictus Cholo firma- 
yit hanc traditionem tali condicione, ut, si moriantur filii eins absque liberis, predium redigatur ib usus 
fratrum, quomodo eisdem placuerit. H. r. t. s. Ovdalrich advocatus, Otto de Sciren, Otto de Arin- 
pach, per cuius manum facta est traditio, Engildieo de Sevelt. De familia: Ovdalrich de Harthusin, 
Wolfkdz de Zollingin. 

C. c. f. 11 Y. zwischen M. N. 1291 und 1292. B. v. E. schwankend von 1126—1054. Erwähnt 

Huschberg p. 264 N. 2. 

No. 65. De Slate. 

R. Lintold et frater eins Gotescalch de Liuvanesdorf predium unum, curtiferum in Slate, in 
oblationem fratribus suis Frisingensis ^cclesig canonicis libera manu contradiderunt , quatenus frater 
Isingrim, qui eiusdem predii administrationem ipsis rogantibus acceperat, congruum inde servitium 
fratribus quotannis persolvat, et quisquis post ipsum administraturus accipiat. T. Adalbero de Walde, 
Werinhart de Wanichenbach, Adalperht de Sandolteshusen. De fain. Chunrat et frater eius£^rttele de 
Swanihiltesdorf, et Reginmar, Sinzo et Werinhere et Humperht. 

C. et 15. B. V. E. c. 1130. 

No. 66. De Tobenchaim. 

R. a. Quidam nobilis Wecil et filius eins de Tobinchaim, seculari militia renunciantes, quic- 
quid proprietatis apnd Tobinchaim et apud Muchen visi sunt habere, ad altare s. M. sq. 0. in usum 
confratribus post obitum eorum delegaverunt pro suis et parentnm eorum et omnium fidelinm animabus. 

b. Eadem hora tradiderunt etiam Ortolfum ad idem altare, ut legalium servientium iure utatur, 
et alia omnia propria utriusque sexus mancipia, exceptis quinque, sicut a se hereditario iure possessa. 
T. Nobiles viri Liutolht et frater eins Gotescalh de Liuanesdorf, Wecil de Üvberm5tingen. De familia : 
Gerotlh (sie) de Wippinhusen, Altman de Heidolvingen^ Fritilo de Suanehildorf, Gotescalh et filius eins 
Gotescalh de Petinprunnen , Sigihart de Miltaha, Ovdalscalh de Uusenhoven, Wolfheri de Pacharen, 
Reginhart de Chienberch, Reginmar de Emeliugen. De-valle Liupolth, Humperht, Richeri, Ch5no, 
Adalbero, Werinheri, Pnrchart de Pacha. 

C. c. f. 15. B. V. E. c. 1120—25. 

No. 67. Sandolteshusin. 

R. Gnmpolt de Hagenowe predium in Sandolteshusin cum mancipiis ibidem servientibus poet 
mortem Herrandi fratris sui canonici ad altare s. M. sq. C. in oblationem fratribos in anniversario 
suo persolvendum contradidit, ut post mortem Herrandi proximus in congregatione eadem consangui- 
neus fratrum dispensator existens , ut dictum est , serviat fratribus . • Redemtio per unum pizantium. 
Traditionem suscepit decanus cum ceteris fratribus. T. Livtolt frater eins de Hagenowe, Adalperht de 
Grvonharteshoven, Adalbero et V'dalrich de Tssnaren, Pernhart de Erpheubrunnen, Sigihart et Hetel 
de Sentelingen. De ministerialibus: Gerolt de Wippenhusen et filius eius Diepolt, et Ortwin, Dietpolt 



91 

de Agilsdorf, Heinrich de Giesenpach, Adalbero et Tegenbart de valle, Sigebart de Mütbah, Gote- 
scaloh de Pettenprannen et eius filius Gozwin^ Karolas de Aiterpacb et eias frater Dieterich. 
C. c. f. 16 aaf Rasur.* B. ▼. E. schwaukend Yon 1110—40, zuletzt 1130. 

No. 68. Fach. 

K. Waltherus de Hageningen frater noster et maior p'ts (prepositus) curtiferum in Pacb, quod 
bereditario iure po8sed*[erat], ad altare s. M. sq. C. in subsiüiuni nove oblationis fratruni tradidit. ut 
eins dispensator in anniversario suo plenuni fratribns cxbibeat serritium. T. Adalbero et ceteri (Nr. 67 ?). 

C. c. f. 16 der Vorigen folgend. 

No. 69. Engilberti Hallensium Comitis donatio Monasterii Atileusis ad cenobium Admuntense. 

Notum sit Omnibus Dei justicie colla fiectentibus*, qualiter salinarum seu Hallensis conies Engil- 
bertus nomine ecclesiam in loco, qui vocatur Atile, in montis yertiee sitam tradidit super reliquias s. 
Mari^ et s. Blasii Admuntensi cenobio in proprietatem cum omnibus appendiciis, scilicet cum ö legitime 
dotatis basilicis circumiacentibus et 8 curtiferis et 80 mansibas cum deoimis ad eundem item locum 
pertinentibus. Traditio hec causa monastic^ religionis facta est a prefato comite in loco Atilensi plan- 
tand^ ab Admuntensis cenobii abbate. Decretum est, quin etiam et constitutum est ab utrisque, a 
comite scilicet et Wolvoldo, tunc temporis Admuotensium abbate, ut, si Admuntensium religio, que 
tunc celebris habebatur, quandoque scandalorum spinis depravata inveniretur, vel-si Salzburgensis 
sedes ab heresjarcha aliquo contra fas et ins possideretur, ye\ quolibet tali, qui spiritualis structuraip 
conversationis inibi destruere, aut fratres illos ininsta quavis violentia opprimere seu bona eiusdem 
loci aliter, quam oportet, aliquomodo tractare, vel alienare velit, tunc ne aut hinc aut illinc Atilensis locus 
calumniam yel destructionem pateretur; hoc conditionis pacto solidatur, scilicet ut ab eodem comite 
Engilberto, vel a pr<ft:imo successionis herede annuatim ad altare s. Blasii au^eum ob proprietatis tcsti- 
monium bizantinum persolvatur, donec roonastic^ religionis pridem babita integritas in Admuntensi 
monasterio recnperata ad integrum reperiatur. Hoc autem in probabilium positum sit iudicio perso- 
narum, spiritnalium scilicet virorum seu bonorum quorurolibet katholicorum, scilicet ne Atilensis locus 
a subiectionis lege vel a proprietatis iure, quo Admuntensibus subicitur et conectitur, nisi evidens et 
non sufferenda appareat necessitas, qua hoc fieri ad tempus, uti dictum est, cogatur, indebita qu&dam 
precipitatione absolvatur. Post peractam huiusmodi traditionem primus Atilensis advocatus comes Engil- 
bertus sit, et post eum omnis posteritas eius, si utilis et strennuus ecclesiasticarum rerum et posses- 
sionum defensor fuerit, sin autem ^), liceat abbati Admuntensis cenobii et nunc et in posterum eligere 
et providere utillimum Atilensibus advocatum, ita ut huiscemodi dispositionis ordine advocatia b^c sua 
nunquam privetur libertate. Totum autem traditionis huius stabilimentum et sanct^ memoria Chun- 
radus, luvavensis ^cclesi^ archiepiscopus, su^ consensionis auctoritate corroboravit et sigilli presentis 
impressione consolidavit. Testes autem sunt: de Nobilibus Perbtolt de Tegrinwac, Pemhart de Egilis- 
wanc> Eberhart de Gazaha. De familia comitis: Gerunc de Veldolvingin, Willihalmus de Attila et 
filius eius Sigiboto, Balzo et filius eius Heinricus, Gozwin de Lohin, Wicman de Lemingin, Ekkehart 
et Ovdalricus camerarii, Heinricus de Cborinbercb, Gebman de Chersdorf, Chunrat de Obiricdorf, Chiiuo 
de Sneitsaha, Willihalmus de Bocha, Fridericus de Ettelingin, Hecil de Tala, Richerus de Brisin, Pabo 
de Toberch, Heinrich de Leimingin, Perhtolt de Vihehus, Liutwin de Etelingin, Heinrich de Stut- 
baimin, Chunrat de Berge, Gotscalchus ministerialis marchionisse. 

H^c traditio postea reparata et consolidata est a matre eiusdem comitis nomine Richkart. Isti 
sunt testes. De nobilibus: Rudolf de Tapfheimin '), Bernhart de Geppinheimin, *Willehalmus de Pächa, 
Tiemo de Holzbusin, Wolfram de P&lospach, Hartman de Unin, Eberhart Pruskinchi. De ministeria- 
libus : Ortolf de Leimingin f Heinrich de Ettelingin , Gebman de Chersdorf, Sigiboto de Rihsinharde, 
Otto de Rüta, Ortolf de Phuncin. Testes investiture Ortolf et frater eius Heinricus. 

Or. in Admont mit dem Siegel des Erzbischofs Konrad 1 von Salzburg. Abg. in Zabn Steyer- 
mark*8chen Urk.-Bucbe zum Jahre 1145 No. 242 p. 247, und in Wichners Geschichte von Ad- 
mont I p. 241 zum Jahre 1137. Bei ') wohl ,si non" zu lesen; bei ') liest Zahn «Capfheimin*. 

c. 1130. 

No. 70. Donatio Heinrici Episcopi. 

R. D*ns Heinricus Fris. ep^s curtale unum ad Wabovre tradidit cum 2 mancipiis ad altare s. 
Mari^ bereditario iure sibi traditum. T. Dietmar, Eberhardus, Hctil, Richer, Erchinger, Eggiherth, 
Marqnart. 

Trad. Buch des Klosters Garsten im ürk.-6. des L. ob der Enns L 160. Zahn 11. 347. 

No. 71. Censuales. 

Nomina mancipiorum censnalium in loco Castuno babitantium, qug dedit dominus Heinricus 
huius sedis ep'c ad a. s. M. in communem usum fratrum inibi Deo servientium: Berbta cum 5 filiia 
Azamanno, Gozperto, Ellenpurga, Sigila» Liutpurga; filii Ellenpurge: Megengoz, Rudolf, Berhart, Engil- 

12 



I 
I 



92 

bnrch, Rihkart, Berhta, Livtpnrch; filii Sigale 6: Friderich, Botlant, Livtolt, Gozperht, Berhta; filii 
Livtpnrch: Heinrich, Otker. 
Cod. No. 190. f. 21 ▼. 

No. 72. Censnales. 

Sciant /' fideles, qaod quidaro prpsbiter d. Adilpreth tradidit snper altare r. M. sq. C. pro remedio 
anime sn^ qnandam famnlam snam n. Lintgart et filiam eios Ortolfum cara ceteris filiis ad legitimes 
fratribos servientes. T. C5xirat (de Saanhiltistorf) et frater eins Fritilo, Gotescalh (de PetinprnnneD), 
OvdilscaJh (de Isindorf). 

C. c. f. 13 V. B. V. E. c. 1140 vel 1130. Orte überschrieben. 

No. 78. De Novts. 

B. Qüidam nobilis vir, Lintolt de Hagenne et eins frater Herd' [Herrand nsjcanonicus s. M. pre- 
dinm apnd Novts cum Marchuwardo, einsdem cnrtifferi cultore, ad altare s. M. sq. C. in oblationem 
confratribas pro anima fratris sni Gumpoldi delegavit. Vendicatio per nnnm bizantium. Traditionein 
sascepit Decanus com ceteris confratribus. T. de Nob. Pernbart de Erphenbrunnen, Cbaralus de Aiter- 
pach, Adalbero et Ovdalrich de Tannam, Adalbero de Walde, Ovdalrich de Fansingen, Sigihart et 
Hecil de Sentilingen, Heinrich de Giesinpach. De familia: Sigihart de Miltaha, Gerotlh (!) et iilias 
eins Dietpolth de Wippinhnsen, Perictolt de Silphis, Gotescalh de Petinprnnnen , Herrant de Ergol- 
tingen. De yalle: Adalbero. 

C. c. f. 15 V. B. V. E. schw. 1110—50, zuletzt c. 1120. Vgl. No. 67 vorher S. 90. 

No. 74. Censnales. 

B. Adalpreth de Goctingen per manum Magni de Borpach delegavit ad altare s. M. sq. C. 
Wolfheri filios et filias, Ovdalricum, Maethildam, Chanigondam , Cristinam cet^rosque ad comrannem 
nsnm fratribus qninqne nammis annuatim serviendum. T. Chanrat et Fritelo*), Pertolt et Chanrat 
de Yeringenbach, Gerwich et Otto de Bicholfe8t[orf| , Paldrat et Aemis, Eberhart de Hang' [en heim], 
Hanrichic (!) et filias eias Sigiboto'), Folchart'), Per hart de Vagin, et Otto. 

C. c. f. 15 V. *) de Swanihiltidorf, *; de Harthasen, ß v. E. c. 1130. 

No. 75. Herneshusen. 

In memoria etema sant, qui benefacinnt. Igitnr ab omniam memoria nnnqaam labatar, qaaliter 
Bertholdas de Herneshusin, qai XIIIl K. Augasti occisas est, predium säum in Hemeshasin ad obla- 
tionem tradidit ad altare s.M., ut aliqais de fratribas illud in hobedentia tenens in anniversario sni die 
congraam inde exhibeat oblationem . . Vendicatio aurea ano. T. Altman (de Bise), K&nrat de Pa- 
binh'[aBen] et Adalperht de Mallech*[ingen]. 

C. c. f. 16 anf Basar. B. v. £. c. 1130. 

No. 76. [Concambiam Ministerialinm.] 

In noticiam posteroram veniat, qaaliter Frisingensis ^cclesi^ canonici Heinricam et fratrem eias 

Ortwinam et sorores eoram . . cum filiis sais . . . per manam Ovdalscalhi de Walheshoven Ottoni 

Palatino Comiti, octo videlicet pro novem mancipiis, legitimo tradidere concambio. Ipse vero eosdem 

acceptos in legitimes ^cclesig ministeriales ad altare s. M. potenti mann delegavit, presentibas et 

eandem commntationem confirmantibns aniversis confratribas et sabscriptis tam ^cclesi^ qaam fratram 

ministerialibas : Ovdalscal[ch] de Walheshoven, B6do][f] de Notcenhnsen, Orthwinns et Marcwart 

et Willehalm (Stolzele) de Barbingen Batisponenses, Isenrich et frater eins Bahewihn M> Chonrath et 

frater eins Fritolo, et Altman'), Willebolt et filias eios Gerwic'), Heinrich de Chimberch et filias 

eins, Heinrich de Ismanningen et filias eins, Gerolt de Wippenhasen, Ilbnrich de Pitendorf, Herborto 

de Appetestorf, Botland de Pabenhasen, Eberchart et frater eins Sigehart *), Pertholt, Ch&no, Purchart, 

Bichere, Harthwic, Penno et fratres eins Eberhart et Haimo de Azelikcn, Witele et Heinrich (Choph). 

C. c. f. 294 V. and Beiblatt c; M Lohchirchen; ') Heidolfingen; '} Babendorf; *) Hangenheim. 

B. V. E. c. 1116; vgl. aber M. No. 1328, wo B. v. £ beif&gt c. 1138 and die Zeagen za lesen 

sind: De Nobilibas: Otto de Mosen, Hartman de Steinharte, Liatolt de Hagenoa, Ortolf de 

Botenpach, Hoholt de Wolmvote8h*[ahe], et avnncnlas eius Heinrich, Wito de Cella, Karolas de 

Aiterpah, Botperht de . nnenh* ... De ministerialibas: Tsenrich camerarias, Chvnrat et 

frater eins Fritilo de Heidolf[ingen], Sigihart de Pacha, Gerwich de Babend'[orr| , Begenmar 

et frater eias Ortolf de Unzinch'[oven] , Altman de Heidolfingen , Dietpold de Wippenh'[asen], 

Mahtnni et Sigiboto de Marzilingen. Zafolge Bückseite des Halbblattes im C. c. getrennt darch 

den Einband in Vorblatt za f. 12 and Blätteben 17 c. 

e. 1135. 

No. 77. Censnales. 

a. Notum sit omnibns /pi fidelibas t. f. q. pr. qaaliter Adelheit de Prisingen tradidit semet 
ipsam ad altare s. M. pro 5 denarüs confratribas inibi Deo servi^ntibns annuatim persolvendis« 



93 

T. Iscnrich iuvenis, Ortolf de Pvtelbach, Einwich de Hittenvnrte, Timo ab Ekka, Sigehart de Heidol- 
vingen« Baldwin de Germaringen , Livpolt de yalle. 

b. Sab eadem condicione domiDas Clionradns hnins ecclesie canonicus tradidit ad predictnm altare 
serynm snain Altmaniinm. T. Timo ab Ecca, Ortolf de ünzinchoTen. De saborbanis: Mazilo et frater 
eins Hartwich, Adelperbt et frater eius Vodalger, Mazilo Lahsenari. 

c. Sab eadem cündicione comes Otto de Schiren tradidit ancillam saam Wiradam in manam 
Ovdalrici de Chienberch eo tenore» at ipBe delegaret eani ad altare b. M. sq. C. pro 5 den. fratribns 
inibi Deo servientibas annaatim persolvendis T. B&tpreht et frater eins Pabo de Frichendorf, Walt- 
man et frater eins Badolf de Pastberch, Isenrioh camerarias et Hainricus filias eias et alii malti. 

Cod. No. 190 f. 20 V. et 21. 

No. 78. Ebersdorf et Grie. 

Noverint omnes tani fatari qaam presentcSf.qaaliter Heinricas Frisingensis ep^s ob saam saoram- 
qae niemoriam prediam in Eberesdorf et, qaicqaid ia Grie . . . habait, per manam Geroldi de Paingen 
ad altare s. M. in commanem nsam fratrum ibidem Deo niilitantiam sine contradictioae contradidit, 
exceptis 20 hobis, qaas communi fidelinm saoram consilio S. Leonardi servicio se demonstrare desti- 
navit. H. r. t. s. tam nobiles qaam ministeriales sabscripti: Cbonrat de Dähoa, 0?dal8calch de Wal- 
heshoyan, Werioheri de Frich[endorf| , Hartman de Stainhart, Cb6no de TSgrenwach, Marachwart de 
Möhingen, Ovdalricb de Löhhasen^ Adalbero de Gamenoltesdorf, Cbonrat de Mantichingen , Heinrih 
de Empfenpach, Aribo de Aspach, Isenrich cameraria«, Ovdalrih de Harthusen, Botlant de Bab*[enhasen], 
Ovdalscalch de Altenh'[a8enj, Aribo de Gozingen, Megengart Fahs, Wielant, Isengrim de Halle, Mah- 
tani cocas, Werinberi Pachef, Marholt et Werinheri de Dab[6a], Sigifrit Staro, Adalbero pec\ 

C c. f. 16 V. 

No. 79. De prediis s. Leonhardi. 

Tradidit qaoqae predictus Yene[randa8 pater Heinricas haias sedis episcopas saprajdictas 20 
hobas pro sua parentamqae et omniam debitoram saoram animabas p[er manas eiusdem Geroldi] de 
Paingen ad altare s. Leonhardi in usam fratram ibidem Deo militantium et in stipendiam /pi pan- 
peram ad idem altare pertinentiam. Qaasdam statim nominando demonstravit, qaasdam commani 
fidelinm saoram consilio demonstrando snbpleri debere affirmavit, Hobam scilicet in Meginboldisperch 
cam vineis in eadem hoba plantatis, Prediam in Harda iaxta Trevinize, Et dno Saarzhaha, Novale, 
qaod armentarios suas Enziman possederat, iaxta Grtestig sitam. T. de nob. Aribo de Pruli, Ch&nrat 
de Notzinhasen. De fam. Tsenrich camerarias et filios eins Heinrich, Engildio de Fachen, Butlant 
et iilias eias Budo[l]f et Chanrat de Pabenh&san, Dietpolt de Wippenbüsan, Ger wich de Babindorf 
et Tsenrich de Pietendorf, Mach tani et Sigiboto de Marcilingen, Eppo. 

C. c. Beiblättchen ante f. 17. No. 78 a. 79 bei Meich. No. 1282 ohne die Zengen. Nahezn 
vollst, bei Zahn Arch. öst. G. Q. XXVII. 266 No. 12 a. F. r. Aastr. XXXI 93 No. 94. Besch 
aetas millen. p. 127. B. y. E. c. 1186. Meich. No. 1282 a and b nicht aas dem Cod. 
com. Fris. 

No. 80. Censnales., 

B. Liber homo Engeidich de Cholbach proprium filinm saam delegavit ad altare s. M. at singnlis 
annis pro tribato persolveret 5 denarios. Cni filio tradidit prediam empticiam in Piveliz, at, si sine 
heredibns obiret, idem prediam traderet ad altare predict§ matron^. T. Gelphrat et fratres eins Elleso 
et Amolt et alii concives eornm, Herbat» Egeno, Bicholf, Baperht, Budiger, Erimperht et frater eins 
Pemhart de Lashaim, Dietmar de Piveliez, Ovlrich de Gramelingen et dno fratres Pemhart et 
Budiger. 

C. c. Beiblättchen f. 17 c. Vgl. MB. IX. 889. 890. 458. 460. 

No. 61. Mancipia. 

Noverint omnes tam fntari quam presentes, qnaliter comes Ekkihart de Skiren tradidit ad altare 
s. M. sq. C. ministerialem saam Agnßn, filiam Eberbardi de Horskenhoven ea conditione, nt iure legi- 
tirooram servientium ipsa et oronis posteritas eins atatar. H, tr. t, s. Liatolt de Hagenoa, Megenhart 
et Eberhart de Maisaha, Tsenrih camerarins et filii eins Heinrih et Tsenrih '), Bv^dolf de Mosalraih'), 
Chv^^nrat de Heidolf [ingen] et Sigihart, Engilmar de Heribirgich*[irchen] , Engilmar de Massi[n]h[asen], 
Wolfhart de Horsk[enhoTpn] , Charl et Engilmar de eodem loco, Oydalrich et frater eius Bv"dolf de 
Ür8enh[08en], Aribo et filias eius Aribo de Humpreh*[teshusen], Chv' nrat et Isengrim de Hor8k[enhoYen] 
et Bihheri, Gerwich. 

C. c Buckseite des Beiblättcbens ante f. 17. B. y. E. c. 1124 vel 1130. ^) Lohchirchen, 

*) Miesbach, vgl. die Waldecker Ob. Arch. XXXI. 97 flg. 



94 



TU. Sab Episcopo Ottone I 1188—1158. 

c 1140. 

No. 82. c. 1140. Censnales. 

In nomine s. et ind. trinitatis. 0. Dei gratia Frisingensis ep'c. Notnm esse volamos tarn fntnris 
qnam presentibus, quod pro remedio animg uostr^ quasdam de familia Pezelam et sororem eins Eepam 
eanunqae filios ac filias et sororis earam filios ac filias ab omni Servitute liberos in saa insticia 
manere statninms, ita, qnod nemo de camerariis nostris alind ab eis exigat^ quam de mascnlis 10 
denarioSy de feminis 5, in c^na Domini ad mandatnm nostrnm expendendos. £t ut hoc illis ratnm 
maneat, hanc kartnlam illis conscribi et sigillo nostro insigniri precepimas. H. r. t. s. Isenrieh ca- 
merarins, Botlant et Bodolf de Pubenhnsen, Gerwic de Rnbendorf et plures alii. 

C. c. f. 117 V. B. Y. E. c. 1140. 

No. 83. 114j{ et 1148. Gommutationes Episcopi Ottonis et monasterii Weibenstephan. 

a. In nomine sancte et individae trinitatis. Ego 0. Dei gratia Frisingensis ecclesie presul, 
ntilitati et comoditati religiosomm consnlere Yolens, qnoddam concambinra cum Sigmare Abbati s. 
Stepbani feci, nostris quidem successoribus fntnram ntilins, einsdem vero monasterii fratribns pro 
locomm yicinitate commodius , tribnens per manum Ottonis advocati Comitis Palatini einsdem monasterii 
fratribns, qoicquit in Yettingen ad episcopales reditns pertinnit, cnm nemoribus et pratis ad eandem 
Yillam pertinentibns , omnibns caltis et incaltis, qnesitis et inqnirendis. Preterea tradidi cartem 
pontis, qne dicitur Hntechar, cnm omnibns ad eandem cnrtem pertinentibus , excepto ponte» qnam 
cnrtem prins eisdem fratribns in beneficinm coDcesseram. Tradidi etiam prata nltra pontem sita, omnia 
Yidelicet, qne non eraut inbeneficiata. Econtra prefatns abbas cnui eisdem fratribos in recompensa- 
tionem per manum advocati snperins pretazati tradiderunt in Giselingen 4 cnrtes cnm dnobus mansis 
et dimidio cum omnibns ad bec iure spectantibus. Insnper cnrtem in Marcelingen et molcndinnm, et 
pratnm iuxta nemns Pircha dictum et in Mosburch domam cnm fundo. Postea vero, nt scandalnm 
tolleretnr in posterum, propter stabilitatem concambii remisernnt predicti fratres prata nltra Tseram 
sita^ qne vnlgariter Widerion dicuntnr. Preter supradictA predia tradiderunt idem fratres cnrtem 
Aesenhnsan dictam iuxta stagnnm Wirminse cum pratis et nemoribns ad hanc spectantibus. Ego vero 
eisdem fratribus remisi pratnm, quod ante dederant iuxta nemus Pircha situm. Dedi etiam eis inxta 
pontem Evthechar roansum contigni nemoris, a discretis viris, quos ad hoc destinavimus , designatum, 
et ab eis dimidium a^ri cnlti mansum in Hnmbelen recepi. Uec autem commutatio legitime confir- 
mata est presentibus et assensum prebentibus de clero: Hoholdo preposito et Ghv^*none decano, Her- 
rando archidiacono, Herrico preposito, Wicbmanno preposito, Engilscalco scolastico, cnm ceteris matricis 
ecclesie canonicis. De laicis nobilibus: Arnolde comite de Dachv^'e, Ottone de Irenespurch et filio 
eins Adalberto, Eberharde de Herrenhnsan, Piligrimo de Wolmotesha et ceteris in privüegio scriptis. 
Anno autem incarnationis dominice MOXLII. Anno antem Ottonis venerandi Frising. ecclesie ep*i 
IUP hec acta sunt. 

Zweispaltig auf beschnittenem Vorblatte am Einbände des Cod. Weihensteph. No. 20 der H.- 
n. St.*Bibl., Cod. lat. No. 21&20. 

b. Idem documentnm, deleta solum concurrentia Ottonis advocati et omissa positione in fine: 
Dedi etiam etc, omissisque tribus nltimis testibus. 

Anno autem Inc. dorn. MCXLIIJ, anno autem Ottonis y. Fr. ep'i IUI hec acta sunt. 

Erste Spalte der Bückseite desselben Vorblattes, beschnitten. Die Orte lauten hier: Hutechar 

. . Gbilingen.« Asehusen . . Wirmise. Abg. inMeich.No. 1318, dann interpolirt MB. IX p. 498. 

c. [Otto ep's] . . . . to futurum ntilins atque commodius, illis antem concambio licet ineqnali 
sp^te sub quodam ))[acto] acquiescentibus, nt, si cni forte presentium a[ut fujtorornm visum fuerit, 
in concambiis aliis [prius] inter nos et eosdem fratres contractis eos pocio[res] a nobis possessiones 
accepisse qnam reddidisse, [nemo] hoc ea minus fore rata debere contendat i[sed hoc] commntatione 
snfficienter eqnetnr, inquam^ nos rofulto] minus dedisse, quam recepisse constaret, pro hoirumj sup- 
plemento, si quit ante minus factum est, quicquid [peracjtum est, decreto roberetur, ac ratuui per- 
maneat [semper]. Namqne predictis fratribus in commutationem legi[timam] quasdam decimas de 
manibns laicornm^) a no[bi8] iure receptas dedimns, unam videlicet in Ma[rcilingen ?] , idem doas 
portiones decime, vel res') in Manmendorf, hoc est terciam portionem, et in [Pfia]fenhoYen ac Perns- 
hoven et in adiacentibus [agris] duas portiones decime. Preterea curtem v[unam] in Manmendorf, 
qnam Otto de Steine in proprie[tatem] nobis dederat cnm mancipiis et omnibns adp[ertlnentiis,] et 
predinm in Coteprehteshoven et dimidiam [curtem] in Pritelenpach, pro 10 libris Inpigneratam [eisdem] 
sub eodem iure tradidimns. Uli vero e contra quicqui[d in Pni?]garen et Frangowe possederant cnm 
ma[nsis] mnltis et tribus vineis in Wachv"e et area in [Ursin ?]pach cum ceteris appendiciis, cnltis 
et incufltis, cum] quesitis et inquirendis in recompensa tionem no[bis de]derunt. Hec antem commn- 



95 

tatio facta est pree[entibns] et assensnm prebentibas de clero matricis eociesie [WicbJiDanno preposito 
s; Andree et ceteris in priv[i]egio scriptis.J 

Zweite Spalte desselben Deckblattes oben und seitlich beschnitten. Bei ') stand zuerst „inimi- 

corum", bei *) „circa curtem". 

No. 84. 1145. September — December. Liberatio monasterii Atilenses de cenobio Admuntense. 

Ecclesia dudum fiorens et virtutibus opulenta apostolicis viris suffulta quoquo?ersnni eminebat; 
sed labente et preterfluente genere huxnano fragilitate illecebrosa aggravante deperit ipsius religio. 
Sed in bis casibus talique defectu, quia novit Dominus, qui sunt eins, boc quod dicit: „ecce ^go vo- 
biscom sum omnibus diebus usque ad consummationem seculi" — in multis possumus experiri, diu 
sie aspirante mundo in militia, tot in fervore religionis cottidie assurgunt cenobia, in quibus desudantes 
atblet^ /pi diabolo existunt terribiles, ut castrorum acies ordinata. Que apud nos in diebus sacerdotii 
nostri plura pullulaverunt , cum doctrin^ et plantationi nostre misericordi^ Domini mult^ (sie) incre- 
menta dederunt. Unde comes Hallensis, Engilbertus nomine, pro remedio anim^ su^ suorumque pa- 
rentum ad honorem Dei in honore s. Michahelis archangeli monasterium *, Atile dictum , in territorio 
Frisingensis episcopii fundavit, et s. Blasio [Admund^] ad confirmandam inibi religionem monachicam 
cum omnibus possessionibus sub abbate Wolfoldo delegavit. Post spatium vero annorum , cum per 
disciplinam professionis locus ipse circumquaque yeneraretur et per se augmentaretur, eidem comiti 
bonum visum est, ut rediroeretur et electione propra abbatis sublimaretur, Ademuntenaibus 40 marcas 
dedit, factamque traditionem redimens, locum consecratione abbatis exaltavit. Deinde intercurrente 
tempore Idem comes causa nostr^ dilectionis tutel^ et circnmspectioni prefatam abbatiam s. Rudberto 
in proprium tradidit, ea conditione, ut in electione abbatis liberam more aliorum claustrorum obtineant 
electionem. nuUamque a successoribas nostris patiantur oppressionem , sed ubicnnque opportuna super- 
yeniat occasio^ idem locus a nobis et nostris successoribus rebus et honoribus ditetur et promoveatur. 
Et si quis episcoporum ipsum aggrayare presumpserit, yel in aliquo molestare yoluerit, fundatoris pro- 
genies 5 denarios s. B&dberto singulis annis persolvat, locusque sub [ab] infestatore libertatem habeat. 
Forro advocatiam possessiouem et loci indulsimus fundatore, eoque mortuo, qui yicinior et senior sit 
in hereditate, suscipiet locum in procnratione, ita tamen, ut nichil sibi usurpet de illius officii procu- 
ratione. Quod si quis huic dispositioni nostrae se opponere temptaverit, et sinistrum quid usurpando 
ins adyocatie diripuerit, alienus ab officio sit, hancque potestatem fratres habeant, illo remoto [alium], 
quem voluerint, auxilio metropolitani proponant. Sane hac conditione locum prefatum et [bona] illius 
in procnratione suscipientes, frater ipsos in sinu paterno foyentes, a die ista et deinc[eps omn]ibu8 
abbatibus loci illius sub invocatione Patris et Filii et Spiritus sancti et auctoritate s. Petri 

[manda]mus, ut utilitatibus fratrum deserviant, nee qnidquid gcclesig collatis familiarum aut 

inbeneficiare, aut dissipare audeant, aut fratres illius monasterii inducta super eos iniqua [yi]olentia 
principis yel alicujus secularis potestatis oppressione grayare presumant. Quod si quis eorum supergres- 
8U8 fuerit, si non cicius coram metropolitano satisfecerit, officio careat, et honore proprio privetur. 
[H]e autem omnia ita facta et corroborata sigilli nostri impressione subscriptis testibus confirmamus 
et stabilimus. Facta sunt bec anno ab incamatione Domini 1145 in presentia Ch&nradi archiepiscopi, 
anno XLI sedis ipsius in Salzburgensi Castro, primo anno Eugenii Pape, YJI anno Chünradi regis. 
Testibus Romano Curcensi episcopo, Marchione Engilberto, Comite Chunrado de Bielstain [fratrique] 
eins Friderico, Comite Liutoldo de Blein, Comite Alberto de Tirol et aliis quam plurimis. 

Abschrift auf Pergamentblatt imR. A. am linken Rande beschädigt, [hier ergänzt]. Bei* steht 
„terimae". Erzb. Eonrads I 41steB Regierungsjabr begann erst am 6. Januar 1146. 

No. 85. (1151 — 1154.) Pactum Episcoporum Ottonisl Frisingensis et Chunradi Patayiensis de bonis 

monasterii S. Georgii ad Treisam. 

Contra obliyionis incursum salubriter labili hominum memorie consulendo, scripture, que rerum 
iudex est absentinm, suffragandum monimentis yeneranda et prudens patrum censuit antiquitas. Ho- 
rum igitur suadente auctoritate concambium inter Ottonem Frisingensis eccVie ep'um et fratres s. 
Georgii legittime factum presentis pa^^ine corrobarari testimonio et prefati ep*i muniri sigillo perutile 
yisum fuit. Factum est itaque. dum Cb&nradus Fataviensis ep's cum Henrico fratre suo, duce Austrie, 
et memoratus Fris. ep*us, Otokaro (adyocato) et marchione de Stirhae (!) accersito, in loco, qui Stiers- 
dorf dicitur, essent congregati, Fris. episcopus per interyentum Chunradi ep*i aquam a yilla, que 
Cbagrana nominatur, per predium ecclesie sue ad usus supradictorum fratrum deduci permisit, et 
utraque parte terram latitudine trium mensuram, que yulgo razen') nuncnpantnr, sex mansis in 
yilla Sewam adiectis, potenter et iure perpetuo eisdem assignayit. Ipse yero ratione commutationis duo 
beneficia in Ardacber et yineam in Nuzdorf cum agris ad culturam yinee pertinentibus , cum decima, 
que de predio Holenburcb persolyi debuerat, a prescriptis fratribus accepit. Sane bis ita perspicue pa- 
tratis Patayiensis ep*U8 in manus adyocati sui Henrici ducis Austrie, que usibus, quos premisimus, fra- 
trum cesserant, tnenda deposuit; Frisingensis yero ep^us advocati sui marchionis de Stirhae, que iu 
concambio, ut prelibatnm est, acceperat, defensioni subiecit. Et ad huius inyiolabilem rei confinna- 



96 

tionem indacti sunt testes: üdalricas prepositna de Mosebarch'}, Bahwinus et VolmaruA FrisingensiB 
ecclesie canonici; de namero laicorum: Hadcmarns de Ch&pbarn, Waldmannns de Pazsberch ^), Albertus 
pincema Frisingensis ep'i, Hartwiens Saligezchint '), ITaalricns de Aspam, Albertus de Perge, Otto 
senez de Lengebacb, Albero de Chanringen, Henricns deZebingen. Acta sunt aatem hec anno MOLL, 
indict. im, feria V. Adriano viro anglico apostolice sedis presidente, Cbunrado imperii gnbemacala tenente. 

Or. in Herzogenburg. Abg. im Arch. f. K. österr. Gescbicbtsqaellen IX. 262. Zahn Cod. d. 

anstr. Fris. f. 102. Bei*) das wohl irrig gelesene h darch das den Namen zweifellos znkom* 

mende z ersetzt; ') wohl Ardacker s. No. 87. 

No. 86. e. 1155. Censnales. 

Notnm sit omnibas /* fidelibos, qnod Begilinda filia Oydalrici de Grammelingen, qa^ erat mi- 
nisterialis Gerhardt comitis de Ohregelingen, obtinaifc hoc ab eodem comiti bonis et precibns snis, ut 
traderet eam ad altare s. M. Frisingen iure censaali, videlicet 5 nummoram. Qaod et fecit. Sed 
postea Chvnradas de Dachowe, qui et dox de Meran dicitar, sabiugavit eandem mulierem, potias vio* 
lentia, qaam iasticia' A qao tarnen se bis bonis snis redemit. Sed idem comes eiusdem malieris filias 
sibi itidem subiagavit, quia matrem babere non potait, quam tamen maltis oppressit mahs. Quaram 
filiaram anam, Petrissam nomine, caidam de Wolfbach, Altammoni nomine, tradidit, a quo redempta 
et in manas Livtoldi de Hagenhove delegata(m), ab ipso Altammoni tradita est ad altare s. M. Fri- 
singen ad 5 nnmroos. T. Ipse Livtolt de Hagenowe, Altüm de Wolfapach, Ganther de Isenpach, 
Engilmar et Marqwart de Ganzenh[asen], Hartmnt et Uainrieh de Haimenhusen, Ovdalrich de 
Craawi[n]chel, Hartnit de Aichach, Perhtolt nobilis de Sibeltesdorf, Hezil de Grammelingen. 

Cod. N. 190 f. 18 V. Haschberg 8. 247 a. Not. 17. 

No. 87. 1158. Chanradi episcopi Pataviensis confirmatio pacti Ottonis Episcopi Frisingensis et Mo- 

nasterii Seitenstetten de decimis apad S. Georgiam in Clasa. 

In n. s. et ind. tr. Chanradns gratia Dei Pataviensis ecclesia ep*8 aniversis /pi fidelibas eterne 
yite salatem. Quia propter instabilem humanarum rerum transcursdm multa sepius a memoria homi- 
num tollantur, idcirco pro bono pacis uessarium daximus, ut, quo nobis coram positis discassa et ter- 
minata fuerunt, scripto posteris in roemoriam revocemus. Eapropter omnibus in gremio s. matris 
ecclesie constitatis notum facimus, quemadmodum in presentia nostra decisa sit lis et controversia, que 
diu inter dilectnm fratrem nostrum Ottonem Frisingensem ep*um et dilectos fratres nostros de Sitan- 
stetten pro quibusdam decimationibus apud Clusam multis querimoniis et contentionibus est agitata. 
Itaque cum apud Laureacnm in communi capitulo clericorum essemus constituti, utramque partem, 
abbatem scilicet predicti monasterii Fridericum et ÜTdalricum prepositum de Ardakker, quem predic- 
tus frater noster Otto ep*us vice sua ad nos transmiserat, diligenti animadversione et discusslone au- 
divirnus, donec per multa tandem ad id ventum est, quod hii tres, Chalcelimus scilicet decanus de 
£nsa, Herboto decanus de Fuhilarn et Gerhardus plebanus de Wolvesbach, per virtutem sancte obedien- 
tie interrogati sub stola sua in plenario iuraverint, omni capitulo eis assentienti, quicumque parrochiam 
Aspach canonice possideret, quod et decimationes apud Clusam eodem iure habere deberet. Sed cum 
in hoc fratri Frisingensi ep'o minus adhuc satisfactum esse videretur, in occursam eins apud Aspach 
devenimus, et quod iam dicti sacerdotes apud Laureacum iuraverant, hoc decretarii ducis, Ratso scilicet 
et Hadericus et Willehalmus, ibidem eo presente multis eis assentientibus iuraverunt. Unde commu- 
nis sententia et consensus omnium decrevit, iam dictam litem iuste admodum esse decisam et predictos 
fratres ac monasterium pro iam dictis decimationibus nullatenns debere uiterius fatigari. Huius rei 
testes simt hii: Chadalhohus prepositus maioris ecclesie, Ovdalricus abbas de Clunikcha, Ovdalricus 
prepositus de Ardakker, Dietraarus prepositus s. Floriani; et de chöro: Otto de Witen et Adalgozus^ 
Bubertus de Pirenbach et Rantwicus, Alramus quoque de Cheraba, Pabo de Hollingen, Egeno et frater 
eins Alramus de ürla, Manegoltus de Wesen, Dietericus de Werdarn,* Hartm&t pincerna, Ger hart de 
Grazberge, Hartwicus Pom, Marchwardus de Gluzze et frater eius Dietericus et alii diverse conditionis 
quam plures. Hec ita gesta sunt anno d*nice ine. M.CLVIII indictione VI. 

Or. im Arch. des £1. Seitenstetten. Abg. Zahn Cod. dipl. austr. fris. I. 104. (F. r. A. XXXI.) 

Till. Sab Episcopo Adelberto I 1158—1184 11|XI. 

No. 88. c 1160. [Infeudatio Comitis Berhtoldi de Andechs]. 

Comes B. venit ad nos et postulavit se investiri suo beneficio, quo eum antea investisset Otto 
ep's, nullo feudo ex nomine designato. Quod et factum est. Huius rei testes sant: De nostris Mg'r 
£ng[ilschalcus], 0[tto] p*po8[itus S. Andreae], Ba[hwinu8] can. Waltman de Pastberc, Albrich de Elh- 
pah, Gotefrit, Alperht, Heinrich puer [felix]. Dnx Her\ et Piiigrim de fratribus. De militibus comi- 
tis B. Hezil, Gerwic, Engilmar. 

Gleichzeitige Vormerkung unten auf fol. 169 des Cod. Weihensteph. N. 87, C. 1» N. 21587 der 

H. u. St. Bibliothek. 



97 

c. 1165. 

No. 8P. Traditio iD Herbirchirchen. 

B. Quidam' sobilis ingenuns Wernhardos de Starcboltshoven tradidit prediam in Herbirebireben 
ad altare s. M. aq. 0. in oblationem fratribns pro remedio anim^ Patris • . • nt semper prozimoB bere» 
de cognatione canonicnsi. diüpensator fratrum in eodem predio, in anniversario die predicti Cbiin[radi] 
(solveret serviciiim) . . T. Liebart Cba[8te] . . Diepolt de Wippenbnsen et filii sni, Haicricus de Albera- 
bnsen . . 

G. c. f. 19. Znsatz nnten, Quadrat ausgescbnitten. B. ▼. £. c. 1166. 

No. 90. Advocatia jn Katscb 

Hainricns Pri» innior landavit in mannm ep'i Alberti, ipse et miles eins Dietricns» qnod advo- 
catiam de Cbatbs nuUi in beneficiam concedat, nee sobadTocatam ibi ponat sine peticione et asBensn 
episcopi. Et resignavit eandem advocatiam in mannm epM, si contra boc laadamentnra fecerit. H. r. t. s 
Baebwin, Ortwin, Yolmar, Waltman, Haertwic, Hainrieb, Gerwic et de suis Dietricb et Chvonrat 
Snevns et alii 

Cod. N. 189 f. 56 v. Durcb Zabn abg. Arcb. XXVIL 268. N. 14 und C. d. A. Fr. I. 109 

N. 111. 

No. 91. Censuales in Craina. 

B. Jobannes Frisingensis ^cclesi^ sacerdos iSeimiliam saam, serros et ancillas 14, in manus Her- 
wici debitoris conmisit coram Duce, qui est advocatus apud Lonke, astantibus Otacher dß Bosenic, 
Herewic et frater ejus Trebemer, Amalunc, Jobannes ejusdem familig et Ernust, eo tenore quod 
ipse [eos] super altare s. M. sq. Corb. obtulisset, ut post mortem suam unnsquisque S nummos epis- 
copo Alberto per annum persolveret et quod nullns eps potestatem babeat, alicui in beneficium eos 
prestare et a se in censum eorum dare. Hanc delegationem Herewicus complevit sub testibus: Friti- 
lone de Ismanningen, Gerwico de Hors[k]enboven, Gotefrido de Frisinga, Herewico deCreine, Heinrich 
de Percbab, Imbrico, Sigibotone et aliis quam plurimis. 

Cod. der herz. Wolfenbütteheben Bibl. 9. 7. f. 35. Abg. durcb Zabn Arcb. XXVII. 268. N. 15. 

C. d. A. Fr. I. 109 N. 112. 

No. 92. 1168 27, IV. [Emtio praediomm militiae templi.] 

In n. s. et i. tr. Patris et filii et sp^s sc'i. Amen. 

Notum sit universis tarn presenti[bu]s quam futuris, quod ego Bertrandus per Dei gratiam milicie 
templi magister totius capituli communi assensu et approbatione, sine omni contradictione , libere et 
quiete trade et tradendo confirmo Otboni comiti palatino maiori, et eins beredibus iure perpetuo 
predium Othmarshart et Liucbentbal cum familia et oinnibus pertinentiis suis, et quicquid iuris in eo 
habere domas templi militum videbatur, ea libertate et integritate, qua prefata domus eum habebat 
tenendum et possidendum in perpetuum. Et ut bec venditio, et mea et totius capituli concessio 
rata et illibata permaneat, sigilli mei appositione presentem paginam corroborari iussi ; et hoc predium 
delego in manu et in custodia fratris sui Friderici palatini comitis. Conditione tali, ut ipse fideliter 
illud servet predicto fratri suo 0. Ipso autem non superstite,. uxori et filiis suis. Huius .rei testes 
sunt Fr. W. de Guirchia. Fr. Wterius de Berito. Fr. Hugo de Corbuil. Fr. Petrus bellus occFs 
(oculus?!. Fr. Bonefacius Lonbardie preceptor, qui precepto magistri et totius capituli hanc vendi- 
tionem fecit. De seculo testes sunt hü: Dnx Welpho, de Babensperch, et Herman de Bamunge, mini- 
sterialis snus. Trageboto de Moringen. Perhtolt de Cella. Budolf Tileroan. Bogcrius de Ezemansmitte, 
ioculator. Hü sunt homines supradicti Welphonis. Heinricus Burchgravius Batisponensis. Bogerius 
de Chadolstorf. Hartnit de Herg«singen. Wernb\ de Lugebercb. Heinricus Maare. Coonrat Spisa- 
rius. Hü funt homines burchgravü M. Hademar de Ahehusen. ') Bemboto de Mosebach. Cbuno di> 
Hovedoi-f. Wilehart de Trune. Budo[l]f de Milehhoven. Herrant de Ergoltingen, et Walchon Skiche. 
Hartwicus de Altbeim. Perlitolt de Aha. Ügo de Starcholsthoven. Heinricus de Emphembach. Osericus 
de Valcbenberch. et homo suus Heitvolch, de Emmendorf. Heinricus parvus de Phefeuhusen. Sifrit de 
Warteraperch. Godefridos Eitersteun. Ekehart de Lengendorf et frater saus Ulricus. Willebolt de 
Gisebac. Wernh.' Skerio de Northoven. Meingoz de Cheminaten. Har[t]man de Schillingesvi[r]st. Pemhart 
de Grcdingen. Tageno de Othmarshart. Bogerias de Linthahe iunior. Conrat Athare. Conrat Ploch de 
Dornberch Fridericus de Eohelingen. Sagelin ioculator. Ernestus de Lirendorf. Sibant de Arbenhoven. 
Hartwic Clachel. iunior Gotefrid suevus. Wezilo de Ardinsren. Merboto de Ebes. Factum est hoc Pri- 
vilegium Anno incarnationis dominice M^. C®. LX®. VIII^. Mense Aprili. V KV. Maij. feria V». Luna 
V^. Anno Illl^o Aroalrici Jerosolimorum Begis. Latinorum vero') Amalrico patriarcha in Jherusalem. 

Or. im B. A. mit Bleisiegel an rother Seidenschnur: Zwei Beiter mit eingelegten Lanzen auf 

sprengendem Pferde — Sigillvm militvm; rückwärts ein ö säuliger Tempel — Christi de templo. 

Heg. B. I 264. Bei *) steht bruxgraun, *) Ahebusen, ') gekürzt o über v, wie oft. 

Abb. d. III. Cl. d. k. Ak. d. Wiss. XIV. Bd. H. Abth. 1 3 



98 

No 93. 1169 Aug. ~ 1170 März. Laadamentam , qaod factam est [Ottoni] Palatino comiti pro re- 

deroptione captivomm. 

Laudavit Episcopos, in beneficiam dare Palatino comiti 50 mansos de benefitiis^) suorum mini- 
sterialinm, et ut ipsi de manu Palatini comitis suscipiant. Laudavit etiam investire eum 50 mansis, 
que proxime sibi vacare inciperent. Laudavit quoque concedere sibi benefitinm excepto unins hominis 
sui, a quo Palatinus comes impetraret, quod suo beneplacito fieret. Quod si Palatinus comes episcopo 
morte prevento bis mansis non faerit investitus, laudatum est a clericis et ministerialibus, quod fideli- 
ter iuvabunt apud eins successorem, quatenus predictum laudamentum compleatur. 

Hoc laudamentum completum est ab episcopo in benefitio tarn ministerialium quam in ilHs aliis 
50 mansis, nisi quod adhuc debet ei concedere 30 hobas benefitiatas, quando proxime vacare ceperint, 
et nihil ultra , liberque est ab omni alio laudamento. * T. de clericis : £ngil9[calchus] prepositus. 
H[einricu8] s. Andreae ppts, B[ahwinu8] s. Viti, B[erhtoldus] s. Zenonis, Hartm*[üdus] parochus, Conradus 
magister, Ulricus ppts s. Arsatii, Wolfhart decanus. De laicis: Hademar de Ahehusen, Otto de 
Ascheim. De nostris : Fridrich, Gerwic, Heinrih, Eberhart, Adalolt, Fritilo et fratres sui. De suis : 
Ulrih de Holzh*[usen], Ortolf, Wicnant, multi alii. 

Cod. N. 189 f. 56 v. und f. 57 unten angefügt B. v. E. c. 1170. Gedr. ohne Zeugen bei 

Huschberg S. 318 N. 12. Zahn Arch. f. Oe. G. Q XXVII p. 234 N. 2. Bei *) steht: 

benefitinm. 

No. 94. 1175 16|III. [Ohunigunt abbatissa inferioris Monasterii Batisponae confirmat donationem ab- 

batissae Bichizae.] 

Cirismon) In n. s. et i. tr. Noverit tarn modcma §tas quam successura posteritas, omnesque 
iusticiam et veritatem Dei colentes, qualiter Bichiza inferioris monasterii abbatissa qu^dam predia 
annno censu 15 talenta minus SO denariis solvencia absque omni contradictione tradidit ac delegavit 
super altare s. Mari^ ad oblacionem dominarum ibidem l)eo famulantium. Hanc autem tradicionem et 
delegationem ChYnegynt abbatissa, qu^ prememorat^ abbatiss^ felicis memoria ac meriti successit, fir- 
missimo iure su^ confirmationis , ut videlicet illam per omnia imitaretur, sana et irretractabili corro- 
boratione munivit, et in presentia Ottonis palatini eiusdem ^cclesi^ advocati, illo annuente et coniven- 
ciam suam prebente, inrevlncibili lege ratam fecit haberi. Horum autem prediorum duo sita sunt in 
Villa, qu^ vulgariter dicitur Schiriingen, ad tria .talenta, Trobelingen, ad 3 talenta, Manigoltingen, 
ad 12 solidos, Osterheim, ad 10 solides, Linthart ad talentum, Liemdorf ad 5 solidos, Mvoren ad 6 
solides, Alhesdorf ad talentum, Schirhin ad talentum, Niuwenhusen ad talentum, molendinum Walker- 
steten ad 6 solidos. Neque vero spiritalis. secularisve persona hanc traditionem inmutare, auferre, alie- 
nare, presumat, testimonio probatorum virorum per aurem in memoriale tractorum perpetua securitate 
firmata est . Et ne predlcta donatio a fide et memoria succedencium posset excidere, hanc inde kartam 
conscribi et inpressione sigilli coromuni consensu ministerialium prenominat^ ^cclesi^ placnit signiri. 
Huins autem tradicionis et assercionis isti sunt testes: Otto palatinus. Purchart de Steine, Chadelhoh de 
Ohirjchjperch, Batolt de Beinprehtisdorf, Herman et Chv^nrat, Eridst de Druhpach, Ernist de Schir- 
iingen, et duo filii sui Chunrat et Wemhart, Sahse de Schiriingen, Marcwart et frater eins Chv'no, 
Wichman de Schiriingen , Perhtolt de Mansdorf, Willehalm de Batispona, Gotefrit de Linthart, Adel- 
hart de Prisingen, IHrich de Holzh&sen, Ulrich de Pentlingen, Gotfrit de Schiriingen, et frater eins 
Wemher de Linthart, Albreht de Schiriingen, Albreht 4^ Lierndorf et alii quam plures. Si quis 
autem huius tradicionis emulus hanc distrahere et a stipendiis predict^ ^cclesi^ alienare intenderit, tam 
^cclesig quam /pi anatbema sit, et cum Inda traditore coequatus, nisi resipiscat, etema dampnacione 
feriatur. Amen. Acta sunt hec anno d'nic^ incamacionis WC" LXX^V^ Indictione VIII''. XVil^ Kl. 
April. Imperatore Friderico regnante et id ipsum imperante. 

Or. im B. A. Unten mit Entfernung des Siegels beschnitten. 

No. 95. c. 1180. Censuales. ^ 

a. Noverint omnes /pi fideles presentes et posteri, quod Fridericus, canonicus Fris. ecclesie et 
prepositus in Wertse, tradendo delegavit quandam famulam suam Perhtam cum 5 iiberis suis et omni 
illomm posteritate ad altare s. M. sq. in commnnem usum fratrum ad censum 5 den. T. Albero 
de Sandolteshvsen, Gerwicus de Pubenh[usen], Diepolt de Wippenh[usen], Chvonrat Sappo, Hainricas de 
^uelsdorf et filius eins Ortolf, Gotfrit de Aitenbfnsen], Liebart puer Chasti, Hainricus filius Hainrici 
de Utingen, Sifrit et Hainricus et Gerwicus, fratres nterini de Hettenchirchen , Sifrit Macellarius, 
Dietmar de Bisin, Hartuicus in Bichil, Hainricus Snurhunt, Hainrich de Aibilingen, Ulricus costos, 
Perhtoldus custos, Ulricus, Volcholt et alii multi. 

b. B. Item notioni omnium fidelium subidendum duximus, quod eadem die et hora Gerwicus, 
frater predicti Friderici prepositi, tradidit et delegavit homines suos utriusque sexus, quos libera tra- 
dicione ab uxore sua Gerbirga possederat, ad a. s. M. sq. C. ad 5 den. censum sie tarnen, ut ipse tra* 
ditos et delegatos in vita sua possideret. Homines delegati: Alheit, Mathilt, lata, sorores; item 



k 



Albeit oioi ClioppoiiiB CboDradi ; item Alheit Eelleschit et aoTor eins Lircart, et frater earnm 
Cbönrat, item Herbnrch, filia Operti, et frotres illias BegiDm&r et Otto; et amDiam horam posteritu. 
T. omnea in tnditioDe pronme lapnucriptj. 

C N. 190 r. 33. B. T. E. o. ll&O; ad b. pnto de Pabenhuaen. Vgl. MB. VIII. 417. 
Ho. 96. e. 1180—90 Censaalee. 

NotQm ■. o, /. f. t. f. q. pr. qnod Cornea PerDhaidns de Blozie et «ot eiaa Cbnnigant trsdi- 
dernnt ad altare b. H. Bihcbardam cum 4 flliie et 2 Sliabns per laanum Adiloldi de Dornenbach per- 
aolvendo ceDsa 5 nammoritQ] aiiij;aUa annis. T. Goteacalcns de Hageoingen et fratei eioa Otater, 
CbvoDrat de Haidolvingea et nepos eins Fritle, Ladwich de Haidolvingen. Gerwicb de ForakenhoTen et 
nepoa eins Adelolt ianior, Hainrich de Wolvolteadoif, Otto Choph, de WarteDperch, Maiilo, Haiaricb, 
Peiilo, de Friainireii. 

Cod. N. 190 f. 24 T. B. V. E. c. 1140. 
No. 97. 118t (December.) Confirmatio concambii inonasterii S. Lambert!. 

B. Albertna, Friaing. ep'a, coDtractam inter Periagertiin Abbaten S. Lambert et d'nmn Dieti- 
mamm de Lietbnatein Gonfirmat. Dietimarna 6 nianBOS inila Laiinich, valgo propter novitatem Qerrot 
appellatoa, cam adtinenti aiiva et omnibus colendis, qoe taogit eilTam Razman, ab ep'o in feodnm 
habitos, tradidit ^cclesi^ a. Lamberti, recipieog in concambio Medwetstorf et molendinDtn ibidem, in 
Hitterdorf 2 predia, in Lenk anuia, in H&ntätotf pTope Undrim 1, in Segor 1, in Celtwich 2, in Bateo- 
berch 2, anperina imta HT''ram apud Parcbstal 2, in Gezendorf 1, superadditia 60 maicis denarionim, 

Suod idem Ditimania ab ep'o in feodam accepit. Acta s. h. apad Frisacam in presentia Ducis Stjnrie 
takeri, annaente capitalo, faventibne minieterialibaa Friu. Teslibns: Dietrico ep'o Qarceoai , B&dolfi> 
abbate de Admünd, Werinhero pp'to de Sekko<re. Tulfingo de Kaphenberch. Otto de ätubenberch, Sirikercs 
de Geatinicb, Otto de Eremes, Henandns de Wildonia, Lantfridua de Dirnatein, Otto de Stain, Offo 
de Tenphnbacb fraterque eioa Ulricns de CbuatelwaDch , Waltmannas de Pagtperch min. ecol. Fris. 
Chönradaa de Velw, officinlia eiusdein ecd'i?, Arbo et Walchnnae de Dimatein, Uitricna de Pochae, 
Marebwardna de Scbalvn, Ditimama de Haelar, PeringerüB de Feierdorf, Popo de Wokenperge, Albertos 
Scfa&cbprenne, OeningDa de Waissendorf, Engilscalctu longaa, EberolfoB et fiat«r eins Otto de Strete- 
wich, Rt"zo indei deFriaaco, Albertus de Turri, Waegrimus tbelonearina, Fero, Bödolfaa, Hartmndna, 
Waltiiciu, Ditimaiua et alii quam plurea. Datam Frisaci, ao' d'ni MCLXXXP. 

Gr. in 8. Lambrecbt. Abg. U. d. A, Fr. 1. 115 N. 117. Bteir. ÜB. L 680. 
No. 98. 1181 (36—31. December oder Anfiinga JanoaT 1182). Coofirmatio Dncia Stiriae Otokari. 

Otokar Dqi Styrie cum Alberto ep'o Fiiaing. Frianco conatitntUB, confirmat concambintt) inter 
monaateriom S. Lambert! et miDiaterialem anum Oitmamm de Liehtatein — iiadem teatibua. Datnm 
Friaaco anno Dni M.CLXXXU. 

Or. in &. Lambrecbt. Otto de Stain heilet hier ,de Saio", atatt Velu ateht Welxe, atatt 

Haalar, Haalam, und nach Dirnatein iat eingefügt : Richeroa de Seder et frater eioa Leopardaa. 

Abg. C. i. A. Fr. I. 116 N. 118. St. ÜB 1. 5äl. 
Ho. 99. 1184. November. Oenanalea in Oberwela. 

R. Adilbettna ep'a, cnm tempQs instaret, quo debitom moiti aolreret. Bicbkardam cum fllÜB 
Sigbotone et Hainrico, filia Chnnigonda et eioa Slia Elapeta et qoandam Emebildam eiuadem C0|;- 
nationia in domo aua Welze per manum coiuadam Lamherti de Chienberch ad altare b, M. sq. Corb. 
Friaingj pro cenan 5 denariorom delegari fecit, quod et factnm eat in die depoaitionis prefati epis- 
GOpi. T. Cbvonradna ppta a-Andree, EngelachalGua ppta Nov^ cellg, Hainricos capellanus, frater laen- 
grimne, Waltmannoa de Paatperc, Lantpertua de Chienberc, Gerolt, Tamelhart, Rfldolf de Rii-de, Wem- 
her de Frimunteapach, Eherhart de Tagolfingen et fllias eius Eberbart, Wotfhema dispensator, Hainricus 
de Wideraperc, Gerboldoa de Cameola, Pemhardua de Lonca. 

Cod. der big. Wolfenb. Bibl. 7. 9. f. 41. Abg. Arch. f. K. Ö. G. IJ. IXVil. 2öS. S. 19. C. d. 

Anstr. Fria. I 119 N. 120. 

IX. Sab EpiBcopo Otton« II 1186— 12S0. 

No. 100. 1187 lli I II — 4 I IT. Traditio Qebebardi Coinitis de Snlibach. 

In D. a. et i. tr. Omoiam acf Dei eccleaig cognoecat indnetna, i^oaliter ego Gehehardtia Gomes 
de Snlzehacb ad peticionem Ten. d'oi et consangninei roei Ottonia FriaiDgenais op'i aeGmidi. nee non 
ob reniedinm antme roe^, omniumqne pareotoni meomm tradidi a. Marie Frisingen. Uerhtam , filiam 
Mabthildia de Utinge, quam doiit Cngiunar de Hraiehen , delegana eandem Bertbani in maLaa Bem- 
hardi nohilia Tiri de Moln ea rationci qnod ipaa et poateritaa eiaa Terterentar in re |!) mioistoriatiuni 
eioadem eecleaig. H. r. t. a. Frideriena palatinoa, Otto Lan[t]graTina de Steveningen, Perbtoldna et 
Ubicaa GOmitea de Perge , Chvnrwina Felii pner, Ortwinna canonici Friaingenaes , Kndolfaa et ür*' 



1 




100 

* 

fridus capellani ciiri§. De miDiaterialibus Frisingensis ecclesi^: Hainrica» Felix puer, Waltmannas de 
Pastperch et frater snas Fridericas, Hartwicas de Richoltsdorf et filiu« cias Otto. Gerwicas de Paben- 
hasen, Eberhardus de Svabingen, Lambertas de Chiemberch, Sigehardas de Obienbereb, Wicbnant et 
alii qaam plares. Acta sant Tiec Ratispone in veteri capella in soUempDi curia d'ni Friderici Impera- 
toris. Anno d'nic^ incarnationis M.CLXXXVlJo. 

Cod. N. 190. f. lö. Erwähnt M. I. 377. Moritz Abb. d. A. 1833 I. 2. S. 196. 

No. 101. c. 1187 — 1189. EpUOttonisII donatio cartis in Haasen in parrochia Eircbheim trans Isaram. 

In n. 8. et i. tr. Otto D. gr. Fr. ep*8. Ne a saccedentibaa arte aliqaa destrai possint aat re- 
tractari, qae a precedentibas rationabiliter et provide astraantor, qaatinas a memoria hominam re- 
cedat, scriptis decretalibas ab eoram datoribas digne mandantar. Proinde sciat omiiis aetas, presens 
et fatara, qaod precipae divine remunerationis respectu, tum etiam precibas Perbtoldi maioris eccVie 
decani, Chonradi quoqae s. Viti prepositi competenter indacti» curtem anam in villa, que dicitar Hasen, 
sitom» qaae fevdali iasticia Hermannas de Rate possidens Chonrado de Niawertingen in beneficio con- 
cesserat, ab atroqae ipsoram nobis resignatam, ad novam fratram oblationera cam asualibas eias appen- 
ditiis, scilicet agris et'pascais, kanonice tradiroas, tali ordine ac lege, at quoadasqae ipsi, prefatas 
ridelicet prepositas et decanus, yivant. prenominate cartis asom sine contradictione singalis annis ac- 
cipiant; obeante vero altero eorum alter, qui saperstes fuerit, in anniversario prioris defancti panem 
et potam fratribas ministrare non abnaat; mortais aatem ambobas in utriusqne anniversario fratribas 
similiter, at diximas, panis et potus disponatar. Ut bec ergo predictis, decano scilicet et preposito, 
illibata et inconvnlsa in aevaro permaneant, paginam istara conscribi ac sigilli nostri inpressione fe- 
cimas signari cam testibus sabscriptis, qaoram nomina sant bec : Ortwinas ppts Sliersensis, Fridericas 
ppts Wertsensis, Chonradas maioris eccPe costos, Otto de Yrinsparch, Pabo de Vrichendorf, Latwin 
kanonicas, Ortolf de Utingingen (sie), Taegeno de Perge, Ovlricos de Ahdorf, Eberhardas de Stainpach, 
Volmar de Pelheim, Rappoto de Steine, Heinricas de Fangen, Fridericas de Holensteine, Chonradus de 
Hittenrart, Meinbardus de Hage, Otto de Waldekke, Alban de Elbpach, Chonradas et frater ejas de 
Niawertingen , Heinricas, Heinricas Fertinch, et frater ejus Ladwicas Swevas, Eberhardas de Cham- 
bezdorf, Dietmar Tjlaöre (Cjladre?), Wernhere de Zolre, Otto de Herberchirchen et alii qaam plures. 

Or. im R. A. Siegekchnitte. Da Chonrad von Neabarting den Kreazzag mitmacht, vor Somer 

1189. MB. VIII. 446. 

No. 102. 1190 16|VIII. Altomiinster. Goncambium ep'i Ottonis et fratram ecclesie S. Andreae in 

Frisinga. 

R. Otto D. g. Fr. eccPie ep*s secnndus, peticione fratram ecclesi^ s. Andrej indactas, aream in 
monte Frisingensi, marstallam saam. pariter cam area iazta porteni lapideam, qaam Henricas Mos- 
bargensis possidet, aniversitati eoram sab forma concambii tradidit, tali conditione, ut fratres^ qai ob 
defectam arearam vagari viderentar, mansiones in eisdera areis coUocarent. Fratres qaoqae plas epis- 
copatai contulerant, cariam videlicet in Teitenhaasen (sie!) et preterea 22 libr. frisingensis monetae. 
Actuiii anno 1190 consilio et assensa majoris capitali et ministerialiam ; anno vero episcopatas sai 
sexto. Regnaote ser. Rom.; rege Heinrlco ac iure advocatoram memoratam s. Andr^ ecciesiam defen- 
dente Testes: Chunradus s. Viti Frisinge et s. Margarethe in Ardakeren prepositas, Heinricas maj. 
eccrie plebanas, Heinricus scolasticas, Sigeloh canonicas, Radolfos deBaccharn, Fridericas de Baingen. 
De Nobilibas: Folmarus de Wickershoven , Henricas de Brakhe, Henricus de Baingen, Liutoldu^ de 
Hagenowe. De ministerialibus : Henricas Felix puer, Ulricus Vertinch, Hebanas [? Albanas] Dapifer, 
Einwicus de Yormarsfeld [Ulmarsfeld ?] , Otto de Herberkircben , Chanradus de Eihe, Henricas de 
Dame'}, Adilolt de Dorinbach, Engilwan de Ahedorf et frater ejas Henricas, Henricas de Inningen, 
Henricas de Berbartesdorf , Hartwicas de Basingin et alii qaam plares. Oatam per manam Gotefridi 
Dotarii apostolici. Altenmünster XVil K. Sept. 

Abschrift im R. A. nach in papyro (?) conscripto Originale von Dr. Thomas Passaaer Consil. et. 

not. apost. am 20. Juni 1719 beglaubigt. ^) Tumbo MB. VI. 499. 

No. 103. 1190 17|VIII. Augsburg. Ottonis II fundatio anniversarii in ecclosia coli. s. Andreae. 

C[ri8moD] In n. s. et i. tr. Otto D. gr. Fr. eccFie ep's secundus. Quanquam universis nostre 
sollicitudine comroissis curam debeamus inpendere vigilantero^ propensius tamen ecclesiarum commodis 
tenemur intendere, quaram antecessores nostri divinitus indueti fundatores exstiterunt. Unde noverit 
tarn presentium, quam postfuturorum sollertia, qaaliter nos de utilitate fratram ecclesi^ s. Andrej, 
qaam antecessor noster, presul EUenhardus, in monte Frisingensi construxit, pateme cogitantes ob amo- 
rem divinum atque ob intuitum iani dicti apostoli, quem specialem nobis patronem eligimus , ecciesiam 
in Rote, que nostris tunc vacabat dominicalibus , cam omni iuris plenitudine, cura videlicet animamm 
ac decimis. in subsidium eis atque supplementum tercii panis contulimus, decano fratram predictorom 
suisque successoribus decanis curam animarum, dispositionem vero decimanun officiato, qui de terclo 
pane simul cum oblationibus constitutis et coustituendis fratribas expedire debeat^ assignando, statuentes 



101 

et |)re8enti (!) pagina firmantes, inpressionis nostr^ sigillo coromunita, ne quis nobis succedentium vel pre- 
positomm roemorate s. Andrej, ^ccleRi^ presidentium potestatem habeat, hoc factum nostr^ dcvotionis in- 
fringere, svre saggestione cujusquam retractare. Predicti quoqne fratres pia deliberatione pro nobis ntentes 
consilio commanicato statuerunt, quatinus deinceps in die anniversarii nostri missarum atque vigilianmi 
officio nostri fideliter memoriam agant, et, nt fieri seiet in diebns festivis. in refectorio pariter ea die 
reficiantur. Actum in basilica s. Johannis Frisinge anno d'nicg iocam. M". C*». LXXXX*» presentibus 
choro majoriä ecclesi^ simulque ministerialibus. Begnante sercnissirao Bomanorum rege Hainrico sem- 
per Augusto. Testes : Üertoldas maioris gccrig decanus , Albeno Moseburgensis ^ccl'i^ ppts, Chunradus 
scolasticus, Ortwinua s. Xyxti ppts, Fridericus ss. Primi et Feliciani ppts, Chunradus s. Viti, et s. 
Margaret^ ppts, Chunradus custos et canonicus, Hainricus parrochianas et canonicus, Hainricus scolasti- 
cus et notarius, Herrandus canonicus, Pabo can. Otto de Iringesburc can. Adalbertus can. Tageno can. 
De capellanis: Budolfos de Baccharn, Fridericus de Baingen. De Nobilibus: Bemhardus de Mosen, 
Hainricus de Brukke, Hainricus de Baingen, Liutoldus de Hagenowe. De ministerialibus: Haiurictis 
Felix (puer), Budolfus de Waldekke et frater suus Otto, Waltmannus de Pastperc et filius suus Fri- 
dericus, Fridericus de Holensteine, Eberhardus de Werde, Eberbardus de Veltroochingen , Hainricus de 
Zulsdorf , Adiloldus de Dornibach , Otto de Pasingen et frater suus Hainricus ^ Hartwicus de Pasingen, 
Ludwicus de Bubelsdorf, Otto de Herberchirchen, ITlricus Vertinch, Albanus de Elhbach, Gerwicus de 
Pubenb[usen], Diepoldus de Wippenhusen et filius eins Fridericus, Engilmar de Otenburc et filius eins 
Liupoldus, Eberhardus de Tagolfingen et filius eius Eberhardus. Monogramma. Signum Domni Ottonis 
Frisingensis ep'i secundi. Dat. per manum Gotefridi notarii apud Augustam. XVI K. Sept. 
Or. im B. A. Sie-;el. Alte Aufschrift aussen : super eccriani et decimam in Obern Bot. 

Ko. 104. 1196. Otto ep's Capitulo Mosburgensi ecclesiam in Grv*'le donat. 

In n. 8. et i tr. Otto D. gr. Fr. ep's. Ne a succedentibus art§ (!) qualibet destrui vel retrac- 
. tari possint, qu^ aliquando rationabiliter et provide sunt ordinata, et ut a memoria tam presentium 
quam futurorum non recedant, apicibus literarum merito mandantur. Proinde sciat omnis §tas, quod 
nos instigante Dei et sanctorum amore et mediante Frisingensis capituli persuasione dilectorum filio- 
rum nostrorum C. prepositi et W. decani et universi Mosburgensis capituli ad novam eorum preben- 
dara^ quam tercium panem vocant, ecclesiam in 6rv*'le sitam cum omni iure contulimus, et episcopali 
auctoritate nostra stabilimus, ita tamen, ut B. qui eam personaliter possidet, non amplius quam 1 
modiom siliginis et 1 avene in vita sua persolvat annualiter, post mortem vero suam totaliter in usum 
tercii panis cedat, et perpetuo serviat, dispensatore ipsius panis eam administrante. Ad eundem quo- 
lue tercium panem uni versa beneficia Magistri W., tam capellas quam decimas, tam mansos quam 
swaigas, secundum eorum petitionem destinamus et auctoritate nostra roboramus. Et prepositus eorum 
ad nostram persuasionem universo iure, quod in illis beneficiis habuit, scilicet in xeniis et striuris (?), 
vel destitutionibns vel institutionibus renunciavit, ut hec integraliter ad dispensatorem illius ammini- 
strationia pertineant. Et ut omnis ambiguitas distribuendi illum tercium panem amputetur, statuimus^ 
ut inter canonicos per p^^onas tantum. non per officia, distribuatur, ita scilicet, ut singuli, tam pre- 
positus vel decanus quam reliqui, singulis contenti sint portionibus. Sic enim et matricis ecclesi^ ca- 
nonici suam consolationem , quam novam oblationem vocant, distribuunt. Et ut hec inconvulsa per- 
maneant, presontera paginam conscribi et sigilli nostri impressione iussimus insi^niri. Testes sunt: 
0. Frising. decanus, F. Wersensis ppts, C. custos Frisingensis, C. ppts Mosburg\ Pabo, 0. archidiaco- 
nus, H. parrochianus, Livtwinus, Albertus, H. notarius, W. decanus MosburgV et Universum capitulum. 
Signum Ottonis secundi Fris. ep'i. Monogramma. Data per manum Hainrici notarii. Actum d*nic§ 
ine. anno M.C.XCVI. Indict. XIllI. Anno D*ni Ottonis secundi hr. ep'i XU. Begnante serenissimo im- 
peratore H. Anno iroperii ejus VI. In /po feliciter Amen. 

Or. im B. A. Spagatschnur, das Siegel ab. Aus der ersten Jahres-Hälfte nach den Begierungs- 
jahren vom Tode K. Friedrichs an. B. B. I. 368. 

No. 105. 1197 Mai, Juni. Annotatio eorum, quae facta sunt inter d. OttonemFris. ep'um etHadmarum 

ac Ottonem de Bamsperch pro predio in Tegrinwach 

Otto D. gr. Fr. eccrie ep^s. Ne presentis vite negotia casu temporum labente facilius a memoria 
succedentium evanescant, litterarum indiciis solent etemari. Noverint erga tam prcsentes quam post- 
futuri fideles /pi , quod veniens ad presentiam nostram nobilis vir Otto de Barosperc unacum Hadmaro 
filio sororis sue, cum ambo videlicet iter ierosolimitanum aggredi proposuissent, feodum, quod a nobis 
habuit, tali condicione resignavit, ut reinvesticndus foret, et prefatus Hadmarus eandem investituram 
cum ipso potiretur; quod et factum est hoc tenore: Hadmarus sacraroento prestito predium suum in 
Villa Tegrinwahc, in pago, quod dicitur Isingov, iure hereditario suo dominio subiacere protestatus est, 
adiecitque, quod manu potestativa et sine omnium contradictione pro suo arbitrio de eodem predio, 
quam absolute ordinäre potuisset. Predicte igitur rei gratia cum hominibus attinentibus coniventiam 
prebente avunculo suo et abdicationem faciente predium supradictum totaliter in manus Yolmari de 



1 



102 

Wikersb[oveii] Frisingensi ecclesie, nt fides ezi[g}it, conservandnm ingiter delegayit, ita sdUcet, ot, ai 
ipse Tita comite defnncto forte Ottone ayüncalo sqo sine berede, iter reiegisset, et predinm prefatom 
a manu noetra vel snccessoram nostromm in feodom snsciperet. et feodo amncaU ani, qnod ille a nobia 
possedit, simiHter saccedat. Sin antem Otto avnncnlns suns eo defnncto reverteretnr, ita convenimiia, 
nt ipse feodo suo sicnt antea fnngeretnr, et predinm Hadmari sibi in feodnra a mann nostra Tel enecea- 
sornm nostrornm perri^eretnr. 8i Tero ambo in ipsa Tia peregrinationis decederent, et predinm preta- 
xatnm et feodum Ottonis inriadictioni Frisin^sDsis ecclesie asscriberentnr. Sin antem ntriqne rererti 
concederetnr, nsque adeo processnm fuit, nt Otto suo feodo presideret, et Hadmams delegationem sni 
predii reppeteret, nisi forte arobornm nntn landamentnm cassari neqnaqnam sineretnr. Hec antem 
facta sunt coram venerabili PataTiensi ep*o Wolfkero. Hnins vero rei testes snnt : Comes Otto de Vel- 
bnrch, Otto de Ramspercb, Volmarns de Wiker8h[oven], Gotscalcns de Haninchovin, Isinricns de 
A'Aß'dorf [Arnesdorf], Ülricus de VronboTen, Sifridns de Glaze, Rndigems Jndns, Ueinricns de Ancin- 
berge, Pilgrimus de Glnze, Otto de Ancinberge, Hilprandna de D'undfnrte '), Rudegerus de Hanperge, 
Ambalmns de Biberbah, Gotscalcns de Arbingen, Hemricns de Sahain. Jebnrdns de Klamme, Heinricns 
de Hage, Alberns de Ibisvelde, Uogo de Iratsfelde, Sighardus de UdmarTelt, Otto de D'nndfarte, Theo- 
dricns de Rimsperch, Baldradns, Heinricns de Mitterchirchen, Fridericns de Basperch, Otto de M&sbah, 
Gerwicna de Bnbinh[n8en], Heinricns de Basingen, Heinricns de Ahdorf, fieinriess de Wippenb[nflen], 
Albanns de Elbpach, Chnnradns de HoTin, Heinricns de Jorce, Heinricns de Bl^tilpah, Heinricns de 
Bakarn, Meingozos de Rnbilsdorf, Fridericns [de] Svabingen. 

Or. im R. A. Siegelschnitte, Siegel fehlt. Nach dem der üblichen Worte ermangelnden, nicht 
in grösserer Schrift ausgeführtem Eingange wohl nur das damab häufige Duplicat. *) Wohl 
Drnnnenfurte zu lesen, s. Torher S. 69. Vgl. MB. XXVIII. b. p. 129. Wilken, Kreuz- 
züge V. 20. 

No« 106. c. 1200. Heinrici Fertinch canonici Frisingensis indemnitaa. 

C. In n. s. et i. tr. Otto D. gr. Fr. eccVie ep's. Necessarium repntamus ac dignnm. nt qu^cun- 
que de ratione fiunt, sive a nobis, sIto a Frisingensi capitulo Ticem nostri gerente * litteris testimoniali- 
bus adnotentnr, ne per diversitatem temporum Tel obliTione succedentium inmutari, Tel aliqnomodo Taleant 
retractari. Pateat ergo uniTersis ecclesie nostre fidelibus, qnod, cum Heinricns Fertinch, qnondam ec- 
clesie Fris. canonicus, fratrum suomm consortium pariterque prebendam quibusdam demeruit ezcessi- 
bns, ob consequendam apud eos gratiam Romannm pontificem Urbannm adiTit, cuins etiam et nostro 
simnl obtinuit interventu, quod consolationem ei stipendiorum fratres assignabant, qn^ canonicis ad 
Studium proficiscentibus seiet ministrari, preter denarios, quos excipiebant, tali utique conTentione, 
quod iaro dicte consolationis usnmfructum idiquis de Choro fratrum reciperet, qui prefato Heinrico trea 
inde libras annuatim persoWeret. Quod et ita factum est. Procedente Tero tempore, cum de rebus 
suis idem H. aliter ordinatnrus esset, quorundam amicorum inductus consilio predictis consolationnm 
stipendiis in presentia totius Capituli renunciaTit, suis obtinens hoc precibus, quod nsu[s]frnctus eo- 
rundem domni Chunrado preposito ac dicto Felici puero bona Toluntate fratrum est assignatus. In 
cujus bencTolentie reconpensationem ipse ab eodem preposito 22 libras recepit, ea conditione, nt, si 
prepositus in fata decesserit, ad sepedictum Heinricum memorata non redeant stipendia. Quod, si 
prior ipse H. iura morti soWerit, nichilominus ea preposito , qnoad Tixerit , permaneant. Et ut hoc 
ita ratum et inconTulsnm obsenretnr, hanc inde paginam conscribi fecimus, inpressionis nostr^ sigillo 
communitam, cum testibus subnotatis, quorum hec nomina sunt: Chunradus maior prepositus, Ortwinua 
decanus, Chunradus s. Andrej ppts, Fridericus Wertsedinus ppts, Heinricns matricis ^cclesi^ plebanus, 
Otto de Iringesburch, Gotefridus s. Andrej canonicus, Einwicus de Feringen plebanus. De ministeria- 
libus ecclesi^: Gerwicus de Pubenhusen, Chunradus de Hittenfurt, Otto de Richolfesdorf, Albanus de 
Elhbach. 

Or. im R. A. mit Siegel. Bei * steht gerentis. 

No. 107. 1212 21 I VI. Ottonis comitis de Valei traditio ministerialinm. 

t In n. s. et i. tr. Otto D. gr. Fris. ep's secundna feliciter Amen. Ad noticiam futnromm per- 
Teniat, quod Otto comes de Valai saluti su^ consnlens in bis, que aliquando contra Deum negligenter 
fecit, genitrici su^ se reconciliaTit. Tradidit enim de ministerialibus suis s. Marie Frisingen hos, quoa 
subscripsimus, per manum delegatoris, Ottonis scilicet comitis de Mosen, ita, si sine heredibus deces- 
serit. Nos Tero cum collegio chori nostri omnisque famili^ nostr^ laudaTimus ei, ut, si contingat, 
enm morte preTeniri, antequam diTerse absolutus fuerit excommunicationis, cui est innodatus, ad obtinen- 
dam sibi ecclesiasticam sepnltnram nos onmem laborem et sollicitudinem inpendamus. Sunt antem 
isti: Hainricns de Hohenchircheu cum uxore et pueris, Perchtoldus de Hohenchirchen cum uxore et 
pueris, Chönradus de Tulchingen, R&dolfns de Solwen cum uxore et pueris, üolricns frater suus cum 
uxore et pueris, Arbo frater ipsorum cum uxore et pueris, Ulricus de Rfte, Rudolfus de Tanne, Albero 
Bobelin, Diepoldus de Perchangen, Vidua Ch. de Lotspach, Hailwig, cum pueris suis, Hainricus Gelle 
cum uxore et pueris suis, Ingrammus iunlor, Hiltrudis de Hohenrein cum pueris suis, Hainricas filius 



103 

Alberti Lvae, Wernher prepositns. Ut antem ista inconvulsa pennaneant, nee rectractari possint, placnit 
nostro parlier et iam dicti comitis sigillo muniri testibus, qni in presentiaruni faemnt, snbnotatis: 
Otto comes de Mosen, Hainricus de Va^en, Hainricas de Wippenbasen. Sigebardas de Cbienborch, Gvnther 
de Giesenpacb, Albero de Sandolte8b[a8en], Albertus de Starcbolte8b[oTen], Hainricas de Bicholtes- 
dorf, Engilmar de Otenbarch, Hainricas Uanes. Cbunrados camerarins, Eberbardas et Fridericas de 
Swabingen, Fridericas de Wippenb[a8en], Hainricas et Uolricus de Wacberingen, Hainricas Vertingas, 
Budolfus frater saas, Ludevicus filias ipsias, Bv^'landas nüles^ Hainricus de Pr^telbacb, Fridericas de 
Jehensdorf, Gerolt de Ismanningen, Uolricas Tvmbe, Wicbnant de Zv^lsdorf, Chv^nrat et Uolricb de 
Percbaim, Gerwicus de Lonke, Liebart Käst, Hainrieb et Chvnrat de Niwertingen. Acta sunt bec Anno 
D*ni M^'CC^XIP. XI KP. Julii in Cboro Frisingensi coram Alteri (sie) s. Marie. 

Or. im R. A. Nar das zweite Siegel erbalten, in Eiform ein gen recbts stebender Hirscb. Von 

der Umscbrift lesbar . . . . DE VALEI. Hascbberg S. 416 Not. 31. 



Verbesserungen. 

Seite Zeile 

5 ' 2 in ^ot. 1 lies : Abscbn. IV No. 48. 

6 1 , • 3 , „ IV No. 49. 
8 vorletzte , » »IV No. 105. 

8 letzte „ „ , IV No. 101. 

9 6 von unten « Gollectaneen 

9 5 . , , B. II. 3. (1840). 

14 letzte M nun Not. 3 zu S. 46. 

24 21 « zwiscben Geiselgasteig und Bullacb. 

24 24 , Cbonratebus 

25 2 von unten « Abscbn. IV No. 57 

28 8 „ „ » dass einstmals 

29 19 « (Spranner-Menke*s Westergau) 
35 11 „ „ „ welcbe später 

35 8 , „ • in dem btifte 

38 — zu Absatz 4 : Aucb der gründlicbe Forseber Domprobst t. Steicbele spriebt sieb bei der 

Pfarrei Burgbeim — das Bistbum Augsburg II 585 — f&r die Einreibung des Grafen 
Bercbtold in das Haus Sebeyern aus ; Burgeck aber bält er mit Platzer — Neuburger Gol- 
lectaneen Blätter 1841 1 flg. — für abgegangen auf dem Fuebsberge näcbst Berg im 
Gaü L. Neuburg. 

lies: Abscbn. IV No, 48. 

, 1120, die j 

, Eonrads III Halbbruder, 1 

« Dompfarrer Hartmud 
„ Vertrag 

, L. Bottenburg (statt Mainburg) 
, Pullbausen 
„ XVI Jabrbunderte 
„ von den Grafen 
eandem 



38 


in Not. 


40 


10 


40 


14 


44 


11 et 12 


70 


2 


73 


11 


73 


22 


74 


7 


75 


15 


80 


21 



104 



Inhalts- Aüzeige. 



Seite 



Einleitung 

Zweck der Arbeit. Ergänzung der 
Regesten des Scbeyem-Witlilsbach'schen 
Fürstenbaases. Hofamter des Bistbnms 
Freising. Auswärtiger Besitz desselben, 
an der Leitha. Veränderte Richtung der 
Stiftungen. Adels-Geschicbte. Die Grafen 
TonGrögling. Graf Otto von Moosen. Hof- 
ratb*s von Freu, vielmehr Fürstbischofs 
Johann Franz von Egker Bayrische Adels- 
genealogien. Cartularien. Liber Censu- 
aUuni. Fälschungen. Namen im XI und 
XII Jahrhunderte. Necroiogien in Frei- 
sing, in Ebersberg. 

Abschnitt I. Die Schirmvogtei des 
Bisthums Freising 

§ 1. Die Schirmvogtei über Freising bis 
zur Mitte des XI Jahrhunderts • . . 
Zustände unter den Agilolfingem. £nt- 
wickelung unter den Karolingern. Weder 
benoglicne noch königliche Bestellun?, 
bischofliche freie Wahl, übergehend in 
Erblichkeit. Aufzählung der Anwälte und 
Schirmvögte. 

§ 2. Die Grafen von Scheyem, Schirmvögte 
des Bisthums Freising gegen Mitte des 

XI Jahrhunderts 

Des Hauses Scheyem - Witteisbach 
Stammfolge. Huschbergs Aufstellung. Der 
Uebergang der Schirmvogtei noch un ermit- 
telt. Graf Udalschalk. Graf Otto. 

§ 3. Graf Otto von Scheyem, als Schirm- 
vogt I, Gemal der Haziga 1045— 1 080 . 
Eintreten in die Schirmvogtei. Gau- 
graf Otto vom Eelsgau um 1014, wahr- 
scheinlich Vater des ersten Schirmvogts 
Otto. Ob der mit Bischof Gottschalk ver- 



15 
15 



Seite 



25 



27 



handelnde Graf, später Marchio Otto, 
dem Scheyer'schen oder Andechser Hanse 
angehörte? Dessen Heaifz wird festge* 
stellt, Zweifel der Herkunft nicht gelöst. 
Gräfin Haziga, Otto^s II Gemalin. Deren 
Abkunft von Scheyem, oder ans dem Hause 
Fagana. Ottos II Tod erst nach 1076. 
4. Ekkehart I Graf von Scheyem, Schirm- 
vogt, in Stellvertretung seit 1074, bis 

nm 1091 

Sein Auftreten, seine Gemahlin Rich- 
gard, Tochter der Prinzessin Sopliia von 
IFngam, aus erster Ehe mit Markgraf 
Udalrich von Kärnten, in einem Frauen- 
stift zu Regensburg erzogen. Sein Ab- 
leben um 1091. Kreuzzogs-Sage. 

§ 6. Bernhard I Graf von Scheyem, Schirm- 
vogt um 1091—1104 

Sein Auftreten für Tegemsee und 
Weihenstephan. Ableben erst 1104. 

§ 6 Otto III Graf von Scheyem, Schirm- 

vopt von 1104 bis um 1122 . . . . 

Eintreten für Tegemsee. Pilgerreise, 

Tod. Graf Berchtold, Mitbesitzer von 

Glaneck (Petersberg bei Eiseiihofen). 

§ 7. Udalrich I Graf von Scheyem, Schirm- 
vogt 1128 1130 

Sein Auftreten. Schenkungen. Wird 
vielleicht Kleriker, doch kaum Domherr. 

§ 8. Otto IV von Scheyem, als Ptalzgraf 
von Witteisbach I, als Schirmvogt III 

1130—1156 

Geburtsjahr. Gattin Heilica. Erlan- 

fnngder Pfalzgrafeu-Würde. Uebernahme 
er Schirmvogtei Deren Beschränkung. 
Umgestaltung und Fälschung von Urkun- 
den. Hofmarksrecht, Jagdgerichtsbar- 
keit. Sein Ableben. 



35 



86 



37 



38 



39 



105 



§ 9. Otto V, als Pfalzgraf von Wittels- 
bach II, 1156, seit 1180 Herzog Ton 

Bayern t 1183 

Geburtsjahr. Scbirrovogt. Erwerbnng 
von Gütern des Templer-Ordens. Gemalin. 
Urkunde von 1178 acht Vermälang wohl 
in Wartenberg gefeiert. Friedenscblnss 
mit Freising. Probst Albuno von Moos- 
bnrg, erwälter Bischof von Passau. £r^ 
Werbung des Herzogtbums. Ableben. 

§ 10. Herzog Ludwig I von Bayern, Schirm- 
TOgt 1163—1231. Stellvertreter. (Zweige 
von Vallei und Dachau.) 

Abschnitt II. Die Bischöfe von Frei- 
sing in dem Zeiträume. 

§ 1. Bischof Wolfram 926—937 . . . 
Unbekannter Herkunft. Todesjahr. (Auf- 
findung der Weibenstephaner Annalen.) 

§ 2. Bischof Lantbert 937^957 . . . 
König Ottos I Ungültigerklärung un- 
billiger Tausche von Kirchengütem. 
Ungarnkämpfe Si50 und 951. Lantberts 
Herkunft unermittelt. 

§ 3. Bischof Abraham 957—994 . . . 
Im Käthe der Herzogin Mutter Judith. 
Erzieher König Heinrichs II. Reiche 
Schenkungen an ihn. Seine Büchersamm- 
lung. Aus bayrischen) Hause, wohl des 
im Sundergau vorkommenden Grafen 
Abraham. Todesjahr und Todestag 

§ 4. Bischof Gottschalk 994 1005 . . 

Wahrscheinliche Herkunft ans dem 

Moosburg^scheii Hause, zu dem sein Schirm- 

vogt Helmpert gehört. Vergabungen (Die 

Gurtis Navua). Zug nach Prag. Tod. 

§ 5. Bischof £gilbert 1005—1039 . . . 
Sein Bruder Heinrich, König Hein- 
richs II Truchsess ; er selbst Erzieher 
Heinrichs III seit 1029. Kloster Weihen- 
stephan, Fortsetzung des Benediktiner- 
Klosters am Dome. Leibgeding der Kai- 
serin Wittwe Kunigunde. Dqb Bischofs 
Vermächtnisse. Herkunft aus dem Hause 
Moosburg, oder einem Zweige von Ebers- 
berg. 

§ 6. Bischof Nitker 1039 - 1063 . . . 
Aus einem reichen Haudelshause in 
Regensburg. Rasche Beförderung zum er- 
öffneten Bischofsstule. Sein Neffe der 
hl. Udalrich, Prior von Zell im Schwarz- 
walde. Verwendung in Beichsgeschäften. 
Sendung nach Ravenna und schnelles Ab- 
leben am 6. Februar 1053. Errichtung 
des CoUegiatstifts zu St. Veit. 

§ 7. Bischof Ellenhard 1053 1078 . . 
Aus dem Hanse Tirol. Gründung des 
CoUegiatstifts S. Andreas. Besitzzuwachs. 
Ableben. 

§ 8. Bischof Meginward 1078—1098. . . 



Seite 



42 



45 



46 



47 



48 



50 



51 



56 



58 



59 



Seite 



§ 



§ 



§ 



62 
62 



64 



67 



68 



Abb. d. III. Cl. d. k. Ak. d. Wiss. XIV. Bd. H. Abth. 



Rasche Ernennung. Partei kämpfe. 
Heriman Bischof von Augsburg, nicht aus 
Scheyern-Wittelsbach'schem, sondern aus 
Cham-Vohburg'schen Hause. Meginwards 
Herkunft. Stiftung. Die Vorginger der 
Grafen von GrögUng in dem Besitze an 
der Glon. 

9. Bischof Heinrich I 1098— 1137 . . 
Aus dem Hause Tengling-Peilstein. 

10. Bischof Matthseus 1138 ... . 
Nach der Urkunde im Gartulare von 

Franen-Chiemsee. Bischof Wilhelmus apo- 
kryph. Zwischenzeit vor Otto's I Eintre- 
ten unaufgeklärt. 

1 1 . Bischof Otto I 1 1 38— 1 1 58, und sein 
Geheimschreiber Rahwin 

Aus Babenberg - Oesterreich'schem 
Stamme. Zeit seiner Uebemahme des Bis- 
thums. Sein Geheimschreiber Rahwin, 
zuletzt Probst bei S. Veit in Freising. 

12. Biscbof Adelbert 1158-1184 . . 
Aus dem Ministerialgeschlechte von 

Harthausen nach seinem Testamente. 
Mangel der päbstlichen Anerkennung. 
Ableben. 

13. Bischof Otto II 1185—1220 . . . 
Ans dem Hause der Grafen von Berg 

in Schwaben. Thätigkeit in Reichsge- 
schäften. Bischof Wolfram von Passau 
auf seiner Pilgerfahrt in Freising. Sorge 
für Zusammenleben der Domherren. Die 
aus dem Domkapitel besetzten Probsteien. 
Des Bischofs Hofstaat. 



Abschnitt III. Wolvold, Domprobst 
von Freising, dann Abt von Ad- 
mont und Kloster Attel. 

§ 1. Wolvold's Herkunft. Kloster Admont. 
Einwirkung auf Bayern unter seiner Leit- 
ung. 1090—1137 . 71 

Aus dem Ministerialgeschlechte von 
Lohkirchen. Erst Domprobst in Freising, 
dann Mönch in Scbeyem, und S. Georgen, 
Abt in Admont. Zahlreiche Eintritte und 
Stiftungen aus Bayern in Admont. Ulrich 
von Elsendorf. Erwerbungen Admonts 
in Bayern. 

§ 2. Kloster Attel, dessen Verbindung mit, 

und Lösung von Admont 74 

Drei betreffende Urkunden erörtert und 
gereiht. 

Abschnitt IV. Urkunden 77 

No. 1. Der Bischöfe Abraham und Nitker 
Verträge über Befreiung von Ministerial- 
gescblechtem von niedem Diensten (960 
— lOöOj 77 

No. 2. Bischof Abrahams Aufzeichnung 
über die Herrschaft Godego (970— 990 J. 77 

No. 3. Hofstätten-Tausch in Freising zwi- 

14 



106 



Seite 

sehen Penli u. den sich folgenden Haushof- 
meistern Altmann u. Liutpold( 1055—1075) 77 

No. 4. 1070. Bischof Ellenhard überlässt 
dem Bistham Brixen Hüben in Beischach 
Bez. Brnnnecken im Pasterthale gegen 
Verzicht anf Zehenten von Innichen . . 78 

No. 5, c. 1075. Heirats-Vertrag des Viz- 
thoms Adalbert von Freising mit Bertha 
von Walde, (Peterswahl L. Moosburg) • 78 
Um 1070-1090. 

No. 6. Der Edle Anno übergibt Wagreina 
(nun Wiesen bei Garching, L. München I.|I. 79 

No. 7. Der Edle Weif übergibt Henning 
Gemeinde Elsenbach L. Neumarkt. . . 79 

No. 8. Graf Arnold von Schejern übergibt 
Lampertshausen L. Pfaffenbofen ... 79 

No. 9. Domherr Mazilin übergibt Irschen- 
hausen in der Pf. Scheftlarn L. Wolfrats- 
hausen 79 

No. 10. Domherr Wezili übergibt Güter 
zu Ebertshausen (Herbertshof en L. Wer- 
tingen?) und Schweinbach, L. Brück 79 

No. 11. Domherr Pezili übergibt Pell- oder 
Pallhansen, beide L. Freising .... 79 

No. 12. 1080—1085. Der Edle Rudolf über- 
gibt Güter zu Margarethenried, Hörgerts- 
bausen u. Obemdorf G. Engbansen L. Moos- 
burg, ßogenhansen L. München r./I., Wal- 
tersberg L. Dorfen (oder Mühldon), Weyer 
L. Wasserburg, Biburg (Ober- L. München 
r./L, Unter- L. Wolfratshausen) Ottersberg 
L. Ebersberg, Passhausen L. Landshut; 
seine Gattin Adelheid Leibeigene ... 79 
Um 1080-1090. 

No. 13. Gräfin WittweHaziga von Scbeyem 
schenkt Hickem L. Schrobenhausen und 
Forstinning L. Ebersberg 80 

No. U. Der Edle Hezil und seine Gattin 
Butpirin geben ein Gut zu Eichenloh L. 
Ebersberg 81 

No. 15. Budolf gibt ein Gut zu Asenkofen 
L. Freising 81 

No. 16. Der Edle Herrant von Lern L. 
Erding übergibt der Kirche Leibeigene 81 

No. 17. Der Edle Bichfried von Bonau L. 
Moosburg gibt ein Gut daselbst ... 81 

No. 18. Die edle Frau Judith WittweUdal- 
schalks (von Böhrmoos) gibt Pecking, ab- 

fegangene Einode, Gt. Sünzhausen L. 
reising 81 

No. 19. Der Edle Tragopoto und der Prie- 
ster Isangrim von Weichs geben Güter 
zu Gundackersdorf L. Dachau .... 81 
No. 20. Die Edle Adelheid, Wittwe Pil- 
grims, gibt Güter zu Hochmuting L. 
München, Waltenhofen L. Freising, und 
Staudach L. Ebersberg, welchen das Dom- 
kapitel eines zu Zeiling L. Dorfen beifügt 82 
Um 1090—1100. 
No. 21. Badburg gibt ein Gut zu Marz- 
ling L. Freising 82 



Seite 

No. 22. Der Domherr Paldrad gibt das 
Lehen Aufham L. Erding (oder Pfaffen-' 
hofen ?) zurück 82 

No. 28. Der Diacon Chuno gibt ein Gut 
zu Ismanning L. München r./I. und 
Leibeigene 82 

No. 24. GrafErnst(vonGrögling-Ottenburg) 
gibt sein Gut Trudering L. München r/I. 82 

No. 25. Domprobst Wolvold gibt ein Gut 
zu Pillkofen L. Erding, welchem das Dom- 
capitel eine halbe Hube zu Flitzing L. 
Moosburg beifügt 82 

No. 26. Adalbert u. Eonrad geben ein Gut 
zu Landsham (Nandsham) L. Ebersberg 83 

No. 27. Der Edle Gerolt gibt ein Gut zu 
Waltershofen L. Brück 83 

No. 28. Heinrich Ton Goppertshofen L. 
Dachau, Adalhart und Badburg geben 
Zinsleute zur Kirche 83 

No. 29. Die Edle Gertrud, der Priester 
Hezil von Lern, der Vorstadtbürger Izo, 
Friedrich von Moos bürg, Paldrat von 
Flinsbach L. Bosenhcim, die Grafin Bich- 
gard (von Scheyern?) geben Zinsleute . 83 

No. 80. Der Domberr Adalolt gibt Zins- 
leute 83 

No. 31. Gütertausch znBotzen und Leien 
Bez. Klausen in Tirol mit Urso ... 84 

No. 32. Der Domherr Isingrim gibt ein 
Gut zu Hailafing L. Wolfratshausen . 84 

No. 33. a. 1096. 16 | VII. Der Domherr 
Herrich gibt ein Gut zu Schwei- 
tenkirchen gegen eines zu Schmid- 
hausen L. Pfaffenbofen; 
b. 1103. 25 I Vi. Decan Herrich 
erhält das Lehen zu Schweiten- 
kirchen für sich und seinen Nef- 
fen Herrich 84 

Um 1100. 

No. 34. Die edle Frau Judith von Böhr- 
moos L. Dachau gibt ein Gut zu Stein- 
hart L. Wasserburg 84 

No. 35. Der Domberr Willihalm gibt ein 
Gut zu Hagsdorf L. Moosburg, der Dom- 
herr Konrad gibt Aecker dazu ... 85 

No. 36. Gräfin Liutgard von Grögling gibt 
ein Gut in Aschheim L. München r/I. 
(eher als Asenham L. Neumarkt) ... 85 

No. 37. Der Edle Gotbold von Lern bringt 
seinen Sohn Isingrim in den Dom . . 85 
Um 1100-^110 

No. 38. Der Edle Adalram gibt ein Gut 
in Langenbach L. Freising 85 

No. 89. c. 11 10. Graf Otto von Scheyern 
gibt 2 Höfe zu Eichhofen L. Dachau . 86 
Um 1110—1120. 

No. 40. Bischof Heinrich, und Decan Gerold 
von S. Veit geben Zinsleute 86 

No. 41. Decan Gerold von S. Veit, Probst 
Budolf von S. Andreas und Andere geben 
Zinsleute 86 



107 



Seit« 

No. 42. Die Ministeriale Mathilde ^bt ein 
Gut za Kollbach L. Dachau .... 86 

No. 43. Isinhart von Bogenh aasen gibt ein 
Gut zu Allach L. München l 'I. . . . 86 

No. 44. Volkolt von Trigilbach (? Prittl- 
bach) gibt Güter zu Holzbarg L. Fried- 
berg und Machtenstein L. Dachau . • 86 

No. 45. Der Edle Gumpold gibt ein Gut 
zu Waltershofen L. Brück 86 

No. 46. Hunger von Hüttenfurt und Aribo 
von Gessendorf L.Landshut geben Ziusleute 86 

No. 47. 1116. 18 I VII. Graf Otto von 
Wittelsbach gibt zur Kirche Bamberg 
Zinsleute 87 

No. 48. 1119. 80 I XII. Der Ministeriale 
Adalhard vertauscht Güter zu Hörgenau 
L. Vilsbiburg mit solchen zu Marzling 

L. Freising 87 

Um 1120. 

No. 49. Bischof Heinrich vertauscht an 
Bischof Ulrich von Passau Güter zu Alten- 
oder Grafenwörth, Sebam und Suntau (?) 
Bez. Kirchberg am Wagrain gegen Zehent- 
recht« im Freising'schen Besitze an der 
Schwarzau und am Kehrbache in Nieder- 
österreich 87 

No. 60. Der Edle Rahwin von Gosselts- 
hausen L. Geisenfeld gibt ein Gut zu 
Lampferding L. Ebersbeig 88 

No. 61. Der Cleriker Rudolf von Feld- 
kirchen L. München r/I. gibt ein Gut 
zu Haidhausen, Vorstadt Münchens r/I. 88 

No. 62. Graf Bernhard II (von Scheyem) 
gibt ein Gut zu Weingarten L. Dachau 88 

No. 53. Herrmanvon(Klein)Beichertshausen 

L. Pfaffenhofen gibt daselbst ein Gut . 68 

No. 64. Theoderich von Stamham L. Er- 
ding erwirbt für Gattin Azala und Sohn 
Theoderich die Rechte der Freisinger Mi- 
nisterialien 88 

No. 56. Hertha von Enzelhausen L. Main- 
burg erwirbt die Rechte der Zinsleute der 
Kirche 88 

No. 66. Graf Berthold von Andechs über- 
gibt seinen Diener Wemhard als Zins- 
mann ...... 88 

No. 67. Mazili der Blinde von Dieng L. 
Erding übergibt seine Magd Adelheid als 
Zinsfrau 89 

No. 58. a. Balduin von Dieng übergibt Sl- 
gfila und ihre Nachkommen als 
Zinsleute 
b. Gotpold von Lern übergibt eben- 
so Albunch und ihre Kinder . 89 

Um 1120—1180. 
No. 69. Der Edle Willehalm von Zorne- 
ding L. Ebersberg erwirbt für seine Kinder 
aus einer Leibeigenen die Rechte der 
Ministerialen 89 



Seite 

No. 60. Der Ministeriale Aribo gibt Güter 
zu Hüll Pf. Oberlauterbach und Nen- 
hausen L. Mainburg 89 

No. 61. Altmanh von Haindlfing L. Frei- 
sing gibt ein Gut zu Figlsdoif L. Moos- 
burg 89 

No. 62. Graf Siegfried von Arge (.^ Arch. 
E. Pf. Attel L. Wasserburg) gibt seine 

Leibeigene Mathilde frei 89 

Um 1126-1180. 

No. 63. Die Ministeriale Adelheid tauscht 
Güter zu Loiderding L. Miesbach gegen 
solche zu Dorfen 90 

No. 64. Der Edle Cholo von Assenhausen 
L. Dachau gibt ein Gut und Leibeigene 
daselbst 90 

No. 66. Liutold und Gotebold von Leibers- 
dorf L. Mainburg geben das Gut Schlot 
G. Volkenschwand 90 

No. 66./ Der Edle Wezil und sein Sohn 
(Egilolf) vonTankham L. Erding geben, 
der Welt entsagend, Güter daselbst und 
zu Mauggen, und Leibeigene .... 90 

No. 67. Gumpold von Hagenau gibt ein 
Gut zu Sandeishausen L. Mainburg nach 
seines Bruders des Domherrn Herrand 
Tod 90 

No. 63. Domprobst Walter von Haging L. 
Ebersberg gibt ein Gut in Oberbach . 91 

No. 69. Engilbert, der Graf der Hallenser, 
übergibt Kloster Attel dem Kloster Ad- 

mont in Stejermark 91 

Um 1180. 

No. 70. Bischof Heinrich gibt ein Gut in 
der Wacbau bei Molk in Niederösterreich 91 

No. 71. Namen der Leibeigenen, welche 
Bischof Heinrich zu Castuno (?) übergibt 91 

No. 72. Der Priester Adilbrecht gibt seine 
Leibeigene Liutgard zum Dome ... 92 

No. 73. Liutold von Hagenau und sein 
Bruder, der Domherr Herrand, geben ein 
Gut zu Natz Bez. Brixen in Tirol . . 92 

No. 74. Adalbert von Gotzing L. Miesbach 
gibt die Kinder Wolfheri's zu Zinsleuten 92 

No. 76. Berthold von Hörrenzhausen L. 
Freising, gibt am 19. Juli getödtet, ein 
Gut daselbst 92 

No. 76. Tausch von Ministerialen zwischen 
den Domherren und Pfalzgraf Otto I . 92 
Um 1136. 

No. 77. Adelheid von (Langen)Preising L. 
Erdincr, übergibt sich selbst, der Dom- 
herr Konrad seinen Diener Altmann, Graf 
Otto von Schejem seine Magd Wirada 
als Zinsleute 92 

No. 78. Bischof Heinrich schenkt Ebers- 
dorf Bez. Klein Pechlarn und Grie (?) in 
Niederösterreich den Domherren ... 98 

No. 79. Bischof Heinrich schenkt 20 Hüben 
zu Mampasberg, zu Hart an der Trebnitz 

14* 



108 



nnd zn Schwarun am Grieastich *) in 
Niederosterreich zam Altare S. Leonhards 

in Freising 

Um 1186—1140. 

No. 80. Der Freie Engildich von Eollbach 
gibt seinen Sohn und ein Gut in Pifliz 
L. Dachan 

No. 81. Graf Ekkhart II von Schejem gibt 
seine Ministeriale Agnes, Tochter Eber- 
hards von Herschenhofen L. Freising, zur 

Kirche 

Um 1140. 

No. 82. Bischof Otto I von Freising gibt 
die Schwestern Pezila und Eepa frei 

No. 83. 1142—1143. Tausch- Verträge Bi- 
schof Otto'sl mit Kloster Weihen Stephan 

No. 84. 1145 September— December. Der 
Graf der Hallenser Engilbert löst Kloster 
Attel aus der Abhängigkeit von Erlöster 
Admont 

No. 85. 1 151— 1154. Bischof Otto I über- 
lässt dem Kloster S Georg an der Treisen 
einen Wasserlauf aus dem Dorfe Kagran, 
Bez. Grossenzersdorf und Hüben in Sebarn 
Bez Kirchberg gegen Güter in Ardacker 
undNossdorf und Zehenten zu Hollenburg 
Bez. Mautern in Niederösterreich . . 

No. 86. Um 11^5. Begillnda, Tochter 
Udalrichs von Grämling L. Dachau, von 
Graf Gerhard von Grögling freigegeben, 
wird auch von Herzog Konrad il von 
Dachau-Meran freigekauft 

No. 87. 1 1 68. Bischof Otto I gibt die An- 
sprüche auf Zehenten an Gütern zu S. 
Georg in der Klausen Bez. Waidhofen in 
Niederösterreich auf 

No. 88. c. 1160. Graf Berchtold von Andechs 
erhält vom Domcapitel die Belehnung mit 
den vom Bischof Otto I ihm verliehenen 

Gütern 

Um 1165. 

No. 89. Wernhart von Starkcrtshofen L. 
Pfa£Eenhofen gibt ein Gut in Himkirchen 
L. Moosburg 

No. 90. Heinrich Preis und sein Knappe 
Ulrich versprechen, die Yogtei in Katsch 
in Steyermark niemanden ohne Einwilli- 
gung des Bischofs zu verleihen . . . 

lilo. 91. Der Freisinger Priester Johan- 
nes übergibt zur Kirche in Krain Zins- 
leute 

No. 92. 1168. 27 | IV. Pfakgraf Otto der 
ältere von Witteisbach erkauft vom Temp- 
ler-Orden das Gut Otmarshart L- Dachau 
und das Luikenthal, Bez. Kitzbüchel in 
Tirol 



Seite 



93 



98 



98 

94 
94 



95 



95 



96 



96 



96 



97 



97 



97 



97 



No. 93. 1169 August— 1170 März. Frie- 
densschluss zwischen Pfalzgraf Otto dem 
altem ifnd Bischof Adelbert . . , . 

No. 94. 1175. 16|III. Aebtissin Kunigunde 
von Niedermünster bestätigt die Scban- 
kung ihrer Vorgängerin der Aebtissin Ri- 
chiza von Renten in Schierling, Traubling, 
Mangolding, Osterham, Lindhart, Leyen- 
dorf, Mauern, Allersdorf,Scham, Neuhausen 
u. Walkerstetten LL. Regensburg, Mallers- 
dorf, Rottenbarg und Abensberg . . . 

No. 95. 1180—90. Der Domherr und Probst 
von Wörthsee Friedrich und sein Bruder 
Gerwich (von Bogenhauseo) übergeben 
Zinsleute zum Dome 

No. 96. 1180-1190. Graf Bernhard von 
Blozze (?) und seine Gattin Kunigunde 
geben Zinsleute zum Dome 

No. 97. 1181 December. Bischof Adelbert 
bestätigt einen Vertrag zwischen Abt 
Pemger von S. Lambrecht inSteyermark 
und Dietmar von Liechtenstein . . . 

No. 98. 1181. 26-31 | XII. Herzog Otto- 
kar von Stejermark genehmigt denselben 
Vertrag , . . . . 

No. 99. 1184. November. Bischof Adelbert 
gibt einige Hörige zu Oberwels in Stejer- 
mark als Zinsleute des Domes frei . . 

No. 100. 1187. 15 I II -4 I IV. Gebhard 
Graf von Sulzbach erklärt Bertha, Tochter 
der Mathilda von Euting, Gattin Engilmars 
von München, zur Ministerialen v. Freising 

No. 101. 1187—1189. Bischof Otto II gibt 
einen Hof zu Hausen L. München r/I. zur 
neuen Oblai der Domherren .... 

No. 102. 1190. 16 I VIII. Bischof Otto n 
tauscht mit dem Stifte zu S. Andre Güter 
in Freising gegen einen Hof in Deuten- 
hausen L. Freising 

No. 103. 1190. 17 I VIII. Bischof Otto n 
stiftet sich einen Jahrtag bei s. Andre mit 
Kirche u. Zehen t von Oberroth L. Dachau 

No. 104. 1196. Bischof Otto II schenkt dem 
Stifte Moosburg die Kirche in Gross-Grun- 
ling L. Moosburg 

No. 105. 1197 Mai, Juni. Vertrag Bischof 
Ottos II mit Otto von Reinsberg Bez. 
Gaming in Niederosterreich und dessen 
Neffen Hadmar über ein Lehen in Tegem- 
bach im Isengau 

No. 106. Um 1200. Dem ausgestossenen 
Domherrn Heinr. Verting wird eine Leib- 
rente gewährt 

Nr. 107. 1212.21 | VL Graf Otto von Vallei 
erwirbt kirchliche Begräbniss durch Üeber- 
lassung von Ministerialen 



Seite 



98 



93 



98 



99 



99 



99 



99 



99 



lOO 



100 



100 



101 



101 



102 



102 



^) Soll hier der Ableitung des Kehrbaches gen Wiener Neustadt Ausdruck finden? Vgl. S. 6 am 
Eingange. 



Kaiser Friedrich II. Kampf 

um Cypern. 



Von 



Franz v. Löher. 



Abb. d. III. CJ. d. k. Ak. d. Wies. XIV. Bd. II. Abth. '15 



k 



Kaiser Friedrich II. Kampf um Cypern. 



Von 

Franz v. Löher. 



I. Kaiserliche Pläne im Morgenland. 

Das Auftreten des letzten grossen Hohenstaufen auf Cypem ist eines 
der anziehendsten Blätter in der Geschichte dieser Insel. Er erscheint 
dort ganz im gewinnenden Zauber seiner Persönlichkeit, in der tiefen 
Klugheit seiner Morgen- und Abendland umfassenden Politik, und es ist 
wunderbar, wie leicht ihm das schwierigste Werk gelingt, um nach fünf- 
zehnjährigem Bemühen zuletzt doch völlig zu scheitern, und zwar zum 
grossen Theil am Zusammentreflfen kleiner Zufalle. 

Cypem war damals ein wohlgeordnetes und blühendes Königreich, 
während der Schimmer der Krone, die man an das Grab Christi anhängte, 
längst sich verdunkelt hatte. Noch aber standen die christlichen Festen von 
Jaffa, Akkon, Tyrus, Sidon, Beyrut, Cäsarea, Antiochia, Tripolis und andere, 
deren Herrn und Befehlshaber über eine Menge dort ansässiger Ritter 
und Leute geboten. Nun sollten durch die kaiserliche Hoheit die in 
Syrien zerstreuten Kräfte der Christen vereinigt, in geschlossenen Reihen 
dem Halbmond gegenüber gestellt, Cypem aber die Geldquelle und zu- 
gleich Bollwerk werden und Bergestätte für des Kaisers Heer und Be- 
amten, damit man von hier aus das heUige Land erobere und behaupte. 
Das war offenbar Kaiser Friedrich's Plan: der erste Gedanke ging, wie 
es scheint, von Hermann von Salza aus, dem berühmten Hochmeister des 

deutschen Ordens. 

15» 



112 

Dieser war es, der zuerst auf den Conferenzen zu Ferentino im Jahre 
1223, an welchen der Pabst, der Kaiser und König Johann von Jerusa- 
lem theilnahmen, vorschlug: Friedrich solle des Letzteren Tochter Isa- 
bella heirathen und ihr Erbe, das Königreich Jerusalem, mit seiner Macht 
verknüpfen, während ihr Vater bloss Titel und Ehren eines Königs be- 
halte. Der Vorschlag wurde von allen Seiten lebhaft ergriffen. Die 
kaiserliche Hochzeit erfolgte im Jahre 1225 zu Brindisi, wo der Braut- 
vater in seines Schwiegersohnes Hände das königliche Scepter von Jeru- 
salem übergab, nicht ohne Nöthigung, wie später gesagt wurde. Friedrich 
nahm sofort die Huldigung der anwesenden Ritter aus Syrien und Palä- 
stina entgegen und sandte einen Botschafter mit dreihundert Rittern nach 
dem heiligen Lande, um auch dort die Huldigung für den Kaiser voll- 
ziehen zu lassen. Wollte Dieser den Kreuzzug zu gutem Ende^ führen, 
so musste er im heiligen Lande als rechtmässiger Landesherr auftreten 
können. Einen seiner eifrigsten und tüchtigsten Anhänger, den Grafen 
Thomas von Acerra, machte er zu seinem Statthalter im Königreich. 

Cypem aber dachte Friedrich, wenigstens auf längere Zeit, vermöge 
Lehnrechts an sich zu nehmen. Denn dieses Königreich war förmlich zu 
Lehen genommen von Kaiser Heinrich VI., der durch zwei Erzbischöfe 
das Scepter hatte überbringen, und später, als er selbst zur Krönung 
nach Cypem nicht kommen konnte, sie dort im Jahre 1196 durch seinen 
ersten Minister, den Bischof Conrad von Hildesheim, hatte vollziehen 
lassen. Der letzte König Hugo L aber war vor zehn Jahren auf einem 
Ereuzzug erblichen und bei seinem Tode der Sohn und Thronfolger ein 
Knäbchen von neun Monaten. Von Rechtswegen stand also dem Kaiser 
als obersten Lehnsherrn und Vormund die Verwaltung von Cypern zu. 

Die Vorgänge aber, welche auf Cypem sich abspielten und von der 
Insel aus auf das gegenüberliegende Festland einwirkten, die Ursachen 
derselben, überhaupt die eigenthümliche Verknüpfung der beiden König- 
reiche Jerusalem und Cypem sind in unsem Geschichtsbüchern ^) noch nicht 

1) J.. E. Beinhard Vollständige Geschichte des Königreichs Ojpem. Frankfurt 1766—68. y. 
Banmer Geschichte der Hohenstaafen , VI. Höfler Kaiser Friedrich IL München 1844. 
Wilken Geschichte der Kreozzüge, Leipzig 1830. VI. Schirrmacber Kaiser Friedrich II. 
Gottingen 1861. 11. Winkelmann Geschichte Kaiser Friedrich II. und seiner Reiche 1212 
bis 1285. Berlin 1863. Kestner Krenzzug Friedrich IL Göttingen 1873. Böh rieht Bei- 
träge zur Geschichte der KrenzzQge. Berlin 1874. 



113 

hinlänglich gewürdigt. Von Cypern aus fällt ein breites Licht auf die 
Geschichte des fünften Kreuzzuges, und beleuchtet zugleich Zustände, die 
auch von kultur- wie rechtshistorischer Seite wohl Beachtung verdienen. 
Leider sind die Berichte der Zeitgenossen ^) — wenige und gerade 
die kürzesten ausgenommen — von Parteileidenschaft arg gefärbt. So 
war der Venetianer Marino Sanudo bei welchem wir über das erste Auf- 
treten des Kaisers auf Cypern nähere Kunde finden, ein eifriger Agent 
des päbstlichen Hofes, der mit geheimen Aufträgen Morgen- und Abend- 
land durchreiste. Etwa fünfzig Jahre nach des Kaisers Tode begann er 
sein Buch von den „Geheimnissen der Kreuzgläubigen. *^ Darin hat er 
kaum von Friedrichs Landung auf Cypern erzählt^), so heisst es gleich: 
„Honigworte brauchte der Kaiser, offen aber lag seines Herzens und 
Werkes Schlechtigkeit." Und als Pilger in Syrien nicht auf des Kaisers 
Wort bleiben wollen, ruft Sanudo aus: „Mit Recht wird dessen Gebot 
verachtet, der seines Obern Befehl nicht gehorchen will. " Als der Obere 
aber, der dem Kaiser befehle, sollte einfach der Pabst gelten. — Neben 
Sanudo, dem kirchlichen Parteigänger, ist ein schriffcstellemder Ritter, 
Philipp von Navarra, der auf das Allerthätigste des Kaisers Pläne be- 
kämpfte, die Hauptquelle für die cyprischen Geschichten, — ein Poet, 
der sie für seine Leidens- und Siegsgenossen möglichst anziehend zu geben 
suchte. Leider hat sich die gereimte Darstellung verloren, welche er unter 
dem Titel Gestes des Chypriotes über die Heerzüge gegen die Kaiserlichen ver- 
fasste, und sind nur die Handschriften von zwei Chronisten, Amadi und Bus- 
tron, erhalten, die über drei Jahrhunderte später reichlich aus Philipps Reim- 
werken schöpften ^). Auch Diese betrachteten die langjährige Besetzung von 

1) Winkelmann ordnet 293 Note 3 die Qnellenschriften nach ihrem Werthe und benrtheilt 
4 ff. ihre Glaubwürdigkeit, kannte aber noch nicht die Chroniken, die ans Phil, von Navarra^s 
Gestes des Chypriotes geschöpft sind. Oben an stehen für den ganzen Hergang von 1228 bis 1243 
die Urkunden bei Huillard-BrehoIIes und Üe Mas Lattrie, dann das Chronicon Siculum breye, 
darauf Bichardus a San Germano und die Annales Januenses, endlich die ausführlichen Dar- 
steller, die sich nach ihrer Glaubwürdigkeit, so wenig streng sie auch zu nehmen ist, ordnen 
wie folgt : Zuerst der Fortsetzer des Wilhelm von Tyrus, dann Marino Sanudo, endlich, die 
gleich zu nennenden Amadi und Bustron nebst den Schriftstellern über das Assisenrecht. 

2) Marinus Sanutus dictus Torsellus Liber secretorum fldeiium cmcis. Hanoviae 1611. 211 
bis 215. 

3) Auf der Staatsbibliothek zu Paris Franc. Amadi Istoria del regno di Cipro, Suppl. fr. no. 
3021, und Florio Bustron Historia o yero commentarii di Cipro, Ancien Fonds no. 10493. 
Von Amadi besitzt aber die Pariser Bibliothek nur die Abschrift des Originals in der Biblio- 
thek von San Marco: Mss. ital. append. 157 cl. VI. 



114 

Cypem und Palästina durch Truppen des deutschen Kaisers nur als „ eine Gift- 
pflanze, die endlich ausgerottet worden " ^). — Die französischen Verfasser aber 
der Schriften über das Assisenrecht 2), bei denen öfter das Eine oder Andere 
aus dem geschichtlichen Hergange erwähnt wird , waren sämmtlich bei dem 
Kampfe gegen den Kaiser in erster Linie betheiligt. Bei ihnen kam zur juristi- 
schen Rechthaberei das Vermögensinteresse in Spiel. — Bei den ebenfalls 
französischen Fortsetzern aber der Chronik des Wilhelm von Tyrus ge- 
nügte schon die nationale Eifersucht, um Blick und Stil zu trüben. Wie 
hätten sie, welche Cypern und Palästina als ihrer Ritterschaft Erbgebiet 
ansahen, nur mit einiger Billigkeit ein Unternehmen beurtheilen sollen, 
das gerade darauf hinausging, beide Länder unter deutsche Leitung und 
Oberherrschaft zu stellen? Insbesondere rührt gerade alles über den 
Kampf Ibeltns mit dem Kaiser um den Besitz von Cypern ersichtlich von 
Jemand her, welcher ein Interesse daran hatte, den Hergang möglichst 
imvortheilhaft für Friedrich darzustellen^). — Diese Franzosen des 13. Jahr- 
hunderts werden in lebhafter Parteilichkeit noch überboten durch ihren 
Landsmann, der im 19. am ausführlichsten dieses Stück Geschichte er- 
zählte, de Mas Lattrie. 

Nehmen wir also die reinen Thatsachen, und prüfen wir bei jeder. 



1) De Mas Lattrie Histoire de Tilo de Chjpre sona le regne des princes de laMaison de Lnsi- 
gnan. Paris 1861, II. 328. 

2) Bengnot Assises de J^rasalem. Paris 1.1841, II. 1843, im Becneil des Historiens des croisa- 
des, Lois I. II. 

3) La partie des nos chroniques, qni Bietend de 1229 ä 1248, du retoar de Fr^d^ric II en En- 
rope jusqna la croisade de Saint Lonis en Egypte, ne presente qne des yariantes insignifiantes 
dans nos manascriuts. II 8*j troave des details fort cnrieux snr lalutte en Orient de la maison 
d'Ibelin contre les arm^es de Tempereur. Cette partie des chroniqnes doit dtre Toenyre d'nn 
^crivain francais stabil en Cypre ou a Saint-Jean-d'Acre. L'anteur, en effet, est fort an con- 
rent des choses d^ltalie; mais il sait mal ce qne se passe en France a cette ^poqae. Recneil 
des hist. des croisades. Hist. oec. Paris 1859 II. p. VIII cf. p. XIX. IV — VII. In der That trägt 
Stil nnd Anschauungsweise des Erzählers yon da an, wo Ibelin die Waffen gegen die Kaiser- 
lichen erhebt, bis zu seinem Tode einen ganz gleichen Charakter, und nichts nöthigt dazu, auch 
fQr diesen Abschnitt in der Fortsetzung des Wilh. yon Tjrus der Ansicht beizustimmen, welche 
de Mas Lattrie — in seiner Histoire de Tile de Chypre 11 19 — äussert, dass nämlich An- 
fjftngs Aufzeichnungen, welche die Grundlage für die spätere breitere Darstellung gegeben, 
yon Verschiedenen vorlagen , deren Erster Gernoul, ein Dienstmann Balian's yon Ibelin, 
gewesen. Sollte nicht Ibelin der Alte selbst dabei betheiligt gewesen sein? Dieser klerikal 
gesinnte Jurist, der ebenso feder- als redegewandt, sorgte gewiss gleich seinem Freunde Na- 
yarra dafür, dass die Folgereihe der Thatsachen ganz in ihrem Sinne notirt und gelesen wurde. 



115 

ob sie in glaubwürdiger Weise überliefert worden und zugleich mit dem 
ganzen Zusammenhang der Dinge in Einklang steht. — 

Kaiser Friedrich IL wusste längst, wie schwächlich es im Orient um 
alle politischen Dinge bestellt war. Die Ritter und Kaufleute aus dem 
Abendlande hatten sich hier ein Reich ihres Gefallens errichtet. Die 
Barone mit ihren Lehnsleuten sassen auf ihren Schlössern in voller Un- 
abhängigkeit, der König war nur ihr Anführer, der Lehnshof aber ihr Par- 
lament, in welchem sie allein die Entscheidung hatten. Ohne Beschluss 
des Lehnshofes konnte die Staatsgewalt kein Urteil vollziehen, kein Unter- 
nehmen beginnen. Neben diesen freien Herren gab es drei Ritterorden, 
festgefügte und reichbegüterte Genossenschaften, eine Art von kriegerischen 
Halbmönchen, die für sich selbst und ihre Besitzungen Unantastbarkeit 
fast wie Geistliche forderten. Vollends der Klerus erschien gewaffnet 
und gepanzert mit fürstlichen Vorrechten. In den Städten aber hatten 
— neben allerlei Volk, das je nach Religion und Nation in eigenthüm- 
liche kleine Kreise zerfiel — ihren Sitz grosse Gesellschaften von Kauf- 
leuten und Rhedern aus Genua, Venedig, Pisa, Amalfi, aus der Pro- 
vence und Katalonien, und alle diese wollten keine andere Gerichtsbarkeit 
annehmen, als die ihrer eigenen Konsuln. In keiner einzigen dieser Ort- 
schaften gab es Stadtrath und Bürgermeister, die als gemeinsame Obrig- 
keit die Verwaltung des Ganzen hätten führen können. 

Diese verschiedenartigen kleinen Mächte, die unaufhörlich mit einan- 
der haderten, zusammen zu fassen und gefügig unter eine Oberherrschaft 
zu stellen, war nun ein weit aussehendes Werk. Vorsorglich hatte Frie- 
drich schon zu Ferentino den Artikel betont: dass Eroberungen im hei- 
ligen Lande nicht mehr wie bisher vertheilt werden, sondern dem König 
allein gehören sollten. Vielibesser stand es um Cypern. Hier war die 
obrigkeitliche Macht geordneter und die Gewalt des Königs umfassender. 
Auch erschien hier das Ansehen der Ritterorden viel schwächer, und wie 
mit den Templern und Johannitern, so verhielt es sich auf der Insel 
trotz ihrer Anzahl mit der Geistlichkeit. Hier Hess also dasselbe Unter- 
nehmen, welches im sizilischen Königreich die grossen Herren wider den 
Kaiser in Harnisch brachte, auf Erfolg hoffen, das Beginnen nämlich, den 
Eigenwillen der Lehnsbarone zu brechen und Verfassung und Gesetz- 
gebung mehr in monarchischem Sinne durchzuführen. 



116 

Stand aber des Kaisers Gewalt aufCypern fest begründet, so konnte 
sich ihr die Gegenküste auf die Länge nicht entziehen. Wiederholt hat 
sich in der Geschichte die natürliche Bedeutung bewährt, welche dieser 
Insel durch ihre Lage von den syrischen, kleinasiatischen, egyptischen Küsten 
einer- und durch ihre üppige und unerschöpfliche Fruchtbarkeit ander- 
seits verliehen ist. Man braucht z. B. nur an die lange Reihe ruhm- 
reicher Thaten und Eroberungen zu denken, die im dreizehnten und vier- 
zehnten Jahrhundert von Cypem aus geschahen und seinen Namen ge- 
ehrt und gefürchtet machten vom Bosporus bis zur Nilmündung. 

Gypems Behauptung war daher vom Anfang bis zum Ende das 
nächste Ziel der orientalischen Politik des Kaisers. Gegen die Cyprier 
liess er der Schärfe seines Rechts und seiner Waffen freien Lauf, in Sy- 
rien und Palästina legte er sich lieber auf friedliche Unterhandlxmgen. 

Nun hatte der letzte König von Cypern, als er 1218 starb, auf 
dem Todbette seine Gemahlin Alice zur Regentin eingesetzt. Da die 
Ritterschaft nur ungern Frauenregierung duldete, so musste die Kö- 
nigin auf Andringen des Lehnshofes Herrn Philipp von Ibelin, Oheim 
des jungen Königs, zum Mitregenten annehmen. In dessen Namen be- 
herrschte sein Bruder Johann von Ibelin, Herr von Beyrut, ohne Frage 
einer der ausgezeichnetsten Männer seiner Zeit^), das kleine so wichtige 
und werthvolle Königreich. Die Franzosen und Italiener nannten die 
Brüder die Herren von Ibelin, sie hiessen aber eigentlich Iblim, denn 
ihr Vorfahr, der aus Frankreich stammte, war mit dem Schlosse Iblim 
bei Ramla in Syrien belehnt worden, und ihr Vater, Gemal einer Königin- 
Witwe von Jerusalem, erwarb Beyrut und grosse Besitzungen in Cypem. 
Unzweifelhaft waren sie unter dem hohen Adel der Insel die Vornehmsten *). 
Kördgin Alice aber hatte den Herrn Amalrich von Balas lieber, als die 
stolzen und gestrengen Ibelins, und da die Brüder durch ihr herrisches 
Auftreten gegen die Einen, durch zu grosse Begünstigung der Andern 
sich viele Feinde machten, so wurde es Balas leicht, sich eine mächtige 



1) Celoi <yt naturel sens et Boatilment ovra de sapience et de science en coort et dehors et deli- 
▼ra Snrie et Chipre de la servitnt de Tempereour — sagt yod ihm Philipp yod Navarra. Beug- 
not Assis. I 570. 

2) Der Stammbaum der Ibelins bei Bengnot Assis. II 448—462. 



117 

Partei zu bilden, welche der ganzen Ibelin'schen Sippschaft Krieg auf 
Leben und Tod erklärte^). 

Neben Amalrich, einem ebenso kühnen und beherzten Ritter, als ge- 
schickten Redner und Parteiführer, waren es besonders vier junge Adelige 
aus Cyperns vornehmsten Geschlechtem, die sich mit ihm verschworen: 
Gavain von Chenichy, Wilhelm von Rivet, Hugo von Giblet, und Amal- 
rich von Bethsan. Unaufhörlich gab es Händel Zweikämpfe und mör- 
derische Ueberfalle. Die Königin Alice mochte vor Verdruss nicht länger 
auf der Insel bleiben, sie zog sich auf das Festland zurück und heirathete 
später Bohemund von Antiochien. Als sie aber die Regentschaft über 
Cypern zurück forderte und Balas zu ihrem Statthalter machte, wider- 
setzten sich die Ibelins und ihre Anhänger, und der Lehnshof musste ihnen 
zustimmen., 

AUmählig entzweiete sich feindlich die ganze Ritterschaft, und da 
Cypern als das Hauptland der fränkischen Besitzimgen im Oriente erschien, 
auch die Ritterorden und inehrere Barone hüben und drüben begütert 
waren, so theilte sich die cyprische Parteiung dem Festlande mit. Mann 
stand wider Mann, jedes Ereigniss gab der Zwietracht neue Nahrung. 
Die Franken im Morgenland, die sich von den Byzantinern sonst gern 
abseits hielten, hatten deren schlimmste Gewohnheit angenonmien: sie 
verfolgten ihre Feindschaften mit allen Ränken, ganz unbekümmert um 
ihren erhabenen Beruf, zu streiten wider die Feinde des Kreuzes. Gab 
doch den Rittern das übelste Beispiel der erbitterte Hass, der zwischen 
der lateinischen und griechischen Geistlic